Auswanderer - Hoffnung auf ein besseres Leben

lm 19. Jahrhundert wurde Bremerhaven zum wichtigsten europäischen Auswanderungshafen. Politische Unruhen, Unterdrückung, Hungerkrisen und wirtschaftliche Not verursachten massenhafte Migrationsbewegungen.

 

Denkmal "Die Auswanderer"

 

Der Vater hält den Sohn an einer Hand, die andere streckt er nach vorn, der Ferne entgegen. Während Vater und Sohn nach vorn blicken, wenden Mutter und Tochter den Blick zurück.

 

Das Denkmal „Die Auswanderer" wurde am 05.07.1986 am Weserdeich südlich der Kaiserschleuse eingeweiht. Die initiative, den deutschstämmigen US-Amerikanern ein Denkmal zur Erinnerung an die ehemalige Heimat zu setzen, kam Mitte der 1970er-Jahre von der German-American Memorial Association. Sie warb über Heimatvereine und mit der Unterstützung von Bremerhavener Unternehmen die finanziellen Mittel für die Realisierung ein. Die Enthüllung des Denkmals fiel zusammen mit dem 100-jährigen Jubiläum und der Wiedereröffnungsfeier der restaurierten Freiheitsstatue bei New York. 2008 wurde das Denkmal aufgrund von Baumaßnahmen an den Willy-Brandt-Platz verlegt.

 
Das Denkmal zeigt eine vierköpfige Auswandererfamilie. Sie wurde in der „Modern Art Foundry" in New York in Bronze gegossen und steht auf einem rosafarbenen Quader aus Granit. Der über sechs Meter hohe Entwurf stammt von dem ungarisch-amerikanischen Bildhauer Frank Varga. lm Juli 1986 wurde das Denkmal aufgestellt. Die bronzene Figurengruppe wurde mit einem Kran angehoben und positioniert. 

Ich halte mich an Mutters Rock fest, weil alles um mich herum so groß ist.

Männer rufen, Kisten krachen auf den Boden, Möwen schreien.

Der Wind riecht nach Salz und etwas Bitterem, das ich nicht kenne.

Vater sagt, ich soll gut aufpassen, aber ich kann kaum hören,

was er meint, weil überall Stimmen durcheinanderreden.

Ich sehe das Wasser zwischen den Planken der Kaje glitzern.

Es sieht kalt aus. Ich frage mich, ob es uns verschlucken könnte.

Mutter drückt meine Hand, als wüsste sie genau, was ich denke.

140 Jahre lang hieß Bremerhaven auch die "Stadt des Abschieds": Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven ist ein Museum in Bremerhaven, Columbusstraße 65. Bei Eröffnung war es das erste Museum in Deutschland, das sich dem Thema Migration widmete. Am historischen Standort gelegen – zwischen 1830 und 1874 war Bremerhaven der größte Auswandererhafen Kontinentaleuropas – präsentiert das preisgekrönte Erlebnismuseum inmitten detailgetreu rekonstruierter Ausstellungsräume und anhand realer Familiengeschichten sowohl die europäische Auswanderung nach Übersee als auch 330 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland. Das Museum verfügt über eine Sammlung zur Biographie-, Alltags- und Mentalitätsgeschichte von Migration seit dem 17. Jahrhundert. Neben der Dauerausstellung verfügt das Deutsche Auswandererhaus über die Möglichkeit zur Familienrecherche, ein Kino, das Studio Migration, in dem Besucherumfragen zu den Themen Migration und Integration durchgeführt werden, ein Aufnahmestudio und eine Museumsgastronomie.

Vorgeschichte

Engagierte Bürger Bremerhavens setzten sich ab den späten 1970er Jahren dafür ein, in der Seestadt ein Museum zu errichten, das sich dem für ihre Stadtgeschichte wichtigen Kapitel der historischen Auswanderung widmen sollte. Besonders der 1985 gegründete „Förderverein Deutsches Auswanderermuseum“ und der 1998 gegründete „Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung“ engagierten sich für die Errichtung eines solchen Hauses. Aus ihnen sind der Freundeskreis Deutsches Auswandererhaus e.V. und der „Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus“ hervorgegangen.

