Eisbrecher Stettin

Die STETTIN gehört zu Hamburg, wie Reeperbahn und Michel. Es gehört zur Tradition vieler Hamburger und auswärtigen Touristen, wenigstens einmal im Jahr eine Fahrt mit dem Schiff zu machen, sei es nach Cuxhaven, Kiel oder Rostock.

1933 auf den Oder-Werken in Stettin gebaut, versah die Stettin ihren Dienst auf der Oder und im Oder-Haff die ganze Kriegszeiten hindurch. Sie wurde beschossen, beschädigt und half anderen Schiffen. Die wohl eindrücklichste, humanitärste Tat war die Evakuierung von mehr als 500 Menschen aus dem Osten über die Ostsee im harten Winter 1945. Nur mit viel Glück entgingen Schiff und Menschen dem Schicksal der „Wilhelm Gustloff“. In der Nachkriegszeit bis 1981 war STETTIN als Eisbrecher aktiv. Aufgrund hoher Personal- und Unterhaltungskosten wurde es unwirtschaftlich, die STETTIN weiterhin als Eisbrecher einzusetzen, es mangelte darüber hinaus an technischem Personal, Trimmern und Heizern. So wurde die STETTIN 1981 durch die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord außer Dienst gestellt. Der Weg in den Schmelzofen schien unausweichlich. Aber auch in dieser schwierigen Situation blieb das Glück auf der Seite der "Alten Lady" und lenkte behutsam die Geschicke. Der Förderverein "Eisbrecher STETTIN e.V." wurde mit dem alleinigen Ziel gegründet, die STETTIN als technisches Kulturdenkmal fahrfähig der Nachwelt zu erhalten. Den Aktivitäten der Gründungsmitglieder, den vielen, hier ungenannten Spendern und Sponsoren ist es zu verdanken, dass der Verein 1982 die STETTIN vom Staat käuflich erwerben konnte und seitdem Eigner und Reeder ist. Neuer Heimathafen wurde Lübeck, die Patenstadt von Stettin. Der Dampf-Eisbrecher STETTIN Der Verein Dampf-Eisbrecher STETTIN e.V. ging durch schier unendliche Tiefen, um sich dann langsam hochzuarbeiten. Das ging natürlich nur mit vielen ehrenamtlichen Helfern aus allen Schichten und Berufen und Sponsoren. Das ist auch heute noch so, und die Arbeit endet nie. Bis heute wird der original erhaltene Eisbrecher im Sommer für Gästefahrten unter Dampf gehalten und dient in der übrigen Zeit als liegendes Museumsschiff, vornehmlich im Hamburger Museumshafen Oevelgönne.

Die Baukosten betrugen 574.000 RM. Das Schiff sollte den Seeweg Stettin-Swinemünde sowie die Zufahrten zum Stettiner Haff in strengen Eiswintern offen halten, da Stettin wirtschaftlich stark von der Seefahrt abhängig war. Die Konstruktion zeigte erstmals in Deutschland den in Finnland entwickelten sogenannten Runeberg-Steven. Dieser bewirkt, dass sich das Schiff nicht mehr nur – wie bei den früher gebauten Eisbrechern mit Löffelbug – mit seinem Rumpf auf das Eis schiebt und es nur durch sein Gewicht zerdrückt. Beim Runebergsteven zerteilt vielmehr eine Schneidspante das Eis, das dann seitlich abgebrochen wird. Diese Stevenform hat die weitere Entwicklung des Eisbrecherbaus maßgeblich beeinflusst. Obwohl in den 1930er Jahren schon lange Dieselmotoren bekannt waren, wurde die Stettin mit einer Dampfmaschine ausgestattet, da diese den Vorteil einer sehr schnellen (innerhalb von 3 Sekunden) Umsteuerung der Maschine von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt bietet. Dies war beim Manövrieren im Eis und beim Freibrechen von festsitzenden Schiffen von großer Bedeutung. Außerdem wurden die Stettiner Eisbrecher durch die Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. Braeunlich bereedert, die im Sommer einen Seebäderdienst entlang der Ostseeküste unterhielt. Deren Schiffe hatten entsprechende Antriebsanlagen. Das technische Personal wechselte also im Herbst auf die fünf Eisbrecher und brauchte nicht entlassen zu werden. Auf den Eisbrechern fanden sie dann gleiche Maschinenanlagen vor, die ihnen von den Seebäderschiffen her geläufig waren. Mit der besonderen Rumpfform und einer Maschinenleistung von max 2.200 PSi (indizierter, am Zylinder gemessener Leistung) konnte die Stettin Eis bis zu einer Dicke von 0,5 m bei einer konstanten Geschwindigkeit von 1–2 kn brechen. Bei größeren Eisstärken musste „geboxt“ werden: Das Schiff fuhr mehrere Anläufe, bis das Eis nachgab. Zum Betrieb des Schiffes war eine Besatzung von mindestens 30 Mann erforderlich.

Unverwechselbar ist die Stimme der Stettin, die Dampfpfeife und der „Eisheuler“. Regelmäßig zu hören beim Hamburger Hafengeburtstag oder während der HanseSail in Rostock. Hier machte sie 2017 Schlagzeilen durch die Kollision mit einer finnischen Fähre:

 

Schiffstreffen der anderen Art: Eisbrecher „Stettin“ rammt finnische Fähre auf der HanseSail

 

„Größtenteils mit dem Schrecken davongekommen sind am 12.08.2017 etwa 145 Passagiere am Sonnabendvormittag auf dem Dampfeisbrecher Stettin. Gegen 11 Uhr kollidierte das Traditionsschiff im Überseehafen Rostock-Peez aus noch ungeklärter Ursache mit der finnischen Fähre „Finnsky“ zwischen den Liegeplätzen 60 und 64. Zehn Personen wurden verletzt, drei mussten ärztlich versorgt werden. Ein zwei Meter langer Riss klafft im Rumpf der Stettin, kurz über der Wasserlinie, glücklicherweise drang kein Wasser ein. Durch die Wasserschutzpolizei Rostock wurden die Ermittlungen zum Seeunfall aufgenommen.“

 

Ein Jahrspäter, im August 2018, steht das Ergebnis der Ermittlungen fest. Demnach sei der Unfall durch Versäumnisse der Crews beider Schiffe sowie der Wasserschutzpolizei verursacht worden, teilte die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) im August in Hamburg mit. In dem 96-seitigen BSU-Bericht heißt es, dass die Besatzung der „Stettin“ es versäumt habe, ihre Fahrtbewegungen mit der rückwärts in den Hafen einfahrenden Fähre per Sprechfunk abzustimmen. Gleichzeitig habe die Fähre ihre Rückwärtsfahrt ohne einen Wachoffizier auf der hinteren Manöverstation durchgeführt. Die Wasserpolizei schließlich habe die Ausfahrt der Traditionsschiffe nicht abgesichert. Zudem hatten sich dem Bericht zufolge bis zu 15 Gäste auf der Brücke der „Stettin“ befunden, so dass eine konzentrierte Schiffsführung nicht möglich gewesen sei. Bei dem Zusammenstoß war die Seitenwand der 1933 gebauten „Stettin“ über der Wasserlinie auf mehr als zwei Metern Länge aufgerissen und später mit einer Stahlplatte verschweißt worden.

Spuren der Kollision
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