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St. Urbanus in Dortmund-Huckarde

St. Urbanus darf als besonders spannungsgeladener und aussagekräftiger Erinnerungsort gelten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Frauenstift Essen gehörend, wurde hier früh eine Kirche erbaut. Die Skulptur des Patrons, ein herausragendes Kunstwerk aus einer Blütezeit der Kirche im 14. Jahrhundert, wird noch heute verehrt und bei Prozessionen mitgeführt. Im 19. Jahrhundert hat die Kirche auf die dramatischen Umstände reagiert, die mit dem immensen Bevölkerungszuwachs verbunden waren: Der spätgotische Choranbau der Kirche wurde abgerissen, um diese mit einem Neubau erheblich zu vergrößern; gleichzeitig erhielt St. Urbanus eine bedeutende Neuausstattung. Heute ist die Kirche Gotteshaus und Kulturdenkmal eigenen Typs: Sie erinnert an Mittelalter und Vormoderne, zugleich aber auch an die dramatischen Vorgänge der Industrialisierung des 19. und 20. Jahrhunderts, die aus dem kleinen Dorf eine gigantische Industrieansiedlung um die Zeche 'Hansa' mit angeschlossener Kokerei werden ließen.

 
Ostturm
 
 
 

Berta, Gräfin von Arnsberg war die Auftraggeberin des heute ältesten Gebäudes in Huckarde, der St. Urbanus-Kirche. Sie bestimmte als Fürstäbtissin des freiweltlichen Damenstiftes Essen die Geschicke des mittelalterlichen Huckarde wie keine andere. Es gibt keine Bilder von Berta von Arnsberg, nur eine Münzdarstellung wird ihr zugeschrieben. Ein Denar aus dem Jahr 1275 zeigt auf der Vorderseite König Rudolf von Habsburg mit Zepter und Reichsapfel und auf der Rückseite Berta von Arnsberg in einem dreischiffigen Gebäude. Als „imponierende Frau“ wurde Berta beschrieben, die noch jung an Jahren das schwierige und viel diplomatisches Geschick voraussetzende Amt der Landesherrin bekleidete. Die Fürsten der umliegenden Territorien versuchten, das zwar kleine, aber strategisch und verkehrsgünstig gelegene Gebiet Huckarde in ihren Einflussbereich zu bekommen. Sowohl die Kölner Erzbischöfe als auch die Grafen von der Mark bedrängten das Stift. Erst als sich Kaiser Rudolf I. im Jahr 1275 zum Stiftsvogt wählen ließ und auch der Papst in Rom der Äbtissin ihre Privilegien bestätigte, kehrte vorübergehend Ruhe ein. Wie sich Berta von Arnsberg gegen ihre Widersacher zu wehren verstand und ihren Anspruch auf ihr Territorium ausdrückte, lässt sich am bekanntesten zeitgenössischen Ausdrucksmittel, nämlich der Baukunst ablesen. Gleichzeitig mit ihrem bedeutendsten und hartnäckigsten Widersacher, dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden, der 1248 den Bau des Kölner Domes veranlasst hatte, ließ sie die wehrhafte spätromanische St. Urbanus-Kirche in Huckarde bauen.

 
 
 
Westturm
 

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Schon vor 800 v. Chr. (Bronzezeit) ist die Huckarder Gegend (hucrithi: Hügel im Sumpf) besiedelt. Um 800 n. Chr. gehört das Land um die Mündung des Roßbachs in die Emscher zum Hofverband des sächsischen Edelings Ecbert; nach der Enteignung durch die Franken unter Karl dem Großen - in diese Zeit fällt auch die Christianisierung hier - wurde dem Reichshof "hukretha" die Sicherung des Hellwegs übertragen. Seit 860 gehört der Reichshof nach einer Schenkung des Hildesheimer Bischofs Altfried (ein Enkel des Ecbert) zum Damenstift Asnide (Essen). Die heutige St. Urbanus Kirche wird 1272 erstmals als Marienkirche erwähnt und fällt, als zur Zeit der Säkularisation 1802 das Damenstift Essen aufgelöst wird, an Preußen (heute noch ist die St. Urbanus Kirche Patronatskirche des Landes Nordrhein-Westfalen). 1899 wird die St. Urbanus Kirche erheblich erweitert; dieser Erweiterung muss der alte spätgotische Chorraum weichen.

