Katholische Kirche St. Franziskus in Witten

1897 erging der Beschluss durch das Generalvikariat in Paderborn an die seit 1846 existierende St. Mariengemeinde ein neues Rektorat in Witten-Heven zu gründen. Durch die Industrialisierung kamen immer mehr Katholiken in das protestantische Witten, sodass neben St. Marien (Witten-Mitte) und St. Josef (Witten-Annen) eine weitere Kirchengemeinde notwendig wurde. Die Planung übernahm der Paderborner Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig. Er baute unter anderem auch die St. Josefs-Kirche in Annen. Im November 1903 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Errichtung der Kirche erwies sich anfangs schwieriger als erwartet. Da der Untergrund stellenweise erst in 10 bis 12 m Tiefe einen festen Boden auswies, und außerdem auch das Grundwasser große Probleme bereitete, mußte man dazu übergehen, die Kirche auf Pfeilern und Bögen zu errichten. Die Kirche wurde im spätgotischen Baustil durchgängig in rotem Ziegelsteinwerk erbaut. Die Verzierungen und Fenstermaßwerke sind in Sandstein gehalten. Der Turm ist 49 Meter hoch. Am 13. November 1904 wurde die Kirche durch Dechant Haupt aus Hattingen auf den Titel des Hl. Josef gesegnet und der Gemeinde übergeben. Vorerst wurde das Rektorat seelsorgerisch durch die St. Mariengemeinde mit betreut. Die Orgel, der Altaraufsatz und die Kanzel stammen aus der damals frisch renovierten und umgebauten Marienkirche.

Der erste Weltkrieg forderte hohe menschliche und finanzielle Opfer von der Gemeinde. Sämtliche Orgelpfeifen und 2 Glocken mussten als Metallspende abgeliefert werden. Die Glocken konnten erst 1924 wieder ersetzt werden. Im gleichen Jahr wurde der Hochaltar aus St. Josef in Annen erworben. Ebenso wurde die Gemeinde von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs 1944 betroffen und die Kirche nicht verschont. Ende 1944 wurde die Kirche bei einem Luftangriff auf Witten massiv geschädigt. Das Dach wurde abgedeckt, fünf Fenster nebst Maßwerk zerstört, 3 geschädigt. Das Gewölbe über der Orgel war zerbrochen, eine Stabbrandbombe war ohne zu zünden in die Orgel eingeschlagen, andere brannten auf dem Gewölbe aus. Nach einem erneuten großen Luftangriff am Patronatsfesttag am 19.März 1945 war die Wittener Innenstadt zu 80% in Schutt und Asche gelegt. Das gerade notdürftig reparierte Dach wurde wieder abgedeckt und alle Fenster zerstört. 1950 konnten die letzten Kriegsschäden an der Kirche und dem Pfarrhaus fachgerecht repariert werden. Die Notverglasung der Fenster wurde erneuert. Seit 1954 steht die Kirchengemeinde unter dem Patronat des Hl. Franziskus. Der Patronatswechsel war nach der Eingemeindung Annens mit seiner St. Josefs-Gemeinde nötig geworden.

Die Kirche hat noch Besonderheit - sie ist (wie übrigens auch die evangelische Kirche in Bommern) nicht "geostet". Normalerweise ist der Altar einer Kirche und damit auch der gesamte Bau immer nach Osten ausgerichtet. Diese aber ist genordet - es ging wegen der Grundstückslage nicht anders. Aber dadurch fällt die Morgensonne durch das Franziskus-Fenster herein.

