Christuskirche mit hostorischem Friedhof in Bochum Langendreer

Zur Baugeschichte der Dorfkirche: Bereits um die Jahrtausendwende entstand ein erster Vorgängerbau: ein kleines, rechteckiges Gebäude mit einem verhältnismäßig großen Chorraum in der Gestalt einer gestelzten Apsis, ohne Turm. Frühere Grabungen haben nicht klären können, ob bei dem im 12. Jahrhundert stattgefundenen ersten Umbau der Kirche das ganze Langhaus auf den alten Grundmauern erneuert oder nur die vorherige Westwand abgerissen wurde. Wohl im Zuge dieses Umbaus erhielt die Kirche anstelle der Flachdecke ein Gewölbe und mit Sicherheit den Turm. Dieser Turm ist damit das auch seiner Bausubstanz nach älteste bis heute erhaltene Bauwerk in Langendreer. Seine wuchtigen Mauern aus Bruchstein und die schmalen Schießscharten zeigen sehr eindrucksvoll, dass er als Wehrturm errichtet wurde, hinter dessen Mauern sich die Menschen zurückziehen konnten, wenn Räuberbanden und Soldatenhorden ins Dorf einfielen.

Die heutige Christuskirche der Ev. Kirchengemeinde Langendreer hieß im Mittelalter „Unsere liebe Frauen Kapelle zu Langendreer“. Im Landesarchiv wurde eine Urkunde vom 26. Juni 1531 ausfindig gemacht, der zufolge bei einem Verkauf an die Langendreerer Kirche für diese ein Johann Bolte und ein Hermann Oberschulte als ,Kerkeraide unße Lieven Frouwen capellen to Langendreier’ tätig geworden sind.

Die „Dorfkirche“ gehörte vor 500 Jahren noch zur Pfarrei St. Bartholomäus Lütgendortmund. Der Pfarrei St. Peter und Paul Bochum (Mitte) unterstand eine zweite Kapelle, Ümmingen, die 1895 abgerissen wurde. Beide gehörten politisch zum Oberamt in Bochum und hatten adlige Patronatsherren.

HINWEIS: Die alte Ümminger Kirche stand „auf dem alten Ümminger Friedhof, denn dieser war eine Erweiterung des ursprünglichen Kirchhofs. Dort ist das Gebäude – trotz Abriss in 1895 – bis heute nicht völlig verschwunden. 1963 wurde sein Fundament freigelegt, verfestigt, die Innenfläche mit Kieseln ausgelegt und so sein Grundriss am originalen Standort sichtbar gemacht. Mit 68 rundherum gruppierten restaurierten Grabsteinen und -platten aus dem 17. bis 19. Jahrhunderts entstand zudem eine reizvolle historische Anlage. Rund 55 Jahre später, 2017-19, wurde die komplette Anlage einschließlich der Grabsteine noch einmal restauriert.  

---dreieck Bereits um 800 n. Chr. befand sich an dieser Stelle eine Kapelle. Um 1250 wurde eine Kirche mit einem Turm gebaut, der heute noch steht. Der Turm ist das älteste bis heute erhaltene Bauwerk in Langendreer. Seine wuchtigen Mauern aus Bruchstein und die schmalen Schießscharten zeigen sehr eindrucksvoll, dass er als Wehrturm errichtet wurde. Hier konnten sich die Menschen zurückziehen, wenn Räuberbanden und Soldatenhorden in das Dorf einfielen. Im Laufe der Zeit wurde dann an den Wehrturm die Kirche angebaut.

Im Jahr 1386 werden die Kapelle in Dreyer (Langendreer) und ihr Rektor zum ersten Mal erwähnt. 1491 erhielt die Kirche ihre erste Glocke, es war eine kleine Marienglocke. 1515 kam die große Johannesglocke dazu. 1537 erhielt die Kirche die mittlere Urbanusglocke. Diese drei Glocken sind die ältesten noch erhaltenen Glocken in Westfalen. Sie wurden zwar im Zweiten Weltkrieg ausgebaut und sollten eingeschmolzen werden, man fand sie aber unversehrt wieder und ließ sie auch wieder in den Turm einbauen.

