Tut-Anch-Amun-Ausstellung in Köln (2011)

Die große Ausstellung TUTANCHAMUN – SEIN GRAB UND DIE SCHÄTZE gewährt einzigartige Einblicke in die Archäologie des Alten Ägyptens. Gehen Sie auf eine faszinierende Reise und erleben Sie die Grabkammern des Pharao in einer spektakulären Rekonstruktion so, wie sie im Jahr 1922 von Howard Carter entdeckt wurden.


Mit rund 1.000 Ausstellungsstücken auf 4.000 Quadratmetern – nur einem Fünftel der insgesamt im Grab vorgefundenen Kunstwerke – führte die Ausstellung Ägypten-Fans vom 24.09.2010 bis zum 19.06.2011 in die Welt des Tutanchamun, Sohn des Echnaton, der vermutlich bei einem Jagdunfall umgekommen ist. Allerdings handelte es sich nicht um Originale, sondern um originalgetreue Kopien. Die Objekte wurden nicht in staubigen Vitrinen verstaut, sondern zum Greifen nahe präsentiert, so dass sich der Besucher ein deutlich besseres Bild der imposanten Kunstwerke machen konnten. Die Ausstellungsstücke wurden teilweise so präsentiert, wie Howard Carter sie bei der Graböffnung erstmalig erblickte. Für mehr als 3 Stunden hatte man das Gefühl, inmitten des Original-Grabes des Pharaos zu stehen.

Schatzkammer: Hier wurden die Schätze das Pharao aufbewahrt. Die Statue in der Mitte stellt den Pharao bei der Jagd dar. Eigentlich befindet er sich wie die Figuren dahinter und davor in einem Schrein. In den Truhen und Gefäßen, die überall im Grab stehen, wurden vor allem Schmuck, Kleidung und Götterfiguren aufbewahrt.

Schiffe: Die unzähligen Modell-Boote aus dem Grab sollten Tutanchamun als Fortbewegungsmittel in der Unterwelt dienen. Das Jenseits stellten sich die Ägypter genauso vor wie das Diesseits: blühende Gärten und Felder, die von einem mächtigen Fluss durchzogen werden.
Für jede Gelegenheit hatte der tote König das passende Schiff im Grab. Einfache Transportboote zum Befördern von Nahrungsmitteln finden sich genauso wie Reiseschiffe und Götterbarken, mit denen der König die Götter im Jenseits begleiten konnte.

Insgesamt 1,6 Millionen Ägypten-Begeisterte sahen die Ausstellung bereits vorher an ihren anderen Standorten in Zürich und Madrid, nun kamen auch Kölnerinnen und Kölner in den Genuss des goldglänzenden Schatzes des legendären Kindkönigs, der nach neuestem Stand der Forschung noch vor seinem 20. Geburtstag verstarb. Das besondere am Grab des jugendlichen Königs ist, dass Grabräuber sich weitestgehend zurückgehalten hatten, die Schätze und der Pomp der altägyptischen Aristokratie also für die Nachwelt erhalten blieb. Der Archäologe Howard Carter öffnete das Grab 1922 erstmals nach fast 3.000 Jahren und fand es – anders als die meisten anderen ägyptischen Königsgräber – weitestgehend unversehrt.

 

Ein Wehmutstropfen für Fotografen: Weder Stative noch Blitzgeräte durften zum Fotografieren verwendet werden, die stark gedimmte Beleuchtung in den Sälen sorgt für das entsprechende "Gruft-Feeling". So entstanden die nachfolgenden Aufnahmen "aus der Hand" bei einem hohen ISO-Wert und mit relativ langen Verschlusszeiten. Das hierbei entstehende Grundrauschen habe ich mit Lightroom V reduziert.

Die Totenmaske des Tutanchamun ist eine Hauptattraktion der Ausstellung

Goldmaske, H. 54 cm
Die elf Kilogramm schwere Maske aus massivem Gold mit Einlagen aus Glaspaste und Schmucksteinen, das grandiose Herzstück des gesamten Schatzes, war über den Kopf der eingewickelten Mumie des Königs gestülpt. Das aus dem Gold getriebene idealisierte Porträt des jungen Königs ist im Stil der späten Amarnazeit gehalten und in seiner Eleganz unübertroffen. Die lebhaften Augen sind aus hellem Quarz und Obsidian für die Pupillen eingelegt. An dem gestreiften Kopftuch sitzen in Stirnhöhe der Geierkopf der oberägyptischen und der Schlangenleib der unterägyptischen Wappengöttin. Die Läppchen der unterschiedlich großen Ohren wurden zur Aufnahme von Schmuck durchstochen. Die Maske bedeckte nicht allein das Gesicht, sondern setzte sich mit einem breiten, von Falkenköpfen abgeschlossenen Kragen auf der Brust fort.

