Haus Herbede in Witten an der Ruhr

Haus Herbede wurde erstmals im Jahr 1200 erwähnt und ist damit ältestes Gebäude von Witten und zugleich eines der ältesten Herrenhäuser im mittleren Ruhrtal. Der einstige Adelssitz Haus Herbede war über Jahrhunderte hinweg Herrschaftsmittelpunkt und Sitz der Gerichtsherren von Herbede. Rund 700 Jahre lang, bis Anfang des 20. Jahrhunderts, befand sich Haus Herbede im Eigentum der Familie von Elverfeldt bzw. ihrer Erben, die es bis zum Ende dieses Zeitraums auch bewohnten. Nach dem Ende der Adelszeit übernahm die Firma Dittmann & Neuhaus das Gebäude, die es als Wohngebäude für die Arbeiter in ihrer Eisenverarbeitung nutzten. Und von den 1950er- bis in die 70er- Jahre verfiel das mittlerweile in kleine Wohnungen aufgeteilte Haus, bis sich Anfang der 1980er-Jahre der Wittener Bruno Sobotka mit einem Förderverein für den Erhalt einsetzte – sonst wäre das historische Gemäuer wohl den Verkehrsplanungen in Herbede zum Opfer gefallen. Happy End: 1985 erwarb das Freizeitzentrum Kemnade für die symbolische „eine Mark“ den Sanierungsfall – und setzte ihn mit zahlreichen Förderern bis 1988 instand. Seit September 1988 hat sich das unter Denkmalschutz stehende Haus Herbede zu einer beliebten Freizeiteinrichtung in der Erholungslandschaft des mittleren Ruhrtals entwickelt. Heute zeigt sich Haus Herbede als Kultur- und Begegnungshaus.

Die Burg weist mehrere Bauphasen auf, so dass sie nicht so einheitlich ist, wie sie sich durch die homogene Dachform darstellt. Der älteste Teil ist der zur Straße hin orientierte Südflügel (heute mit Standesamt), der sich aus zwei Giebelhäusern aus dem 15. Jh. und Anfang 16. Jh. zusammensetzt. Der Nordflügel mit dem Rittersaal (16. Jh.) stand ursprünglich als frei stehender Baukörper und war an der Westecke mit einem Rundturm flankiert. Der Ostflügel mit der Küche wurde Mitte des 16. Jh. zwischen Nord- und Südflügel gestellt, so dass eine Dreiflügelanlage entstanden war. Erst im 17. Jh. wurde die Westfront mit dem Portal und Brücke zur Vierflügelanlage geschlossen. Im 18. Jh. erhielt diese Baugruppe das einheitliche abgewalmte Dach. 

 

Im Osten wurde an die äußere Küchenwand gelehnt ein Anbau errichtet, von dem lediglich der Sockel erhalten geblieben war und der heute eine sanitäre Anlage (WC) aufgenommen hat. 

 

Über eine sehr schmale Wendeltreppe (oben links durch den Pfeil markiert), die zwischen den Wänden der Gebäudeteile von 1540 und 1563 eingezogen worden ist, führt der Weg von der ehemaligen Küche, dem heutigen Kaminraum, in den Keller. Der Küchenraum, der ursprünglich aus zwei voneinander getrennten Teilen bestand und später zu einer größeren Küche umgestaltet worden ist, erfüllte zeitgemäß nicht nur die Funktion einer Küche, sondern hier lebte man auch. Er war, wie ein Foto aus dem Jahre 1908 beweist, mit einem großen Kamin mit einem mächtigen Rauchfang ausgestattet, auf dem die Jahreszahl 1568 gestanden haben soll.

Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts wurden alle Gebäudeteile der vierflügeligen Hauptburg auf eine einheitliche Höhe abgetragen und dem Gesamtkomplex ein einheitliches Walmdach aufgesetzt. Die hierdurch entstandene Ansicht der Hauptburg des Hauses Herbede prägt bis heute das äußere Bild.

