Stiftskirche Dürnstein in Österreich
Stift Dürnstein ist ein ehemaliges Kloster in Dürnstein in der Wachau in Niederösterreich. Heute gehören die Gebäude und der große Grundbesitz dem Augustinerchorherren-Stift Herzogenburg, das auch die Pfarre Dürnstein betreut. Der Turm der Stiftskirche mit seiner blau-weißen Färbung gilt als das Wahrzeichen der Wachau. Geweiht ist die Stiftskirche, die seit 1745 auch Pfarrkirche ist, der Aufnahme Mariens in den Himmel (Patroziniumsfest 15. August). Im Jahre 1372 wurde am Platz des heutigen Stifts eine Kapelle gegründet. 1400 wurde diese erweitert und eine Krypta gebaut. Stift Dürnstein wurde 1410 gegründet. Mit der Klosteraufhebung 1788 unter Kaiser Joseph II. kam Stift Dürnstein mit seinen Pfarren und den dazugehörigen Gebäuden zum Augustinerchorherren-Stift Herzogenburg, dem es heute noch angehört. Der dazugehörige große Grundbesitz fiel an die Fürstenfamilie Starhemberg, die den Besitz noch heute verwalten, die Weingärten wurden 1938 an die Winzergenossenschaft Dürnstein verkauft.
Dürnstein, die "Perle der Wachau", zählt zu den berühmtesten Gemeinden Niederösterreichs. Die reizvolle Lage, der weithin sichtbare blaue Turm der Stiftskirche, die Kuenringer und nicht zuletzt die Geschichte von Richard Löwenherz machen Dürnstein zu einem Ort, an dem Kunst, Natur und Geschichte eine besondere Einheit bilden.
Das Schloss (links im Bild) wurde von 1622 von Christoph Wilhelm von Zelking an der Stelle von zehn Winzerhäusern erbaut. Es hat einen blockartigen Baukörper um einen kleinen Hof und wird donauseitig von zwei Türmen flankiert. Der Architekt war wahrscheinlich Cipriano Biasino aus Como, der in Krems wohnte und auch die Kremser Pfarrkirche erbaute. Durch Heirat gelangte das Schloss 1634 an die Grafen von Zinzendorf und Pottendorf, die es 1663 an die Grafen von Starhemberg verkauften. Die Starhemberger nutzten das Schloss nur gelegentlich bei Besuchen des Weinguts und anlässlich von Jagden. Im September 1683 erhielt Kaiser Leopold I., während er als Gast im Schloss zu Dürnstein weilte, die Nachricht von der Türkenbefreiung Wiens. 1937 verkaufte Ernst Rüdiger von Starhemberg das Schloss an die Familie Thiery. In den 1960er Jahren erfolgte ein Umbau zum Hotel. Als solches wird es heute noch betrieben.
Zum bedeutendsten Gebäude der Stadt wurde das ab 1715 barockisierte ehemalige Augustiner-Chorherrenstift. Bauherr war Propst Hieronymus Übelbacher, Baumeister Josef Munggenast, an den Plänen waren vermutlich auch Jakob Prandtauer und Matthias Steinl - nach Ideen des Propstes - beteiligt. 1788 wurde das Stift unter Kaiser Joseph II. aufgehoben und als Pfarre dem Stift Herzogenburg inkorporiert. Der blau-weiße Kirchturm erhielt im Zuge der jüngsten Renovierung wieder seine Originalfarbe und wurde neben der Ruine zum Wahrzeichen der Stadt.
