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Jüdischer Friedhof in Witten (Ledderken)

Nach jüdischem Glauben ist eine Grabstätte ein „ewiges Haus“, eine „Stätte des Lebens“ und ein „guter Ort“, der für ewige Zeiten gesichert werden soll. Daher ist das Tor zum Friedhof grundsätzlich verschlossen.

 
 

Grabsteine: Ida Rosenstein geb. Ostberg, Samuel Lindenbaum, ….Grünebaum, Jakob Rosenberg, Henriette…., Julia Harff geb. Bähr*, Berta Weiß geb. Kantrowitz 1843-1912**, Johanna und Max Cahn…

 

*„….Das Leben von Alfred Harff in Bochum: Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, der Geschäftsführer David Harff, wohnhaft zu Langendreer, Haus-Nummer 81, jüdischer Religion, und zeigte an, daß von der Julia Harff, geborenen Bähr, seiner Ehefrau, jüdischer Religion, wohnhaft bei ihm zu Langendreer in seiner Wohnung am dreiundzwanzigsten October tausend achthundert achtzig und acht, nachmittags um zehn Uhr ein Kind männlichen Geschlechts geboren worden sei, welches den Vornamen Alfred erhalten habe. Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben…..“
David Harff
Der Standesbeamte.

 

** In den Aufzeichnungen von "JewishGen" findet man Berta Weiss geb. KANDROWICZ genannt als Mutter von Meier Weiss, geb. 31.05.1876 in Breitenbach, verheiratet mit Fritze Weiss in der Hauptstr. 75 Witten, später Berlin. Fritze Weiss wurde am 08.01.1874 in Flatow geboren, sie starb am 15.02.1943 in Theresienstadt. Sie hatten 6 Kinder: Johanna (Blau), Paula (Steinlauf), Else (Hochstein), Auguste (Gross), Dora und Rosa. 

 

Gedenk-Stele auf dem jüdischen Friedhof

Seit dem 14. März 1993 steht eine steinerne Stele auf dem Jüdischen Friedhof am Ledderken. Sie erinnert mit der Nennung von 19 Konzentrationslagern an die Orte, in die auch Wittener Bürgerinnen und Bürger verschleppt wurden. Die Trauerstätte grenzt direkt an den Evangelischen Friedhof samt Schwesternfriedhof und an das Gelände des Diakoniewerkes Ruhr. Der Friedhof wurde einst von der ehemaligen Jüdischen Gemeinde zu Witten gekauft, nachdem der alte Begräbnisplatz auf dem Helenenberg nicht mehr erweitert werden konnte. Die noch vorhandenen alten Grabsteine mit zum Teil hebräischen Inschriften dokumentieren eine Jahrhundert alte mosaische Begräbnistradition. Sie gehören zu den letzten Zeugnissen jüdischen Lebens in Witten. Von 1893 bis 1941 wurden an diesem Ort 209 Personen beigesetzt. Im hinteren Teil befinden sich die nach 1945 angelegten Gräber, das bislang jüngste aus dem Jahr 1989. Einige der Gräber sind übrigens auch von Christen.

 
 

An die nationalsozialistische Verfolgungszeit und an die Menschen, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden, erinnern einige Familiengräber mit Inschriften wie „umgekommen in Auschwitz“. Seit 1962 ist der Jüdische Friedhof Ledderken im Besitz des Landesverbandes der Jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen-Lippe. Nach jüdischem Glauben ist eine Grabstätte ein „ewiges Haus“, eine „Stätte des Lebens“ und ein „guter Ort“, der für ewige Zeiten gesichert werden soll. Deshalb ist das Tor zum Friedhof grundsätzlich verschlossen und nur zu Führungen oder besonderen Anlässen zugänglich.

Am 15. März 1993, am Tag nach der Enthüllung dieser Stele, schrieb die WAZ: „Die Wittener, die an den Folgen der Zwangsarbeit, des Hungers, der Folter, der Kälte, der Seuchen gestorben sind oder in den Freitod getrieben wurden, haben keine Gräber.“ Der Gedenkstein jedoch erinnere seitdem stumm an sie. Im Beisein von der damaligen Stadtspitze, Bürgermeister Klaus Lohmann und Stadtdirektor Reinhard Wiederhold, sowie Regierungspräsident Richard Grünschläger sagte der Landesrabbiner Benyamin Zeew Barsilei bei der Weihung der Stele, dass die Geschehnisse von gestern uns auch heute noch berühren müssten. Als dienstältester deutscher Rabbiner starb er 2005 und wurde in Israel begraben.