 

Eröffnung und Erweiterung

Das Museum wurde am 8. August 2005 eröffnet. Es liegt am 1852 eröffneten Neuen Hafen im Gebiet der Havenwelten Bremerhaven – nahe zum Zoo am Meer, dem Deutschen Schifffahrtsmuseum und dem 2009 eröffneten Klimahaus. Der Entwurf für das Museum mit einer Gesamtfläche von 5.451 Quadratmetern stammt vom Hamburger Architekturbüro Andreas Heller Architects & Designers. Im April 2012 wurde das Deutsche Auswandererhaus um einen zweiten Ausstellungskomplex erweitert, in dem über 300 Jahre Einwanderungs-Geschichte nach Deutschland präsentiert werden. Auch der erste Ausstellungsteil – zur Auswanderungs-Geschichte – wurde in diesem Zusammenhang um den Aspekt der deutschen Einwanderung in die USA seit 1683 erweitert.

 

Realisierung

Konzipiert wurde das Deutsche Auswandererhaus als Private-Public-Partnership-Projekt. Die Finanzierung des Haupthauses (2005) erfolgte durch Mittel des Landes Bremen und der Stadt Bremerhaven. Die finanziellen Mittel für den Erweiterungsbau (2012) und den teilweisen Umbau des Haupthauses wurden vom Bund, dem Land Bremen mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie von der Betreibergesellschaft aufgebracht. Die Stadt Bremerhaven stellte das Grundstück zur Verfügung. Betrieben wird das gemeinnützig geführte Museum von der Deutsches Auswandererhaus gemeinnützige GmbH.

Das Deutsche Auswandererhaus wurde 2005 eröffnet. Die Architektur des Hauptgebäudes versucht, die Thematik des Museums widerzuspiegeln. Auf einem ovalen Bau aus Sichtbeton steht ein kantiges Obergeschoss aus Holz. Die Fassade des Erweiterungsbaus zieren rund 100 Porträts von 31 Einwanderern, die als Beton-Reliefs angeordnet sind. Der auffällige Materialkontrast steht symbolisch für die gegensätzlichen Grundstimmungen von Migranten: Zuversicht auf der einen, Entbehrungen auf der anderen Seite. Große Betonschwingen stehen für Taschentücher, mit denen die Reisenden verabschiedet wurden.

 

Gedenksteine

Stolpersteine erinnern an die Auswanderer in die Neue Welt.

Rundgang durch das Museum

 
 

Los geht die zeitgeschichtliche Reise vor einem verschlossenen Tor, das an eine heutige Hafenszenerie erinnern soll. Die Tür öffnet sich automatisch und die Besucher finden sich in einer nachgebauten, verlassenen 3. Klasse-Wartehalle des Norddeutschen Lloyd, zurückversetzt ins 19. Jahrhundert. Zwischen einfachem Kachelofen und künstlich-schimmeligen Wänden führt eine abwechselnd deutschenglische Stimme aus dem Off in die Geschichte Bremerhavens, seines Hafens und der Auswanderung zwischen 1830 und 1974 ein. 

Warnung vor Bauernfängern, Kartenspielern und Taschendieben

Die Fahrt in die neue Heimat dauert in den Jahren rund 8 Tage. Die Menschen müssen für die Kosten ihre gesamten Ersparnisse einsetzen und dafür eine ziemlich grausige Überfahrt über den Atlantik in Kauf nehmen, zumeist irgendwo unter Deck im Dunkeln untergebracht, in einem Quartier ohne die nötige Hygiene, kein Arzt an Bord, es gibt kaum etwas zu essen, oft sind die Lebensmittel verdorben, das Trinkwasser ist knapp. Darüber hinaus müssen sie sich vor Taschendieben hüten, die Polizei warnt die Auswanderer eindringlich vor diesen Gefahren.

Warnung

Die Auswanderer werden vor Bauernfängern (namentlich Kartenspielern), Taschendieben und solchen Personen, die sich ihnen auf der Straße, in fremden Wirtschaften usw. zum Geldwechseln oder zum Ankauf von Schiffskarten aufdrängen, gewarnt. Auswanderer, die in irgend welche Schwierigkeiten gerathen oder Auskunft bedürfen, mögen sich sofort an den Wirth, bei welchem sie logieren, an das Nachweisungsbureau der Auswanderer am Bahnhof oder an das nächste Polizeibureau wenden.

