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Gnadenkapelle Kevelaer

Die Gnadenkapelle in Kevelar  ist Teil des denkmalgeschützten Ensembles aus Kerzenkapelle, Basilika, Wallfahrtskapelle und historischer Teile des angrenzenden Priesterhauses. Rund um den Kapellenplatz sind im Laufe der Geschichte mehrere Kirchen gebaut worden. Die älteste Wallfahrtskirche Kevelaers ist die bereits genannte Kerzenkapelle (erbaut 1643 bis 1645). Die größte Wallfahrtskirche in Kevelaer ist die von 1858 bis 1864 erbaute Marienbasilika. Im Bereich der Basilika liegen auch die vielfach an- und umgebaute Beichtkapelle und der Brunnenhof. Weitere Stätten der Wallfahrt und der Einkehr in unmittelbarer Nähe zur Gnadenkapelle sind die Sakramentskapelle und das Forum Pax Christi mit dem Petrus-Canisius-Haus. Das 1647 gleich gegenüber der Gnadenkapelle errichtete Kloster der Oratorianer ist das älteste Steingebäude der Stadt. Heute beherbergt es als Priesterhaus die Wallfahrtsleitung und dient außerdem als Pfarrhaus der Gemeinde. Im Priesterhaus werden auch Exerzitien, Einkehrtage, Wochenend- und Bildungskurse angeboten. Außerdem gibt es im Kevelaerer Stadtgebiet noch das Klarissen-Kloster, weitere Kirchen und einen Kreuzgang.

 

Dreh- und Angelpunkt der Kevelaerer Wallfahrt ist und bleibt aber die kleine Gnadenkapelle, die 1927 in die Liste der zu schützenden Baudenkmäler im Kreis Geldern aufgenommen wurde.

Gnadenkapelle auf dem Platz vor der Marienbasilika in Kevelaer
Die kleine sechseckige Gnadenkapelle ist von großen Kirchen und einer Basilika umringt - und trotzdem ist sie die Hauptdarstellerin der Wallfahrt in Kevelaer.
Gedenktafel an der Nordwestseite mit einem Zitat aus dem Krönungsdekret des Kapitels der Patriachal-Basilika vom Hl. Petrus zu Rom vom 12. April 1892. Darüber eines der prachtvollen Schmuckgitter.

Der Text auf der Tafel an der Nordostseite unter dem Fenster lautet: "ZUR GRÖSSEREN EHRE DES ALLMÄCHTIGEN GOTTES, DER SICH GEWÜRDIGT HAT, DIE ALLERHEILIGSTE JUNGFRAU, DIE MUTTER SEINES EINGEBOREN SOHNES, MIT BESONDEREN EHRERWEISUNGEN UND GNADENVORZÜGEN ZU ÜBERHAÜFEN, ZUR EHRENDEN AUSZEICHNUNG DER GOTTESMUTTER SELBST, ZUR VERMEHRUNG ENDLICH DER VEREHRUNG MARIAE DURCH DIE GLÄUBIGEN, HABEN WIR EINSTIMMIG BESCHLOSSEN UND BESTIMMT, DAS BLLD DER ALLERHEILIGSTEN JUNGFRAU, DER TRÖSTERIN DER BETRÜBTEN, MIT EINER GOLDENEN KRONE ZU KRÖNEN. AUS DEM KRÖNUNGSDEKRET DES KAPITELS DER PATRIACHAL-BASILIKA VOM H. PETRUS ZU ROM VOM 12. April 1892“.

Glocke an der Südostseite mit einer ornamentierten, schmiedeeisernen Halterung

Die Gnadenkapelle ist ein sechseckiger Kuppelbau, der auf der Seite des Gnadenbilds eine große, portalartige Fensteröffnung besitzt. Die Inschrift auf dem Bogen: CONSOLATRIX AFFLICTORUM - Trost der Betrübten
Altar der Gnadenkapelle in Kevelaer

Hauptziel der Wallfahrer ist die Gnadenkapelle, in der sich - als Mittelpunkt der Pilgerverehrung - ein eher unscheinbar kleines Bild befindet, das die Gottesmutter als „Trösterin der Betrübten“ zeigt.

