Wenn die Klosterglocke läutet
„Schauen Sie einmal hier oben: Wenn Sie den Kreuzgang betreten, fällt Ihnen sicher sofort diese kleine Glocke ins Auge. Man erzählt sich hier im Kloster Lüne gerne eine fast mystische Geschichte dazu: Diese Glocke, so heißt es, schweige fast das ganze Jahr – sie erklinge nur zweimal im Leben einer Nonne. Einmal bei ihrem Eintritt, als Zeichen ihrer Abkehr von der Welt, und ein letztes Mal bei ihrem Abschied aus dem Leben.
Hinter dieser Legende steckt ein tiefer Gedanke: Der Eintritt ins Kloster galt früher als symbolischer Tod für das weltliche Leben und gleichzeitig als Geburt in einer geistlichen Gemeinschaft. Die Glocke markierte also die zwei wichtigsten Schwellen eines Lebensweges.
Aber keine Sorge, ganz so still ist es hier heute nicht! In der Realität des modernen Klosterlebens rufen die Glocken im Nonnenchor auch heute noch ganz klassisch dreimal täglich zum Gebet – und das ganz traditionell per Hand. Dennoch hatte diese kleine Glocke hier im Kreuzgang eine ganz praktische, fast stille Funktion: Sie war ein internes Signal. Ohne große Unruhe zu stiften, informierte sie den Konvent über die ganz besonderen, feierlichen Momente – sei es die Aufnahme einer neuen Stiftsdame oder eben das Gedenken an eine Verstorbene. Sie ist also weniger ein Instrument der Stille, sondern vielmehr die Stimme für die großen Wendepunkte im Leben hinter diesen Mauern.“

