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St. Pankratiuskirche in Hamburg - Neuenfelde

Für die Fertigung des A380 kaufte Airbus einst große Flächen im Hamburger Süden auf, aus dem Dorf Neuenfelde wurde eine Geisterstadt. „Eines der schönsten Dörfer im Hamburger Stadtgebiet“, gelegen hinterm Deich, umgeben von Apfelbäumen „so weit das Auge reicht“: So wirbt die Stadt Hamburg für einen Besuch in Neuenfelde am Rande des Alten Landes. Doch Airbus hat hier im Jahr 2005 seine Landebahn von 589 Meter auf 3273 Meter in Richtung Dorf verlängert. Mehr als 20 Hektar Obstbäume im Neuenfelder „Rosengarten“ wurden planiert, mehrere Häuser abgerissen. Aus Angst vor Klagen gegen Fluglärm kaufte die Stadt ab 2002 einen ganzen Straßenzug im Ortskern auf, 67 Gebäude – und ließ sie leer stehen. Aus einem Vorzeigedorf wurde eine Geisterstadt, die sich spaltete. In die Bewohner, die immer noch zornig sind. Und die Neuenfelder, die gelernt haben, gut mit dem Kompromiss zu leben. Doch jetzt, fast 20 Jahre später, erwacht hier wieder neues Leben: Immer mehr junge Familien zieht es in das Quartier südlich der Elbe.

Dem Abriss nicht zum Opfer fiel die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Pankratius in Hamburg-Neuenfelde. Sie wurde 1682–1687 erbaut. In der Kirche ist der norddeutsche Orgelbaumeister Arp Schnitger mit Ehefrau und Tochter beigesetzt. An ihn erinnern eine Bodenplatte und sein erhaltenes Kirchengestühl südlich neben dem Kanzelkorb. Darüber hinaus ist die Kirche wegen ihrer von Schnitger erbauten Orgel sowie der bis 1731 vollendeten, einheitlichen barocken Ausstattung – u. a. mit Norddeutschlands ältestem Kanzelaltar – sehenswert. Die Kirche ist als Backsteinsaalbau mit einem dreiseitigen Ostschluss erbaut. Der Raum ist siebenachsig mit Eingängen im Westen und in der Querachse. Von dem Vorgängerbau ist nichts erhalten geblieben.

Die evangelische St. Pankratiuskirche steht auf der höchsten Stelle einer sich weit durchs Land ziehenden natürlichen Sanddüne, also nicht auf einer künstlichen Wurt. Die höheren Partien dieser Sanddüne boten als trockene Inseln in der amphibischen Landschaft, als die sich das Urstromtal der Elbe nach der letzten Eiszeit darstellt, die Ansätze für die erste Ansiedlung von Menschen. Als „Hasselwerder“, die Insel mit Haselgesträuch, wird der Ort zuerst 1059 erwähnt.

"Thurm mit Gottes Hülfe neu aufgerichtet"

Ein Glockenturm stand ursprünglich abseits der Kirche. Durch Blitzschlag 1786 zerstört, wurde er 1841 durch den heutigen Turm vor der Westfront ersetzt (Höhe: 39,60 m). Darin befindet sich ein Glockenstuhl mit zwei Glocken (1786 Bieber es‘ – 1954 Rincker c‘). Die Glocke von 1786 ist die kleinere mit einem Gewicht von 22 Zentnern. Die größere Glocke mit einem Gewicht von etwa 46 Zentnern wurde 1954 neu gegossen, nachdem zwei Vorgängerinnen in den beiden Weltkriegen zu Rüstungszwecken beschlagnahmt worden waren. Auf der großen Glocke finden sich zwei Sprüche: Der biblische Satz „Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.“ (1. Mose 9,14) Ein Satz, der am Ende der biblischen Sintflutgeschichte steht und deutlich macht, das Gottes Treue über die Abgründe des Lebens hinaus bestehen bleibt. Auch der zweite auf der Glocke stehende Satz ist ein Trost-Wort. Der Theologe und Pastor Dietrich Bonhoeffer, der 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet wurde, schrieb diese bekannten Worte: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag; Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges begann eine wirtschaftliche Blütezeit in Neuenfelde, die dazu führte, dass die ehemalige kleine Kirche durch eine neue ersetzt werden sollte. Propst Johann Hinrich von Finckh, zugleich Pastor der Kirche, übernahm die Aufgabe der Organisation des Neubaus. 1679 waren die Planungen und Genehmigungen soweit eingeholt, so dass danach mit der Mittelbeschaffung und dem Ankauf von Materialien begonnen werden konnte. Der Neubau der Kirche wurde im Jahre 1682 begonnen (Grundsteinlegung 13. Mai 1682, Kirchweihe 3. Dezember 1682). Als erstes wurde die alte Kirche abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen. Der Baumeister war Matthias Wedel aus Stade, der vier Baufirmen gleichzeitig beschäftigte, um so die Bauzeit der neuen Kirche zu verkürzen. Abseits des Neubaus wurde noch der Turm der alten Kirche stehen gelassen. Dieser blieb bis zu einem Blitzschlag im Jahre 1786 erhalten. ▲ 1841 wurde an der Westfront des Neubaus der heutige Turm erbaut (s.o.) und am 28.11.1841 eingeweiht.