Fenster Rittersaal

Die westliche Schauseite ziert ein nachträglich eingebauter kleinerer Erker mit der Datierung „AD 1636“ (Anno Domini 1636).

Auf den ersten Blick mag man es kaum glauben: Haus Herbede ist noch älter als die Burgruine Hardenstein, die keine drei Kilometer weit entfernt liegt. Dennoch ist von der historischen Substanz so viel mehr erhalten, dass man dem ehemaligen Adelssitz derer von Elverfeldt kaum die verflossene Zeit ansieht. Hinweise gibt es dennoch: In der Außenmauer des Geländes sind noch die Schießscharten zu sehen. Und einst wurde die damalige Burg von zwei Wassergräben vor umher streunendem Gesindel und feindlichen Heeren geschützt. Wer ganz genau hinsieht, entdeckt noch die Stellen, an denen früher die Zugbrücke übers Wasser führte.

Wie eine westliche Baunaht und Abdeckplatten der Außenmauer zeigen, ist die Vorburg bereits im 16. Jahrhundert erweitert worden. Zwischen der neuen Vorburg und der Hauptburg ist zu gleicher Zeit eine erst während der Sanierungs- und Umbauarbeiten von 1985-88 wiederentdeckte Brücke errichtet worden mit einem steinernen Bogen zur Vorburg hin und einer hölzernen Zugbrücke zur Hauptburg hin, die 1798 durch einen steinernen Bogen ersetzt worden ist.

Westfront mit dem Portal und Brücke
Außenfassade des Kaminraums

Der Außenfassade des Kaminraums wird geschmückt von einer aufwendig gestalteten Fensterwand. Zwischen zwei imposanten kannelierten Halbsäulen auf hohen Sockeln, die linke noch mit einem korinthischen Kapitell gekrönt, wurde ein großzügiges fünfbahniges Renaissancefenster eingesetzt. Darüber befindet sich ein aufwendig gearbeitetes fünfteiliges Relief, das jedoch ursprünglich um zumindest zwei oder vier Teile größer war und nachträglich an der heutigen Stelle angebracht worden ist. Das mittlere der fünf Felder, datiert 1576, beinhaltet eine lateinische Inschrift, die besagt, dass dieses Relief von Konrad (Cort) von Elverfeldt (*um 1530, † 1594) und seiner Frau Berta von Vittinghoff gen. Schell zum Schellenberg in Auftrag gegeben worden ist. Links neben der Inschrift ist das Wappen der Familie von Elverfeldt, rechts neben der Inschrift das Wappen der Familie von Vittinghoff zu sehen. Dem Elverfeldt-Wappen ist auf dem sich anschließen-den Teil die Justitia als Versinnbildlichung des Gerichtsherrenamtes zugeordnet; dem Vittinghoff-Wappen ist die Lukretia als Versinnbildlichung der Schützerin des Hauses und der ehelichen Tugenden zugeordnet.
Die so geschmückte Wand, später ergänzt um ein darüber liegendes Fachwerk-Halbgeschoss, ist in der weiteren Umgebung kein zweites Mal zu finden. 

Aufwendig gestaltete Fensterwand mit korinthischen Säulen und der Replik eines Figuren- und Wappenreliefs.

Die Herren von Elverfeldt zogen hier im Jahr 1311 ein – und gingen erst im Jahr 1889 wieder von hier fort. Sie verdienten ihr Geld mit Brückengeld für die Überquerungen der nahe gelegenen Ruhr – und mit Gerichtsgebühren. Allerdings scheinen die Geschäfte niemals ganz blendend gelaufen zu sein. Man kann das festmachen an dem prinzipiell prächtigen Relieffeld mit den beiden säumenden Postament-Säulen, die im etwas beengten Innenhof sofort ins Auge fallen und zu den optischen Höhepunkten des Hauses zählen. Man sieht, dass sie damals wahrscheinlich die preiswertesten Handwerker genommen haben und Stück für Stück haben arbeiten lassen. An den Säulen erkennt man sofort: Links oben ist die Ornamentik ausgebildet, rechts fehlt sie noch.

