Kloster Lüne in Lüneburg
Das Kloster Lüne ist ein ehemaliges Benediktinerinnenkloster und heutiges evangelisches Damenstift in Lüneburg. Es ist eines von mehreren Klöstern, die von der Klosterkammer Hannover verwaltet werden. Äbtissin ist seit 2023 Amélie Gräfin zu Dohna, zuvor hatte Reinhild Freifrau von der Goltz seit 2008 dieses Amt inne. Das 1172 gegründete Kloster etablierte sich bald als wohlhabende und autonome Lokalmacht in der Lüneburger Heide. Es rekrutierte seine Nonnen zumeist aus den einflussreichen Lüneburger Patrizierfamilien und beherbergte während des größten Teils seines Bestehens bis zu 60 Frauen. Sie erhielten eine Ausbildung in Latein, in den freien Künsten und in der christlichen Lehre sowie Liturgie. Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts veränderte sich die Klosterstruktur zunächst durch die Klosterreform von 1481 und später durch die Reformation.
Wer das Kloster Lüne betritt, spürt sofort die Geschichte in den trutzigen Mauern. Doch dass diese Mauern ein echtes Geheimnis hüten, wurde erst 2013 bei Bauarbeiten im Kapitelsaal klar. Eigentlich sollte nur eine Fußbodenheizung verlegt werden, doch unter den schweren Steinplatten kamen verkohlte Balken und ein unbekannter Keller zum Vorschein. Das Spannende: Eine dendrochronologische Untersuchung bewies, dass das Kloster nach dem großen Brand von 1372 genau hier wieder aufgebaut wurde – und nicht Kilometer entfernt, wie man früher glaubte. Ein Besuch im Kloster Lüne fühlt sich seitdem noch mehr nach einer Zeitreise an, da man buchstäblich auf dem Fundament der mittelalterlichen Katastrophe steht.
„Wenn man im Kreuzgang steht, in der Stille nur das endlose Plätschern des Brunnens der Eingangshalle hört, das leise Murmeln des Wassers, das sich seit mehr als sechs Jahrhunderten in die bronzene Schale des gotischen Brunnens ergießt, das Sonnenlicht durch die Fenster auf den roten Platten zu Besuch kommt, spürt man, wie Geist und Geistlichkeit sich im Kloster Lüne über Jahrhunderte ein Zuhause gefunden haben. Hier gilt das neuerdings so strapazierte Wort Spiritualität. Ohne Blabla und Schnörkel. Wer einzieht, tritt in ein Erbe ein, das mehr als 850 Jahre zurückreicht. Aber er stellt sich auch der Moderne.“
Amélie Gräfin zu Dohna
Die Brunnenhalle (Fountain Hall): Ein absolutes Muss im Kreuzgang ist der gotische Handsteinbrunnen. Er war früher das funktionale Zentrum für die rituellen Waschungen der Nonnen vor den Mahlzeiten.
1380 wurde das Kloster nach einem Großbrand in Backsteingotik wiederaufgebaut. Der Kreuzgang, die Klosterkirche mit einem Schnitzaltar und einer Orgel und der Nonnenchor sind gut erhalten, ebenso das ehemalige Dormitorium (Schlafraum).
Der Kreuzgang: Farbige Fenster und Stille: Der Kreuzgang bildet das traditionelle Herzstück eines jeden Klosters. Hier sind die zahlreichen Glasmalereien aus dem 15. Jahrhundert besonders bewundernswert, deren farbiges Licht eine andächtige Stimmung erzeugt.
Die Glocke im Kreuzgang
Beim Besuch des Klosters Lüne in Lüneburg findet man beim Betreten des Kreuzganges eine kleine Glocke. „Diese Glocke wird nur geläutet beim Eintritt einer Nonne ins Kloster oder bei deren Ableben.“ Dies ist eine verbreitete Legende oder eine sehr spezifische Auslegung, die oft im Rahmen von Führungen im Kloster Lüne erzählt wird, um die Exklusivität und den Ernst des Klosterlebens zu verdeutlichen. Tatsächlich gibt es eine historische Nuance zu dieser Aussage:
Die Symbolik: In der strengen Tradition einiger Nonnenklöster galt der Eintritt ins Kloster als „Weltabkehr“ oder ein symbolischer Tod für das weltliche Leben. Deshalb läutete die Glocke beim Eintritt (Beginn des neuen Lebens) und beim tatsächlichen leiblichen Tod (Ende des irdischen Weges).
