St. Michaelis: Michel - Das Hamburger Wahrzeichen

Die Hauptkirche St. Michaelis zu Hamburg ist das markante Wahrzeichen Hamburgs. Die Kirche, mit ihrem 132 m hohen Turm von Hamburgern und Nicht-Hamburgern liebevoll "Michel" genannt, kann sicherlich zu den bedeutendsten protestantischen Barockbauten gezählt werden. Der gegenwärtige Kirchenbau von St. Michaelis musste im Laufe seiner Geschichte zweimal neu erbaut werden. Der erste Bau wurde im Zeitraum von 1647 bis 1669 auf dem Gebiet der früheren St. Michaeliskapelle erbaut und besaß ursprünglich nicht den charakteristischen runden Kirchturm. Im Jahr 1685 wurde St. Michaelis zu Hamburgs fünfter Hauptkirche erhoben – so erhielt die Neustadt ein eigenes Kirchspiel. Am 10. März 1750 wurde die Kirche gegen 11 Uhr am Vormittag von einem Blitzeinschlag getroffen. Der Brand konnte nicht rechtzeitig gelöscht werden, der Kirchturm brach auf das Kirchendach und setzte das gesamte Gotteshaus in Brand. 1906 wurde sie durch einen großen Brand sehr stark beschädigt und in den Jahren zwischen 1907 und 1912 nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche weitere Beschädigungen, die in den darauf folgenden Jahren wieder beseitigt wurden.

▲ Der Turm: Der Turm ist 132 m hoch. 106 Meter über der Elbe befindet sich die ► Aussichtsplattform

 
Deutschlands größte Turmuhr

Michel-Uhr: Hamburgs Wahrzeichen hat Deutschlands größte Turmuhr

Vierzig Zentimeter rücken die Spitzen der großen Zeiger der Michel-Turmuhr pro Minute vor - das sind 24 Meter pro Stunde und 576 Meter in 24 Stunden. Bundesweit ist das Rekord, denn Hamburgs Wahrzeichen hat Deutschlands größte Turmuhr. Acht Meter Durchmesser haben die Zifferblätter, die unterhalb der Aussichtsplattform des insgesamt 132 Meter hohen Turms in alle vier Himmelsrichtungen weisen. Die großen Zeiger sind 4,91 Meter lang, die kleinen 3,65 Meter - und alle wiegen jeweils 130 Kilogramm. Der Michel habe eine Schwarzwälder Uhr, nur leider ohne Kuckuck, erfährt man vom Stadtführer auf Rundgängen durch die Neustadt. Zwar stimmt die Sache mit dem Schwarzwald nicht so ganz, doch die römischen Ziffern der Micheluhr sehen in der Tat ganz so aus wie Zifferblätter der typischen Kuckucksuhren. 1,35 Meter ist jede Ziffer hoch - und natürlich vergoldet, genau wie die Zeiger. Die Michel-Uhr stammt aus Straßburg im Elsaß, aus der Werkstatt des Uhrmachers Alfred Ungerer, Großvater des Cartoonisten und Karikaturisten Tomi Ungerer (1931-2019) - und von Straßburg aus ist der Schwarzwald nicht sonderlich weit entfernt. 1911 wurde die Uhr in Betrieb genommen. Das riesige Uhrwerk im 8. Turmboden erwies sich als ein Publikumsmagnet: Alle 30 Sekunden setzte sich damals das schnurrende Räderwerk in Bewegung, um die Uhrzeiger 20 Zentimeter vorrücken zu lassen. 1964 allerdings wurde das Uhrwerk von einem kleinen, unscheinbaren Elektrowerk abgelöst, weiß die Michel-Chronik. Und seit 1994 wird der genaue Gang der Uhr per Funk gesteuert. Auch für die Zeitumstellung muss der Kirchenküster nicht extra auf den Turm steigen: Die elektronische Quarzuhr empfängt die Signale des amtlichen Zeitzeichensenders DCF-77 - alles Weitere passiert vollautomatisch.

 

Das stillgelegte Uhrwerk ist allerdings keinesfalls verschwunden: Sein Erhalt sei vielmehr "wünschenswert", urteilte das Hamburger Denkmalschutzamt bereits 1994 - weise und rechtzeitig. Es handele sich um "ein interessantes Beispiel der Maschinenbaukunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts". Der Verein "Michaelitica" an der Hauptkirche St. Michaelis ließ das Uhrwerk 1996 fachgerecht restaurieren und wieder in Gang setzen. Seitdem läuft es wieder- als Schauobjekt auf dem 8. Turmboden, aber ohne Verbindung zu den Zeigern draußen am Turm.

Glockenschlegel und zwei originale Uhrzeiger in der Krypta

Auf die markante Größe der Turmuhr hatte schon der geniale Michel-Baumeister Ernst Georg Sonnin (1713-1794) ausdrücklich Wert gelegt - sie sollte schlicht gut zu sehen sein und möglichst vielen Hamburgern zeigen, wie spät es ist. Dabei hatten Uhren zu seiner Zeit nur Stundenzeiger. Erst seit 1839 wurden immer wieder Forderungen erhoben, weithin sichtbare Uhren auch mit Minutenzeigern auszustatten. Der Michel erteilte 1866 dem Uhrmacher Heinrich Reitz aus Hamburg-Winterhude den entsprechenden Auftrag - und ab 1868 war die Michel-Turmuhr für mehrere Jahrzehnte die einzige in Hamburg, die neben den Stunden auch die Minuten anzeigte. Sie lief verlässlich - bis zur Brandkatastrophe am 3. Juli 1906, als der Turm ins Kirchenschiff stürzte. In der Krypta (= Grabgewölbe) unter dem Michel sind heute wieder zwei originale Uhrzeiger ausgestellt, die sich bis zum Brand 1906 am Michelturm drehten. Jahrelang gehörten sie zur Dekoration eines Ausflugslokals in Steinkirchen (Landkreis Stade) im "Alten Land" vor den Toren Hamburgs. 


PS: Weitere Informationen zur Krypta finden Sie unten auf dieser Seite. 

▲ Bis 1912 wurde auch die Umgebung der Kirche neu gestaltet. Das war eine der ersten Aufgaben Fritz Schumachers nach seinem Dienstantritt 1909. Gegen die traditionell malerischen Vorstellungen des Ingenieurwesens setzte er ein architektonisches Konzept durch: Terrasse, Pastorenhäuser und Denkmäler sollten die Kirche interpretieren. Seit dem Krieg sind von den Bauten nur die Stützmauern im Süden und Osten davon erhalten. Die Platzfläche und die umgebenden Gebäude wurden 1955-58 durch Gerhard Langmaack neu gestaltet. Reste von Schumachers Gestaltung sind auch noch zwei Denkmäler: das für den 1912 verstorbenen Bürgermeister Johann Heinrich Burchard, den Kirchspielsherrn während des Wiederaufbaus, am nördlichen Querarm (Bronzetafel mit Portraitbüste – Adolf von Hildebrand) und das Luther-Denkmal an der Turmnordseite (Bronzestandbild – Otto Lessing). Vor allem das letztere kann die Absichten Schumachers vergegenwärtigen: Überlebensgroß vermittelt es zwischen dem Erfahrungshorizont des Betrachters und den riesigen Dimensionen des Turmes. – Vom Sonnin-Denkmal , das am südlichen Pastorat in einer Pfeilerhalle stand, sind noch das Portraitmedaillon (an der Südwestecke der Kirche) und ein Jüngling mit Kirchenmodell erhalten (Oskar Ulmer, in der Gruft ausgestellt). Durch die Nachkriegsstadtplanung ist St. Michaelis großräumig freigestellt worden: Von Süden her wurde ein Grünzug darauf zurückgeführt, nach Norden grenzt der Kirchplatz an die Ost-West-Straße.