Aus konservatorischen Gründen befindet sich das 1985-88 sanierte Original-Relief (hier im Bild) im Märkischen Museum zu Witten. Vor Ort ist eine Replik zu bewundern.

Im Innenhof schloss sich im Westen ein Treppenturm an, dessen Untergeschoss noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten war. Die Innenhofseite des Ganges ist in Fachwerk ausgeführt. Der Schwellenbalken, der ehemals auf dem Erdgeschoss des Treppenturmes auflag, heute auf dem neuen Treppenhaus, zeigt an seiner Unterkante ein Kerb-Ornament. Der über dem Gang liegende Dachstuhl datiert aus dem Zeitraum um 1630. Im Ergebnis entstand eine vierflügelige Anlage mit einem 6 x 8 m großen Innenhof.

Kaminzimmer, früher Küche (Teil)

Im Haus Herbede finden im Jahresverlauf vielfältige Veranstaltungen statt. Die Räumlichkeiten und der Innenhof des Hauptgebäudes sowie die Vorburg und der Obstgarten eignen sich für eine breite Palette der unterschiedlichsten Veranstaltungen. So findet dreimal jährlich der Kunsthandwerkermarkt im Rahmen des Fröhlings-, Sommer- und Winterfestes statt, auf dem regionale und überregionale Handwerker, Maler, Lebensmittelhersteller und Designer ihre Produkte ausstellen. 

 

Waren die Tage rund um die Veranstaltung traditionsgemß am 1. Augustwochenende auch schon in den letzten Jahren fast immer überdurchschnittlich warm, so brachte der August 2018 Hitzerekorde mit Temperaturen um 38°C.  Viele Besucher nutzten daher die kühleren Morgenstunden für einen schnellen Einkaufsbummel.  Leider viel zu viele (für die Aussteller) verzichteten ganz auf einen Besuch. 

Vorburg

Vorburg mit kleinen Künstergeschäften

Die westlich der Hauptburg vorgelagerte Vorburg mit ihrem malerischen Eingangstor wurde ebenfalls im 16. Jahrhundert erweitert und ihre Mauer aufgestockt. Über die Gräftensituation lässt sich bis heute nichts Genaues sagen. Lediglich im Norden dürfte sich ein Wassergraben befunden haben, von dem sich Reste bis zu Beginn unseres Jahrhunderts erhalten hatten. Der heute noch in Teilen erkennbare südliche Graben muss bereits im 16. Jahrhundert trocken gewesen sein, da in einem kleinen Flankierungswerk zwischen dem Tor der Vorburg und der Hauptburg eine Ausfallpforte eingelassen ist. Die Haupt- und die Vorburg werden durch eine zweibogige steinerne Brücke verbunden, deren Ursprung spätestens im 16. Jh. liegen dürfte. Der ehemals hölzerne Zugbrückenteil ist 1798 durch einen steinernen ersetzt worden.

Rittersaal mit Verkaufsständen

Herzen, Blumen, Tiere oder auch gerne ein Fußballwappen, Simon Brück kann alles aus einer Schieferplatte herausholen. Der Dachdecker ist fast bei einem Markt im Haus Herbede dabei und weiß, dass die Kunden von seinen Werken begeistert sind. „Ich nehme sehr selten einmal Schieferplatten oder Motive, die ich schon fertiggestellt habe, wieder mit nach Hause“, meint er. In seiner offiziellen Uniform schlägt er die Figuren und Muster vor den Augen der Kunden direkt aus der Platte heraus. Zu nahe heran sollte man dabei jedoch nicht gehen: Der feine Staub wirbelt unaufhaltsam durch die Luft und setzt sich überall fest.