Weitere Bilder der historischen Grabsteine finden Sie ▲ hier.

Der Kanzelaltar

Die Kirche und ihre Innenausstattung ist ein ausgezeichnetes Beispiel für den ländlichen Kirchenbarock im Norden von Deutschland. Wird die Kirche durch den Haupteingang im Westen betreten, "sieht man" direkt auf die Kanzelaltarwand, die die gesamte Ostwand einnimmt. "Sieht man" wurde in Anführungszeichen gesetzt, da die Kirche fast völlig dunkel und kaum beleuchtet ist. Da muss die Kamera schon auf höhere ISO-Werte gesetzt werden, was natürlich zu einem leichten Rauschen führt. Geschnitzt wurde die Kanzelaltarwand im Jahre 1688 von Christian Precht aus Hamburg. Der Vorschlag zum Bau kam vom Orgelbauer Arp Schnitger, nachdem der Propst Johann Hinrich von Finckh keine geeignete Kanzel gefunden hatte. In der hervortretenden Mitte der Wand befindet sich der Kanzelkorb. Die Wand ist reich verziert mit Figuren und Bildern. Der Kanzelkorb ist umgeben mit Figuren des Christus, der die Weltkugel hält, und der vier Evangelisten. Links und rechts der Kanzel sind die Wappen des Grafen Otto Wilhelm von Königsmarck und seiner Gemahlin, der Prinzessin Catharina Charlotta De la Gardie angebracht. Diese sind als Dank für die Hilfe beim Bau zu sehen. Die vier Bilder in der Waagerechten zeigen die Geburt Christi und Anbetung durch die Hirten, die Darstellung im Tempel, die Taufe Jesus im Jordan und Jesus im Gespräch mit der Samariterin am Jakobusbrunnen.

Die Kirchenstühle (Logen) beiderseits der Kanzel oben wurden ursprünglich für die Familien des Pastors Johann Hinrich von Finckh (links) und des Orgelbauers Arp Schnitger (rechts) errichtet.

Links und rechts vom ältesten erhaltenen Kanzelaltar Norddeutschlands sieht man je eine kleine Loge, rechts die von Arp Schnitger und seiner Ehefrau, bekrönt mit einem Doppelwappen (Arm mit gehaltenem Zirkel, dem Instrument, mit dem Schnitger wesentlich gearbeitet hat, darüber eine Helmzier, darüber wiederum zwei Stimminstrumente für Orgelpfeifen (gekreuzte Stimmhörner) und darüber die schwedische Krone. Rechts sieht man einen weiteren Helm, einen Obstbaum, 3 Ähren und eine Blume. Das ist der Helm seiner Ehefrau aus der Familie Otte aus dem Alten Land.)

Schnitger war in erster Ehe – Heirat im Jahre 1684 in Hamburg – mit der wohlhabenden Hamburger Kaufmannstochter Gertrud Otte (1665–1707) verheiratet. 1693 erwarb er den Hof seines Schwiegervaters Hans Otte in Neuenfelde, wohin er frühestens 1705 übersiedelte und wo er bis zu seinem Tode im Jahr 1719 eine weitere Orgelwerkstatt unterhielt, den so genannten „Orgelbauerhof“. Er wurde am 28. Juli 1719 in der St.-Pankratius-Kirche in Neuenfelde, neben der Kanzel im Familiengrab beigesetzt.

▲ Schnitger-Wappen über der Loge
 
▲ Ans Abendmahl erinnern beiderseits der Altarstufe die grün-weißen Kniebänke, an denen früher, vermutlich mit einem Rundgang um den Altar herum, auf der einen Seite Brot, auf der anderen Seite Wein gereicht wurde. Auf das Geschehen am Kreuz weisen die von Putten gehaltenen Marterwerkzeuge auf dem Kanzeldeckel hin.
 