Turm Dürnstein: Einst Streitobjekt, jetzt Wahrzeichen
Er, besser gesagt seine Restauratoren, sorgten für ein großes Aufregen in der Wachau: Bei der Restaurierung in den 1980er-Jahren stieß man auf eine blaue Färbung des Glockenturmes. Daher entschloss man sich, dem Kirchturm diese als ursprünglich angesehene Farbe zu geben. In sattem Kobaltblau und Weiß zeigte er sich danach zum ersten Mal wieder. Ungewohnt für die Bewohner der Tourismusregion, die sich anfangs gegen das Blau heftig wehrten. So gingen die Wellen an der Donau hoch. Sogar Hochzeiten wurden deswegen aus Protest abgesagt, denn in einer blauen Kirche heirate man angeblich nicht. Doch das Blau steht für den Triumph Jesu über den Tod, das Braun symbolisiert das irdische Streben. Blau und das Weiß sind theologisches Programm, umgesetzt in barocke Architektur. Das Braun des Klosters symbolisiere das irdische Streben, der blaue Turm den Triumph Jesu über den Tod. Propst Hieronymus Übelbacher war bei der Errichtung des Turms daher nur das Beste gut genug: Smalte-Blau. Blau war in der Barockzeit der teuerste Farbstoff. Fürst Esterhazy wollte für die Färbung seines Schlosses die Farbe in Eisenstadt ankaufen und musste dafür Güter verkaufen.
Dürnstein ist heute ohne blauen Turm nicht mehr vorstellbar denn er ist heute das Wahrzeichen der Wachau. Und das Gute: Auch den Anwohnern gefällt er wieder.
◄ Außenseiten des Turmes. Hier stehen vier Obelisken, an deren Basis jeweils drei Apostelköpfe dargestellt sind – vier mal drei ergibt zwölf: Dass die zwölf Apostel nach dem Tod Jesu seine Lehre weiter verbreitet haben, war eine Grundvoraussetzung für die Entstehung des Christentums!
◄ Eine Ebene darunter findet man Heilige der katholischen Kirche. Man sieht die hl. Mutter Maria, den hl. Johannes Nepomuk, der als „Brückenheiliger“ bekannt ist. Er wurde in Prag in die Moldau gestürzt und dadurch getötet, weil er nicht bereit war, das Beicht-Geheimnis zu brechen. Der hl. Nikolaus wird mit einem Boot gezeigt. Er ist der Patron der Seeleute – sehr passend hier in unmittelbarer Nähe zur Donau. Weiterhin der hl. Augustinus, den Ordensvater der Augustiner-Chorherren. In seiner Hand trägt er ein brennendes Herz.
◄ Johannes-Nepomuk-Statue auf der Turmterrasse des Stiftes Dürnstein. Dieses Bild zeigt das denkmalgeschützte Objekt. Durch den Kirchenvorraum gelangt man auf die Terrasse, wo Nepomuk auf die Donau blickt. Im abendlichen Sonnenschein ist das hier eine ganz besonders stimmungsvolle Ansicht.
Das Kirchenportal will uns aus dieser Welt hinausführen und dem Himmel näher bringen. Betrachten Sie es von unten nach oben! Vier Reliefs zeigen die sogenannten letzten Dinge: Tod und Gericht, Himmel und Hölle. Darauf stehen die mächtigen Statuen der vier sogenannten lateinischen Kirchenväter: Augustinus, Gregor, Ambrosius und Hieronymus. Über dem Torbogen steht der auferstandene Jesus, gewissermaßen als Tor zur jenseitigen Welt. In einer Kartusche darüber ist ein Satz aus dem Buch der Psalmen zu lesen: „Ich freute mich als man mir sagte: Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern!“ – Sie finden Obelisken als Symbole für die Ewigkeit. Darüber ist die Schlange aus Metall, die Mose als Zeichen diente. Sie steht als Sinnbild für das Kreuz aus dem Alten Testament. Ganz oben ist ein konkreter Bezug zu Dürnstein gegeben: Das Blumenkörbchen ist das Symbol der hl. Dorothea, der Patronin des Stiftes Dürnstein. Am Stiftsgebäude ist es häufig zu finden, da es auch als Wappen des Klosters verwendet wurde.
Innenraum
◄ Der Hochaltar bildet das Herzstück des Kirchenraumes. Sein Aufbau lässt sich am besten von oben her erklären. Auf einem Dreiecksgiebel sitzen Gott-Vater und Gott-Sohn. Zwischen ihnen – vor einem orange gefärbten Fenster – thront der Heilige Geist als Taube. Die optische Nähe zur gleichen Darstellung im Petersdom in Rom ist unverkennbar und nicht zufällig. Das Altarbild darunter zeigt die Himmelfahrt Marias. Nach kath. Glauben ist sie das Bindeglied zwischen dem göttlichem und dem weltlichem Bereich.
