Das "neue" Bergbaumuseum Bochum nach dem Umbau (2020)

Drei Jahre lang wurde das Bergbau-Museum in Bochum umgebaut. Vier spannende Rundgänge, thematisch ineinandergreifend, erklären nun in der neuen Dauerausstellung die Welt des Bergbaus. Die ersten beiden Rundgänge wurden Anfang 2019 dem Publikum zugänglich gemacht, Mitte Juli 2019 eröffneten dann auch Nummer drei und vier, "Bodenschätze" und "Kunst". Folgen Sie mir auf einem Rundgang durch die neuen Ausstellungsräume. 3000 Exponate sind jetzt im Bergbau-Museum zu sehen, das sind weniger als vor dem Umbau. Dafür werden sie besser ins Licht gesetzt - und vor allem moderner, sprich: auch multimedial.

 

Eingang / Kassenbereich

Gut drei Jahre hat es gedauert, rund 350.000 Objekte waren es, die das Haus verlassen und eingelagert werden mussten, die Entwicklung und Umsetzung einer neuen Dauerausstellung mit vier neuen Rundgängen, die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes im Bestand, die Umsetzung in zwei Bauabschnitten, die Aufrechterhaltung des Museumsbetriebs und ein klar definierter Kostenrahmen von 34 Millionen Euro.

Hier im Museums-Shop findet man eine reichhaltige Auswahl an Utensilien und Souvenirs rund um das Thema Bergbau sowie alle Veröffentlichungen des Deutschen Bergbau-Museums

Drei Jahre lang wurde das Bergbau-Museum in Bochum umgebaut. Vier spannende Rundgänge, thematisch ineinandergreifend, erklären nun in der neuen Dauerausstellung die Welt des Bergbaus. Die ersten beiden Rundgänge wurden Anfang 2019 dem Publikum zugänglich gemacht, Mitte Juli 2019 eröffneten dann auch Nummer drei und vier, "Bodenschätze" und "Kunst".

 

Folgen Sie mir auf einem Rundgang durch die neuen Ausstellungsräume.

Neues Highlight im Museum ist der Stammrest eines Schuppenbaumes aus dem Karbonzeitalter (circa 306 Mio. Jahre). Er empfängt die Besucher direkt zu Beginn der Ausstellung.

Die ersten beiden Rundgänge beleuchteten die Bedeutung der Steinkohle als "Mutter der Industrialisierung" und den Bergbau als "zivilisationsprägendes Tätigkeitssystem des Menschen von der Steinzeit bis zum potentiellen Asteroidenbergwerk".

Betritt der Besucher den Rundgang "Bodenschätze", wird er von einem Rund empfangen, in dem zunächst geologisches Basiswissen vermittelt werden soll. Er erklärt anhand 950 beachtlicher Exponate, welches die Schätze im Boden sind und welche Bedeutung ihr Vorkommen für die Menschheit besitzt. Die Ausstellung beschreibt die Gewinnung mineralischer Ressourcen und will für verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung wertvoller Rohstoffe sensibilisieren.

Geschaffen hat das Team innerhalb dieser spannenden Ausstellungsflächen einen interaktiven Raum, der dazu einlädt, mittels einer Art Kartenspiel die Bestandteile alltäglicher Gegenstände zu erforschen. Tastflächen und Anschauungsmaterial zum Ausprobieren und Berühren der Exponate (zum Beispiel ein riesiger Salzkristall) führen zu erstaunlichen Erkenntnissen und am Ende des Raumes zu großen, poppig-bunten Alltagsgegenständen wie einem Bügeleisen oder einer Kaffeetasse. Allein anhand dieses Raumes lässt sich exemplarisch erkennen, wie viel Freude Architekten und Ausstellungskünstler bei der Gestaltung gehabt haben müssen. Alle Exponate aller Rundgänge haben eine neue Bühne bekommen, auch diejenigen Gegenstände, die aufgrund ihrer Ausmaße nicht verrückbar waren. Um die Feuermaschine der Saline Königsborn von 1799 in Betrieb winden sich die Gänge der beiden neuen Ausstellungen. Zwei Stockwerke hoch, kann sie von fast allen Seiten betrachtet werden. Die Feuermaschine verbindet beide Thematiken, sie ist kunsthistorisch bedeutend und gleichzeitig Dokument für Gewinnung und Verarbeitung von Bodenschätzen (Salz).