Pünktlich war der Hochsommer auch 2016 noch einmal zurückgekehrt – das Gelände um Haus Herbede erstrahlte in schönstem Sonnenschein und brachte die zahlreichen Besucher des Sommerfestes ordentlich zum Schwitzen. Kein Wunder, dass die Tische des Biergartens alle belegt waren. Und zu den entspannten Klängen der Musiker und nettem Geplauder schmeckte das kühle Getränk gleich nochmal so gut.

 

Doch vor der wohlverdienten Pause war erst einmal Schauen, Stöbern und Shoppen angesagt – ein bunter und verlockender Stand reihte sich an den nächsten: Edler Schmuck, Deko, Tücher, Hüte, Blechschilder, leckere Marmeladensorten und handgefertigter Ziegenkäse zogen die Blicke der Besucher auf sich. Auf dem beliebten Kunsthandwerkermarkt gab es vieles zu entdecken, das man sonst wirklich nicht an jeder Ecke findet!

Auch die Herbeder "Nachwächter" waren wieder dabei.

Wer nach so viel Informationen eine Stärkung braucht, kann diese ganz stilecht am Steinofenstand erwerben – vom Flammkuchen bis zur Brezel und zum Malzbrot gibt es hier Leckereien direkt aus dem Ofen.

Wer am Sonntag das Gelände am Haus Herbede besuchte konnte historische Industriekultur hautnah erleben. Hier standen und tuckerten einige historische Traktoren, die die Luft mit Benzin- und Ölgeruch erfüllten. Diese Mischung zog bei strahlendem Sonnenschein die Oldtimer-Fans an. Die historischen Traktoren spielten eine wichtige Rolle in der Industrie und Landwirtschaft. Sie haben – ähnlich wie die Eisenbahn – Holz, Kohle, Stahl, landwirtschaftliche Güter und Personen transportiert.

Zu sehen waren neben einem Lanz 20, Bulldog mit 20PS ein Deutz D 25. Der Traktor der Marke Deutz wurde von 1959 bis 1965 in den Deutz-Werken in Köln produziert wurde. Der Hürlimann D115 war ab 1971 im Lieferprogramm. Ausgestattet mit einem DS95 Motor hat er eine Leistung von 55 PS aus knapp drei Litern Hubraum. Das unsynchronisierte Gruppengetriebe bietet 10 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgänge. Der Motor DS (auch D70 DS genannt) hatte sich gut bewährt und wurde weiterentwickelt. Erstmals kam dieser neue Motor 1970 im Hürlimann D110 zum Einsatz. Vom D110 gab es zwei Varianten, den D110 mit dem schon aus den Vorgängern bekannten Gruppengetriebe mit 10 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgängen.

Stelldichein der Landmaschinen - Trecker-Parade zog Publikum an.

„Ein Schritt in eine andere Zeit ohne Uhr“

HAUS HERBEDE IN WITTEN - HERRSCHAFTSMITTELPUNKT, ADELSSITZ, BEGEGNUNGSSTÄTTE

 

