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Petri-Kirche - St. Petri (Alde Kerk)

St. Petri (lokal auch als „Alde Kerke“ bekannt) ist die älteste Pfarrkirche in Soest und eine der ältesten Kirchengründungen in Westfalen. Bereits Ende des 8. Jahrhunderts wurde im Zusammenhang der Sachsenmission Karls des Großen an dieser Stelle ein Kirchbau errichtet. St. Petri ist die Hauptkirche der evangelischen St.-Petri-Pauli-Kirchengemeinde in Soest.

 

Eine Vorgängerkirche aus der Zeit um 800 war eine einschiffige Saalkirche mit eingezogenem Chor. Sie wurde im Zusammenhang mit den Bemühungen Karls des Großen gegründet, den Norden Deutschlands zu christianisieren. St. Petri gehört zu den Urpfarreien in Westfalen. Infolge des Wachstums der Stadt in den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche zu klein; es mussten neue Kirchen gebaut oder die alten erweitert werden. Die heutige Kirche wurde 1150 geweiht. Ihr ursprünglicher Charakter als dreischiffige romanische Basilika ist innen wie außen deutlich erkennbar. Kaiser Barbarossa besuchte die Kirche im Jahr 1152. Um 1180 wurde an der Nordseite eine zweigeschossige Vorhalle, das sogenannte Paradies, angefügt. Im 13. Jahrhundert wurde anstelle der ursprünglichen kleinen Apsis ein großer gotischer Chor angefügt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

INSCHRIFT:

 

Johann Heinrich Friedrich Butte

Bürgermeister dieser Stadt (SOEST)
und Vorsteher der St. Petri Kirche  

gebohren d 24ten Feb. 1769

gestorben d 9ten Aug. 1816

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

INSCHRIFT:

 

 

Heinrich Wilhelm Stute

wurde gebohren

am 28ten Sptmbr 1735

starb

am 25ten April 1812

 

 

 

 

 

Dessen Ehegattin

Clara Anna Dorothea Catharine Stute

gebohren 1747 den 29ten Juny

gestorben 1816 den 2ten May

Es folgten mehrfache Umbauten, unter anderem der Einbau von Emporen in die Seitenschiffe. Der Turm erhielt zum Ende des 14. Jahrhunderts ein weiteres Geschoss, das mit einer gotischen Spitzhaube bekrönt war. 1709 bekam die Kirche nach einem Turmbrand die dreistöckige barocke Haube, die für sie heute kennzeichnend ist. Die Kirchenfenster aus der Zeit von 1876 bis 1881 fielen den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs zum Opfer. Entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack wurde die ehemals ornamentale, romanische Ausmalung der Gewölbe aufgedeckt und in intensiver Farbgebung rekonstruiert. Gleichzeitig wurden die gotischen Wandbilder, dem Geschmacks-Empfinden entsprechend, überstrichen. Diese Maßnahmen wurden bei der Renovierung in den Jahren von 1930 bis 1933 teilweise rückgängig gemacht; die gotischen Tafelbilder wurden aufgedeckt und die romanische Bemalung weiß überstrichen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 detonierte zwischen den Kirchen St. Patrokli und St. Petri eine Luftmine, die den Chorraum und den barocken Hochaltar zerstörte. Wandmalereien, Gemälde, Kirchenbänke und Abendmahlsgeräte wurden teilweise stark beschädigt. 1948 wurde eine provisorische Wand hochgezogen, die den zerstörten Chor vom Hauptschiff trennte. Ein erster Gottesdienst in der nun verkürzten Kirche konnte im August 1948 stattfinden; der Chor wurde ab 1949 wieder aufgebaut und 1958 eingeweiht. Der älteste Teil des Gebäudes ist die Turmhalle. In den Säulen sind teilweise tiefe Wetzrillen zu sehen; sie entstanden durch das Wetzen von Schwertklingen. Die früher in der Kirche verteilten Grabplatten fanden 1945 ihre jetzigen Plätze. Das sogenannte Paradies ist die Eingangshalle des Nordportals; es wurde früher, als die Kirche noch von einem Friedhof umgeben war, als Trauerhalle genutzt. Ein um 1400 entstandenes Bild aus der Werkstatt des Conrad von Soest zeigt auf einem auffälligen roten Hintergrund die Kreuzigung Christi. Typisch für die Kirche ist, dass jede Zeit in ihr Spuren hinterlassen hat. Die alte Romanik des Westteils kontrastiert mit der Gotik des Chorraums und den geschwungenen Formen des Barock. Die Kirchenkunst des 20. Jahrhunderts ist ebenfalls stark repräsentiert, da nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs vieles neu erschaffen werden musste. So stammen Kirchenfenster und Portale aus den 1950er und 1960er Jahren, der gläserne Hauptaltar aus dem Jahr 1994.

