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St. Johanniskirche, Nieblum / Föhr

Nieblum und der Friesendom

Die Kirche St. Johannis lässt schon von außen ihre einschiffige Anlage über kreuzförmigem Grundriss erkennen. Zwischen das gestreckte Langhaus und den etwas schmaleren Chor mit Apsis wurde ein Querhaus eingezogen. Für eine Landkirche ist dies ungewöhnlich. Der Turm im Westen scheint für die Größe der Kirche fast klein geraten. Im Inneren ist durch einen Chorbogen deutlich die Trennung zwischen Langhaus und Vierung und Chor zu erkennen. Während das Langhaus mit einer Holzdecke abgeschlossen ist, finden sich in den östlichen Teilen Gewölbe.

Die Kirche ist das Ergebnis einer deutlichen Erweiterung eines Vorgängerbaus, die im frühen 13. Jahrhundert begann. Wie die anderen beiden Föhringer Pfarrkirchen (St. Nikolai in Boldixum und St. Laurentii in Süderende) wurde St. Johannis 1240 erstmals erwähnt. Sie war die Hauptpfarrkirche von Föhr und Amrum. Möglicherweise war sie im 12./13. Jahrhundert Sitz eines Bistums names Frisia - daher auch die Bezeichnung als "Friesendom".

 

Weitere Informationen:
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde
St. Johannis auf Föhr
25938 Nieblum
info@friesendom.de
www.friesendom.de

Wie ihr Dorf haben die Nieblumer auch ihre Kirche, die wegen der exponierten Lage auf einer leichten Anhöhe den rauen Nordseestürmen ausgesetzt ist, stets gepflegt. Doch sparsam, wie sie waren, nahmen sie immer die Backsteine, die sie gerade zur Verfügung hatten. So findet man heute im Mauerwerk eine bunte Mischung von etwa 30 Steinarten, die sich in Format und Festigkeit unterscheiden.

Die Fenster auf der Südseite des Kirchenbaus wurden in späterer Zeit vergrößert, um mehr Licht in die Kirchenräume zu lassen. Die Fenster auf der Nordseite der Kirche wurden verkleinert und verringert. Die Fenster der Kirche sind durchgängig spitzbogig, was einen gotischen Einfluß auf die vorgenommenen Umbaumaßnahmen des ausgehenden Mittelalters bezeugt.
Die St. Johannis Kirche öffnet sich mit zwei erhaltenen Ein-und Ausgängen auf der Südseite zur Gemeinde hin. Das Süderportal der Kirche befindet sich im letzten Drittel des Langhauses. Das ehemalige gegenüberliegende Norderportal existiert leider nicht mehr. Am südlichen Ende des Querhauses dieser Kirche ist ein weiterer Eingang in einen barocken Vorbau, der sich unter einer von 1688 über der Tür angebrachten Sonnenuhr befindet. Die an der Nordseite des Chors angebaute Sakristei stammt aus spätgotischer Zeit. 

Der 32 Meter hohe Kirchturm, mit dessen Bau im frühen 13. Jahrhundert begonnen wurde, war ursprünglich außenseitig optisch aufwendig gegliedert, bei späteren Restaurierungen wurden dann die gliedernden Eckwandstreifen und Spitzbögen verblendet. Der Kirchturm ist ursprünglicher Bestandteil der Kirche und wurde zusammen mit der Kirche erbaut. Dies steht im Gegensatz zu den beiden Schwesterkirchen der Insel Föhr in Boldixum und Süderende, deren Türme späteren Epochen zugeordnet werden. Die Mauern des Kirchturms sind aus Tuffstein, einem porösen vulkanischem Material aus der Eifelregion, die nach außen mit Backsteinen verblendet wurden. Die Mauern des Turms sind auf Erdniveau ca. 2,5 m stark, in Höhe des Satteldaches messen die Mauern noch ca. 1,80 m Wandstärke.

