St. Johanniskirche, Nieblum / Föhr

Die Kirche St. Johannis lässt schon von außen ihre einschiffige Anlage über kreuzförmigem Grundriss erkennen. Zwischen das gestreckte Langhaus und den etwas schmaleren Chor mit Apsis wurde ein Querhaus eingezogen. Für eine Landkirche ist dies ungewöhnlich. Der Turm im Westen scheint für die Größe der Kirche fast klein geraten. Im Inneren ist durch einen Chorbogen deutlich die Trennung zwischen Langhaus und Vierung und Chor zu erkennen. Während das Langhaus mit einer Holzdecke abgeschlossen ist, finden sich in den östlichen Teilen Gewölbe.

 

Die Kirche ist das Ergebnis einer deutlichen Erweiterung eines Vorgängerbaus, die im frühen 13. Jahrhundert begann. Wie die anderen beiden Föhringer Pfarrkirchen (St. Nikolai in Boldixum und St. Laurentii in Süderende) wurde St. Johannis 1240 erstmals erwähnt. Sie war die Hauptpfarrkirche von Föhr und Amrum. Möglicherweise war sie im 12./13. Jahrhundert Sitz eines Bistums names Frisia - daher auch die Bezeichnung als "Friesendom".

---dreieck Hier streckt sich der sogenannte „Friesendom“ in den Wolkenhimmel, ein Backsteinbau namens St. Johannis, eine dieser Kuschelkirchen, die sich wie ein Kokon anfühlen, sobald man sie betritt.

---dreieck Wie ihr Dorf haben die Nieblumer auch ihre Kirche, die wegen der exponierten Lage auf einer leichten Anhöhe den rauen Nordseestürmen ausgesetzt ist, stets gepflegt. Doch sparsam, wie sie waren, nahmen sie immer die Backsteine, die sie gerade zur Verfügung hatten. So findet man heute im Mauerwerk eine bunte Mischung von etwa 30 Steinarten, die sich in Format und Festigkeit unterscheiden.

 

 

---dreieck Die Fenster auf der Südseite des Kirchenbaus wurden in späterer Zeit vergrößert, um mehr Licht in die Kirchenräume zu lassen. Die Fenster auf der Nordseite der Kirche wurden verkleinert und verringert. Die Fenster der Kirche sind durchgängig spitzbogig, was einen gotischen Einfluß auf die vorgenommenen Umbaumaßnahmen des ausgehenden Mittelalters bezeugt.
Die St. Johannis Kirche öffnet sich mit zwei erhaltenen Ein-und Ausgängen auf der Südseite zur Gemeinde hin. Das Süderportal der Kirche befindet sich im letzten Drittel des Langhauses. Das ehemalige gegenüberliegende Norderportal existiert leider nicht mehr. Am südlichen Ende des Querhauses dieser Kirche ist ein weiterer Eingang in einen barocken Vorbau, der sich unter einer von 1688 über der Tür angebrachten Sonnenuhr befindet. Die an der Nordseite des Chors angebaute Sakristei stammt aus spätgotischer Zeit. 

---dreieck Der 32 Meter hohe Kirchturm, mit dessen Bau im frühen 13. Jahrhundert begonnen wurde, war ursprünglich außenseitig optisch aufwendig gegliedert, bei späteren Restaurierungen wurden dann die gliedernden Eckwandstreifen und Spitzbögen verblendet. Der Kirchturm ist ursprünglicher Bestandteil der Kirche und wurde zusammen mit der Kirche erbaut. Dies steht im Gegensatz zu den beiden Schwesterkirchen der Insel Föhr in Boldixum und Süderende, deren Türme späteren Epochen zugeordnet werden. Die Mauern des Kirchturms sind aus Tuffstein, einem porösen vulkanischem Material aus der Eifelregion, die nach außen mit Backsteinen verblendet wurden. Die Mauern des Turms sind auf Erdniveau ca. 2,5 m stark, in Höhe des Satteldaches messen die Mauern noch ca. 1,80 m Wandstärke.

Innnenausstattung

---dreieck Ungefähr dort, wo im Eingangsbereich heute der große Tisch steht, stand früher der Taufstein. So wie die Taufe der Eingang war in die Gemeinschaft der Heiligen, so kam niemand ungetauft am Taufstein vorbei und in die Kirche hinein.

Vorraum

---dreieck Die Sanierung des Vorraums (hier ein älters Bild) ist 2018 fast abgeschlossen. Was noch fehlt, sind Galerieleisten, um die Bilder wieder aufzuhängen. Sie sollen angebracht werden, sobald der Vorraum durch die Firma Emil Junge mit einem Kalkanstrich versehen worden ist. Der Vorraum leidet unter demselben Problem wie die gesamte Kirche: Die hohe Luftfeuchtigkeit schlägt sich an den Ziegelsteinen nieder. Wenn im Winter geheizt wird, bilden sich Salzkristalle, die den Anstrich nach und nach absprengen. Das ist ungefährlich, sieht aber nicht schön aus. Deshalb werden jetzt auch im südlichen Querschiff die Farbreste abgetragen und durch einen Kalkanstrich ersetzt. Dieser Anstrich atmet besser und rieselt weniger.

Konfirmation in der Nieblumer Kirche

Ein besonderes Highlight: Hier finden Konzerte bei Kerzenschein statt. Die Orgelpianistin begrüßt jeden Einzelnen schon im Foyer, hält noch eine kleine Rede zur Erläuterung der ausgewählten „Tänze und Toccaten“. Eine ebenso wilde wie durchdachte Mischung. Es überrascht mich, wie vielseitig so eine Orgel klingt. Leicht, geradezu hüpfend und verspielt, herausfordernd, temperamentvoll, komplex, grollend und anspruchsvoll. Was natürlich auch an den ausgewählten Stücken von Bach bis Piazzolla liegt. Eine musikalische Reise. Vor allem der Argentinier tritt aufregend exotisch in die Nieblumer Kirche. Tango auf der Insel im Wattenmeer. Er führt dich in eine rauchige Hafenbar am Rio de la Plata. In eine der zahlreichen Milongas von Buenos Aires. Noch eine Toccata von Boellmann, und alle kehren zurück ins Hier und Jetzt. Mit strahlenden Augen applaudieren sie der Musikerin und gehen heim.