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“, Gemälde eines Karbonwaldes von Willy Kukuk, 1923, 330 × 620 cm

Für die Präsentation des Gemäldes in der neuen Dauerausstellung mussten umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen werden. Dazu zählte die Entfernung einer wachshaltigen Zellstoffbeschichtung (Facing), die Erneuerung des transparenten Schutzanstrichs (Firnis) und die Ausbesserung von Rissen. Die optimale Spannung erhält die 3,3 m x 6,2 m große Leinwand durch ein eigens entwickeltes Klettsystem aus konservatorisch unbedenklichen Materialien. Dr. Elena Gómez Sánchez vom Forschungsbereich Materialkunde des Deutschen Bergbau-Museums Bochum erstellte eine Analyse der im Gemälde verwendeten Bindemittel. Die Durchführung der Restaurierungsarbeiten wurde dem Dienstleister Ars Servandi aus Düsseldorf anvertraut und von hauseigenen Restauratoren begleitet.

STEINKOHLE. MOTOR DER INDUSTRIALISIERUNG

 

Empfangen werden die Besucherinnen und Besucher von dem Stammrest eines Schuppenbaumes aus dem Karbonzeitalter (ca. 306 Mio. Jahre) und einem raumfüllenden Ölgemälde einer Landschaft zur Steinkohlezeit (1923). Mit dem Prolog beginnt der Rundgang, der die Geschichte des deutschen Steinkohlenbergbaus vermittelt. Denn wohl kaum ein anderer Wirtschaftszweig wie der Steinkohlenbergbau prägte so nachhaltig Geschichte, Wirtschaft, Umwelt, Sozialleben und Kultur.

 

Im Verlauf des Rundgangs erzählen rund 600 Objekte von technischen Entwicklungen, sozialen Errungenschaften sowie gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen rund um die Steinkohle in Deutschland: von der Teil- bis zur Vollmechanisierung, von dem Grubenrettungswesen und der Arbeitssicherheit, von der Entstehung von Gewerkschaften und Verbänden, von sozialverträglichem Ausstieg aus der Steinkohlenförderung und den Herausforderungen einer Nachbergbauzeit. Der Rundgang mündet im Epilog mit einem Blick in Gegenwart und Zukunft der Metropole Ruhr.

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“, Wurzelstock eines Bärlappgewächses, Poesberg, Osnabrück, Niedersachsem, Karbon, Moskovium, Westfalium D, Flöz Zweibänke, ca. 306 Millionen Jahre
Fast drei Meter hoch ist der Wurzelstock aus Karbon, der die Besucher im Deutschen Bergbau-Museum Bochum empfängt. Das stolze Alter: 306 Millionen Jahre. Der Schuppenbaum stammt aus der Sammlung und ist jetzt aufwändig restauriert worden.
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“
Spurkranzloser Förderwagen auf eisernen Winkelschinen

Wie Kohle im Mittelalter abgetragen und transportiert wurde, zeigt eine Original-Lore aus Holz. Neben Werkzeugen und Transportbehältern veranschaulichen zahlreiche Modelle aus der Neuzeit die Entwicklung des Untertagebaus und den Abbau der Kohle. Große Tafeln beschreiben die verschiedenen Ebenen der Schächte und ihre Lage im Ruhrgebiet. Elegante Kuben aus Holz, in die Glasvitrinen mit kleineren Modellen und Schriftstücken eingelassen sind, verleihen den Räumen ein schlichtes modernes Design.

