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Dinant - Perle der Maas

Ob Dinant zu Recht den Titel „Perle der Maas“ trägt oder nicht, muss jeder Besucher des Städtchens selbst für sich entscheiden. Der Ort, der sich links und rechts der Maas erstreckt, ist ganz und gar auf Tourismus eingestellt. Motorjachten liegen am Kai fest. Straßencafés und Restaurants haben ihre Terrassen am Ufer der Maas. In einigen wird Dinanter Käsetorte warm serviert wird, in anderen Reistorte probiert. Ausflugsboote warten auf Gäste, die sich nach Namur bringen lassen möchten. Die "le Mouche" bring ihre Gäste ins Tal der Maas bis an die „Rochers de Freÿr“, wo man Extremkletterer in den Felsen beobachten kann. Dinant ist der Geburtsort von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxophons.

Dinant und seine auf dem Kalkfelsen oberhalb der Stadt liegende Zitadelle war über Jahrhunderte Teil des Fürstbistums Lüttich. Unterhalb der Zitadelle lehnt sich die frühgotische, dreischiffige Stiftskirche von Dinant an den mächtigen Fels. Geprägt wird die Entwicklung Dinants im frühen wie im späten Mittelalter durch die Konkurrenz mit dem nahegelegenen Bouvignes, das zur Grafschaft Namur gehörte und heute eingemeindet ist. Im August 1466 wurde Dinant auf Befehl Karls des Kühnen völlig niedergebrannt. Dieses Datum war gleich bedeutend mit dem Ende der berühmten Dinanderie, dem Handwerk der Kupferschmiede. Nach erfolgreichem Wiederaufbau hatte die Stadt die Belagerungen und die Besetzung durch Heere Louis XIV. (1675-1703) zu überstehen. Im Anschluss an diese Periode wurde Dinant wieder Teil des Fürstbistums von Lüttich. Unterdessen hatten sich die Kupferschmiede nach Huy und Namur abgesetzt. Andere Industrien, wie Papierfabriken und Marmorschleifereien, zogen in die Stadt. Nach der Französischen Revolution wurde Dinant Teil des Departement Sambre et Maas, ehe es nach der Schlacht von Waterloo der Provinz Namur und dem Vereinigten Königreich der Niederlande und später Belgien zugesprochen wurde.

Die Zitadelle: Das Wort Zitadelle bedeutet Bollwerk, Festung, kann aber auch innerhalb einer Festung den am stärksten befestigten Teil bedeuten, die letzte Verteidigungslinie sozusagen. Alle stimmen damit überein, dass das Wort aus den italienischen "citta" = Stadt kommt. Dann gehen die Meinungen auseinander. Einige sagen, dass es eine Zusammenziehung von "citta ideale" ist, andere wieder - und darunter der Duden - dass es um eine Verkleinerungsform vom altitalienischen "cittade" ist und daher "kleine Stadt" bedeutet.

Es führen zwar ein bisschen mehr als 400 Stufen vom Stadtzentrum zum Eingang der Zitadelle, aber man kann es einfacher haben und die Seilbahn nehmen. Von der Seilbahn aus hat man einen guten Überblick über die Stadt und auch auf die Stiftskirche Notre-Dame, die direkt unter der Zitadelle auf dem Hauptplatz von Dinant steht.

Die jetzige Gestaltung der Zitadelle entstand zwischen 1818 und 1821 auf den Ruinen des Bischofspalasts (11.Jh.). Die Zitadelle ist entweder über die 1577 angelegten 408 Stufen, mit der Seilbahn oder per Auto zu erreichen. Wie auch andere Festungen (z. B. Bouillon) wurde sie während der französischen Besetzung durch den Festungs-Baumeister Vauban ausgebaut. Dazu gehörten eine neue Bastion, die Verstärkung der Nordostflanke, der Bau einer Kaserne und eines verdeckten Laufganges. Nur wenige wissen heute, dass das Maas-Städtchen in der Rundstedt-Offensive 1944/45 Ziel amerikanischer Angriffe war, da sich in der Zitadelle SS-Einheiten verschanzt hatten.