 

 

◄ Amalie Blank geb. Aronheim

gest. 21.04.1884

 

Amalia Blank wurde 1855 in Hörde, Dortmund geboren und verstarb am 21. April 1884 im alter von 28-29 Jahren in Witten/Ruhr. Sie war die Ehefrau von Julius Blank, Mutter von Max Blank und Fritz Blank.

 

Julius Blank, geb. 1843 in Salzhemmendorf, Niedersachsen verstarb 1920 im Alter von 76-77 Jahren in Witten. Er war der Sohn von Gerson Baruch Blank und Johanna Blank, Vater von Alfred Blank, Dr. med. Walter Blank, Max Blank und Fritz Blank, Bruder von Georg (George) Blank, Mathilde Herzstein und Henrietta Herzstein.

 

Nach Amalie Blank war er mit Mathilde Ottilie Blank (1857–1921) verheiratet.

▲ Johanna Cahn geb. Meyberg
20.05.1870 – 20.09.1912

▲ Max Cahn
30.11.1863 – 22.11.1920

 

Zum Gedächtnis: Unter-Offz. Arthur Cahn

Ida Rosenstein geb. Ostberg
14.04.1850 - 07.07.1915

 

 ▲ Emilie Levy (geb. Levy-Fritzler), 25.10.1853 - 30.08.1933

 

Ehemann:
Gerson Levy 1842 - 1904

 

Kinder:
Julie 12.01.1879 - 03.10.1943 Theresienstadt
Ernst 18.03.1880 – xxxx
Alfred 18.01.1886 – xxxx
Otto xxxx- 1928

 
 
 

▲ Jakob Heilbronn 16.03.1838 - 23.05.1906 (war Pferdehändler in Witten) und ▲ Charlotte Sulzbach 22.03.1831 - 30.08.1906

Weitere Grabsteine der Familie:  ► Jüdischer Friehof an der Wasserstraße, Bochom-Wiemelhausen

 ▲ Samuel Wolfstein

22.11.1839 - 15.08.1901

 

Rosi Wolfstein wurde am 27. Mai 1888 in Witten geboren. Ihre Eltern waren Samuel und Klara Wolfstein, geb. Adler (1851-1938). Rosi hatte einen älteren Bruder Paul, eine ältere Schwester Wilhelmine Gisela und eine jüngere Schwester Bertha. Die sechsköpfige Familie lebte seit Ende des 19. Jahrhunderts in einem eigenen Haus in der Nordstraße 12 in Witten. Wolfsteins waren fromm und gläubig (Rosis Vater kandidierte beispielsweise einmal für den synagogalen Gemeindevorstand, allerdings erfolglos), aber auch patriotisch und kaisertreu. So starb der Bruder Paul 1914 an einer der Weltkriegsfronten. Die beiden (bürgerlich sozialisierten) Schwestern wurden zwischen 1942 und 1945 von den Nationalsozialisten in Auschwitz bzw. im Ghetto von Warschau ermordet. Nachdem Rosi Wolfstein 1905 frühzeitig ihre Ausbildung zur Kauffrau beenden konnte, fand sie in einer Möbelmanufaktur in Hagen ihren ersten Arbeitsplatz. Anschließend arbeitete sie als Haushälterin und Kindermädchen, trat1907 dem Frauen- und Arbeiterbildungsverein in Hagen und ein Jahr später der SPD bei. 1910 lernte sie Rosa Luxemburgkennen, die beiden wurden Freundinnen. Zwei Jahre später bestritten beide Frauen den Abschlusswahlkampf in der Reichshauptstadt und halfen beim Erzielen des fulminanten Wahlergebnisses von 34,8 %. Sie selbst durften aber, wie alle Frauen, noch nicht wählen oder gewählt werden. 1914 begann mit Beginn des Ersten Weltkrieges ein Sozialisierungsprozess, bei dem Rosi Wolfstein sukzessive nach links rückte. Von SPD über Spartakusbund zur USPD war ihr Weg gezeichnet von insgesamt drei mehrmonatigen Verhaftungen während des Krieges. 1918/19 war sie Gründungsmitglied der KPD. Rosi verstarb 1987, kurz vor ihrem 100. Geburtstag.

