Wittener Geschichte in neuem Glanz

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Bahnhöfe

Geschichte des Wittener Hauptbahnhofs

Der Wittener Hauptbahnhof gehört zu den ältesten und bedeutendsten Verkehrsknotenpunkten im südlichen Ruhrgebiet. Seine Entwicklung spiegelt die industrielle Aufbruchsstimmung des 19. Jahrhunderts ebenso wider wie die Modernisierung des regionalen Bahnverkehrs im 20. Jahrhundert.

 

Frühe Jahre (1848–1900)

Mit der Eröffnung der Bergisch‑Märkischen Eisenbahnstrecke im Jahr 1848/49 erhielt Witten seinen ersten Bahnhof, damals unter dem Namen Witten BME bzw. Witten West. Die neue Verbindung nach Dortmund und Hagen war ein zentraler Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt: Kohle, Stahl und Maschinen konnten nun schneller transportiert werden, und Witten wurde zu einem wichtigen Umschlagpunkt der Region.

 

Neubau und Verlegung (1901)

Um den wachsenden Anforderungen des Verkehrs gerecht zu werden, wurde der Bahnhof 1901 an seinen heutigen Standort südöstlich der Innenstadt verlegt. Das neue Empfangsgebäude entstand nach Plänen des Wittener Architekten Richard Sauerbruch. Der repräsentative Backsteinbau mit seinen markanten Rundbogenformen steht heute unter Denkmalschutz und zählt zur Route der Industriekultur.

 

Wandel im 20. Jahrhundert

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Bahnhof zu einem regionalen Drehkreuz. Mehrere Nebenstrecken – darunter die Verbindung über Wengern Ost nach Hagen‑Vorhalle – erweiterten das Netz. 1940 erhielt der Bahnhof offiziell den Namen Witten Hauptbahnhof.

 

Ein einschneidendes Ereignis war das Zugunglück von 1939, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen. Trotz solcher Rückschläge blieb der Bahnhof ein zentraler Bestandteil des Wittener Stadtlebens.

 

Modernisierung und Fernverkehr

Mit dem Ausbau der Ruhrgebietsstrecken in den 1980er Jahren wurde der Fernverkehr beschleunigt – seit 1988 fahren InterCity‑ und ICE‑Züge ohne Halt durch Witten. Der Hauptbahnhof konzentriert sich seither auf den Regional‑ und S‑Bahn‑Verkehr.

 

Sanierung und neue Nutzung

Nach dem Verkauf des Gebäudes im Jahr 2010 wurde der Bahnhof umfassend saniert. Rund 3 Millionen Euro flossen in die Restaurierung des historischen Bauwerks. Heute verbindet der Hauptbahnhof moderne Mobilität mit industrieller Geschichte. Ein besonderer Blickfang ist die kleine Dampflok „Friedrich“ (Henschel, 1949), die als technisches Denkmal in der Empfangshalle steht.

Ruhrbrücken und Straßenbahnen

Ruhrbrücke Witten–Bommern

 

Die Ruhrbrücke Witten–Bommern ist eine der ältesten und wichtigsten Verbindungen über die Ruhr im Wittener Süden. Sie verbindet den Stadtteil Bommern mit der Innenstadt und bildet seit Jahrhunderten eine zentrale Achse für Handel, Verkehr und Alltag.

 

Historische Entwicklung

Bereits 1503 ist eine Holzbrücke belegt, die Bommern und Witten miteinander verband. Sie wurde durch starken Eisgang zerstört; über ihren Erbauer und das Baujahr ist nichts überliefert. Danach gab es über drei Jahrhunderte keinen festen Übergang – eine Fähre stellte bis 1882 die einzige Verbindung zwischen beiden Ufern dar.

 

Mit der Einweihung der neuen Brücke 1882 begann die moderne Verkehrserschließung des Ruhrtals. Diese Brücke diente bis 1936, bevor sie durch einen leistungsfähigeren StahlbetonNeubau ersetzt wurde. Die 1936 errichtete Brücke überstand die Bombardierungen von 1944 unbeschadet und blieb bis 1997 in Betrieb.

 

Moderne Brücke seit 1997

Am 8. Juni 1997 wurde die heutige Ruhrbrücke eröffnet. Sie ist ein zweispuriger Stahlbetonbau mit beidseitigen Gehwegen und bildet eine wichtige NordSüdAchse zwischen Bommern, Herbede und der Wittener Innenstadt. Die Brücke trägt täglich tausende Fahrzeuge und erschließt zentrale Freizeit- und Naherholungsgebiete wie den Hohenstein, das Muttental und den Kemnader See.

