Als man sich noch in Butzen zur Ruhe bettete
oder "Wie man sich bettet, so sitzt man!"

Gemessen am heutigen Schlafkomfort war die Nachtruhe damals alles andere als bequem. Vor allem für das Gesinde. Die Mägde und Knechte schliefen vor allem im 17. und 18. Jahrhundert - natürlich nach Geschlechtern getrennt - auf den Zwischenböden, den so genannten Hillen, über dem Vieh. So hatten sie auch ein Auge auf Pferde und Kühe. Was heute die Matratze ist, war damals das Stroh. Generell war die soziale Stellung innerhalb der häuslichen Hierarchie für einen Außenstehenden schnell daran erkennbar, wo und auf welcher Art von Schlafplatz man nächtigte. Je näher der Schlafplatz am Ofen, desto höher die Stellung. Die groot Döns (große Stube) mit dem Ofen (Bilegger, ► s.u.) war also dem Bauernpaar vorbehalten, die lütt Döns dem Altenteil oder auch der Großmagd. Während das Gesinde über dem Vieh schlief, nächtigten Bauer und Bäuerin in der groot Döns in einer Butze, die nur einen Meter breit und 1,60 Meter lang war. Ein Wunder, dass damals überhaupt an Schlaf zu denken war. Genau genommen waren die Butzen Schrankbetten - Möbelstücke, die in die Wände eingebaut und mit (Schiebe-)türen verschlossen wurden. Für den Schlafplatz wurde ein Rahmen mit Bretterboden in die Kammer eingebaut, auf den Stroh und darauf ein Laken gelegt wurde. Heu wurde nie als Schlafunterlage verwendet, da es als wertvolles Futtermittel galt und nicht so gut polsterte wie Stroh. Das Privileg für die Bauern, in Butzen schlafen zu dürfen, wurde im 18. Jahrhundert langsam aufgeweicht. Auch Knechte und Mägde bekamen dann ihre eigenen Schlafstellen am Ende des Stalles, die sie sich aber beispielsweise zu dritt teilen mussten. Privatsphäre war also tabu. Die jüngeren Bauernkinder schliefen beim Gesinde. Wenn es aber zu kalt wurde, durften die Kinder in der groot Döns auf Holzbänken schlafen. Gleiches galt bei massivem Temperatureinbruch für das Jungvieh: Kälber und Küken zogen mit in die große Stube ein. Bei großer Kälte ging es buchstäblich ums Überleben. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die so genannten Alkoven auf. Der Unterschied zu den Butzen war, dass die Schiebetüren von bis auf den Fußboden reichenden Doppeltüren ersetzt wurden. Dadurch wirkten die Schlafstellen von außen wie Kleiderschränke. Die Konstruktion des wandfesten Bettes aber blieb die gleiche. Jüngere Geschwister hatten damals ein schweres Los, weil sie als Hoferbe nicht in Frage kamen. Wenn die Aussteuer auch nicht gerade üppig war, war es für die jüngeren Nachfahren oft unmöglich, auf einen anderen Hof einzuheiraten. Die Alternative war dann, dass der Bauer ihnen ein eigenes Haus auf dem Hof, eine so genannte Häuslingsstelle, zur Verfügung stellte und sie im Gegenzug weiter für ihn arbeiteten. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Häuslingsstellen deutlich an. Wer eine eigene Häuslingsstelle hatte, lag nicht mehr so sehr unter der Knute des Bauern. Butzen und Alkoven waren auch in den Häuslingsstellen übliche Schlafplätze.

▲ Alkoven im Haus Olesen in Wyk auf Föhr (Heimatmuseum)

▲ Butze im Mühlenhaus Münster (Freilicht-Museum Mühlenhof)

Aus den Alkoven entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich eigene Schlafkammern, also getrennte Räume. auch für das Gesinde. Denn den Bauern wanderten die Arbeiter im Zuge der Industrialisierung in die Stadt ab. Mit eigenen Schlafräumen versuchten sie die Knechte und Mägde zu halten.

 

Es hatte aber auch gesundheitliche Gründe, dass Butzen und Alkoven langsam verschwanden. Die Behörden lobten Prämien aus, um sie zu verbannen. Denn von Hygiene konnte in den Schlafstellen kaum die Rede sein. Stroh und Bettwäsche wurden selten gewechselt, da das Waschen per Hand eine anstrengende und langwierige Arbeit war. Ungeziefer wie Läuse, Flöhe und Wanzen konnten sich also in den Butzen und Alkoven pudelwohl fühlen. Die Abkehr von den Wandbetten fand allerdings in bäuerlichen Kreisen nur langsam statt, sodass die Alkoven in manchen Regionen noch bis in das 20. Jahrhundert hinein genutzt wurden.

So kam es 1901 zum Erlass der Königl. Regierung zu Münster mit einem Verbot für die „Einrichtung von wandschrankartigen Verschlägen zu Schlafzwecken“:

„Auf Grund der §§ 137 und 139 ........ über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 und der §§ 6, 12 und 15 des Gesetzes über die Polizei-Verwaltung vom 11. März 1850 wird, unter Zustimmung des Bezirks-Ausschusses, für den Umfang des Regierungsbezirks nachfolgende Polizei Verordnung erlassen:

Führen mehrere Thüren in den Schlafraum, so müssen sie sämmtlich von Innen verschließbar sein. Bei Schlafräumen in Dach und Speicherräumen mit abgeschrägten Decken darf das Mindestmaß der Fensterfläche, dem durch die Abschrägung der Decke verringerten Luftraum entsprechend, bis auf ein Zwanzigstel der Fußbodenfläche heruntergehen. Die Einrichtung von wandschrankartigen Verschlägen zu Schlafzwecken (sogen. Bettkisten, Butzen, Durtichen, Dudichen) ist verboten. Schlafräume dürfen nicht mit Aborten ohne Wasserspülung oder mit Schweine- und Ziegenställen in unmittelbarer Verbindung stehen.