Wieder darunter befindet sich der Tabernakel. Dort wird das heilige Brot aufbewahrt. Die Christen glauben daran, dass Jesus im Heiligen Brot anwesend ist. Dieser Glaube bildet das Zentrum des christlichen Gottesdienstes. Die Ausführung des Tabernakels als Weltkugel ist etwas Besonderes und nur sehr selten zu sehen. Der dreistufige Aufbau des Altars führt also von der himmlischen Ebene der Dreifaltigkeit über die Zwischenebene der Himmelfahrt Marias zur irdischen Ebene mit der Weltkugel.
Die Stiftskirche besitzt einen eindrucksvollen lichten Innenraum. An das Langhaus schließen Seitenkapellen, darüber liegen kräftig aus- und einschwingende Emporen. Die Gewölbe wurden vom kaiserlichen Hofstukkateur Santino Bussi mit zartem Bandelwerk und figuralen Szenen dekoriert. Etwa 100 individuell gestaltete Putti sind Im ganzen Kirchenraum verteilt. Der Hauptaltar zeigt eine Himmelfahrt Mariä von Carl Haringer. Ein Unikat ist der Die Stiftskirche besitzt einen eindrucksvollen lichten Innenraum. An das Langhaus schließen Seitenkapellen, darüber liegen kräftig aus- und einschwingende Emporen. Die Gewölbe wurden vom kaiserlichen Hofstukkateur Santino Bussi mit zartem Bandelwerk und figuralen Szenen dekoriert. Etwa 100 individuell gestaltete Putti sind Im ganzen Kirchenraum verteilt. Der Hauptaltar zeigt eine Himmelfahrt Mariä von Carl Haringer. Ein Unikat ist der frei drehbare Tabernakel in Form eines Holzglobus, der mit 44 Szenen aus dem Leben Jesu geschmückt ist. Er stammt wahrscheinlich von Johann Schmidt, ebenso die vergoldeten Reliefs an der Kanzel und die meisten anderen Bildhauerarbeiten an den Stiftsgebäuden und in der Kirche. Sein Sohn Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) schuf 1767 die hervorragenden Altarbilder der hl. Monika und der hl. Katharina in den beiden mittleren Seitenkapellen. der mit 44 Szenen aus dem Leben Jesu geschmückt ist. Er stammt wahrscheinlich von Johann Schmidt, ebenso die vergoldeten Reliefs an der Kanzel und die meisten anderen Bildhauerarbeiten an den Stiftsgebäuden und in der Kirche. Sein Sohn Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) schuf 1767 die hervorragenden Altarbilder der heiligen Monika und der heiligen Katharina in den beiden mittleren Seitenkapellen.
▲ Seitenaltar Augustinus
Auf diesem Bild ist der heilige Augustinus, Ordensvater der Augustiner-Chorherren, dargestellt, typisch mit dem brennenden Herzen in der Hand. Er kniet vor Jesus und Maria und hofft auf das Ewige Heil.
▲ Seitenaltar Monika
Die hl. Monika ist die Mutter des hl. Augustinus, dem Ordensvater der Chorherren. Sie ist auf dem vom Kremser Schmidt gemalten Bild umgeben von der hl. Elisabeth, der Mutter Johannes des Täufers, und der hl. Anna, der Mutter Marias. Darunter befinden sich die Reliquien des römischen Katakombenheiligen Clemens. Diese Art von Heiligenverehrung erfreute sich in der Barockzeit großer Beliebtheit: Die Skelette der Märtyrer aus der frühchristlichen Zeit wurden zum Zeichen ihrer himmlischen Herrlichkeit festlich geschmückt und zur Verehrung in Kirchen präsentiert.