Antependium mit dem Pelikan

▲ Die Altarbehänge (Antependien) sind neuzeitlich, greifen aber alte Tiersymbolik auf. Der Maler Otto Rahm entwarf als Webarbeiten den ›weißen‹ Behang mit dem Pelikan, der sich mit dem Schnabel die Brust öffnet, um die Seinen mit seinem Herzblut zu nähren, eine Anspielung auf das Abendmahl (für die Christus-Festzeiten, bes. Weihnachten, Gründonnerstag und Ostern), außerdem den grünen Behang für Sonntage ohne besondere Anlässe. Das Einhorn darauf ist ein altes Christussymbol: Der Legende nach stärker als alle anderen Tiere, von keinem Jäger zu fangen, lässt es sich nur im Schoß der Jungfrau fassen – wie Christus, das Jungfrauenkind, das kraft seiner Auferstehung unwiderstehlich die Gitter des Todes zerreißt. Der rote Altarbehang für Pfingsten und andere Feste der Kirche – ein Entwurf Sabine Paeschels aus Hamburg, den sie 2008 aus Seide und Goldlame nähte – nimmt mit der goldenen Rosette in der Mitte und den vier Symbolwesen der Evangelisten Motive und Farben des Kanzelkorbs auf.

▲ Am Kanzelkorb sind Christus mit der Weltkugel und zu beiden Seiten Darstellungen der vier Evangelisten zu erkennen (wie an der Deckenbemalung unter der Orgelempore): Matthäus mit Engel, Markus mit Löwe, Lukas mit Stier und Johannes mit Adler.

▼ Darunter sind zwei Figuren, welche die beiden wichtigsten Apostel und Briefeschreiber des Neuen Testaments darstellen sollen: Petrus mit Schlüssel und Paulus mit Schwert.

▼▼Beiderseits der Kanzel erinnert je ein farbenfrohes Wappen daran, dass dieser Altarbau wesentlich durch eine Spende des schwedischen Grafen Otto Wilhelm von Königsmarck (links) und seiner Ehefrau Charlotte de la Gardie (rechts) ermöglicht wurde, die damals auf Schloss Agathenburg residierten. 

Die Altargemälde (leider verdeckt) zeigen fünf Bilder, die biblische Geschichten aus Jesu Leben zeigen. In der Mitte ist ein sehr dunkles Bild mit der Auferstehung Jesu Christi zu sehen. Auf den zwei Bildern im Norden sind zwei biblische Erzählungen dargstellt: Auf dem einen beten die Hirten im Stall den neugeborenen Jesus an, auf dem anderen ist zu sehen, wie Jesus als Kind im Tempel lehrt. Auf den zwei Bildern im Süden sind zwei Szenen aus dem Leben des erwachsenen Jesus zu entdecken. Auf dem einen wird er von Johannes getauft, auf dem anderen trifft er auf die Samariterin am Brunnen. In der Bibel steht, dass Jesus zu der Frau sagt: »Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhörlich fließt, bis in das ewige Leben.« (Johannes 4,14)

Des Weiteren beheimatet die Kirche ein Ganzfigurenporträt des Propst Johann Hinrich von Finckh (s.u.), mehrere ebenerdige Logen aus dem 17. und frühen 18. Jahrhunderts, einen Beichtstuhl aus dem Jahre 1730, flämische Messingkronleuchter, die Grabplatte eines katholischen Geistlichen aus dem Jahre 1503, ein romanisches Weihwasserbecken (schlichter achteckiger Granitblock), ein Torhäuschen am Eingang des Friedhofs und eine Herrschaftsloge von 1731.

▲ Als Georg Clemens von Finckh, der Sohn des Kirchenerbauers, Pastor in Neuenfelde war, zeigte sich schnell, dass die Kirche unbedingt noch mehr Sitzplätze benötigte. So wurde das Gemeindegestühl in den Altarraum hinein erweitert: Im Norden die »Bunten Stühle« von 1729, genutzt von normalen Gemeindegliedern, wie die eingravierten Namen zeigen. Dieses Gestühl ist bekrönt von den vier antiken Kardinaltugenden Besonnenheit, Tapferkeit, Weisheit und Gerechtigkeit, mit Blick zum Altar von den christlichen Tugenden: klassisch Liebe, Glaube, Hoffnung, hier ergänzt um die Geduld (patientia). Gegenüber entstand im Jahr darauf ein gedeckter, prächtiger Beichtstuhl (bekrönt von einer Figur, die die ›Rechtgläubigkeit‹ darstellen soll), bescheidener davor wurde 1731 der Kirchenvorsteherstuhl gebaut, der noch heute als solcher genutzt wird.

