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Ruhe- und Gedenkstätten sowjetischer und anderer ausl. Soldaten / Zwangsarbeiter

Der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker hat einmal gesagt: "Wer zweifelt, wer auch an Europa verzweifelt (...), der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen." 

Der Friede in Europa ist ein Schatz,

den es zu pflegen und zu bewahren gilt,

das beste Erbe, das wir künftigen Generationen vermachen können.

Unsere Jugend kann die Zukunft nur aufbauen,

wenn sie die Vergangenheit kennt. 

(Angela Merkel)

Die Einberufung deutscher Arbeitskräfte in die Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges hatte einen ansteigenden Arbeitskräftemangel zur Folge. Insbesondere für die kriegswichtigen Zweige wie die Rüstungsunternehmen, den Bergbau und die Stahlindustrie wurden daher ausländische Arbeiter in den verbündeten und besetzten Staaten angeworben. Um der meist hohen Arbeitslosigkeit in ihren Heimatländern zu entgehen, ließen sich die Arbeiter von Versprechungen hoher Löhne anlocken. Jedoch konnte der Arbeitskräftemangel mit der Anzahl der freiwilligen ausländischen Zivilarbeiter nicht gedeckt werden. Bereits 1939/1940 wurden vor allem Menschen aus Polen zwangsweise rekrutiert und nach Deutschland deportiert.

Nicht nur Zivilarbeiter wurden als Zwangsarbeiter rekrutiert, auch Kriegsgefangene, Häftlinge aus Konzentrationslagern und Juden mussten "Arbeitseinsätze" vor allem in der Landwirtschaft, in verschiedenen Industriezweigen, im Bergbau, bei der Trümmerbeseitigung und der Instandsetzung von Gebäuden leisten. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder wurden ausgebeutet. In umzäunten Lagern, die oft überbelegt waren, lebten sie unter unmenschlichen Bedingungen. Kontakt mit Außenstehenden war verboten. Im Ruhrbergbau wurden zunehmend seit 1942/1943 "Ostarbeiter" und sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt. Sie litten unter den härtesten und schwersten Arbeits- und Lebensbedingungen, denen Zwangsarbeiter in Deutschland je ausgesetzt waren. Im Vergleich zu Westarbeitern erhielten "Ostarbeiter" nur 28 Prozent des Lohnes, sowjetische Kriegsgefangene sogar nur sechs Prozent. Insgesamt leisteten rund 8,5 Millionen zivile Arbeitskräfte, fast 4,5 Millionen Kriegsgefangene und etwa 700.000 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit.

 
 

Gräberfeld sowjetischer Zwangsarbeiter auf dem Blumenfriedhof in Bochum

Auf dem Blumenfriedhof befinden sich 307 sowjetische Zwangsarbeiter, die zwischen 1942 und 1944 dort begraben wurden. Ihre Geschichte wurde von den meisten Leuten vergessen, und genauso sah auch das Gräberfeld aus. Das Gräberfeld ist ungefähr 600 m² groß und wird von einer niedrigen Steinmauer umrahmt und ist dadurch sichtbar von den anderen Gräbern abgegrenzt. Im Grunde liegt es damit fast außerhalb des Friedhofs. Die Steinmauer ist an einer Seite zerstört und bröckelt ab. Im Gegensatz zu dem Zwangsarbeiter-Gräberfeld auf dem Bochumer Hauptfriedhof, auf dem ein Buch aus Metall aufgestellt wurde, in das die Namen aller dort begrabenen Zwangsarbeiter eingraviert sind, war das Feld auf dem Blumenfriedhof sehr ungepflegt und unscheinbar. Es fand sich außerdem auf dem ganzen Friedhof kein Hinweis auf die Toten. Das viel größere Feld der Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof war bis 1985 auch verwildert und ungepflegt – und erst eine Gruppe von Bochumer Bürgerinnen, nämlich die „Frauen für den Frieden“, sorgte dafür, dass sich das geändert hat. 2017 sah das Gräberfeld dort aber wieder so traurig und verwahrlost aus, dass sich Mitglieder vom Bochumer Kinder- und Jugendverein um das Gräberfeld zu kümmern. Sie beschlossen, es wieder her zurichteten.

Der Projektkurs der Hildegardis- und Goetheschule Bochum beschloss, dass sich auch etwas auf dem Gräberfeld des Blumenfriedhofes ändern müsse. Daher pflanzten sie, als ersten Schritt in Richtung Verbesserung, am 17. November 2017 einen Zierapfelbaum in der Mitte des Areals. 2 Tage später, am Morgen des 19. November 2017, dem Volkstrauertag, wurden unter anderem 307 Grablichter (für jeden Zwangsarbeiter eines) auf dem Gräberfeld aufgestellt. Musikalisch begleitet wurde der Festakt am Volkstrauertag von Elsa Heebner, Vinícius Rosso sowie vier Musiker/innen des Schulorchesters des Hildegardis-Gymnasiums. In Kooperation mit der TBS (Technische Berufsschule) Bochum wurde das Aufstellen einer Gedenktafel auf dem Gräberfeld geplant, auf der alle 307 Namen der dort liegenden Zwangsarbeiter verzeichnet werden sollen.