♦ Seitenaltar Katharina
An diesem Seitenaltar ist die Enthauptung der hl. Katharina von Alexandrien zu sehen. Sie ist umgeben von den heiligen Jungfrauen Barbara und Apollonia sowie zwei weiteren Jungfrauen. Auch dieses Bild wurde vom Kremser Schmidt gemalt. Darunter befinden sich die Reliquien des römischen Katakombenheiligen Faustinus. In der Barockzeit war diese Art der Heiligenverehrung sehr beliebt: Zum Zeichen ihrer himmlischen Herrlichkeit wurden die Skelette der Märtyrer aus der frühchristlichen Zeit festlich geschmückt und zur Verehrung in Kirchen präsentiert.
In der Stiftskirche Dürnstein befinden sich die Reliquien des römischen Katakombenheiligen Faustinus. Sie sind ein faszinierendes Zeugnis der barocken Frömmigkeitsgeschichte.
Die Gebeine ruhen in einem gläsernen Prunksarkophag (Glassarkophag) direkt unter einem der barocken Seitenaltäre des Langhauses.
Zwei Heilige im Paar: Faustinus kam nicht allein nach Dürnstein. Unter den Seitenaltarblättern wurden damals zwei „importierte“ Katakombenheilige bestattet: der heilige Clemens und der heilige Faustinus.
Barocke Inszenierung: Wie für Katakombenheilige typisch, wurde das Skelett nach seiner Überführung aus Rom von Ordensschwestern oder Kunsthandwerkern kostbar und festlich eingekleidet. Es ist reich mit Brokat, Goldfäden, Perlen und Edelsteinen verziert, um die „himmlische Herrlichkeit“ des frühchristlichen Märtyrers sichtbar zu machen.
Hintergrund: Was sind Katakombenheilige?
Ab dem späten 16. Jahrhundert wurden Tausende Skelette aus den römischen Katakomben exhumiert und in den katholischen Norden (vor allem nach Österreich, Süddeutschland und in die Schweiz) transportiert. Da man die echten Namen der Toten oft nicht kannte, wurden sie unter fiktiven bzw. symbolischen Namen (wie Faustinus – „der Günstige/Glückliche“) als vermeintliche frühchristliche Märtyrer verehrt, um den Glauben nach der Reformation zu stärken
PETRUS weinete bitterlich
MAGDALENA werden die Sünden vergeben denn sie hat viel geliebt
Wer diese Bücher sieht und noch nicht last von Sünden
Bey Jesu kombt zu stath solch Sünder bleibt dahinden mit PETRO wein hab Reu mit beyden
müsst recht büßen, mit MAGDALENA fall Jesu dem Herrn zu Füßen.
Links und rechts an den Wänden sehen wir ein Chorgestühl. Hier hat die Klostergemeinschaft an festlichen Tagen die Gebete gesprochen und gesungen. Die Texte und Reliefs veranschaulichen eines der großen kirchlichen Lobgebete: „Te Deum laudamus“ – im deutschen gut bekannt als das Lied „Großer Gott, wir loben dich.“
◄ Rechts am Triumphbogen befindet sich als Gegenkanzel eine aus dem Jahr 1724 stammende Darstellung Johannes Nepomuks mit Putti, Lorbeerkranz und der Märtyrerpalme. Auf dem Sockel sind weiters drei aus Gold gefertigte Reliefs mit Szenen aus dem Leben des Heiligen angebracht. Entworfen wurde dieses Objekt von Carl Haringer, die Bildhauerarbeiten stammen aus der Werkstätte von Johann Schmidt und die Tischlerarbeiten von Hippolyt Nallenburg.
► Reliefs mit Szenen aus dem Leben des Heiligen: In der Mitte sieht man, wie der tote Nepomuk aus der Moldau geborgen wird, links ist die Beichte dargestellt, rechts ist der tote Nepomuk zu sehen und darüber die Zunge in einer Art Monstranz.
Der Besucher, der die Kirche von Dürnstein betritt, fühlt sich ganz selbstverständlich in den Prozess des Heils hineingenommen, ohne etwa dem Irdischen entzogen oder in weltferne Mystik entrückt zu werden. Dafür sorgt eine schwungvolle und bewegte Raumarchitektur mit Emporen, Logen, Kapellenzonen, Durchblicken und Fensterfolgen.