Typische Ruhrschiffe: "Nachen"

Die Ruhr war zwischen 1780 und 1870 der wichtigste Absatzweg für die Steinkohle aus den Zechen im Ruhrtal. Über 800.000 Tonnen wurden Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich auf dem Fluss transportiert. Als die Eisenbahn kam und der Bergbau weiter nach Norden wanderte, verlor dieser Transportweg jedoch an Bedeutung. 1890 befuhr das letzte Schiff den Oberlauf der Ruhr. Heute zeugen vor allem zahlreiche Schleusen von der Geschichte dieser einst wichtigen Wasserstraße. Das typische Ruhrschiff war der sogenannte "Nachen". Dieses Segelschiff entstammt einer Bautradition, die im gesamten Einzugsbereich des Rheins, von den Niederlanden bis zum Neckar, weit verbreitet war. Mit Strömung und Wind gelangte die Fracht flussabwärts in etwa drei Tagen von Witten nach Mülheim, in umgekehrter Richtung mussten die Schiffe zumeist mit Muskel- und Pferdestärken "getreidelt" (gezogen) werden - die Reise dauerte dann gut sechs Tage. Obwohl der Ruhrnachen auf zahlreichen zeitgenössischen Bildern und durch einige Modelle überliefert ist, war bis vor kurzem wenig über seine Konstruktion und seine Benutzung auf der Ruhr bekannt. Erst gründliche Recherchen der LWL-Museumsmitarbeiter brachten neue Erkenntnisse zu Tage, die in die Rekonstruktion einflossen. Zecheneigene "Kohlenniederlagen" waren Lagerplätze, auf dem die Förderkohle bis zum Abtransport zwischengelagert wurde. Das dauerte manchmal monatelang, wenn Niedrigwasser oder Eis die Schiffe matt setzten.

Schiff "Math. Stinnes"

Mathias Stinnes (* 4. März 1790 in Mülheim an der Ruhr; † 16. April 1845) war ein deutscher Unternehmer, der in Mülheim an der Ruhr eine Firma für Schifffahrt und Kohlenhandel gründete. Er legte mit seinem Unternehmen den Grundstein für die ehemalige Stinnes AG.

Mathias Stinnes kam als dritter Sohn des Ruhrschiffers Hermann Stinnes (1753–1793) und dessen Ehefrau Margaretha (1753–1813), geborene Werntges, in der Herrschaft Broich auf die Welt. Als Jugendlicher arbeitete er als Schiffsjunge auf dem Schiff seines Vaters. Danach war er als Schiffergehilfe im Kohlentransport auf der Ruhr tätig. Zusammen mit seinen Brüdern gründete Mathias Stinnes 1808 ein Unternehmen für Schifffahrt und Kohlenhandel. 1810 erwarb er einen Kohlenplatz sowie eine zweimastige Ruhraak und transportierte Kohle ruhraufwärts und Waren aller Art ruhrabwärts. Bereits 1820 gehörten zum Konzern Mathias Stinnes vier Bergwerke und 36 Bergwerksbeteiligungen. An Rhein und Ruhr gehörten über 65 Binnenschiffe zur Stinnes-Flotte. 1831 erwirkte Stinnes die Zollfreiheit der Rheinschifffahrt und führte 1843 die Dampfschifffahrt auf dem Rhein ein. Die Seetransporte des Unternehmens hatten Hamburg und Stettin als Ziel. Der Bergwerksbesitzer Stinnes führte das senkrechte Abteufen von Kohlenflözen in Deutschland ein. Der Konzern stand auf drei Säulen: Produktion, Handel und Schifffahrt.

Als Mathias Stinnes – im Mülheimer Volksmund „auler Mathes“ genannt – starb, galt er als größter Reeder zwischen Koblenz und Amsterdam.