 

St. Michaelis (Michel) ist eine der schönsten Barockkirchen Norddeutschlands. Der Turm mit der unverwechselbaren Kupferhaube ist das Wahrzeichen Hamburgs. Der Hamburger Michel hat viele Facetten. Es lohnt sich, diese Kirche zu besuchen.

Seine Anfänge hatte der Michel um das Jahr 1600. Damals entstand außerhalb der damaligen Stadtmauern ein Friedhof für die Pesttoten. Seine Kapelle war der Vorläufer der heutigen Ansgar-Kirche. Als immer mehr Menschen in die Neustadt zogen, war die Kapelle zu klein. Der Hamburger Rat und die Bürgerschaft beschlossen einen Neubau der dem Erzengel Michael geweihten Kirche in der Nachbarschaft. Am 14. März 1661 fand die Weihe des ersten großen Michels statt. Nach der Eröffnungs-Predigt erklang "Nun lob, mein Seel, den Herren" vom damaligen Hauptkirchen-Kantor Thomas Stelle.

Erzengel Michael über dem Michel-Portal

▲Geweiht ist die Kirche dem Erzengel Michael, seine Bronzestatue hängt über dem Hauptportal - in Siegerpose über dem Teufel. Die Verehrung des Erzengels Michael lässt sich überall in Europa nachweisen. Die Anzahl der Kirchen, die seinen Namen tragen, ist europaweit hoch. Der Überlieferung nach ist Michael schon in frühchristlicher Zeit in Europa erschienen. Im Jahre 490 n.Chr. erschien er auf dem Monte Gargano im Südosten Italiens und verkündete, er habe die dortige Höhle als sein Heiligtum erwählt und würde nun ihr Beschützer sein. Schon in der Spätantike finden sich Michaelis-Kirchen in Konstantinopel und in Rom. Michael wurde der Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. In der Frühzeit der Michaels-Verehrung wurde das biblische Zeugnis des Kampfes gegen die Schlange, den Drachen oder Satan auch auf die Heilung der Kranken bezogen sowie als Hilfe für die Verstorbenen verstanden, das Himmelreich zu erlangen. Es gibt Legenden, die berichten, Michael habe Heilkräuter wachsen lassen, die allen Kranken Gesundheit schenkten, die darin badeten. Michael ist auch bekannt als der Seelenwäger, der die Seelen der Verstorbenen in die Waagschale legt, um alles Gute im Leben eines Menschen zu finden und zu wiegen, um es im Jüngsten Gericht vor Gott zu bringen.

▲ Der Erzengel Michael über dem Hauptportal, der im Zeichen des Kreuzes das in Gestalt des Satans verkörperte böse Element besiegt. 

▲ Links kauert eine besorgte Mutter, die ihre Kinder beschützt. Rechts ein Mann, der seinen Sohn zum Kampf gegen das Böse anspornt. Unterhalb des Schlusssteins ein Relief mit der Darstellung von Adam und Eva. (Geschaffen von Prof. August Vogel, Berlin 1908)

Martin Luther

▲ An der Nordseite, links vom Haupteingang am Turm des Hamburger Wahrzeichens, des Michels, steht der Reformator Martin Luther auf einem Sockel. Streng schaut er drein, in der linken Hand hält er eine Bibel. Der Theologieprofessor bekam vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Denkmäler gesetzt. Der Hamburger Michel brannte in seiner über 360-jährigen Geschichte zweimal aus. Der dritte Anlauf für die St. Michaelis-Kirche stammt aus dem Jahre 1906. Sechs Jahre später stand das Wahrzeichen Hamburgs wieder. 1912 war dann auch das Jahr, in dem die Martin Luther-Figur am Michel aufgestellt wurde. Geschaffen wurde sie von dem eigentlich in Berlin tätigen Otto Lessing, einem Urgroßneffen von Gotthold Ephraim Lessing. Das Martin Luther-Denkmal war die letzte Plastik, die Lessing in seinem Leben vollenden sollte. Er starb im selben Jahr.

Auf dem Sockel des Denkmals steht schlicht: Martin Luther 1483 -­ 1546

"Neue" Figur des Erzengels Michael von 2011

▲ lm Pfingstgottesdienst 2011 erhielt die Hauptkirche St. Michaelis eine neue Figur des Erzengels Michael. Sie ist etwa 1,50 m groß und stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie ist sehr fein gearbeitet und gehörte bisher zum Bestand des Ernst-Barlach-Hauses. Die Reemtsma-Stiftung hat sie 2009 der Gemeinde geschenkt. Danach wurde sie in der Denkmalwerkstatt von St. Jacobi restauriert. Der ehemalige Präsident der Bürgerschaft und Chef von Studio Hamburg Martin Willich hat den größten Teil der Kosten dafür getragen.

Hauptportal

Hamburger Wappen

Glocken

▲ Nach dem Brand im Jahre 1906 wurde der Michel originalgetreu wieder aufgebaut und 1912 wieder geweiht. 1910 wurden zehn neue Glocken für den Michel gegossen, darunter vier Uhrschlagglocken. Bereits 1917 wurden neun dieser neuen Glocken, das Kupferdach und die Zinnpfeifen der Orgelprospekte zum Einschmelzen für Rüstungszwecke beschlagnahmt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine der Michel-Glocken auf einem Glockenfriedhof in der Eifel nicht eingeschmolzen entdeckt und zurückgekauft. Neu gegossen wurden im Jahr 1924 zwei Uhrschlagglocken und drei Läuteglocken. Nicht ersetzt wurden zwei Uhrschlagglocken und eine Läuteglocke. Im Zweiten Weltkrieg wurden erneut alle Glocken beschlagnahmt und kamen auf den Glockenfriedhof im Hamburger Freihafen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Kirche im Jahr 1947 als erste der Hamburger Innenstadtkirchen wieder vier Glocken. Eine Läuteglocke fehlte. Die zwei seit Ende des Ersten Weltkriegs fehlenden Uhrschlagsglocken wurden nicht ersetzt.

Am 19. Mai 2016 berichtet das HAMBURGER ABENDBLATT: 

 

Der Michel hat nach fast 100 Jahren wieder alle zehn Glocken im Turm.

Monatelang hat sich die Montage der Glocken verzögert. Das Uhrschlagwerk ist erstmals seit fast 100 Jahren wieder komplett. Zwei neue Uhrschlagglocken wurden am gleichen Tag mit einem Kran auf den Turm gehoben. Mitte Mai 2016 kümmerte sich ein Bautrupp um den sicheren Transport der zwei insgesamt rund 2,5 Tonnen schweren Uhrschlagglocken nach oben. Ursprünglich sollten die Klangkörper schon im Januar ihren Platz im Turm finden. „Am schwierigsten war es, die Glocke im Turm abzusetzen“, berichtete Bauleiter Gernot Schindler von der Ingenieurgesellschaft Sellhorn. Sein Team habe die Position des Krans und der Glocken aber exakt vermessen. Die kleinere und 860 Kilo schwere Friedensglocke fand kurz nach 14 Uhr ihren Weg nach oben. Kurz vor 15 Uhr folgte die Vaterunser-Glocke mit 1,7 Tonnen Gewicht. In den kommenden Wochen wurden die Klangkörper dann mit Hilfe von Flaschenzügen unterhalb der Kuppel angebracht. Dank einer Spendenaktion konnten die beiden noch fehlenden Glocken im Juni 2015 gegossen und im September 2015 im Michel geweiht werden.

Gestühl

▲ Weiß und Gold prägen den imposanten Innenraum, der auf mehreren Ebenen 2.500 Menschen Platz bietet. Da der Michel in seiner Geschichte zweimal abbrannte und im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, sind nur wenige Teile der ursprünglichen Ausstattung erhalten.

Der Kirchenraum ist 52 Meter lang, 44 Meter breit, 27 Meter hoch und bietet Platz für mehr als 2.000 Menschen.