Eines der geschichtlich bedeutsamen und kunsthistorisch wichtigen Herrenhäuser im westfälischen Teil des Ruhrgebietes ist das Haus Herbede in Witten, über Jahrhunderte hinweg Mittelpunkt der Gerichtsherrschaft Herbede, von 1311 bis 1889 über 16 Generationen hinweg Wohnsitz der Familie von Elverfeldt. Wie an den meisten Adelssitzen des Ruhrgebietes ist die Industrialisierung dieser Region auch am Haus Herbede nicht spurlos vorübergegangen, zumal der Bereich um Witten und Herbede zu den frühesten Stätten des Ruhrkohlenbergbaus zu zählen ist. „Eine Frau namens Werica aus dem Weiler Herbede im Gau Hatterun war seit ihrer Geburt blind geblieben. Auch sie ließ sich von ihren Eltern und Verwandten zu den Reliquien des Märtyrers Alexanderführen. Dort erhielt sie ihr Augenlicht. Darauf kehrte sie mit fröhlichen Blicken freudig und beglückt auf demselben Wege heim, auf dem sie vorher in Trauer und Angst gekommen war.“ In diesem Ausschnitt aus dem Bericht über die Überführung der Gebeine des heiligen Märtyrers Alexander von Rom nach Wildeshausen wird Herbede für das Jahr 851 erstmals erwähnt (Translatio S. Alexandri auctoribus Ruodolfo et Meginharto, Kapitel 12, Absatz 1, um 865). Der Ursprung Herbedes dürfte jedoch schon vor 700 liegen. Im 7. und 8. Jahrhundert gehörte Herbede zum sächsisch-fränkischen Grenzgebiet. Mit einer Urkunde vom 31. Dezember 1019 schenkte Kaiser Heinrich II. dem von seiner Gattin, der Kaiserin Kunigunde, gegründeten Benediktinerinnen-Kloster Kaufungen südöstlich von Kassel den Reichshof Herbede. Die Grundherrschaft Herbede gehörte bis 1565, dem Todesjahr der letzten Äbtissin, zum Kloster Kaufungen, das im Zuge der Reformation 1527 aufgehoben worden war. Die Äbtissinnen ihrerseits übertrugen die Schutzherrschaft über Herbede u. a. auf die Grafen von Berg, von Isenberg-Altena und von der Mark. Vor Ort bedienten sich die Schutzherren in Herbede ansässiger Ministerialen. Als erster wird 1160 Heinrich von Herbede urkundlich erwähnt. Von 1225 bis 1311 nehmen die Herren von Didinghofen die ihnen übertragenen Aufgaben in Herbede wahr. Die Vogteirollen des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena vermitteln uns einen Überblick über den Umfang Herbedes für die Zeit um 1200: insgesamt 59 Höfe, davon 22 in Herbede selbst, sowie weitere u. a. in Brockhausen, Stiepel, Oveney, Querenburg, Werne, Langendreer, Dorstfeld, Heven und Bommern. Die Ursprünge des Hauses Herbede, das außerhalb des Ortsbereiches lag, dürften frühestens in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts liegen. Der Bau eines ersten festen Hauses könnte auch zu Zeiten des bereits erwähnten Heinrich von Herbede um 1160 erfolgt sein. 1200 übertrug Graf Arnold von Altena seiner Gattin Mechthild von Kleve den Zehnten in Herbede und ,,due domus ibidem“ (zwei feste Häuser ebendort). Mit großer Wahrscheinlichkeit ist mit „domus“ das inzwischen erbaute Haus Herbede gemeint, zumal der Grundriss des Hauses noch heute im südlichen Bereich zwei aneinander gebaute Turmhäuser erkennen lässt. Bereits vor 1304 bemühte sich der Blankensteiner Burgmann der Grafen von der Mark, der Ministeriale Burchard von Elverfeldt, aus eigenem Antrieb oder im Auftrag der Märker, die „curia“ in Herbede zu erringen. Doch erst durch die Heirat mit der Erbtochter Didinghofen konnte er Kirchen- und Gerichtsherr in Herbede werden. 