Die Polizeidirektion

Warten auf die Reise ins Ungewisse ...

Eine weitere Tür öffnet sich, es geht eine Holztreppe hinauf und unvermittelt steht man an der »Kaje«, am Hafenbecken, aus dem die riesige Schiffswand des Dampfers »Lahn« emporragt, dem Herzstück der Ausstellung. Die Inszenierung ist in der Tat beeindruckend: Es ist dunkel, es weht ein kühler Wind (verursacht durch Ventilatoren, die diskret in Frachtkisten-Attrappen versteckt sind), Möwengeschrei und Hafengeräusche liegen in der Luft. Am Wasser, das tatsächlich durch den scheinbar unbegrenzten Raum fließt, steht eine Gruppe von lebensgroßen Puppen in historischen Kostümen aus verschieden Epochen: Männer, Frauen, Kinder, Auswanderer eben. Wer nah genug an sie herantritt oder sich zwischen sie stellt, kann Fetzen von eingespielten Gesprächen hören, die in verschiedenen Sprachen Erwartungen und Ängste der Aufbrechenden umkreisen. Was mag seinerzeit in ihren Köpfen vorgegangen sein?

Abschied an der Kaje

 

Der Morgen ist grau, der Wind schneidet durch den Mantel, und doch ist die Luft voller Bewegung. Menschen drängen sich an der Kaje, Koffer, Bündel, Körbe. Der Geruch von Kohle, Teer und Salz liegt schwer über allem.

„Jetzt ist es also so weit.“

Der Gedanke kommt immer wieder, während man versucht, die letzten Minuten auf deutschem Boden festzuhalten. Die Stimmen der Hafenarbeiter, das Rufen der Matrosen, das Schluchzen der Zurückbleibenden – alles verschwimmt zu einem einzigen, vibrierenden Klangteppich.

Man wagt kaum, sich umzudrehen.

Denn der Blick zurück bedeutet Schmerz.

Der Blick nach vorn: Ungewissheit.

Bevor Bremerhaven 1862 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, verbrachten die Auswandernden Tage bis Wochen in der Stadt und warteten auf ihr Schiff. Durch den Menschenstrom blühte der Handel auf; Häfen, Reedereien und Werften profitierten von der starken Nachfrage. 

Bedeutung der Bremerhavener Kaje für Auswanderer

Die Kaje war der letzte europäische Boden für Menschen, die aus wirtschaftlicher Not, politischer Verfolgung oder Hoffnung auf ein besseres Leben nach Nordamerika, Kanada, Brasilien oder Australien aufbrachen. Zwischen 1830 und 1974 verließen über 7 Millionen Menschen Bremerhaven.

 

Wesentliche Aspekte:

  • Abschiedsort — Hier verabschiedeten sich Familien oft für immer. Die Kaje war ein Ort intensiver Emotionen: Hoffnung, Angst, Aufbruchsstimmung.

  • Kontroll- und Einschiffungsbereich — Medizinische Untersuchungen, Gepäckkontrollen und Wartehallen prägten den Ablauf.

  • Symbol des Übergangs — Die Kaje markierte die Schwelle zwischen alter und neuer Welt; viele Berichte beschreiben das Gefühl, „zwischen zwei Leben“ zu stehen.

Besucher der multimedialen und interaktiven Ausstellung tauchen ein in die damaligen Lebensumstände der Auswanderer und werden Teil einer Inszenierung, die die Reise der Auswanderer ins Ungewisse nachstellt. Von der Wartehalle über den Abschied am Kai, die Überfahrt auf vollen Schiffen bis zur Ankunft in New York und dem Leben in Amerika stellt das Museum verschiedene Szenarien originalgetreu nach.

 

Im Deutschen Auswandererhaus ist die Szene „An der Kaje“ rekonstruiert: enge Kojen, Gepäck, Hafenlärm, der Geruch von Teer und Salz, die Ungewissheit der Überfahrt. Besucher erleben dort, wie sich Auswanderer kurz vor dem Betreten des Schiffes fühlten.

 

Typische Elemente dieser Szenerie:

  • Menschen mit wenigen Habseligkeiten, oft nur einem Koffer.

  • Hafenarbeiter, Seeleute, Beamte.

  • Dampfschiffe, deren Schornsteine und Takelage den Himmel dominierten.

