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Ehemalige Ev. Lutherkirche in Bochum-Langendreer / "LutherLAB"

Die ehemalige evangelische Lutherkirche liegt zentral im Stadtteil Bochum-Langendreer. Das Kirchengebäude selbst erstreckt sich von West nach Ost, wobei der Kirchturm an der Seite zur Alten Bahnhofstraße gleichzeitig den Eingangsbereich des Gebäudes bildet. Die Lutherkirche wurde in den Jahren 1903 bis 1905 errichtet, um der wachsenden evangelischen Kirchengemeinde in Langendreer gerecht zu werden. Architekt: Architekten G.A. Fischer (1833–1906). Sie wurde aus gelblich grauen Ruhrsandsteinen gebaut. Am Portal, an Umrahmungen und an den Maßwerken wurde zur optischen Hervorhebung „Heilbronner Sandstein“ verwendet. Das Kirchendach wurde mit Schiefer gedeckt. Die Kirche wurde als Predigtkirche gebaut, in dem das zentrale Kirchenschiff annähernd quadratisch ist. Um dem Ganzen den Grundriss eines Kreuzes zu geben, wurde das Kirchenschiff in der Breite erweitert. Mit Blick auf den Grundriss gilt die neugotische Kirche heute als ein erhaltenswertes Beispiel einer „kreuzförmigen Emporenkirche“ des späten Historismus nach den Vorstellungen des „Wiesbadener Programms“.

 
 
Eine Filiale der Park-Apotheke findet man hier auch. Das neue Corona-Testzentrum in der ehemaligen Lutherkirche hat im April 2021 den Betrieb aufgenommen.
 
Altar und Kanzel
Großes Kreuzigungsbild an der Chorwand
 

Das Kirchengestühl wurde für bis zu 800 Besucher ausgelegt und war durch Ausziehsitze an den Bankenden bis auf 1000 Besucher erweiterbar. Zwei beherrschende Rosettenfenster an den beiden Seiten sorgten für ein großzügiges Licht im Innenraum. Die ursprüngliche Ausmalung der Kirche entsprach der damals vorherrschenden Kirchenausmalung und gipfelte in einem großen Kreuzigungsbild an der Chorwand oberhalb des Altars, grstiftet von der Familie Maiweg*, ausgeführt durch den Kirchenmaler Rüter aus Düsseldorf.

 

(* Hier handelt es sich vermutlich um die Architektenfamilie F.W. Maiweg aus Langendreer, gestorben 1905. Seine ►Grabstätte ist hier abgebildet.)

Die Fenster im Altarraum (Opalglas/Blei) wurden gestaltet von Heinz Oswald Krause-Rischard, ca. 1998. Oswald Krause-Rischard entwarf (neben weiteren) auch die Fenster der Friedhofskapelle in Witten Bommern (s.a. www.kirchebommern.de)
Altarbild mit Geburtsszene
 
Der gute Hirte
 
 
Taufstein
 
Orgel mit Luther-Bildnis: "Ein feste Burg..."

"Ein feste Burg ist unser Gott" ist ein Kirchenlied, dessen Text von Martin Luther wohl vor 1529 geschrieben wurde. Die Melodie galt lange ebenfalls als sein Werk, entstand aber unter zumindest Mitarbeit von Johann Walter. Das Lied ist für den Protestantismus von großer Symbolkraft.

 
 

Am 7. Dezember 2019 berichtet LutherLAB über die Instandsetzung der Orgel. Nach Jahren der Nichtbenutzung ist die Orgel nach umfassender Überprüfung und Instandsetzung jetzt wieder spielbereit. Der Einbau der Orgel erfolgte zusammen mit der Errichtung der Lutherkirche und wurde 1905 eingeweiht. Dominierend im Kirchenraum der Orgelprospekt in dunklem Eichenholz mit einem Luther-Relief und großen Schaupfeifen. Die nach dem Kriegsende umfassende Reparatur hatte eine teilweise Verkleinerung – mit 27 Registern und ca. 1500 Pfeifen – und Umstrukturierung der Orgel zu einer mehr barocken Klangstruktur zur Folge. Die Reparatur 2019 durch den Orgelbaumeister Markus Kaltenhauser aus Dortmund galt der Überprüfung der Register mit teilweisen Austausch der altersmüden, rissigen, dünnwandigen aufblasbaren Ledermembranen, die bei Betätigung der Orgeltastatur Stoßventile zur Regulierung der Luftzufuhr zu den einzelnen Pfeifen hochdrücken. Nach abschließender Stimmung der einzelnen Orgelpfeifen steht die Orgel nun wieder zur Verfügung und soll Interessenten und Liebhabern des Orgelspiels im Sinne des Vereinszwecks der gemeinschaftlichen Entwicklung einer Zwischen- und Nachnutzung der entwidmeten Lutherkirche bereitgestellt werden.