1311 wurde Burchard von Elverfeldt der Herbeder Zehnt und 1313 die Herbeder Vogtei übertragen. Hiermit begann die halbstaatliche Herrschaft der Familie von Elverfeldt in Herbede, die letztlich erst mit dem Tod des Freiherrn Ludwig von Elverfeldt im Jahre 1889 endete. Vorfahren der Elverfeldts sind die Kölner Edelvögte Heppendorf (Eppendorp), die 1126 erstmals urkundlich erwähnt werden. 1169 erhielt Gerard I. von Heppendorf die Kölner Vogtei als erbliches Lehen. Ein Enkel Gerards, Arnold von Heppendorf, 1224-1264, wurde 1257 mit der Vogtei Elberfeld (Elvervelde) betraut und nahm den Namen Elverfeldt an, den dieser Familienzweig fortan trug. Dem Geschlecht der Kölner Edelvögte von Heppendorf entstammten auch die Herren von Alpen, von Rheydt, von Soest sowie die Linien Elverfeldt zu Hilden und Haan, zum Isenberg, Sinzig und Berge. Aus dem Wappen der Edelvögte von Köln, ein Schild mit zwölf goldenen und roten Balken, entwickelte sich ein Schild mit fünf roten Balken in Gold, das die Familie von Elverfeldt noch heute führt. Wie bereits erwähnt, ist der älteste Teil des Hauses Herbede im südlichen Bereich der heutigen Anlage zu finden. An die beiden aneinander gesetzten nahezu quadratischen Wohntürme erstreckte sich wahrscheinlich ehemals in nördlicher Richtung eine Ringmauer. Unter Verwendung dieser Mauer als Außenfront wurde um 1540 ein zweigeschossiges, unterkellertes Giebelhaus nördlich parallel zu den beiden Wohntürmen errichtet. Ebenfalls im 16. Jahrhundert sind auf der östlichen Seite unter Einbeziehung der Ringmauer die beiden Gebäudeteile durch einen Küchentrakt miteinander verbunden worden. Die Bauspuren lassen erkennen, dass innerhalb des 16. Jahrhunderts gerade im östlichen Teil mehrfach Um- und Erweiterungsbauten durchgeführt wurden, da z.B. Tür- und Fensteröffnungen auf verschiedenen Ebenen zu finden sind. Das Giebelhaus, geschmückt mit einem Erker aus der Erbauungszeit um 1540 zur Ruhrseite hin, beherbergte den Rittersaal mit zwei Kaminen an den Stirnseiten. Von einem dieser Kamine ist ein großer Sturz, der heute im Innenhof liegt, mit der Inschrift erhalten: ,,GODT KEHR UND WENDE ALLE MIN SACKE THO EINM GUD (ENDE)“. Südwestlich im Innenhof an das Giebelhaus gelehnt existierte noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts der Rest eines mächtigen Treppenturmes. Über die Eingangssituation im 16. Jahrhundert im Westen zum Innenhof der nunmehr dreiflügeligen Anlage lässt sich nichts mehr sagen. Der östliche Küchentrakt weist noch heute zum Innenhof hin über einer Eingangstür das Doppelwappen des Schotte von Elverfeldt, 1531-1565, und seiner Frau Göke Schenking von Bevern, 1540-1567, sowie die Jahreszahl 1565 auf. Neben dieser Eingangstür befindet sich ein prachtvolles fünfteiliges Fenster, eingerahmt von zwei mächtigen korinthischen Säulen. Oberhalb des Fensters ist ein ebenfalls fünfteiliges Relief eingelassen. Die fünf Bildtafeln stellen von links nach rechts dar: die Justitia — zur Versinnbildlichung des Gerichtsherrenamtes der Herren von Elverfeldt —, das Wappen der Familie von Elverfeldt, eine lateinische Inschrift, die auf die Auftraggeber dieser Bildwand Konrad (Cort) von Elverfeldt, 1559-1592, und seine Frau Berta von Vittinghoff gen. Schell zum Schellenberg, 1565-1602, und das Erbauungsjahr 1576 hinweist, das Wappen der Familie von Vittinghoff gen. Schell zum Schellenberg und die Lukretia, Versinnbildlichung der ehelichen Tugend. Hinter dieser Bildwand befand sich im Erdgeschoß die Küche des Hauses