LVR-Archäologischer Park Xanten: ARENA

Die rekonstruierte Arena lässt die Atmosphäre römischer Spiele wieder aufleben und zeigt eindrucksvoll, wie groß und publikumswirksam Unterhaltung in der Colonia Ulpia Traiana inszeniert wurde – ein Ort, an dem sich Gemeinschaft, Spannung und städtische Identität verdichteten.

Amphitheater

 
 

Das Amphitheater der Colonia Ulpia Traiana war ein typisches aus Stein gebautes Rundtheater, das eine größere Stadt wie die römische Colonia Ulpia Traiana im zweiten Jahrhundert n. Chr. haben musste. Es war die größte Veranstaltungsstätte der antiken Vorgängerstadt des heutigen nordrhein-westfälischen Xantens, besaß eine ovale Arena und fasste bis zu 10.000 Menschen. Amphitheater gehörten zu den charakteristischen Bauwerken einer römischen Stadt und deckten ein breites Spektrum an Freizeitgestaltung für deren Bewohner ab.

Öffentliche Großveranstaltungen wie die Kämpfe im Amphitheater und die Wagenrennen im Circus waren die mit Abstand populärste Unterhaltung für große Teile der Bevölkerung. Die großen Amphitheater in Rom und den Provinzen waren regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn Menschen und Tiere in der Arena auf Leben und Tod kämpften. Selbst Kaiser wie Marc Aurel, die die grausamen Vorführungen verachteten, sahen sich genötigt, ihrer Pflicht als Ausrichter der ‚Spiele‘ nachzukommen.

 

Bereits vor der Gründung der Colonia Ulpia Traiana befand sich in direkter Nähe, bei dem Legionslager Vetera, ein solches Bauwerk, das Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtete Amphitheater von Birten. Etwa zur Zeit der Stadtgründung der Colonia um das Jahr 100 wurde auch sofort ein Amphitheater innerhalb der neuen Stadtmauern angelegt. Anfangs war es nur eine hölzerne Anlage auf einem Erdwall. Erst gegen Ende des 2. Jahrhunderts wurde es durch einen komplett aus Stein errichteten Neubau ersetzt. Das Amphitheater lag, wie für solche Anlagen üblich, in einem Randbezirk der Siedlung, nämlich ganz in der Ecke auf der östlichsten Insula des Stadtgebietes. Das Areal im Umfeld war nicht bebaut, um den Zutritt der großen Besucherzahlen in die Anlage zu ermöglichen.

 

Ausgrabung und Rekonstruktion

Das Amphitheater hatte in der Längsachse einen Durchmesser von 99 m; die Außenmauer dürfte eine Höhe von mehr als 10 m erreicht haben. Von dem aufgehenden Mauerwerk ist aufgrund von Steinraub bei den ersten Ausgrabungen zwar kaum noch etwas erhalten gewesen, die Fundamente aus Grauwacke waren aber noch vorhanden.

 

Bereits in den 1930er Jahren wurden weite Teile des Amphitheaters der CUT großflächig aufgedeckt. Dabei fanden sich neben den Fundamenten des Mauerwerks auch Spuren der hölzernen Konstruktionen unterhalb der Arena. Die Dokumentation der damaligen Grabungen ist leider nur unvollständig erhalten.

 

Nach der Ausgrabung der 1930er Jahre wurden die noch vorhandenen Befunde wohl an ihrem Platz belassen, mit Ausnahme dreier Grauwacken, die neben der Anlage aufgestellt wurden. Der Rest des Fundaments blieb an Ort und Stelle und diente als Basis für die Teilrekonstruktion des Bauwerkes im Archäologischen Park Xanten.

 

Heute finden im rekonstruierten Amphitheater wieder regelmäßig Veranstaltungen statt. Bei den Xantener Sommerfestspielen mit Opern, Operetten und Musicals traten bis 2012 internationale Künstlerinnen und Künstler auf. Auch Rockgrößen nutzen den besonderen Charme und die gute Akustik der Arena für Open-Air-Konzerte. Ein besonderes Ereignis sind die Gladiatorenspiele beim großen Römerfest „Schwerter, Brot und Spiele“ im APX. Sie werden von einem der führenden Historiker auf dem Gebiet der Gladiatur geleitet und zeigen abseits der gängigen Hollywood-Klischees, aber durchaus packend und eindrücklich, wie die unterschiedlichen Gladiatoren mit welcher Ausrüstung und nach welchen Regeln kämpften. Das Römerfest in Xanten ist zwar ein großes Spektakel – mit Gladiatorenkämpfen, Reiterstaffeln und Legionärs-Paraden – aber gleichzeitig eine ernste und ernstzunehmende Angelegenheit. Es geht um Authentizität statt kreativer Interpretation der Geschichte, um originalgetreue Darstellungen und um Wissensvermittlung, schließlich ist der APX ein Museum.

 
 

Die Ausstellung im inneren Rundgang der Arena folgt dem Tagesablauf der damaligen Veranstaltungen. In einem von drei anliegenden Räumen, die wahrscheinlich als Tierkäfige oder Aufenthaltsräume für Gladiatoren gedient haben, trifft man zunächst auf mehrere lebensgroße Figurinen mit originalgetreu rekonstruierter Ausrüstung typischer Gladiatorengattungen. Im düsteren Gang selbst bieten beleuchtete Texttafeln und Monitore mit Kampfszenen vielfältige Informationen über die antiken Spektakel.

 
 

Statue des Kaisers Trajan im rekonstruierten Bauwerk