Von der herausragenden Bedeutung der Michaeliskirche für Hamburger zeugt auch eine Besonderheit in der Sitzordnung: Im vorderen Bereich des neubarocken Kirchengestühls ist beiderseits des breiten Mittelganges jeweils eine Bankreihe durch besondere Verzierungen hervorgehoben. Das sogenannte Senatsgestühl auf der Nordseite wird an seinen Bankwangen durch das Hamburger Wappen geschmückt. Die dem Senatsgestühl gegenüberliegende, ganz ähnlich gestaltete Bank wurde für den Kirchenvorstand und kirchliche Würdenträger geschaffen. Das Beedegestühl (Beede: Finanz- und Verwaltungs-Ausschuss des Kirchenvorstands) schmückt das Bild des heiligen Michael, der mit dem Drachen kämpft.

Gedenktafeln

Befreiungskrieg 1813-1814

Hamburg wurde auf Anweisung Napoleons unter Marschall Davout zur Festung ausgebaut. Ein Großteil der männlichen Bevölkerung wurde dazu als Zwangsmaßnahme zu Schanzarbeiten herangezogen. Vor den Toren der Stadt, auf dem Hamburger Berg, in Eimsbüttel, Rotherbaum und Hamm wurden zugunsten eines freien Schussfeldes die Häuser abgerissen, alle Bäume gefällt und die Gärten verwüstet. Die Bevölkerung wurde gezwungen, in Minuten ihre Häuser und ihren Besitz zurückzulassen und in Nachbarorten unterzukommen oder im Freien zu kampieren. Allein in St. Pauli wurden so 900 Häuser, Buden, die Kirche sowie der Krankenhof mit 800 Kranken zerstört. Zwei Drittel überlebten diese Umquartierungen nicht. Die Hauptkirchen außer St. Michaelis wurden zu Pferdeställen umfunktioniert. Am 6. Dezember 1813 begann die erwartete Belagerung Hamburgs durch Truppen der Nordarmee unter der Führung des schwedischen Kronprinzen Karl Johann. Die Truppen waren vor allem in der Herrschaft Pinneberg einquartiert und lösten dort den sog. Kosakenwinter aus. In Hamburg waren inzwischen 42.000 französische Soldaten zusammengezogen worden, viele von ihnen krank oder verwundet. Auch diese Truppen mussten verpflegt und einquartiert werden. Im Februar 1814 war die Zahl der Kranken auf 17.000 gestiegen, da Fleckfieber ausgebrochen war. In Erwartung der Belagerung und als weitere Bestrafung für die Bevölkerung hatten die Franzosen die Hamburger bereits im November 1813 dazu verpflichtet, sich in ihren Wohnungen für sechs Monate ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Wer dies bei mehrfachen Kontrollen nicht nachweisen konnte, wurde ohne Rücksicht aus der Stadt verwiesen. Trotz dieser Maßnahme wurden die Nahrungsmittel in der Stadt knapp. Deshalb ließ Davout nach erneuten verschärften Kontrollen zu Weihnachten etwa 30.000 Männer, Frauen und Kinder, die nicht genug persönlichen Proviant nachweisen konnten, zunächst zur Petrikirche und am nächsten Morgen bei großer Kälte aus der Stadt nach Altona treiben. Sie versuchten im Umland, in Altona, Barmbek, Wandsbek aber auch in Lübeck und Bremen Unterschlupf zu finden. Viele von ihnen verhungerten. Allein in Ottensen wurden 1.138 Tote in einem Massengrab bestattet. Hamburgs Bevölkerung war zu dieser Zeit auf 55.000 geschrumpft.

Russische Truppen unter dem General Bennigsen wurden bei ihrem Einzug am 31. Mai 1814 von der Bevölkerung in der völlig ruinierten Stadt als Befreier gefeiert. Der Wiener Kongress garantierte im Jahr 1815 die Souveränität Hamburgs. Hamburg trat dem Deutschen Bund bei und nannte sich seit Ende 1819 Freye und Hansestadt.

Altar

Altarbild in der Michaeliskirche in Hamburg, Mosaik, geschaffen von Ernst Christian Pfannschmidt

Ernst Christian Pfannschmidt (*3. November 1868 in Berlin; †28. September 1949 in Bad Lobenstein) war ein deutscher Maler und Illustrator. Pfannschmidt war eins von 11 Kindern des Malers Carl Gottfried Pfannschmidt und seiner Frau Johanna (1912). Pfannschmidt war vor allem als Historienmaler und Kirchenmaler tätig. Von ihm stammen unter anderem Altarbilder und Mosaikentwürfe für Kirchen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Kiel, Essen und Rom. Auch das Altarbild der Pauluskirche in Remscheid-Hasten stammt von ihm. (Vielen Dank in diesem Zusammenhang an Pfarrer Siegfried Landau aus der Evangelische Stadtkirchengemeinde Remscheid für seinen Hinweis.)

 

Der folgende biografische Text stammt aus den Unterlagen von Ulrich Pfannschmidt. Da der Text überwiegend in der Ich-Form abgefasst ist, wird vermutet, dass er von dessen Großvater, Prof. Ernst Christian Pfannschmidt, selbst geschrieben wurde:

 

„1911 fuhr ich nach Rom zur großen Kunstausstellung, weil meine Kartons für die Mosaiken dort ausgestellt wurden. Ich erkrankte an Typhus und reiste in die Dolomiten, um mich davon zu erholen. Meine Familie war unterdessen in Estland. Ich war aber gerade erst 12 Tage dort, als mich ein Telegramm nach Berlin zurückrief. Es handelte sich um den Auftrag für ein Altarbild in der Hamburger Michaeliskirche, auch ein Mosaik…. 1912 im Herbst wurde in Hamburg auch die  Michaeliskirche eingeweiht. Es wurde eine großartige Feier. Der Kaiser hatte seine Teilnahme zugesagt und erschien auch mit großem Gefolge. Da das Bild den einzigen farbigen Fleck in der sonst weiss gehaltenen Kirche bildete, wirkte es sehr stark. Ich erhielt für die Arbeit die silberne Medaille der Stadt Hamburg, die aber leider auch im Chaos verloren gegangen ist....."

▲ Wesentlich jünger als die Marmor-Taufe ist der 20 Meter hohe Marmor-Altar mit Bildnissen der evangelischen Kirchengeschichte. Er wurde 1910 geschaffen. Das große Glasmosaik zeigt ein Bild des auferstandenen Jesu Christi. Über dem Mosaik ist eine Darstellung Jesu am Kreuz zu sehen, die Altarkrönung bildet ein goldener Strahlenkranz, flankiert von vier Engelsfiguren. Über dem Altartisch hängt ein goldenes Relief, es zeigt Jesus im Kreise seiner Jünger beim letzten Abendmahl. 

Gekrönt wird die bildliche Darstellung von einer symbolischen der Heiligen Dreieinigkeit: Gott Vater im Bild des Wolkenkranzes, der an die Wolken- und Feuersäule auf der Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnert; Gott Sohn als Strahlenkranz der Sonne der Gerechtigkeit (Maleachi 3, 20); Gott Heiliger Geist im Bild der Taube. Die Engel, die das Symbol der Dreieinigkeit rahmen, drücken in ihrer Haltung die Trauer des Himmels aus angesichts des Todes Jesu. Kein Zorn Gottes, sondern Trauer über das grausame Ende des eigenen Sohnes und Trauer über die verlorene Menschheit deuten uns die Engel an. 

Dem gekreuzigten Christus auf dem Altar sind zwei plastisch ausgearbeitete Putten zugeordnet, von denen die linke eine Krone und die rechte Putte einen Palmzweig hält. 