Der Ruhrnachen, den jugendliche Mitarbeiter in zweijähriger Arbeit nach Originalplänen aus dem Jahr 1840 nachgebaut haben, ist auf dem LWL-Museumsgelände der Zeche Nachtigall in Witten "vor Anker" gegangen. Das LWL-Museum zeigt hier in einer Dauer-Austellung den Nachbau der "Ludwig Henz".

Zecheneigene "Kohlenniederlagen" waren Lagerplätze, auf dem die Förderkohle bis zum Abtransport zwischengelagert wurde.

Bewahrung technischer Denkmäler in Form von Modellen

In der Dauerausstellung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum ist ein Modell der 1799 in Betrieb gesetzten Feuermaschine der Saline Königsborn in Unna im Rundgang „Steinkohle. Motor der Industrialisierung“ zu sehen. Es soll die Besucherinnen und Besucher vor allem auf den frühen Einsatz von Steinkohle in verschiedenen Gewerben seit dem ausgehenden Mittelalter hinweisen. Als das Modell 1949 in das damalige Bergbau-Museum Bochum kam, stand noch ein ganz anderer Gedanke dahinter.

 

Sehr viel Arbeit wurde in den Bau des Modells gesteckt. Was war das Besondere an dieser Feuermaschine? Als älteste Feuermaschine Westdeutschlands hatte sie seit 1799 auf der Saline Königsborn bis zu ihrer Stilllegung 133 Jahre lang zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Über einem Solebohrloch gebaut, diente sie zunächst zur Solegewinnung. Nach dem Versiegen dieses Bohrloches wurde sie bis 1932 als Antrieb der Pumpen für das Gradierwerk genutzt. 

Feuermaschine der Saline Königsborn in Unna

Die nachfolgenden 3 Fotos der Nachbildung der Feuermaschine stammen aus dem Jahr 2017.

„Steinkohle – Motor der Industrialisierung“

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“. Hier findet sich das Funktionsmodell des Fördergerüstes der Zeche Germania, das seit 1973 seinen Platz über dem Museum gefunden hat.

Menschen sollen im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung stehen. Das merkt man spätestens in einem Raum mit vielen Fotos, Alltagsgegenständen und medizinischen Messgeräten. An der Wand die Röntgenaufnahmen einer Staublunge. Die Arbeit im Bergbau war und ist immer noch lebensgefährlich. Dennoch haben viele Menschen im Ruhrgebiet vom Steinkohlebergbau gelebt. Als Ende der 1960er Jahre die ersten Zechen stillgelegt wurden, kam es zu zahlreichen Demonstrationen und Streiks. Die Spruchbänder von damals und viele Fotos der Demonstranten sind in der Ausstellung zu sehen.

Öl auf Leinwand, Höhe: 205 cm, Breite: 233 cm, Tiefe: 6,5 cm

 

Theodor Rocholl: Besuch von Kaiser Wilhelm II. auf der Zeche Lothringen in (Bochum-) Gerthe anlässlich der Schlagwetterexplosion am 8. August 1912.

Am 08. August 1912 hatte sich während der Frühschicht um 9.20 Uhr bei der Entzündung schlagender Wetter in 350 Metern Teufe auf der Schachtanlage I/II der Steinkohlenzeche Lothringen eine Explosion ereignet, welche bis heute zu den schwersten Gruben-Unglücken des Ruhrbergbaus zählt. Einen Tag später besuchte der damals anlässlich der Hunderjahrfeier der Firma Krupp im Ruhrgebiet weilende Kaiser Wilhelm II. das Zechengelände. Festgehalten wurde dieses Ereignis im Gemälde „Besuch von Kaiser Wilhelm II. auf der Zeche Lothringen in (Bochum-)Gerthe anlässlich der Schlagwetterexplosion am 8. August 1912“.