Die Realität im Kloster Lüne: Heutzutage wird diese strikte Regel so nicht mehr praktiziert. Heute läuten die Konventualinnen die Glocke im Nonnenchor noch dreimal täglich per Hand zum Gebet. Es gibt jedoch oft spezielle kleine Glocken wie diese und Läutezeichen, die tatsächlich nur für außergewöhnliche Ereignisse wie den Tod einer Mitschwester oder die feierliche Aufnahme einer neuen Stiftsdame genutzt wurden, um den Rest des Konvents lautlos über den Kreuzgang zu informieren.
Zusammenfassend: Die Aussage unterstreicht eher die Bedeutung dieser zwei Lebensereignisse im klösterlichen Kontext, entspricht aber nicht dem vollständigen täglichen Läuteplan des Klosters.
Die Grabplatten im Kreuzgang sind ein faszinierendes Kapitel für jede Führung – besonders wegen einer kleinen Kuriosität, die man dort beobachten kann.
Der „Wetterstein“ im Kreuzgang
„Wenn Sie hier im Kreuzgang nach unten schauen, sehen Sie zu Ihren Füßen die alten Grabplatten. Sie sind die letzte Ruhestätte vieler Äbtissinnen und Stiftsdamen, die dieses Haus über Jahrhunderte geprägt haben. Aber achten Sie einmal auf diese eine spezielle Platte: Man nennt sie im Kloster auch den ‚Wetterstein‘. Es gibt eine alte Beobachtung – manche sagen, es sei fast ein kleiner Zauber: Diese Grabplatte wird feucht, noch bevor der erste Regentropfen vom Himmel fällt. In früheren Zeiten hielten die Bewohnerinnen dies für ein Vorzeichen von oben. Heute wissen wir, dass es mit der besonderen Beschaffenheit des Steins und der Luftfeuchtigkeit zu tun hat – aber der Effekt ist so zuverlässig, dass mancher Gärtner hier lieber auf den Stein schaut als in die Wetter-App.“
Wer liegt dort? Die Platten markieren die Gräber der Vorsteherinnen (Äbtissinnen) und bedeutender Mitglieder des Konvents. Es sind ‚steinerne Urkunden‘ der Klostergeschichte. Dass man über die Platten hinweggeht, war im Mittelalter ein Zeichen der Demut – die Lebenden schreiten über die Verstorbenen hinweg, halten aber gleichzeitig die Erinnerung an sie buchstäblich ‚unter ihren Füßen‘ wach. Neben den sichtbaren Platten gibt es im Kloster auch eine Äbtissinnengruft, die jedoch aus Respekt vor der Totenruhe und wegen der schweren Zugänglichkeit normalerweise nicht besichtigt wird.
Christian Dieterich Sarninghausen steht in einer engen historischen Verbindung zum Kloster Lüne, insbesondere im Kontext der Verwaltung und der dortigen Traditionen. Sarninghausen (auch Scharninghausen oder Sarninghausen) war ein lüneburgischer Beamter, der im 18. Jahrhundert als Amtsschreiber (vergleichbar mit einem Verwalter oder Justitiar) für das Kloster Lüne tätig war. Er gehörte zu einer einflussreichen Familie von Verwaltungsbeamten in der Region Lüneburg. Seine Arbeit umfasste die rechtliche und wirtschaftliche Absicherung des Damenstifts, das nach der Reformation aus dem Benediktinerinnenkloster hervorging.
Der Stein liegt im Flügel des Kreuzgangs, in dem traditionell die Amtleute und hochrangigen Verwaltungsbeamten des Klosters ihre letzte Ruhestätte fanden. Auf dem Stein sind sein Name, seine Lebensdaten und auch sein Titel als Amtsschreiber (oder Klosterbeamter) eingraviert. Diese Steine dienten als „steinerne Urkunden“, um die rechtliche Kontinuität des Stifts zu belegen.