Pastorenbild (oben an der linken Wand)

---dreieck Das Barock trug zur Ausstattung zwei Pastorenbilder (Laurentius Jacobi von 1658 und Jacobus Lyra, † 1686) bei, die eine gute Vorstellung von der Würde eines protestantischen Pfarrherren jener Zeit geben.

 

"Jacobus Lyra

ist gebohrn Anno 1629 den 28. October

zu Gildersheim im Fürstentum Grubenhagen,

auf Niedrig- und Hoher Schule unterwiesen

hier zu Johannis im Diaconat- Amt 15 Jahr, im Pastoratamt 13 Jahr,

arbeitsam, treu, sorgfeltig gewesen

und in Gott abgeschieden Anno 1686 den 12. Decemb.

seines Alters 57. Ministery 28. Jahr. " 

Aus Mitteln des Fördervereins wurde das Porträt von Jacobus Lyra restauriert. Jacobus Lyra (1629 bis 1686) wirkte im 17. Jahrhundert 28 Jahre an St. Johannis, zunächst als Diakon, dann als Pastor. Der Schwerpunkt der Arbeiten in der Lübecker Werkstatt von butt restaurierungen lag in der Konservierung des Gemäldes und dessen Zierrahmens. Die konservatorischen Arbeiten wurden durch restauratorische Maßnahmen ergänzt, die einer optischen Aufwertung des Gemäldes und der Steigerung der Ablesbarkeit der Darstellung dienten.

 

 

 

Das Langhaus der Kirche mit einer einfachen Holzdecke

Die Innnenausstattung der St. Johannis Kirche ist optisch durch die Verputzung in weißer Farbe bestimmt. Die Grenze zwischen dem großen Langhaus und dem in vorreformatorischer Zeit den Geistlichen vorbehaltenen Ostteil der Kirche mit Chor und Altarraum im Apsisbereich wird durch einen Chorbogen markiert. Das Langhaus der Kirche ist mit einer einfachen Holzdecke versehen, während die Decken der östlichen Bauteile der Kirche gewölbt sind. Nach dem Einsturz des Vierungsgewölbes im Schnittpunkt zwischen Lang- und Querhaus wurden die Bögen und ihre Vorlagen deutlich verstärkt. St. Johannis Kirche verfügt bis heute über eine für Inselverhältnisse recht prächtige Innenausstattung. Im Jahr 1974 wurden die Gewölberippen und Gewölbescheitel entsprechend vorgefundener Farbmuster wieder in den Originalzustand erneuert. Den Besuchern bietet sich eine zurückhaltende aber deutliche Strukturierung der Innenansicht, die Raumwirkung bezieht einen Hauptteil ihrer Kraft aus der sparsamen Farbverwendung in gedeckten Erdtönen auf weißem Untergrund. Alle plastischen Bögen sind mit langstieligen vierblätterigen Blumen verziert.

Die Bestuhlung besteht ebenerdig im Langhaus aus zwei Bankblöcken mit Mittelgang. Die Aufnahmekapazität des Kirchenhauses wurde durch eine eingezogene Empore auf der südlichen Seite des Langhauses vergrößert. Die Gottesdienste in evangelischer Tradition mit ausführlichen, langen Kirchenmusikeinlagen verlangen nach bequemen Sitzplätzen für alle Besucher des Gottesdienstes. Um diese Nachfrage zu befriedigen, wurden im Laufe der Zeit durch Einbau von Emporen weitere Kirchenbänke geschaffen. Ausserdem wurden die Nebenaltäre aus vorreformatorischer Zeit dann entfernt. Die Empore an der Nordseite des Langhauses wurde genauso wie die Orgelempore, die um 1660 eingerichtet wurde, auf eisernen Stützen gestellt. 

Logen

In Nieblum sind in der mittelalterlichen einschiffigen Kirche mit Kastenchor, Apsis und Querhaus hochgesetzte Logen erhalten geblieben. Eine Eckloge befindet sich, der Kanzel gegenüber, an der nördlichen Chorwand beim Vierungsbogen. Ihre Ausmaße erstrecken sich über sieben Achsen in der Länge und zwei in der Breite. Von Osten führt eine steile Treppe hinauf. Die ansonsten schlichte Fassade verfügt über versenkbare Fenster.

---dreieck Die Loge an der Nordseite des Chors mit sieben Fenstern aus dem 18. J h. war früher für wohlhabende lnsulaner reserviert. 

---dreieck Darunter steht ein sogenannter Pastorenfrauen-Stuhl (17. Jh.). denn die Frauen der Föhrer Pastoren hatten in der Kircher ihre gesonderten Plätze.

---dreieck Eine weitere, zweigeschossig ausgebaute Loge hat ihren Platz an der Langhaussüdwand neben der Kanzel. Ihre Maße betragen sechs mal zwei Achsen. Das Untergeschoss ist an der Hauptfront über die östliche Achse zu betreten und zum Obergeschoss führte noch 1935 ein Gang zur Westempore. Die Fassadengestaltung des Untergeschosses zeigt schlichte Brüstungsfelder und in der Fensterzone Rundbogen. Im Obergeschoss sind die Brüstungsfelder mit Marmorierung und weiterer Malerei verziert, darüber hinaus zeigt eine Kartusche das Monogramm ER und die Jahreszahl 1772. Die Fensterzone ist mit versenkbaren Fenstern ausgestattet, ein Aufsatz in der Mitte zeigt zwei Medaillons mit Monogrammen, darüber die Jahreszahl 1791 gerahmt von C-Kurven und Schleifen. 

Relief-Figuren

Die Bühne im nördlichen Querhaus kam im späten 18. Jahrhundert dazu, wodurch sich die Kapazität dort verdoppelte. Links und rechts an den Säulen sind mit dem Heiligen Michael und der Heiligen Katharina 2 von insgesamt 7 Relief-Figuren zu sehen.

Apostel Petrus und Paulus

---dreieck Die Figuren sind in zwei Gruppen geteilt: Die Apostel Petrus und Paulus aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts sind am nördlichen Chorbogen zu finden, eine Gruppe mit drei Frauendarstellungen (die Heilige Barbara, die Heilige Maria mit Kind und die Heilige Dorothea) sind an der Westwand des südlichen Querschiffs angebracht, der Heilige Michael befindet sich nördlich am Bogen zwischen Vierung und Langhaus. Eine Heilige Katharina steht schließlich östlich am Bogen zwischen Vierung und südlichem Querschiff und stammt etwa aus dem Jahr 1520.