An der Trauerfeier nahm die ganze Stadt Anteil, zur Beisetzung kamen 15.000 Menschen. Trauer und Gedenken gingen mit den Grubenunglücken einher. Auf vielen Friedhöfen zwischen Langendreer und Wattenscheid gibt es Ehrengräber für verunglückte Kumpel. Sie zeugen bis heute von der dunklen Seite Bochumer Bergbaugeschichte. Und den tödlichen Gefahren, die mit der Arbeit im Berg verbunden waren.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich das Gemälde von Theodor Rocholl aus dem Jahr 1914 – es kann als erstes Historiengemälde in der Bildenden Kunst des Deutschen Reiches gelten, das sich dem Thema eines Grubenunglücks widmete – nachträglich dem wilhelminischen Gesellschaftsentwurf in besonderer Weise verpflichtet sah: Gerade im Angesicht der sozialpolitisch bedeutsamen Katastrophe im Ruhrbergbau als einem Leitsektor der Ökonomie des Kaiserreichs wurde Wilhelm II. als nationale Klammer stilisiert, die durch den Händedruck mit einem Bergarbeiter gleichsam die Klassengegensätze im Deutschen Reich am Vorabend des Ersten Weltkriegs überbrückte. Ein solches „Bild“ war im Besonderen auch für die Bergbau AG Lothringen als Auftrag gebendes Unternehmen in mehrfacher Hinsicht funktional.

 

Bis 1970 blieb das Gemälde in Bochum-Gerthe auf der Zeche Lothringen selbst beheimatet. Anschließend gelangte es nach Kohlscheid in die Hauptverwaltung der Eschweiler-Bergwerks-Verein AG (EBV), die bereits 1957 die Mehrheitsbeteiligung an der Bergbau AG Lothringen erworben hatte. Im Jahr 1999 ist das Gemälde schließlich vom EBV als Dauerleihgabe an das Deutsche Bergbau-Museum Bochum übergeben worden, welches es seither ausgestellt hat.

Wir gehen ein Stockwerk tiefer in die Arbeitswelt des Bergmanns.

Waschkaue des Anschauungsbergwerks

Ein Geruch von Maschinenöl liegt in der Luft, wenn es über eine lange Rampe in einen tiefer gelegenen Raum hinuntergeht. Es ist die Maschinenhalle des Untertagebaus, mit Fräsen, die den Schacht ausbohren oder Walzenschrämladern, die mit ihren großen gezackten Rädern die Kohle von den Wänden schaben. Geräte, wie sie auch im Schaubergwerk benutzt werden. Dazu die Ausrüstung des Bergmannes, die abgetragenen Helme und die staubverschmierten Jacken.

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“, dieselhydraulische Zuglaufkatze DZ 66-2 für eine Einschienenhängebahn, Maschinenfabrik Scharf GmbH, Hamm/Westfalen, 1975, eingesetzt auf der Zeche Zollverein, Essen
Walzenschrämlader zum Abbau der Steinkohle

Als Bobine bezeichnet man im Bergbau und in der Fördertechnik einen Seilträger mit einem Flachseil als Förderseil, welches übereinander aufgewickelt wird. Fördermaschinen können mit einer Bobine oder mit zwei Bobinen ausgestattet werden.

Die Bobine ist ein Seilträger, der aus einer großen schlanken Trommel besteht, welche die Form eines Spulenkörpers hat, auf die ein Flachseil aufgewickelt wird. Der Spulenkörper besteht aus einem gusseisernen Kern, in dessen Mitte sich eine gusseiserne Nabe befindet. Der Kern hat die Breite des darauf aufwickelbaren Bandseils. Bei kleineren Bobinen besteht der Kern aus einem Stück, bei größeren Bobinen ist er in bis zu vier Teile teilbar. Damit das Seil beim Auf- und Abwickeln nicht hin- und herrutscht, wird es zwischen einer seitlichen Führung zwangsgeführt. Diese seitliche Seilbegrenzung besteht aus zwei mit Speichen versehenen Scheiben. Als Material für die Speichen wird entweder Holz oder Gusseisen verwendet. Die Speichen müssen zur Seilschonung mit speziellen Werkstoffen gefüttert werden. Die oberen Speichen-Enden sind so ausgeführt, dass das Seil einwandfrei laufen kann. Damit das Seil nicht zu stark nach rechts oder links rutschen kann, ist das Innenmaß zwischen den gefütterten Speichen des Seilträgers nur um das einfache Maß der Seilnenndicke breiter als das Flachseil. Zur sicheren Seilführung auf die Bobine werden die Einführungen möglichst schlank hergestellt. Damit die erste Seillage einen sicheren Halt auf der Nabe hat, wird das Seil mittels Klemmen an der Bobine befestigt.