Ludwig Ernst KÖNEMANN1692-1729, Amtsschreiber
Geburt 1655 in Hameln
Taufe 1655 in Hameln
Heirat 1680 und 1697
Tod 1729 Kloster Lüne
Bestattung 1729
ELTERN:
H(e)inrich II KÖNEMANN und Catharina Elisabeth HÜPEDEN, UTENG, KÖNEMANN
EHEPARTNER und KINDER
1. Frau (Adelheid PIEL)
1692 Katharine Elisabeth KÖNEMANN
1694 Wilhelm Jobst KÖNEMANN
1696 Barbara Elisabeth KÖNEMANN, KÖNEMANN
2. Frau (Justine CUMME)
1698 Gustav Ludwig KÖNEMANN
1699 Kilian Julius KÖNEMANN
1701 Conrad Herm. KÖNEMANN
1704 Joachim Fr. KÖNEMANN
1706 Dorothea Eleonore Sophie KÖNEMANN
1708 Otto Joh.Chr. KÖNEMANN
1716 Georg Karl KÖNEMANN
Der Grabstein von Anne Gerdrud Breijhans (1668–1738) befindet sich im Kloster Lüne bei Lüneburg, einem der bedeutendsten Heideklöster Niedersachsens. Ihr Grabstein ist einer der historischen Grabmale, die im Bereich des Klosters erhalten geblieben sind. Dass sie dort als „Amtmännin“ bezeichnet wird, unterstreicht ihren hohen sozialen Status. Ihr Ehemann, Ludwig Ernst Könemann, war Amtmann im nahegelegenen Amt Lüne, weshalb die Familie eine enge Bindung zum Kloster und der Region hatte.
Fensterbemalung
Die farbigen Glasfenster im Kreuzgang: Sie stammen teilweise aus dem 15. Jahrhundert und zeigen biblische Szenen sowie Wappen. Das einfallende Licht sorgt für die ganz besondere Atmosphäre, die das Kloster Lüne so berühmt macht.
Winterremter (Remter, auch Refektorium: der Speisesaal)
An dem acht Meter langen Holztisch nahmen die Damen ihre Mahlzeiten ein. Früher war dies der einzige beheizbare Raum. Die Heizung wurde von außen betrieben, denn der Kohlenmann durfte die Räume nicht betreten. Im Kloster lebten ursprünglich katholische Nonnen, denen ein Propst für Außenwirtschaft zur Seite stand. Ora et labora – bete und arbeite, der Grundsatz der benediktinischen Klöster, gilt bis heute. Die Lebensbedingungen haben sich jedoch im Laufe der Jahre stark verändert. Die Reformation bedeutete einen besonderen Einschnitt in der Geschichte des Klosters. Denn die katholischen Damen wehrten sich vehement gegen die Erneuerung der Kirche. Die latei-nische Sprache stand für Bildung – die Nonnen wollten nicht, dass in ihrer Kirche deutsches Liedgut Einzug erhält, so wie es das gemeine Volk auf der Straße singt. Erst als Dorothea von Meding eine Vision hatte, so ist es überliefert, konnte sie ihre Mitbewohnerinnen umstimmen. Die nachträglich eingebaute Wand mit den nummerierten Türen im Winterremter zeugt von der Zeit nach der Reformation. Seit 1711 ist Kloster Lüne ein evangelisches Damenkloster unter der Leitung einer Äbtissin. Bewohnerinnen waren traditionell ledige adlige Damen, und die wollten standesgemäß versorgt sein: Jedes Fräulein hatte eine Zofe, die eigens für sie die Mahlzeiten zubereitete. Diese wurden dann auf den Tabletts serviert, die man heute noch in dem Speisesaal bewundern kann. Hinter den nummerierten Türen befanden sich die Speiskammern. „Fräulein“ wurden noch bis ins 19. Jahrhundert lediglich adlige Frauen genannt, während alle anderen unverheirateten Frauen als „Jungfern“ bezeichnet wurden. Heute werden auch Witwen und Geschiedene aufgenommen, und eine adlige Herkunft ist nicht mehr Bedingung. In der Regel befinden sich die Damen, wenn sie der Gemeinschaft beitreten, am Ende ihres Berufslebens. Älter als 65 dürfen sie wiederum aber auch nicht sein. Und an Ruhestand ist nicht zu denken: auf die Damen wartet eine Vielzahl von Aufgaben.