  • Gedränge, Rufe, Abschiedsszenen.

Handgepäck ...

Hoffnung auf ein besseres Leben: lm 19. Jahrhundert wurde Bremerhaven zum wichtigsten europäischen Auswanderungshafen. Politische Unruhen, Unterdrückung, Hungerkrisen und wirtschaftliche Not verursachten massenhafte Migrationsbewegungen. Tausende brachen über Bremerhaven in die Neue Welt auf und erhofften sich vor allem in Nordamerika ein neues, besseres Leben. Die Abschiede waren schwer; oft lag vor den Auswandernden eine große Ungewissheit, zudem war die Überfahrt lang und gefährlich. Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte eine Fahrt von Bremerhaven nach New York bei guter Wetterlage bis zu fünf Wochen - bei schlechtem Wetter noch weitaus länger. Untergebracht in engen, voll belegten Verschlägen unter Deck, ohne Frischluftzufuhr oder Tageslicht und bei schlechter Ernährung waren die hygienischen Verhältnisse katastrophal. Krankheiten waren an der Tagesordnung, nicht alle überlebten die Reise.

Überfahrt

An Bord – der erste Schritt in ein neues Leben

 

Die Gangway schwankt leicht.

Mit jedem Schritt knarrt das Holz, und das Herz schlägt schneller.

Unten im Zwischendeck riecht es nach feuchtem Holz, Menschen, Gepäck.

Die Luft ist warm und schwer. Die Kojen sind eng, kaum mehr als ein Brett mit Stroh.

Man verstaut das Wenige, das man besitzt, und versucht, sich zu orientieren.

Ein Kind weint. Jemand betet. Ein anderer flucht leise.

Und doch liegt über allem ein Funken Hoffnung: „Wir schaffen das.“

Auf einen Raum mit Schiffsmodellen (gerahmt von den unvermeidlichen Koffer-Bergen) folgen Rekonstruktionen der Schlaf-, Wasch- und Aufenthaltsräume dreier Schiffe (Puppen-Migranten inklusive): eines Seglers von 1854, eines Schnelldampfers von 1887 und eines Liners von 1929. Schubladen, Bullaugen und selbst Waschtröge enthalten Objekte, Bilder und Texte zu den Bedingungen an Bord. Bei aller Originalität im Detail, fällt es dabei schwer, die Abfolge der Räume mit der augenscheinlichen Verbesserung in Hygiene und Komfort nicht als eindimensionale Fortschrittsgeschichte zu lesen, die sich auch dem Blick auf das Gesamtphänomen der Migration im historischen Verlauf einschreibt.

Schon die Fahrt in die neue Welt konnte gefährlich und entbehrungsreich sein: In den billigen Klassen auf den Zwischendecks werden die Menschen in großen Schlafsälen zusammengepfercht. Die sanitären Bedingungen sind teilweise miserabel. Viele der Auswanderer sind noch nie auf einem größeren Schiff gewesen und werden seekrank. 

 
 

Enge und wenig Komfort: Auf den Dampfern reisten viele Auswanderer in Großkabinen.

 
 

Die ersten Tage auf See

 

Der Hafen verschwindet hinter einer grauen Wand aus Nebel und Rauch.

Das Schiff rollt, und der Magen rebelliert.

Viele liegen seekrank in ihren Kojen, andere klammern sich an die Reling,

um frische Luft zu bekommen.

 

Der Alltag stellt sich ein: dünne Suppe, Brot, manchmal Kartoffeln, 

Wasser, das abgestanden schmeckt, Gespräche über das, was man zurückließ,

Geschichten über das, was kommen soll.

 

Man lernt die Gesichter um sich herum kennen. Bauern, Handwerker,

Dienstmädchen, ganze Familien.

Alle mit demselben Ziel: ein Leben, das mehr verspricht als das alte.

Der "Speise-Saal" ...

Stürme und Nächte voller Angst

 

Wenn der Wind aufkommt, verändert sich alles.

Das Schiff ächzt, die Planken knarren,

und das Zwischendeck wird zum dunklen Bauch eines Ungeheuers.

„Hält das Schiff? Hält unser Mut?“

Man hört das Krachen der Wellen, das Poltern der losgerissenen Kisten.

Manche beten laut, andere schweigen.