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“, eine Kohlenlore für Berlin mit Gedenktafel, 1993. Zwischen dem 13. und dem 29. April 1993 zogen 43 Bergleute der Zechen Friedrich Heinrich und Rheinland diesen Kohlenwagen zu Fuß 564 km von Kamp-Lintfort am Niederrhein nach Berlin

Im "Kunst"-Rundgang erwarten den Besucher rund 400 Exponate, die die Bedeutung von Bildern und Plastiken zeigen, die sich aus verschiedensten Sichtweisen mit dem Thema Bergbau auseinandersetzen und gleichzeitig den Kunstgeschmack ihrer Epoche offenbaren. Beachtlich ist die Sammlung von Bronzeskulpturen, die ausschließlich die Figur des Bergmannes - mal strahlend und gestählt, mal gebeutelt und von schwerer Arbeit gezeichnet - abbilden.

KUNST. IDEAL UND WIRKLICHKEIT
 

Bergbau und Kunst sind eng miteinander verbunden, ohne dass die Branche je zentrales Motiv der bildenden Kunst wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte Bergbau für die Herrscherhöfe große wirtschaftliche Bedeutung, eine Fülle bergbaulicher Prunkgegenstände entstand. Mit der Industrialisierung rückten dann Bergleute und der wachsende Industriezweig selbst in den Fokus. Kunstwerke entstanden ebenso aus eigener Verbundenheit mit der Branche wie als konkrete Auftragsarbeit. Der Rundgang gliedert sich nach den Merkmalen des Bergbaus, greift sie motivisch auf. Die Bandbreite reicht von Werken renommierter Kunstschaffender bis hin zur Laienkunst, präsentiert mit Exponaten des 17. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert. Skulpturen, Gemälde und Grafiken werden durch kunstgewerbliche und -handwerkliche Objekte ergänzt. Bewusst erfolgt keine Hierarchisierung von Kunst. Vielmehr fragt der Rundgang nach der Bedeutung der Kunstwerke für bestimmte Personenkreise und rückt damit die diversen Motivationen, Kunst zu schaffen, in Auftrag zu geben und auszustellen, in den Mittelpunkt.

Man mag es vielleicht nicht auf Anhieb denken, aber der Bergbau und die Kunst sind eng miteinander verbunden. Schon im 17. und 18. Jahrhundert zierten bergbauliche Motive Tassen und Porzellan der Herrscherhöfe. Die Ausstellung zeigt sowohl Werke renommierter Künstler als auch Laienkunst. Sie umfasst Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Kurioses wie etwa das Modell einer Zeche in einer Kokosnuss oder die maßstabsgetreue Nachbildung einer Zeche aus 90.000 Streichhölzern.

Zechenmodell aus rund 90.000 Streichhölzern und das Gemälde "Ruhrgebiet" (1985) von Matthias Koeppel (rechts) im Deutschen Bergbau-Museum Bochum

Szene in Miniatur: Modell aus Streichhölzern der Zeche Hansa von Alfred Ostmann

Im Rundgang „Kunst“ findet man das bronzene „Alte Grubenpferd“ von Constantin Meunier, 1831-1905. Es erinnert daran, dass Grubenpferde im Bergbau sowohl über- als auch untertägig für Transportzwecke zum Einsatz kamen. Bis in die 1960er Jahre verrichteten die kräftigen Tiere im deutschen Bergbau täglich harte Arbeit. Es ist also kein Wunder, dass die Bronzefigur erschöpft den Kopf hängen lässt.

