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Burg Blankenstein in Hattingen

Zwischen Winterberg im Sauerland, dem 'Land der tausend Berge' und der Binnenhafenstadt Duisburg am stolzen Rhein zeigt die Ruhr noch einmal ihr wild romantisches Gesicht, kurz nachdem sie den Kemnader Stausee passiert hat. Blauer Himmel über grünen Talauen, stolze Burgen mit Panoramablick, verträumte Adelssitze und die pittoresken Fachwerk-Ensembles der altehrwürdigen Städte begleitet den Wanderer entlang der Ruhr.

Die Ruhr suchte sich ein neues Bett: Die Vogelperspektive eröffnet dem Besucher nicht nur die Sicht auf pünktchenkleine Schafe, sondern auch auf flügelschlagende Schwäne, die elegant auf dem Wasser landen. Früher floss die Ruhr viel näher an der Burg vorbei. Aber beim Hochwasser von 1486 suchte sich der Fluss ein neues Bett, etwas entfernt von der Burg. Ein kleiner Seitenarm blieb zurück.

Colorierter Stahlstich, 1841; Zeichner: Carl Schlickum Stecher: Henry Winkles

---dreieck Hoch über der Ruhr steht die Burg Blankenstein am Rande des gleichnamigen Hattinger Vororts.

---dreieck Die mittelalterliche Höhenburg entstand im 13. Jahrhundert auf dem unbewachsenen „blanken Stein“ durch die Grafen von der Mark unweit der Ruhrüberquerung historischer Handelswege und diente neben der Verteidigung auch deren Kontrolle und Überwachung. Nach dem ersten Ausbau wurde die Burg im 15. Jahrhundert fertiggestellt. In der Folgezeigt verlor die Anlage allerdings an Bedeutung und begann zu verfallen – Rund 200 Jahre nach ihrem Ausbau sollte ihr sogar der Abriss drohen. Zum Teil profitierten das Haus Kemnade und einzelne Häuser in der Umgebung von Baumaterial aus der Burg Blankenstein. Im Jahre 1860 wurde in der nun zur Ruine verkommenen Anlage eine Fabrik für Garn und Fabrikations-gebäude errichtet. 1922 wurde die Burg von der Stadt Bochum erworben. In den 1970er Jahren erfolgte eine Sanierung. Heute beherbergt die Burg ein Burgrestaurant. 

(Eine ausführliche Beschreibung zur Geschichte der Burg  finden Sie weiter unten auf dieser Seite.)

Blick aus dem Gethmannschen Garten (s.d.) auf die Burg
Blick aus der Freiheit in Richtung Burg.

---dreieck Besonders charakteristisch ist der rechteckige mittelalterliche Torturm. Es schließt sich der Hof mit der begrenzenden Ringmauer an. Bereits von den Resten der zum Teil begehbaren Mauer bietet sich ein guter Ausblick auf das Ruhrtal unterhalb von Blankenstein. Besonders lohnenswert ist jedoch der Aufstieg auf den Bergfried. Hier bietet sich dem Besucher eine fantastischer Ausblick über die Altstadt von Blankenstein und die Ruhr.

---dreieck Der Küsterladen: Das Küsterladenteam betreibt seit 2006 in Blankenstein einen Buchladen mit christlicher und „weltlicher“ Literatur. Kunst und Geschenkartikel runden das Sortiment ab. Das historische Küsterhaus der Gemeinde bot den Raum und lieferte zugleich die Anregung für den Namen. Zwei Anliegen standen am Beginn der Idee: Der Laden sollte Bücher und andere Waren mit christlichem Inhalt für ein breites Publikum anbieten einen Beitrag zum Erhalt des Küsterhauses erwirtschaften.

 

Öffnungszeiten: Di.-Sa. 15 – 18 Uhr

Email: kuesterladen@kirche-hawi.de

Der Eingang zum heutigen Restaurant.
Die „Kapelle“ ist der einzige Bau des ehemaligen Burgen-Biergartens, der erhalten ist.