Die Geschichte Kevelaers als Wallfahrtsort begann kurz vor Weihnachten 1641. Damals will der Gelderner Hendrick Busman an einem Hagelkreuz in der Kevelaerer Heide dreimal die Stimme der Mutter Gottes vernommen haben, die ihn mit dem Bau einer Kapelle beauftragt haben soll. „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!“ („Op deze plaats sult gij mij een kapelleken bouwen!“) Im folgenden Jahr kam Busman diesem Wunsch nach, nachdem seine Frau Mechel Schrouse kurz vor Pfingsten 1642 ebenfalls eine Vision hatte, in der sie ein Heiligenhäuschen mit einem Andachtsbildchen gesehen hatte. Das Bild in ihrer Vision glich einem Wallfahrts-Bildchen, das ihr kurz zuvor Soldaten zum Kauf angeboten hatten. Busman kaufte den Soldaten den kleinen Kupferstich ab, der das Abbild einer geschnitzten Luxemburgischen Madonnenfigur mit weit ausgebreitetem Mantel zeigt. Das Bild ist mit 1640 datiert und wurde vermutlich in Antwerpen gedruckt. 1642 ließ Busman genau an der Stelle, an der er seine Visionen gehabt hatte, einen Bildstock errichten, der wiederum genau dem Heiligenhäuschen aus der Vision seiner Frau nachgebaut war. Das Gnadenbild, welches ebenfalls der Vision seiner Frau entsprach, wurde am 1. Juni vom Ortspfarrer in den Bildstock eingestellt.

Von diesem Tag an etablierte sich Kevelaer schnell als Pilgerort. Von Anfang an war der Zustrom groß. Bereits in den Jahren 1643 bis 1645 wurde in direkter Nachbarschaft zum Bildstock die erste Wallfahrtskirche, die heutige Kerzenkapelle, erbaut. 1647 - nur fünf Jahre nach dem Einsetzen des Gnadenbildes in den Bildstock - erhielt Kevelaer die offizielle Anerkennung als Wallfahrtsort.

Bis zum Bau der Gnadenkapelle sollte es aber noch einige Jahre dauern. Hendrick Busman erlebte es selber nicht mehr, als 1654 zum Schutz des von ihm gestifteten Bildstocks die kleine Gnadenkapelle über dem Heiligenhäuschen errichtet wurde. Er verstarb fünf Jahre früher im März 1649.

Die grundlegende Form der sechseckigen, mit einem Kuppeldach versehenen Kapelle, die eine Nachbildung einer Kapelle in Scherpenheuvel in Belgien ist, ist bis heute erhalten geblieben, wenngleich sich im Laufe der Jahrhunderte im Inneren wie im Außenbereich immer wieder Veränderungen ergeben haben und grundlegende Restaurierungsarbeiten notwendig wurden.

Die wesentlichen baulichen Änderungen und Restaurationsarbeiten in chronologischer Folge:

1642: Hendrick Busman und seine Frau Mechel Schrouse lassen einen Bildstock/ein Heiligenhäuschen errichten, in dem das Gnadenbild der Luxemburgischen „Trösterin der Betrübten“ schlicht und ungerahmt auf einer Holzplatte klebt.


1654: Oratorianerpatres, die wegen des Bildstocks schon 1646 nach Kevelaer entsandt worden waren, lassen zum Schutz des Heiligtums über dem Busmanschen Heiligenhäuschen die Gnadenkapelle, eine (noch einfach gestaltete) sechseckige Kapelle mit Kuppeldach, errichten. Das Gnadenbild kann durch ein großes Portalfenster an der Rückseite der Kapelle betrachtet werden.

 

1663: Die Gnadenkapelle erhält einen ersten, hölzernen Altar an der Rückseite des Busmanschen Bildstocks, der im gleichen Jahr geweiht wird.

 

1664: Das Gnadenbild erhält eine vergoldete Silbereinfassung.

 

1690: Um die Kapelle wird eine Mauer errichtet und der Kapellenplatz wird mit Steinen gepflastert.

 

1874: Der hölzerne Altar wird durch einen Marmoraltar ersetzt und das alte Busmansche Heiligenhäuschen wird ebenfalls mit Marmor verkleidet.

 

1888 bis 1892: Der Innenraum der Kapelle wird vier Jahre lang künstlerisch aufwändig ausgestaltet. Dazu gehörten die üppigen Neorenaissancemalereien auf Goldgrund mit reichem Stuckdekor, die vom Münsteraner Künstler Friedrich Stummel entworfen wurden, sowie die ebenfalls von Stummel entworfenen schmiedeeisernen Gitter vor den ovalen Fenstern der Kapelle. In dieser Zeit wurden auch die Mauern der Gnadenkapelle mit Mörtel verkleidet und zum Teil marmoriert.

