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Großsegler "Sedow": Mit vier Masten um die Welt

Einst hieß sie „Magdalene Vinnen II“ und fuhr unter deutscher Flagge. Dann kam der Krieg. Heute sind Deutsche als aktive Passagiere auf der „Sedow“ gern gesehen.

Die „Sedow" lief 1921 auf der Kieler Germaniawerft vom Stapel, damals unter dem Namen „Magdalene Vinnen II". Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Schiff als Teil der deutschen Reparationszahlungen an die Sowjetunion und wurde 1946 in Gedenken an den russischen Polarforscher Georgi Sedow umbenannt. Heute gehört die „Sedow" der Technischen Universität Murmansk und dient als Schulschiff, auf dem junge Matrosen und Kadetten ausgebildet werden.

Sie ist das zweitgrößte Segelschiff der Welt: Mit ihren 117,5 Metern Länge muss sich die "Sedov" nur der "Royal Clipper" geschlagen geben. Doch anders als dieser Segelschiff-Neubau von 1990 ist die "Sedov" eine echte Veteranin der Weltmeere. Im März 1921 läuft das Schiff bei der Krupp-Germaniawerft in Kiel vom Stapel. Damals heißt der Viermaster noch "Magdalene Vinnen II". Das Segelschiff ist von Anfang an auch mit einem Diesel-Hilfsmotor ausgestattet. Dadurch ist es kaum langsamer als ein Frachtdampfer, benötigt aber viel geringere Mengen an Brennstoff. Bis 1936 transportiert die "Magdalene Vinnen" Waren jeglicher Couleur um die Welt. Dabei kommt sie bis nach Australien, Südafrika und zu den Seychellen und umsegelt zwei Mal das für seine stürmischen Gewässer berüchtigte Kap Hoorn. 1936 kauft der Norddeutsche Lloyd Bremen die "Magdalene Vinnen II" und baut sie zum frachtfahrenden Schulschiff um. Damit künftig bis zu 60 Offiziersanwärter auf dem Schiff mitfahren können, werden neue Unterkunftsräume gebaut. Auch einen neuen Namen erhält das Schiff: Ab dem 12. August 1936 heißt es "Kommodore Johnson" - nach einem Mitarbeiter der Lloyd-Flotte, der sich vom Schiffsjungen zum Kommodore hocharbeitete.

1939, wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, kehrt die Viermastbark nach Deutschland zurück. und macht nur wenige Ausbildungsfahrten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs liegt die "Kommodore Johnson" zusammen mit der "Padua" - der späteren "Kruzenstern" - in der Kieler Förde vor Anker. Beide Schiffe gehen als Reparationsleistung nach Russland. Die Viermastbark bekommt den Namen "Sedov" - in Gedenken an den 1914 bei einer Arktisexpedition umgekommenen Forscher Georgij Sedov. Schon bald nimmt das Schiff wieder Fahrt auf: Von 1952 bis 1957 fährt die "Sedov" als Schulschiff der russischen Marine unter anderem nach Südamerika und Südafrika. Von 1957 bis 1966 ist sie als ozeanografisches Forschung- und Ausbildungs- schiff im Nordatlantik unterwegs. 1966 übernimmt das sowjetische Fischereiministerium die Viermastbark und nutzt sie für Ausbildungsfahrten im finnischen Meerbusen. 1967 wird die "Sedov" in Kronstadt vorübergehend außer Betrieb genommen. Dann, von 1975 bis 1981, wird sie in der Marinewerft in Kronstadt komplett überholt und umgebaut.

Seither verfügt der größte traditionelle Windjammer der Welt über Unterkünfte für 240 Mann und einen glasüberdachten Festsaal mit Bühne. Sogar ein Museum befindet sich an Bord des Schulschiffes, in dem sich Segelschüler und Besucher über die Geschichte des Schiffes und seinen Namensgeber Georgij Sedov informieren können. Seit 1989 ist es auch Gästen möglich, auf der "Sedov" als Teil der Besatzung mitzusegeln. Wenn die Sedov nicht gerade auf den Weltmeeren unterwegs ist, ist sie des Öfteren in Norddeutschland zu Gast. Regelmäßig ist die der Viermaster auf Hafenfesten zu bewundern, so etwa bei der Hanse Sail in Rostock oder auf der Kieler Woche.

Am 1. März 1937 gerät das Schiff in die schlimmste Lage seiner Geschichte: Die "Kommodore Johnson" (Sedov) ist gerade auf Höhe der Azoren unterwegs. Dort gerät sie in einen schweren Orkan, der Unmengen von Wasser auf das Vordeck drückt. Das Schiff, welches bereits Schlagseite hat, läuft voll. Die Schlagseite verschlimmert sich noch, als geladenes Getreide nach Backbord verrutscht. Die "Kommodore" kippt gefährlich und hat nun 56 Grad Neigung. Verzweifelt bemüht sich die Mannschaft, die Ladung zu verschieben. 200 Tonnen Wasser befinden sich mittlerweile auf dem Backborddeck, in den Mannschafts- und Kadettenräumen reicht es schon bis zu den Bullaugen. Wellen setzen dem Schiff schwer zu. Schließlich, am 3. März, setzt die "Kommodore Johnson" einen SOS-Funkspruch ab. Die Lage ist äußerst bedrohlich, als endlich zwei Tankschiffe kommen und helfen. Sie glätten die Wellen, indem sie Öl in die aufgewühlte See laufen lassen. Als der Sturm abflaut, gelingt es schließlich, die havarierte "Kommodore Johnson" zu stabilisieren. Die Menschen an Bord sind gerettet, das Schiff kann die Reise aus eigener Kraft fortsetzen.

Mit der Viermast-Bark „Sedov“ hat ein ganz besonderes Schiff an der 24. Hanse Sail teilgenommen. Das russische Segelschulschiff wurde 1921 in Kiel als „Magdalene Vinnen“ gebaut. 2012/2013 hat es von Rostock aus die Welt umrundet. Der größte Windjammer der Welt ist in seiner Struktur originalgetreu erhalten und Zeugnis deutscher Schiffbaukunst.

Im Jahr 2021 wird der Großsegler 100 Jahre alt. Zu diesem Anlass soll eine Generalüberholung vielleicht sogar am Geburtsort Kiel ermöglicht werden, um den weiteren Betrieb des Schiffes zu sichern. Hierfür begründeten der Hanse Sail Verein und der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock Roland Methling eine Initiative, die Spenden im symbolischen Wert von je 100 Euro sammelt. Der Start dieser Aktion im April war fulminant, denn die OstseeSparkasse Rostock spendete gleich 15 x 100 Euro. Den Topf ergänzten der Oberbürgermeister selbst und Holger Bellgardt, Leiter des Büros Hanse Sail, mit je 100 Euro.

„Die Initiative soll auch den Zusammenhalt der in den deutschen Küstenländern lebenden Menschen stärken und als Zeichen für den Wunsch nach guter Zusammenarbeit von Deutschland und Russland verstanden werden. Wir hoffen, dass sich uns möglichst viele Menschen anschließen“, erklärt Roland Methling.

Technische Daten der Sedow

 

Schiffstyp: Viermastbark

Baujahr: 1921

Gesamtlänge: 117,5 Meter

Breite: 14,9 Meter

Maximale Masthöhe: 58 Meter

Segelfläche: 4.195 Quadratmeter

Nation: Russland

Heimathafen: Murmansk

Eigner: Technische Universität Murmansk

Weitere Fotos der Sedow, aufgenommen auf der Hanse Sail 2015, finden Sie hier.

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