Direkt am Fuße des Torturms liegt die „Freiheit“. So nannte man einst den Teil des Anwesens, der geschützt hinter dem Befestigungsring lag. Handwerker und Dienstmannen mit besonderen Freiheitsrechten wohnten dort. Kehrte dieses Gesinde abends zu spät zurück, bekam es Torschlusspanik. Man kam nicht mehr rein. Und draußen vor den Toren warteten die Räuber, das Gesindel. Noch heute ist die Freiheit schön anzusehen, die sich zu einer Siedlung mit malerischen Fachwerkhäusern entwickelt hat. In einem Gehege grast das Damwild. Wie ein Graben sieht die Wiese dort aus. Von dort wurde ein Teil der Steine für die Burg geborgen.

Blick über Blankenstein und das nahe Bergische Land
Hinter der Mauer geht´s abwärts ins Ruhrtal
Begehbare Ringmauer

Die Burganlage aus Ruhrsandstein erhebt sich auf einem hufeisenförmigen Grundriss von etwa 90×70 Metern, umschlossen von Resten einer Ringmauer. Diese ist gemeinsam mit den unteren Geschossen eines 26 Meter hohen, annähernd quadratischen Turms die älteste erhaltene Bausubstanz. Der etwa 9×9 Meter breite Turm wird oft auch Bergfried genannt, seine heute vermauerte, rund 2,80 Meter breite Tordurchfahrt weist ihn jedoch als Torturm aus. Die Mauern im ersten Geschoss, das aus dem 13. Jahrhundert stammt, sind zwischen 2,50 und 3,40 Meter dick. Die höher liegenden Stockwerke sind späteren Bauepochen zuzuordnen. Der heutige Eingang liegt in etwa neun Metern Höhe. Von dort führt ein 0,65 Meter breiter Gang in der Mauerstärke zur obersten Turmebene.

Reste einer Zwingermauer mit Rundtürmen stammen wohl aus dem 14. Jahrhundert.

Dem hohen Vierecksturm schließt sich südlich ein Rundbogentor an, das zusätzlich von einem Rundturm mit Kegeldach flankiert wird. Diesem Torturm schließt sich hofseitig ein rechteckiges Gebäude an. Nördlich des Bergfrieds steht ein zweigeschossiges Gebäude, das aus Bruchsteinen errichtet wurde und heute als Restaurant dient.

An der Ostecke des Areals steht ein weiterer Turm, der mit einem Zeltdach ausgestattet ist und aus dem 19. Jahrhundert stammt. Ansonsten sind von der Burganlage nur noch Fundamente und Mauerreste übrig, wie zum Beispiel die Ruine eines ebenfalls im 19. Jahrhundert errichteten Gaststättengebäudes an der östlichen Ringmauer. Dieses ehemalige Gebäude wird häufig als Kapelle bezeichnet, war jedoch nie ein sakraler Bau.