An der Säule links ist eine alte Malerei zu sehen. Früher standen vor den Säulen Altäre. Die Wandmalereien waren also einmal Altarbilder. Dieses Bild stammt etwa aus dem Jahr 1400 und kommt aus der Werkstatt des berühmten Malers Conrad von Soest. Es zeigt auf auffällig rotem Untergrund die Kreuzigung Jesu. Am rechten Pfeiler sieht man wieder eine bedeutende Wandmalerei (1430-40), eine Kreuzigungsgruppe auf blauem Untergrund. Unter dem Kreuz stehen links Maria und Johannes, rechts eine Gruppe von Frauen. Darunter die Entkleidung Christi durch die Kriegsknechte und links unten deren Würfeln um die Kleider.

Wandgemälde aus der Werkstatt Conrad v. Soest (um 1400)

Sehenswert im Innern sind insbesondere die romanische Deckenbemalung, die gotischen Wandmalereien, der Klepping- bzw. Barbara-Altar (ein Antwerpener Retabel, um 1520), ein Triumphkreuz aus dem 14. Jahrhundert, die Apostelfenster Petrus und Paulus (um 1300), die Barockkanzel (1693) und der Glasaltar (1994). Am 1. Advent 2006 wurde die neue Orgel der Kirche (50 Register, drei Manuale) eingeweiht. Über die Grenzen von Soest hinaus ist die Petrikirche auch deshalb bekannt, weil von ihrem Turm aus an jedem Heiligabend das sogenannte Soester Gloria gesungen und gespielt wird.

 

Das Gebäude ist durch zwei Portale je in der Wand des nördlichen und südlichen Seitenschiffes erschlossen. Früher war das Nordportal, das dem Rathaus gegenüberliegt, der Haupteingang. Hier zogen die Ratsherren feierlich in die Kirche. Die von dem Bildhauer Thomas Walter Casanova 1968 gestaltete Eingangstür zeigt Szenen aus der Soester Reformationsgeschichte. Die Bronzetür im Südportal ist eine Arbeit Fritz Viegeners von 1958 und zeigt Darstellungen aus der Apokalypse des Johannes. Aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt das Tympanon; es zeigt die Siedung des Apostels Johannes vor Kaiser Domitian. Daneben ist ein bärtiger Engel zu sehen.

Die Emporenbrüstung stammt vermutlich aus der Renaissancezeit. Die original mittelalterlichen Fragmente heben sich durch ihre kräftigeren Farben deutlich ab.

Da der barocke Altar dem letzten Weltkrieg zum Opfer fiel, wurde 1994 ein neuer schlichter Altar aus Stahl, Glas und Stein aufgestellt; das dazugehörende Kreuz fand 2001 seinen Platz.

Der Barbara- oder Kleppingaltar

 

Ein Beleg früher hanseatischer Beziehungen ist der berühmte Klepping-Altar. Im Jahre seines Todes 1524 - also noch vor der Reformation in Soest - stiftete der Soester Patrizier und Großkaufmann Andreas Klepping den nach ihm benannten Altar in der Petrikirche. Er ist mit seiner Familie in der unteren Zone der Außenseiten abgebildet. Daneben befinden sich mehrere Heiligendarstellungen. Der Altar steht in der spätgotischen Tradition, aus der auch Heinrich Aldegrever kam, bevor er mit seinen Kupferstichen eine neue Richtung einschlug. Damals war es Mode geworden, Altäre aus Antwerpener Werkstätten zu beziehen, woher auch dieser Altar stammt. Die kostbare Altartafel auf der Innenseite zeigt in acht Darstellungen geschnitzte und gemalte Szenen aus der Kindheits- und Leidensgeschichte Christi, ganz oben befindet sich eine Figur der Heiligen Barbara. Während der Passionszeit wird der Altar verhüllt.