 

Die Kirche

Die Architektur der alten zweijochigen (zwei Kuppelgewölbe) dreischiffigen Hallenkirche (die Seitenschiffe sind so hoch wie das Mittelschiff) wiederholt sich im Erweiterungsbau von 1899 (Königlicher Baurat Spanke); im Baustil folgt die alte Kirche dem Dom zu Münster (geweiht 1263), Baubeginn von alter Kirche und Kölner Dom sind etwa gleich (1248).

 

1. (Alter) Westturm; ungewöhnlich aufwendig für eine kleine Dorfkirche sind die romanischen Schallöffnungen (runde Bögen) mit Mittelsäulen und die Bogenfriese (Verzierungsmotiv aus Bögen) mit Ecklisenen (senkrechte Mauerstreifen); im Turm befindet sich die vermutlich älteste Glocke Westfalens (um 1200), dieses Alter kann angegeben werden, da sie noch keine Inschrift besitzt, nur ein liegendes Kreuzzeichen; auch hat sie mit 93 cm unterem Durchmesser und 82 cm Höhe eine schlankere Form als später üblich; früher wurde sie als "Feuerglocke" benutzt.

Kreuzigungsszene am Westturm

Zu jeder Zeit erlebt sich die Kirche dem Geist der Zeit ausgesetzt. Auch die 3300 Katholiken zählende Kirchengemeinde St. Urbanus in Huckarde im Dortmunder Nordwesten lebt mit ihrer Geschichte, in der ihre Kirche ein besonderer Erinnerungsort ist. Der Bau der ersten Huckarder Kirche ist um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden und 1272 erstmals als Marienkirche erwähnt. Ihr heutiger Name St. Urbanus wird ab 1719 genannt. Seit mehr als 500 Jahren erfüllt die Gemeinde ein Prozessionsgelübde zum Pfingstmontag. Die Huckarder Kirche ist Baudenkmal des Landes Nordrhein-Westfalen. Im romanischen Turm läutet eine der ältesten Glocken Westfalens. 

2. Romanisches Stufenportal mit Tympanon aus dem 13. Jahrhundert (Vorbild solcher Portale ist der römische Triumphbogen). 

 

3. Hier befand sich vor dem Erweiterungsbau 1899 eine stallähnliche Erweiterung in Fachwerkbauweise.

 

4. Turmhalle: in den Kirchenraum der alten Kirche einbezogen; hier steht heute das Taufbecken.

Hochkanzel (Fuchskanzel) (rechts vom Altar)

Eines der bedeutsamsten Ausstattungsstücke der St. Urbanuskirche ist die Hochkanzel, die auch als Fuchskanzel bezeichnet wird. Im Jahr 1480 wurde die Kanzel im niederrheinischen Kalkar aus Eichenholz geschnitzt. Zur Zeit der Reformation konnte Pfarrer Johann Bertram Zumkumpf sie im Jahr 1665 für acht Taler vom Dortmunder Dominikanerkloster erwerben, aus dem die heutige Propsteikirche im Dortmunder Zentrum wurde. Die Kanzel setzt sich aus folgenden fünf Tafeln zusammen. Das Zentrum ist der segnende Christus, mit der Weltkugel in der Hand, selbst in einer Kanzel stehend. Das bekannteste Motiv ist "Der Fuchs predigt den Gänsen". Der Fuchs auf der Kanzel in Mönchskutte trägt in der Kapuze einen erlegten Vogel. Unten stehen die "dummen" Gänse, die andächtig die Köpfe hochhalten und dem Fuchs zuhören. Am Rand ist eine sitzende Eule zu sehen, die sich von dem Geschehen ab- und dem Betrachter zuwendet. Eine weitere Tafel erzählt von den Hasen, die den Jäger tragen. Ein weiteres Motiv stellt den Heiligen Georg dar. Als Sinnbild für die Auferstehung ist auf einer weiteren Tafel Phönix dargestellt, der aus der Asche steigt und ein neues Leben empfängt. Das Motiv des Einhorns repräsentiert einerseits das Sinnbild der Kraft, andererseits in einer späteren Interpretation das Sinnbild für Keuschheit. Alle Darstellungen auf der Kanzel stehen für das damalige Lebensgefühl des Mittelalters, das einerseits von Humor, andererseits von Belehrungen geprägt war. Die Motive deuten das Paradies als eine "umgekehrte Welt".