Vor den Augen des Besuchers rollt das Drama des Heils ab. Er tritt ein in dieses Gotteshaus – vorbei an den Symbolen für Taufe und Buße –, an dem also, was unserem gläubigen Leben den Anfang schenkt. Diese Halle der Umkehr und des neuen Anfangs zeigt Figuren und Reliefs, die zu einer Neubesinnung einladen und das Vertrauen auf Vergebung stärken: Magdalena, der bereuende Petrus, Zachäus, der verlorene Sohn, die geheilten Aussätzigen, die Rettung aus der Sintflut, die Ehebrecherin und der Aussätzige Naaman. (Naaman war ein hochrangiger aramäischer Feldherr, der an Aussatz erkrankte.) Dann richtet sich der Blick hinauf zur Gewölbeszene, für die Santino Bussi Stuckreliefs der Erlösungstaten Christi geschaffen hat. Der thematische Bogen reicht von der Verkündigung und Geburt des Herrn, der Anbetung der Könige, der Auferstehung Jesu, der Darstellung des Heiligen Geistes bis zu den Symbolen der Eucharistie, also Kelch und Hostie. Bei diesem Aufblick erfährt der Mensch, woher seinem Leben Heil und Erlösung zukommt. Diese Gewölbezone verdeutlicht die Einwohnung und Inkarnation Jesu in unsere Welt durch seine Menschwerdung, durch das Wirken des Geistes und in der Eucharistie – eine faszinierende Verdeutlichung der Mensch- und Fleischwerdung Jesu. Der Blick senkt sich nach vorne zum Altar, wo die Tat Jesu, seine Liebe, sein befreiendes Gedächtnis gefeiert und erneuert werden. Es steigt dieses Opfer empor, vorbei an jenem Bild, das Carl Haringer, der Lehrer des Kremser Schmidt, gemalt hat und die Aufnahme Mariens in den Himmel, in den Schoß des dreifaltigen Gottes, zeigt. Im Zentrum des Hochaltares steht der eigenwillige Dürnsteiner Tabernakel – ausgeformt als Weltkugel. Dieser Globus ist überzogen mit Darstellungen aus dem Leben Jesu; er präsentiert die Lebensgeheimnisse Jesu. Ins Innere dieser Weltkugel führt eine Tabernakeltür mit den Symbolen von Glaube, Hoffnung und Liebe, von Kirche und Synagoge – also ein Symbol jener Wirklichkeiten, durch die der Mensch einen Zugang zu Gott finden kann. Im Zentrum dieser Welt aber lebt der Herr! Zwischen zwei marmornen Chorschranken steht das Chorgestühl. Es hat seine eigene Sprache: Goldene Reliefs geben das „Te Deum“, das „Großer Gott, wir loben dich“, wieder. Ausgedeutet werden diese Darstellungen durch die Worte des heiligen Ordensvaters Augustinus, die zu einem verinnerlichten Gebet auffordern: eine faszinierende Theologie des Gebetes. An der Schwelle vom Altarraum zum Kirchenraum befindet sich die Kanzel und ihr gegenüber eine relativ monumentale Statue des heiligen Johannes Nepomuk. Er verkörpert für die Barockzeit die nachtridentinische Kirchen- und Sakramententheologie. Er steht für Priesteramt, Kirchentreue, Eucharistie, Beichtgeheimnis, Papsttreue – das ist mehr als bloß ein Lieblingsheiliger; das ist eine Predigt in Person. Der Mensch in der Szenerie dieser Kirche wird begleitet vom Bekenntnis der Heiligen, die wie bekräftigende Zeugen dem christlichen Volk im Gottesdienst zur Seite stehen: die Heiligen Augustinus, Monika und Ambrosius, Johannes Evangelist, Hieronymus, Joseph und Katharina. Das Konzept der Kirche von Dürnstein ist eine Art geistliches Testament des Propstes Hieronymus.