Innnenausstattung

Vorraum
Das Langhaus der Kirche mit einer einfachen Holzdecke

Die Innnenausstattung der St. Johannis Kirche ist optisch durch die Verputzung in weißer Farbe bestimmt. Die Grenze zwischen dem großen Langhaus und dem in vorreformatorischer Zeit den Geistlichen vorbehaltenen Ostteil der Kirche mit Chor und Altarraum im Apsisbereich wird durch einen Chorbogen markiert. Das Langhaus der Kirche ist mit einer einfachen Holzdecke versehen, während die Decken der östlichen Bauteile der Kirche gewölbt sind. Nach dem Einsturz des Vierungsgewölbes im Schnittpunkt zwischen Lang- und Querhaus wurden die Bögen und ihre Vorlagen deutlich verstärkt. St. Johannis Kirche verfügt bis heute über eine für Inselverhältnisse recht prächtige Innenausstattung. Im Jahr 1974 wurden die Gewölberippen und Gewölbescheitel entsprechend vorgefundener Farbmuster wieder in den Originalzustand erneuert. Den Besuchern bietet sich eine zurückhaltende aber deutliche Strukturierung der Innenansicht, die Raumwirkung bezieht einen Hauptteil ihrer Kraft aus der sparsamen Farbverwendung in gedeckten Erdtönen auf weißem Untergrund. Alle plastischen Bögen sind mit langstieligen vierblätterigen Blumen verziert.

Die Bestuhlung besteht ebenerdig im Langhaus aus zwei Bankblöcken mit Mittelgang. Die Aufnahmekapazität des Kirchenhauses wurde durch eine eingezogene Empore auf der südlichen Seite des Langhauses vergrößert. Die Gottesdienste in evangelischer Tradition mit ausführlichen, langen Kirchenmusikeinlagen verlangen nach bequemen Sitzplätzen für alle Besucher des Gottesdienstes. Um diese Nachfrage zu befriedigen, wurden im Laufe der Zeit durch Einbau von Emporen weitere Kirchenbänke geschaffen. Ausserdem wurden die Nebenaltäre aus vorreformatorischer Zeit dann entfernt. Die Empore an der Nordseite des Langhauses wurde genauso wie die Orgelempore, die um 1660 eingerichtet wurde, auf eisernen Stützen gestellt. 

Relief-Figuren

Die Bühne im nördlichen Querhaus kam im späten 18. Jahrhundert dazu, wodurch sich die Kapazität dort verdoppelte. Links und rechts an den Säulen sind mit dem Heiligen Michael und der Heiligen Katharina 2 von insgesamt 7 Relief-Figuren zu sehen.

Apostel Petrus und Paulus

Die Figuren sind in zwei Gruppen geteilt: Die Apostel Petrus und Paulus aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts sind am nördlichen Chorbogen zu finden, eine Gruppe mit drei Frauendarstellungen (die Heilige Barbara, die Heilige Maria mit Kind und die Heilige Dorothea) sind an der Westwand des südlichen Querschiffs angebracht, der Heilige Michael befindet sich nördlich am Bogen zwischen Vierung und Langhaus. Eine Heilige Katharina steht schließlich östlich am Bogen zwischen Vierung und südlichem Querschiff und stammt etwa aus dem Jahr 1520.

Im Südquerarm der Kirche findet man wunderschöne spätgotische Schnitzfiguren aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts (von links: die heilige Dorothea, Maria mit dem Kind und die heilige Barbara)

Orgel

Blick vom Altarraum auf die Orgel: Sie wurde 1838 auf einer 1660 eingezogenen Orgelempore eingerichtet. Die zeitgenössische Erweiterung erfolgte 1976 bis 1978 mit 33 Registern und vier Werken und kostete 380.000 DM. Der Orgelbaumeister war Detlef Kleuker, der 1988 starb. Die herstellende Firma hat ihren Sitz im Bielefelder Ortsteil Brackwede.