Herbede, wie uns ein 1908 entstandenes Foto zeigt. Auch dieser Küchenteil war wie das Giebelhaus unterkellert. Der gesamte Keller ist, offensichtlich aus statischen Gründen, wohl noch im 16. Jahrhundert mit einem großartigen Kreuzrippengewölbe ausgestattet worden. Die westlich der Hauptburg vorgelagerte Vorburg mit ihrem malerischen Eingangstor wurde ebenfalls im 16. Jahrhundert erweitert und ihre Mauer aufgestockt. Über die Gräftensituation lässt sich bis heute nichts Genaues sagen. Lediglich im Norden dürfte sich ein Wassergraben befunden haben, von dem sich Reste bis zu Beginn unseres Jahrhunderts erhalten hatten. Der heute noch in Teilen erkennbare südliche Graben muss bereits im 16. Jahrhundert trocken gewesen sein, da in einem kleinen Flankierungswerk zwischen dem Tor der Vorburg und der Hauptburg eine Ausfallpforte eingelassen ist. Die Haupt- und die Vorburg werden durch eine zweibogige steinerne Brücke verbunden, deren Ursprung spätestens im 16. Jh. liegen dürfte. Der ehemals hölzerne Zugbrückenteil ist 1798 durch einen steinernen ersetzt worden. Um 1540/45 begann in Herbede die Reformation. Die Herren von Elverfeldt sind jedoch wahrscheinlich erst zum Ende des Jahrhunderts zum evangelischen Glauben übergetreten. Zwei Söhne des Schotte von Elverfeldt und seiner Frau Göke Schenking von Bevern wurden Domherren in Münster, wie nach ihnen noch zahlreiche Mitglieder der Familie von Elverfeldt den Domkapiteln in Münster, Paderborn und Hildesheim beigetreten sind. Noch heute befinden sich im Paulusdom in Münster ein Renaissance-Epitaph der Brüder Wilhelm von Elverfeldt (t 1611) und Christoph von Elverfeldt (t 1606) und zwei Heiligen-Figuren, die ebenfalls von Domherren aus der Familie von Elverfeldt gestiftet worden sind. Auch der ehemalige Hauptaltar des Domes in Münster, heute aufgestellt im Ostchor, ist u. a. eine Stiftung von Elverfeldt-Domherren. Konrad (Cort) von Elverfeldt war der letzte der Herbeder Herren, der von einer Äbtissin des Klosters Kaufungen, und zwar im Jahre 1559, mit dem Schultheißenamt Herbede belehnt wurde. Der Versuch Konrads, die reichsunmittelbare Oberhoheit des Kaisers zu erlangen, schlug fehl. Stattdessen stellte das Reichskammergericht 1570 Herbede unter die Hoheit des Herzogs von Kleve. Der Sohn Konrads und Bertas von Elverfeldt, Heinrich von Elverfeldt, * 1567, J" 1651, war verheiratet mit Henrika Schall von Bell zu Schwadorf, 1602—1614. Sie ließen an der westlichen Stirnseite des Giebelhauses einen kleineren Erker anbringen, der ihre Wappen und die Jahreszahl 1636 trägt. Ihr ältester Sohn, Robert von Elverfeldt, * 1602, f 1684, heiratete Anna Kunigunde Stael von Holstein vom benachbarten Schloss Steinhausen, f 1679. Er verzichtete zu Gunsten seines jüngeren Bruders Heinrich Wilhelm, 1627—1655, verheiratet mit Maria von Nesselrode gen. Hugenpoet zu Hugenpoet, 1635 — 1639, offensichtlich aus religiösen Gründen auf sein Herbeder Erbe und erwarb von seinem Schwager den Sattelhof Dahlhausen. Robert Freiherr von Elverfeldt wurde Begründer des noch heute existierenden katholischen Zweiges der Familie von Elverfeldt—Steinhausen-Canstein. Im 17. Jahrhundert wurde der bereits erwähnte Treppenturm bis auf Erdgeschoßhöhe abgetragen, wie auf einem Foto, ebenfalls aus dem Jahre 1908, noch zu sehen ist, und die westliche Eingangssituation neu gestaltet, zur Hofseite hin mit einer noch erhaltenen Fachwerkwand. Das heutige Aussehen des Hauses Herbede geht im Wesentlichen auf die Baumaßnahmen des 18. Jahrhunderts zurück. Dietrich Wilhelm Freiherr von Elverfeldt, 1682 —1727, ließ sämtliche Bauteile auf eine gleiche Höhe abtragen und dem Haus ein einheitliches Dach geben, das lediglich im Eingangsbereich etwas niedriger blieb. Ein zu dieser Zeit errichteter Anbau in der Mitte der Rückseite des Hauses ist zwischenzeitlich wieder bis auf einen hohen Sockel entfernt worden. