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St. Nicolai in Boldixum/Föhr

Die Kirche liegt inmitten des großen Friedhofs, der von Feldsteinmauern umgeben ist, an der Grenze der Dörfer Boldixum und Wrixum. Die St. Nicolai Kirche wurde dem heiligen Nicolaus, ehemals Bischof von Myra in Kleinasien und Schutzpatron der Seefahrer geweiht und nach ihm benannt.
Der Ursprung der Kirche stammt aus der Zeit um 1240. Im Jahre 1707 fand man beim Anbau des Norderschiffs in einer Kapsel drei Silbermünzen mit der Jahreszahl 1240 und den Insignien des Dünenkönigs Waldemar des Siegers. Damit war ein Anhaltspunkt zur Datierung des Kirchenbaus gegeben. Neben Altar (1643), Kanzel (1630), Taufstein (13. Jahrhundert), der Statue des Heiligen Nicolaus (um 1300) und drei spätgotischen Plastiken gehört die Orgel zu den Besonderheiten der Kirche. Die Kirche St. Nicolai ist insofern einzigartig, weil hier früher auch politische Versammlungen (1426 Siebenhardenbeliebung mit nordfriesischer Gesetzgebung) und Gerichtstagungen stattfanden.

Altar: 1643 wurde der von Johannes Schnitger aus Stedesand geschaffene Altar errichtet. Der Aufsatz des Altars - dreiteilig gegliedert - zeigt Bilder und Szenen aus dem Leben Jesu Christi. Er ist von seiner Entstehungszeit her dem Frühbarock zuzuordnen, trägt aber noch Merkmale der Spätrenaissance. Das Mittelfeld ist querrechteckig, die beiden Seitenteile hochformatig ausgeführt. Das Mittelfeld des Altaraufsatzes ist der Darstellung des letzten Abendmahls vorbehalten, was im Sinne der evangelischen Altar-Ikonographie eine Ausnahme bildet, für gewöhnlich ist dieser Platz für die Kreuzigungsszene reserviert. Die Abendmahlszene ist als einzige der Darstellungen in Farbe ausgeführt, während die anderen 13 Szenen in weißgelblicher Farbe gehalten sind, die an Marmor erinnern sollen. Den Altaraufsatz trägt in der Größe des Mittelteils ein Altaruntersatz, eine Predella (von italienisch für Stufe, Tritt), auf der den Darstellungen in niederdeutscher Sprache zentrale Aussagen der Heilsgeschichte zugeordnet sind.

Altar (1643) und Taufstein 13. Jahrhundert: Der Taufstein gehört als einziges Inventarstück zu der Erstausstattung der Kirche. Es handelt sich um eine Kalksteintaufe, die auf der Insel Gotland hergestellt wurde. Von 12. bis zum 14. Jahrhundert wurde von dort der gesamte Nord- und Ostseeraum mit Taufbecken versorgt. Dieser Taufstein ist mit architektonischen Spitzbögen ohne Figuren ausgeführt.

Die Orgel wurde 1735 von Johann Hinrich Klapmeyer aus Glückstadt als 1-manualiges Werk mit seitlichen Pedaltürmen gebaut. Ein Zimbelstern, mit dem ein feiner Schellenklang erzeugt werden kann, ist noch heute im Gebrauch. Von Klapmeyer sind einige Register erhalten, während die Pedaltürme verlorengingen. Die Orgel wurde 1955-56 dergestalt umgebaut, dass die Barockorgel mit ihrem originalen Gehäuse zu einem Rückpositiv wurde, das um ein neues Hauptwerk erweitert wurde. Die jetzt 2-manualige Orgel verfügt über 25 Register und Pedal.

Der Namenspatron der Kirche Nikolaus von Myra ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die im Kirchenschiff links vor dem Altarbereich am Nordpfeiler des Chorbogens steht. Die Figur ist ein wertvolles Inventarstück der Kirche und wurde um 1300 geschaffen. Der Heilige ist farbig ausgeführt und als eher junger Mann mit hoheitsvoll segnender und mahnender Gebärde dargestellt. Sein Bischofsmantel ist kunstvoll gefaltet. 