Wenige Minuten später befindet man sich auf dem Innenhof der Zitadelle. In der Information kann man einen Orientierungsplan bekommen, der den Besuchern eine Nummernfolge vorgibt, wie das Gebäude am besten zu besichtigen ist. Von hier aus kann man entweder auf eigene Faust einen Rundgang machen (die einzelnen Räume sind mit erklärenden Tafeln gut beschildert) oder an einer - sehr netten und interessanten - Führung teilnehmen, die etwa 45 Minuten lang dauert.

Es geht erst zur Großen Galerie, einem langen Gang, von dem links und rechts Schießscharten durch die zwei Meter dicken Mauern gehauen waren. Diese dienten auf der einen Seite dazu, den Gegner vom Überqueren der Brücke über die Maas zu hindern und natürlich ebenso zu vermeiden, dass jemand den Steilhang oder die Stufen erklettern konnte. Auf der anderen Seite des Ganges dienten sie zum Schutz der Zugbrücke, die den Eingang bewachte. Von dieser ist heute aber nichts mehr zu sehen, ebenso wenig wie von dem vormaligen Graben im Vorhof. Am Ende der 150 Meter langen Galerie lag die Pulverkammer, wo man sich mit neuer Munition eindecken konnte.

Früher stand in jedem Raum eine Kanone, die die Maasbrücke unter Feuer nehmen konnte. Dabei hatten die Verteidiger den Vorteil, dass ihre Kanonen schwerer waren und somit bei gleich großen Kanonenkugeln eine längere Schussweite hatten, als die der Angreifer. Diese mussten ja transportiert werden, wobei das Gewicht natürlich eine bedeutende Rolle spielte. An der Decke des Ganges sieht man kleine Stalaktiten, die gebildet wurden, als der Rauch der Geschütze mit dem Kalkstein reagierte und so Salpeterablagerungen schuf. Diese ihrerseits wurden wieder verwendet um neues Schießpulver herzustellen.

Jetzt geht es wieder durch die Große Galerie zurück, dann geht es geradeaus weiter, um die Gefängniszellen zu besichtigen. Dort findet man sowohl diverse Torturgeräte, wie auch eine Guillotine.

Am Rückweg vom Aussichtspunkt passiert man drei Zellen, in denen Szenen aus dem frühen 19. Jahrhundert nachgebildet sind, nämlich eine Schmiede, eine Küche und eine Bäckerei. In der nächsten Kammer stehen etliche, teilweise verwitterte Holzpfähle. Das scheint nichts Besonderes zu sein. Erst wenn man weiß, dass diese Pfähle schon bald tausend Jahre alt sind, bringt man ihnen ein wenig mehr Achtung entgegen. Sie stammen von der allerersten Holzbrücke, die im Jahr 1080 über die Maas geschlagen wurde. Als man 1952 die heutige Brücke baute, holte man diese Fundierungspfähle aus dem Wasser und stellte sie hier auf. Dadurch, dass sie sich im Schlamm unter Wasser befunden hatten, waren sie so gut erhalten geblieben.

Als Abschluss der Besichtigung hat man sich etwas besonders Interessantes einfallen lassen. Zunächst geht es zu einer Darstellung der Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg, dann aber kommt eine völlig unerwartete Sensation. Im Zweiten Weltkrieg explodierte eine Bombe in der Nähe eines Bunkers der Festung, die den Bunker seitlich ein Stück abrutschen ließ. Man hat die Stelle saniert, aber die Lage des Bunkers beibehalten, sodass die Treppe und der Boden in Schieflage wiedergegeben sind. Dort das Gleichgewicht zu halten ist schwierig, da dem Auge jeder Anhalt für die richtige Lage fehlt.