Im Südquerarm der Kirche findet man wunderschöne spätgotische Schnitzfiguren aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts (von links: die heilige Dorothea, Maria mit dem Kind und die heilige Barbara)

Orgel

---dreieck Blick vom Altarraum auf die Orgel: Sie wurde 1838 auf einer 1660 eingezogenen Orgelempore eingerichtet. Die zeitgenössische Erweiterung erfolgte 1976 bis 1978 mit 33 Registern und vier Werken und kostete 380.000 DM. Der Orgelbaumeister war Detlef Kleuker, der 1988 starb. Die herstellende Firma hat ihren Sitz im Bielefelder Ortsteil Brackwede.

Taufstein

---dreieck Am Anfang steht der Taufstein. Das gilt zeitlich. Um 1200 wurde er aus einem Granitblock geschlagen. Vielleicht von einem Steinmetz, der aus der Lombardei zum Dombau nach Schleswig gewandert war. Jedenfalls stand der Taufstein schon im kleineren Vorgängerbau der Nieblumer Kirche. Dort wie in dem neuen, größeren Bau stand er wohl auch räumlich am Anfang. Ungefähr dort nämlich, wo jetzt der große Tisch steht, im Eingangsbereich. So wie die Taufe der Eingang war in die Gemeinschaft der Heiligen. Ungetauft kam niemand am Taufstein vorbei und in die Kirche hinein. Die Taufe war notwendig für das Heil und das Leben. Davon erzählen die Darstellungen, die der Steinmetz in den Granit meißelte.

---dreieck Das romanische Granit-Taufbecken, aus einem Findling herausgearbeitet, ist das älteste Inventarstück der Kirche und wurde um 1200 gearbeitet. Er gehört kunsthistorisch zu den wichtigen Arbeiten der Romanik im norddeutschen und skandinavischen Raum. Die mächtige Kuppa, die Höhlung zur Aufnahme des Taufwassers, sitzt auf einem ovalen, geschrägten Sockelstein. Der Stein ist außen mit zwei Szenen figürlich ausgeführt: Ein Ritter greift ein Mischwesen, halb Löwe, halb Schlange an, das seinerseits einen Menschen, der sich an einem Baum festklammert, bereits zur Hälfte verschlungen hat. Auf der gegenüberliegenden Seite des Steins fallen zwei Löwen über einen Menschen her, der wiederum auf einem Ungeheuer sitzt. Gegenstand beider Darstellungen ist der Kampf des Guten und des Bösen um die Menschenseele. Der Lebensbaum und der Ritter symbolisieren die Mächte des Guten, die diesen Kampf nur mit Hilfe der Taufe auf den dreieinigen Gott zu einem siegreichen Ende bringen können. Die archaische Symbolik, verbunden mit der kunstvollen Darstellung auf knapp bemessenem Raum der Oberfläche des Taufsteins, wird einen bleibenden Eindruck nicht nur auf zeitgenössische Gottesdienstbesucher haben. Ähnliche Taufsteine wurden auch in Kirchen auf dem Festland vorgefunden. An einigen davon konnten Farbreste festgestellt werden, so dass nicht auszuschließen ist, dass auch der Nieblumer Taufstein ursprünglich bemalt gewesen ist. Ursprünglich wurden die Täuflinge unter Anrufung Gottes, Christi und des Heiligen Geistes dreimal in die in der Regel mit Bleiblech ausgekleidete Höhlung des Steins getaucht. Eine neue Kirchenordnung in Gebiet Schleswig-Holsteins änderte diese Praxis: ab dem Jahr 1542 war nur mehr ein dreimaliges Begießen des Kopfes vorgesehen, was zur Folge hatte, dass eine Taufschale in die Öffnung des Taufbeckens eingehängt wurde, die wesentlich weniger Taufwasser aufnehmen musste. Diesen Dienst versieht bis heute eine Taufschale aus dem 17. Jahrhundert, die mit Hilfe einer Haltevorrichtung in den Taufstein eingehängt wird.

---dreieck Links neben dem Taufstein - in der Nische über dem Klavier - erzählt ein kleines Bild von der Taufe der Frederike Nielsen im Jahr 1824. 

---dreieck Das Mädchen ist die Tochter von Birkvogt Nielsen, der für den König den dänischen Westteil von Föhr verwaltete. Als Taufpate ist Frederik VI. selbst dabei. Er ist Zeuge, wie der Pastor dem Kind dreimal Wasser über den Kopf schöpft und ihm die Hand auflegt und es segnet.

Das romanische Granit-Taufbecken besteht aus einem Findling und ist, aus dem Jahr 1200 stammend, das älteste Inventarstück des Friesendoms.

Figur Johannes des Täufers

Johannes der Täufer siegt über Herodes: Aus dem 15. Jahrhundert stammt die einzigartige Darstellung des Täufers. Aus Holz geschnitzt und anschließend bemalt steht der Namenspatron der Kirche überlebensgroß am Südfenster des Chorraumes. Ungewöhnlich an der Johannesdarstellung ist die kleine Figur unter den Füßen des Täufers: Es ist König Herodes Antipas. Der Künstler des Mittelalters stellt diesen geschichtlichen Vorgang auf den Kopf und lässt Johannes überlebensgroß als Sieger erscheinen.

---dreieck Der Namenspatron der Kirche ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die in der Südostecke des Chors aufgestellt ist und mit einer Größe von 2,75 Meter den Kirchenraum beeindruckend dominiert. Sie steht auf einem Steinsockel und ist zurückhaltend farbig ausgeführt. Die Bemalung stammt von einer Restaurierung aus dem Jahr 1980, wobei auf vorgefundenes älteres Farbschema zurückgegriffen wurde. Johannes steht mit Bibel und Lammfigur predigend auf dem Rücken eines kleinen Manns, der als König Herodes identifiziert wurde. Johannes erhebt sich demzufolge sinnbildlich auf Grund seines Wirkens übermächtig über den Mann, der ihn nach biblischer Überlieferung hinrichten ließ. Der Eindruck einer etwas ungelenken Handhaltung rührt daher, dass an der Figur spätere Attribut-Ergänzungen vorgenommen wurden, die ursprünglich vom Künstler nicht vorgesehen waren. Bibel und Lammfigur, die für Jesus Christus steht, wurden später ergänzt; der Kreuzstab, den Johannes ursprünglich führte, fehlt. Das Werk stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Epitaph Ingwer Siewertsen (Jacobs)