Kanzel (1630): Die Schnitzereien an der um 1630 entstandenen Kanzel sind in Farbe gehalten. Der umlaufende Sockel ist mit Bibelzitaten in Goldfarbe auf schwarzem Untergrund geschmückt. Die einzelnen Szenen auf der Kanzel sind in aufwändig geschmückten, mit einer Muschelform gekrönten Rahmen eingepasst und stellen Szenen aus dem Leben Christi dar: Geburt, Taufe, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt und Jüngstes Gericht.

Auf der Nordseite des Baues wurde um 1700 ein Seitenschiff angesetzt, um die rasch anwachsende Zahl von Gemeindemitgliedern aufnehmen zu können. Ungeachtet der schmucklosen, für die Barockzeit untypisch schlichten Ausführung des Anbaues musste die Gemeinde jahrelang die Baukosten abtragen. Das Tonnengewölbe des Nordanbaus ist eine Holzkonstruktion, die verputzt und ursprünglich mit einer Paradiesdarstellung ausgemalt war.

Konzert mit russischen Künstlern

Kirchgängerin 2006 in Föhringer Tracht: In der heutigen Zeit wird  die Friesentracht nur noch zu ganz besonderen Anlässen getragen, zum Beispiel Konfirmation, Hochzeit, immer häufiger auch zu Schulentlassungen oder von der Trachtengruppe zu den öffentlichen Auftritten über die Saison verteilt. Mit der aus dem 19 Jahrhundert stammenden, von den hiesigen Seefahrern aus Portugal mitgebrachten und der spanischen Hoftracht nachempfundenen Fiesentracht bieten die Frauen einen wundervollen Anblick. Die wertvolle Panzerkette mit den Zeichen Glaube, Liebe und Hoffnung in Form des Kreuzes, des Herzens und des Ankers und die filigranen Silberknöpfe tragen dazu bei die Tracht und ihre Trägerin besonders hervorzuheben. Hier ist es eine Friesin, die sich - anlässlich eines Konzerts mit russischen Künstlern in der Nicolai-Kirche - festlich herausgeputzt hat. Das Anlegen der Tracht dauert mehrere Stunden; insbesondere das Anlegen der Haube und/oder des Kopftuchs sowie das Feststecken der Haare mit Haarklammern sind sehr zeitaufwändig. Mindestens eine zweite Person muss beim Anlegen der Tracht helfen.