Der Altar besitzt sechs bemalte Altarflügel mit Motiven aus der Passionsgeschichte.

Die reich geschmückte barocke Kanzel wurde von 1692 bis 1693 von Johann Sasse aus Attendorn erschaffen. Sie trägt Figuren der vier Evangelisten, des Apostels Petrus und die allegorischen Gestalten Glaube, Liebe, Hoffnung und Stärke. Petrus wird nicht mit einem Schlüssel, sondern mit einem krähenden Hahn gezeigt. Der Hahn krähte laut Neuem Testament, als Petrus Jesus verleugnete. Der Schalldeckel ist mit einer großen Christusfigur bekrönt.

 

Der Taufstein in Form eines Kelches ist eine Arbeit des 15. Jhs; er ist an der Außenseite mit einer Szene der Taufe Jesu im Jordan und mit den Heiligen drei Königen verziert. Der Taufstein steht an dieser Stelle seit dem 15. Jahrhundert. 

 

Bereits im 13. Jahrhundert lässt sich die Benutzung einer Orgel für die Petrikirche nachweisen. Genaue Angaben lassen sich aber erst über die Instrumente zu Beginn des 17. Jahrhunderts machen.

 

1611–17 fertigte Johann Busse (wahrscheinlich ein Schüler Marten de Mares), der als Organist an der Wiesenkirche wirkte, in mehreren Bauabschnitten ein dreimanualiges Werk mit Pedal, welches allerdings schon bald nicht mehr den gottesdienstlichen Anforderungen genügte.

 

1650 gab die Gemeinde daraufhin beim Meister Hans Heinrich Reinking (Herford) ein neues Instrument in Auftrag, welches auf der Westempore (neben der damals dort befindlichen Bibliothek) aufgestellt wurde. Die alte Busse-Orgel verblieb vorerst auf ihrer Empore im südlichen Chorraum, bis sie 10 Jahre später nach Unna verkauft wurde.

 

Im Jahr 1704 versetzte man die Reinking-Orgel auf diese Orgelbühne. Diese große Orgel mit Schleif- und Springladen blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten, als sich der Musikgeschmack erneut stark verändert hatte und der Wunsch nach einem Instrument aufkam, auf dem die zeitgenössische romantische Konzertmusik adäquat darzustellen wäre.

 

Später kaufte die Gemeinde eine alte Steinmeyer-Orgel aus der Sebalduskirche in Nürnberg und ließ sie 1977 mit einigen Veränderungen auf der nördlichen Empore vor dem Kreuzschiff aufstellen.

 

Das Instrument war allerdings klanglich eher unbefriedigend und durch die vielen Eingriffe im Laufe seiner Geschichte (ursprünglich war es 1904 für die Jakobskirche in Oettingen in Bayern gebaut worden) kein einheitlicher Klangkörper mehr.

Zudem traten mehr und mehr Defekte in immer kürzeren Zeitabständen auf. Ein Gutachten des Orgelsachverständigen Martin Blindow erklärte, dass eine Beseitigung der Mängel in keinem vertretbaren Verhältnis zu dem finanziellen Aufwand stünde, und empfahl einen Neubau.

 

1998 folgte der Auftrag an die Freiburger Orgelbaufirma Hartwig Späth zur Herstellung und Lieferung einer Orgel mit 42 Registern. Diese heutige Orgel wurde 2006 fertiggestellt, aufgebaut und von Reiner Janke intoniert. Sie steht wieder auf der Westempore und hat 50 Register (incl. 3 Transmissionen und eines Vorabzugs) auf drei Manualen und Pedal.

In vergangenen Jahrhunderten war es ein besonderes Privileg, in einer Kirche begraben zu werden. Nur einer Minderheit war dies überhaupt gestattet. In der Petrikirche "pflastern" die Grabplatten der meist adeligen Persönlichkeiten  den Weg durch diese Kirche. Die früher in der Kirche verteilten Grabplatten fanden 1945 ihre jetzigen Plätze. 

 
 
Rosette im Querschiff, Der erste Schöpfungstag von Frère Marc de Taizé, 1967
 

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