Mühlenhof - Freilichtmuseum Münster am Aasee zu verschiedenen Jahreszeiten
(September 2024, März und Oktober 2025)

Das Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster zeigt auf fünf Hektar im Stadtteil Sentrup in unmittelbarer Nähe zum Aasee, dem Allwetterzoo und dem LWL-Museum für Naturkunde bäuerliche und handwerkliche Kultur der Region aus vier Jahrhunderten. An die 30 historische Bauten wurden von ihrem ursprünglichen Ort in das Museum nach Münster in Westfalen versetzt oder dort nach alten Vorbildern rekonstruiert. Die Inneneinrichtungen mit historischem Sammlungsgut vermitteln einen Eindruck von Lebensgewohnheiten und Arbeitsweisen der Menschen, die hier einmal zu Hause waren.

 

Mit der Wiedererrichtung der Bockwindmühle des 18. Jahrhunderts aus dem Emsland, initiiert von Theo Breider, wurde das Freilichtmuseum 1961 eröffnet. Es folgten Haupt- und Nebengebäude von Bauernhöfen, eine Landschule von 1823, die ursprünglich in Lengerich stand und bis 1954 in Betrieb war, eine Bauernhofkapelle von 1840, ein Dorfladen mit Dorfkrug, der heute gastronomisch genutzt wird, ein Bienenhaus, dessen Honig im Hofladen verkauft wird, ein Weberkotten, eine Dorfschmiede, in der bis heute zwei festangestellte Schmiede arbeiten, und weitere alte Werkstätten. In regelmäßigen Veranstaltungen wird das alte Handwerk zum Leben erweckt. Die Flügel der für den Trägerverein namengebende Bockwindmühle werden an besonderen Anlässen mithilfe eines Elektromotors im Inneren zum Drehen gebracht. Es finden Lesungen in Platt- und Hochdeutsch statt. In der Landschule wird wie zu Großmutters Zeiten gelesen und geschrieben, im Winter wird hier zum Wohlbefinden der Besucher der Holzofen angefeuert. In der Adventszeit findet auf dem Gelände des Mühlenhofs ein Weihnachtsmarkt statt. Verkaufs- und Ausschankbuden sowie ein Karussell werden aufgestellt, viele Bauwerke werden beleuchtet. Zu Sankt Martin findet ebenfalls ein Markt statt, der von vielen hundert Menschen besucht wird. Der Mühlenhof wird vollständig durch Eintrittsgelder, Gastronomie und Führungen sowie Spenden finanziert, da die Stadt Münster die Zuschüsse eingestellt hat.

Prozessionshäuschen

Torhaus / Eingang

 
 
 
 

Wagenremise

 
 

Timmerkammer

 
 
 
 
 

Schreinerei

 
 
 

Schumacherei

 
 

Die Ringeler Landschule von 1823 - ein Denkmal westfälischer Schul- und Bildungsgeschichte

Erbaut im Jahre 1823 steht sie jetzt mit dem alten Inventar vollständig ausgestattet und bildet einen wahren Hingucker im Museum.

 

Die Landschule stammt aus der Bauerschaft Ringel bei Lengerich (Kreis Steinfurt). Sie wurde 1823 auf dem Gelände des Hofes Oslage gebaut. Nach damaliger Meinung bot der einzige Klassenraum ausreichend Platz für etwa 130 Kinder. Der kleine Fachwerkbaum wurde bis 1954 als Unterrichtsstätte für Jungen und Mädchen der ersten bis zur achten Volksschulklasse genutzt. Für sie alle war stets nur ein einziger Lehrer angestellt. Er musste sämtliche Fächer erteilen und immer mehrere Jahrgangsstufen gleichzeitig unterrichten. Die Landschule wurde 1984 abgebaut. Der Wiederaufbau im Mühlenhof-Freilichtmuseum erfolgte in den Jahren 1985 – 1986.

Das "stille" Örtchen der Schule

Im 19. Jahrhundert befanden sich Toiletten häufig außerhalb des Wohnhauses, in kleinen separaten Häuschen. Diese waren abgelegen und ruhig, weshalb man sie scherzhaft als „stilles Örtchen“ bezeichnete. Der Ausdruck diente zudem als verhüllende Umschreibung, da man über Toilettengänge nicht offen sprach. Manche Quellen erwähnen, dass der Begriff auch auf die Tabuisierung zurückgeht: Man sollte dort möglichst keine Geräusche machen und war allein.

