Wyk - Hauptstadt der grünen Perle (Juni 2013)

Als eigenständige Gemeinde wird Wyk urkundlich seit Mitte des 17. Jahrhunderts in den historischen Quellen erwähnt. Damals bestand der Ort nur aus wenigen Häusern, deren Bewohner in der Hauptsache vom Fischfang lebten. 1704 erhielt der Ort die Hafenreche, zwei Jahre später die Rechte eines Fleckens verliehen. Mit der Gründung eines Seebades im Jahre 1819 - Wyk ist eines der ältesten Seebäder - begann ein neuer, entscheidender Abschnitt in der Geschichte der Stadt. Ärzte und Gäste hatten die heilklimatischen Vorzüge der Insel in der Nordsee erkannt, was bald auch in steigenden Gästezahlen seinen Niederschlag fand. In der sogenannten "Königszeit" in den Jahren 1842 bis 1847 erlebte Wyk durch die Sommeraufenthalte des dänischen Königs Christian VIII eine besondere Blütezeit. 1857 wurde die Stadt von einer großen Feuersbrunst heimgesucht, welche die Hälfte der Stadt zu einem Schutthaufen verwandelte und 118 Familien obdachlos werden ließ. Ein zweiter Großbrand im Jahre 1869 zerstörte auch die zwölf Jahre zuvor verschonten Gebäude. Diese Brände führten zur Bildung der Freiwilligen Feuerwehr Wyk am 7. November 1878. 

Sieben Jahre später wurde die Wyker Dampfschiffs-Reederei gegründet, die heute mit ihrem modernen Schiffspark die größte Reederei an der schleswig-holsteinischen Westküste und gleichzeitig der größte Arbeitgeber der Insel Föhr ist. Im Jahre 1898 wurde am damals noch nicht bewohnten Südstand von Dr. Gmelin das Nordsee-Sanatorium errichtet, dem bald weitere Bauten folgten. Es entstand eine große Parkanlage, der sich in späteren Jahrzehnten große Baumanpflanzungen in allen Teilen der Stadt anschlossen und den Ruf Föhrs als "grüne Insel" festigten. 1924 wurde Boldixum eingemeindet. In den Zeiten des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwunges nach dem 2. Weltkrieg wurden von der Stadt und privater Seite hohe finanzielle Investitionen getätigt, um das Nordseeheilbad im Wettbewerb umliegender Bäder konkurrenzfähig zu halten. Dem Erhalt der Konkurrenzfähigkeit als Badeort und Verbesserung der Wohnqualität dienten auch die wiederholten Strandaufspülungen - zuletzt im Jahre 1990 und zugleich als Uferschutz - und der Ausbau der Fußgängerzone im Stadtkern. Diesem Aufgabenbereich zuzuordnen ist auch die Modernisierung des Kurmittelhauses in den Jahren 1985 bis 1987 und die Umgestaltung des Rathausvorplatzes im Rahmen der Sanierung der nördlichen Hafenstraße sowie der Bau des Umweltzentrums. Im Mai 1987 fing man mit dem Bau des Kleinen Kulturzentrums an, in dem Räume der Grundschule, der öffentlichen Bücherei sowie der Musikschule Föhr integriert wurden. Im Herbst 1988 konnte das Kleine Kulturzentrum ihrer Bestimmung übergeben werden. 1990 bis 1992 wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus errichtet. Das bisherige Feuerwehrhaus wurde zum Jungendzentrum umgebaut.