Lutherbibel 1912: Nun sucht man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. 1. Korinther 4:2

 
 

Schnittger-Orgel und Empore im westlichen Teil der Kirche

Die zweigeschossige Empore befindet sich im westlichen Teil der Kirche. Der untere Teil wurde 1682 zusammen mit den Brüstungsgemälden, die Christus und die 12 Apostel zeigen, errichtet. Der obere Teil wurde 1688 im Zusammenhang mit dem Einbau der Orgel von Arp Schnitger fertiggestellt.

Das berühmteste Kunstwerk dieser Kirche ist die barocke Orgel des norddeutschen Orgelbauers Arp Schnitger. Dieser erhielt den Auftrag für den Bau der Orgel 1683 und stellt die Orgel 1688 fertig. Die Orgel ist besonders hoch in der Kirche angebracht worden. Bei Reparaturen im 18. und 19. Jahrhundert wurde sie dem zeitgenössischen Geschmack angepasst, wodurch der ursprüngliche Klang verloren ging. Durch Gutachter wurde im Jahr 1911 festgestellt, dass die Orgel abgerissen und neu gebaut werden müsste. Zu diesem Zeitpunkt fehlte der Kirchengemeinde jedoch das Geld. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wuchs das Verständnis für die Orgel und ihren kulturellen Wert.

Der Orgelbauer Arp Schnitger ist wohl einer der bedeutendsten Bürger, die der Bezirk Harburg je gehabt hat. Noch heute erfreuen seine Orgeln, die er Ende des 17. & Anfang des 18. Jahrhundert in ganz Nordeuropa baute, die Herzen der Menschen bei Gottesdiensten und Konzerten. Der 1648 vermutlich in Schmalenfleth (heute zu Brake gehörend) geborene Künstler lebte seit wahrscheinlich 1705 bis zu seinem Tod im Jahr 1719 in Neuenfelde auf dem „Orgelbauerhof“. Bis nach England und Russland hin sind seine Orgeln zu finden, die er auf höchstem Niveau baute.

Brüstungsgemälde, die Christus und die 12 Apostel zeigen, darüber die Orgel
Die Orgel der St. Pankratius-Kirche Neuenfelde ist eines der bedeutendsten Instrumente des Orgelbauers Arp Schnitger (1648 - 1719). Mit 34 Registern ist sie sein größtes zweimanualiges Instrument. Sie wurde 1688 erbaut und ist in wesentlichen Teilen original erhalten. Die Orgel wurde im Sommer 2017 nach zweijähriger Restaurierung wieder eingeweiht und gehört seitdem zu den gefragtesten Instrumenten ihrer Art. Die Restaurierung wurde ausgeführt von den Werkstätten Kristian Wegscheider (Orgelwerk) und Dietrich Wellmer (Farbfassung).

▲ An der rechten Kirchenwand sieht man hier das Portrait des Propst Johann Hinrich von Finckh (xxxx-1699), der den Neubau von Kirche vorantrieb und den Orgelbauer Arp Schnitger (1648-1719) engagierte. Finkh ließ als zuständiger Pastor die alte Kirche abreißen und diese neu erbauen. Sein Sohn Georg Clemens von Finckh, geb. 1687 zu Neuenfelde im „Alten Lande“ wurde 1714 selbst zweiter Pastor zu Neuenfelde, nachher auch Propst, war aber 1751 schon als Emeritus in Hamburg, wo noch 1756 Schriften von ihm erschienen. Er hinterließ im Alten Lande den Ruhm eines redlichen Mannes. „Was ein Priester des Herrn für ein Mann sei“, „Ein Stiller im Lande und ein unruhiger Kopf"; „Der sanftmüthige und hastige Kopf“ erschienen von ihm 1751-56.