 

 Helene Rosenberg geb. Kugelmann

06.11.1847 – 29.11.1904

 

Ehemann: Kaufmann Selig Rosenberg
23.12.1842 Niedermeiser – 16.11.1928 Witten

Heirat: 06.11.1872

 

 

Kinder:
Jette Rosenberg
22.08.1873, Niedermeiser 

 

Selma Rosenberg
26.07.1875, Niedermeiser (Hessen) - ? Naharia Israel?

 

Max Moshe Rosenberg
Kaufmann in Duisburg
18.05.1877 in Niedermeiser/Hofgeismar - 
20.02.1962 in Argentinien (Köln ?)

 

Siegfried Rosenberg
10.10.1882 – 1961 Johannesburg, South Africa

Familiäre Vorgeschichte: Die Wolfsteins

Rosi Wolfsteins Familie mütterlicherseits, die Familie Adler, ist seit 1852 in Witten nachweisbar. Sie zogen zuvor aus dem pfälzischen Kusel in die Ruhrstadt. Ein Jahr zuvor war Clara Adler (1851–1931) dort als Tochter des Goldarbeiters Emanuel und der Rosa Adler, geb. Sulzbach, zur Welt gekommen. Im Jahr 1864 zogen Rosis Vater Samuel (1839–1901) und sein Bruder Sigismund Wolfstein, womöglich gemeinsam mit den Eltern Perle und Bertha Caroline Wolfstein, geb. Blum, von Körbecke im Kreis Warburg nach Witten an der Ruhr. Mit Samuel und Sigismund Wolfstein kamen zwei junge Juden aus dem ländlichen Westfalen ins Ruhrgebiet, das seit einiger Zeit wie ein Magnet für Arbeitssuchende wirkte. Doch wie sich bald zeigen sollte, würden weder die Brüder Wolfstein noch die Mehrheit der sonstigen Wittener Juden in den »spezifischen Erwerbsquellen des entstehenden Ruhrgebietes – der Montanindustrie –« nach einer Anstellung suchen. Denn »den meisten von ihnen gelang der wirtschaftliche Aufstieg in die Kaufmannsschicht«. Dies war eine Konsequenz jahrhundertelang andauernder Berufsverbote, zu denen im Besonderen das Handwerk zählte. Witten war eine überwiegend protestantische Stadt mit einer Gesellschaft, die politisch gesehen zum durchaus heterogenen (National-)Liberalismus tendierte. Am 27. Mai 1888 erblickte dort Rosalie, genannt Rosi, Wolfstein um ein Uhr mittags das Licht der Welt. Ihre Eltern waren der bereits erwähnte Kaufmann Samuel und seine Frau Clara Wolfstein. Sie war das dritte von insgesamt vier Kindern des Ehepaars. Ihr Bruder Paul Bernard wurde am 31. August 1885, ihre Schwestern Wilhelmine Gisella am 11. September 1886 und Bertha am 12. Januar 1891 geboren. In Körbecke und Warburg tauchten zeitgleich weitere Wolfsteins auf, die ebenfalls Träger der Vornamen Bertha, Paul, Rosi und Samuel waren. Aufgrund der Seltenheit des Familiennamens und der geografischen Nähe zum Herkunftsort Samuels ist eine direkte Verwandtschaft hier anzunehmen. Die Wolfsteins aus Bochum waren nachweislich Verwandte der Wittener. Bei der Geburt aller vier Kinder bewohnte die Familie das Haus Nr. 12 in der Wittener Poststraße. Samuels Bruder Sigismund wohnte fast nebenan, nämlich in der Poststraße 16. Doch noch im selben Jahr zog er nach Leipzig um, wo er in der Nordstraße 56 ein »Kohlengeschäft en gros« eröffnete. Ganz in der Nähe seines neuen Wohnortes lebte im Übrigen die Familie Frölich, damals noch in Neusellerhausen, einem Vorort der Großstadt, der aber am 1. Januar 1892 eingemeindet wurde. Es ist augenfällig, dass keines der Kinder im Hause Wolfstein einen biblischen Vornamen erhielt, Wilhelmine mutet