Geschichte eines Wahrzeichens

Mittelpunkt der drei Föhrer Ortschaften Wrixum, Boldixum und Wyk ist seit etwa 800 Jahren die Kirche St. Nicolai. Ein genaues Baudatum ist nicht zu bestimmen, aber im Erdbuch des dänischen König Waldemar Sejr (der Sieger) wird 1240 auch diese Föhrer Kirche genannt. Das bestätigt ebenfalls der Münzfund, welcher 1707 beim Anbau des Norderflügels, auch „Norderstück“ oder „Wyker Schiff“ genannt, entdeckt wurde. Drei Münzen aus dieser Zeit befanden sich in einer Kapsel, sie waren gekennzeichnet mit der Inschrift: „WALDEMAR REX DAN. ET NORW.“ (Waldemar König von Dänemark und Norwegen). Mit dem Anbau des Norderflügels beabsichtigte man Platz für die Wyker Einwohner zu schaffen, denn Wyk war 1706 ein selbständiger Flecken geworden. In der Amtszeit und unter der Regie von Pastor Henning Feddersen wurde der Bau geplant und ausgeführt. Für diesen Bau mussten große finanzielle Anstrengungen gemacht werden, womit nicht alle Gemeindemitglieder einverstanden waren. Dieser Widerstand führte dazu, dass zwei Boldixumer sogar nach Tondern ins Gefängnis kamen. Auch als der Bau fertig war gingen die Streitigkeiten weiter, die Frauen weigerten sich die neuen Plätze einzunehmen und verjagten die Kinder, welche sich auf die Frauenplätze setzten. Der Streit ging in der Kirche weiter und da auch Ermahnungen nichts fruchteten, drohte der Pastor sogar damit sein Amt niederzulegen. Damals waren die Sitzplätze für Männer und Frauen getrennt, es war üblich dass man die Kirchenplätze kaufen konnte, ein solcher Platz konnte vererbt oder weiter verkauft werden, oft hatte dieser Platz einen größeren Wert als ein Haus, weniger begehrte Plätze wurden einmal im Jahr verlost. Der Pastor Henning Feddersen (8. evangelischer Pastor von St. Nicolai) war ein Sohn des Schiffers Johannes Feddersen, welcher 1704 für die Einwohner von Wyk den Schriftverkehr zwecks Erlangung der Hafengerechtigkeit führte. Johannes Feddersen war verheiratet mit der Tochter Anna des Pastors Henning Henningsen (5. Pastor an St. Nicolai), dessen Grabstein liegt vor dem Altar, denn damals wurden die Pastoren in der Kirche beigesetzt. Der ursprüngliche Kirchenbau bestand aus dem 38 Meter langen Kirchenschiff mit der Apsis. Die Anbauten wurden später angefügt, so wie der auf der Südseite, heute die Sakristei, früher war es das „Kast-Bohrs-Hus“ (Kasten-(Sarg)- Bahren- Haus), hier wurde die Bahre für den Sarg bis zur nächsten Beerdigung abgestellt, ebenso kamen die beiden Windfanganbauten auf der Nord- und Südseite dazu. Der Glockenturm, wurde erst im 15. Jahrhundert errichtet. Von Gemeindemitgliedern wurden Glocken gestiftet, „einem verstorbenen Familienmitglied zum Gedächtnis, der Kirche zur Zier und Gott zur Ehr.“ Die Glocken wurden bis auf eine, in den Weltkriegen eingeschmolzen, nach dem zweiten Weltkrieg wurden aber zu der alten Glocke zwei neue gestiftet. Die Glocken wurden früher im Auftrag des Küsters von größeren Schuljungen geläutet. Am 18. April 1735 wurde hierfür von dem Reepschlägermeister Peter Abraham Petersen ein neuer Glockenstrang geliefert. Am Turm sieht man außer den notwendigen Mauerankern die Daten der jeweiligen Renovierungen und die Initialen der damaligen Kirchenältesten. Der Innenraum der Kirche besteht aus vier quadratischen Einwölbungen, wovon die vierte, der Chorraum, etwas kleiner ist, ein Bogen verbindet Chor und Schiff. Die Bemalung der Bögen und Rippen verleiht nach der 1969/70 gemachten Entdeckung und Restaurierung der ursprünglichen Bemalung mit rot-weißem und schwarz-weißem Schachbrettmuster und den stilisierten Blumen, dem Kirchenraum eine heitere Note. Die Fenster an der Südseite wurden nach der Reformation vergrößert, vorher genügten die vorhandenen kleinen Fenster, denn der Gottesdienst wurde vom Altar aus in lateinischer Sprache gehalten. Es gab keine Sitzplätze, man hörte dem Priester knieend oder stehend zu. Zum Lesen benötigte man jetzt mehr Licht, die Gemeinde wurde am Gottesdienst beteiligt, und sang die Kirchenlieder aus dem Gesangbuch mit. Es wurden Sitzplätze geschaffen, die Bänke wurden 1832 erneuert und erhielten 1970 die heutige Farbgebung. Im Jahre 1630 erhielt die Kirche eine Kanzel, die sechs Bogenfelder zeigen als Relief Szenen aus dem Leben Jesu, darunter liest man den entsprechenden Text in plattdeutscher Sprache. Die Inschrift auf dem dazu gehörenden Schalldeckel ist dagegen Hochdeutsch. In der katholischen Zeit besaß die Kirche einen Hochaltar, welcher 1643 in der Amtszeit des 4. evangelischen Pastors