◄ 5. Sitzender St. Urbanus aus dem 14. Jahrhundert; anstelle der heutigen Tiara trug er früher eine dreifache Krone in der Form eines Spitzhutes; anstelle des Papstkreuzes (drei Querbalken) hielt er früher sein Richtschwert (eine der ganz seltenen Urbanus I.-Darstellungen, wo der Papst sein Martyrer-Werkzeug selbst hält). Erst seit etwa 250 Jahren ist diese Kirche eine St. Urbanus Kirche (vorher war sie eine Marienkirche): Am Urbanitag (25. Mail mussten alle Huckarder und Dorstfelder unter Strafandrohung am Gottesdienst teilnehmen; hier wurde dann verkündet, dass "um Heu zu ziehen" in den nächsten Wochen das Vieh nicht mehr in den Huckarder und Dorstfelder Bruch zur Weide getrieben werden durfte. Da so am Urbanitag die Gemeinde zusammenkam, haben die Prämonstratenser von Knechtsteden - sie waren damals hier mit der Seelsorge betraut - St. Urbanus I. als Schutzpatron gewählt.

▲ Die St. Urbanus-Figur in der Nähe des Altars in unseren Tagen

 

6. Kreuzweg, Malerei auf Kupferplatten im Nazarenen-Stil; um 1900 von einem Wiedenbrücker Künstler gemalt.

 

7. Orgel: Die Orgel ist eine Orgel mit mechanischer Fraktur - sie wurde 1967 von der Firma Breil eingerichtet und besitzt 3 Manuals und 37 Register.

 

8. Spätgotische Hochkanzel, um 1480 wahrscheinlich in Kalkar aus Eichenholz geschnitzt; zur Zeit der Reformation haben die Huckarder sie für acht Taler vom Dominikanerkloster – heute Propsteikirche (St. Joh. d. T.) - erworben. Das berühmteste Motiv der Kanzel ist "Der Fuchs predigt den Gänsen" (ein Sinnbild für die verkehrte Welt): der Fuchs auf der Kanzel hat sich eine Mönchskutte angezogen, in der Kapuze sieht man einen erlegten Vogel, und unten stehen die dummen Gänse, halten andächtig die Köpfe hoch und hören dem Fuchs zu. Vorne ist unübersehbar der lehrende Christus zu sehen, auf einer anderen Tafel ist Phönix dargestellt (Symbol der Auferstehung, Phönix steigt ja aus der Asche und empfängt neues Leben), auf anderen Tafeln finden wir "Die Hasen tragen den Jäger“, das Einhorn (Sinnbild der Kraft, später auch der Keuschheit, Adler, St. Georg; Passionswappen.

 

 
 

Die Kirche beherbergt drei besondere Holzskulpturen als Repliken der historischen Originale, die im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn zu besichtigen sind. Zwei dieser Figuren findet man - rot angestrahlt - im Eingangsbereich des Westturmes.

Die Pietà (Original 15. Jahrhundert):

Auf einer Mauer aus dem ungleichen Steinen sitzend, trägt die Gottesmutter in ihren Armen den toten Jesus. Maria trägt über ihrem Kleid einen weiten Mantel, wobei ihr Haar von einem Kopftuch bedeckt ist.