Die Kinder klammern sich an ihre Mütter.

Und doch: Jeder überstandene Sturm stärkt den Glauben, dass man es schaffen kann.

Der "Hygiene-Bereich" ...

 
 

Museums-Impressionen

Historische Landkarten, viele Hörstationen und gemütliche Sitzmöglichkeiten runden diesen Ausstellungsteil ab. Das Stöbern hier macht Spass und benötigt Zeit zum Entdecken.

In Tausenden mit Namen versehenen Schubladen verbergen sich Briefe, Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke, die auch darüber Auskunft geben, ob die Menschen Europa freiwillig verließen und ob sie später das Heimweh packte.

In der "Galerie der 7 Millionen" sind die Biografien von Auswanderern hinterlegt - von manchen nur Name und Ausreisetag, von anderen ganze Lebens-Geschichten. Im gesamten Museum gibt es "Critical Thinking Stations", die Besucher mit gezielten Fragen zum Nachdenken über das Thema der jeweiligen Ausstellungsetappe anregen sollen.

 
 

Der Moment der Hoffnung – Land in Sicht

 

Nach Wochen auf See kommt der Ruf, den alle herbeigesehnt haben:

„Land!“

Menschen drängen an Deck. Die Luft riecht anders –

nach Erde, nach Wald, nach etwas Neuem.

Die Silhouette der Küste erscheint, erst ein Schatten, dann klarer.

Tränen fließen. Fremde fallen sich in die Arme.

Man spürt, wie sich etwas löst – die Angst, die Enge, die Zweifel.

„Wir sind angekommen. Jetzt beginnt unser neues Leben.“

Ankunft ... Aufnahme oder Rückreise?

Bei der Ankunft in Amerika werden sie in die "eisernen Käfige" der Einwande­rerstation Ellis Island vor Manhattan entlassen. 16,5 Millionen Menschen passierten die zur Quarantänestation ausgebaute Insel vor der Stadt. Nach einer medizinischen Untersuchung und einer Befragung durch Inspektoren entschied sich dort, wer einreisen durfte und wer zurückgeschickt wurde.

Die Simulation der Einwanderer-Kontrollstation ist aufwändig gestaltet, die Gänge wie im Original gefliest, Graffiti an den Wänden. Im Hauptraum stehen Gitter, in Anlehnung an die Absperrungen, die auf Ellis Island eine kurze Zeit lang die Masse der Ankommenden kanalisieren sollten. Der Kontrollprozess wird an Audio-Stationen detailliert geschildert. Ellis Island war 32 Jahre (1892–1924) als Kontrollstation für Einwanderer zuständig.

Wir gehen durch ein großes Gebäude, in dem viele Menschen warten.

Es riecht nach Papier, Tinte und nassen Mänteln.

Ein Mann mit einem Bart stellt Vater Fragen, die ich nicht verstehe.

Vater antwortet langsam, als hätte er die Sätze vorher geübt.

 

Der erste Schritt in das neue Leben

 

Draußen ist der Himmel heller als auf dem Meer.

Kutschen fahren vorbei, Menschen reden in Sprachen, die ich noch nie gehört habe.

Alles bewegt sich schnell, als wäre die ganze Stadt in Eile.

Ich halte mich an Mutter und Vater fest, aber ich schaue überall hin: auf die hohen Häuser, die breiten Straßen, die Schilder, die ich nicht lesen kann.

Ich frage: „Sind wir jetzt in Amerika?“

Vater kniet sich zu mir und sagt:

„Ja. Und jetzt fangen wir neu an.“

Ich schaue auf die Straße, auf die Menschen, auf die Häuser, und denke:

 

Vielleicht beginnt das neue Leben genau hier, wo ich gerade stehe.