Jacob Hennings ersetzt wurde. Geschaffen wurde der Altar von dem damals bekannten Schnitzer Johann von Stedesand, die damals vorhandenen fünf Nebenaltäre wurden entfernt. Im Mittelteil des Altars sieht man das farbig gestaltete Abendmahl, in den vier Ecken werden die vier Evangelisten dargestellt, auf den übrigen vier Feldern, den vier Abbildungen im rechten und linken Seitenflügel, sowie im Aufsatz wird das Leben Jesu dargestellt, hier nicht farbig sondern in einer hellen, marmorähnlichen Bemalung. Die Pedrella im unteren Teil weist auf Plattdeutsch auf die einzelnen Textstellen hin. 1968 wurde der Altar durch einen Schwelbrand stark beschädigt und musste restauriert werden, auch der Kirchenraum wurde durch Ruß stark verunreinigt. Zwei Paar spätgotische Messingleuchter stehen auf dem Altar. Auch diese Gegenstände sind heute gut gesichert, wie es heißt wurden die Leuchter vor Jahren gestohlen und in Paris dem damaligen Schah von Persien zum Kauf angeboten, kehrten aber in die Kirche zurück. Zur weiteren Ausstattung gehört das um 1300 geschnitzte, farbige Abbild des Namensgebers, des heiligen Nicolaus, welcher sitzend auf die versammelte Gemeinde sieht. Das älteste Teil der Ausstattung dürfte der vor dem Altar stehende Taufstein aus Kalkstein sein, welcher von der Insel Gotland stammt. Eine Besonderheit ist die „Konfitentenlade“, sie befindet sich an der Ostecke des Wyker Schiffes, es ist ein kleiner Holzkasten, den man öffnen kann, dahinter befinden sich drei Abteilungen, für jeden Ort eine, wer zum Abendmahl gehen wollte legte in das entsprechende Fach einen Zettel mit seinem Namen, sodass der Pastor über die Teilnehmer informiert war. Die St. Nicolai Kirche besaß einmal zwei Kronleuchter aus Messing, gestiftet von dem Pastor Knudt Andreas Frerks (13. Pastor an St. Nicolai). Zu seinem 50. Amtsjubiläum wurde er mit dem „Roten-Adler-Orden“ ausgezeichnet, verbunden damit war eine größere Geldsumme, welche er in der „Pastor-Frerks-Stiftung“ festlegte zur Unterstützung von bedürftigen Theologiestudenten. Die Kronleuchter wurden im Krieg eingeschmolzen. Die beiden Wyker Kapitäne Friedrich und Carl Christiansen stifteten der Kirche zwei andere Kronleuchter, aus Eiche geschnitzt von dem Wyker Tischlermeister Levsen, diese wurden in der Amtszeit von Pastor Volker Bethge (20. Pastor) abgehängt und vernichtet. Seit 1955 befindet sich in der Kirche ein Votiv-Schiff gestiftet zum Gedenken an Kobis Christiansen, welcher als 14 jähriger Schiffsjunge vor der Australischen Küste von einem Großsegler von Bord gespült wurde und ertrank. Stifter war der ältere Bruder, der Kapitän Friedrich Christiansen aus Wyk, welcher dieses Schiffsmodell in einem Geschäft in den Niederlanden entdeckte, es trug den Namen „De jonge Kobis van der Wyk“, das war Anlass das Schiff zu erwerben. Die Kirche hatte bereits um 1600 eine Orgel, die heutige stammt aus dem Jahre 1735, sie wurde bei Klappmeyer, einem Schüler Arp Schnittgers, in Glückstadt gebaut, dahinter, seit 1955, das große Hauptwerk, hergestellt in der Werkstatt von Beckerath in Hamburg. Von einigen Pastoren wurden Portraits angefertigt, das Bildnis von Jacob Henningsen zeigt auf der Rückseite das Bildnis seiner Schwiegertochter Anna Hansen, aus Bredstedt, das Bildnis seines Sohnes zeigt auf der Rückseite seine Mutter Anna Knudts von Oland. Weitere Gemälde zeigen die Pastoren Henning Feddersen, Knudt Andreas Frerks und Friedrich Wilhelm Höber. Im nördlichen Eingang zum Chor steht ein eisenbeschlagener Opferstock (eine „Sklavenkasse“?) Des weiteren erinnert eine Tafel an die Gefallenen der Kriege von 1845, 1864 und 1870/71. Über das Leben der Generationen erzählen auf dem Friedhof die vielen Grabsteine von Commandeuren und Kapitänen, von Hofbesitzern, Handwerkern, Menschen aus Verwaltung und Gerichtsbarkeit, von Lehrern und Pastoren, von einfachen und bedeutenden Menschen. Heute stehen diese Zeugnisse unter Denkmalschutz, das war leider in der Vergangenheit nicht immer so. Viele dieser geschichtlichen Zeugen wurden vernichtet, teilweise wurden sie verkauft und mit neuem Text versehen, wie z.B. der schon sehr früh unter Denkmalschutz stehende Stein auf der Familiengrabstätte des Pastor Ipsen von Oland, welcher in einem Lorbeerkranz eine lateinische Inschrift trug, jetzt steht hier ein anderer Name. Hoffen wir, dass in der Zukunft mit den wertvollen Zeugen der Vergangenheit sorgsam Umgegangen wird.

 

Quelle: üüb feer Nr. 34 / 2012: Karin Hansen

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