 
 

Der Ofen mitten im Raum sollte die ganze Schule beheizen. Um diesen zu befeuern, mussten die Kinder Holzscheite mitbringen, wenn sie nicht frieren wollten. Wo befanden sich im Winter wohl die begehrtesten Sitzplätze in der Schule? Direkt um den Ofen herum mussten die Schüler schon schwitzen, so warm wurde der Ofen. Allerdings kam hinten im Raum kaum noch etwas von der Wärme an. Besonders angenehm war es vorne am Lehrerpult.

 
 
 
 

Sitzen bleiben: Die Klassenstufen waren in Sitzreihen geordnet. In der ersten Reihe saßen Erstklässler. In der zweiten Reihe saßen Zweitklässler. Wiederholt ein Kind heute eine Klasse, bleibt es umgangssprachlich "sitzen". Diese Formulierung leitet sich von der alten Sitzordnung in Schulen ab.

 
 

Sütterlin ist eine historische deutsche Schreibschrift, die Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde und bis in die 1940er‑Jahre an Schulen gelehrt wurde. Sie gilt heute als typisch „altdeutsche Handschrift“, obwohl sie eigentlich eine moderne Reformschrift ihrer Zeit war.

 

Was ist Sütterlin?

  • Eine Schreibschrift, die 1911 von dem Grafiker Ludwig Sütterlin im Auftrag des preußischen Kultusministeriums entworfen wurde.
  • Sie zeichnet sich durch senkrechte, eckige Formen und gleichmäßige Strichstärken aus.
  • Sie wurde ab 1915 in Preußen eingeführt und später in vielen Teilen Deutschlands unterrichtet.

Warum wurde Sütterlin entwickelt?

  • Die ältere Kurrentschrift war sehr spitz, schräg und schwer lesbar.
  • Sütterlin sollte eine einfachere, kindgerechte Variante sein, die das Schreibenlernen erleichtert.
  • Die Schrift war bewusst klar, rhythmisch und gleichmäßig gestaltet.

Wie lange wurde sie benutzt?

  • Offiziell bis 1941, als die Nationalsozialisten die „deutsche Schrift“ zugunsten der lateinischen Schreibschrift abschafften.
  • Viele ältere Menschen schrieben aber noch Jahrzehnte weiter in Sütterlin.

Wie sah der Unterricht damals aus?

 

Die Schule bestand aus nur einem Klassenraum. Ein Lehrer unterrichtete alle Jahrgänge gleichzeitig – vom Erstklässler bis zum 14‑jährigen. Der Lehrer musste ständig zwischen den Gruppen wechseln, Aufgaben verteilen, kontrollieren und Disziplin halten. Die Kinder standen beim Antworten auf und sprachen nur, wenn sie aufgerufen wurden. Körperliche Züchtigung war erlaubt und galt als normaler Bestandteil der Erziehung. Ordnung, Fleiß und Gehorsam standen über allem. Der Unterricht begann oft sehr früh, besonders im Winter. Es gab keine festen Pausen, nur kurze Unterbrechungen.  Die Hauptfächer waren „Lesen“ (oft aus religiösen Texten), „Schreiben“ (mit Griffel auf Schiefertafeln), „Rechnen“ (Grundrechenarten), „Religion“ (Katechismus, Bibelverse, Moralunterricht). Bücher waren teuer – oft gab es nur ein einziges Exemplar, aus dem der Lehrer vorlas. Die Kinder schrieben auf Schiefertafeln, Papier war kostbar. Karten, Anschauungsmaterial oder Experimente gab es kaum. Der Lehrer war Autoritätsperson, Erzieher, Organisator und oft auch Küster. Er wohnte meist im selben Gebäude oder direkt daneben. Die Bezahlung war gering; oft erhielt er Naturalien wie Eier, Brot oder Brennholz.

 

Ausstattung der Schule: Lange Holzbänke ohne Lehnen, ein großer Ofen in der Mitte des Raumes, ein Pult für den Lehrer, wenige Fenster, oft dunkel und kalt, ein Plumpsklo draußen auf dem Hof.

 

Viele Kinder fehlten regelmäßig, da sie vorher oder nachher noch auf dem Hof oder im Haushalt arbeiten oder bei der Ernte helfen mussten. Der Schulweg war oft weit – mehrere Kilometer zu Fuß, bei jedem Wetter. Die Kleidung war einfach, im Winter oft unzureichend warm.