Deckenausmalung

Die enorm kurze Bauzeit der Pankratiuskirche wurde dadurch möglich, dass der Baumeister Matthias Wedel aus Stade vier Baufirmen gleichzeitig beschäftigt hatte. Er errichtete einen einfachen Saalbau aus Ziegelsteinen mit großen Fenstern, wie er damals üblich war. Nur die gewaltige Brettertonne, die unter dem steilen Ziegeldach die gesamte Breite von 14 Metern überwölbt, war eine zu der Zeit ungewöhnliche Handwerksleistung. Die Zimmermannskonstruktion erregt noch heute die Freude der Fachleute. Diese große Brettertonne  wurde 1685 von den Hamburger Malern Heinrich (auch Hinrich) Berichau (um 1660-1716) und Henrich Christopher Wördenhoff ausgemalt. Das Programm der Deckenmalerei ist noch nicht geklärt. Zu sehen ist ein Wolkenhimmel über seitlichen Balusterbrüstungen, in dem dekorativ angeordnet Engelpaare und Putten zu finden sind. Sie tragen Symbole und Inschriftbänder oder -kartuschen, die sich auf das religiöse Leben der Landgemeinden beziehen. Die Maler dürften auch ein Musterbuch aus Italien benutzt haben. Nur so erklärt sich die amüsante Beobachtung, dass in einer von Anfang an streng lutherischen Kirche das große Gemälde vom Weltgericht über dem Altar ein typisch katholisches Motiv enthält: vor dem Weltenrichter Christus, der auf dem Regenbogen thront, die Erde als Schemel seiner Füße, knien Maria und Johannes der Täufer als Fürbitter.

 

Die beiden Deckenjoche davor nehmen dieses Thema auf mit Verheißungen zu Jesu Rechten (Norden) und Drohungen zu seiner Linken (Süden). Das Zentraljoch, in dem der 1709 gestiftete Kronleuchter hängt, betont in Wort und Bild den Erntesegen in Feld und Garten, der aller wahren Gottesfurcht winkt, und nennt im Deckenscheitel – auf dem Spruchband um die mittlere von insgesamt drei Sonnen (Dreieinigkeit) – das Motto dieser Kirche: »Wie Heilig ist diese Stette, hie ist nichts anders den Gottes hauß, und hie ist die Pforte des Himmels« (1. Mose 28,17). Auch die übrigen Deckenjoche sind ganz von kleinen und großen Engel bestimmt, die sich Bibelworten widmen, rund um die Orgel allerdings dem Gotteslob durch Kirchenmusik.

Die Ausmalung der Holztonnendecke und des dreiseitigen Chorgewölbes der Kirche sucht im Norden ihresgleichen. Zwischen dem Jüngsten Gericht über dem Kanzelaltar und musizierenden Engeln über der Arp-Schnitger-Orgel von 1688 schweben wohl geordnet kleine und große Engelpaare, die Bänder mit biblischen Sprüchen bzw. dazu passende Attribute tragen. Die originale Maltechnik – mit Kasein gebundene Pigmente auf einer Kreidegrundierung – reagiert auf klimatische Veränderungen sehr empfindlich. Das Bindemittel Kasein hatte sich über die Jahrhunderte abgebaut, so dass sich die Malerei vom Holzträger löste, verstärkt durch das Quell- und Schwindverhalten des Holzes. Zwei frühere, teilweise übermalende Restaurierungen durch Kirchenmaler – 1914/15 R. Ebeling, Hannover, und 1955/56 M. Gotta – sind nachgewiesen. Von den Übermalungen, die sich nach heutigem Stand der Technik ohne massive Schädigung der originalen Malerei nicht entfernen lassen, blieb vor allem der figürliche Bereich verschont.

 
 

Taufstein

Das Taufbecken von 1683 steht im östlichen Teil der Kirche und besteht aus Sandstein. Aus dem gleichen Jahr wie die Deckenmalerei stammt der von drei Putten getragene Taufstein. Er ersetzte seinen mittelalterlichen Vorgänger, der jetzt im Vorraum steht. Das Bodenrelief der Beckenschläger-Taufschale aus Messing stellt den Sündenfall dar, von dessen Folgen die Taufe befreit. Die hohe Bekrönung – bis 1954 über dem Kanzeldeckel – ist unten mit musizierenden Putten barock ergänzt. Im älteren Teil darüber (Renaissancestil) zeigt sie oben ähnlich wie der Kanzelkorb den auferstandenen Christus, der die Welt hält (»Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden; darum geht hin, macht zu Jüngern alle Völker, tauft sie …«), darunter in zwei Ebenen die zwölf Jünger. Dieses Motiv des segnenden Christus und seiner Jünger nehmen die Brüstungsmalereien an der unteren Orgelempore auf.

Gruftplatte des Priesters Johannes von 1503

 
▲ Alte Grabplatte im Vorraum
 
 
 

Das berühmte Gemeindeglied Schnitger, seine erste Ehefrau und Tochter erhielten – wie sonst nur Gemeindepastoren und andere Amtspersonen – ihr Grab in dieser Kirche. Daran erinnert eine moderne Bodenplatte im Gang zur Nordtür neben Schnitgers Gruft.

Textquellen: u.a. Wikipedia

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