---dreieck Die beiden Engel des Auferstehungsbildes erinnern an das Wort des Matthäusevangeliums (4, 11), dass nach der Versuchung Jesu durch den Teufel Engel kamen und ihm dienten. Diese Engel sind – so scheint es auf den ersten Blick – beide mit dem Aufnehmen des Leichentuches Jesu beschäftigt. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass hier doch ein Unterschied ist, der an eine andere Stelle der Heiligen Schrift denken lässt. Im Hebräerbrief (1, 14) heißt es, die Engel seien „allesamt dienstbare Geister“. Sie werden dabei mit jenen Menschen in den altgriechischen Städten verglichen, die einerseits als Beamte den Menschen dienten, andererseits aber für den Dienst an den Göttern verantwortlich waren. Auf dem Altarbild stellt es sich dar, als tue einer der Engel mit Inbrunst den Dienst an diesem Menschen, der da vor ihm steht, und wickle dessen Leichentuch auf. Der andere hingegen hat offensichtlich erkannt, wer da vor ihm steht: im Auferstandenen begegnet der lebendige Gott selbst. Der Engel schaut auf zu ihm, hält mit seiner Tätigkeit inne und betet an.

---dreieck Wo vor einiger Zeit noch das Taufbecken seinen Platz hatte, bildet seit Ende Oktober 2010 der Zelebrationsaltar das Zentrum des Altarraumes. Seit 2010 hat der Hamburger Michel diesen neuen Altar (Mitte). Das neue Prachtstück der St.-Michaelis-Kirche ist anderthalb Meter breit, steht auf zwölf Säulen und hat auf der Altarplatte ein eingefasstes Kreuz aus Mooreichenholz. Der 500 Kilo schwere Koloss wurde mit Kränen und Menschenkraft über die Vorstufen in den Altarraum getragen und in dessen Mitte in goldene, schmiedeeiserne Gitter eingepasst. Der Altar aus weißem, italienischen Carrara-Marmor steht acht Meter näher an der Gemeinde als sein älterer, aus dem Jahr 1910 stammender Bruder. Der Altartisch steht während der Abendmahlsfeier den Mittelpunkt der Gemeinde. Der neue Marmortisch ist ein Geschenk der Ingenieurgesellschaft Sellhorn aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Michels.

Durch den neuen Zelebrationsaltar, der auch acht Meter näher an der Gemeinde steht als der alte Altar, wendet der Pastor beim Abendmahl der Gemeinde nicht mehr den Rücken zu.

Taufbecken vor dem Altar

Gesamthöhe: 111 cm, Tiefe der Kuppa: 42 cm, Durchmesser: 85 cm, innen 65 cm
Höhe Schaft: 69 cm, Material und Verarbeitung: weißer Marmor, wohl Carrara127
Form: Trägerfiguren

Kuppa: Die Kuppa hat die Form einer runden Muschel mit gewelltem Rand außen, innen ist der Stein glatt poliert. Schaft: Die Schale wird von einem Mittelträger in Form eines Gewächses gestützt, und von drei Putti mit Händen und auf ihren Köpfen halten. Ihre Füße stehen auf einer Wolke, die zum Sockel hin mit Rocaillen geschmückt ist und an den drei Ecken in Voluten übergeht.

Fuß: ein Podest mit einer dreieckigen Grundfläche, und mehreren Gesimsen, nach unten breiter werdend.
Stifterinschrift auf dem Deckel: Berenberg . P. von Sprekelsen . H. C. Lütýens . O. Frank.

 

Taufschale: Zinn
Durchmesser: 60 cm
Gravur am Rand mit Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen; 2 Griffe.

Inschrift auf der Taufschale: A O. 1702. d. 19. Octob: “Laßet die Kindlein zu mir Kommen und wehret ihnen nicht denn solches ist das Reich Gottes“.

 

Taufgitter: vergoldetes Rokokogitter
Durchmesser: 175 cm, Höhe 110 cm, vierteilig (3 + Flügeltür)

 

Taufdeckel zum Taufbecken gehörig:

Material: Marmor, Form: Muschel, Höhe: 42 cm, Durchmesser: 65 cm

Das Pendant zur Kuppa bildet eine Muschel mit Akanthusvoluten am Rand, die sich hoch wölben zu einer Akanthusblüte. Diese hat vier Löcher vom Bildhauer eingearbeitet, wohl zum Anbringen einer Kette. Der Deckel ist abgelegt auf einem besonders dafür gefertigten hölzernen Tisch.

Zu den älteren Kunstwerken gehört das spätbarocke marmorne Taufbecken, das 1763 im italienischen Livorno gefertigt wurde. Es konnte beim zweiten Brand 1906 gerettet werden. Auch die Abdeckung für das Taufbecken besteht aus Marmor und ist viel zu schwer, um im Alltag angehoben zu werden. Deshalb liegt sie dauerhaft auf einem Ständerwerk im Altarraum.

Abdeckung des Taufbeckens
Bildnis: Das Abendmahl

Vergoldete Reliefplatten im Altarraum

Die vergoldeten Reliefplatten auf den Seiten des Altarraums stellen die wichtigen Stationen im Leben eines Christen anhand biblischer Szenen dar. Die hier abgebildete Reliefplatte im Altarraum symbolisiert mit der Kindersegnung „Lasst die Kinder zu mir kommen“ (nach Matthäus 19, 13-15) die Taufe. Die nächste vergoldete Reliefplatte im Altarraum symbolisiert mit der „Ausgießung des Heiligen Geistes" die Konfirmation. Die nächste vergoldete Reliefplatte erinnert mit der „Hochzeit zu Kana” an die Trauung. Den Abschluss bildet die Reliefplatte im Altarraum mit der „Auferweckung des Jünglings zu Nain”. Sie erinnert an den Tod und die Auferstehung.

Taufe
„Hochzeit zu Kana”, Trauung
„Auferweckung des Jünglings zu Nain”, Tod und Auferstehung
„Ausgießung des Heiligen Geistes", Konfirmation

Im Zuge der Corona-Pandemie wurden von Reedereien, Hafenunternehmen, Museen und Traditionsschiff-Vereinen Rettungsringe von Schiffen gespendet, die nun an der Galerie im Innenraum ausgestellt sind.

Der Corona-Pandemie zur Folge bleiben dem Michel die Besucher aus: Obwohl der Turm seit Mitte Mai wieder geöffnet ist, kommen derzeit täglich wenige Hundert Besucher, sonst sind es ca. 3500 täglich. Wegen der ausbleibenden Besuchereinnahmen gerät der Michel finanziell an seine Grenzen. Um die Situation zu entspannen wurde die Spendenaktion "Rettungsringe für den Michel" ins Leben gerufen. Die Einnahmen aus dem Tourismus und Veranstaltungsbetrieb finanzieren seit vielen Jahren das Hamburger Wahrzeichen. Tatsächlich tragen die Kirchensteuern in Höhe von jährlich rund 365.000 Euro nur 15% zum Gemeindehaushalt bei. Für die Angebote für Hamburger und Gäste aus aller Welt wendet die Hauptkirche St. Michaelis pro Jahr circa 2,5 Millionen Euro auf, die zu 85% aus Besuchereinahmen finanziert werden. Um seinen Auftrag als Kirche und Wahrzeichen zu erfüllen, investiert der Michel in Angebote, die von Hamburgern und auswärtigen Michel-Besuchern kostenlos genutzt werden: 360.000 Euro für Kirchenmusik in täglichen Mittagsandachten und Gottesdiensten in der Kirche oder online, 210.000 Euro für eine offene Kirche an 365 Tagen des Jahres, 170.000 Euro für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Hamburger Schülern, 400.000 Euro für den Erhalt der Kirche, der Orgeln und der Glocken sowie 22.000 Euro für den täglichen Choral des Michel-Türmers. Durch das Ausbleiben der Hamburg-Besucher und den Corona-Beschränkungen für Großveranstaltungen stellt sich die Frage, wie diese Angebote finanziert werden sollen. Die Stiftung St. Michaelis bittet Verantwortliche in Reedereien, Hafenunternehmen, Museen und Segelclubs, dem Michel für ein halbes Jahr einen Rettungsring mit einer besonderen Geschichte zu leihen. Hauptpastor Alexander Röder: „Mit der Aktion „Rettungsringe für den Michel“ knüpft der Michel an seine Jahrhunderte alte maritime Tradition an und bittet den Hafen, Hamburger Unternehmen und Michel-Freunde, so wie es auf See üblich ist, ihm einen Rettungsring zuzuwerfen.“ Bis zu 50 Rettungsringe wurden ab September 2020 im Michel aufgehängt. In einer Galerie der Rettungsringe werden ihre Geschichten von überstandenen Stürmen und erfolgreiche Rettungen erzählt. Unternehmen oder Privatpersonen können ab September durch eine Spende oder die Initiierung einer Spendenaktion eine Patenschaft für einen Rettungsring übernehmen. Die Aktion endet im Januar 2021.