Der Abakus ist eines der ältesten Rechenhilfsmittel der Menschheitsgeschichte – und gleichzeitig ein erstaunlich effizientes Werkzeug, das bis heute in Teilen Asiens genutzt wird. Er ist ein mechanisches Rechenbrett mit Stäben oder Drähten, auf denen Perlen verschoben werden. Jede Spalte steht für eine Stelle (Einer, Zehner, Hunderter usw.). Durch das Verschieben der Perlen lassen sich Rechenoperationen sichtbar und fühlbar darstellen. Die frühesten Formen stammen aus Mesopotamien (ca. 2500 v. Chr.). Später entwickelten Griechen, Römer, Chinesen und Japaner eigene Varianten. Der bekannteste ist der chinesische Suanpan, gefolgt vom japanischen Soroban. Der Abakus wurde genutzt für Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division, Wurzelziehen (ja, wirklich!) Geübte Nutzer können damit schneller rechnen als viele Menschen mit einem Taschenrechner. Viele Abakus-Schüler entwickeln die Fähigkeit des „mentalen Abakus“ – sie stellen sich das Brett im Kopf vor und rechnen ohne Gerät.

Mäusepfeilerscheune

 
 
 
 
 

Backhütte

Bienenhaus

 
 
 
 
 
 
 

Schmiede

Die im 18. Jahrhundert erbaute Dorfschmiede wurde von 1855 bis 1961 nacheinander von vier Generationen der Familie Bangen in Gescher (Kr. Borken) betrieben. Der Dorfschmied besorgte früher den Hufbeschlag bei Pferden. Er fertigte und reparierte  eiserne Werkzeuge,  Arbeitsgeräte, Materialien und betätigte sich darüber hinaus als Schlosser und Wagenbauer.

Gräftenhof

 
 

Speicher

 
 

Bäckerei

 
 
 
 

Bockwindmühle

 
 
 
 

Rossmühle

 
 
 
 
 
 
 
 

Landwirtschaftliche Geräte

 
 

Madonna mit Kind

Die von Fritz Oeltjendiers geschaffene Skulptur „Madonna mit Kind“ gehört seit 1965 zum Ensemble des Freilichtmuseums. Anlässlich der Domfesttage 1965 wurde sie in einer feierlichen Zeremonie durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Münster Dr. Beckel und den Weihbischof Tenhumberg in katholischem Ritus eingeweiht. Den Umstand, dass der Künstler selbst evangelisch war, sah man schon damals als Zeichen zur Förderung der Ökumene der beiden Konfessionen. Weihbischof Heinrich Tenhumberg wird heute noch in der Kapelle vor dem Mühlenhof gedacht.

 

Fritz Oeltjendiers war ein deutscher Bildhauer, der von 1898 bis 1991 lebte. Er wurde in Westerstede in der Region Oldenburg geboren. Oeltjendiers war stark mit seiner Heimatregion Oldenburg verbunden. Er war bekannt für die Verwendung von Holz als Hauptmaterial für seine Skulpturen. Sein bekanntestes Werk ist die 1965 geschaffene Skulptur "Madonna mit Kind", die aus einem jahrhundertealten Eichenbalken vom Hof Purk in Lähden geschnitzt wurde und heute im Mühlenhof-Freilichtmuseum in Münster zu sehen ist. Obwohl die "Madonna mit Kind" in einem katholischen Ritus eingeweiht wurde, war der Künstler selbst evangelischer Konfession. Seine Werke befinden sich vermutlich in privaten Sammlungen oder regionalen Ausstellungen in Norddeutschland.

Mühlenhaus

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Webers Kotten

 
 
 
 
 
 

Tiere und Gärten

 
 
 
 

Feuerwehr

Dorfkrug

Kapelle und Glockenturm

 
 
 
 

Der 1965 errichtete Glockenturm ist mit einer Bronzeglocke aus dem 18. Jahr-hundert ausgestattet, eine Stiftung der früheren Glockengießerei Monasterium aus Münster. In schwach besiedelten Gegenden wurden solche einfachen Glockenstühle aufgestellt, um bei Not und Gefahr Hilfe rufen oder warnen zu können. Auch Hochzeiten und Todesfälle gaben Anlass zu einem Geläut. In katholischen Gegenden ertönte die Glocke morgens, mittags und abends zum Angelusgebet.

 
 
 
 

HIGHLIGHTS 2025