Das Sommer-Refektorium, auch Sommerremter genannt, beeindruckt mit seinem markant bemalten Balkenwerk, das in den 1980er Jahren vollständig restauriert wurde und die ungewöhnliche Farbgebung des Jahres 1482 widerspiegelt. Heute dient dieser Raum auch für Trauungen. Gleich nebenan befindet sich das Winter-Refektorium, der Winterremter, ein dunkler und kühler Raum, der Ehrfurcht einflößt. An der linken Seite sind die bemalten Speisekammern der Klosterdamen zu sehen, deren Bemalung erst oberhalb der üblichen Lagerhöhe beginnt und Einblicke in das stille Leben der Klosterfrauen während der Mahlzeiten gewährt.
- Die Ahnengalerie: Eine seltene Besonderheit ist die lückenlose Reihe der Äbtissinnenporträts, die seit 1562 die Wände schmücken. Unter ihren „wachsamen Blicken“ verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart zu einer beeindruckenden Symbolik. Einzigartig ist die vollständige Galerie der Portraits evangelischer Klostervorsteherinnen ab 1580 bis heute. Sie sind bekleidet mit einem schwarzen Gewand, dem sogenannten Habit, der heute nur noch zu besonderen Gelegenheiten angelegt wird. Und sie tragen einen Orden an einem Band um den Hals. Mit dem Orden soll die Arbeit der Äbtissinnen gewürdigt werden, die den militärischen Rang eines Obersts tragen.
- Historische Bausubstanz: Die Außenmauern gehören zu den ältesten Teilen des Klosters (Anfang 14. Jahrhundert). Durch die hohen Fenster flutet Tageslicht in den Saal und setzt die Porträts sowie die feine Restaurierungsarbeit der Klosterkammer Hannover in Szene.
- Archäologische Tiefe: Die enge Zusammenarbeit zwischen Denkmalpflege und Archäologen hat das „Gesicht“ des Raumes, das sich über die Jahrhunderte stetig wandelte, wieder sichtbar gemacht.
Sie führte das Kloster Lüne durch unruhige Zeiten und hinterließ detaillierte Aufzeichnungen, die Aufschluss geben über das Klosterleben im beginnenden 19. Jahrhundert: Caroline von der Wense
▲ Im Kapitelsaal des Klosters findet man auch das Porträt von Caroline von der Wense (1752–1838). Ihr Leben und ihre Chroniken verdeutlichen eindrucksvoll, wie die Äbtissinnen des Klosters Lüne den Übergang von der feudalen Ordnung durch die napoleonischen Wirren bis in die Restaurationszeit meisterten.
Besonders hervorzuheben sind folgende Aspekte ihrer Biografie:
- Die Chronistin der Notzeit: Ihre Aufzeichnungen sind eine der wichtigsten Quellen für die Sozialgeschichte des Klosters. Sie dokumentieren nicht nur die Haushaltsführung, sondern auch die psychologische Belastung durch die französische Besatzung ab 1803.
- Begegnung mit der Weltgeschichte: Dass der spätere schwedische König Jean Baptiste Bernadotte mit seiner Frau Désirée Clary (der ehemaligen Verlobten Napoleons) im Kloster zu Gast war, verleiht ihrer Amtszeit eine fast schon romanhafte Note.
- Standhaftigkeit: Ihr Entschluss, trotz der drohenden Gefahr 1803 nicht zu fliehen („nicht von meinem mir anvertrauten Kloster zu weichen“), festigte ihre Autorität innerhalb des Konvents.