---dreieck Das Epitaph Ingwer Siewertsen (Jacobs) von 1613 wurde 1634 aus der untergegangenen Kirche von Königsbüll auf Alt-Nordstrand hierher überführt.  Das Nachrufbildnis  wurde nach dem Verlust der Kirche infolge der Zweiten Manndränke 1634 nach Nieblum gebracht und ist jetzt an der Ostwand des südlichen Querschiffs zu finden. Der geschnitzte, üppig mit Doppelsäulen, Roll- und Beschlagwerk dekorierte Architekturrahmen (der Unterhang fehlt) stammt aus der Werkstatt des Heinrich Ringering in Flensburg und zeichnet sich durch die gut erhaltene ursprüngliche Farbfassung aus. 

---dreieck Das Hauptbild, eine gemalte Darstellung der Anbetung der Hirten mit der Stifterfamilie in vornehmen spanischen Kostümen am unteren Bildrand, wird Marten von Achten aus Garding zugeschrieben, desgleichen die kleine Verkündigung an Maria im Aufsatz.  

Verkündigung an Maria im Aufsatz

Restaurierung: Das Epitaph Jacobs stammt aus der ehemaligen Kirche von Königsbüll auf der untergegangenen Insel Strand. Nach der großen Flut von 1634 ist das Bild in die Kirche gekommen. Wahrscheinlich ist schon damals einiges verloren gegangen. Der Unterhang wurde nie gefunden. Sehr störend war eine fehlende Engelfigur. Zum Glück ist diese Figur 1935 fotografiert worden, so dass mit Zustimmung des Denkmalamtes eine Replik angefertigt werden konnte.  

Votivschiff

Trotz der Kälte draußen ist es in der Kirche angenehm warm. Hinzu kommt die nordische Note mit friesisch blauen Bänken, zwischen dem Kalk durchblitzender Backstein und einem in der Luft schwebendem Schiff, das auf die Seefahrervergangenheit der Föhrer hinweist. "Votivschiffe" hängen in vielen Kirchen der Küstenregion. Sie sind ein Dank der Seefahrer für glückliche Heimkehr.

---dreieck Das Votivschiff mit dem Namen VERTROUWEN (Vertrauen) in der St. Johanniskirche. Votivschiffe leiten sich aus dem lateinischen "ex-voto" ab, "votum" bedeutet "Gelübde". Angelehnt an die katholische Tradition der Bitt- und Dankgaben, den „Votivtafeln“, die man vor allem in Kirchen in Süddeutschland findet, wurden „Votivschiffe“ von Kapitänen/Schiffseignern für die Heimatkirche gestiftet. Die typische Geschichte hinter einem Votivschiff ist eigentlich, dass ein Seemann sich auf hoher See in höchster Not befindet und Gott verspricht, ihm ein Schiff zu schenken, wenn er diese Notsituation überlebe. In der nächsten Kirche, die er erreicht, oder in seiner Heimatkirche stiftet der Mann dann tatsächlich ein solches Schiff. Dieser Brauch ist rund um das Mittelmeer verbreitet gewesen. Man kann in Spanien und Portugal, Griechenland und Italien auf Votivschiffe stoßen. Dieser Brauch ist dann nach Mittel- und Nordeuropa übernommen worden. Allerdings fehlt die oben skizzierte Geschichte in aller Regel. Im evangelischen Einzugsbereich ist das aufgehängte Schiff mehr Schmuck und Zierde, oftmals weil eine Person oder ein Verein sich verewigen möchte, weil man an bestimmte Personen oder Ereignisse erinnern will. Insofern sind diese Schiffe streng genommen keine Votivschiffe, werden aber auch dort zumeist als solche bezeichnet. In Dänemark spricht man, leicht missverständlich, vom "Kirchenschiff" (kirkeskib), auch von "Schmuckschiffen" oder "Schiffsmodellen in Kirchen" ist zuweilen die Rede. In Deutschland finden sich die meisten Schiffe natürlich an der Küste, in Mecklenburg-Vorpommern sind es fast 50, in Schleswig-Holstein ebenfalls.

Das Votivschiff mit dem Namen VERTROUWEN (Vertrauen)

Confitentenlade

Confitentenlade aus dem 18. Jahrhundert

---dreieck Eine Confitentenlade ist ein Ausstattungsstück in norddeutschen evangelischen Kirchen, das bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Gebrauch war. Sie besteht aus einer Holzlade mit Einwurfschlitzen. Hier konnten die Gemeindemitglieder der einzelnen Dörfer, die zu einem Kirchspiel gehören, Zettel mit ihrem Namen einwerfen, wenn sie am Abendmahl teilzunehmen wünschten. Voraussetzung für diese Teilnahme war die persönliche Beichte; die Lade ist demzufolge als ein Versuch des Pfarrers bzw. Pastors zu sehen, die Beichtgespräche zu koordinieren. Diese Praxis ist heute in der evangelischen Kirche nicht mehr üblich. Die Beichte wird heute in aller Regel in Form eines gemeinsam gesprochenen Schuldbekenntnisses und in Form der darauf vom Pfarrer folgend ausgesprochenen Lossprechung von den Sünden praktiziert und ist nicht in jedem Fall integraler Bestandteil der Abendmahls-Liturgie.