 

Bedeutung heute

Die Ruhrbrücke Witten–Bommern ist ein unverzichtbarer Bestandteil der lokalen Infrastruktur. Sie verbindet Wohngebiete, Gewerbe und Naherholung, sichert den Verkehr im Ruhrtal und knüpft an eine über 500jährige Geschichte der Ruhrquerung an.

Wasserwerk und Viadukt

 

Alter Wasserspeicher auf dem Ardey

 
 

Kirchen, Kapellen, Bethäuser, Gedenkstätten und Synagogen

 
 
 
 
 
 

Rats- und Amtshäuser

Das Rathaus Witten ist Sitz des Stadtrats und eines Großteils der Stadtverwaltung der Stadt Witten. Das 1926 fertiggestellte Rathaus ist als Baudenkmal in der städtischen Denkmalliste eingetragen.

 

1862 kaufte die Stadt Witten ein 1850 erbautes Privathaus an, das als erstes Rathaus diente und im Laufe der Zeit mehrfach umgestaltet wurde. Die größte Umbaumaßnahme erfolgte 1893. Es wurden ein zusätzliches Stockwerk und ein Sprechbalkon ergänzt und der Rathaussaal umgebaut.

 

1907 fasste der Magistrat den Beschluss, für Sparkasse, Rat und Verwaltung einen Neubau zu errichten. Die Planungen für Sparkasse und Rathaus wurden allerdings bald getrennt. Nachdem um den Standort des neuen Rathauses lange diskutiert worden war, beschloss der Magistrat 1910, den Bau am Brinkmann’schen Platz zu errichten. 1912 führte die Stadt einen Architektenwettbewerb durch, für den 73 Einsendungen erfolgten. Kurz nach Baubeginn 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Der Bau wurde gestoppt.

 

Während des Kriegs wurden die Rathaus-Baupläne überarbeitet. 1919 begutachtete der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann die Überarbeitungen und brachte als Änderungsvorschläge einige Vereinfachungen und Anpassungen an den Zeitgeschmack ein. Mit der Ausführung wurde Stadtarchitekt Püschel beauftragt. 1921 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Der Erdaushub wurde durch die Westfälische Straßenbahn abtransportiert. 1922 waren die Ausschachtungsarbeiten beendet. Es folgten Fundament- und Betonarbeiten. Zum Jahreswechsel 1922/23 stand das Hauptgebäude im Rohbau. 1923/24 wurde das Rathaus schrittweise bezogen, um während der Ruhrbesetzung der Beschlagnahme durch die französische Verwaltung zuvorzukommen. Der Rathauskeller wurde 1925 das erste Mal als Restaurant verpachtet.

 

1925 wurde mit Ausschachtungsarbeiten für den Rathausturm begonnen. 1926 ging die Turmuhr von Mix & Genest in Betrieb, der Innenausbau wurde abgeschlossen und der Markflügel mit Turm fertiggestellt.

 

1944 zerstörte ein Bombardement fast die gesamte Innenstadt. Auch der Nordflügel des Rathauses wurde zerstört. Anfang der 1950er Jahre wurde eine Rathauserweiterung entlang der Hauptstraße errichtet. Von 1955 bis 1968 war auch die Stadtbücherei im Rathaus untergebracht. 1978 gab es wiederum einen Architektenwettbewerb für eine Rathauserweiterung.

 

Kompletter Umbau

 

Nach über einem Jahrzehnt Bauzeit und vielen Herausforderungen öffnete sich das Wittener Rathaus in neuem Glanz. Am 4. und 5. Juli 2025 lud die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger zum großen Rathaus-Fest ein. Es war mehr als eine Feier – es war die symbolische Übergabe eines modernisierten, offenen und bürgernahen Verwaltungsgebäudes an die Menschen dieser Stadt. Die Renovierungskosten lagen bei fast 50 Millionen Euro. 

Wittener Wahrzeichen: Der Sackträger

 
 

Zerstörung und Wiederaufbau

Roburit‑Katastrophe 1906 (Witten‑Annen)

 

Die Roburit‑Katastrophe von 1906 zählt zu den schwersten Industrieunglücken im Ruhrgebiet und prägte die Geschichte von Witten‑Annen nachhaltig. Am 28. November 1906 explodierte die Wittener Roburit‑Fabrik, in der seit 1887 der Sicherheitssprengstoff Roburit für den Bergbau hergestellt wurde. Obwohl Roburit als „nicht schlagempfindlich“ galt und angeblich nur mit speziellem Zünder detonieren konnte, löste ein Brand zwei gewaltige Explosionen aus, die die gesamte Anlage zerstörten

 

Ablauf der Katastrophe

Die Detonationen verwüsteten nicht nur die Fabrik, sondern auch umliegende Wohnhäuser und Betriebe. Die Folgen waren dramatisch:

  • 41 Tote
  • über 200 Verletzte
  • rund 2000 Menschen in Annen obdachlos
  • massive Schäden im gesamten Stadtteil

Die Druckwelle war kilometerweit spürbar und zerstörte große Teile der lokalen Infrastruktur.