Von Badeleuten, Kurgästen und Feriengästen

Das Seebad Wyk wurde bekanntlich im Jahre 1819 von einer Interessentengemeinschaft gegründet. Um die wirtschaftlichen Möglichkeiten war es in dieser Zeit nach den Kriegen sehr schlecht bestellt. Die Seefahrt kam durch die Kontinentalsperre fast völlig zum Erliegen, man musste nach neuen Wegen suchen um für die Menschen ein Einkommen zu schaffen. Die Gründung eines Seebades versprach einen Weg in eine bessere Zukunft, zumal schon in früheren Zeiten die gute Luft, das schöne Wasser und die Landschaft von vielen Reisenden gelobt wurden. Der Arzt Dr. Friedlieb in Husum hielt den flachen Badestrand für sehr geeignet und nachdem der Wyker Apotheker Becker eine Analyse des Seewassers gemacht hatte, war man bereit das Unternehmen Seebad zu wagen. Die Interessenten legten für diese Gründung mit ihrem eingezahlten Kapital eine solide Grundlage, aber auch von Seiten des Königs wurde dieses Kapital mehrfach durch Aktienkäufe aufgestockt. Insbesondere förderte der König das junge Seebad durch das Geschenk von 1.000 jungen Ulmen, welche zur Verschönerung des Ortes beitrugen. Den Sandwall zierte jetzt eine einzigartige vierreihige Ulmenallee. So recht wollten sich die Wyker Einwohner nicht daran gewöhnen, dass sie fremde Leute in ihrem Haus aufnehmen sollten, zwar ist man auf den Inseln sehr gastfreundlich, aber Gastfreundschaft gegen Bezahlung? Das ging so manchem „gegen den Strich“. Fehlender Verdienst aus der Seefahrt, der wirtschaftliche Druck der Steuererhöhungen und die Kosten für den neuen Hafen gaben schließlich den Ausschlag. Es wurde ein Haus gekauft, hier wurde die „Warmbadeanstalt“ eingerichtet. Das Seewasser wurde in ein Bassin gepumpt, erwärmt und der Gast konnte sein erholsames Bad genießen. Damals badete man nicht im offenen Meer so wie man es heute kennt. Wollte man ein kaltes Seebad nehmen, gab es dafür Badekutschen an speziell ausgewiesenen Strandabschnitten für Damenbad, Herrenbad und Familienbad. Die Badekutsche wurde von einem Pferd in das Wasser gezogen, man kleidete sich darin um und stieg über eine kleine Treppe ins knietiefe Wasser, für die damalige Zeit schon ein kleines Abenteuer, welches auch der Märchendichter Hans Christian Andersen bei seinem Besuch im Jahre 1844 genoss. Er beschrieb dieses Erlebnis wie folgt: „Es ist das unvergleichlichste Wasser in dem ich gewesen bin. Es ist so salzig, dass die Tränen einem aus den Augen laufen, wenn man heraus kommt. Das Blut wird in die wunderbarste Bewegung gebracht.“ Im ersten Jahr besuchten bereits 61 Gäste das Seebad, im Laufe der Zeit stieg die Zahl und es entschlossen sich immer mehr Bewohner ihre Häuser den Gästen zu öffnen. Einen großen Aufschwung bekam das Seebad als König Christian VIII von 1842 bis 1847 in Wyk Sommerresidenz hielt und die Königin Caroline Amalie um die Wehle den schönen Königsgarten anpflanzen ließ. Immer wieder mussten aber auch Rückschläge verkraftet werden, dies besonders in Kriegszeiten. Im ersten Weltkrieg blieb die Insel zwar für Besucher geöffnet, im zweiten Weltkrieg war die Insel aber gesperrt. Das änderte sich erst zum Ende des Krieges, als die Insel mit vielen Flüchtlingen und Verwundeten überfüllt war. Die Hotels, welche mittlerweile entstanden waren, wurden belegt und die Hotelwäsche wurde beschlagnahmt. Während dieses Krieges hatten die Wyker Kinder ohne Einschränkung den ganzen Strand für sich allein, sonst wurden sie im Sommer stets an den Hafenstrand verbannt und ein Strandwärter hielt strengste Aufsicht dass niemand sich an den Teil schmuggelte, der den Badegästen vorbehalten war. Anfang des vorigen Jahrhunderts war es so, dass Jungen und Mädchen gemeinsam dort badeten und das ohne Badeanzug, das fand man ganz normal, man war ja unter sich. Schließlich beschwerten sich Gäste über diese „Schweinerei“, jetzt musste der Strandwärter auch noch auf Sitte und Anstand achten. Badeanzüge hatte man nicht, die Jungen badeten in der Unterhose, aber was sollten die Mädchen machen? Da die Mädchen damals über dem Kleid eine weite Schürze trugen, wurde diese unten mit einer Sicherheitsnadel zusammengesteckt und fertig war der Badeanzug. Der Aufenthalt auf der Insel in dem milden See-Klima brachte den Gästen spürbare Erholung und Linderung von manchen Leiden. Ärzte ließen sich in Wyk nieder, es wurden Kliniken errichtet für Kinder und Erwachsene, so z.B. von Dr. med. Edel, Dr. med. Gerber, Dr. med. Schede und dem Sanitätsrat Dr. med. Gmelin. Etliche Kinderheime entstanden wie das „Hamburger Kinderheim“ und die Grundlage dafür, dass Wyk sich heute „Nordseeheilbad“ nennen darf, verdanken wir der Erforschung der Meeresheilkunde durch Dr. med. Haeberlin. Vor 100 Jahren schaffte der Apotheker Stockmann mit den ersten Anpflanzungen die Voraussetzung für die heutigen Parks in denen die Erholung suchenden Gäste windgeschützt spazieren können. Für die Unterhaltung der Gäste ließ man sich bereits in früherer Zeit vieles einfallen, wie Konzerte, Dichterlesungen, Theateraufführungen. Es wurden Kutschfahrten auf der Insel angeboten sowie die berühmten „Lusttouren“ mit dem Segelkutter zu den Halligen, oder gar nach Helgoland. Bei günstiger Ebbe fuhr man mit Booten und der Blaskapelle auf die große Sandbank zur „Wattenpolonaise“ und bei gutem Wetter konnte man abends in schön geschmückten Ruderbooten an einem „Bootskorso“ teilnehmen. Mit Ruderbooten ließen sich die Gäste an der Küste entlang bis zum Leuchtturm rudern, mit dem Ebbstrom ging das leicht. Auf dem Rückweg fragte der „Schipper“, meistens ein älterer Schuljunge, den Gast, „es geht ganz leicht, wollen Sie nicht mal?“ Wenn der nichts ahnende Gast zustimmte, musste dieser dann gegen den Ebbstrom arbeiten. Nach dem zweiten Weltkrieg fing es mit dem Badeleben allmählich wieder an. Wie vordem wurden in fast jedem Haus Zimmer mit Frühstück angeboten, aber auch diese Zeiten sind vorbei, heute gibt es fast ausschließlich Ferienwohnungen, das hat für die Gäste den Vorteil ungebunden die Ferien zu verleben. Statt der „Warmbadeanstalt“ gibt es heute das „Aqua Wyk“ mit einem breiten Angebot für Gesundheit und Spaß. Freizeit und Unterhaltung ist dem heutigen Anspruch gemäß vielseitiger. Als man nach dem Krieg wieder mit der Wattenpolonaise anfangen wollte, fand das kaum Anklang und heute wäre das schon aus Umweltschutzgründen gar nicht möglich, auch die „Kurzeitung“ in welcher jeder Gast namentlich aufgelistet wurde kann es heute aus Datenschutzgründen nicht mehr geben. Ausstellungen, Museen, Ausflugsfahrten, Wanderungen, Vorträge, Konzerte und Sport für Kinder und Erwachsene bieten heute den Gästen ein vielseitiges Programm. Vor allem aber das größte Plus: Strand, Wasser, Luft und Watt tragen wie vor 200 Jahren zur Erholung und zum Abschalten vom Arbeitsleben bei.

