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Dr.-Carl-Häberlin-Friesen-Museum Wyk/Föhr

Insel-Geschichte entdecken

Durch ein Tor aus mächtigen Blauwalunterkieferknochen betreten die Besucher das Gelände des Dr.-Carl-Häberlin-Friesen-Museums.

Auf dem ca. 10.000 m² großen Grundstück inmitten der Stadt Wyk befindet sich neben dem Haupthaus mit kulturhistorischer Sammlung auch das 1617 erbaute und damit älteste Haus der Insel Föhr, das im Jahre 1927 aus dem Dorf Alkersum auf das Museumsgelände versetzt wurde, das Haus Olesen

Das traufenständige Gebäude wird mittig unter dem Frontspieß (Zwerchgiebel) durch den Haupteingang erschlossen. Der sich anschließende Flur teilt das Gebäude in der gesamten Breite und führt zur auf der Rückseite befindlichen "Gartentür", fries."guarddöör", die zum Garten bzw. zur Hauskoppel führt.

In den Wintermonaten vom 1.November bis zum 15. März ist das Museum nur dienstags bis sonntags von 14-17 Uhr geöffnet.

Eine kleine Bockwindmühle von der Hallig Langeneß und eine landwirtschaftliche Scheune aus  Midlum runden das Bild des  Freilichtmuseumskomplexes ab.

Bockwindmühle

Die kleine Bockwindmühle mit vollständigem Mahlwerk wurde 1953 auf das Museumsgelände versetzt. Bis dahin stand sie auf der Hallig Langeneß-Nordmarsch. Der Halligbewohner Peter Hansen hatte sie in den 1930er Jahren in Eigenarbeit gebaut und zum Mahlen von Brotgetreide genutzt. In früherer Zeit gab es auf Föhr in jedem Dorf eine oder mehrere Bockwindmühlen, bis dieser Mühlentyp im 19. Jh. durch die größere und effektivere Holländermühle abgelöst wurde. Die alten Bockwindmühlen besaßen in der Regel nur ein Mahlwerk. Die Flügel mussten mit dem gesamten Mühlenkörper, der auf einem drehbaren Bock sitzt, von Hand in den Wind gedreht werden.

Im Jahr 2000 konnte das Freilicht-Gelände des Friesen-Museums auf Initiative des Museumsvereins durch eine Föhrer Scheune aus dem 18. Jh. bereichert werden. Diese stand ursprünglich in dem Dorf Midlum und diente zur Lagerung von Getreide, sowie zur Aufbewahrung von landwirtschaftlichen Geräten. Zwei große Tore an den Giebelseiten erlaubten die Durchfahrt der beladenen Erntewagen. Im hinteren Drittel der Scheune besteht der Fußboden aus einem gestampften glatten Lehmboden, auf dem das eingebrachte Korn mit dem Dreschflegel per Hand ausgeschlagen wurde. Separat stehende Scheunen wurden auf Föhr nur selten gebaut, üblicherweise schlossen die Nebengebäude unmittelbar an das Hofgebäude an. In der Midlumer Scheune werden verschiedene landwirtschaftliche Geräte ausgestellt. Auch bietet sie Raum für verschiedene Museumsveranstaltungen.

Landwirtschaftliche Scheune aus Midlum

Das Friesen-Museum wurde bereits im Jahre 1908 eröffnet und seitdem mehrmals erweitert worden. Es besitzt die umfangreichste kulturgeschichtliche Sammlung der nordfriesischen Inseln und ist über die Region hinaus bekannt. Maßgeblich beteiligt am Aufbau der Sammlung und der Entwicklung des Museums war der auf Föhr lebende Arzt und Heimatforscher Dr. Carl Häberlin, dessen Namen das Museum trägt. Das von dem Hamburger Architekten Heinrich Bomhoff entworfene Museumsgebäude sollte sich mit seinem Reetdach und den Sprossenfenstern in die traditionelle Hauslandschaft der Insel Föhr einfügen, um so dem heimatlichen Sammelgut einen angemessenen Rahmen zu verleihen. Bis heute werden das historische Ambiente der Ausstellungsräume sowie die Harmonie des gesamten Museumsensembles von den Besuchern geschätzt.