Barocke Marmor-Kanzel mit Verkündigungsengel über der Schalldecke

Ein goldener Verkündigungsengel krönt den Schalldeckel der Kanzel. Diese Kanzelhaube sorgt dafür, dass das Wort des Predigers in der ganzen Kirche gut zu verstehen ist. Die Kanzel besteht aus Marmor, ist über eine prächtige geschwungene Treppe zu erreichen und wurde wie der Altar 1910 nach dem zweiten Brand geschaffen.

Für die Verkündigung ragt die Kanzel in den Kirchenraum hinein. Als geschwungener Kelch aus schwerem Marmor gestaltet, wurde sie 1910 nach dem großen Brand von dem Dresdner Bildhauer Otto Lessing in Anlehnung an die ursprüngliche Form geschaffen und mit einer prächtigen Treppe versehen. Lessing orientiert sich zwar an der Kanzel der Sonninkirche, schuf aber dennoch ein Werk, an dem sich die neobarocken und Jugendstileinflüsse seiner Zeit deutlich ablesen lassen.

Aufgang zur Kanzel

Hamburg zieht alle Register

Unter dem Motto „Hamburg zieht alle Register“ feiert die Hansestadt 2019 ein Orgeljahr. Anlass ist der 300. Todestag des berühmten Orgelbauers Arp Schnitger. Schnitger hat die bis heute lebendige Orgeltradition Hamburgs entscheidend geprägt. Mit mehr als 300 Orgeln zählt Hamburg heute zu den wichtigsten Orgelstädten der Welt. Auch die Hauptkirche St. Michaelis trägt dazu bei, den Ruf Hamburgs als Orgelstadt zu festigen. Vor zehn Jahren wurde im Rahmen der Innenrenovierung des Michel die Große Orgel renoviert, die Konzertorgel rekonstruiert und das Fernwerk am historischen Platz neu gebaut. Seitdem besitzt der Michel drei Orgeln, die über den Zentralspieltisch gemeinsam gespielt werden können: die Große Orgel im Westen, die Konzertorgel auf der Nordempore und das Fernwerk, dessen Klänge vom Dachboden aus durch die Öffnung in der Mitte der Kirchendecke den Kirchenraum erreichen. Mit modernster Technik werden drei stilistisch unterschiedliche Instrumente zu einer symphonischen Kathedralorgel kombiniert, deren Klangmöglichkeiten Organistinnen und Organisten aus aller Welt faszinieren. Die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel aus dem Jahr 2010 ist eine kleinere, rein mechanische Orgel mit einer ungleich schwebenden Temperatur, die die Musik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts mit ihren charakteristischen Tonarten ideal im Michel erklingen lässt. Das Orgeljahr und das eigene Jubiläum nimmt St. Michaelis zum Anlass, neben den zahlreichen üblichen Veranstaltungen wie Mittagsandacht, Orgelpunkt, Orgelsommer und „Orgel aus der Nähe“ zwei Mal Orgel XL anzubieten. Neben der täglichen Mittagsandacht und den Gottesdiensten erklingt die Orgelanlage im Orgelpunkt. Der Orgelpunkt findet jedes Jahr in der Zeit von Ostern bis Mitte September sonnabends um 12.00 Uhr statt. Es handelt sich um eine erweiterte Form der Mittagsandacht.

Die Orgeln der St. Michaeliskirche

Bis zur Gesamtrestaurierung des Michels 2007-2009 verfügte der Hauptkirchenraum über drei Orgelwerke: die Steinmeyer-Hauptorgel aus dem Jahr 1962 auf der Westempore, die Marcussen-Konzertorgel von 1914 auf der Nordempore der Kirche, sowie im Chorraum die Grollmann-Orgel. Im Anschluss und im Zusammenhang mit der Restaurierung des Kirchenraumes wurden die Orgeln der Hamburger Michaeliskirche einer sorgfältigen Restaurierung unterzogen. Mit der Durchführung der Restaurierungsmaßnahmen wurden die beiden Orgelbauwerkstätten Freiburger Orgelbau Hartwig Späth und Orgelbau Klais Bonn gemeinsam betraut, die dieses große Projekt in enger Abstimmung und gemeinsamer Verantwortlichkeit durchführten. Die kleine Chororgel der Werkstatt Grollmann, angeordnet im Türdurchgang zwischen Sakristei und Chorraum, musste aus liturgischen Gründen an dieser Stelle aufgegeben werden. Dieses Instrument wurde durch einen Neubau auf der oberen kleinen Südempore gegenüber der Marcussen-Konzertorgel ersetzt. Hier wurde ein Instrument geschaffen, welches sich in Bezug auf Orgeltechnik, Disposition und Windversorgung an barocken Idealen orientiert. Mit der Widmung an Carl Philipp Emanuel Bach soll dessen herausragende Bedeutung für die Stadt Hamburg und insbesondere für St. Michaelis gewürdigt werden. Auf diese Weise wurde das Orgelkonzept in der St. Michaeliskirche abgerundet. Die neue Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel stellt, wie bisher, völlig selbstständig und unabhängig von der großen Steinmeyer-Hauptorgel und der Marcussen-Konzertorgel, eine eigene wichtige Orgelpersönlichkeit dar.

  • Die Große Orgel (Steinmeyer-Orgel) auf der Westempore ist von 1962. Sie hat 5 Manuale, Pedal, 86 Register und 6.674 Pfeifen.

  • Das Fernwerk im Dachboden über der Großen Orgel hat 17 Register und 1.222 Pfeifen. Über einen ca. 20 Meter langen Schallkanal werden die Töne zur Deckenrosette in der Mitte der Kirchendecke in 26 Metern Höhe geführt. Die Orgel wird vom Zentralspieltisch aus gespielt.
  • Die Konzert-Orgel (Marcussen-Orgel) auf der Nordempore ist von 1912. Sie wurde zweimal renoviert, hat 2 Manuale, Pedal, 42Register und 2.671 Pfeifen.
  • Die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel auf der Südempore wurde Mitte November 2010 eingebaut. Sie ist mit 676 Pfeifen ausgestattet und hat 13 Register auf 2 Manualen und Pedal.
  • Die Kryptaorgel ”Felix Mendelssohn Bartholdy” ist ein romantisches Instrument der Firma Striebel von 1917. Sie hat 2 Manuale, 7 Register und 435 Pfeifen.

