Schloss Nordkirchen und Ehrung KSV 2008

Schloss Nordkirchen

Das Schloss Nordkirchen ist eine barocke Schlossanlage. Das denkmalgeschützte Wasserschloss ist die größte und bedeutendste Barockresidenz Westfalens und wird aufgrund seiner Ausmaße und architektonischen Gestaltung auch als das "Westfälische Versailles" bezeichnet.

Die Ursprünge des heutigen Schlosses liegen in einer Wasserburg der Familie Morrien, die Gerhard III. von Morrien zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu einem der am besten befestigten Wasserschlösser des Münsterlandes ausbauen ließ. Nach dem Aussterben der männlichen Familienlinie verkauften die Erben die Anlage 1694 an Friedrich Christian von Plettenberg, den Fürstbischof von Münster. Seine Familie ließ das Schloss im 18. Jahrhundert im Verlauf von mehr als 30 Jahre andauernden Bauarbeiten zu einer repräsentativen, barocken Residenz umgestalten. Nach Abschluss der Arbeiten 1734 zählte der Nordkirchener Schlossgarten zu den berühmtesten Gärten Europas. Als der Schlossherr Ferdinand von Plettenberg 1737 starb, hinterließ er einen hochverschuldeten Besitz, den nachfolgende Generationen nur mit Mühe unterhalten konnten. Als die Familie von Plettenberg 1813 im Mannesstamm ausgestorben war, ging das Eigentum des Anwesens über die Erbtochter Maria von Plettenberg auf die Familie ihres Mannes, die Grafen Esterházy, über. Sie ließen Veränderungen im Garten und an den Innenräumen vornehmen. Nach dem kinderlosen Tod des letzten männlichen Esterházy auf Schloss Nordkirchen verkauften seine ungarischen Verwandten die Anlage an den Herzog Engelbert-Maria von Arenberg. Er ließ die mittlerweile recht heruntergekommenen Gebäude nicht nur sanieren und modernisieren, sondern vergrößerte überdies das Hauptgebäude. Auch den großen Schlossgarten ließ er zum Teil wiederherstellen und erweitern. Nachdem die herzogliche Familie das Schloss nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr als Wohnsitz nutzte, verfiel die Anlage allmählich. 1949 mietete das Land Nordrhein-Westfalen das Schloss an und betrieb in den zwischenzeitlich einsturzgefährdeten Schlossgebäuden nach einer ersten Renovierung ab 1950 seine Landesfinanzschule, aus der später die Fachhochschule für Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen entstand. 1958 erwarb das Land die Schlossinsel samt Hauptgebäude sowie einen Teil des Schlossparks und startete eine langjährige Restaurierungskampagne, die mit der Wiederherstellung der barocken Venusinsel nördlich des Schlosses 1991 ihren vorläufigen Abschluss fand. Erweiterungsbauten für die Fachhochschule wurden insbesondere 1970/1971 an den Rändern des Schlossparks errichtet.

Schloss und Park wurden von der UNESCO als "Gesamtkunstwerk von internationalem Rang" für schutzwürdig erklärt. Die Gebäude beherbergen noch heute die Fachhochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen mit rund 1000 Studierenden. Im Gewölbekeller ist ein Restaurant untergebracht. Einige Bereiche des Schlosses sind für Besucher freigegeben und können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Im Jahr 1988 machten 50.000 Besucher von dieser Möglichkeit Gebrauch. Der Schlosspark ist ebenfalls für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Schlosskapelle kann für Trauungen angemietet werden.

Der Mittelpunkt der Schlossanlage ist das Hauptgebäude, bestehend aus einem zweigeschossigen Corps de Logis mit Eckpavillons und etwas niedrigeren, winkelförmigen Seitenflügeln. Diese waren früher freistehend, sind aber seit der Arenberger Zeit durch quadratische Pavillonbauten, dem sogenannten Erbprinzenflügel und dem Verwaltungsflügel, mit dem Corps de Logis verbunden. Die Gebäudetrakte sind alle mit Mansarddächern ausgestattet, sitzen direkt auf den Futtermauern der Schlossgräfte und umrahmen in U-Form einen Ehrenhof. Die beiden Seitenflügel - Dienerschafts- und Kapellenflügel genannt - besitzen rustizierte Ziegelpilaster und doppelt geschwungene Giebelaufsätze mit Ziegel-Werkstein-Gliederung. Ihre Gestaltung folgt französischen Vorbildern und findet sich in ähnlicher Form am Herzogspalast von Dijon. Am Kapellenflügel wird die ansonsten perfekte Symmetrie der Anlage nicht vollständig eingehalten, denn im Gegensatz zu seinem Pendant, dem Dienerschaftsflügel, besitzt er einen Dachreiter mit Glocke. Das Portal zur Schlosskapelle ist von Pilastern flankiert. Über seinem Gesims hängt eine Steintafel mit der Inschrift:.

FRIDERICUS CHRISTIANUS
D. G. EPISC. et PRINC. MONAST.
BURG. STROMB. et DNUS in BORCKELO
L.B.a. PLETTENBERG ex LENHAUSEN et
DNUS in NORTKIRCHEN FUNDAVIT AO 1705

 

Deutsche Übersetzung:

„Friedrich Christian, durch die Gnade Gottes Bischof und Fürst von Münster, Burggraf von Stromberg und Herr in Borculo, Freiherr von Plettenberg aus Lenhausen und Herr in Nordkirchen, hat dies im Jahre 1705 gegründet.“

Schlosspark

Die Schlossgebäude sind von einem rund 172 Hektar großen Schlosspark umgeben, der ein Ankergarten der "Gartenroute Münsterland" des European Garden Heritage Networks ist. 1994 diente er als Kulisse für einige Szenen des Films Nich’ mit Leo. Rund 70 Hektar des Parks, davon etwa 20 Morgen Wasserfläche, sind Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen und öffentlich zugänglich. Rund 50.000 Besucher zählt der Nordkirchener Schlosspark pro Jahr. Ihn durchziehen 23 Alleen mit einer Gesamtlänge von 7,5 Kilometern. Die Rosskastanien, Linden, Rotbuchen, Ahorne und Platanen dieser Alleen stammen oft noch von den Erstpflanzungen im 18. Jahrhundert, sind aber an vielen Stellen schon seit Jahrzehnten in einem schlechten Zustand und müssen ersetzt werden. Möglich wird dies nun durch das Projekt "Hochzeitsbäume", bei dem Hochzeitspaare, die sich im Schloss trauen lassen, einen Baum spenden und in einer gemeinsamen Pflanzaktion zweimal im Jahr alte, marode Bäume ersetzen. Der Schlosspark ist Lebensraum für zahlreiche Wildtiere, darunter Hasen, Rebhühner, Fasane, Stockenten, Fischreiher, Kuckuck und Nachtigall.

Zwölf von der Fachhochschule für Finanzen angestellte Gärtner kümmern sich um die Pflege des in Landesbesitz befindlichen Teils des Parks. Von den einst prächtigen Schlossgärten des 18. Jahrhunderts, die von Zeitgenossen außerordentlich gerühmt wurden, sind nur wenige Partien erhalten oder wiederhergestellt. Für die Zukunft ist nach dem für Nordkirchen erarbeiteten Parkpflegewerk jedoch eine zumindest teilweise Rekonstruktion des großen Westgartens in seinen Grundstrukturen vorgesehen.