Altar

---dreieck Beim Altar aus dem Jahr 1487 handelt es sich um einen fünfflügeligen Marien-Krönungs-Altar im spätgotischen Stil. Der Schreinaltar besitzt bemerkenswerte Ölgemälde auf den Flügelaußenseiten, die Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons Johannes des Täufers zeigen. Aufgeklappt zeigt der Altar insgesamt 16 Figuren aus der christlichen Ikonographie. Im Zentrum steht Maria, die von Christus zu ihrer Linken gekrönt wird. Die Figur des Johannes, des Namenspatrons der Kirche, steht zur Rechten Marias. Der Altar ist wegen der zentralen Stellung Marias als vorreformatorischer Marienaltar anzusprechen. Rechts neben dem krönenden Christus steht, vom Betrachter aus gesehen, ein Papst, wahrscheinlich Silvester I. (314 bis 335) mit Papsttiara. Der Altaraufsatz stammt höchstwahrscheinlich aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, also zeitlich vor der Reformation, die 1530 auf Föhr eingeführt wurde. Links und rechts schließt sich neben den Hauptfiguren die Darstellung der Apostel an. Die Darstellungsweise des Innenteils orientiert sich an einer überkommenen Bildsprache, während die dem Betrachter nicht sichtbaren Vorderseiten der beiden außen liegenden Flügel zeitgenössisch gestaltet sind. Hier zeigen zwei Darstellungen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers in moderner niederländisch-realistischer Malweise. Auf dem Altaraufsatz ist eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe zu sehen. Der Altaruntersatz, die Predella, lässt in der Mitte eine Nische frei, in der in vorreformatorischer Zeit die Monstranz während der Messen gezeigt wurde. Die beiden Gemälde auf dem Altaruntersatz zeigen zwei Szenen aus dem Leben Jesu Christi – die Fußwaschung und das Abendmahl.

---dreieck Die beiden Gemälde auf dem Altaruntersatz zeigen zwei Szenen aus dem Leben Jesu Christi – die Fußwaschung und das Abendmahl.

---dreieck In geöffnetem Zustand zeigt der Flügelaltar im Zentrum Maria und Christus. Die Mutter Jesu hält die Augen andächtig geschlossen und die Hände zum Gebet zusammengelegt, während Christus mit der goldenen Krone aus lauter Kreuzen und der Weltenkugel in der Hand ihr die Himmelskone aufsetzt.  Links neben Maria ist der Patron der Kirche - Johannes der Täufer - dargestellt. Die Figur rechts neben Jesus zeigt vermutlich Papst Silvester I (Amtszeit 314-335). 

In einer Wandnische links neben der Apsis befindet sich der Sakramentsschrank aus dem Jahre 1487, ein reichgeschnitzter Schrank zur Aufnahme der Abendmahlsutensilien

---dreieck In einer Wandnische links neben der Apsis befindet sich der Sakramentsschrank aus dem Jahre 1487, ein reichgeschnitzter Schrank zur Aufnahme der Abendmahlsutensilien. Die Schreibweise der Jahreszahl weist eine Besonderheit auf, nämlich bei der Vier. Sie ist wie eine Schlaufe dargestellt, wobei es sich um eine „halbe Acht“ handeln soll, die für eine „Vier“ steht. Im europäischen Mittelalter war die Schreibung als halbe Acht gängig. Der Begriff Tetraphobie bezeichnet die abergläubische Angst vor der Zahl 4, die noch heute - besonders im ostasiatischen Raum- weit verbreitet ist. Ein ähnlicher Aberglaube war und ist in einigen Teilen Europas verbreitet. In Italien z.B. wird der Zahl 4 dort zum einen nachgesagt, sie symbolisiere einen Sarg, und könne somit Unglück bringen; zum anderen stehe sie für „das Geheimnis von allem und nichts“. Wie dem auch sei: Zu bedenken ist, dass wir uns in der Epoche zwischen Mittelalter und Neuzeit befinden. Als Wendepunkte gelten unter anderem die Entdeckung Amerikas 1492 und die Reformation ab 1517.

Inselposaunenchor: Jeden Mittwoch um 19.30 Uhr findet die Probe des Inselposaunenchors statt.

Kanzel

---dreieck Die Kirche verfügt über zwei Kanzeln. Die ältere der beiden liegt ebenerdig im südlichen Chor gelegen und ist sehr schmucklos. Der herausragenden Bedeutung der Predigt in der evangelischen Liturgie entsprechend, wurde 1618 eine Schmuckkanzel im Stil der Renaissance in Form einer kleinen Empore am Ende des südlichen Langhauses vor dem Querhaus eingerichtet. Die Position der Kanzel garantiert allen Gottesdienstbesuchern sowohl im Lang-, als auch im nördlichen Querhaus freien Blick auf den Pastor und gute akustische Bedingungen. Diese zweite Kanzel wurde von Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, Präfekt van der Wisch von Tondern, Propst Johannes Mauritius von Tondern und Jacob Boetius (Pastor der Gemeinde von 1604–1629) gestiftet und zeigt die Heilsgeschichte Jesu Christi. Sie ist aus der Werkstatt von Heinrich Ringerink aus Flensburg, woher mehrere gleichartig gebaute Kanzeln im norddeutschen Raum stammen. Die gearbeiteten Flachreliefs mit Szenen aus dem Leben Jesu Christi wurden in der Werkstatt vorgefertigt und gemäß der Bestellung des Auftraggebers nachträglich in die hierfür offen gehaltenen Wandfelder der Kanzel geklebt.

Die Mitte des Darstellungszyklus nimmt die Taufe ein, die Johannes an Jesus Christus vollzieht – angesichts der reservierten Haltung, die die evangelische Tradition den Patronatsheiligen entgegenbringt, eine immerhin bemerkenswerte Hervorhebung des Namensgebers der Kirche. Die dargestellten Szenen werden am Sockel und am Schalldeckel der Kanzel durch Bibelzitate in niederdeutscher Sprache kommentiert. Die Pilaster zwischen den Flachreliefs sind mit Abbildungen der Apostel versehen. Engelsgesichter, Zapfen und Fruchtdarstellungen runden den Schmuck der Kanzel ab.

---dreieck "Die Kanzel: 1618, im Jahr, als der 30jährige Krieg begann, kam sie in die Kirche. Gestiftet von Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, vom Präfekt und vom Propst von Tondern – und von Pastor Jacob Boetius, der als erster von ihr predigte. Dabei predigt die Kanzel schon selber. Sie erzählt die Geschichte von Jesus Christus. Von dem Augenblick, in dem der Engel Maria sagt, dass sie schwanger wird, bis zum Augenblick, als Jesus in einer Wolke zum Himmel aufsteigt. Sie erzählt aber auch vom Sinn der Taufe. Notwendig ist sie, weil am Anfang die Sünde steht. Jeder Mensch erbt von Adam und Eva die Lust daran, das zu tun, was ihm selber gefällt, statt nach Gottes Willen zu fragen. Also zeigt das erste Bild, wie Eva und Adam die Frucht vom Baum der Erkenntnis teilen. Der Mensch, wie er ist, lebt nicht nach Gottes Willen. Er muss sich ändern. „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“, sagt deshalb Johannes. Das sieht selbst Jesus so und lässt sich von Johannes taufen – wie so viele andere Menschen, die spüren und zeigen wollen, dass sie auch anders können: So, wie es Gott gefällt. Und wie es ihnen selber gut tun wird: Am Ende, erzählt die Kanzel im letzten Bild, wird über den Menschen Gericht gehalten. Jesus sagt: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“ Und je nachdem was ihr getan habt, stehen am Ende Himmel oder Hölle."