 

Hintergründe & Ursachen

Nach dem Unglück zeigte sich, dass Roburit unter bestimmten Bedingungen doch selbstentzündlich sein konnte. Hitze, Verunreinigungen und unsichere Lagerbedingungen führten dazu, dass der Sprengstoff ohne Zünder detonierte. Die Katastrophe löste eine bundesweite Debatte über Sicherheitssprengstoffe, Produktionsstandards und staatliche Kontrollen aus.

 

Reaktionen im Deutschen Kaiserreich

Die Roburit‑Explosion sorgte deutschlandweit für Bestürzung. Zeitungen berichteten tagelang über das Unglück, Hilfsaktionen wurden gestartet, und sogar Kaiser Wilhelm II. ließ finanzielle Unterstützung zukommen. Zahlreiche Städte, Unternehmen und Privatpersonen spendeten für die Opfer und deren Angehörige.

 

Folgen für Witten‑Annen

Die Zerstörungskraft der Explosionen veränderte den Stadtteil dauerhaft:

  • ganze Straßenzüge mussten neu aufgebaut werden
  • viele Familien wurden dauerhaft umgesiedelt
  • lokale Betriebe standen monatelang still
  • die Stadt organisierte umfangreiche Hilfsprogramme

Die Katastrophe gilt bis heute als Wendepunkt der Wittener Industriegeschichte.

 

Erinnerungskultur

Bis heute erinnern historische Fotos, Zeitungsberichte und Stadtchroniken an die Explosion von 1906. Die Katastrophe ist ein zentraler Bestandteil der lokalen Erinnerungskultur in Witten‑Annen und ein mahnendes Beispiel für die Risiken der frühen Industrieproduktion.

Bommern

„Kessler am Berchem“ war ein kleiner Familienbetrieb (Gaststätte oder Kneipe) am Berchem‑Hof bzw. im Umfeld des Berchem‑Wegs in Bommern, vermutlich bis Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts. Die Gaststätte „Kessler am Berchem“ in Bommern hatte einen Saal, der u.a. als provisorischer evangelischer Gottesdienstraum genutzt wurde. Die evangelische Gemeinde Bommern war im 19. Jahrhundert noch klein und hatte keinen eigenen Kirchenbau.

Wirtshaus von Heinrich Becker am Denkmal in Bommern

In dieser Gaststätte wurde Bommersche Ortsgeschichte geschrieben. Erwähnt wird das Gasthaus in der Festschrift des TuS Bommern zum 50. Jubiläum. Danach wurde 1879 der Turnverein zu Bommern bei Carl August Brinkhoff am Denkmal gegründet. Der Wirt Brinkhoff hat mit den Turnern einen großen Saal an das Wirtshaus gebaut, der zunächst als Wirtshaussaal (Gloria-Saal) und als Turnhalle genutzt wurde. Ab 1887 fanden sogar eine Zeit lang evangelische Gottesdienste in dem Brinkhoffschen Saal statt. 1923 requirierten französische Soldaten ihn für ein Jahr. Danach erfolgte eine durchgreifende Sanierung. Fortan wurde der Saal (Beckerscher Saal) Schauplatz vieler Vereinsfeiern sowie Betriebsversammlungen und diente als Tanzboden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Saal einige Jahre als Kino (Gloria-Kino) genutzt. Die Gaststätte wurde in den Fünfzigern wiederbelebt (Gloria-Gaststätte). Der traditionelle „Tanz in den Mai“ fand dort ebenso statt wie der Sitzungskarneval der Bommeraner. Anfang der 60er Jahre kam es zur Schließung der Gaststätte. Eine Autowerkstatt benutzte bis in die 80er Jahre den Saal für den Handel mit Fahrzeugen. 1987 wurden das mittlerweile baufällige Wohnhaus und der Saal abgerissen. Der Aldi-Supermarkt ließ sich dort in einem neu gebauten Klinkerbau im Erdgeschoss nieder. Nachdem dieser 2014 in die Neue Mitte verlegt worden war, richtete sich zunächst ein türkischer Discounter ein und Ende 2017 ein osteuropäischer Lebensmittelmarkt; später ein Möbelhaus.

Witten - City

 
 

Haus Witten

Annen

 

Herbede

Stockum