 

PS.: Die Annahme, dass Menschen früher ausschließlich im Sitzen schliefen, ist größtenteils ein Mythos bzw. ein Klischee, das oft übertrieben dargestellt wird. Historiker gehen heute davon aus, dass die Menschen, wenn sie in Alkovenbetten schliefen, dies in einer halb sitzenden oder aufrechteren Position taten, aber nicht kerzengerade saßen.

 

Dafür gab es mehrere plausible Gründe: 

  • Atmung und Gesundheit: Es wurde angenommen, dass das Schlafen in einer leicht erhöhten Position der Atmung half und vor bestimmten Krankheiten schützte. In einer Zeit ohne moderne Medizin hatten die Menschen oft mit Atemwegserkrankungen zu kämpfen, und im Sitzen fiel es ihnen leichter, Luft zu holen. Es gab auch Aberglauben, dass das Liegen in voller Länge den Toten vorbehalten war.
  • Wärmeisolierung: Alkoven waren kleine, geschlossene Nischen in der Wand, oft mit Türen oder Vorhängen abgetrennt. In diesen kleinen Räumen staute sich die Körperwärme effektiver, was in schlecht beheizten Häusern im Winter überlebenswichtig war. Eine aufrechtere Position machte die Betten kompakter und half, die Wärme besser zu speichern.
  • Platzmangel: In Bauernhäusern oder einfachen Unterkünften mit nur einem Raum ermöglichte die kompakte Bauweise der Alkovenbetten eine platzsparende Unterbringung mehrerer Personen. Die Betten waren oft nur etwa 1,70 Meter lang.
  • Aberglaube: Ein weiterer, weniger belegter Grund war der Aberglaube, dass man im Liegen leichter sterben oder von Dämonen heimgesucht werden könnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Menschen damals aus einer Kombination aus praktischen, gesundheitlichen und kulturellen Gründen in einer aufrechteren Haltung schliefen, auch wenn sie nicht strikt "sitzend" waren, wie man es sich heute vorstellt.

 

 

Bilegger – Wo Wärme und Alltag zusammenfinden

Ein Bilegger ist ein traditioneller Ofen, wie er über Jahrhunderte in norddeutschen Bauernhäusern (wie hier im Hause Olesen/Föhr) zu finden war. Sein besonderes Prinzip: Er wurde von der Küche aus befeuert, während der eigentliche Ofenkörper in der Wohnstube stand. So blieb der Wohnraum wohlig warm – ganz ohne Rauch, Ruß oder Schmutz. Der Bilegger war meist aus schweren gusseisernen Platten gefertigt, die nicht nur funktional, sondern auch kunstvoll gestaltet waren. Häufig zeigten sie biblische Szenen, Ornamente oder Sinnbilder des Alltags. Manche Modelle besaßen kleine Messingknöpfe, die man abschrauben und als Handwärmer mitnehmen konnte – ein praktisches Detail in kalten Wintern. Für die Menschen war der Bilegger weit mehr als nur ein Heizgerät. Er war das Herz des Hauses:

  • Er spendete Wärme für die Familie.
  • Er diente zum Trocknen von Kleidung und Vorräten.
  • Er schuf einen Ort der Gemütlichkeit, an dem man sich versammelte.

Der Bilegger erzählt heute von einer Zeit, in der Wärme und Geborgenheit nicht selbstverständlich waren, sondern mit viel Aufwand geschaffen werden mussten. Er ist ein Stück Kulturgeschichte des Nordens – ein Symbol für Alltag, Erfindungsgeist und die Kunst, mit einfachen Mitteln Behaglichkeit zu schaffen.

▲ Brennmaterial war teuer und knapp. Man wollte möglichst wenig offene Feuerstellen im Haus, u.a. aber auch, um die Brandgefahr zu minimieren. Dieser Ofen hat kein Rost und auch keine Vorrichtung, um die Asche aufzufangen. Das Feuer brannte einfach so auf dem Boden. Die Bedienung des Ofens wurde durch eine Öffnung zu dem in der Küche befindlichen Herd beschafft. Man nutzte die Wärme dieses Ofens auf verschiedene Weise. Auf dem Ofen stellte man hölzerne Trockengestelle auf, an denen kleinere Wäschestücke getrocknet werden konnten. Auf der flachen Ofendeckplatte war auch der Platz für die Ofenstülpe, wo Speisen und Getränke mit bedeckt wurden, um sie warm zu halten. An den angebrachten Haken konnte man weitere Kleidungsstücke zum Trocknen aufhängen. 

 

Links und rechts vom Ofen: Pfostenstühle mit gedrechselten Pfosten und Streben. Die vorderen Beine des Stuhls stehen weiter auseinander als die hinteren. Diese sind verlängert und bilden die Pfosten der Rückenlehne. Die Beine des Stuhls sind zur Stabilisierung an drei Seiten mit jeweils zwei Sprossen verbunden. Die Rückenlehne besteht aus vier rundgedrechselten Sprossen, die durch zwei Quersprossen verbunden sind. Der Anstrich des Stuhls ist rotbraun.