Taufstein

Taufstein der Kirche: Das romanische Granit-Taufbecken, aus einem Findling herausgearbeitet, ist das älteste Inventarstück der Kirche und wurde um 1200 gearbeitet. Er gehört kunsthistorisch zu den wichtigen Arbeiten der Romanik im norddeutschen und skandinavischen Raum. Die mächtige Kuppa, die Höhlung zur Aufnahme des Taufwassers, sitzt auf einem ovalen, geschrägten Sockelstein. Der Stein ist außen mit zwei Szenen figürlich ausgeführt: Ein Ritter greift ein Mischwesen, halb Löwe, halb Schlange an, das seinerseits einen Menschen, der sich an einem Baum festklammert, bereits zur Hälfte verschlungen hat. Auf der gegenüberliegenden Seite des Steins fallen zwei Löwen über einen Menschen her, der wiederum auf einem Ungeheuer sitzt. Gegenstand beider Darstellungen ist der Kampf des Guten und des Bösen um die Menschenseele. Der Lebensbaum und der Ritter symbolisieren die Mächte des Guten, die diesen Kampf nur mit Hilfe der Taufe auf den dreieinigen Gott zu einem siegreichen Ende bringen können. Die archaische Symbolik, verbunden mit der kunstvollen Darstellung auf knapp bemessenem Raum der Oberfläche des Taufsteins, wird einen bleibenden Eindruck nicht nur auf zeitgenössische Gottesdienstbesucher haben. Ähnliche Taufsteine wurden auch in Kirchen auf dem Festland vorgefunden. An einigen davon konnten Farbreste festgestellt werden, so dass nicht auszuschließen ist, dass auch der Nieblumer Taufstein ursprünglich bemalt gewesen ist. Ursprünglich wurden die Täuflinge unter Anrufung Gottes, Christi und des Heiligen Geistes dreimal in die in der Regel mit Bleiblech ausgekleidete Höhlung des Steins getaucht. Eine neue Kirchenordnung in Gebiet Schleswig-Holsteins änderte diese Praxis: ab dem Jahr 1542 war nur mehr ein dreimaliges Begießen des Kopfes vorgesehen, was zur Folge hatte, dass eine Taufschale in die Öffnung des Taufbeckens eingehängt wurde, die wesentlich weniger Taufwasser aufnehmen musste. Diesen Dienst versieht bis heute eine Taufschale aus dem 17. Jahrhundert, die mit Hilfe einer Haltevorrichtung in den Taufstein eingehängt wird.

Figur Johannes des Täufers

Johannes der Täufer siegt über Herodes: Aus dem 15. Jahrhundert stammt die einzigartige Darstellung des Täufers. Aus Holz geschnitzt und anschließend bemalt steht der Namenspatron der Kirche überlebensgroß am Südfenster des Chorraumes. Ungewöhnlich an der Johannesdarstellung ist die kleine Figur unter den Füßen des Täufers: Es ist König Herodes Antipas. Der Künstler des Mittelalters stellt diesen geschichtlichen Vorgang auf den Kopf und lässt Johannes überlebensgroß als Sieger erscheinen.

Der Namenspatron der Kirche ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die in der Südostecke des Chors aufgestellt ist und mit einer Größe von 2,75 Meter den Kirchenraum beeindruckend dominiert. Sie steht auf einem Steinsockel und ist zurückhaltend farbig ausgeführt. Die Bemalung stammt von einer Restaurierung aus dem Jahr 1980, wobei auf vorgefundenes älteres Farbschema zurückgegriffen wurde. Johannes steht mit Bibel und Lammfigur predigend auf dem Rücken eines kleinen Manns, der als König Herodes identifiziert wurde. Johannes erhebt sich demzufolge sinnbildlich auf Grund seines Wirkens übermächtig über den Mann, der ihn nach biblischer Überlieferung hinrichten ließ. Der Eindruck einer etwas ungelenken Handhaltung rührt daher, dass an der Figur spätere Attribut-Ergänzungen vorgenommen wurden, die ursprünglich vom Künstler nicht vorgesehen waren. Bibel und Lammfigur, die für Jesus Christus steht, wurden später ergänzt; der Kreuzstab, den Johannes ursprünglich führte, fehlt. Das Werk stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Epitaph Ingwer Siewertsen (Jacobs)

Das Epitaph Ingwer Siewertsen (Jacobs) von 1613 wurde 1634 aus der untergegangenen Kirche von Königsbüll auf Alt-Nordstrand hierher überführt.  Das Nachrufbildnis  wurde nach dem Verlust der Kirche infolge der Zweiten Manndränke 1634 nach Nieblum gebracht und ist jetzt an der Ostwand des südlichen Querschiffs zu finden. Der geschnitzte, üppig mit Doppelsäulen, Roll- und Beschlagwerk dekorierte Architekturrahmen (der Unterhang fehlt) stammt aus der Werkstatt des Heinrich Ringering in Flensburg und zeichnet sich durch die gut erhaltene ursprüngliche Farbfassung aus. 

Das Hauptbild, eine gemalte Darstellung der Anbetung der Hirten mit der Stifterfamilie in vornehmen spanischen Kostümen am unteren Bildrand, wird Marten von Achten aus Garding zugeschrieben, desgleichen die kleine Verkündigung an Maria im Aufsatz.  

