Wasserturm „Lanstroper Ei“ - das Fabergé-Ei vom Ruhrpott

 
 

Das Bild zeigt den weithin sichtbaren, 1904 von der Firma A. Klönne erbauten Wasserturm in Dortmund-Grevel - im Volksmund „Lanstroper Ei“ genannt. Er versorgte die heutigen Stadtteile Derne, Lanstrop, Grevel, Hostedde und Lünen. Die Gesamthöhe von 54,30 m ermöglichte die Trinkwasservorsorgung der höchsten Gebäude. Der Wasserturm "Lanstroper Ei" gilt als "Beispiel des funktionell ausgeprägten und nicht durch gestalterische Elemente kaschierten Industriebaues". Die vom Ingenieur Barkhausen um die Jahrhundertwende entwickelte Wasserkammer fasste bei einer Behälterhöhe von 18,30 m und einem Durchmesser von 14 m 2.000 Kubikmeter Wasser. Der Wasserturm nimmt „als vielleicht letzter Vertreter eines Barkhausen-Behälters mit Kugelboden ... einen wichtigen Platz ein“. Deshalb stand der Wasserturm schon 1980 unter Schutz. Dennoch richtete die damalige Eigentümerin Gelsenwasser AG einen Abbruchantrag an die Stadt Dortmund. Der 1980 durch eine Umstellung des Versorgungssystems stillgelegte Wasserturm war für die Gelsenwasser AG nutzlos geworden. Das Bauordnungsamt der Stadt Dortmund wies den Abbruchantrag mit Hinweis auf den Denkmalschutz ab, wogegen die Eigentümerin zunächst Widerspruch einlegte. Zwischenzeitlich aktivierte sich die Bevölkerung. Eine 8. Klasse der Hauptschule Lanstrop schrieb an die SPD-Fraktionsgeschäftsstelle, um den Abriss zu verhindern. Die Schüler begründeten ihre Initiative mit der ehemaligen lebensnotwendigen Funktion des Wasserturms; damit, dass der Turm beide Weltkriege überstanden hatte und mit seiner Bedeutung als Orientierungspunkt, Wahrzeichen und Heimatsymbol. In der Folge entfalteten die Schüler verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen. Vertreter des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalbehörde Dortmund und der Gelsenwasser AG bescheinigten dem Turm im November 1980 einen guten Erhaltungszustand mit geringen Korrosionsschäden. Die Gelsenwasser AG hielt jedoch wegen der Folgekosten, die sie als Eigentümerin zu tragen hatte, und der fehlenden Kontrolle über das Grundstück mit dem Wasserturm am Widerspruch fest.

Noch einmal meldete die Presse Anfang 1984 den drohenden Abbruch. Darauf meldete sich ein Interessent, der den Wasserturm zu Wohnzwecken umnutzen wollte. Der Interessent, ein Architekt, warf Fragen der Denkmalpflege auf, z. B. wegen der Anbringung von Fenstern. Inwieweit kann ein Wasserturm umgestaltet werden, damit die ursprüngliche Funktion ablesbar bleibt?

Seit 1985 will der Architekt das "Lanstroper Ei" mit öffentlichen Zuschüssen umbauen. Durch diese Privatinitiative eines Einzelnen bleibt der Wasserturm "Lanstroper Ei" als Wahrzeichen und Orientierungspunkt in Dortmund-Grevel erhalten.

 

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellt 2020 13.237 Euro für die Sanierung des "Lanstroper Ei" zur Verfügung. 

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