- Das Ende einer Ära: Ihr Tod am Tag vor dem Besuch von König Ernst August markiert das Ende einer langen, pflichtbewussten Amtszeit, die von der fast völligen Auflösung des Klosters (1811) bis zu seiner Konsolidierung reichte. Den angekündigten Besuch des Königs Ernst August von Hannover am 20. Juli 1838 sollte Caroline von der Wense nicht mehr erleben, denn einen Tag zuvor – am 19. Juli 1838 — verstarb sie „bei voller Besinnung an starker Verknöcherung des Herzens“. Wie die Äbtissinnen, die vor und auch nach ihr das Kloster Lüne führten, ruht sie in der Gruft vor dem Altar in der Barbara-Kapelle.
Caroline von der Wense starb 1838 im Alter von 85 Jahren vermutlich an einer chronischen Herzerkrankung (Herzschwäche durch Verkalkung), blieb aber bis zum letzten Moment geistig voll präsent. Heute erinnert ihr Porträt im Kapitelsaal des Klosters Lüne an diese „eigenwillige“ und später so besonnene Frau, die das kulturelle Erbe des Hauses durch eine seiner dunkelsten Phasen rettete.
Kernstück des Saales ist der Äbtissinnensitz. Im Allgemeinen seien diese stets reicher geschmückt und höher als das übliche Gestühl, doch normalerweise wesentlich schlichter als dieser im Kloster Lüne. Das Entstehungsjahr des Lüner Äbtissinnenstuhls ist recht genau überliefert; es existiert noch eine Rechnung aus dem Jahr 1708, die der damalige Handwerksbetrieb an das Kloster stellte.
- Zwei Epochen in einem Möbel: Ursprünglich im farbenfrohen Stil der Renaissance gestaltet (mit leuchtend grünen Ranken und bunten Blüten), ließ Äbtissin Margaretha Elisabeth von Harling den Stuhl 1743 „modernisieren“. Die heutige Fassung zeigt die schlichtere, edle Marmorierung des Barock. Das Siegel dieser Umgestaltung – der Schriftzug „renovatum 1743“ – ist noch heute an der Seite zu entdecken.
- Das Herzstück: Die Rückenlehne zeigt ein prachtvolles Leinwandgemälde der Salbung König Davids. Es ist das einzige Element, das noch in der ursprünglichen Farbfassung erhalten ist. Dargestellt ist dort die Salbung des Königs David vor Salomon – ein Thema, dessen Symbolik eng verknüpft ist mit der Bestimmung des Kapitelsaals: Hier darf die Äbtissin erstmals nach ihrer Wahl auf dem ihr zugedachten Stuhl Platz nehmen.
- Himmlische Wächter: Auf dem „Dach“ des Stuhls thronen restaurierte Figuren: der Klosterpatron Bartholomäus sowie zwei Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi (Dornenkrone und Kreuz).
- Meisterhafte Restaurierung: Lange Zeit durch Staub, Holzwurm und vergilbten Firnis gezeichnet, erstrahlt der Stuhl dank aufwendiger Arbeit in Hannover und Lüneburg heute wieder in der Pracht von 1743. Sogar die Statik des angegriffenen Sockels wurde stabilisiert, damit dieses Kunstwerk auch künftigen Generationen erhalten bleibt.
Nach Vollendung der Restaurierungsarbeiten des Kapitelsaals konnte er von den Konventualinnen des Klosters wieder als ein Ort der Begegnung und des Beisammenseins genutzt und von Besuchern bewundert werden.