"Delis"

Ich halte Vaters Hand, während wir durch die laute Straße gehen. Alles ist größer als zu Hause: die Häuser, die Stimmen, sogar die Pferde vor den Wagen. Menschen reden in Sprachen, die ich nicht kenne, und manche reden so schnell Englisch, dass es wie ein Lied klingt, das ich nicht mitsingen kann. Dann bleibt Vater stehen. Über der Tür eines kleinen Ladens hängt ein Schild, auf dem ich nur ein Wort lesen kann: Delicatessen. Das kenne ich. Das ist ein deutsches Wort. Mein Herz schlägt schneller. „Komm“, sagt Vater. „Hier wirst du etwas wiedererkennen.“ Als wir die Tür öffnen, klingelt eine kleine Glocke. Der Laden ist warm, und es riecht nach Brot, nach Gewürzen, nach etwas Saurem, das mich an Großmutters Küche erinnert. Ich schließe kurz die Augen, weil es sich anfühlt, als wäre ein Stück von zu Hause mit uns über den Ozean gereist. Hinter der Theke steht ein Mann mit Schürze. Er spricht Deutsch – ein anderes Deutsch als wir, aber ich verstehe ihn. Er lacht, als er uns sieht, und sagt: „Neu angekommen? Willkommen in Amerika.“ Ich drücke mich an Mutter, aber ich lächle. Auf der Theke stehen Gläser mit Gurken, die so groß sind wie mein Unterarm. Daneben liegen Brote, die dunkler sind als die bei uns. Und Fleisch – so viel Fleisch, dass ich nicht weiß, wie man das alles essen soll. Ich zeige auf ein rundes Gebäck mit einem Loch in der Mitte. „Das ist ein Bagel“, sagt der Mann. „Den essen hier alle.“ Ich frage: „Warum hat er ein Loch?“ Er lacht. „Damit er nicht wegläuft.“ Ich weiß, dass das nicht stimmt, aber ich lache trotzdem. Vater kauft ein Sandwich. Es ist warm und riecht nach Pfeffer und etwas Rauchigem. Ich nehme einen Bissen und muss die Augen schließen, weil es so anders schmeckt als alles, was ich kenne – und doch irgendwie vertraut. Mutter sagt leise: „Es ist nicht wie zu Hause, aber es ist gut.“ Vater nickt. „So fängt es an.“ Ich weiß nicht genau, was er meint, aber ich spüre, dass dieser Laden wichtig ist. Nicht nur, weil es hier gutes Essen gibt, sondern weil die Menschen hier uns ansehen, als wären wir nicht fremd. Als wir wieder auf die Straße treten, ist die Stadt immer noch laut und groß und ein bisschen beängstigend. Aber ich halte die Papiertüte mit dem warmen Brot fest und denke: Vielleicht kann man ein neues Zuhause finden, wenn man etwas hat, das nach dem alten schmeckt. Und zum ersten Mal seit der Überfahrt fühlt sich Amerika nicht nur wie ein Ort an, an dem wir gelandet sind – sondern wie ein Ort, an dem wir bleiben könnten.

Die Auswanderer kommender Generationen gingen an die Ostküste und arbeiteten vornehmlich in den so genannten Delicatessen Stores, kurz „Delis“, in denen Feinkostwaren und vor allem Sandwiches und Salate „to go“, also zum Mitnehmen, verkauft wurden. Die Rezepte stammten oft aus ihrer alten Heimat. Neuankömmlingen wurde von bereits ausgewanderten Insulanern schnell ein Arbeitsplatz vermittelt und Englisch lernte man nebenbei, bei der Arbeit. Die Arbeit war hart und konnte bis zu 16 Stunden am Tag dauern. Freie Tage waren selten. Doch wenn man genug Geld zusammengebracht hatte, hatte man die Möglichkeit, sich selbst in einen „Deli“ einzukaufen oder – besser noch – den eigenen „Deli“ zu eröffnen.

ZUSAMMENLEBEN

IN DER EINWANDERUNGS - GESELLSCHAFT

 

Heimatliches Essen bringt Erinnerungen zurück und bietet Gewohntes in neuer Umgebung. Ein Grund, warum das Konzept der Delicatessen-Geschäfte (kurz: Deli) in New York in den migrantischen Vierteln erfolgreich ist. Der Ausstellungsraum ist der Nachbau eines Geschäfts aus den frühen 1960er Jahren. Das von Föhr in die USA eingewanderte Ehepaar Inge und Hinrich Carstensen vertreibt hier zusätzlich zu amerikanischen Produkten auch aus Deutschland importierte Lebensmittel und selbsthergestellte Gerichte, wie etwa deutschen Kartoffelsalat. Zusätzlich können im Deli Geschichten von Menschen entdeckt werden, die sich wie die Carstensens in ihrer neuen Heimat selbstständig machen oder wie diese nach einigen Jahren nach Europa zurückkehren.

