Rausfahren, wenn andere reinkommen: Die Seenotretter
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Barkassen im Hamburger Hafen

Vertäut und dicht gedrängt liegen die Barkassen an den Hamburger Landungsbrücken.  Marktführer ist Rainer Abicht. Rund 1,3 Millionen Passagiere nahm der Traditionsbetrieb mit bislang 25 Fahrgastschiffen, darunter 15 Barkassen, 2016 an Bord. Wegen stetig gestiegener Nachfrage wird die Flotte erweitert.

Geöffnete Cabrio-Dächer bei Sonnenwetter versprühen Sommerfeeling, zugezogen schützen sie an trüben Tagen vor Regen- und Spritzwasser. „Den besten Blick auf Hamburg gibt es vom Wasser aus”, daran lässt der Abicht-Chef keinen Zweifel. Der Kapitän leitet heute den Familienbetrieb, der 1926 mit seiner ersten Barkasse in Dienst ging.

Stillstand gibt's hier nicht. Und auch nicht beim Wettbewerber Barkassen-Meyer. Dessen „Gerda 2” wurde modernisiert und verlängert, um mehr Kapazität zu haben. Setzte Firmengründer Bernhard Meyer seine erste Barkasse namens „Pudel” 1919 noch für Hafentransporte und Schlepparbeiten ein, nehmen auch die Meyer-Schiffe heute ausnahmslos Touristen mit.

Bei den unzähligen Elbtouren lief in vergangenen Jahrzehnten nicht immer alles glatt, Chroniken verzeichnen auch Unfälle. Das schwerste ereignete sich 1984, als 19 Menschen im Hafen ertranken. Ein Schleppzug rammte und überfuhr die für eine Geburtstagsfeier gecharterte Barkasse. Danach mussten die Reedereien in die Sicherheit und Stabilität ihrer Schiffe investieren. Weitaus glimpflicher ging die Kollision der Barkasse „Irma 2” mit 36 Rentnern aus Flensburg an Bord mit dem Schlepper „Jörn” im Juni 2016 aus. 25 Ausflügler wurden verletzt.

Dem Publikumsmagneten Ausflugsfahrt haben solche Fälle über die Jahrzehnte wenig anhaben können. Mehr als zwei Dutzend Anbieter werben um Mitfahrer für ihre mindestens 100 Boote. Zuwächse im Stadttourismus sind prognostiziert, und das endlich fertige Wahrzeichen an der Wasserkante, die Elbphilharmonie, wollen viele sehen. So dürfte es auch im nächsten Jahr  wieder tausende Touristen an die Landungsbrücken ziehen, wo es oft schon von weitem schallt: „Hafenrundfahrt! Hier Fahrkarten für die Hafenrundfahrt!”

Die "Lütte Deern" und ihre Artgenossen schaukeln in den Wellen des Hamburger Hafens.

Barkassen-Meyer ist eins von rund 20 Unternehmen, die kommentierte Hafenrundfahrten anbieten. Die Barkasse "Lütte Deern" (Bildmitte) ist der Klassiker unter den Klassikern. Auf ihr wird die Tour eine Stunde und zehn Minuten dauern. Ihr Kapitän, Wadim Kühn, ist Schiffsjunge, Kartenabreißer, Getränkeverkäufer, einfach „Mädchen“ für alles. Nachdem alle Gäste versorgt sind, löst sich die „Lütte Deern“ erwartungsfroh glucksend vom Anleger, um stromabwärts Richtung Nordsee zu dieseln. Hier erhebt sich steuerbord das Stadtpanorama, backbord die Hafenlandschaft. Die "Rickmer Rickmers", die Landungsbrücken, der Fischmarkt, das Augustinum, das Airbus-Gelände sind die ersten markanten Punkte auf der Tour. An Eurogate und Burchardkai schieben sich containerbeladene Stahlkolosse ins Sichtfeld der Objektive. Containerdetails für Feinschmecker werden nachgereicht, bevor die "Lütte Deern" durch die Rugenberger Schleuse in den Köhlbrand schnauft. Vom Terminal Altenwerder sieht man, was von der Stadtseite nicht zu sehen ist: Die Digitalanzeige der tideabhängigen Durchfahrtshöhe unter der Köhlbrandbrücke. Danach nimmt das „Kleine Mädchen“ Kurs auf Roßkanal und Roßhafen. Es folgt ein Abstecher in die Speicherstadt. Das Weltkulturerbe ist dank Tide und – jetzt zahlt es sich aus – wendiger Barkasse schiffbar. Ab geht's durch 5000 Eichenpfähle. Kehrwieder, Kehrwiederfleet, Pickhuben, Kleines Fleet, Wandrahmsfleet, Holländischbrookfleet – das Schmeichelprogramm für Fleetfetischisten beginnt. Hier in der Speicherstadt lagern orientalische Teppiche im Wert von 500 Millionen Euro. Den Schlenker über Brooktorhafen, Maritimes Museum und Störtebeker-Denkmal nimmt man gern mit. Nach altem Backstein kommen das preisgekrönte Unilever-Haus und der Marco-Polo-Tower mit Wohnungen im Kaufwert von einem Hundertstel der Elbphilharmonie. Die Elbphilharmonie! Die "Lütte Deern" schippert links vorbei, vorn vorbei, in den Sandtorhafen rechts vorbei und noch einmal von vorn. An der Fassade glitzert, spiegelt und strahlt es wie bestellt, auf dem Schiff machen die ersten Kamera-Akkus schlapp. Dann geht es zurück zum Anleger. Erstaunlich, was man in 70 Minuten alles vor die Linse bekommen und ganz nebenbei gelernt hat.

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