Die Gründung der Burg Blankenstein geht auf Graf Adolf I. von der Mark im Jahr 1226 zurück. Nach der Ermordung des Erzbischofs Engelbert I. von Köln legten Gefolgsleute des Kölner Würdenträgers die Isenburg bei Hattingen aus Rache in Trümmer. Aus den Steinen errichtete der Droste Ludolf von Bönen den ersten Verteidigungsbau an strategisch günstiger Lage oberhalb einer Ruhrfurt auf einem riesigen Felsen, dem "blanken Stein". Von hier aus konnten Reisende und Kaufleute kontrolliert werden, die - einer alten Handelsstraße folgend - die Ruhr unterhalb der Burg überqueren mussten. Graf Engelbert I., der von 1249 bis 1277 regierte, erweiterte die Burg zu einer festungsähnlichen Anlage. Durch seinen Drosten, Bernd Bitter, ließ er den nach ihm benannten "Graf-Engelbert-Turm" erbauen, der 300 Jahre bis zu seinem Abriss einen weiten Blick ins damals stark bewaldete Ruhrtal ermöglichte. Einiges deutet darauf hin, dass die Burgkapelle ebenfalls in der Regierungszeit des Grafen Engelbert I. errichtet wurde. Der Überlieferung nach, fand auf der Burg zu Pfingsten des Jahres 1321 eine denkwürdige Begegnung statt: Graf Engelbert II. überreichte den Abgesandten Bochums eine Urkunde, die den Bochumern die Stadtrechte verlieh. Beschauliche Ruhe fanden die Burg und ihre Bewohner in der Folgezeit nicht. Dafür sorgte die damalige politische Lage in der Grafschaft sowie die ständigen Erb- und Gebietsstreitereien. So gönnten Graf Engelbert III. (1347 bis 1391) und sein Nachfolger, Graf Dietrich (1391 bis 1398), sich kleinere und größere Scharmützel mit streitbaren Nachbarn. Die bauliche Vollendung der Burg litt unter diesen unruhigen Zeiten erheblich. So konnte erst Herzog Adolf III. (1398 bis 1448) die Bauten abschließen. Unter seiner Herrschaft wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts ein neues Herrenhaus im Innenhof der Burg erbaut. Sein Sohn, Herzog Johann I. von Kleve, erhielt nach unzähligen Auseinandersetzungen im Jahre 1461 das volle Verfügungsrecht über die Grafschaft Mark. Er verpfändete Burg und Amt Blankenstein an den Drosten Kracht Stecke.  Dessen Sohn, Johann Stecke, übernahm das Drostenamt nach dem Tode seines Vaters. Mit ihm und der Prunksucht des Herzogs Johann II. begann der Zerfall der Burg. Aufgrund leerer Kassen wurden notwendige Reparaturarbeiten an der Burg nicht mehr ausgeführt und die Burg wurde baufälliger. Als Herzog Johann II. im Jahre 1494 die Burg verließ, um das Amt des Burggrafen von Dortmund anzunehmen, zerfiel sie weiter. Die ehemalige Bedeutung der Anlage konnte in der Folgezeit nicht wieder hergestellt werden. Bewegung kam in das Burgleben wieder, als spanische Truppen im Jahre 1614 die Burg besetzten. Das endgültige "Aus" der ehemals stolzen Burg kam, wie bei vielen Herrensitzen und einst blühenden Städten, mit dem zerstörenden Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648). Im Jahre 1637 übernahm Johann Georg von Syberg das Drostenamt und wohnte zehn Jahre lang auf Blankenstein, ehe er 1647 auf sein Erbgut Haus Kemnade zog. Da der Zerfall der Burg Blankenstein immer weiter fortschritt, beantragte die Familie Syberg im Jahre 1662 beim Kurfürsten Friedrich Wilhelm den Abbruch der einstigen Festung - die Genehmigung folgte. Mit den Steinen der Burg Blankenstein wurde Haus Kemnade weiter ausgebaut und befestigt. Den viereckigen Burgturm, der der Vernichtung widerstand, bewohnten ab 1771 die Familien Wolfshagen und Kortwich. Etwa um 1800 baute Wolfshagen aus Steinen und Materialien der Burg unweit des Turmes ein Wohnhaus. Kortwich verkaufte seinen Anteil im Jahre 1842 an den Kaufmann Forstmann. Im Jahre 1860 erwarb die Familie vom Stein das Burggelände und betrieb eine Fabrik zum Färben von Garnen. Die wechselvolle Geschichte der Burg beendete schließlich die Stadt Bochum. Sie kaufte diese im Jahr 1922. Am 14. August 1947 wurde auf der Burg ein Heimkehrer-Erholungsheim eröffnet. "Den erholungsbedürftigen, 1947 heimgekehrten Kriegsgefangenen, vornehmlich denen aus Russland kommenden, wurde hier auf Kosten der Stadt ein vierwöchiger Erholungsaufenthalt geboten, der in besonders gelagerten Fällen auf acht Wochen ausgedehnt werden konnte." (Verwaltungsgericht der Stadt Bochum 1948 bis 1952) Von 1968 bis 1971 ließ die Stadt Bochum die Burg sanieren. Seitdem ist der 30 Meter hohe Turm wieder zu besteigen, von dem sich ein hervorragender Bick ins Ruhrtal  bietet: mit Haus Kemnade, dem Kemnader See, dem alten Dorf Stiepel und der um das Jahr 1000 gegründeten Stiepeler Dorfkirche.

 

Quelle: www.bochum.de

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