Kreuzgang – Origineller Andachtsraum des Barock
An die Stiftskirche von Dürnstein ist ein barocker Kreuzgang angebaut. Dieser Kreuzgang ist ein origineller Andachtsraum, der alles enthält, was der barocken Volksfrömmigkeit besonders am Herzen lag. Von besonderer Qualität ist der Krippenaltar des Johann Schmidt mit großen und ausdrucksstarken Figuren. Der Italiener A. Galli Bibiena hat in diesem Kreuzgang das Heilige Grab in der Manier eines Theaters mit Kulissen und bunten Kugeln geschaffen. Um die Mystik des Raumes noch zu erhöhen, gibt es zum Verdunkeln der Fenster eine Serie von Leinwandbildern und Darstellungen der Passion Jesu; Kerzenhalter an den Bildern sind noch erhalten. Besonders reich ausgestattet sind zwei Altäre des Kreuzganges, die der Patronin des Stiftes Dürnstein, der heiligen Dorothea, und dem schon erwähnten Priesterideal, dem heiligen Johannes Nepomuk, geweiht sind. Beide Altäre stehen in kleinen Kapellen mit Kuppeln, in denen jeweils die Verklärung des Heiligen dargestellt ist. Die Altarbilder selbst stecken in besonders prachtvollen silberfarbenen Rahmen.
Krypta – Eine Vision der Todesüberwindung
Vom Kreuzgang gelangt man über eine schmale Stiege in die Gruftkapelle und die Gruftanlage von Dürnstein. Hier unten regiert der Tod. Aber die Sprache der Freskomalerei in der Kryptakapelle deutet auf die Überwindung des Todes hin. Aus dem „letzten“ Buch der Heiligen Schrift, aus der Apokalypse des Apostels und Evangelisten Johannes, werden die Themen und Motive geholt: Michael schlägt Luzifer; ein Engel bringt den Schlüssel zur Unterwelt und führt den Drachen an der Kette; der Evangelist verschlingt das heilige Buch – die Worte des Lebens; Johannes schaut die sieben Leuchter; die Ältesten beten Gott und das Lamm an; und Johannes schaut das neue Jerusalem – die bräutliche Stadt der Vollendung. Diese Vision von der Überwindung des Todes und der Vernichtung der Welt ist ein starkes und optimistisches Hoffnungsbild. Auf dieser Überzeugung christlicher Auferstehungshoffnung ruhen Kirche und Kloster von Dürnstein auf – so wie auf dem Felsen das gesamte Dürnsteiner Kloster steht. Propst Hieronymus ließ diese Endzeitvision 1718/19 von Wolfgang Ehrenreich Priefer und Matthias Pichler nach den Kupferstichen einer Bibel von Christoph Weigel, Nürnberg 1708, schaffen. Selbstverständlich befinden sich in diesem Totensazellum auch die üblichen Darstellungen eines barocken Totentanzes, der den Papst, Bischof, Kaiser und Edelmann genauso zum Tanz bittet wie den einfachen Menschen (pp. 18-19). Im Nebenraum der Krypta sind die gemauerten Nischen für die Bestattung. Nur wenige sind belegt – der Propst hatte gut vorgesorgt, er selbst hat an einem bevorzugten Platz seine Ruhestätte gefunden über seinem Vorgänger, dem Propst Godefried von Haselingen, zwei Männer, die die Geschichte des Stiftes Dürnstein bleibend geprägt haben. Aber wenige Jahrzehnte nach dieser großen Epoche wurde der Faden der großen geistlichen Geschichte von Dürnstein schicksalhaft durchschnitten. Seitdem zieht ein Hauch von Verlassenheit durch dieses Haus; ein Schatten liegt über ihm – das Paradoxe der Geschichte bricht durch: dass am Höhepunkt die Melancholie des Gelingens einsetzt. Dieser Hauch und dieser Schatten werden in der Krypta von Dürnstein spürbar.
