Von "Klön- und Kladdertüren"

 
 

Dies ist die Eingangstür zum ältesten Haus der Insel Föhr – dem Haus Olesen, benannt nach seiner letzten Bewohnerin. Bei der Gebäude-Translozierung in Wyk fand man in einem Dachbalken die Jahreszahl 1617! Dieses typisch uthlandfriesische Haus wird in der Mitte durch einen Flur geteilt: Auf der einen Seite lebten die Menschen, auf der anderen Seite das Vieh. Und wer wo zu Hause war erkennt man an der Größe der Fenster. A propos Fenster: Die Fenster des Hauses konnten nicht geöffnet werden. Gelüftet wurde daher ausschließlich über die zweigeteilte Tür – die so genannte Klöndör. Denn selbst wenn der untere Teil geschlossen, der obere aber zum Lüften geöffnet war, konnte man sich herrlich in die Öffnung stellen, sich auf die untere Tür lehnen und – wenn die Zeit dafür reichte - einen Schwatz mit den Nachbarn halten – eben: klönen!

An der Stellung der Klöntür konnten Nachbarn und Vorbeigänger im Vorbeigehen genau ablesen, was im Haus gerade Phase war:

  • Oben offen, unten zu: Das war die offizielle Einladung zum Gespräch. Es signalisierte: „Ich bin zu Hause, habe Zeit und backe vielleicht gerade Kuchen – bleibt gerne für einen kurzen Klönschnack stehen!“
  • Komplett geschlossen: Signalisierte absolute Privatsphäre. Wer klopfte, störte meist die Mittagsruhe oder die Stallarbeit.

Die Sache mit dem "Kaffeesatz und Tratsch"

Eine beliebte Anekdote besagt, dass die Erfindung des kleinen Fensterbords (Sims) an der Unterseite der Tür nicht nur dem Komfort diente, um die Ellbogen darauf aufzustützen. In friesischen Dörfern wurde dort angeblich strategisch die Kaffeetasse abgestellt. Wenn die Hausherrin beim „Klönen“ den neuesten Dorftratsch austauschte, konnte das Gespräch so stundenlang ausgedehnt werden, ohne dass man die Haustürschwelle überschreiten – und den Gast somit formell hereinbitten – musste. Das sparte Zeit und die Pflicht, das Haus extra aufzuräumen.

 

Der Schutz vor ungeladenen Gästen (und Geistern)

Im Volksglauben mancher Küstenregionen hieß es, dass böse Geister oder der Teufel nur durch sperrangelweit offene Türen ins Haus schlüpfen können. Da die Klöntür tagsüber durch die untere Hälfte stets verriegelt war, galt das Haus als spirituell geschützt, während trotzdem Licht und frische Luft hineinströmten. Auf physischer Ebene schützte sie natürlich vor allem vor gefräßigen Dorf-Ziegen, Schweinen oder Schlamm von der unbefestigten Straße.

 

Die „Klön- und Kladdertür“ im Bergischen Land

Spannend ist auch eine sprachliche Anekdote aus dem Westen Deutschlands: Im Bergischen Land nannte man sie historisch „Klön- und Kladdertür“. Während „klönen“ das Reden beschreibt, bedeutete „kladdern“ so viel wie Dreck machen oder schütten. Der Name entstand, weil man bei Schlagregen den oberen Teil der Tür blitzschnell zuklappen konnte (es kladdert), während unten alles verriegelt blieb, um den Schlamm der Straße draußen zu halten.