Verkündigung an Maria im Aufsatz

Pastorenbilder

Das Barock trug zur Ausstattung zwei Pastorenbilder (Laurentius Jacobi von 1658 und Jacobus Lyra, † 1686) bei, die eine gute Vorstellung von der Würde eines protestantischen Pfarrherren jener Zeit geben.

 

"Jacobus Lyra

ist gebohrn Anno 1629 den 28. October

zu Gildersheim im Fürstentum Grubenhagen,

auf Niedrig- und Hoher Schule unterwiesen

hier zu Johannis im Diaconat- Amt 15 Jahr, im Pastoratamt 13 Jahr,

arbeitsam, treu, sorgfeltig gewesen

und in Gott abgeschieden Anno 1686 den 12. Decemb.

seines Alters 57. Ministery 28. Jahr. " 

Votivschiff

Votivschiffe hängen in vielen Kirchen der Küstenregion. Sie sind ein Dank der Seefahrer für glückliche Heimkehr

Das Votivschiff mit dem Namen VERTROUWEN (Vertrauen) in der St. Johanniskirche. Votivschiffe leiten sich aus dem lateinischen "ex-voto" ab, "votum" bedeutet "Gelübde". Angelehnt an die katholische Tradition der Bitt- und Dankgaben, den „Votivtafeln“, die man vor allem in Kirchen in Süddeutschland findet, wurden „Votivschiffe“ von Kapitänen/Schiffseignern für die Heimatkirche gestiftet. Die typische Geschichte hinter einem Votivschiff ist eigentlich, dass ein Seemann sich auf hoher See in höchster Not befindet und Gott verspricht, ihm ein Schiff zu schenken, wenn er diese Notsituation überlebe. In der nächsten Kirche, die er erreicht, oder in seiner Heimatkirche stiftet der Mann dann tatsächlich ein solches Schiff. Dieser Brauch ist rund um das Mittelmeer verbreitet gewesen. Man kann in Spanien und Portugal, Griechenland und Italien auf Votivschiffe stoßen. Dieser Brauch ist dann nach Mittel- und Nordeuropa übernommen worden. Allerdings fehlt die oben skizzierte Geschichte in aller Regel. Im evangelischen Einzugsbereich ist das aufgehängte Schiff mehr Schmuck und Zierde, oftmals weil eine Person oder ein Verein sich verewigen möchte, weil man an bestimmte Personen oder Ereignisse erinnern will. Insofern sind diese Schiffe streng genommen keine Votivschiffe, werden aber auch dort zumeist als solche bezeichnet. In Dänemark spricht man, leicht missverständlich, vom "Kirchenschiff" (kirkeskib), auch von "Schmuckschiffen" oder "Schiffsmodellen in Kirchen" ist zuweilen die Rede. In Deutschland finden sich die meisten Schiffe natürlich an der Küste, in Mecklenburg-Vorpommern sind es fast 50, in Schleswig-Holstein ebenfalls.

Altar

Die beiden Gemälde auf dem Altaruntersatz zeigen zwei Szenen aus dem Leben Jesu Christi – die Fußwaschung und das Abendmahl.

Beim Altar aus dem Jahr 1487 handelt es sich um einen fünfflügeligen Marien-Krönungs-Altar im spätgotischen Stil. Der Schreinaltar besitzt bemerkenswerte Ölgemälde auf den Flügelaußenseiten, die Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons Johannes des Täufers zeigen. Aufgeklappt zeigt der Altar insgesamt 16 Figuren aus der christlichen Ikonographie. Im Zentrum steht Maria, die von Christus zu ihrer Linken gekrönt wird. Die Figur des Johannes, des Namenspatrons der Kirche, steht zur Rechten Marias. Der Altar ist wegen der zentralen Stellung Marias als vorreformatorischer Marienaltar anzusprechen. Rechts neben dem krönenden Christus steht, vom Betrachter aus gesehen, ein Papst, wahrscheinlich Silvester I. (314 bis 335) mit Papsttiara. Der Altaraufsatz stammt höchstwahrscheinlich aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, also zeitlich vor der Reformation, die 1530 auf Föhr eingeführt wurde. Links und rechts schließt sich neben den Hauptfiguren die Darstellung der Apostel an. Die Darstellungsweise des Innenteils orientiert sich an einer überkommenen Bildsprache, während die dem Betrachter nicht sichtbaren Vorderseiten der beiden außen liegenden Flügel zeitgenössisch gestaltet sind. Hier zeigen zwei Darstellungen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers in moderner niederländisch-realistischer Malweise. Auf dem Altaraufsatz ist eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe zu sehen. Der Altaruntersatz, die Predella, lässt in der Mitte eine Nische frei, in der in vorreformatorischer Zeit die Monstranz während der Messen gezeigt wurde. Die beiden Gemälde auf dem Altaruntersatz zeigen zwei Szenen aus dem Leben Jesu Christi – die Fußwaschung und das Abendmahl.