sogar geradezu preußisch an. Dies ist sicherlich kein Zufall, hatte doch Jacob Ostwalds (1863–1910) paternalistische Prägung als Kantor der jüdischen Gemeinde großen Einfluss auf deren Mitglieder. So führte er in der Synagoge Deutsch als Liturgiesprache ein und empfahl den Gemeindemitgliedern, sich sprachlich, kleidungstechnisch und hinsichtlich äußerer Merkmale nicht als Juden zu erkennen zu geben. Dies hatte wiederum Auswirkungen auf die Namensgebung in den Familien. Samuel Wolfstein war praktizierendes Gemeindemitglied, mehr noch, von 1881 bis 1887 sogar stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde. Anschließend war er drei Jahre ohne Funktion, ehe er sich 1890 auf den Posten des Vorstands bewarb. Allerdings erhielt er nur vier Stimmen und wurde somit nicht gewählt. Ab 1892 gehörte er schließlich wieder in Stellvertretung dem Kultusvorstand an. In allen vier Geburtseinträgen seiner Kinder wird Samuel Wolfstein als »Kaufmann« aufgeführt, konkret arbeitete er für die Börse. Wie hoch die Courtage für seine Wertpapiertransaktionen war, ist nicht überliefert. Frank Ahland rechnete ihn zu den Besserverdienern Wittens, womit die gut situierte Mittelklasse gemeint ist. Er gehörte neben Samuel Buchthal, Ludwig Hanf und Ascher Löwenstein zu den vier der insgesamt 17 einkommensteuerpflichtigen Juden, die im neu erschlossenen Wittener »Hohenzollernviertel« ein Haus kaufen konnten. Das imposante Gebäude der Wolfsteins lag in der Nordstraße 12 in Witten, in dem die sechsköpfige Familie ab 1891 lebte. Welche Geldsumme die Familie für die Immobilie entrichten musste, ist nicht überliefert, jedoch zeigt sie eindeutig, dass es an Geld zunächst nicht mangelte. So verbrachte Rosi Wolfstein zuerst eine auf Wohlstand basierte, stabile Kindheit, die sich von derjenigen Paul Frölichs (ihres späteren Ehemanns) diametral unterschied. Clara Wolfstein war ebenfalls berufstätig; sie gab Musikunterricht. Einen weiteren Hinweis auf die finanziell stabile Lage der Familie liefert die Tatsache, dass das Ehepaar Wolfstein eine Haushälterin zur Entlastung einstellen konnte. Frau Winkelmann kümmerte sich also um die Mahlzeiten, die Reinigung der Wäsche und die allgemeine Ordnung innerhalb des Hauses. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine zusätzliche erwachsene Person in einem Haushalt auch einige Prägung auf dessen Kinder hatte, wie sich an Rosi Wolfsteins Berufswahl noch zeigen würde.

 

Quelle: Riccardo Altieri »Antifaschisten, das waren wir …« Rosi Wolfstein und Paul Frölich. Eine Doppelbiografie,
Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC 4.0

Eduard Löwenstein

 11.06.1873 - 07.10.1919

 

Hier ruht mein über alles geliebter Mann,
unser guter Vater
▲ SAMUEL LINDENBAUM
geb. 11. März 1842
gest. 09. Oktober 1914
Gerecht und gütig war sein Handeln,
Mühe und Arbeit für die Seinen

 
 
 
 

Hier ruht mein geliebter Gatte,
unser guter, treusorgender Vater
▲ MORITZ LINDENBAUM
geb. 21. Decbr. 1835
gest. 16. Januar 1906

 Hier ruht unsere geliebte Mutter,
▲ HENRIETTE LINDENBAUM
geb. Rosenthal
geb. 23. März 1843
gest. 24. Mai 1925

 
 

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