Kirchenportal und Turm des Stiftes Dürnstein – Apotheose des heiligen Kreuzes
Das Portal der Stiftskirche und der Turm des Stiftes Dürnstein sind architektonische Höhepunkte. Beide prägt ein einheitliches Thema: „Der königliche Weg des heiligen Kreuzes“. Dieses Wort stammt aus der „Nachfolge Christi“ – dem meistgelesenen mittelalterlichen Buch nach der Bibel – von Thomas von Kempen, einem Augustiner-Chorherrn. Propst Hieronymus war diesem Buch bei der Ausarbeitung der theologischen Programme für Dürnstein verpflichtet, wie das Propst Floridus Leeb von Klosterneuburg in der Trauerrede für Prälat Hieronymus Übelbacher aufzeigt. Über dem Kirchenportal zeigt der auferstandene Christus auf seine geöffnete Seite, durch die uns der Strom des Heils zufließt – der eigentliche Zugang, das eigentliche Portal des Menschen zu Gott. Mit der anderen Hand hält der Auferstandene ein monumentales Kreuz. Spontan erinnert dieser imposante Christus an den Christus der Hauptfassade der Laterankirche in Rom. Tatsächlich wurden die Augustiner-Chorherren durch ein Privileg in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Lateranensischen Chorherren erhoben. Die vier großen Kirchenväter des Westens – Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Papst Gregor der Große – stehen dem Auferstandenen zur Seite. Sie sind die großen und authentischen Interpreten der Erlösung und des „königlichen Weges des heiligen Kreuzes“. Die vier letzten Dinge des Menschen – Tod, Gericht, Hölle und Himmel – stehen kontrapunktorisch im Programm dieses Portals zum Auferstandenen mit dem Kreuz: Nur in diesem Kreuz ist Heil; vom Kreuz fällt das Schlaglicht der Hoffnung auf das Ende des Menschen und dessen Gericht. – Auch das Vorbild des Kreuzes, die Signalstange mit der ehernen Schlange, die Mose in der Wüste aufrichten ließ, ist auf einem Relief in der Bekrönung des Portals abgebildet. Seine Aussage: Wer aufblickt, wird gerettet! Damit ist die Botschaft dieses Kirchenportals von Dürnstein eindeutig: Im Zentrum steht das Kreuz, durch das wir gerettet sind. Der Turm der Stiftskirche Dürnstein spricht die gleiche Sprache. Er ist das edelste Bauwerk des Stiftes. Die neue alte Farbgebung mit Blau-Weiß gibt dem Turmbau die Illusion eines edlen Materials: er wirkt keramisch. Durch diesen Eindruck und durch die markanten Farben steht der Turm als Architektursignal in der Landschaft – ein Unikat, das sich in das übrige nicht einzuordnen hat – im Gegenteil: das übrige hat sich am Turm zu orientieren. Der Turm ist mit kostbaren Reliefs vom Leiden Christi überzogen. Aber das Leid mündet in Herrlichkeit ein: auf der Turmbekrönung eine Apotheose des heiligen Kreuzes. Diesmal stehen diesem verklärten Kreuz die vier Evangelisten als Interpreten zur Seite und einige kleine Engel, die die Leidenswerkzeuge Jesu tragen. Programmatisch gehören Turm und Kirchenportal zusammen: im Zeichen des Kreuzes. Am Fuß des Turmes stehen Monumentalstatuen: die schmerzhafte Gottesmutter Maria, die Frau unter dem Kreuz; die heiligen Bischöfe Augustinus und Nikolaus, in dessen Attributbeigabe, einem kleinen Schiff, einmal ein Licht brannte, das den Donauschiffern die Richtung anzeigte; und noch einmal: Johannes Nepomuk. Der Turm von Dürnstein ist der beste Beweis, dass die Barockarchitektur Propagandaarchitektur ist: Steine reden! Im Zentrum der Geistigkeit religiöser Barockkunst steht eine Aussage, die in keiner Epoche überzeugender ausgedrückt werden konnte: der Sieg des Glaubens, die Vollendung und Verklärung der Wirklichkeit. Das Raumlose, das Unendliche, die Herrlichkeit Gottes werden im Medium der Sinnenwelt überschwänglich dargestellt. Die Welt will erklärt werden!










