In einer Wandnische links neben der Apsis befindet sich der Sakramentsschrank aus dem Jahre 1487, ein reichgeschnitzter Schrank zur Aufnahme der Abendmahlsutensilien
Inselposaunenchor: Jeden Mittwoch um 19.30 Uhr findet die Probe des Inselposaunenchors statt.

Kanzel

Die Kirche verfügt über zwei Kanzeln. Die ältere der beiden liegt ebenerdig im südlichen Chor gelegen und ist sehr schmucklos. Der herausragenden Bedeutung der Predigt in der evangelischen Liturgie entsprechend, wurde 1618 eine Schmuckkanzel im Stil der Renaissance in Form einer kleinen Empore am Ende des südlichen Langhauses vor dem Querhaus eingerichtet. Die Position der Kanzel garantiert allen Gottesdienstbesuchern sowohl im Lang-, als auch im nördlichen Querhaus freien Blick auf den Pastor und gute akustische Bedingungen. Diese zweite Kanzel wurde von Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, Präfekt van der Wisch von Tondern, Propst Johannes Mauritius von Tondern und Jacob Boetius (Pastor der Gemeinde von 1604–1629) gestiftet und zeigt die Heilsgeschichte Jesu Christi. Sie ist aus der Werkstatt von Heinrich Ringerink aus Flensburg, woher mehrere gleichartig gebaute Kanzeln im norddeutschen Raum stammen. Die gearbeiteten Flachreliefs mit Szenen aus dem Leben Jesu Christi wurden in der Werkstatt vorgefertigt und gemäß der Bestellung des Auftraggebers nachträglich in die hierfür offen gehaltenen Wandfelder der Kanzel geklebt.

Die Mitte des Darstellungszyklus nimmt die Taufe ein, die Johannes an Jesus Christus vollzieht – angesichts der reservierten Haltung, die die evangelische Tradition den Patronatsheiligen entgegenbringt, eine immerhin bemerkenswerte Hervorhebung des Namensgebers der Kirche. Die dargestellten Szenen werden am Sockel und am Schalldeckel der Kanzel durch Bibelzitate in niederdeutscher Sprache kommentiert. Die Pilaster zwischen den Flachreliefs sind mit Abbildungen der Apostel versehen. Engelsgesichter, Zapfen und Fruchtdarstellungen runden den Schmuck der Kanzel ab.

Die Kanzel von 1618: Sie hat die Form einer kleinen Empore, deren Mitte dreiseitig vorspringt. Eine strenge architektonische Gliederung durch Pilaster, breiten Sockel und Gebälk in antiker Form fasst Felder ein, in denen unter Bogenstellungen Flachreliefs die Heilsgeschichte Jesu Christi vor Augen führen. Über dem Aufgang steht noch heute die Jahreszahl und darunter die Namen der Stifter: Herzog Friedrich von Schleswig und Holstein, Präfect van der Wisch von Tondern, Propst Johannes Mauritius von Tondern und Jacob Boetius (Boysen), Pastor der Gemeinde von 1604 -1629.

Restaurierung und Erneuerung

Dem rauen Nordsee-Klima, der Salzluft und häufigen Schlagregen ausgesetzt, bedurfte die Kirche über die Jahrhunderte immer wieder Restaurierungen. Zum Teil wurden hierbei Backsteinformate verwendet, die von der ursprünglichen Ausstattung deutlich abwichen. Bereits im 14. Jahrhundert musste die westliche Hälfte des südlichen Langhauses erneuert werden. 1662 waren Teile des Vierungsgewölbes nach einem Einsturz zu erneuern. In den Jahren 1964 und 1970/71 wurden große Teile der Außenverblendung großflächig erneuert, wobei Ziegel im ursprünglichen Maß wieder zum Einsatz kamen.
Seit dem Jahr 2006 wird die Kirche rundherum renoviert und in Stand gesetzt. Im Zuge dieser Arbeiten wurden Teile des Daches erneuert, die Fassade zu weiten Teilen wiederhergestellt und andere dringend notwendige Erneuerungen zum Erhalt der Bausubstanz durchgeführt. Der komplette Dachstuhl mit einer Größe von 1050 Quadratmetern wurde mit Blei belegt. Eine Drainage sorgt jetzt für eine Trocknung des Gebäudes, das lange Zeit unter Wasser und Feuchtigkeit zu leiden hatte. An einigen Stellen ist der Putz noch entfernt, um die Trocknung des Mauerwerks zu fördern. Das schadhafte Mauerwerk wurde von außen Partie für Partie entfernt und die geöffneten Stellen sofort wieder mit Backsteinen im ursprünglichen Format verblendet. Das Baumaterial bestand aus Backsteinen in fünf Formaten sowie einer speziell uubereiteten Speismischung, die von einer dänischen Ziegelei geliefert wurden.

