Von „weißen“ und „schwarzen“ Bäckern

"Brot und Salz, Gott erhalts!"

An der Außenseite der Johanniskirche in Lüneburg findet man auf dem historischen Grabstein von Hyronimus Carl Bruns 1777 – 1850 und Catarina Elisabeth Bruns geb. Schultz 1779 – 1870 das Allianzwappen der Eheleute.  Die Eheleute wurden 1795 getraut.

 

Hieronymus Carl Bruns war Bürger und Weißbäcker in Lüneburg. Der Titel „Bürger“ bedeutete damals, dass er das Bürgerrecht erworben hatte, was Voraussetzung für die Selbstständigkeit als Bäckermeister war. Seine Angetraute war die Jungfer Catharina Elisabeth Schultz, eheliche Tochter des Johann Heinrich Schultz, Bürger und Gastmeisters beim heiligen Geist, auch Brauer und Altermann und Jurat der Stiftskirche in Lüneburg.

 

Die Erwähnung der Kirche „Heiliger Geist“ (Spital- und Stiftskirche) sowie das Amt des „Juraten“ (Kirchenvorsteher) weisen eindeutig auf die Lüneburger Stadtgesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts hin.

 

Das Wappen zeigt zwei nebeneinander angeordnete Schilde, was auf eine Verbindung der Familien durch eine Heirat hindeutet (Allianzwappen). Die Schilde werden von zwei Engeln (Putten) flankiert, die als Schildhalter fungieren. Über den Schilden sind zwei Helme mit Helmschmuck zu erkennen.

 

Rechter Schild: Hier erkennt man eine abgebildete Brezel. Die Brezel ist das traditionelle und weltweit bekannteste Zunftzeichen der Bäcker. Ihre Darstellung auf einem Grabstein oder Epitaph diente dazu, den Berufsstand und den Stolz des Verstorbenen auf sein Handwerk zu verewigen.

 

Auf dem linken Schild ist eine Person in Amtstracht zu erkennen. In norddeutschen Städten wie Lüneburg war ein Jurat ein geschworener Kirchenvorsteher oder Gemeindevertreter. Es war eine ehrenvolle Amtsbezeichnung für angesehene Bürger, die die Verwaltung einer Kirche leiteten.

 

Die Kombination aus dem Amt des Juraten und dem Beruf des Bäckers (rechter Schild mit der Zunftbrezel) ist eine klassische Form der Selbstdarstellung auf Grabplatten dieser Zeit. Sie zeigt die Verstorbenen als Säulen der Gesellschaft: sowohl im weltlichen Handwerk als auch im kirchlichen Ehrenamt.

 

Zur Ergänzung: Gemäß Bescheinigung aus dem Geburts- und Taufbuche, Verzeichnis der Getauften der evang.-luth. Parochie St. Johannis Lüneburg, Jahrgang 1807 wurde am 04.04.1807 ihr gemeinsamer Sohn Johann Hinrich geboren und am 17.05.1807 hier getauft.

 

Was zeichnet nun aber einen Weißbäcker aus?

 

Ein Weißbäcker (historisch oft auch Losbäcker genannt) war ein spezialisierter Handwerker, der sich auf die Herstellung von Backwaren aus hellem, fein gesiebtem Mehl konzentrierte. Diese Spezialisierung war im Zunftwesen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit von großer Bedeutung: Im Gegensatz zum Schwarzbäcker, der für das tägliche Roggen- und Vollkornbrot zuständig war, backte der Weißbäcker Weizenbrote, Brötchen, Hefe- und Milchgebäck sowie Kuchen. Die Brezel war das charakteristische Prunkstück und Zunftzeichen der Weißbäcker. Da Weißmehlprodukte teurer und eher für die gehobene Schicht (Bürgertum, Adel) bestimmt waren, genossen Weißbäcker oft ein höheres Ansehen und größeren Wohlstand als Schwarzbäcker. In Städten wie Lüneburg waren die Zünfte der Weiß- und Schwarzbäcker oft streng getrennt, um Konkurrenz zu vermeiden und die Qualität der jeweiligen Waren zu sichern.

 

 

Warum ist die Brezel das Zunftzeichen der Bäcker?


Nach dem Wahlspruch "Brot und Salz, Gott erhalts!" wurde schwer für das tägliche Brot gearbeitet um das Brot für ihre Herrschaften und Fürsten zu backen. Eines Tages vergaß ein junger Bäckersbursche bei der Herstellung des Brotteiges das dafür notwendige Salz. Dadurch hatte das Brot einen ganz faden Geschmack.

 

Als Strafe für seine Nachlässigkeit wurde der Bäckersbursche am Hofe zum Tode verurteilt. Er sollte den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Der Junge flehte und bettelte um sein Leben, er bat um Gnade, mit dem Hinweis, er sei doch so jung und möchte den Fehler wieder gut machen.

 

Der Fürst hatte Mitleid und wollte ihm sein Leben schenken, wenn er ein Gebäck erfindet, durch das die Sonne dreimal durchscheint. In seiner Todeszelle bekam er Teig, um solch ein Gebäck herzustellen. Schaffte er es nicht, sollte er zum nächsten Mondwechsel den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Tag und Nacht versuchte der Bäckersbursche und probierte dies und jenes, aber so ein Gebäck konnte er einfach nicht herstellen.

 

Auf dem Zellengang hörte er schon die Schritte der Henker, denn der Mondwechsel stand bevor. Auf dem Tisch hatte er aus Teig einen langen, dünnen Teigstrang geformt. Da er bereits alle Hoffnungen aufgegeben hatte, ein Gebäck, durch das die Sonne dreimal durchscheint, herzustellen, wischte er mit der rechten Hand den Teigstrang vom Tisch. Die Zellentür ging auf und die Henker erblassten und staunten: vor ihren Füßen lag das Gebäckstück, durch das die Sonne dreimal durchscheinen kann: die Brezel.

 

Das Leben des jungen Burschen war gerettet und die Bäcker nahmen die ›Brezel‹ als ihr Zunftzeichen, die von zwei Löwen gehalten wird. Noch heute ist es das Wappen der Bäcker-Zunft.