                                                                                                                                                                                                       

                                                                                                                                                                                                                      Pastor Philipp Busch, Nieblum

"Uns ist heute der Heiland geboren, der da ist Christus der Herr in der Stadt David".

"Das ist mein lieber Sohn, an dem ich ein Wohlgefallen habe.."

"Er ist um unserer Gerechtigkeit Willen auferweckt und in die Höhe gefahren und hat das Gefängnis verlassen."

Die Kanzel von 1618: Sie hat die Form einer kleinen Empore, deren Mitte dreiseitig vorspringt. Eine strenge architektonische Gliederung durch Pilaster, breiten Sockel und Gebälk in antiker Form fasst Felder ein, in denen unter Bogenstellungen Flachreliefs die Heilsgeschichte Jesu Christi vor Augen führen. Über dem Aufgang steht noch heute die Jahreszahl und darunter die Namen der Stifter: Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, Präfect van der Wisch von Tondern, Propst Johannes Mauritius von Tondern und Jacob Boetius (Boysen), Pastor der Gemeinde von 1604 -1629.

Alte Grabplatten im Friesendom

Die ältesten und schönsten Grabplatten sind innerhalb der Kirche in einem separaten Raum zu finden.

---dreieck CHRISTO MORTIS DOMITORI. S. HIC CORPUS CADUCUM RELIQUIT ANIMA COELO REMISSA VIR PL REV DN JACOBUS LYRA NAT, GILDERSHEMIAE IN DUC GRUBENHAGIO A MDCXXIXD 28 OCT _ . UI, DE IN ECCLESIAE PER XV A DIACON› PER XIII A PASTOR FIDELISSIM› ET MINIST FOR SENIOR PSA PROBITATIS IDEA CONSTANTIAE IMAGO EXACTUM BONI PASTORIS EXEMPLUM GESSIT HONORES NON UT ORNARETUR SED UT ORNARET INTOLERABILIS NULLIS NISI QUI TOLERARI VEL NON POTERANT VEL NON DEBEBANT MULTA PAUCIS ACCIPITE VIXIT PROFUIT DEO ECCLESIAE CONSUMPT› TANDEM LABORIB› MORBISQUE . _ . RTU› EST JUSTORUM MORTE A MDCLXXXVI D XII DEC EXPLETIS ANNIS VITAE LVII HEBD VI D 3 EXSAN GUI EI, DEM LATERI HIC J UNCTUM EST GELIDUM CORP› CONJUGIS QUONDAM CONJUNCTISSIMAE ELISABETAE LYRAE QUAE JESSENIA NATA BREDSTADII A MDCXL D 23 JUN POSTAE LIBERORUM VII MATER FELICISSIMA PIETATIS CASTITATIS FIDEI ALIARUMQUE VIRTUTUM LUMINA MULTIS SUO EXEMPLO PRAETULIT OBIIT MORTEM PLACIDAM ET BEATAM A MDCCVIII D 8 MAII AETAT LXVIII SECUTAQUE EST LIBEROS FESTINO FATO PRAEREPTOS E L I S AB E TA M NATAM A MDCLX D XIII NOV DENATAM A = LXI D 28 F JOHANNEM N. A. MDCLXII D XV MART DEN. EOD A ET MENSE D 22 JACOB UM N. A. MDCLXIX D. 14 AUG DEN. A. MDCLXXIII D 9. APR. QUORUM QUOD MORTALE FUIT HIC EST DEPOSITUM SED BREVI EX CINERIB, IN GLORIA RESURGET. _ . . ATAE SANCTISSAE ET COELESTIB› DELICIIS FRUIMINI DONEC IN VERE NOVISSIMO ET IAM CORPORUM VESTRORUM EXUVIAE REVIRESCANT.

---dreieck Männliche Figur im Mantel

A. M. A. D. (Grabstein des Conradus Holmann, früher liegend im Altarraum)

Darunter:

AND R. _ CO RVINUS APENRADENSI1698 D. _ FEBR ELECT 1726 U. VIXIT _ _ ANNOS HIC _ _ .NTIS DN DOM AD _ _ _ MORTEM 1727 D 22 OCT FILIUS EUS _ _ THIANTIS

---dreieck Hier ruhen die Gebeine der Gottseligen Frauen Anna Jessens. Geborn in Bordlum Ao 1650 19 Martii hat sich zum erstenmal ehelich eingelassen Ao 1670 mit Her: Johannes Jessen erbgesessen auf Suder Hauss und mit ihm gezeugt eine Tochter die annoch lebende Fr: Hanna Margeretha Lyra nachdem sie 7 Iahr in Witwenstande gelebet hat sie sich zum andern Mahl vertrauet Ao 1677 an Her Naamaunus Jessen Pastoren zu Rendsburg und nach seinem Tode im 23 jarigen Witwenstande unter vielem Creutze ihr Leben in Goting beschlossen Ao 1735 d. 4. Jan ihres Alters 85 Jahr weniger 9 Wochen.

Erheb dich nicht verzag auch nicht
An KindesKindern und dero KindesKindern hat sie gezelet 42 Selen.

---dreieck ANNO 1618 2 DECEMB OBIIT. ERDUS . . VIR DN HENNING . (IVS) .H. G GE HUSENSIS AETATIS.. DIACONA TUS VERO HUIUS ECCLESIAE!

Gleichfalls ruhet allhier sel: H. Wircke Jacobsen in die 4 Jahr gewesener Organist gebohr 1710 d 16 Jun: gestorb. 1734 dz 11 Aug.
G. S. S. S. G.

---dreieck Wer Gott vertraut der schift getrost in Glück und Unglücksfällen

Den droht der Sturm und Jesus spricht, so legen sich die Wellen.

Ich trau auf Gott durch Christi Blut

Macht ers mit meinem Ende gut.