Ohne Fleiß kein Preis. Der amerikanische Traum wurde nur für jene wahr, die bereit waren, sich zu schinden. Von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends schufteten sie Tag für Tag in ihren "Delis". Angestellte hatten sonntags frei, Ladenbesitzer meistens nicht. Doch die Mühe lohnte sich, denn die meisten Auswanderer kehrten ohnehin nach ein paar Jahren harter Arbeit zurück nach Hause, um dort mit dem sauer verdienten Vermögen ein sorgenfreies Leben zu führen.

 
 

Arbeit in der Näherei

Ich dachte, Amerika wäre groß und hell und voller neuer Dinge. Aber der Raum, in dem ich jetzt stehe, ist klein und dunkel. Die Fenster sind hoch oben, und das Licht kommt nur in dünnen Streifen herein, als wäre es müde. Die Maschinen sind laut. Sie klappern und rattern, als würden sie miteinander streiten. Der Boden vibriert ein bisschen, und manchmal zucke ich zusammen, wenn eine Nadel bricht und ein kurzes, scharfes Geräusch macht. Mutter arbeitet hier. Und heute soll ich helfen.

 

Was ein Kind tun kann

 

Ich bin nicht groß genug, um an den Maschinen zu sitzen. Aber ich kann Fäden sortieren, Stoffreste aufheben, Knöpfe in kleine Schalen legen. Der Vorarbeiter sagt, ich sei flink. Ich weiß nicht, ob das ein Kompliment ist oder nur bedeutet, dass ich schneller arbeiten soll. Ich mag die Stoffe. Manche sind weich wie die Decke, die ich zu Hause hatte. Andere kratzen. Wenn ich sie anfasse, stelle ich mir vor, wer sie später tragen wird. Vielleicht ein Mädchen wie ich. Vielleicht jemand, der nie weiß, dass ich den Knopf für sein Kleid sortiert habe.

 

Die Frauen und ihre Stimmen

 

Die Frauen reden viel, während sie nähen. Sie reden über ihre Heimat, über Kinder, die noch in Europa sind, über Männer, die Arbeit suchen. Manchmal lachen sie, aber das Lachen klingt müde. Eine Frau singt leise ein Lied, das ich kenne. Ein deutsches Lied. Ich summe mit, und sie lächelt mich an, ohne aufzuhören zu nähen. Ich merke, dass die Frauen hier zusammenhalten. Vielleicht, weil die Arbeit schwer ist. Vielleicht, weil sie alle etwas verloren haben.

 

Der Lohn und das Gefühl, gebraucht zu werden

 

Am Ende des Tages bekommt Mutter ein paar Münzen. Sie legt sie in ihre Schürzentasche und streicht mir über den Kopf. „Du hast gut geholfen“, sagt sie. Ich bin stolz, aber auch müde. Meine Finger riechen nach Stoff und Staub. Ich frage: „Muss ich morgen wieder mitkommen?“ Mutter zögert. Dann nickt sie. „Nur so lange, bis wir etwas Besseres finden.“ Ich weiß nicht, was „etwas Besseres“ ist. Aber ich hoffe, es ist ein Ort, an dem es nicht so laut ist.

 

Ein neuer Alltag

 

Nach ein paar Tagen kenne ich die Geräusche der Maschinen. Ich weiß, wann eine Naht sauber ist und wann sie schief wird. Ich weiß, wie man Fäden entwirrt, ohne dass sie reißen. Ich weiß, wie man still arbeitet, wenn der Vorarbeiter vorbeigeht. Manchmal stelle ich mir vor, dass wir irgendwann genug Geld haben, damit Mutter nicht mehr hier arbeiten muss. Vielleicht haben wir dann einen eigenen Laden. Oder ein kleines Haus. Oder einfach nur einen Tisch, an dem wir zusammen essen können, ohne dass der Lärm der Maschinen in meinen Ohren nachklingt.

 

Ein Gedanke, der bleibt

 

Ich bin ein Kind, aber ich arbeite wie eine Erwachsene. Und doch spüre ich, dass diese Arbeit uns irgendwohin führt. Nicht heute, nicht morgen – aber irgendwann. Vielleicht ist das Amerika: ein Ort, an dem man hart arbeitet, damit es später besser wird. Ich hoffe nur, dass „später“ bald kommt.