Der Zentralspieltisch

---dreieck Zentralspieltisch: Vom Zentralspieltisch (2009) können Große Orgel, Konzert-Orgel und das Fernwerk gespielt  werden. Der Zentralspieltisch verfügt über fünf Manuale, 145 Register und zahlreiche Sonderfunktionen. Eingebaut ist auch eine Computeranlage für die Speicherung von Registrierungen. Beweglich platziert auf der Nordempore bietet er die optimale Position, um die Balance aller Komponenten des neuen Ensembles zu kontrollieren und den meisten Hörern den Blick auf den Organisten zu ermöglichen. Da der Zentralspieltisch elektrisch beziehungsweise elektronisch arbeitet, ist es möglich, sämtliche neun Manual- und drei Pedalwerke nahezu beliebig den einzelnen Klaviaturen zuzuweisen. Dies eröffnet ungeahnte Kombinationen, wie sie nur an sehr wenigen Orgelanlagen gegeben sind. Je nach stilistischer Ausrichtung eines Musikwerks kann der Organist das Gesamtensemble – vergleichbar den Instrumentengruppen eines Orchesters – jeweils optimal positionieren sowie dynamisch und in den Klangfarben ausbalancieren. Die Intonation aller drei Teilorgeln ist dabei so sorgsam abgestimmt, dass im Kirchenraum nicht immer erkennbar ist, welches Register welcher Orgel gerade angespielt wird. Garantiert ist jedoch stets ein überwältigendes Raumerlebnis.

 

Die Große Orgel / Steinmeyer-Orgel

---dreieck Die Große Orgel auf der Westempore ist ein Neubau der weltweit bekannten Werkstätte G. F. Steinmeyer & Co. (Oettingen in Bayern) von 1962. Sie hat fünf Manuale, Pedal, 86 Register und 6.697 Pfeifen. Zu ihren Besonderheiten zählen der Zimbelstern und die 2015 eingebauten Röhrenglocken. Ausgehend vom Orgeltypus Johann Gottfried Hildebrandts (1768) entwarf Steinmeyer eine Großorgel, die für ein stilistisch breit angelegtes Orgelrepertoire einsetzbar ist. Der Prospekt strebt wie bei den Vorgängerorgeln zur zentralen Mittelachse hin, flankiert von gestuften und geschwungenen Seitenfeldern, die das Zentrum gleich einem Kleid umhüllen und fügt sich so homogen in den lichten barocken Raum von Johann Leonhard Prey und Ernst Georg Sonnin ein. Das Instrument wurde im Rahmen der Arbeiten 2009–2010 technisch komplett überholt. Die Spieltraktur (die Verbindung von den Tasten zu den einzelnen Tonventilen) wurde weitgehend neu gebaut. Bauteile aus Aluminium und Kunststoff wurden durch seit Jahrhunderten bewährte Systeme, überwiegend in Hartholz, ersetzt, so dass die zum Teil extrem langen Wege leichter überwunden werden können. Nahezu unangetastet blieb der klangliche Aufbau dieser Orgel, die so genannte Disposition: Sie ist in sich logisch und bietet eine überaus große, mittlerweile selten gewordene Auswahl an Prinzipalen, Mixturen, Flöten und Zungenregistern. Auch die Qualität des Pfeifenwerks und die Intonation (die Feineinstellung der einzelnen Pfeifen) zeigten ein hohes Niveau. Durch die stabilisierte Windversorgung und eine sorgfältige Nachintonation konnte etwas heute nicht Selbstverständliches erreicht werden: Die klangliche Intention von 1962 blieb komplett erhalten, kommt nun aber erst richtig in ihrer Schönheit und Differenziertheit zur Entfaltung. Trotz der beachtlichen Größe strahlt das Instrument noble Eleganz und Wärme aus. 2015 wurde an der Rückwand der Orgel durch die Orgelbauwerkstatt Johannes Klais (Bonn) ein Glockenspiel eingebaut. Es arbeitet mit 25 Röhrenglocken und kann elektrisch vom Zentralspieltisch aus gespielt werden.

 

Die Konzert-Orgel

---dreieck Die Konzert-Orgel auf der Nordempore von 1914 hat zwei Manuale, Pedal, 42 Register und 2.671 Pfeifen. Um auch die sinfonischen Aufführungen mit Chor und Orchester adäquat begleiten zu können, wurde 1914 auf der Nordempore die Konzert-Orgel aufgestellt. Das stattliche Instrument mit 41 Registern lieferte die Firma Marcussen & Søn aus Apenrade. Wie die Orchester der Spätromantik verfügt es vornehmlich über sonore Klangfarben in feinen dynamischen Abstufungen. Nach dem Wiederaufbau des Michel nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das beschädigte Werk mit den damals verfügbaren bescheidenen Mitteln zur provisorischen Hauptorgel umgestaltet. Ein kompliziertes Unterfangen war es entsprechend, bei der Konzertorgel dem Originalzustand von 1914 wieder so nahe wie möglich zu kommen. Durch den Umbau und die stilistisch ungeschickten Erweiterungen in den 1950er Jahren waren technische Bauteile und das Pfeifenwerk entscheidend verändert und in der Orgel verstellt worden. Wie bei einem Puzzle mussten die ursprünglichen Positionen der mehr als 2000 Pfeifen ermittelt werden. Dabei konnte man sich an Vergleichsinstrumenten der Werkstatt Marcussen aus dem frühen 20. Jahrhundert orientieren. Auf diese Weise wurde auch der Spieltisch samt der rein pneumatischen Steuerung rekonstruiert. Fehlende Teile oder Register wurden im Stil der Zeit ergänzt.  Wiedergewonnen wurde so das hochromantische Klangbild dieser Orgel mit seinen orchestralen Farben, dem großen Fundus an differenzierten Flöten- und Streicherstimmen. Charakteristika sind der grundtönige Klang, die dynamische Elastizität sowie die Lebendigkeit der schmetternden Zungenstimmen und der überblasenden Flöten.

 

Die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel

---dreieck Die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Orgel wurde 2010 von der Firma Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth OHG gebaut. Sie hat 13 Register, 676 Pfeifen, zwei Manuale und Pedal. Eine Besonderheit ist das Effekt-Register "Nachtigall". Das kleine Instrument auf der Südempore ist ein ergänzender Bestandteil des Ensembles der Orgeln im Michel. Vis-à-vis der Konzertorgel ist es schon architektonisch deren Pendant. Jedoch sind ihre Gehäusekonturen gestreckt und in eine grazile, zeitunabhängige Formensprache übertragen. Sie greift einerseits die Rundelemente der Raumschale auf und verkörpert andererseits ein Musikinstrument unserer Tage. Damit ist auch ihre musikalische Aufgabe umrissen: Solo- und Begleitinstrument für kammermusikalisch angelegte ältere Werke ohne eine reine Stilkopie zu sein. Ein kleiner Fundus authentischer Register wird über eine hoch sensible Mechanik angespielt. Die Temperierung (Einteilung der Tonschritte) ist ebenfalls für dieses Repertoire eingerichtet. Gewidmet ist diese Orgel Carl Philipp Emanuel Bach, der in Hamburg wirkte und dessen Grabmal in der Krypta des Michel zu sehen ist.

Fernwerk im Dachboden über der Großen Orgel

Das Fernwerk versteckt sich auf dem Dachboden des Michel – hören kann man die Orgel aber im Kirchenraum. Über einen 20 Meter langen Schallkanal auf dem Dachboden werden ihre Töne zu einem Schallloch an der Kirchendecke geführt. Das war schon bei der Original-Orgel von 1912 so, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Neu gebaut und ergänzt war das Fernwerk mit seinem faszinierenden Klang zu Weihnachten 2009 wieder im Michel zu hören. Das geheimnisvolle Fernwerk ist noch für eine weitere Überraschung gut: Das Instrument verfügt über eine Trommel mit Kieselsteinen. Wenn man diese in Gang setzt, klingt es wie prasselnder Regen – mitten im Michel!

Deckengewölbe

 

Logen

Der Gotteskasten

Aus dem Jahr 1763 stammt der Gotteskasten im Gang zur Südempore. Darin wurde einst das Vermögen der Kirche aufbewahrt und die Kollekte gesammelt. Der Kasten ist ein Geschenk von Ernst Georg Sonnin, dem Architekten, der von 1750 bis 1762 den zweiten Michel erbaute.