 

Hier ruhet der irdische Überrest der seelz Eycke eintzige Tochter von Jens Wögens und Inge Jensen aus Nieblum gebohren den 1ten Sept: 1739. In ihrem Leben verspürte sie die göttliche Vorsicht zu ihrem Heil beschäftigt, auf unterschiedenen Wegen. Sie wurde zweymal verheirahtet. Ihr erster Ehemañ Dirck Cramer ruhet an ihrer Seite, mit welchen sie den 1sten Nov. 1762 in den Ehestand getreten und darin 7 glückliche und vergnügte Jahre zugebracht. Nach dessen Absterben verehlichte sie sich mit Harre Petersen. Nachdem sie das Unbeständige und Kummervolle dieses Lebens erfahren, und dadurch an ihrem Glauben geläutert worde, ist sie in den Armen ihres Erlösers entschlafen den 18 April 1775. Ihres Alters 36 Jahr 4 Monat und 3 Tage.

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Der Seemann waget viel, Das liebe theure Leben
Dem ungestühmen Meer Auf Brettern hinzugeben.

Der Christ wagts recht wann er das Hertz das beste Gut Aufopfert dem der es erkauft mit seinem Blut.

 

Allhier ruhen die Gebeine Dirck Cramers des weyland wohlachtbaren Westindischen Capitains aus Nieblum gebohren den 26 August 1725 in Boldixum, der in seinem Leben mit Gott viel gewagt, aber auch unter seiner Leitung viel Glück gehabt, er wagete es vom 17 Jahr an sein Leben der wilden See anzuvertraue unter vielen Proben der Göttlichen Hülfe von 1755 bis 1762 ein Schif nach 3 Theilen der Welt zuführen und es ward eine jede Fahrt in VI Jahren mit Seegen gecrönet er wagete es, auf Göttlichen Winck sich abwesend zu verbinden mit der tugendsahmen Eycke Jensen aus Nieblum ob er sie gleich nie gesehen und siehe es gelang ihm, den er führete vom 1 Nov. 1762 fast 7 Jahr in ruhe die zärtlichste Ehe er wagte es endlich hoffnungsvoll d 6 Aug 1769 über das schwartze Meer des Todes zu schiffen, und siehe er kam glücklich hinüber und anckerte nach einer44Jährigen Lebens=Fahrt in den sichern Hafen der seeligen Ewigkeit.

---dreieck Grabplatte aus  gelbgrünlichem Muschelkalk mit Evangelisten-Symbolen in den Ecken

 

...ETDOC..M.O. .M O RICHARDUS FORENS Z D0 SUI IN HAC ECCLESIA PASTORAT 9 AETATIS AUTEM 35 ANNO IN DNO OBD .

Restaurierung und Erneuerung

Dem rauen Nordsee-Klima, der Salzluft und häufigen Schlagregen ausgesetzt, bedurfte die Kirche über die Jahrhunderte immer wieder Restaurierungen. Zum Teil wurden hierbei Backsteinformate verwendet, die von der ursprünglichen Ausstattung deutlich abwichen. Bereits im 14. Jahrhundert musste die westliche Hälfte des südlichen Langhauses erneuert werden. 1662 waren Teile des Vierungsgewölbes nach einem Einsturz zu erneuern. In den Jahren 1964 und 1970/71 wurden große Teile der Außenverblendung großflächig erneuert, wobei Ziegel im ursprünglichen Maß wieder zum Einsatz kamen.
Seit dem Jahr 2006 wird die Kirche rundherum renoviert und in Stand gesetzt. Im Zuge dieser Arbeiten wurden Teile des Daches erneuert, die Fassade zu weiten Teilen wiederhergestellt und andere dringend notwendige Erneuerungen zum Erhalt der Bausubstanz durchgeführt. Der komplette Dachstuhl mit einer Größe von 1050 Quadratmetern wurde mit Blei belegt. Eine Drainage sorgt jetzt für eine Trocknung des Gebäudes, das lange Zeit unter Wasser und Feuchtigkeit zu leiden hatte. An einigen Stellen ist der Putz noch entfernt, um die Trocknung des Mauerwerks zu fördern. Das schadhafte Mauerwerk wurde von außen Partie für Partie entfernt und die geöffneten Stellen sofort wieder mit Backsteinen im ursprünglichen Format verblendet. Das Baumaterial bestand aus Backsteinen in fünf Formaten sowie einer speziell uubereiteten Speismischung, die von einer dänischen Ziegelei geliefert wurden.

Im Sommer 2010 wurde als fünfter Bauabschnitt mit der Sanierung des Innenraums begonnen. Im ersten Schritt wurde die Dielung der Orgelempore erneuert. Es wurde im Herbst das Nordquerhaus abgetrennt, ein Gerüst aufgebaut und begonnen, die Wände zu sanieren. Vor allem am Gewölbe waren erhebliche Schäden festzustellen. Mit Hilfe der alten Technik, mit Reetmattengeflechten Kalkputz aufzutragen, wurden alle Flächen wieder hergestellt. Ein Restaurator malte und ergänzte dann die Ausschmückung der Gewölberippen. Im September 2010 wurde im nördlichen Querhaus eine Staubwand über der Empore errichtet. Gewölbe und Umfassungswande wurden vom Putz befreit. Salzfraß an den westlichen Gewölbefeldern erforderte neue Putzträger aus Schilfrohrmatten. Außerdem war eine Teilerneuerung von Gurtbögen und Fensterleibungen mit nach Maß geformten Handformziegeln der Firma Falkenlöwe nötig. Der Anstrich erfolgte mit Mineralfarben nach spezieller Grundierung (KEIM-Quarzil). Wegen der sehr hohen Feuchtigkeit gab und gibt es dennoch Abblatterungen.

Im Oktober 2010 wurde im südlichen Querhaus eine weitere Staubwand vom Boden bis zum südlichen Vierungsbogen hochgezogen. An der Innenseite wurde vorübergehend das Epitaph aufgehängt. Die Grabplatten an den Außenwänden des Querhauses wurden versetzt. Zwei kamen in den Vorraum unter der Orgel, die beiden anderen in das südliche Vorhaus.

Großflächiger Abbruch der Ziegel an den Innenwänden sowohl auf der West- wie auf der Südseite machten es erforderlich, dass diese Wände innen neu aufgemauert wurden. Auch hierzu wurden teuere Handformziegel im Klosterformat verwendet.