Die Madonna mit Kind (Original 1340):

Maria wird als Himmelskönigin abgebildet. Bei der Betrachtung der Statue fällt auf, dass der Faltentwurf des Gewandes in äußerst aufwendiger Weise gestaltet ist.

▲ Die Urbanuskirche war ursprünglich eine der „hl. Jungfrau Maria geweihte Kapelle“, wie sie in der Ersterwähnung 1272 genannt wird. Die Bedeutung der Kirche genauso wie ihre Stellung als Marienkirche verdeutlichen zwei Holzskulpturen, die sich bis 1917 in der St. Urbanuskirche befanden: eine Pieta, d. h. Maria als Schmerzensmutter mit dem vom Kreuz abgenommenen Jesus, und eine Figurengruppe bestehend aus der Heiligen Anna, ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind, eine sog. Anna Selbdritt. Es ist anzunehmen, dass beide Figuren auf Stiftungen von Gemeindemitgliedern zurückgehen. Im Mittelalter versuchte man, die Leidenszeit im Fegefeuer durch Stiftungen zu verkürzen. Die beiden wertvollen Skulpturen können daher nur von wohlhabenden Huckardern gestiftet worden sein. Man weiß nicht genau, wer die beiden Figuren schuf. Wegen spezieller Merkmale ihrer Ausführung wurden sie bis vor kurzem einer Osnabrücker Werkstatt zugeordnet, neuerdings weist man sie der überregional bekannten Kölner Werkstatt des Bildschnitzers Tilmann Heysacker gen. Krayndunck zu. Der Meister von Huckarde, wie die Kunstgeschichte ihn bislang nennt, schuf die beiden Werke um 1500. Aufgrund ihres Wertes befinden sich beide Kunstwerke heute im Paderborner Diözesanmuseum, in der Urbanuskirche stehen Nachbildungen. Die Abbildung zeigt eine Nachbildung der Pieta.

 
 
 
Auf dem Triumphbogen, der zwischen dem Chor und dem Gläubigenraum liegt, sind Engel abgebildet. Im Jahr 1906 wurde die gesamte Kirche in diesem Stil ausgemalt.
 

Das Gotteslamm trägt die Osterfahne auf dem Buch mit den sieben Siegeln stehend; rechts und links vom Lamm zwei Weihrauch-schwingende Engel; (im Volksmund heißt das Portal Brautpforte).

 

Über das Buch mit den sieben Siegeln wird ausführlich ab dem fünften Kapitel der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament der Bibel berichtet. Dabei wird in einer sehr bildreichen und visionären Sprache geschildert, wie nacheinander die sieben Siegel an einer „innen und auf der Rückseite beschriebenen“ Buchrolle (Offb 5,1 EU) durch das Lamm (ein Symbol Jesu Christi) geöffnet werden, wodurch die Apokalypse ausgelöst wird.

 

Die Siegel

Beim Öffnen der ersten vier Siegel werden nacheinander die vier apokalyptischen Reiter auf die Erde losgelassen (Offb 6,1–8 EU).

Das fünfte Siegel lässt unter dem Altar die Seelen der Märtyrer sichtbar werden. Diese verlangen Vergeltung für ihren Tod (Offb 6,9–11 EU).

Das sechste Siegel lässt die Erde beben, die Sonne färbt sich schwarz, der Mond wird wie Blut und die Sterne fallen auf die Erde (Offb 6,12–17 EU). Es wird daher oft bereits als Zeichen des Weltuntergangs gedeutet, aber auch als Zeichen für die Errettung der vor Gott Gerechten.

Das siebte Siegel ist schließlich das definitive Ende der bisherigen Welt. Sie wird durch sieben Engel mit Posaunen und einen achten mit dem Rauchfass verheert (Offb 8,1–9 EU).