Meuniers Skulpturen zeigen sein Können. Die Büste des Bergmanns mit Beil (1900), der so nüchtern dreinblickt. Der „trinkende Mann“ (1890). Das Relief des Kumpels in der Steinkohleader (1892). Meunier zeigt Empathie für die Kreatur, wenn er das alte Grubenpferd (1890) in seiner Erschöpfung zeigt, mit den vortretenden Rippen. Nach einem Grubenunglück schafft er eine moderne, weltliche Pieta: die Mutter, die um ihren bei der Staubexplosion gefallenen Sohn trauert (1880-1890).

Der Bergbau besaß aber natürlich auch als wichtige Einnahmequelle große Bedeutung an Fürstenhöfen des 17. und 18. Jahrhunderts, wie eine einzigartige Sammlung an herrschaftlichem Porzellan - dem "weißen Gold" - illustriert: Geschirr mit Gruben-Motiven, Figürchen und ein Bergwerk aus feinstem Meißner Porzellan (Handelsmarke: Meissener Porzellan).

Porzellan-Kabinett / Kunstafelaufsatz aus Meißner Porzellan mit dem Titel "Das Bergwerk"
Holzfigürchen einer Bergbau-Musikkapelle
Eins der kleinsten Kunst-Exponate: Bergbauszenen in Walnusshälften.
Gemälde im Rundgang Kunst
Rundgang Kunst
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Bergbau – Steinzeit mit Zukunft“
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, „Bergbau – Steinzeit mit Zukunft“, Glocke, nach Theophilus Presbyter (1125), Bastian Asmus

Noch heute ist nicht endgültig geklärt, woher der Begriff Hund bzw. Hunt oder Hunte für ein Gefäß mit zwei Räderpaaren ungleicher Größe stammt. Die Bezeichnung für das seit dem 16. Jahrhundert im Bergbau belegte Fördermittel könnte auf das slowakische Wort "hyntow" für Wagen zurückgehen oder ist doch einfach mit dem Tier selbst in Verbindung zu bringen.

Modell einer Schmiede mit Wasserrrädern

Epitaph des Gewerken Hans Dreyling aus Schwaz in Tirol, 1578

In triumphbogenartiger Rahmung in der Mitte Darstellung der Erscheinung der 24 Ältesten vor Gottes Thron nach Offenbar. Joh. 4 ff. Darunter Inschrift (in Antiqua-Großbuchstaben):

 

WIER DANCKEN DIR HERR ALMACHTIGER GOTT DER DV BIST VND WAREST VND / KVNFFTIG BIST DAS DV HAST ANGENOMEN DEINE GROSSE KRAFFT VND HERRSCHEST / VND DIE HEIDEN SIND ZORNIG WORDEN VND ES IST KOMEN DEIN ZORN VND DIE ZEIT DER TODTEN ZV RICHTEN VND ZVGEBEN DEN LOHN DEINEN KNECHTEN DEN / PROPHETEN VNND DEN HEILIGEN VND DIE / DEINĒ NAMEN FVRCHTEN

 

Im durchlaufenden Sockel die knienden Familienmitglieder um das Dreylingsche Wappen gruppiert: Links Hans Dreyling mit seinem Schutzpatron Johannes dem Täufer, dahinter seine 3 Söhne und zwei Enkel. Rechts die Frauen des Hauses Dreyling mit ihren Töchtern, drei Frauen durch Wappenschild zu ihren Füßen hervorgehoben, die zwei vorderen werden von einer weiblichen Heiligen begleitet. Als unterer Abschluss von Beschlagwerk gerahmte Inschrift-Tafel (Inschrift in Antiqua-Großbuchstaben):

 