Äbtissin
Margaretha Elisabeth von Harling
Äbtissin
Äbtissin
Die Klosterkirche mit Altar, Orgel und Kanzel
Die Orgel der Klosterkirche
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde die Klosterkirche umgestaltet, um sie an den evangelischen Gottesdienst anzupassen. Das großartigste der neuen Ausstattungsstücke ist die 1645-1651 vor die Südwand des Chores gebaute Orgel. Der Einbau besteht aus einer Empore mit reich verzierter Brüstung, in die ein kleines Orgelwerk als Rückpositiv integriert ist. Über der Empore erhebt sich der Orgelprospekt, der das Hauptwerk des Instrumentes birgt. Das Orgelwerk ist erneuert, es klingt also nicht mehr wie zur Erbauungszeit. Kaum verändert hat sich die äußere Erscheinung mit einer Fülle von Gemälden, Skulpturen und Inschriften. Dass ein solch teures Kunstwerk nur in gemeinschaftlicher Anstrengung angeschafft werden konnte, zeigen einige Wappen: Auf dem Rückpositiv hält ein Putto das des herzoglichen Amtmanns Thomas Dammann, oben auf den Ecken des Prospektes werden die der Domina Catharina Margaretha von Estorff und des Konventes von Lüne präsentiert. An höchster Stelle steht der Wappenschild des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Der Gesang in deutscher Sprache hatte im evangelischen Gottesdienst neue Bedeutung erlangt. Im Musizieren hoffte man etwas von der Herrlichkeit Gottes zu erfahren. Die Gemälde an der Orgel zeigen daher Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament, die den Lobpreis Gottes zum Inhalt haben. Auf der Brüstung musizieren und tanzen Figuren. Die Inschriften enthalten Jubelverse aus den Psalmen. Lüneburg, 1645-1651. Empore und Prospekt, Eichenholz, geschnitzt, gefasst und bemalt. An den Schmalseiten des Prospektes Ölgemälde auf Leinwand, signiert von Adolf Block.
Wo einst die Glocken geläutet wurden
Auch der Nonnenchor ist zugänglich. Hier hängen noch die Seile von der Decke, mit denen die Klosterdamen die Glocken läuten konnten. Die zahlreichen verzierten Chorstühle zeugen von der einstigen Größe des Konvents. Hier findet heute auch das beeindruckende Vesper-Singen statt. Mit der Kanzel von 1608 und der Orgel mit prächtig geschmücktem Prospekt aus den Jahren 1645 bis 51 finden sich dort schließlich auch Elemente aus barocker Zeit. Besondere Beachtung im Nonnenchor verdient ein Tafelbild mit der Beweinung Christi von 1538, das der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä. zugerechnet wird. In diesem abgeschlossenen Raum mit den fest installierten Bänken an den Seiten treffen sich die Konventualinnen bis heute zum Gebet. Über alledem „schwebt“ die Madonna im Strahlenkranz. Von der Decke hängen lange Seile. Sie gehören zu den Kirchenglocken, die hier noch von Hand geläutet wurden.
"Sarggang" zu den Nonnenkammern
Textilien-Museum
Die äußerst wertvollen mittelalterlichen Klostertextilien werden in dem 1995 speziell für sie gebauten Textilien-Museum ausgestellt. Übertroffen werden sie nur von den Teppichen im Schwesterkloster Wienhausen bei Celle.
▲ Ein Altarvorderseitenbehang wird in der Fachsprache Antependium (lateinisch für „vor dem Hängen“) genannt. Er dient als textiler Behang zur Verkleidung der Vorderseite (und manchmal auch der Seiten) des Altarblocks (Stipes).
Das Antependium ist Teil der Paramente (liturgische Ausstattungstextilien) und betont durch seine Farben und Motive die Besonderheit des jeweiligen Kirchenfestes oder der Zeit im Kirchenjahr. Es gilt als „stummer Prediger“. Die Farbe des Antependiums wechselt entsprechend dem Kirchenjahr:
- Weiß/Gold: Feste (Ostern, Weihnachten).
- Violett: Bußzeiten (Advent, Passionszeit).
- Rot: Pfingsten, Heiligenfeste.
- Grün: Zeit im Jahreskreis.
- Schwarz: Karfreitag (teilweise).
Sie sind oft reich verziert, gestickt (z.B. mit Motiven wie Flamme, Samenkorn) oder in Gobelin-Bildweberei gefertigt. Häufig werden hochwertige Stoffe wie Seide, Brokat oder Leinen verwendet. Das Antependium wird meist an einer speziellen Leiste unter der Altarplatte (Mensa) befestigt, sodass es frei vor dem Altarblock herabhängt.




















































































































































