 

Kulturelle Rezeption

Im Mittelalter (um 1150) wurde das auf die Vision des Apostels Johannes und (zahlensymbolisch) auf die Zahl Sieben Bezug nehmende geistliche und zahlenallegorische Gedicht De septem Sigillis im Gebiet Österreichs verfasst.

 

9. Engel am Triumphbogen (Bogen zwischen Chor und Gläubigenraum): 1906 wurde in diesem Stil die ganze Kirche durch den Kirchenmaler Lübbenkötter aus Oelde und den Historienmaler Weller aus Düsseldorf ausgemalt. Von Weller sind neben diesem „Engelkranz“ ' noch erhalten „Urbanus tauft Valerianus, den Bräutigam der HI. Cäcilia“ (rechts oben im Altarraum), die Kreuzigungsszene gegenüber und das Wandbild über der Marienkapelle. Die anderen Malereien wurden im Zuge einer Renovierung entfernt.

 

10. Hochaltar, 1906 von einem Paderborner Schnitzer gestaltet, 1949 erneuert.

 

11. Marienkapelle

Die Kirchgenfenster des Erweiterungsbaus zeigen Heiligenfiguren; in der alten Kirche sind die Sakramente dargestellt - 1959 von lgnatius Gaitel aus Bochum angefertigt; die Fenster im Chor wurden 1965 von Nikolaus Bette aus Essen-Werden gestaltet (von ihm mit stammen auch die neuen Fenster in der Propstei-Kirche). Weitere Kunstwerke befinden sich im Diözesanmuseum in Paderborn („Anna Selbdritt“, um 1500 von Tielman von der Bruch; eine Madonna mit dem Kind, um 1340) oder sind nicht offen zu sehen (eine Pieta von Tielman v.d. Bruch, ein gotischer Kelch aus dem 15. Jahrhundert, Messgewänder).

 

▲ Fenster über dem Eingang, Antikglas/Blei/Schwarzlot

Sakrament der Eucharistie.

Bildtext: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.

Ignatius Geitel, 1959

 

Nachdem die Huckarder Pfarrkirche jahrhundertelang zuerst als „Marienkapelle“, dann als „Marienkirche“ bezeichnet worden war – woran bis heute die Bezeichnung der anliegenden Straße als „Marienstraße“ erinnert – wurde das Gotteshaus ab dem Jahr 1719 mit dem Namen eines anderen Patrons, nämlich als „St. Urbanus-Kirche“ bezeichnet.

 

Wie viele andere Kirchen im Herrschaftsgebiet der Essener Stiftsdamen, war auch die Huckarder Kirche einst der Jungfrau Maria geweiht. Die „Goldene Madonna“ (um 980) in der Essener Stiftskirche zeugt bis heute von der Verehrung der Heiligen Jungfrau Maria durch die frommen adligen Damen. Diese älteste erhaltene vollplastische Marienfigur der abendländischen Kunst hatte sicher in vielen Pfarrkirchen des Stiftsgebiets ihre Entsprechungen, so auch in Huckarde. Als jedoch kurz nach 1700 die Prämonstratenserabtei Knechtsteden begann, die Pfarrer für Huckarde zu entsenden, änderte sich im Jahr 1719 das Patronat der jahrhundertealten Pfarrkirche. Am 2. Mai 1719 stiftete die Fürstäbtissin Bernadine Sophia von Ostfriesland und Rietberg eine wöchentliche Messe „zu Ehren der Muttergottes und des heiligen Urban, Patronen unserer Pfarrkirche zu Huckarde“ und bezeugte damit diesen, in unseren Breiten eher selten verehrten, Heiligen als Co-Patron der hiesigen Kirche.

 

Wer war Urbanus?