 
 
 
 

Kommunalfriedhof Witten-Annen

Der neue Kommunalfriedhof wurde 1883 vom Regierungspräsidenten Arnsberg genehmigt und 1884 eingeweiht. 1898 wurde am nordwestlichen Ende ein zweiter jüdischer Friedhof eingerichtet. Der alte Kommunalfriedhof und damit auch der erste jüdische Friedhof wurde vor dem Zweiten Weltkrieg vom Annener Gussstahlwerk überbaut. Für als erhaltenswert angesehene Grabsteine wurden am Nordrand des neuen Friedhofs aufgestellt. 1938 wurde auch der zweite jüdische Friedhof eingeebnet und zur Beisetzung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, u. a. aus dem KZ-Außenlager Annener Gussstahlwerk, genutzt. An den zweiten jüdischen Friedhof erinnern seit 1993 zwei Gedenksteine.

 

Im gleichen Jahr (1993) wurde eine Gedenktafel für die in Witten ums Leben gekommenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aufgestellt.

Denkmal für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, u. a. des Außenlagers Annener Gußstahlwerk des KZ Buchenwald

Die Menschen, die hier begraben sind, waren Zivilarbeiter und Kriegsgefangene, Häftlinge des Konzentrationsaußenlagers Buchenwald in Annen. Auf den Tafeln sind überwiegend russische Namen aufgelistet. Die toten Zwangsarbeiter waren auf dem 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten Friedhof begraben worden. 82 wurden später exhumiert und in ihre Heimatländer Italien und Frankreich überführt. Heute ruhen im oberen Bereich des Kommunalfriedhofs allein 264 Männer aus der ehemaligen Sowjetunion sowie 14 Frauen und zehn Kinder. 1959 war unweit des heutigen Standorts ein Gedenkstein mit der irritierenden Inschrift „Tote der Alliierten“ aufgestellt worden. Er wurde 1990 entfernt und 1993 später durch die heutige Tafel ersetzt.

 

Inschrift:

Ev. Friedhof Pferdebachstraße

An einer weniger exponierten Stelle des Friedhofes findet man eine schichte Steinplatte zum Gedenken an 12 Russen, die hier in 11 Gräbern beerdigt sein sollen.

Jüdischer Friedhof in Witten-Herbede mit russischen Opfern des NS-Regimes

Der jüdische Friedhof in Herbede besteht seit 1886. 1944 bis 1945 wurden dort 22 russische Zwangsarbeiter beigesetzt. 1946 wurde auf Veranlassung der russischen Kriegsgräberkommission ein Gedenkstein für die Zwangsarbeiter in russischer Sprache aufgestellt. Der Friedhof ist im Besitz des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe und als Baudenkmal in der städtischen Denkmalliste eingetragen. Der nur wenige Jahrzehnte benutzte jüdische Friedhof - er wurde während des Novemberpogroms teilzerstört - ist heute in einem gepflegten Zustand.

 

Der jüdische Friedhof liegt direkt neben dem Oberen Ev. Friedhof Herbede. Ein Teil des jüdischen Friedhofs ist mit Opfern der NS belegt.

 
Eingang zum jüdischen Teil des Friedhofes
 
1946 wurde auf Veranlassung der russischen Kriegsgräberkommission ein Gedenkstein für die Zwangsarbeiter in russischer Sprache aufgestellt.
Aleyej Sapara23.03.192325.03.1945
Emil Schukoo.oo.189903.03.1944
Fedor Timoschewski27.oo.191514.09.1945
Grigrij Humenjuck04.09.192503.11.1945
Iwan Wlainkooo.oo.1925oo.oo.1945
Josef Cocimba18.03.192320.03.1945
Konstantin Ribtschenko22.06.191327.05.1944
Lubow Timschenko11.08.192311.04.1945
Maria Schenowa15.07.191511.04.1945
Nikolaj Schuraw30.09.191913.03.1945
Nikolei Sadowski22.05.192410.02.1945
Prokopij Semrow20.02.191322.01.1944
Sergy Broschenko12.08.192427.12.1944
Sofia Stelzun12.08.192605.04.1945
Stanislaus Lech05.04.192115.04.1945
Stefan Taranow 29.12.192122.oo.1944
Wasil …utrijewoo.oo.190822.oo.1944
Wassil Bis?rowny03.01.192411.04.1945
Wassil Schalturin09.05.192018.04.1945
Wladimier Martinschuk03.04.191214.01.1944

