Blohm und Voss

Die Hafenkapitäne, die mit Barkassen voller Touristen an den mächtigen Docks von Blohm + Voss vorbeifahren, erzählen von Pannen-Schiffen, von miesen Jahren, von Fehlentscheidungen. Vor wenigen Jahren lag hier vieles im Argen, so erzählt man.

 

Noch Anfang 2018 bewertete Werftchef Dehlke den Zustand als "kritisch". Was man 2019 auf dem Werftgelände sieht, stimmt optimistisch. Ein Containerschiff ATLANTIC SAIL liegt im Dock 11 zur Reparatur. Ein paar Meter weiter arbeiten Männer mit gelben Helmen an der EUROPA 2, einem Kreuzfahrtschiff von Hapag-Lloyd. Außerdem werkeln Mitarbeiter an Jachten und  grau lackierten Marineschiffen. Die Werft scheint wieder solide aufgestellt. Doch daneben will Lürssen einen anderen Bereich wieder aufbauen: den Bau von Fregatten und Korvetten. Sie sind der Grund für Dieter Dehlkes Zuversicht.

 

Seit 140 Jahren hat die Werft ihren Sitz in Steinwerder. Schnelle Ozeandampfer, riesige Schlachtschiffe und Megajachten liefen hier einst vom Stapel. Doch in den vergangenen Jahren fehlten lukrative Aufträge, strategische Entscheidungen erwiesen sich als falsch, zuletzt ging es um die Existenz. Im Dezember 2011 verkaufte ThyssenKrupp die Hamburger Werft an den Finanzinvestor Star Capital. Der filetierte das Unternehmen, machte etliche Teile zu Geld. Die Werft versuchte, in den Bau von gigantischen Luxusjachten einzusteigen. Doch bedeutende Neuaufträge blieben aus. 2009 war die ECLIPSE fertig geworden, Superjacht, superteuer. Danach passierte nicht mehr viel. Die Entwürfe aus Hamburg gewannen Designpreise, aber gebaut wurden die Jachten für Oligarchen und Softwaremilliardäre in anderen Werften. Schließlich gab der Finanzinvestor auf und verkaufte Blohm + Voss 2016 an die Bremer Lürssen Werft weiter, einst ein eher kleiner Konkurrent der Hamburger. Es folgten harte Einschnitte: 300 Mitarbeiter mussten gehen. Luxusjachten werden innerhalb der Lürssen Gruppe erfolgreich in Bremen gebaut. Für Hamburg bleibt nur die Reparatur der teuren Schmuckstücke.

Der Marineschiffbau hat Blohm + Voss einst groß gemacht. Und wie ernst es Lürssen nun mit seinem Projekt meint, zeigen die Investitionen: Zehn Millionen Euro haben die Bremer bereits in Steinwerder investiert. Die einst von ThyssenKrupp von der Werft abgetrennte Konstruktionsabteilung wird wiederaufgebaut. Es soll aufgeräumt, klar strukturiert, übersichtlich zugehen. Weniger Marinemuseum, mehr moderne Industrie. Alte Maschinen wurden abmontiert und Lagerhallen, die aktuell nicht benötigt werden, geräumt.

 

Die Bauplätze werden bald für die Korvetten der Klasse 130 gebraucht. Diese kleineren Kriegsschiffe sind vor allem für Einsätze in Küstengewässern vorgesehen, der Vertrag wurde vor knapp einem Jahr unterzeichnet. Lürssen, ThyssenKrupp und German Naval Yards sind die Partner des Verteidigungsministeriums. In Hamburg werden die Schiffe zusammengeschweißt und ausgerüstet. Für Blohm + Voss ist das eine Garantie für die Zukunft. Die Auslastung der Werft beim Neubau ist gesichert. Und nicht nur das: Die Werft hofft auf einen weiteren Großauftrag des Verteidigungsministeriums. Sie will die Mehrzweckkampfschiffe MKS 180 bauen. Sie sollen die größten Kriegsschiffe seit dem Zweiten Weltkrieg werden, die unter deutscher Flagge fahren, und können für bis zu zwei Jahre dauernde Auslandsmissionen genutzt werden. Ein möglicher Milliardenauftrag. Und eine riesige Chance für Blohm + Voss. Die Hamburger Traditionsfirma könnte mit einem Mal zurück an die Spitze der Marinewerften rücken. Insider im Bundestag und im Verteidigungsministerium gehen davon aus, dass Blohm + Voss ausgezeichnete Chancen hat, den Großauftrag für das Mehrzweckkampfschiff zu bekommen, die endgültige Entscheidung soll Anfang 2020 fallen.

 

Im Juli 2019 berichtet das Hamburger Abendblatt über weitere 15 Millionen Euro Investitionen in die Hamburger Traditionswerft. Für diese Summe soll das Schwimmdock Nummer 10 gegenüber den Landungsbrücken, das jedem Hafenbesucher als Erstes in den Blick fällt, auf einer Länge von 200 Metern mit einem 50 Meter hohen Dach versehen. Darunter passen auch Kreuzfahrtschiffe wie die „Europa 2“, die in dem Dock dann wetterunabhängig repariert oder umgebaut werden können. Der Grund für diesen verhältnismäßig teuren Ausbau des Schwimmdocks ist aber ein anderer, wie Peter Lürssen verrät: Die Investition ist nämlich die Voraussetzung für ein konkretes Geschäft. „Es gibt einen Auftrag für eine Yacht, die zu großen Teilen in Hamburg gebaut werden soll“, sagt er. Rumpf, Aufbauten und einen Teil der Ausrüstung will Lürssen demnach bei Blohm+Voss fertigen lassen. Die Endausrüstung und Ablieferung erfolgen dann auf Kundenwunsch in Bremen.

 

Nach Informationen des Abendblatts handelt es sich um einen Ersatz für die 146 Meter lange Megayacht „Sassi“, die während der Bauphase in der Bremer Lürssen Werft in Brand geraten war und abgewrackt werden musste. Für die Hamburger Blohm+Voss-Werft ist dies der erste Neubauauftrag seit Ablieferung der „Palladium“ im Jahr 2010. „Mit dem überdachten Schwimmdock erhält der Hamburger Standort einen großen Wettbewerbsvorteil. Es versetzt uns in die Lage, wetterunabhängig zu jeder Jahreszeit zu arbeiten und bietet unseren Mitarbeitern zudem deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen“, sagt Lürssen. Eigentlich kann man große Yachten heute in offenen Docks gar nicht mehr bauen, nicht zuletzt wegen der strengen Umweltauflagen. Die neue Überdachung des Docks führt auch zu weniger Lärm und Umweltbelastung, und schafft eine noch bessere Infrastruktur für potenzielle neue Marine-Aufträge wie das Mehrzweck-Kampfschiff 180. Für die insgesamt sechs Monate dauernden Umbauarbeiten, soll das knapp 290 Meter lange Dock 10 im kommenden Jahr nach Bremen geschleppt werden. Ab 2021 wird es dann wieder in Hamburg liegen.

 

Quelle: Hamburger Abendblatt

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