ANNO DOMINI 1573 DEN 15 SEPTEMBRIS IST ALLHIE ZV SCHWATZ / IN GOTT SEELICCLICH ENTSCHLAFFEN DER EDL VND VÖST HERR HANNS / DREYLING ZV WAGRAIN DER ÖLLTER. IN SEINEM LEBEN DER F D ERZHÖRZOG / FERDINADEN ZV ÖSTERREICH GEWESTER RATH & PERG VND SCHMÖLZ / HERR IN TIROL DESSEN VND ALLE CHRISTGLAVBIGEN SEELEN DER ALLMECH / TIG GOTT GNEDIG SEIN WÖLLE DVRCH IESVM CHRISTVM VNSERN HERRĒ AMĒ


Unmittelbaren Bezug zum Bergbau und zur Verarbeitung geben die emblemartigen Geräte und Werkzeuge über den seitlichen Rundbogennischen (Hunt, Schlägel, Eisen, Blasbalg etc.) mit den eingestellten Männern, dem Bergmann und Schmelzer. Im Mittelfeld reihen sich die 24 Ältesten aus der Apokalypse um Gottvater mit dem Lamm. Als Bekrönung des Rundbogenabschlusses steht die Sanduhr auf einem Totenkopf, seitlich begleitet von zwei großen Genien. Im unteren Bildfeld knien Hans Dreyling und seine Familienmitglieder.

 

Hans Dreyling stammt aus Wagrain, wohnte seit etwa 1530 in Schwaz und war als Gewerke und Schmelzmann tätig. Er konnte 1554 die heimische Firma Stöckl aufkaufen.

Dieses Epitaph des aus Böhmen eingewanderten Bergbaufachmannes Hans Dreyling (+1573) wurde 1578 von den führenden Künstlern des Innsbrucker Hofes, Hofbildhauer Alexander Colin und Gießer Christof Löffler geschaffen. Es zeigt die Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten, die Familie des Toten und einen Bergmann und einen Schmelzer (letztere links und rechts einzeln stehend, über ihnen ihr Werkzeug). Die Familie Dreyling spielt übrigens eine zentrale Rolle in dem historischen Roman "Der Meister des siebten Siegels" von Johannes K. Soyener und Wolfram zu Mondfeld, der im 16. Jh. unter anderem in Schwaz spielt.

BERGBAU. STEINZEIT MIT ZUKUNFT
 

Rohstoffe begleiten den Menschen seit jeher. Ihre Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung haben sich und die Menschheit im Laufe der Zeit verändert. Die Erforschung dieser Themen ist Aufgabe des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, das seit 1977 mit der Aufnahme in die Blaue Liste zum Forschungsmuseum wurde.

 

Der zweite Rundgang vermittelt dies in vielfältiger Art und Weise: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Disziplinen Archäometallurgie, Bergbaugeschichte, Materialkunde und Montanarchäologie beleuchten die Geschichte des Bergbaus von der Steinzeit über die Antike bis in das Mittelalter, der Frühen Neuzeit über die Industrialisierung bis in die Gegenwart – und wagen am Ende auch einen Blick in die Zukunft des Bergbaus tief in der See oder im Weltraum. Dies geschieht anhand von gut 1.150 Objekten, die verdeutlichen, dass das Verhältnis des Menschen zum Bergbau auch das Zusammenspiel von technischer Weiterentwicklung und Lösungskompetenz sowie von Wissenserwerb und Macht ist.

Rundgang Bergbau
180 Grad Leinwand im Forum

Es gibt also viel zu entdecken im neuen Bergbau-Museum und es empfiehlt sich, mehrfach wiederzukehren und sich jedes Mal ein Stückchen dem Thema Bergbau anzunähern - Sichtweisen gibt es unendlich viele und auch neue, wie die gelungene Konzeption beweist.

Die neue Sachlichkeit: Aufzug in die Ober- und Unterwelt (Turm und Schaubergwerk)

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