Gedenkstätte für Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof Bochum

---dreieck Etwa 1.800 Zwangsarbeiter, vorwiegend aus den ehemaligen Sowjetländern, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Sie haben eigene Gräberfelder, die von aufwendig gestalteten Gedenksteinen markiert werden. Vor den Gräberfeldern hat der Besucher zudem die Möglichkeit sich über die Namen, Herkunft und Todesdaten der Bestatten zu informieren, da die Gräber selbst nicht einzeln mit Steinen markiert sind. Die Menschen, die in Bochum Zwangsarbeit leisten mussten, wurden zum Teil gezielt für den Arbeitseinsatz verschleppt, aber auch aus Konzentrationslagern nach Bochum gebracht. So gab es beispielsweise eine “Baubrigade” der SS, für die in Bochum drei Außenlager des KZ Buchenwald gebildet wurden. Zum Teil mussten aber auch Polizeihäftlinge Zwangsarbeit leisten oder Bochumer jüdischen Glaubens wurden vor ihrer Deportation gezielt für Arbeitseinsätze herangezogen.

"Überwindet den Hass, suchet den Frieden" 1939-1945

---dreieck Auf dem Gräberfeld 19, 19 a und 34 wurden 1.720 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verschiedener Nationalität bestattet, die meisten von ihnen aus der ehemaligen Sowjetunion. Insgesamt haben über 2.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ihren Arbeitseinsatz in Bochum nicht überlebt.

---dreieck Am Rande des Friedhofes findet man eine weitere Gedenkstätte mit Grabanlagen. Ein 1965 aufgesetztes Gemeinschaftsgrabmal (sarkophagähnlicher Ruhrsandsteinblock mit russischer und deutscher Aufschrift) erinnert an die in Bochum umgekommenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Es dient als Ersatz für ein 1946 eingeweihtes, neun Meter hohes, mit kyrillischen Inschriften, einer männlichen Figur und einem Sowjetstern versehenes Denkmal, das auf Wunsch sowjetischer Stellen errichtet worden war. Diese Mahnmal wurde 1964 entfernt.

Ein vom Stadtarchiv erarbeitetes Gedenkbuch für die Opfer der Zwangsarbeit in Bochum enthält die Namen der auf dem Friedhof Freigrafendamm bestatteten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Es kann auf dem Friedhof (Trauerhalle) oder im Stadtarchiv eingesehen werden.

Das erste Gräberfeld für Zwangsarbeiter ist mit diesem Gedenkstein in Form eines Sarkophags markiert.

Südfriedhof Herne-Sodingen: Ehrenfriedhof für Kriegstote fremder Staaten

Ehrenfriedhof für Kriegstote fremder Staaten, 374 Gräber. Das im Jahre 1989 an diesem Ort errichtete Mahnmal trägt die Inschrift:

 

Als Opfer des nationalsozialistischen Krieges

ruhen hier mindestens 477 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter

– Männer und Frauen –

vor allem aus der Sowjetunion und Polen.

Kriegsgefangene und Fremdarbeiter anderer Nationen. Die Verstorbenen haben hier ein ewiges Ruherecht.

Ev. / Kath. Friedhof Lindengraben in Gevelsberg: Kriegstote verschiedener Nationen des II. Weltkrieges

Auf dieser Kriegsgräberstätte des Friedhofes ruhen 17 Kriegstote verschiedener Nationen des II. Weltkrieges. 2 Deutsche, 4 Tote der ehem. Sowjetunion, 6 Polen und 5 Tote anderer Nationen liegen hier begraben.

Hauptfriedhof Dortmund

Kriegsgräber beider Weltkriege

 

Auf den Kriegsgräberstätten des Hauptfriedhofes ruhen 9.036 Kriegstote.

3.338Deutsche
5.095Ehem. Sowjet. Union
243Polen
106Jugoslawen
30Belgier
14Franzosen
15 Niederländer
7 Italiener
188Sonstige
9.036 
davon 
2981. Weltkrieg
87382. Weltkrieg

Die düstersten Kapitel der deutschen Geschichte sind sicherlich die beiden Weltkriege und gerade auf den Friedhöfen ist die Erinnerung daran in erschütternd beeindruckender Weise präsent. In ganz Dortmund sind mindestens 13.614 deutsche sowie ausländische Soldaten, Bombenopfer und Zwangsarbeiter beigesetzt, davon allein auf dem Hauptfriedhof 9.036. Am Ende der Hauptachse des Friedhofs erinnert ein 12 m hohes Ehrenmal an alle Kriegstoten aus Dortmund. Es liegt am östlichen Ende der großen Kriegsgräberanlage.

 

Hier reihen sich 3.032 einfache Steinkreuze aneinander und mahnen eindrucksvoll der Opfer des 2. Weltkrieges.

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