Der Restaurator nahm dann die farbige Fassung der Gurtbögen im Nordquerhaus vor. Im Südquerhaus wurden gleichzeitig großflächig Granitquarder aus der Ursprungskirche freigelegt. Über die Weihnachtsfeiertage wurde die Staubwand über der Nordempore teilweise wieder geöffnet. So wurden die ersten Ergebnisse der Arbeiten für alle sichtbar. Im Januar 2011 wurde eine dritte Staubwand gezogen im Vierungsbogen zum Langhaus. Dort wurde vorübergehend eine „kleine Kirche" gestaltet. Das Epitaph wurde als Altarbild aufgehängt. Im Chorraum wurde nun der Fussboden aufgestemmt und ausgekoffert, um einen neuen Luftschacht für die Heizungsanlage möglich zu machen. Nach Abtransport des Schutts mit unzähligen Schubkarrenladungen wurde der Chorraum eingerastet. Obwohl Taufe und Sandsteinplatten unbeschädigt zwischengelagert werden konnten, wurden Chor, Apsis und Vierung zu einer „entmutigenden" Baustelle. Große Teile der Wölbungen mussten vom losen Putz befreit und anschließend neu aufgebaut werden. Alle Pfeilervorlagen waren bis in eine Höhe von zwei Metern marode und mussten neu aufgemauert werden. Wie im Nord- und Südquerhaus waren die Arbeiten am Gewölbe sehr viel aufwändiger als erwartet. Besonders schlimm war der Zustand im Bereich der Apsis sowie am östlichen Seitenfenster im Chor. (Dort musste eine Stahlbetonbewehrung entfernt werden.) Schließlich konnten die Gewölbe farblich restauriert werden und der Fußboden im Chor neu aufgebaut werden. Die Stufen zum Altar wurden mit Holzbohlen belegt.

Die Stufen zum Altar wurden mit Holzbohlen belegt.

Die Restaurierung des Altars konnte erfolgen. Es wurde eine gründliche Säuberung und Festigung unternommen. Ergänzungen wurden nicht vorgenommen, da es keine gesicherten Vorlagen mehr gibt.

Vergleich: Altarraum im Juli 2001

Friedhof

---dreieck Da St. Johannis die Pfarrkirche für viele umliegende Dörfer ist, verfügt die Kirche auch über einen großen Friedhof, der sie vollkommen umgibt. Er ist von Bäumen gesäumt. Wie auf zahlreichen anderen Friedhöfen in Nordfriesland erzählen auch hier die teils prächtigen sogenannten Sprechenden Grabsteine die Geschichte der Seefahrer aus Nieblum und umliegenden Orten. Wie auf den beiden anderen Kirchfriedhöfen von Föhr besitzt auch der Friedhof der Kirchengemeinde St. Johannis viele Grabsteine aus der Barockzeit, die ihren kunstwissenschaftlichen Ruf durch prächtige Ornamentik und kunstvolle Schriftgestaltung verdient haben. Zirka 250 der alten Steine stehen zum größten Teil noch auf ihren Originalplätzen, nur einige wenige sind ihres Werts wegen in den Schutz des Kirchenraums gestellt worden. Die Grabsteine berichten dem Besucher in hoch- oder niederdeutscher bzw. in lateinischer Sprache oft ausführlich vom Lebensweg der Beigesetzten. Der Reliefschmuck der Grabmäler ist oft sehr umfangreich ausgeführt, die Formen wiederholen sich nicht. Oft sind Bilder mit Szenen aus der Heiligen Schrift Hauptmotiv eines Steins, oft sind aber auch die Verstorbenen oder – bei Seefahrern – Schiffe abgebildet. Gemeinsam ist den Darstellungen, dass sie von einer unverbrüchlichen Glaubens- und Heilsgewissheit zeugen, die in der Figur des oft abgebildeten Jesus Christus ihr vornehmstes Symbol finden. Eine besondere Ikonographie-Tradition hat sich im floralen Motiv erhalten: Der Mann und die Söhne der Familie sind auf dem Grabstein linkerhand in Tulpen-ähnlichen Blumen aufgeführt, die Frau und die Töchter rechterhand in Form von vierblütigen Blumen. Eine geknickte Blume weist darauf hin, dass die betreffende Person zum Zeitpunkt der Entstehung des Grabsteins bereits verstorben war. Die Häufigkeit dieses Motivs bezeugt die hohe Kindersterblichkeit früherer Jahrhunderte.

---dreieck Die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs liegt genau zwischen der St. Johanniskirche und dem Pastorat. Der Obelisk mit stumpfer Spitze ist mit bunten behauenen Feldsteinen ca. 4,5 Meter hoch aufgemauert. Er steht der Anlage vor und trägt die Widmungsplatten. In die Frontseite des Obelisken sind vom Boden aus drei Steinplatten übereinander eingelassen. Die oberste – unter einem Schmuckbalken mit gebogenen Enden – trägt den Bibelspruch 11,25 aus dem Johannesevangelium:

 

Wer an mich glaubt, der wird leben ob er gleich stürbe

 

Darunter ein Medaillon, das einen Soldatenkopf mit Stahlhelm im Halbrelief zeigt. Auf der mittleren Tafel steht die Widmung:

 

Die dankbare St. Johannisgemeinde widmet diesen Ehrenfriedhof ihren in den Kriegen 1914 - 1918 und 1939 - 1945 gefallenen tapferen Söhnen

 

Da das Denkmal in den 20er-Jahren errichtet worden ist, musste diese mittlere Platte nach dem 2. Weltkrieg ausgetauscht worden sein.

 

Die unterste Tafel zitiert unter einer Reihe aus drei Kreisen wieder einen Spruch aus dem Johannesevangelium, nämlich 15,13, darunter ein Kreuz mit je einem Kreis an den Seiten:

 

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

 

Vor dem Denkmal liegen in langen Reihen, angelehnt an Erdwälle die Namenstafeln der toten Soldaten. Außen die der Soldaten des 1. Weltkriegs. Nach dem 2. Weltkrieg kamen die zwei inneren Reihen dazu. Geordnet nach Herkunftsort werden Name, Geburtsdatum, Sterbedatum und Sterbeort genannt.

Weitere Informationen:
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde
St. Johannis auf Föhr
25938 Nieblum
info@friesendom.de
www.friesendom.de

wupper digitale fotografie

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