Hauptfriedhof am Freigrafendamm, Bochum (Teil 2 - unterer Bereich)

Eigentlich müsste man bei der Beschreibung der Friedhofsanlagen von einem westlichen und östlichen Teil sprechen, geteilt durch den Sheffield-Ring. Hier werden Bilder der Anlagen des östlichen Bereiches gezeigt. Bilder des westlichen Anlagenteils finden Sie hier. Weitere Fotos vom Friedhof Altenbochum, organisatorisch auch zum Hauptfriedhof gehörend,  finden Sie hier

Hauptfriedhof Bochum, Gesamtansicht

Kapelle (Ehem. Trauerhalle Ost)

Hauptfriedhof Ost

Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich der Friedhof weiter in östlicher Richtung aus und die dort angelegten Gräberfelder lagen teilweise zu weit entfernt von diesen Trauerhallen. Dies führte zu langen Wegen bei Trauerfeiern und erheblichen Störungen für die Betriebsabläufe auf dem Friedhof. Daher regte der damalige Oberbürgermeister Fritz Claus Ende der 1960er Jahre die Planung einer weiteren Friedhofshalle mitsamt den notwendigen Nebenräumen im Osten des Zentralfriedhofs an. Die Trauerhalle Ost oder auch Trauerhalle Havkenscheid genannt, liegt im südöstlichen Teil des Zentralfriedhofs an der Feldmark und der Havkenscheider Straße. Das Gebäude ist bis heute weitgehend in seinem Originalzustand erhalten.

2019 - Keine Nutzung der Trauerhalle Havkenscheid mehr - Zur Verfügung stehen nur noch die große und kleine Trauerhalle am Haupteingang, Freigrafendamm, Immanuel-Kant-Straße. Die jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen übernimmt den Teil des Hauptfriedhofes zwischen Havkenscheider Straße und Feldmark. Die Stadt Bochum hat somit in dem Bereich keine Verwendung mehr für die Trauerhalle. Diese steht jetzt zum Verkauf.

Die Halle gehört zu einem Komplex aus insgesamt drei Baukörpern, die U-förmig nach Norden und damit zu den tieferliegenden Grabfeldern hin einen geöffneten quadratischen Platz fassen. Dieser ist bis zu den angrenzenden Fußwegen mit Waschbeton gepflastert und wird nur an einigen Stellen von Pflanzflächen durchbrochen. Der Platz bildet die Fläche rund um die als Solitär und Dominante konzipierte Trauerhalle, die der westliche Flügel der Anlage ist und in ihrem Sockelgeschoss die quadratische Grundform wieder aufgreift. Dieser Einraumbau gliedert sich in seiner Konstruktion und Gestaltung in drei übereinanderliegende Zonen. Der Sockel besitzt auf jeder Seite drei Stahlbetonstützen mit glatten Sichtbetonoberflächen. Zwischen diesen Stützen befindet sich eine farbige Bleiverglasung mit abstrakten Mustern, die von grau gefassten Betonrahmen gehalten wird. Die Farbintensität der Fenster wird dabei nach oben immer schwächer. Sie sind hauptsächlich in Blau, Rot und Gelb gestaltet; die Farben wechseln sich auf den Fenstern ab. Der Entwurf für diese Gestaltung stammt von dem Bochumer Glaskünstler und Architekten Egon Becker, welcher bereits zuvor mit Keilmann an anderen Bauten zusammengearbeitet hatte.

Der Sockel der Trauerhalle scheint sich durch die Buntglasfenster in seiner Basis aufzulösen. Die beiden Eingangssituationen sind etwas bunter als die Fenster gestaltet und befinden sich im Norden und im Osten des Baus. Auf den Stützen erhebt sich ein horizontales Sichtbetonelement, welches auf allen Seiten weit über die Sockelzone hinausragt. Darüber befindet sich ein ebenfalls quadratischer und skulptural gestalteter Sichtbetonkörper, der vertikal mehrfach gestaffelt ist und nach oben einen gezackten Abschluss bildet. Dieser wirkt wie eine Bekrönung und erinnert an eine stilisierte Krone.

