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Kathedrale Notre-Dame in Straßburg, Frankreich

Die Kathedrale Notre-Dame, auch Straßburger Münster genannt, überragt den weiten, gepflasterten Platz im Zentrum der Hauptstadt des Elsass. Sie steht auf den Grundmauern einer alten rhenanischen Basilika, die 1015 vom Bischof Wernher, aus der Familie der Habsburger, erbaut wurde. Da diese durch einen Brand zerstört wurde, wollte man an ihrer Statt eine Kathedrale errichten. Allerdings sollten vom Bau der Fundamente im Jahre 1176 bis zur Fertigstellung der Turmspitze 1439 fast drei Jahrhunderte vergehen. Mit ihren 142 Metern war die Kathedrale Notre-Dame de Strasbourg bis zum 19. Jhr. das höchste Bauwerk der Christenheit.

 

Besondere Architektur der Kathedrale von Strasbourg

Ein Teil der Krypta und der Absiden integrieren sich in Steinreste der frühen Wernher-Basilika. Um das Jahr 1225 trafen Handwerker aus Chartres in Strasbourg ein. Damit gab es eine tiefgreifende Wende im Bauhergang, denn sie machten die hiesigen Steinmetze mit der Schönheit der gotischen Kunst vertraut, die in dieser Region damals noch unbekannt war. Aus dieser Zeit stammt Meisterwerke, wie der Engelspfeiler und die Statuen von Kirche und Synagoge.

 

Etwa fünfzig Jahre später wurde der Bau der Hauptfassade begonnen. Die Tympanonen der drei Portale haben das Leben Christi und das Jüngste Gericht zum Gegenstand. Die berühmte Darstellung des Versuchers sowie der Klugen und der Törichten Jungfrauen, die das rechte Portal schmückt, diente den Kathedralen von Freiburg und Basel als Vorbild. Auf dem linken Portal durchbohren die personifizierten Tugenden die Laster mit ihren Lanzen.

 

Eingebettet in einen Steinrahmen, durch feine Verzierungen aufgelockert, erblüht vor unseren Augen die Fensterrose, die vermutlich von Erwin von Steinbach, dem zwischen 1284 und 1318 verantwortlichen Baumeister, geschaffen wurde.Über der Fensterrose befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus Sie -wenn Sie die 329 Stufen erklommen haben- die großartige Aussicht auf Straßburg und Umgebung genießen können. Die Plattform wird überragt vom achteckigen Turm mit seiner filigran durchbrochenen Spitze, ein Werk des Bildhauers Johann Hültz.

 

Die rechte Frontseite trägt das schöne Uhrenportal, von allen Portalen das älteste, das von Nachbildungen der berühmten Statuen von Kirche und Synagoge umrahmt wird. Die Originale befinden sich im Museum der Oeuvre Notre-Dame. Das Tympanon des linken Portals zeigt einen beeindruckenden "Tod der Jungfrau", der schon die Bewunderung von Delacroix hervorrief. Auf dem Tympanon der rechten Tür ist die Krönung der Jungfrau dargestellt. Das an der linken Frontseite befindliche Portal ist auf das Ende des 15. Jhr. datiert und dem Heiligen Lorenz gewidmet, dessen Martyrium -eine moderne Replik- wir oberhalb der Tür bewundern können.

 

Das Kirchenschiff, von dem der Kathedrale St.-Denis beeinflußt, wurde in zwei Zügen, zwischen 1240 und 1275, erbaut und beeindruckt durch die Harmonie seiner Proportionen. Die älteste Glasmalerei im Kirchenschiff ist aus dem 13. Jhr. und befindet sich im nördlichen Seitenschiff. Sie stellt einen Zug von deutschen Königen und Kaisern dar. Die Jungfrau im Chor und die Fensterrose der Münsterfassade sind modernen Ursprungs.

Im 14. Jhr. wurde das Kirchenschiff um die Kapelle Ste-Catherine und um die Kapelle St. Laurent erweitert. Im nördlichen Kreuzflügel findet man einen wundervollen "Ölberg", der im Jahr 1498 entstanden ist, sowie das Taufbecken im spätgotischen Stil (1453). Die ältesten im Münster vorzufindenden Glasfenster stammen aus der ursprünglichen Basilika, und stellen die zwei Heiligen Johannes, sowie das Urteil des Salomon dar.

 

Am Ende des Kreuzflügels befindet sich die St. Jean-Baptiste-Kapelle, in der das prächtige Grabmal des Bischofs Conrad von Lichtenberg zu bewundern ist, sowie ein Epitaph von Nicolas Gerhaert von Leyde (1464), das einen betenden Domherrn vor der Jungfrau mit dem Jesuskind zeigt.

 

Das Orgelgehäuse, das bizarre Figuren zieren, stammt ebenfalls aus der Zeit des Spätmittelalters. Die beweglichen, sprechenden Figuren beschimpfen den Offizianten respektlos mit Schmähreden, für den mittelalterlichen Betrachter damals eine unerhörte Attraktion.

Im südlichen Seitenschiff belebt  eine  heute noch funktionierende Mechanik die  Astronomische Uhr. Dieses aus der Reformationszeit stammende Kunstwerk wurde um 1547 von einer Gruppe von Schweizer Uhrmachern erdacht. Seit der Revolution von 1789 außer Betrieb, verlieh ihr Jean-Baptiste Schwilgué 1842 wieder neues Leben. Er bereicherte die Uhr um ein kopernikanisches Planetarium und die liturgische Kalenderrechnung. Täglich um 12.30 Uhr setzt sich die Automatenmechanik in Bewegung. Dann sieht man wie die Apostel, unter dem Flügelschlagen und Krähen eines großen Hahns, an Christus vorüberziehen. Darunter sehen wir die vier Lebensalter, dargestellt in der Verkörperung des Kindes, des Jugendlichen, des Erwachsenen und des Greises, die am Tod vorbeiziehen.

 

Vor der Uhr befindet sich der Engelspfeiler, der in einer sehr schöpferischen Weise das Jüngste Gericht repräsentiert. Er zeigt eine Gruppe von Figuren: Christus als Richter, die vier Evangelisten und die Trompeten blasenden Engel, das Jüngste Gericht verkündend. Am hinteren Ende des südlichen Kreuzarms liegt die Kapelle St.-André, die aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert stammt. Sie ist die älteste der Kapellen des Münsters.

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