Der Erbauer der zweiten großen St. Michaeliskirche, Ernst Georg Sonnin, der im Gruftgewölbe beigesetzt ist, schenkte 1763 den Gotteskasten der Gemeinde. Im Barockstil aus Eisen geschmiedet ist er mit dem den Drachen bezwingenden Erzengel Michael geschmückt. „Gotteskästen" hat es in den Kirchen schon lange gegeben, neu war aber nach der Reformation, dass das in ihnen gesammelte Geld nicht mehr den Geistlichen, sondern den Armen der Gemeinde zufloss.

Bis heute ist der Michel Hamburgs ein wichtiges kirchenmusikalisches Zentrum, wo bedeutende Musikerpersönlichkeiten wie Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johannes Brahms oder Max Reger wirkten. 

Beleuchtung / Lampen

Nebenräume

Im Herrensaal tagt einmal im Monat der Kirchenvorstand.

Die Krypta unter dem Michel

Beeindruckend: Der Blick ins Innere zeigt die charakteristischen Pfeiler in dem rund 300 Quadratmeter großen Gewölbe. Von 1762 bis 1817 wurden Verstorbene hier in schlichten Grabkammern bestattet.

Unter dem großen Gottesdienstraum der Hauptkirche St. Michaelis liegt ein zweiter Raum mit dem gleichen Grundriss – die Krypta. Sie ist ein Ehrfurcht einflößender Ort. Unter schweren, mit Inschriften versehenen Sandsteinplatten befinden sich 2.145 Grabstätten aus der Zeit von 1762-1817. 2007 berichtet das Hamburger Abendblatt über die Einrichtung eins neuen Kolumbarium mit Platz für rund 1000 Urnen. Es entsteht in einem bisher nicht zugänglichen Teil der barocken Krypta. Die vor 200 Jahren von den französischen Besatzern verbotene Tradition der Kirchenbestattung soll damit wieder möglich werden. Bereits Baumeister Georg Sonnin hatte nach dem Brand durch einen Blitzeinschlag von 1750 die Begräbnisstätte in der Krypta als Geldquelle eingeplant. Die Grabstätten konnten damals von reichen Hamburger Familien, Mitgliedern von Sterbekassen, Ämtern oder Bruderschaften erworben werden. Durch den Verkauf der Gräber konnte ein Teil des Wiederaufbaus der Kirche finanziert werden. In der Krypta ruhen ehrwürdige Hamburger wie Musikdirektor Carl Philipp Emanuel Bach, gestorben 1788, Michel-Erbauer Georg Sonnin (1794) oder der Oberalte Hans Albers (1764). Neben den Grabanlagen beherbergt die Krypta auch noch zwei Ausstellungen. Eine von ihnen zeigt Grabfunde, die bei den Sanierungsarbeiten 2004-2008 entdeckt wurden. Die andere befasst sich mit der Geschichte der Kirche St. Michaelis - vom ersten Entwurf bis in die Neuzeit. Eine 2013 eröffnete Ausstellung zeigt seltenem Grabschmuck. Die Objekte sind spannende Zeugnisse einer Begräbniskultur, wie wir sie heute nicht mehr kennen. Das Besondere daran ist, dass solch edler und aufwendiger Grabschmuck sonst nur in Gräbern des Hochadels üblich war. Unter den Ausstellungsstücken sind eine puppengroße Christusfigur aus Blei, Beschläge und Wappen aus Weißmetall und ein Schmetterling, der mit einer Stahlfeder auf dem Sarg befestigt war.

Mehr als 2.000 Verstorbene fanden hier ihre letzte Ruhestätte, meist reiche Hamburger Familien, die sich die Gräber etwas kosten ließen. Bis zu drei Särge fanden in einer Gruftkammer Platz, die mit massiven, aber schmucklosen Sandsteinplatten abgedeckt wurden.
Ruhe-Kammer für Johann Gerhard Köster, Seine Frau und Kinder in 15 Jahren nach des Letzten Tode nicht zu eröffnen.
Ruhekammer für Johann Hinrich Rodatz für sich seine Frau und Kinder wie auch Wilhelm Joachim Peper, dessen Frau und Sohn und nach des letzten Tode in 15 Jahren nicht zu (eröffnen).

---dreieck Johann Hinrich Rodatz wurde am 19. Dezember 1747 in Hamburg geboren. Seine Ehefrau Maria Elisabeth Rodatz (geborene Peper) wurde am 28. Mai 1753 in Hamburg geboren und verstarb im Alter von nur 29 Jahren am 1753–1782. 2 Jahre zuvor hatte sie eine Tochter Dorothea Marie (17. Oktober 1780) geboren. Johann Hinrich Rodatz verstarb am 11. März 1803 und wurde in der St. Michaelis-Kirche bestattet.

Der Verwandtschaftsgrad der Ehefrau Maria Elisabeth Rodatz zu Wilhelm Joachim Peper, der hier mit seiner Familie ebenfalls bestattet ist, kann nicht genau bestimmt werden. 

Grab des Musikers und Hamburger Kirchenmusikdirektors Carl Philipp Emanuel Bach. Er starb am 14. Dezember 1788.

Durch den Haupteingang gehend führt eine Treppe hinab in eines der größten Gruftgewölbe Europas, in dem sich u.a. der Grabstein des sogenannten „Hamburger Bach“ Carl Philipp Emanuel Bach, Sohn von Johann Sebastian Bach befindet. Er übernahm 1768 als Nachfolger seines Paten Georg Philipp Telemann die Position des Kirchenmusikdirektors in Hamburg. Ausgestattet mit einer exzellenten Akustik sowohl für Kammermusik-Ensembles als auch für Gesang, Sprechtheater und Rezitationen ist die Krypta für diese Veranstaltungen und insbesondere für Gottesdienste der Hauptkirche mit einer aus dem Jahr 1917 stammenden "Felix Mendelssohn Bartholdy Orgel" ausgestattet worden.  

Im Gruftgewölbe der St. Michaelis-Kirche sind unter anderem die Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach und Georg Philipp Telemann begraben. In der Krypta steht ein Altar, auf dessen Altarplatte ein Steinkreuz eingelegt ist. Die Steine dieses Kreuzes stammen aus bedeutenden Orten der Christenheit sowie aus den vier anderen Hauptkirchen Hamburgs.

Nachdem im Jahre 1750 die alte Michaeliskirche abgebrannt war, schlug der Baumeister Ernst Georg Sonnin für den Neubau vor, flächendeckend unter der Kirche ein Gewölbe anzulegen und unter deren Fußboden gleichförmige Grabkammern einzubauen. Insgesamt sind 268 Kammern unterhalb eines begehbaren Kellerbereiches entstanden. Man erhoffte, durch die Gebühren, die für eine 15-, 20-, 30-, 50- oder 100-jährige Ruhezeit anfielen, die Finanzierung des Kirchenbaus und den späteren Betrieb sicherzustellen. Im Jahre 1770 war diese großzügige Bestattungsanlage fertiggestellt; bestattet wurde hier aber schon seit 1762. Während der französischen Besatzung verbot ein Befehl Napoleons bereits im Jahre 1813 die Bestattungen in der Michelgruft. Dennoch wurden bis 1817 noch 108 Personen in der Gruft beigesetzt, so dass insgesamt eine Anzahl von mindestens 2.121 Bestatteten registriert ist. Hinzu kommen noch zahlreiche nichtregistrierte Bestattungen der Ämter, Bruderschaften und Sterbekassen. Aus diesem Sachverhalt wird deutlich, dass, anders als in anderen neuzeitlichen Gruftanlagen, die allein den sozial höherstehenden Schichten vorbehalten waren, in diesem Gruftgewölbe auch Handwerker, Händler oder Seeleute ihre letzte Ruhestätte fanden. Aufgrund von Sanierungs- und Sicherungsarbeiten am Baukörper der Kirche war es nötig, einen Teil der Grabkammern zu öffnen. Bei dieser Gelegenheit wurden von 2004 bis 2008 die Inhalte von 61 Kammern archäologisch dokumentiert. Den Fußboden des Gruftgewölbes bilden die Grabplatten aus Sandstein. Unterhalb dieser Grabplatten befinden sich die Kammern, die bis zu 4 m in den Erdboden hinunter reichen. Die Kammerinhalte und deren Erhaltungszustände sind sehr unterschiedlich. So sind in manchen Kammern vollständig intakte und geschlossene Särge enthalten, in anderen wiederum gibt es Särge, die teilweise zusammengefallen sind. In den meisten Fällen jedoch sind die Särge komplett zerfallen, so dass nur einzelne Bretter oder auch nur Brettfragmente erhalten sind. Daneben gibt es auch Sammelkammern mit Gebeinen oder Sargbestandteilen. Die Grabkammern wurden nach Ablauf der Ruhezeit oder bei Verkauf "gereinigt", d.h. die sterblichen Überreste entnommen und in eigens dafür vorgesehene Kammern umgebettet. Um einen Sarg in eine Kammer einzubringen, wurden die Grabplatten angehoben und der Sarg waagerecht auf den Fußboden oder auf bereits vorhandene Särge abgestellt. In der Regel stehen zwei Särge nebeneinander und wegen der geringen Breite der Kammern in entgegengesetzter Ausrichtung.