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an, nach der Heirat des Freiherrn Adolf Ferdinand von Elverfeldt, * 1717, f 1771, mit Henriette von der Mark zu Villigst, Erbtochter zu Villigst, 1743 — 1798, und nach Einsetzen ihres Sohnes Friedrich von seinem Großvater als Universalerbe diente Haus Villigst bei Schwerte der Familie von Elverfeldt Herbede als Hauptwohnsitz. Das Haus Herbede Muss um diese Zeit bereits viel von seinem Glanz verloren haben. 1758 war es sogar kurzfristig ein Lazarett für 300 Kranke. Nach dem Umzug der Familie von Elverfeldt nach Villigst wurde Haus Herbede nur noch bedarfsweise als Sekundärwohnsitz genutzt. Um 1780 sind, wie dendrochronologische Untersuchungen ergeben haben, Reparaturen am Dach vorgenommen und einige Zwischenwände eingezogen worden. Der letzte Eigentümer aus der Familie Elverfeldt war Ludwig Freiherr von Elverfeldt, * 1827, f 1889, der mit Leokadie Gräfin von Reichenbach-Goschütz, 1836, f 1916, verheiratet war. Nach seinem Tod ging das Erbe an einen Neffen seiner Frau Leokadie, Viktor von Rheinbaben, und nicht an die katholische Linie Elverfeldt-Steinhausen-Canstein. Durch die Nachkommen des Freiherrn von Rheinbaben gelangten die verbleibenden Herbeder Güter in den Besitz der Familien von Gemmingen, von Stosch und von Hagen-Plettenberg. Die Tochter des Freiherrn Viktor von Rheinbaben, Gräfin Erika von Wedel-Sandfort, verkaufte 1922 das Haus Herbede an die Firma Dittmann und Neuhaus AG, die einen Steinwurf weit in westlicher Richtung von Haus Herbede entfernt 1898 ihre ersten Werkshallen errichtet hatte. Bereits 1859 verlegte die Firma Friedrich Lohmann ihr Blechwalzwerk von Witten nach Herbede in das Gelände östlich des Hauses Herbede. 1874 wurde die mittlere Ruhrtalbahn von Hattingen nach Herdecke eingeweiht, deren Schienenstrang noch heute und inzwischen stark verbreitert unmittelbar südlich am Haus Herbede entlang führt. Von 1914 an bewohnten einige angesehene Herbeder Familien den ehemaligen Adelssitz. 1972-1985 diente das Haus Werksangehörigen der Firma Dittmann und Neuhaus, insbesondere türkischen Mitbürgern, als Wohnsitz. Die gravierendste Beeinträchtigung seiner Lage erfuhr das Haus jedoch durch die 1934 eingeweihte Brücke über die Ruhr, den Mühlengraben und die Eisenbahnanlagen, die bis auf wenige Meter im Osten an das Gebäude heranreicht. Über Jahrzehnte hinweg haben Umwelteinflüsse dem Sandstein, aus dem das Haus errichtet worden ist, erheblich zugesetzt. Die Spuren sind überdeutlich abzulesen an den Fassaden, den Erkern, der Bildwand und am Kreuzgewölbe im Keller.

 

Quelle: Bruno J. Sobotka, Witten

wdf - wupper digitale fotografie

 Alle Bilder auf diesen Seiten unterliegen dem © von Klaus-D. Wupper. Das Copyright für veröffentlichte, vom Betreiber dieses Onlineangebotes selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten.
Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Sounds oder Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Betreibers nicht gestattet.