 

1895: Der Mosaikboden wird nach einem Entwurf von Friedrich Stummel vom Venezianer Antonio Gobbo ausgeführt.

 

1903: Auf der Kapellenkuppel werden elektrische Lämpchen installiert, die zu besonderen Gelegenheiten leuchten.

 

1925: Auf die Kuppel wir ein vergoldetes Kupferkreuz aufgesetzt, das ebenfalls beleuchtet werden kann.

 

1978 bis 1980: Die Gnadenkapelle wird grundlegend renoviert und restauriert. Vor allem die verrußten und zum Teil beschädigten Gemälde erlangen durch die Restaurierungsarbeiten wieder Ganzheit, Farbenpracht und Leuchtkraft. Die Kombination aus Wand und Deckengemälden, Stuckarbeiten und Angoldungen an Wänden und im Hochaltarbereich verleihen dem Innenraum der Kapelle bis heute eine überwältigend üppige Ensemblewirkung.

 

Winter 2011 bis Frühjahr 2012: Der zum Teil stark geschädigte Mosaikboden der Gnadenkapelle wird über mehrere Monate aufwändig ausgebessert und restauriert.

An der Rückseite des noch in den unteren Teilen original vorhandenen, in den Oberteilen im Laufe der Zeit veränderten Bildstockes mit dem Gnadenbild steht der neobarocke, aus verschiedenfarbigem Marmor erstellte Retabelaltar.

 
Fenster im Nordwesten, Randstreifen Engelköpfe, Schriftkartuschen: GAUDENT ANGELI / ASSUMPTA EST MARIA IN COELUM. Ranken und Blütenmotive, Mittelfeld: Himmelfahrt Mariens (in Anlehnung an Peter Paul Rubens).
 
 
Diese Gewölbeszenen stellen die Themenbereiche „Dreifaltigkeit“ und „Verkündigung“ dar.
 
 
Fenster links neben dem Eingang, Kopie nach einem Original von 1660. Schriftkartusche: PRO DEO ET PATRIA. Malerei: Rollwerkarchitektur mit Vasenbekrönung. Im Mittelfeld unter drei Spangenhelmen Allianz-Doppelwappen Rietberg-Ostfriesland/Salm-Reifferscheidt-Dyck.
 
 
Marienheiligtum in der Gnadenkapelle in Kevelaer
 

Hier befindet sich das kleine Marienbild „Trösterin der Betrübten“, ein in Antwerpen gefertigter Kupferstich, den der Kaufmann Hendrick Busman im Jahre 1642 „auf göttliches Geheiß“ in einem Bildstock aufstellte. Auch Papst Johannes Paul II war beeindruckt von der Anziehungskraft dieses schlichten Bildnisses. Die Kapelle besitzt eine große, portalartige Fensteröffnung, damit die „Trösterin der Betrübten“ auch von außen für alle Besucher gut sichtbar ist. Schon beim Eintritt in die Kapelle ist man von der künstlerischen Ausstattung in Prunk und Gold überwältigt. Hier haben Künstler und Kunsthandwerker etwas Einmaliges geschaffen.

Noch ist der Kapellenplatz leer und überschaubar. Es ist die Woche vor der Karwoche. Aber so wird es nicht lange bleiben, denn schon kurze Zeit später finden eine Million Pilger - und das Jahr für Jahr - den Weg in das niederrheinische Städtchen Kevelaer. Damit ist das knapp 28.000 Einwohner zählende Kevelaer einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte. 

 

Ziel der Pilger ist die Gnadenkapelle mit dem Marienbild „Trösterin der Betrübten“. Dort hatte der Handelsmann Hendrick Busmann um die Weihnachtszeit 1641 auf seinem täglichen Weg von Weeze nach Geldern an einem Hagelkreuz an der Kreuzung nach Kevelaer dreimal den Anruf „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen“ gehört. Vor Pfingsten 1642 erschien der Überlieferung zufolge seiner Frau Mechel nachts ein glänzendes Licht mit einem Heiligenhäuschen, in dem sich ein Marienbild befand, wie sie es einige Tage zuvor bei zwei Soldaten gesehen hatte. Damals war ihr das Bild zu teuer gewesen, nun aber kaufte sie es. Obwohl Busmann arm war, errichtete er den Bildstock, in dem dann das Marienbild angebracht wurde. Noch am selben Tag sollen Menschen aus Geldern und anderen Ortschaften zum Bildstock gekommen sein.

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