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Balkenhol: "Vier Männer auf Bojen"

Aufrecht steht er da, die Hände in die Hüften gestützt, den Kopf erhoben, den Blick in die Ferne gerichtet. Ein Mann wie viele ­ durchschnittliche Größe, mittleres Alter, schwarze Hose, weißes Hemd: All dies wirkt vertraut, gewöhnlich und doch zieht die hölzerne Menschengestalt die Blicke der Passanten unweigerlich auf sich. Denn der Mann, der so völlig gelassen und selbstverständlich auf einem circa 40 Zentimeter hohen Sockel thront, hat keinen festen Boden unter den Füßen. Er treibt auf einer schwankenden Boje nahe der Gurlitt-Insel mitten im Wasser der Alster.

Der deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol hat ihn aus einem Eichenstamm gearbeitet, ebenso wie drei weitere, fast identische Figuren. 1993 haben diese "Vier Männer auf Bojen" Position bezogen: Auf der Außenalster, der Süderelbe in Harburg, im Serrahn in Bergedorf und in der Elbe nahe des Museumshafen Övelgönne treiben sie im Wasser; von November bis März werden sie eingeholt. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Vier nur durch die Haltung ihrer Hände. In Aussehen, Größe und Kleidung, vor allem aber in ihrer grenzenlosen Gelassenheit, ihrer stoischen Ruhe sind sie gleich. Keine Gefühlsregung ist ihren Gesichtern abzulesen. "Ich will keine geschwätzigen, expressiven ausdrucksstarken Figuren", erklärt Balkenhol. "Deshalb suche ich nach einem offenen Ausdruck, von dem aus alle Zustände möglich sind."

Der 1957 in Fritzlar geborene Künstler, der lange in Hamburg gelebt und hier an der Hochschule für bildende Künste von 1976 bis 1982 beim Minimalisten Ulrich Rückriem Bildhauerei studiert hat, gehört inzwischen längst zu den renommierten Vertretern der figurativen Plastik. Doch Balkenhol ist keiner, der mit seinen spröden, stillen Figuren das Rad der Zeit zurückdrehen will. Vielmehr treibt er ein raffiniertes Spiel mit Traditionen und Sehgewohnheiten. Für seine scheinbar unscheinbaren Gestalten wählt er bevorzugt ungewöhnliche Standorte im öffentlichen Raum: Ein Sims an einer Brandmauer in Münster (1987), ein Brückenpfeiler hoch über der Themse (1992) oder wackelige Bojen im Wasser. Diese seltsam anmutenden, oft irritierenden Plätze stehen im Widerspruch zum unspektakulären Erscheinungsbild der Figuren. Dabei sind Balkenhols Skulpturen alles andere als täuschend echte Menschendarstellungen, naturgetreue Porträts. Der Bildhauer, seit 1992 Professor an der Akademie für bildende Künste in Karlsruhe, verzichtet in der Regel auf Modelle. Seine Durchschnittstypen schnitzt er nicht, er 'haut' sie mit dem Beitel aus dem Holz und fasst sie in Farbe. Astansätze, Risse im Stamm bleiben sichtbar. Die Struktur der Oberfläche orientiert sich am Material. Die Haut ist nicht glatt und fein, vielmehr faserig und schuppig, ebenso wie der Stamm gewachsen ist. "Es geht mir im Grunde um eine Konzentrat", sagt Balkenhol. "Ich will alles auf einmal: Sinnlichkeit, Ausdruck, aber nicht zu viel, Lebendigkeit, aber keine oberflächliche Geschwätzigkeit ... Die Figur soll über sich hinauswachsen, über sich und über andere Dinge erzählen ..."

 

Quelle: Angelika Kindermann

 

Weitere Informationen zu Stephan Balkenhol finden Sie hier.

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