Im Sommer 2010 wurde als fünfter Bauabschnitt mit der Sanierung des Innenraums begonnen. Im ersten Schritt wurde die Dielung der Orgelempore erneuert. Es wurde im Herbst das Nordquerhaus abgetrennt, ein Gerüst aufgebaut und begonnen, die Wände zu sanieren. Vor allem am Gewölbe waren erhebliche Schäden festzustellen. Mit Hilfe der alten Technik, mit Reetmattengeflechten Kalkputz aufzutragen, wurden alle Flächen wieder hergestellt. Ein Restaurator malte und ergänzte dann die Ausschmückung der Gewölberippen. Im September 2010 wurde im nördlichen Querhaus eine Staubwand über der Empore errichtet. Gewölbe und Umfassungswande wurden vom Putz befreit. Salzfraß an den westlichen Gewölbefeldern erforderte neue Putzträger aus Schilfrohrmatten. Außerdem war eine Teilerneuerung von Gurtbögen und Fensterleibungen mit nach Maß geformten Handformziegeln der Firma Falkenlöwe nötig. Der Anstrich erfolgte mit Mineralfarben nach spezieller Grundierung (KEIM-Quarzil). Wegen der sehr hohen Feuchtigkeit gab und gibt es dennoch Abblatterungen.

Im Oktober 2010 wurde im südlichen Querhaus eine weitere Staubwand vom Boden bis zum südlichen Vierungsbogen hochgezogen. An der Innenseite wurde vorübergehend das Epitaph aufgehängt. Die Grabplatten an den Außenwänden des Querhauses wurden versetzt. Zwei kamen in den Vorraum unter der Orgel, die beiden anderen in das südliche Vorhaus.

Großflächiger Abbruch der Ziegel an den Innenwänden sowohl auf der West- wie auf der Südseite machten es erforderlich, dass diese Wände innen neu aufgemauert wurden. Auch hierzu wurden teuere Handformziegel im Klosterformat verwendet.

Der Restaurator nahm dann die farbige Fassung der Gurtbögen im Nordquerhaus vor. Im Südquerhaus wurden gleichzeitig großflächig Granitquarder aus der Ursprungskirche freigelegt. Über die Weihnachtsfeiertage wurde die Staubwand über der Nordempore teilweise wieder geöffnet. So wurden die ersten Ergebnisse der Arbeiten für alle sichtbar. Im Januar 2011 wurde eine dritte Staubwand gezogen im Vierungsbogen zum Langhaus. Dort wurde vorübergehend eine „kleine Kirche" gestaltet. Das Epitaph wurde als Altarbild aufgehängt. Im Chorraum wurde nun der Fussboden aufgestemmt und ausgekoffert, um einen neuen Luftschacht für die Heizungsanlage möglich zu machen. Nach Abtransport des Schutts mit unzähligen Schubkarrenladungen wurde der Chorraum eingerastet. Obwohl Taufe und Sandsteinplatten unbeschädigt zwischengelagert werden konnten, wurden Chor, Apsis und Vierung zu einer „entmutigenden" Baustelle. Große Teile der Wölbungen mussten vom losen Putz befreit und anschließend neu aufgebaut werden. Alle Pfeilervorlagen waren bis in eine Höhe von zwei Metern marode und mussten neu aufgemauert werden. Wie im Nord- und Südquerhaus waren die Arbeiten am Gewölbe sehr viel aufwändiger als erwartet. Besonders schlimm war der Zustand im Bereich der Apsis sowie am östlichen Seitenfenster im Chor. (Dort musste eine Stahlbetonbewehrung entfernt werden.) Schließlich konnten die Gewölbe farblich restauriert werden und der Fußboden im Chor neu aufgebaut werden. Die Stufen zum Altar wurden mit Holzbohlen belegt.