Schon allein die Lage der Kirche ist bemerkenswert. Gerade vor der hundert Meter hohen Felswand, auf der die Zitadelle der Stadt thront, liegt sie auf einem markanten Platz im Stadtzentrum. Auch der Zwiebelturm sorgt dafür, dass die Auffälligkeit erhöht wird. Die Kirche hat eine lange Geschichte. Der Legende nach soll Sankt Maternus dort das erste religiöse Bauwerk errichtet haben. Damals war es aber nur ein Bethaus. Maternus lebte im 4. Jahrhundert, wird aber hauptsächlich mit Köln und Trier in Verbindung gebracht. Inwiefern er auch nach Dinant kam, ist unbestätigt. Er ist übrigens Schutzpatron gegen Fieber und ansteckende Krankheiten, sowie Beschützer von Weinreben. Im 7. Jahrhundert wurde das kleine Bethaus stark vergrößert und zur Kirche umgestaltet. 934 ernannte Bischof Richier das Gebäude zur Stiftskirche. Aus dieser Zeit ist aber kein Stein mehr erhalten. Erst von der romanischen Kirche, die hier im 12. Jahrhundert stand, ist das Portal in der Nordfassade bestehen geblieben. 1228 fiel ein großer Felsen von der Steinwand im Südosten der Kirche und traf einen Seitenflügel, wobei 36 Personen ums Leben kamen. Daraufhin wurde eine neue Kirche erbaut, von der die meisten Wände heute noch erhalten sind. Denn trotz dem Feuer, das 1466 - nach der Plünderung durch Herzog Karl den Kühnen - in der Stadt und der Kirche wüstete, blieben die tragenden Mauern verschont. Sechs Jahre später gab der Burgunderherzog jedoch die Erlaubnis, die Kirche wieder aufzubauen. 1554 war es der französische König Heinrich II, der Dinant belagern ließ. Seine Kanonen beschossen die Zitadelle oberhalb - was natürlich auch der Kirche nicht sehr zuträglich war, sodass sie neuerlich restauriert werden musste. Der Zwiebelturm war ursprünglich für das Dach des Rathauses abgesehen, aber 1566 beschloss man, ihn zwischen die beiden kleinen Türme der Kirche zu setzen. Zahlreiche Überschwemmungen der Maas hatten die Kirche immer wieder überflutet. Auf einer der Säulen im ihrem Inneren werden heute noch die höchsten Stände der Jahrhunderthochwasser von 1595, 1728, 1784 und 1880 angezeigt. Um die Schäden ein wenig in Grenzen zu halten, beschloss man 1828 den Kirchenboden zu erhöhen. Am 23. August 1914 wurde die Kirche von deutschen Truppen in Brand gesetzt.

Das Hauptschiff ist 50 Meter lang, fast 20 Meter breit und 22 Meter hoch, während die Höhe der beiden Seitenschiffe knappe 14 Meter beträgt. Die Kanzel ist aus dem Jahr 1725 und wurde von J. Croquet erbaut. Die Holzschnitzereien dagegen wurden von Van der Vecken ausgeführt und stellen die vier Evangelisten dar, mitsamt ihren Symbolen. Lukas hat einen Stier als Symbol, Markus einen Löwen, Matthäus einen Engel und Johannes einen Adler. Der mächtigen Architektur der Kirche zufolge, erscheinen die Gegenstände darin ein wenig zierlich, verkleinert. Wie in den meisten Kirchen gibt es auch hier einen "neuen" Altar, durch den man den Gottesdienst den Menschen näher bringen will, weil der Hauptaltar zu weit weg von der Versammlung belegen ist. Der neue Altar wurde 1992 installiert. Die Marmorplatte ruht auf einem Sockel aus Kupferarbeit, sogenannter Dinanterie. Dinant ist ja seit alters her als Stadt der Kupferschmiede bekannt. Der Hauptaltar in neugotischem Stil entstand im 19. Jahrhundert. Er besteht aus einem faltbaren Triptychon und ist ein Werk mehrerer Künstler. Die Kerzenständer sind natürlich ebenfalls Dinanterie-Arbeiten, wie viele ähnliche Dinge in der Kirche. Sie sind aber gut zweihundert Jahre älter als der Altar, neben dem sie stehen.

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