 

Quelle: ÜÜB FEER Nr. 47/ 2015 Karin Hansen

Nach vielen Überlegungen, Diskussionen, Änderungswünschen, Eingaben und Beschlüssen wurde die Erneuerung der Sandwalls in Wyk 2008 in Angriff genommen. Das stabile Pflaster, das auch schwere Lieferwagen verkraften können muss, wurde recht schnell gelegt. Im Bereich des seeseitigen Sandwalls mussten tragfähige, frostsichere Fundamente gestzt werden. Die alte Strandmauer wurde entfernt, der Bereich unter den Bäumen mit einem schnell wachsenden Rollrasen versehen. Nach der Neugestaltung ist der Übergang von Promenade zum Strand "fließender" geworden, besonders schön gelungen sind die Tribünen an den Volleyballplätzen.

Der "neue" Sandwall

Nach vielen Überlegungen, Diskussionen, Änderungswünschen, Eingaben und Beschlüssen wurde die Erneuerung des Sandwalls in Wyk 2008 in Angriff genommen. Das stabile Pflaster, das auch schwere Lieferwagen verkraften können muss, war recht schnell gelegt. Im Bereich des seeseitigen Sandwalls mussten tragfähige, frostsichere Fundamente gesetzt werden. Bei der Entfernung der alten Strandmauer waren größere Erdbewegungen notwendig. Der Bereich unter den Bäumen wurde mit einem Rollrasen versehen. Der Übergang von Promenade zum Strand wurde "fließender", besonders schön gelungen sind die Tribünen an den Volleyballplätzen.