Tutanchamun bestieg 1332 v. Chr. mit neun Jahren als einer der letzten Könige der 18. Dynastie den Thron. Sein Vater war der Ketzerkönig Echnaton, der Name der Mutter ist noch unbekannt. Der junge König litt nach neueren Untersuchungen an schweren Krankheiten. Die bedeutendste Leistung unter seiner Herrschaft war die Abkehr von den radikalen religiösen Reformen seines Vaters, die das Land destabilisierten. Sein Tod ist bis heute ein Mysterium. Nach neun Jahren auf dem Thron verstarb Tutanchamun, vermutlich an einem Infekt als Folge einer offenen Knieverletzung.

Blick in die Vorkammer
„Überall der Glanz des Goldes!“ bemerkte Howard Carter, als er als er die Vorkammer am 26. November 1922 betrat. Bis zu diesem Zeitpunkt wußte niemand, mit wecher Pracht die königlichen Gräber der 18. Dynastie ausgestattet worden waren, da alle weiteren königlichen Grabanlagen im Tal der Könige ausgeraubt wurden.

Nebenkammer

Unter dem linken Bett der Nilpferdgöttin in der Vorkammer fand Carter ein kleines, unregelmäßiges Loch in einem vermauerten Durchgang, der zu einer kleinen Nebenkammer führt. Das Loch stammte noch von den Plünderern, die vermutlich kurz nach der Bestattung in die Grabanlage eindrangen, aber von den Grab- wächtern gestört wurden. In dieser Kammer waren die Beraubungen katastrophal.

Anubis: Mitten in der Schatzkammer stand der Anubisschrein, um den Kanopenschrein zu bewachen. Eindrucksvoll und elegant liegt der schwarze Schakal mit wachsam aufgestellten Ohren auf seinem goldenen Schrein. Er enthält Schmuck und Alabasterschalen. Der Gott Anubis galt als Herr der Friedhöfe und Schutzpatron der Mumifizierer.

Schreine: Vier riesige, ineinander geschachtelte Schreine waren wie schützende Hüllen um den Sarkophag des Königs errichtet. Der größte Schrein (5 mal 3,20 Meter) füllte die Sargkammer fast ganz aus. Alle Schreine sind vergoldet und mit religiösen Texten und Bildern verziert. Der innerste Sarg ist aus massivem Gold und wiegt 110,4 Kilo! Hätte sich ein einfacher Handwerker im Pharaonenreich so einen Sarg leisten wollen, hätte er rund 35.000 Monatseinkommen dafür bezahlen müssen.

Mittlerer Sarg, L. 204 cm, B. 68 m, H. 78,5 cm. Der mittlere Sarg des Tutanchamun gibt den in ein Federkleid gehüllten König wieder. Durch seine Insignien und den geflochtenen Götterbart wird als Herrscher des Jenseits gekennzeichnet. Das gestreifte Königskopftuch Nemes erinnert wegen seiner Einlagen an die berühmte Goldmaske.

Detail des goldenen Innensarges: Wie bei der Goldmaske folgt auch hier die Wiedergabe der Gesichtszüge dem offiziellen idealisierten Königsporträt. Die Einlagen der dunkel umrandeten Augen sind allerdings durch die über dem Sarg ausgegossenen Essenzen zersetzt oder bei der komplizierten Bergung zerstört worden, da der Innensarg mit dem zweiten Sarg durch geronnene antike Duftöle verklebt war.

Innensarg aus Gold, L. 187 cm, B. 51,3 m, H. 51 cm. Der Innensarg besteht aus purem Gold mit Einlagen aus Glaspaste und Schmucksteinen und stellt mit 110,4 kg das spektakulärste Einzelobjekt des Grabschatzes dar. Auch dieser Sarg gibt den in ein Federkleid gehüllten König mumienförmig mit geflochtenem Götterbart, Szeptern in den gekreuzten Armen und Königskopftuch wieder. Die Federzeichnung und die Inschriften des Sarges selbst sind ebenso wie die hervorragend gearbeiteten Relieffiguren der Göttinnen Isis und Nephthys im Beinbereich in das dicke Goldblech ziseliert worden. Dies war ursprünglich auch bei den Göttinnen in Vogelform der Fall: Erst nachträglich wurden die Bleche mit den kostbaren Einlagen über den älteren ziselierten Wiedergaben angebracht.

Thronsessel des Tutanchamun mit Fußbank, H. 104 cm, B. 53 cm; Fußbank: L. 63,5 cm

Das Original wurde aus mit Blattgold belegtem Holz sowie Einlagen aus Silber, rot hinterlegtem Alabaster, Glas und Schmucksteinen; Fußbank aus vergoldetem Holz mit Einlagen hergestellt. Die Szene auf der Lehne zeigt gemäß der Amarna-Religion, wie das Königspaar von der Strahlensonne des Aton mit Leben beschenkt wird. Wie die Königsnamen auf den Verstrebungen der Rückseite der Lehne beweisen, wurde der berühmte Goldthron in Auftrag gegeben, als Tutanchamun mit 9 Jahren König wurde und noch Tutanchaton hieß. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass der Thron ursprünglich sogar noch aus der Zeit von Echnaton und Nofretete stammen könnte. Auf der mit blauer Fayence eingelegte hölzerne Fußbank werden Nubier und Asiaten dargestellt, die sprichwörtlich unter den Füßen des Pharaos sind.