 

Information: info@LutherLAB.de.

Von der Kirchendecke blicken die 4 Evangelisten auf das bunte Treiben zu ihren Füßen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude stark zerstört, so dass der Wiederaufbau bis 1950 dauerte. Die ursprüngliche Gestaltung des Innenraums ist nur noch auf verblichenen Fotos dokumentiert. Lediglich der Altar und die Kanzel blieben nahezu unzerstört erhalten. Die Neugestaltung des Innenraums wurde bewusst in einer helleren Farbgebung durchgeführt, welche die natürliche Schönheit und bauliche Gliederung des Gebäudes hervorheben sollte. Das durch Kriegseinwirkung teilweise zerstörte Kreuzigungsbild an der Chorwand wurde wieder durch den Kirchenmaler Rüter aus Düsseldorf als Auferstehungsbild erneuert. In den Anfängen der 2000er wurde immer deutlicher, dass sie alle diese Kirchen finanziell und auch substanziell nicht würde halten können. Nach jahrelangen Beratungen im Presbyterium, gab schließlich der gewaltige Renovierungsaufwand den Ausschlag. Die Lutherkirche wurde 2012 entwidmet. Der letzte Gottesdienst wurde am 17. Juni 2012 gefeiert. Im September 2017 wurde die Kirche im Rahmen des Festivals der „UrbaneProduktion.Ruhr“ noch einmal für zwei Monate geöffnet. Dieses Festival fand großen Zuspruch in der Bevölkerung. Die Menschen interessierten sich wieder für das Gebäude und das, was man darin veranstalten könnte. Nach dem Festival 2017 fand sich eine kleine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern aus Langendreer zusammen, die an der Möglichkeit festhalten wollte, auch weiterhin die Lutherkirche für alle Bürger und Interessierte aus Kultur, Handwerk, Wirtschaft und sozialen Institutionen zu erhalten. Die gemeinschaftliche Entwicklung einer Zwischen- und Nachnutzung in der entwidmeten Kirche machte eine Vereinsgründung notwendig, um die erforderlichen Versicherungen und Förderungsmöglichkeiten zur Fortführung der Ideen und Aktivitäten sicherzustellen.

 
 

Im Juli 2018 wurde deshalb der Verein „LutherLAB e.V.“ gegründet mit dem Ziel, die Lutherkirche im Sinne sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Zwecke weiterzuentwickeln und für den Stadtteil und auch für Interessierte über den Stadtteil hinaus zu öffnen. Das jahrelang leerstehende denkmalgeschützte Gebäude wird zu einem Zentrum für „Geschichte, Bildung, Begegnung, Innovation und Nachhaltigkeit“ entwickelt. Dadurch soll auch das Zusammenleben im Quartier gestärkt werden, denn Gemeinschaft braucht immer einen Raum. Bis Ende 2022 hat der Verein einen Nutzungsvertrag mit der evangelischen Kirchengemeinde geschlossen, die bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin die laufenden Betriebskosten für das Gebäude trägt. Ein wesentliches Ziel des Vereins ist es daher auch, ein tragfähiges Betriebskostenkonzept zu entwickeln, das es ermöglicht, nach 2022 die Betriebskosten als Verein selbst zu tragen. An einen Erwerb des Gebäudes wird zurzeit in keiner Weise gedacht. Die Nebenräume der Kirche werden derzeit nach und nach umgenutzt. In der ehemaligen Sakristei wird eine Küche eingerichtet, damit Veranstaltungen auch entsprechend bewirtet werden können. Die ehemalige Kapelle wird zu einem Büro- und Besprechungsraum umgebaut. An einen Umbau des Hauptraums wird zurzeit nicht gedacht.

 

Textquellen: www.zukunft-kirchen-raeume.de und andere

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