Die Stufen zum Altar wurden mit Holzbohlen belegt.
Vergleich: Altarraum im Juli 2001

Friedhof

Da St. Johannis die Pfarrkirche für viele umliegende Dörfer ist, verfügt die Kirche auch über einen großen Friedhof, der sie vollkommen umgibt. Er ist von Bäumen gesäumt. Wie auf zahlreichen anderen Friedhöfen in Nordfriesland erzählen auch hier die teils prächtigen sogenannten Sprechenden Grabsteine die Geschichte der Seefahrer aus Nieblum und umliegenden Orten. Wie auf den beiden anderen Kirchfriedhöfen von Föhr besitzt auch der Friedhof der Kirchengemeinde St. Johannis viele Grabsteine aus der Barockzeit, die ihren kunstwissenschaftlichen Ruf durch prächtige Ornamentik und kunstvolle Schriftgestaltung verdient haben. Zirka 250 der alten Steine stehen zum größten Teil noch auf ihren Originalplätzen, nur einige wenige sind ihres Werts wegen in den Schutz des Kirchenraums gestellt worden. Die Grabsteine berichten dem Besucher in hoch- oder niederdeutscher bzw. in lateinischer Sprache oft ausführlich vom Lebensweg der Beigesetzten. Der Reliefschmuck der Grabmäler ist oft sehr umfangreich ausgeführt, die Formen wiederholen sich nicht. Oft sind Bilder mit Szenen aus der Heiligen Schrift Hauptmotiv eines Steins, oft sind aber auch die Verstorbenen oder – bei Seefahrern – Schiffe abgebildet. Gemeinsam ist den Darstellungen, dass sie von einer unverbrüchlichen Glaubens- und Heilsgewissheit zeugen, die in der Figur des oft abgebildeten Jesus Christus ihr vornehmstes Symbol finden. Eine besondere Ikonographie-Tradition hat sich im floralen Motiv erhalten: Der Mann und die Söhne der Familie sind auf dem Grabstein linkerhand in Tulpen-ähnlichen Blumen aufgeführt, die Frau und die Töchter rechterhand in Form von vierblütigen Blumen. Eine geknickte Blume weist darauf hin, dass die betreffende Person zum Zeitpunkt der Entstehung des Grabsteins bereits verstorben war. Die Häufigkeit dieses Motivs bezeugt die hohe Kindersterblichkeit früherer Jahrhunderte.

Die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs liegt genau zwischen der St. Johanniskirche und dem Pastorat. Der Obelisk mit stumpfer Spitze ist mit bunten behauenen Feldsteinen ca. 4,5 Meter hoch aufgemauert. Er steht der Anlage vor und trägt die Widmungsplatten. In die Frontseite des Obelisken sind vom Boden aus drei Steinplatten übereinander eingelassen. Die oberste – unter einem Schmuckbalken mit gebogenen Enden – trägt den Bibelspruch 11,25 aus dem Johannesevangelium:

 

Wer an mich glaubt, der wird leben ob er gleich stürbe

 

Darunter ein Medaillon, das einen Soldatenkopf mit Stahlhelm im Halbrelief zeigt. Auf der mittleren Tafel steht die Widmung:

 

Die dankbare St. Johannisgemeinde widmet diesen Ehrenfriedhof ihren in den Kriegen 1914 - 1918 und 1939 - 1945 gefallenen tapferen Söhnen

 

Da das Denkmal in den 20er-Jahren errichtet worden ist, musste diese mittlere Platte nach dem 2. Weltkrieg ausgetauscht worden sein.

 

Die unterste Tafel zitiert unter einer Reihe aus drei Kreisen wieder einen Spruch aus dem Johannesevangelium, nämlich 15,13, darunter ein Kreuz mit je einem Kreis an den Seiten:

 

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

 

Vor dem Denkmal liegen in langen Reihen, angelehnt an Erdwälle die Namenstafeln der toten Soldaten. Außen die der Soldaten des 1. Weltkriegs. Nach dem 2. Weltkrieg kamen die zwei inneren Reihen dazu. Geordnet nach Herkunftsort werden Name, Geburtsdatum, Sterbedatum und Sterbeort genannt.

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