Die Geschichte der erfolgreichen Weltmarke SINGER

 

1851 erblickte die erste Singer Nähmaschine das Licht der großen, weiten Welt. Isaac Merritt Singer (geboren am 26.10.1811 in Schaghticoke, New York, USA), war der jüngste Sohn und das achte Kind von Adam Singer und Ruth Benson. Mit 19 Jahren (1830) wurde Singer Lehrlingsmaschinist. Er verließ jedoch diese Beschäftigung schon nach vier Monaten und entdeckte eine wichtige Liebe in seinem Leben, das Theater. Neun Jahre lang durchstreifte Singer als Schauspieler, meist in kleinen Nebenrollen, die USA. 1851, in nur 11 Tagen mit einem geborgten Kapital von 40,- Dollar für die Materialkosten, konstruierte Singer seine Erfindung: die erste praktische Nähmaschine der Welt, "Singer's Nr. 1". Singer meldete die Maschine zum Patent an und es wurde am 12. August 1851 unter der Nummer 8294 ausgestellt. 

Am selben Tag gründete Isaac Merritt Singer die "I. M. Singer Company" in Boston, nachdem Singer sich 700,- Dollar von einem Freund geborgt hatte. Eine Produktionsanlage entstand 1853 in New York City. Hier verkauft Singer die erste Singer Nähmaschine für 100,- Dollar. Singer entwarf den Ratenkaufplan, den Prototyp für Ratenzahlungskäufe bzw. die Zeitzahlungserwerbe. Infolgedessen konnten Einzelpersonen mit geringem Einkommen eine Singer-Nähmaschine kaufen. 1857 bezog die Singer Firmenleitung ihr neues "Hauptquartier" am Broadway 458. Im Jahre 1858 eröffnete die "Singer Manufacturing Company" drei weitere Produktionsanlagen in New York. Erstmals wurden im Jahr über 3.000 Nähmaschinen produziert. Im Jahre 1860 wurde die "Singer Manufacturing Company" gegründet, der weltweit größte Hersteller von Nähmaschinen. Weitere Fabrikgründungen in Übersee folgten: 1867 in Glasgow, Schottland, die später nach Clydebank bei Glasgow umzog, 1873 in Elisabethport (USA), 1902 in Podolsk (Russland), 1903 in Wittenberge (Deutschland) und 1904 in St. Johns (Kanada). Singer Nähmaschinen traten nun ihren Siegeszug in Europa an. Im Jahr 1863 besaß die "Singer Manufacturing Company" 20 Patente und ein Kapitalvermögen in Höhe von 550.000,- Dollar. 20.000 Nähmaschinen wurden damals jährlich verkauft.

Zum Tagesausklang noch einen "Sundowner" ...

Der Wind trug den Geruch von Sägemehl und Kohle über die Straße,

als die Männer die Tür der Spelunke aufstießen. Drinnen war es warm, stickig und vertraut.

Ein verstimmtes Klavier klimperte, jemand lachte zu laut,

und über allem lag der süßliche Duft von billigem Whiskey und Gin.

„Endlich Feierabend“, murmelte Johann und rieb sich die Hände.

„Wenn der Vorarbeiter noch einmal schreit, wandere ich gleich weiter nach Kalifornien.“

Die anderen lachten, bestellten Bier und ließen sich auf die wackligen Stühle fallen.

Für einen Moment war die Ferne nicht ganz so fern, und die neue Welt nicht ganz so fremd.

 
 

Aus Amerika brachten Föhrer Auswanderer den "Manhattan" mit zurück auf die Insel. Der gefiel den Friesen so gut, dass er noch heute traditionell bei jedem feierlichen Anlass getrunken wird. Der Föhrer Manhattan ist ein Cocktail mit den Grundzutaten Whiskey und Wermut. Je nach Geschmack werden noch weitere Zutaten wie ein Bitter oder ein Schuss Mineralwasser hinzugegeben. Leicht gekühlt und mit einer Cocktailkirsche wird er serviert.

 

„Einen Manhattan hat man als echter Föhrer immer im Haus. Man weiß ja nie…“

 

Beim Anstoßen wünscht man sich auf Friesisch: „Sünjhaid!“ (Gesundheit!)