1960 wurde eine umfassende Kirchenrenovierung eingeleitete 1960 ein. Dabei wurden entstandene Bergschäden und die neogotische Ausstattung der Kirche beseitigt. Der Hochaltar von 1924 wurde durch einen neuen ersetzt. Das geschlossene mittlere Chorfenster wurde wieder geöffnet. Die bunt bemalten Terrakotta Heiligenfiguren wurden braun überstrichen. 1970 erfolgte eine weitere Kirchenrenovierung und Umgestaltung des Chorraumes. Die alte Altarplatte wurde gekürzt und fand im vorgezogenen, neuen Altar Verwendung. Die Reliquien der römischen Märtyrer Simplicius und Mansuetus aus dem alten Altar fanden auch in dem neuen Altar ihren Platz. Der Kirchenraum wurde in sehr schlichten Farbtönen ausgemalt. In den Kirchturm wurde eine als Geschenk aus St. Barbara, Wanne-Eickel, erhaltene Glocke eingebaut. Die drei alten Glocken von 1924 stellen heute das  älteste vollständige Geläut der Wittener Innenstadtkirchen dar. 1974 erhielt die Kirche erstmalig eine neue Orgel. 1977 und 1983 wurde die Kirche außen renoviert und 1987 auch Innen. Der Tabernakel und der Taufstein wechselten ihren Aufstellungsort, sodass der Tabernakel jetzt im Scheitelpunkt des Chorraumes und der Taufstein in der linken Seitenkapelle steht. Die schlichte Kanzel von 1960 wurde abgerissen und ein Ambo rechts neben dem Altar aufgestellt. Die Kirche erhielt eine neue Ausmalung, die sich behutsam an die alte neogotische Ausmalung anlehnte.

Der Grundriss zeigt den klaren Aufbau einer dreischiffigen Kirche mit geraden Abschlüssen der Seitenschiffe, einer großen Kapelle im Westen. Der Turm, in den hinteren Teil der Kirche eingezogen, steht somit seitlich im Osten des Langhauses. Das Hauptportal, als einziges der vier Portale reichhaltiger verziert, besitzt einen viergliederigen Aufbau. Über dem eigentlichen Portal erheben sich drei gotische Bögen mit Figurenpodesten, die aber nie Figuren trugen

Orgel

Fenster im Chor, Antikglas/Blei/Schwarzlot

---dreieck Die Heilige Familie
Egbert Lammers , 1949

---dreieck Majestas Domini

umgeben von den 4 Evangelistensymbolen.

Unten: die fünf klugen Jungfrauen.
Griesenbrock 1960

---dreieck Flucht nach Ägypten.
Egbert Lammers , 1949

---dreieck Majestas Domini

umgeben von den 4 Evangelistensymbolen.

Unten: die fünf klugen Jungfrauen.
Griesenbrock 1960

---dreieck Die Heilige Familie
Egbert Lammers , 1949

Grablegung
Foto: CLEANPNG

Im Pfarrsaal hängt eine Kopie des San-Damiano-Kreuzes. Vor dem Original in der kleinen Kirche hatte Franziskus gebetet und die Aufforderung gehört: „Baue meine Kirche wieder auf.“

Altar und Tabernakel
Tabernakel

Im Mittelpunkt der katholischen Messfeier steht das eucharistische Hochgebet mit der Verwandlung von Brot (Hostien) und Wein zu Leib und Blut Christi, welches den Gläubigen in der anschließenden Kommunion gereicht wird. Die geweihten Hostien werden im Tabernakel in den Kirchen aufbewahrt und repräsentieren die Gegenwart Christi, was durch ein ständig brennendes Licht, das sogenannte ewige Licht, angezeigt wird.

Der gesamte Chorraum der St. Franziskus Kirche und so auch der Tabernakel wurden Anfang der 70er-Jahre von dem Bildhauer Josef Baron gestaltet. Dieser war gemeinsam mit Beuys und Heerich Meisterschüler von Mataré. Viele Sakralbauten in Deutschland tragen seine künstlerische Handschrift (Kirchen und Klöster in Paderborn, Fulda sowie die Annenkapelle im Dom zu Hildesheim). Seit 1987 steht der Tabernakel, der wegen der Liturgiereform in der linken Seitenkapelle aufgestellt war, wieder in der Achse des Chorraumes. Er zeigt ein aufbrechendes Kreuz, das von vier Engeln umgeben ist und so auf das Transzendentale hinweist.

Geisttaube. Frans Griesenbrock, 1964 Fenster in der Taufkapelle, Antikglas/Blei/Schwarzlot
Die Kirche wurde am 18.08.1992 unter der Listen-Nr. 215 in der Denkmalliste der Stadt Witten eingetragen.

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