Der gesamte Bau basiert auf einer Stahlbetonkonstruktion, bei der alle genannten Sichtbetonoberflächen aus Weißzement gearbeitet sind und die Schalung des Beton deutlich sichtbar ist. Die Trauerhalle ist lediglich durch überdachte Wege aus Beton mit den beiden anderen Gebäuden im Osten und Süden der Anlage verbunden. Der südliche Flügel beinhaltet den Leichenzellentrakt. An ihn schließt im Osten das Betriebsgebäude mit Räumen für den Pastor, die Angehörigen und die Mitarbeiter an.

Der Architekt Ferdinand Keilmann (1907-1979) studierte an der Staatlichen Bauhochschule in Weimar Architektur. Anschließend war er wie so viele andere Architekten zunächst mit der hohen Arbeitslosigkeit im Bauwesen konfrontiert. Während des Nationalsozialismus war seine Karriere geprägt von zahlreichen wechselnden Arbeitgebern, zudem gab es wenig oder gar keinen Platz für künstlerische Ambitionen. Ab 1950 arbeitete Keilmann zunächst als Architekt, dann als Stadtbaumeister im Hochbauamt Bochum. Unter dem zwischen 1946 und 1954 amtierenden Baudezernenten Clemens Massenberg war Keilmann am Wiederaufbau der Stadt beteiligt und dabei für viele wichtige Bauprojekte verantwortlich, so für das Hochhaus der Stadtwerke und den Wiederaufbau des Sitzungssaals im Rathaus. Der Entwurf der Trauerhalle Ost auf dem Zentralfriedhof nimmt aufgrund ihrer außergewöhnlichen Gestaltung dabei eine Sonderstellung in seinem Gesamtwerk ein.

Im Innenraum der Trauerhalle wird die Gestaltung mit den Sichtbetonoberflächen fortgeführt. Der Boden ist mit roten Klinkern ausgestattet, welche einen Kontrast zu dem grauen Beton bilden. Das Harmonium ist tieferliegend in der nordöstlichen Ecke der Halle gelegen und durch ein paar Stufen zu erschließen. Der Bereich verfügt über ein abstraktes Sichtbetonrelief und so entsteht abermals eine Verbindung zu der restlichen Gestaltung. 

Friedhofs-Impressionen

An der Suntumer Straße stand bis Anfang der 1960er Jahre eine weit über den Stadtteil bekannte Mühle, die Wittler-Mühle: „Vor allem nach dem Krieg in der Notzeit, standen die Wagen und Karren der Bäcker die ganze Straße hinauf“, erinnert sich Theodor Wittler in einem WAZ-Bericht von 2013. Beinahe rund um die Uhr drehten sich die schweren Mühlsteine. Die Mühle hatte sein Vater, Josef Wittler, der einst aus dem sauerländischen Thülen nach Laer gekommen war, am 1. August 1927 von der Familie Brüning übernommen.

Friedhofserweiterung für die Jüdische Gemeinde

Bochum bekommt einen neuen jüdischen Friedhof. Der Standort wird auf dem Hauptfriedhof sein - zwischen Feldmark und Havkenscheider Straße. 2018/2019 begannen die Arbeiten der Jüdischen Gemeinde für einen eigenen Friedhof, nach Fertigstellung soll der Bau einer eigenen Trauerhalle erfolgen. Entwürfe des Architekten Peter Schmitz liegen vor. Dazu erhält die Gemeinde ein gut 1,5 Hektar großes Gelände, das bislang zum Hauptfriedhof gehörte aber nicht mehr benötigt wird. Auf einer Fläche von rund zwei Fußballfeldern entstehen Gräber. 

Das Grundstück des neuen jüdischen Friedhofs wird der Gemeinde zum symbolischen Preis von 1 Euro übereignet. Weitere 7.500 Euro werden für einen Weg fällig, über den die noch bestehenden städtischen Gräber erreicht werden können. Zwar werden auf diesem Teil des Hauptfriedhofs schon seit Jahren keine neuen Grabstätten mehr angelegt. Dort befinden sich jedoch noch einige Familiengräber, deren Nutzungsrechte erst im Jahr 2056 erlöschen. Damit diese Gräber angemessen besucht werden können, muss der Weg errichtet werden. Sobald alles fertig ist, soll der jüdische Friedhof komplett eigenständig von der Gemeinde betrieben und verwaltet werden.

Mit dem neuen Friedhof bekommt die Gemeinde mit ihren gut 1.000 Mitgliedern aus Bochum, Herne und Hattingen nun Sicherheit für die nächsten 100 Jahre. Nach jüdischem Recht ist die Liegezeit der Verstorbenen unbegrenzt.

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