Grab- äußerster Kasten
Grab- äußerster Kasten

Staatswagen, Achsenlänge 216 cm, Deichsellänge 250 cm
Der überreich dekorierte und mit Gold überzogene Wagen ist kriegsuntauglich und dürfte als Staatskarosse des Königs gedient haben. Sein Rahmen besteht aus mehreren gebogenen Hölzern, der Wagenkorb aus stuckiertem und vergoldetem Holz; ein Flechtwerk aus Lederriemen bildet den Boden. Auf der mit Einlegearbeiten in Metall verzierten Achse sitzen Räder mit sechs Speichen. Den Wagenkorb umzieht außen ein Spiralmuster. Die aufwendige Innendekoration zeigt unter anderem gefesselte und kniende Gefangene.

Kanopenschrein

Für das Weiterleben im Jenseits war es für die Ägypter wichtig, dass der komplette Körper des Toten erhalten blieb. Während der Mumifizierung wurden die inneren Organe entnommen, getrocknet und in Bandagen gehüllt. Tutanchamuns Organe lagen in kleinen Miniatursärgen, die in einem Alabasterschrein beigesetzt wurden. Dieser sogenannte Kanopenschrein stand in einem vergoldeten Holzschrein, der mit Statuen der vier Totengöttinnen geschmückt war.

Tragschrein mit Figur des Anubis, L. 270 cm, B. 52 cm, H. 118 cm
Der bewegliche Deckel des tragbaren Schreines trägt die gelagerte Figur des hundegestaltigen Anubis, dessen angespannt wachsame Haltung die Wächterfunktion des Gottes ausdrückt. Die sorgfältig gearbeitete Figur ist aus Holz geschnitzt, mit Gips grundiert und schwarz gefasst. In Gold eingelegte Lider umschließen die Augäpfel aus Quarz und Obsidian. Für die Krallen wurde Silber verwendet. Bei der Auffindung war die Figur in ein Leinentuch gehüllt, das noch im 7. Regierungsjahr von König Echnaton hergestellt worden war.

Slawischer Tempel

Kanopenkasten, Höhe 86 cm, Breite 54 cm
Der im Original aus Kalzit gearbeitete Kanopenkasten ist fest mit einem Schlitten mit Blattgoldauflagen verbunden, durch den sein Transport erleichtert wurde. Er besitzt innen vier senkrechte Fächer zur Aufnahme der kleinen Goldsärge, die die Eingeweide des Königs enthielten. Alle vier Fächer werden wiederum von Deckeln verschlossen, die als Königsköpfe gestaltet sind. Vier in Relief hervortretende Göttinnen bilden die Ecken des Kastens und strecken ihre Arme schützend zur Seite hin aus. Ein mit Blattgold belegter Fries aus heiligen Emblemen der Isis und des Osiris umzieht das untere Ende des Kastens.

 

Im Hintergrund:

Deckel eines Kanopenfaches in Form eines Königskopfes

Dieser im Original aus Kalzit gearbeitete Königskopf gehört zu jenen vier Köpfen, die in ihrer Funktion als Deckel die vier Fächer verschlossen haben, in denen sich kleine goldene Särge mit den mumifizierten Einge-weiden des Königs – Leber, Magen, Lunge und Gedärme – befanden.

Figur des Königs auf einem Papyrusboot, H. 75 cm. Das Original dieser zauberhaften Figur, die den König mit der unterägyptischen Krone als Harpunierer bei der Jagd zeigt, wurde aus vergoldetem Holz mit Einlagen aus Bronze, Glas und Obsidian sowie Attributen aus Goldbronze und Kupferlegierung hergestellt. Tutanchamun agiert hier in der Rolle des Gottes Horus, der ähnlich wie der Drachentöter St. Georg in späterer christlicher Zeit das Böse bekämpft.

Standart des Gottes Sopdu, H. 65,5 cm. Der Falke mit der Doppelfederkrone auf der Standarte, dessen Original aus vergoldetem Holz mit Einlagen aus Glas hergestellt wurde, stellt laut Inschrift den Gott Sopdu dar. Sopdu war ein uralter Lokalgott im Ostdelta, der die östliche Wüste Ägyptens bewachte und beherrschte. Wahrscheinlich nahm er in dieser Funktion des Grenzwächters auch am königlichen Bestattungsritual teil.

Figur der thronenden Göttin Sachmet, H. 55,2 cm. Die löwenköpfige Göttin Sachmet wurde vor allem in Memphis verehrt und galt dort als Gemahlin des Stadtgottes Ptah. Ihr Name bedeutet die »Mächtige«. Sie war Herrin des Krieges und der Krankheiten, konnte aber als solche auch heilen und galt somit als Schutzgöttin der Ärzte in Ägypten. Ihre lebendigen Augen und die Nasenspitze wurden im Original aus Glas eingelegt.

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