Im Jahr 1599 zerstörten die Spanier das Dorf Langendreer, die Kirche, Burg und Ritterhöfe in Langendreer. Um 1610 herrschte die Pest in Langendreer. Not und Elend durch den 30jährigen Krieg (1618 - 1648) folgten 1623 - 1650. Um 1660 wurde die zerstörte Kirche neu aufgebaut. Sie erhielt 1682 eine Orgel. Von 1742 - 1743 wurde das Kirchenschiff neu gebaut. Im Jahr 1744 wurde eine neue Orgel aufgestellt. Wahrscheinlich stammt auch die alte Turmuhr aus diesem Jahr. 1790 wurde die Turmuhr repariert. Die Kirche erhielt im Jahr 1859 eine neue Orgel. 1886 wurde die Kirche nach Osten erweitert. 1901 erhielt die Kirche die vierte neue Orgel. 1925 erfolgte eine große Kirchenrenovierung. Im Jahr 1944 wurde die Kirche von Bomben zerstört. In den Jahren 1948 - 1949 wurde die Kirche mit eigenen Mitteln nach dem 2. Weltkrieg notdürftig wieder hergestellt. 1956 wurde die Christuskirche umfangreich restauriert. 1979 begann eine grundlegenden Restaurierung und Renovierung der Christuskirche. Es fanden archäologische Ausgrabungen im Innenraum der Kirche statt, bei denen alte Grabkammern gefunden wurden. Der Innenraum wurde erneuerte und eine neue Orgel wurde eingebaut. Auch der Glockenturm wurde umgebaut und restauriert. Er besitzt das älteste mittelalterliche Geläut in Westfalen! Das Uhrwerk (eines der ältesten Uhrwerke in Westfalen) wurde ebenfalls restauriert und es wurde eine neue Stundenglocke gegossen. Der Turmhelm wurde restauriert, er bekam neue Schallfenster. Das Turmkreuz wurde 1989/1990 erneuert. Die Renovierungsarbeiten wurden 1991 abgeschlossen.

---dreieck Das Turmuhrwerk stammt aus dem Jahr 1890. Es wurde von der Firma J. F. Weule in Bockenheim hergestellt und geht auch heute noch auf die Sekunde genau. 2 Gewichte der Uhr sorgten dafür, dass die Uhr tickt. Wenn die Gewichte ganz nach oben gezogen wurden, konnte die Uhr damit genau 4 Tage lang laufen. Danach mussten die Gewichte wieder nach oben gezogen werden. Das geschieht heute natürlich elektrisch.

Als Besonderheit besitzt die Christuskirche eine kleine Glocke, die außen am Turm angebracht ist. Es ist die Stundenglocke, die alle 30 Minuten zu hören ist.
Die Steinmann-Orgel aus dem Jahre 1982 wurde2013 auf den geplanten Umfang ausgebaut (Rückpositiv und zusätzliche Register).

Die für die Familie von der Borch angelegte Kammergruft wurde aufgegeben und die Epitaphien aus dem Boden entfernt; einige von ihnen sind heute an den Außenwänden der Kirche angebracht. In alter Zeit pflegte man Adelige und Geistliche im Boden des Gotteshauses zu bestatten und die Grablegen mit solchen Epitaphien abzudecken. Auf dem seit der Erhebung der Lütgendortmunder Filialkirche zur selbständigen Pfarrkirche im Jahre 1663 als Begräbnisplatz genutzten Kirchhof wurde bis 1846 beerdigt. Über die 1810 von der napoleonischen Regierung verfügte Eröffnung von außerhalb der Ortschaften liegenden Friedhöfen hatte man sich in Langendreer zunächst einmal hinweggesetzt, doch mit der Anlage des evangelischen Friedhofes an der Hauptstraße wurde der Kirchhof als Begräbnisstätte geschlossen. Heute erinnern einige vor der Christuskirche wieder aufgestellte alte Grabsteine des Kirchhofs und die an die Kirchenwand angebrachten Epitaphien an die früheren Begräbnisstätten vor und in der Kirche. Und an den Sieg im deutsch-französischen Krieg erinnert die 1871 auf dem alten Kirchhof gepflanzte „Kaiserlinde“.

Kirchenfenster

Kirchenfenstern kommt am Übergang von Innenraum und Außenwelt eine wichtige Bedeutung zu. Durch sie erhellt das einfallende Licht den Innenraum, das die Kirchenbesucher umfängt. Zugleich geben sie in Farbe, Symbolen und Bildern dem Glauben Ausdruck, der in der Kirche gegenwärtig ist. Die Kirchenfenster in der Christuskirche laden mit ihren „Sinnbildern“ ein, die Bedeutungen in und hinter den Bildern zu ergründen. Ihre Bildsprache greift dabei auf die biblische und kirchliche Tradition zurück.