Der Hamburger Michel ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt und die bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands, sondern beherbergt auch eine der größten Grabkammern Europas. Der Eingangsbereich stimmt mit Fundstücken aus der bewegten Geschichte der Kirche auf die einzigartige Krypta ein. Dazu gehören auch die Überreste zerstörter Glocken.

Glockenklöppel und zwei originale Uhrzeiger in der Krypta

Krippenausstellung 2019

Krippen-Ausstellung. Gezeigt werden rund 60 wertvolle Stücke aus aller Welt. Bei dieser Krippe aus Neapel findet die Heilige Familie neben einer Wirtschaft Unterschlupf, in der Würste und Schweineteile von der Decke baumeln.

Besonderer Höhepunkt 2017 war die Präsentation einer neapolitanischen Krippe bei der Eröffnung des Weihnachts-Marktes am 1. Dezember. Sie stammt aus einer Sammlung von rund 60 Krippen, die der Wahl-Hamburger Kurt Rechenberg der Kirche St. Michaelis geschenkt hat. Zu der außergewöhnlichen Sammlung zählen viele Stücke aus Südamerika, Portugal und Italien, die älteste Krippe stammt aus dem 15. Jahrhundert. Seit dem 2. Advent 2017 sind die wertvollen Stücke in einer Dauerausstellung in der Krypta zu sehen. Sie ergänzen damit die Ausstellung zur Baugeschichte, Grabkultur und Musik an St. Michaelis.

Vermutlich aus einer Zinn-Blei-Legierung wurden die vielfältigen Sargbeschläge gegossen, die teils rein zierenden, teils symbolischen Charakter haben. Die meisten Beschläge haben gerade in der Sepulkralkultur eine tiefere Bedeutung, auch wenn nicht auszuschließen ist, dass sich diese Elemente im Laufe der Zeit verselbstständigten und ihr Symbolgehalt nicht mehr unbedingt bewusst wahrgenommen wurde. Unter den Sargbeschlägen überwiegen antikisierende Motive mit sepulkralem Charakter. Kruzifixe auf Särgen mit oder ohne Christusfigur sind als rein christliche Symbole anzusprechen und sind seit dem Mittelalter in unterschiedlicher Machart als religiöser Sargschmuck belegt. Eine Besonderheit sind große Kronen, die wahrscheinlich auf dem Kopfende des Sargdeckels gestanden haben. Bislang sind solche Kronen nur im adeligen Kontext auf Särgen zu finden. Hervorzuheben ist auch der singuläre Fund eines Schmetterlings, der mittels eines spiralförmigen Drahtes beweglich vermutlich auf einem Sargdeckel befestigt war. Der Schmetterling ist seit der Antike ein Symbol für die entfliehende Seele. Inschriftenbleche sind sowohl noch auf den Särgen selbst als auch in den Kammern verstreut zu finden. Ovale und trapezförmige Bleche sind die häufigsten Formen; gelegentlich kommen Bleche in Form einer Schriftrolle vor.

Der Schmetterling ist ein Symbol für die Verwandlung nach dem Tod: Die Seele kann aus dem Körper entfliehen. Dieses Exemplar ist ein klappbarer Beschlag für einen Sarg.
 

Lutherdarstellungen aus dem Seemannsheim der Deutschen Seemannsmission

Zwei farbig bemalte Fenster mit Lutherdarstellungen aus dem Seemannsheim der Deutschen Seemannsmission erinnern an die ehemalige Filialkirche des Michels, die Lutherkirche. Sie stand bis zu ihrer Zerstörung 1943/44 in der Nähe der Landungsbrücken.

Von ganz unten nach ganz oben

Nicht verpassen sollten Besucher einen Aufstieg zum Turm. Zur Aussichtsplattform führen Treppen mit insgesamt 453 Stufen und ein Aufzug. Der Blick schweift in alle Richtungen über die Stadt und weit über die Elbe.

Der Blick von der 82m hohen Turmplattform erschließt die verschiedenen Wohn- und Sanierungsgebiete der Neustadt, darüber hinaus die Hafenlandschaft, die Innenstadt, die westlichen und nördlichen Vororte.

 

 

Weitere Rundblick-Fotos vom Turm des Michel finden Sie im Untermenü "Rundblicke".

 

 

 

 

Zahlen und Fakten auf einen Blick

01 Acht Pforten führen in die Kirche.

02 Die Kanzel von 1910 ist vom Dresdner Otto Lessing.

03 Wegen Sanierungsarbeiten war die Kirche 2009 für zehn Monate erstmals geschlossen.

04 An den Arbeiten waren mehr als 600 Bauarbeiter beteiligt.

05 Die größte der fünf Orgeln hat 6674 Pfeifen.

06 Bauzeit des Michel: 36 Jahre.

07 Michel-Innenmaße: 52 Meter lang, 44 breit, 27 hoch.

08 Das Taufbecken ist einer der ältesten Inventar-Gegenstände (18. Jahrhundert).

09 Jährlich mehr als 1,4 Mio Besucher.

10 Sanierung 2009 kostete 12,8 Mio. Euro.

11 Die Turmuhr ist die größte Deutschlands (8 Meter Durchmesser).

12 Jeder Zeiger wiegt 130 Kilo.

13 1750 brennt der „Große Michel nieder.

14 150 Armleuchten.

15 Michel-Architekt Ernst Georg Sonnin studierte auch Theologie.

16 Leitspruch der Kirche: „Gott der Herr ist Sonne und Schild“ (Psalm 84.12).

17 Der Turm ist mit 132 Metern der zweithöchste Hamburgs.

18 Nach 15 Jahren setzt das Kupferdach seine grüne Patina an.

19 Auf dem Turm sind acht Webcams.

20 Der Türmer bläst werktags um 10 und 21 Uhr, sonntags 12 Uhr.

21 Um 1600 war die Kirche eine kleine Kapelle.

22 Die Krypta diente im Krieg als Luftschutzbunker.

23 Im Innenraum stehen 80 beheizte Holzbänke.

24 Im Herrensaal tagt einmal im Monat der Kirchenvorstand.

25 In der Kirche sind 29 Kilometer Stromleitungen verlegt.

Was Sie hier erwartet:

.... und vieles mehr.

Ohne Deine Spende
geht es nicht!

Kalender

 
September 2020
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

wdf - wupper digitale fotografie

 Alle Bilder auf diesen Seiten unterliegen dem © von Klaus-D. Wupper. Das Copyright für veröffentlichte, vom Betreiber dieses Onlineangebotes selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten.
Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Sounds oder Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Betreibers nicht gestattet.