Die kulturgeschichtliche Sammlung des Friesen-Museums wird in 10 Räumen auf einer Fläche von ca. 600 m² präsentiert. Ein Höhepunkt der Sammlung bildet die Walfang- und Seefahrtsabteilung im Obergeschoss, aber auch die volkskundliche Ausstellung mit den kostbaren Föhringer Trachten oder der neu gestaltete Naturkunderaum mit seinen spielerischen Animationen sind bei den Besuchern besonders beliebt. Auch im Außenbereich findet man eine Vielzahl von Exponaten.

 

Themenschwerpunkte im Haupthaus sind der Geologie, Archäologie, Naturkunde, dem Seebad Wyk, Handwerk, Seefahrt/Walfang, der Volkskunde, Auswanderung und Baukultur gewidmet.

Geheimnisumwittert ist weniger die spanische Bark "Ulpiano", sondern vielmehr deren Galionsfigur, die einst den Vordersteven des Schiffes, das am 24. Dezember 1870 bei schwerem Sturm auf Süderoogsand strandete, zierte.
Krabbenfischerin
Original-Propeller der DO-X im Friesenmuseum in Wyk auf Föhr.

Die heutige Form der Föhrer Festtracht ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden und hat sich seitdem nur noch geringfügig verändert. Über die Entwicklung und über den Ursprung der Tracht ist wenig bekannt. Es ist denkbar, dass Insel-Vorfahren, die in früheren Zeiten Seefahrer waren, Schmuck und andere Teile von ihren Reisen in ferne Länder mitgebracht haben. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten mit Trachten aus Portugal, Spanien, Italien und anderen Ländern. Die Föhrer Festtracht wird heute nur zu hohen Festtagen angelegt. Es sind dies Hochzeiten und andere Familienfeste, Heimatfeste, Treffen mit Trachtengruppen aus anderen Gegenden Deutschlands und Europas, und in jüngerer Zeit auch für touristische Zwecke. Die jungen Mädchen tragen die Tracht zum ersten Mal bei der Konfirmation. Das ist für die Mädchen natürlich ein ganz besonderes Ereignis. Neben der Festtracht wird vereinzelt noch die Sonntagstracht getragen. Bei der Sonntagstracht fehlen der große Silberschmuck und die weiße Schürze. Das Halstuch wird gebunden und man trägt dazu eine schwarze Schürze. Die Alltagstracht wird nicht mehr getragen.

Das Binden des Kopftuches erfordert viel Können und Geschicklichkeit und wer es noch nicht gelernt hat, ist auf die Hilfe einer "Fachfrau" angewiesen. Das Kopftuch ist etwa 1,20 m im Quadrat groß und wird kunstvoll um den Kopf gebunden. An der Stirnseite befindet sich eine handgestickte Borgüre mit Blumenmustern und an den Seiten befinden sich lange schwarze Fransen. Die verheiratete Frau trägt unter dem Kopftuch ein rotes, mit schwarzen Perlen besticktes Häubchen. Das Halstuch ist ein, mit schwarzen Fransen besetztes Dreiecktuch, und wird mit ca. 60 bis 70 schwarzen Knopfnadeln auf das Mieder festgesteckt. Der Rock ist aus englischem Tuch und 3,5 bis 4 m weit! Er wird in Handarbeit das Mieder genäht. Im Rückenteil ist er in etwa 60 Falten gelegt. Die weiße Schürze ist aus Batist und mit verschiedenen Lochstickereien versehen. Die Ärmel sind aus Taft, Kunstseide oder Samt und mit Bordüren verziert. Der Filigran-Silberschmuck ist aus reinem Silber angefertigt und besteht aus der drei- oder vierreihigen Gliederkette mit einem Amulett in der Mitte worauf sich die Zeichen KREUZ - HERZ - ANKER als Smbole fuer GLAUBE - LIEBE - HOFFNUNG befinden. Die Gliederkette wird von 10 bis 12 Filigranknöpfen umrahmt und in der Mitte mit feinen Silberketten vervollständigt. Dazu wird an den Ärmel jeweils ein Paar Knöpfe getragen. Zur Austattung gehören dann noch ein Silberhals- und Armband sowie ein Fingerring und kleine Nadeln mit Filigranknöpfen am Kopftuch. Die wertvolle Tracht  wird meistens von einer Generation zur anderen vererbt, kann aber auch noch vollständig neu gekauft werden.