Das linke Fenster: Taube, Fisch und Fische, Putfarken, ca. 1949, Antikglas/Blei

Die Taufe: Die Taube. Als Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sagte: „Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt.“ (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 3, Verse 16+17)

Der Fisch: Der Fisch ist ein frühes Zeichen für das Bekenntnis zu Christus. Das griechische Wort für Fisch lautet „lCHTHUS“. Aus den Buchstaben lassen sich Wörter bilden, die ein Glaubensbekenntnis ergeben: Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Retter (Erlöser).

Die vier kleinen Fische: Die Vier ist die Zahl der Welt. Sie findet sich in den vier Himmelsrichtungen ebenso wie in den vier Grundelementen (Feuer, Wasser, Erde, Luft). In seiner Ausrichtung liegt auch dem Kreuz die Zahl Vier zugrunde.

Von oben gehen Strahlen über die Mitte über das ganze Fenster nach unten. Sie zeigen: Der Geist Gottes (die Taube) wirkt in, mit und durch Christus (großer Fisch) in die Welt und für die Menschen (kleine Fische unten).

Das mittlere Fenster: Lamm Gottes, Buch mit sieben Siegeln, Schlüssel. Putfarken, ca. 1949, Antikglas/Blei

Das Lamm Gottes: Die Bildsymbole des Fensters sind dem Buch der Offenbarung entnommen (Kapitel 5, Verse 1-14). Johannes der Seher sieht das Lamm mit der Siegesfahne und hört die Bedeutung: „Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten, denn das Lamm wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offenbarung, Kapitel 7, Verse 16f).

Als Johannes der Täufer Jesus sah, sagte er: „Sehet, das Lamm Gottes“ (Johannes, Kapitel 1, Vers 29).

A und 0, Alpha und Omega: Das Alpha ist der erste und das Omega der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet. Somit wird mit A und O alles umschlossen. Daher spricht Christus am Ende der Offenbarung: „Ich bin das A und das O (Q), der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offenbarung, Kapitel 22, Vers 13)

Das Buch mit den sieben Siegeln: In seiner Vision sieht Johannes der Seher ein Buch mit sieben Siegeln, in dem der Ablauf der Weltgeschichte aufgeschrieben ist: „Ich sah eine Buchrolle. Sie war mit sieben Siegeln verschlossen.“ (Offenbarung, Kapitel 5, Verse 1-14)

Das rechte Fenster: Abendmahl, Ähren, Weinstock, Brot und Kelch, Putfarken, ca. 1949, Antikglas/Blei

Das Abendmahl: Die Korn-Ähren (oben) und der Weinstock mit den Trauben (in der Mitte) weisen auf die beiden Elemente des Abendmahls, die sich in Brot und Kelch (ganz unten) wiederfinden. Das Fenster lädt ein, über die Symbole und die Bedeutung des Abendmahls nachzudenken.

Die Schlüssel: In der Offenbarung des Johannes spricht Christus: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe. Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ (Offenbarung, Kapitel 1, Verse 17b +18)

Walter Putfarken (1908 - 1984): Die Fenster der Christuskirche sind nach den Entwürfen des Kirchenmalers Walter Heinrich Putfarken aus Düsseldorf gestaltet. Putfarken hat in den 50er Jahren in vielen Kirchen in Westfalen und im Rheinland Kirchenfenster gestaltet. Walter Putfarken ist ein Schüler des bekannten Kirchenmalers Heinrich Rüter (geboren 1877 in Bergedorf bei Hamburg; gestorben 1955). Dieser hatte zwischen 1924 und 1925 in Langendreer neben der Lutherkirche auch die Christuskirche ausgemalt. Einige seiner Ornamente sind 1981 restauriert worden. Bei der Restaurierung der Christuskirche nach dem Krieg wurde Walter Putfarken 1956 beauftragt, die Kirchenfenster der Christuskirche neu zu entwerfen. Bei den Fenstern im Chorraum wurde ein biblisches Bilderprogramm in mosaikartiger Zusammensetzung verschiedenfarbiger Gläser und Farben verwendet. Die Fenster des Kirchenschiffes sind in einem einfachen Rautenmuster gestaltet. Die Konturen sind durch Bleiruten, die die Gläser zusammenhalten, gebildet.