Der heilige Urbanus war als Urban I. von 222–230 Papst und Bischof von Rom, sein Papstname bedeutet „der Städter“ und könnte eventuell auf seine römische Abstammung hindeuten. Er wird heute als Stadtpatron bedeutender Städte, wie Toledo, Valencia oder Maastricht verehrt und als Schutzheiliger der Weinberge, des Weines, der Winzer und der Küfer angesehen. Angerufen wird Urbanus bei Trunkenheit, Gicht, Frost, Gewitter und Blitz. Dieser Papst soll die Verordnung erlassen haben, dass der Kelch beim Abendmahl stets aus Silber oder Gold zu sein habe. Bestattet wurde Urban I. in den Katakomben von Rom.

Der „Hoppsche Kotten“ am Kirchplatz

Bebauung am Kirchplatz

Im Dorfkern Huckarde, befinden sich zahlreiche Baudenkmäler der Stadt Dortmund. Rund um Pfarrkirche St. Urbanus, sind dabei die meisten denkmalgeschützten Gebäude zu finden. Das historische Gebäudeensemble, Widum, Wittum oder Widem genannt, besteht heute aus sechs Fachwerkbauten. Der Begriff meint neben anderen Bedeutungen kirchenrechtlich das Kirchengut, das meist vom Geistlichen zu seinem Unterhalt bewirtschaftet werden konnte. So stehen die Häuser nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich im Bezug zur Kirche in ihrem Zentrum. Es handelt sich überwiegend um zweigeschossige Wohnhäuser, die mehrheitlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Dieses schon seit dem Mittelalter bestehende Gebäudeensemble spiegelt einen Eindruck vom ursprünglichen Siedlungskern des alten Huckarde wieder.

Ein Gebäude am Kirchplatz ist die sogenannte Domschänke. Das Gebäude stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Allerdings war der Platz schon 1790 bebaut. Die Familie Straeter errichtete damals hier eine kleine Brauerei mit Ausschank. Gegenüber befindet sich der „Hoppsche Kotten“, die Geschichte des Hauses lässt sich bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen. Bis zur Säkularisation nach 1803 gehörte es dem Dortmunder Katharinenkloster und diente höchstwahrscheinlich als Wirtschaftshof für die nördlich der Kirche gelegene ‚Kluse’ (jetzt: Kirchplatz 1). Seit ca. 1640 ist die Familie Hoppe als Bewirtschafterin nachgewiesen, die den Hof bis 1992 bewohnte und ihm seinen Namen gab.

1790

BEWAHRE DIE FRUCHTEN AUF DEM LAND:

FOR KIESEL UND GEFAHREN
SEGNE SCHEUER UND HAUS MIT VOLLER HAND

BIES IN DIE SPASTEN JAHRE
THEODOR WIELHELM HOPPE    IANNA MARIA FOLKERS

▲ Das bestehende Gebäude wurde erst 1790 durch Theodor Wilhelm Hoppe an der Stelle des Vorgängerbaues errichtet. Wegen umfangreicher Sanierungen im Jahr 1975 sind nur die äußeren Fachwerkrahmen im Originalzustand erhalten. Dennoch ist die für kleine Gehöfte in Westfalen charakteristische Zweiteilung in einen Wohn- und einen Wirtschaftsteil abzulesen.

Ehrenmal unweit der Kirche 1914 - 1918 / 1939 - 1945

 
 

Ehrenmal, Am Dieckhof / Ecke Marienstraße

Das Ehrenmal aus dem Jahr 1933 ist den Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet. Auf einem gemauerten Kalksteinsockel steht eine bronzene Figurengruppe. Ein Soldat mit Stahlhelm und Fahne legt seinen Arm schützend um die Schulter eines vor ihm hockenden, barhäuptigen Kameraden. Als Motiv ist die zweite Strophe des Liedes „Ich hatt` einen Kameraden“ zugrunde gelegt. Das Ehrenmal ist in eine Natursteinmauer eingebunden und wurde um 1950 durch zwei links und rechts vom Sockel angebrachte Natursteintafeln ergänzt, die an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnern.

 

Detail aus einem Denkmal "für unsere tapferen Helden" 1914-1918, Krieg Helden Krieger, St. Urbanus Kirche Huckarde, Huckarde, Dortmund

 

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