Auf dem Gartengelände verteilt, befinden sich neben den Gebäuden noch einige andere erwähnenswerte Exponate und Besichtigungspunkte.

Auch an Galionsfiguren nagt der Zahn der Zeit. Das erfuhr nicht nur die Figur, die nach dem Untergang der „Ulpiano“ im Jahr 1870 gerettet wurde und auf nicht mehr bekannten Wegen ins Wyker Dr.-Carl-Häberlin-Friesenmuseum gelangte, sondern auch ihre „jüngere Schwester“, die Newton Hansen im Jahr 2008 dem Museum gestiftet hat und die ihren Platz draußen, neben dem Museumseingang, gefunden hatte. Sie war acht Jahre lang Wind, Wetter und salziger Luft ausgesetzt und musste im Juli 2017 heruntergeholt und aufwändig restauriert werden. Nun steht die Frauenfigur wieder auf ihrem Platz und hat sogar Augen bekommen, mit denen sie in die Ferne blickt.

 

Wann die Galionsfigur der spanischen Bark „Ulpiano“, die auf ihrer Jungfernfahrt auf Süderoog-Sand strandete, nach Föhr kam, ist nicht genau bekannt. Die Figur muss aber schon lange auf der Insel sein. Als 1908 das Museum gebaut wurde, ist für sie in der Wand extra eine Hausnische erstellt worden. Doch Wind und Wetter setzten diesem Überbleibsel der „Ulpiano“ dermaßen zu, dass sie draußen nicht hätte erhalten werden können, weshalb sie abgenommen wurde und seither im Treppenaufgang des Museums zu bewundern ist.

 

Newton Hansen, langjähriger Vorsitzender des Museumsvereins, stiftete dann die neue Galionsfigur, die von dem dänischen Holzbildhauer Povl Kjaer als Nachbildung erstellt worden ist. Diese neue Skulptur war mit Leinölfirnis bearbeitet worden, was dazu führte, dass nach wenigen Jahren der Schmutz nicht mehr entfernt werden konnte. Die Figur bekam ein schwarzes Gesicht und sah sehr unschön aus. Über die Midlumer Restauratorin Birgit Hölzer konnte schließlich ein Kontakt zum Ehepaar Birgit und Claus Hartmann hergestellt werden. Die beiden haben sich auf der Weserinsel Harriersand als Schiffbildhauer niedergelassen und inzwischen fast 40 Galionsfiguren für Segelschiffe und Yachten hergestellt, sowie zahlreiche Figuren restauriert. Hier war die fast 85 Kilogramm wiegende Wyker Figur in besten Händen und wurde aufwändig restauriert. Die alte Farbe wurde komplett abgeschliffen. Die Risse wurden dann mit Mehl aus Eichenholzstaub, das mit Polyurethanharz vermischt wurde, verspachtelt. Danach wurde die Figur fünf Mal grundiert, damit das Holz auch in der Tiefe konserviert wird. Dann erst wurde die Farbe, die nicht „knallig“ werden sollte, in drei Lagen aufgebracht. Abschließend wurde die Figur dann mehrmals mit Klarlack gestrichen. Damit sollen die Farben vor Seewasser und UV-Licht geschützt werden. Die ganze Prozedur, die vom Museumsverein und der Eilun-Feer-Stiftung bezahlt wurde, zog sich über ein halbes Jahr hin. Doch nun hat die neue Galionsfigur ihren alten Platz wieder bezogen.

Das Original ist im Treppenaufgang zu bewundern.

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