Decke im Vorraum

Alte Grabsteine, Grabplatten und Epitaphien

Anders als Grabplatten, die unmittelbar über dem Grab im Boden verlegt werden, sind Epitaphien nicht an den konkreten Ort der Bestattung gebunden. Infolgedessen weisen sie eine große Variationsbreite hinsichtlich Größe, Material, Form und Gestaltung auf. Epitaphien können aus Stein, Holz oder Metall gefertigt sein; gelegentlich finden sich daneben auch in Kalkschnitt gearbeitete oder lediglich auf die Wand aufgemalte Epitaphien.

Das Spektrum der Epitaphien reicht von kleinen, unscheinbaren Täfelchen bis zu aufwendigen, monumentalen Grabdenkmälern mit umfangreichem Bildprogramm und Ornament. Entsprechend vielfältig sind die Inschriftenarten, die Verwendung finden: Außer den für Grabmäler typischen Sterbevermerken und Fürbitten umfasst die Bandbreite der Inschriften Bibelsprüche, Trostsprüche und Gebete, Wappenbeischriften zu Ahnenproben, Namensbeischriften zu dargestellten Personen, Bildbeischriften, Devisen sowie Bildhauer-, Gießer- oder Malersignaturen. Die Sterbevermerke können mitunter sehr umfangreich sein und reiche biographische Informationen enthalten.

---dreieck ANNO 17.. DEN …. YST DER EHRN ACHTBAHR JOHANNES RUHE IM HERN ENTSCHLAFEN SEINES ALTERS … JAHR

ANNO 1707 DEN 12 JUNIUS IST DIE EHR UND TUGENDSAME MARGARETA BOLTEN JOHANES RUHE SEINE GEWESENE ELIGE HAUSFRAU IM HERRN ENTSCHLAFEN

---dreieck ANNO 17.. DEN……..IST JACKOB UMBERG SELIG IM HERREN ENTSCHLAF SEINES ALTER ….JAHR

(3. Buch Mose Kap. 19 Vers 32) VOR EINEM GRAUEN HAUPTE SOLT .. (sollst du aufstehen und die Alten ehren; denn du sollst dich fürchten vor deinem Gott, denn ich bin der HERR.)

Herman Oberschulte († 1724) und Anna Schulten von Berghoffen († 1723), seine Ehefrau, einst die bäuerlichen Aufsitzer des Oberschultenhofes; einer von wenigen erhaltenen Grabsteinen des historischen Kirchhofes der Langendreerer Christus- oder Dorfkirche

---dreieck ANNO 1724 DEN 18 JUNI IST DER EHREN ACHTBAHRER HERMAN OBERSCHULTE IN GOT ENTSCHLAFFEN SEINES ALTERS … JAHR

 

ANNO 1723 DEN 18 APRIL IST DIE EHR UND TUGENDSAHME ANNA SCHULTEN VON BERGHOFFEN SEINE EHEFRAU IN GOT ENTSCHLAFFEN IHRES ALTERS … JAHR

---dreieck 

KOMM STERBLICHER - BETRACHTE MIECH

DU LEBEST HEUT - ICH LEBTE AUCH AUF ERDEN

WASZ DU IETZT BIST - DASZ WAR AUCH ICH

WAS ICH IETZT BIN - KANNST DU AUCH HEUTE WERDEN

DU MUST HERNACH - ICH BIN VORHIN

DRUM GEDENKE NICHT IN DEINEM SINN

DASZ DU NICHT DÜRFFEST STERBEN

---dreieck Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?  Psalm 42

---dreieck Die Franz-Dinnendahl-Realschule existierte insgesamt mehr als 130 Jahre. 1881 wurde die Schule gegründet. Damals gab noch Pfarrer Carl Landgrebe den Privatunterricht im Pfarrhaus. 1903 war der Standort der Schule in der heutigen Wernburgastraße. 1925 zog die Franz-Dinnendahl-Realschule in die Eislebener Straße. Hier erlebte auch der Jahrgang 1956 seine Schulzeit. 1984 dann der Umzug ins Schulzentrum Ost, seit Sommer 2015 ist dieses geschlossen. Das Schulzentrum wurde zum Flüchtlingsheim (Land) umfunktioniert.

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