Sonntags ist Fischmarkt

Seit einigen Jahren gehören Störche wieder zum Stadtbild von Wyk auf Föhr. In einer Aufzucht- Station in der Feldstraße verbringen etliche Störche sogar den Winter auf der Insel.

Anfang April in Wyk auf Föhr. Im Mühlenpark ist ein Storchenpaar eifrig dabei, ein Nest zu bauen. Unaufhörlich wird Material herangeschafft, das sorgfältig angeordnet wird. Sogar der Strand wird nach dünnen Zweigen abgesucht. Auch in der Station in der Feldstraße haben sich Storchenpärchen gefunden und bereiten alles für den Nachwuchs vor. Ende Mai sind die jungen Störche schon recht munter. Anfang Juni schaffen die Elternstörche unaufhörlich Futter für die jungen Störche heran. Einen Monat später: Sowohl im Mühlenpark als auch in der Feldstraße sind die Jungen kaum noch von den Eltern zu unterscheiden. Am besten erkennt man die Jungen am grauen Schnabel, während die Eltern über den berühmten roten Schnabel verfügen. Die Jungen können das Nest noch nicht verlassen und werden immer noch von den Eltern versorgt. Durch erste zaghafte Flugversuche bereiten sich die Jungstörche auf den Ernst des Lebens vor. Ein Teil der Störche verbringt den Winter auf der Insel, die übrigen Störche machen sich im Spätsommer auf den Weg in den Süden.

Zu Gast bei SAR

Dr. Carl-Haeberlin-Friesenmuseum

Zurück, vorbei an Pitschi's, zum Schloss am Meer...

Let's go surfen!

Nieblum - das schönste der Inseldörfer

Auf halber Strecke zwischen Wyk und Utersum liegt Nieblum - zweitgrößter Ort und wohl das schönste Dorf auf Föhr und eines der schönsten Dörfer in Schleswig-Holstein, mit schmucken Friesenhäusern, mächtiger Kirche und einem ruhigen Strand - lang und breit. Nieblum ist neben Wyk auf Föhr die älteste Fremden-verkehrsgemeinde der Insel Föhr.

Nieblum war traditionell ein Kapitänsdorf. Vermögende Leute haben sich hier niedergelassen. Von Ihrem Reichtum zeugen die großen, prächtigen Friesenhäuser, die weitgehend erhalten blieben und den Ort heute zu einem "Schmuckstück" der Insel Föhr machen. Nieblum bekam schon mehrfach Preise bei Dorfwettbewerben. Die weißblauen und roten Kapitänshäuser haben oft Reetdächer. Sie sind aus dem 18. Jahrhundert und zeugen noch heute von dem “Goldenen Zeitalter”. Föhringer Seeleute waren (zumeist auf holländischen Schiffen) erfolgreich. Erst als Walfänger im Nordmeer, dann in der Handelsschifffahrt. Die katzenkopf- oder meerkieselgepflasterte kleinen Straßen sind prächtige Lindenalleen und viele blühende Rosen wachsen in den Gärten und an den Hauswänden. Der Dorfteich des Seebades im Kurpark lädt zum Verweilen ein.

Das Ortsbild wird neben den alten Reetdachhäusern vom imposanten "Friesendom", der Johannis-Kirche geprägt. Sie ist die größte der drei Inselkirchen. Vor fast 600 Jahren wurde die Nieblumer Kirche erbaut, damals stand sie an der Grenze der Gemarkungen Goting, Nieblum und Alkersum. Das ursprüngliche Dorf Nieblum lag seinerzeit noch sehr viel weiter in Richtung Nordsee. Erst nach den großen Sturmfluten, vor allem nach der des Jahres 1634, zogen die Nieblumer weiter ins Landesinnere, an ihre Kirche heran. Nach 1634 ist dann der Ortskern in der Form entstanden, in der er noch heute erhalten ist.

St. Johannis, der mächtige “Friesendom”, wurde im 13. Jahrhundert gebaut. Das Taufbecken ist noch hundert Jahre älter. Der kostbare Schnitzaltar stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. Im Schatten von St. Johannis sind Seeleute begraben, die von allen Fahrten wohlbehalten zurückkehrten und ihren Lebensabend auf der Heimatinsel genießen konnten. Rund 40.000 Menschen besuchen jährlich den Friedhof von St. Johannis mit den besonderen Grabsteinen.

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