Friedhof Dortmund-Dorstfeld an der Twerskuhle (Bauernfriedhof)

Der Ortsteil Dorstfeld  wurde bereits um 882 in einem Werdener Urbar als "dorstidfelde" erwähnt. Dorstfeld lag am Übergang der Handelsstraße über die Emscher, 1345 urkundlich als Dorstfelder Helewege benannt. In der Nähe des kleinen Friedhofs befand sich später der Eingang zur Zeche Dorstfeld, hier soll Alfred Nobel zwischen 1860 und 1864 mit Sprengstoffen für den Bergbau experimentiert haben. Nicht weit vom Friedhof entfernt stand bis 1938 die Dorstfelder Synagoge, an die nur eine uninteressante Skulptur aus gelbem Gestänge erinnert. Gegenüber befindet sich das Schulte-Witten-Haus, Herrensitz einer alten Familie, die sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. 

Der alte Friedhof an der Twerskuhle wurde schon etwa seit 1790 belegt. Zu diesem Zeitpunkt war Dorstfeld noch eine eigenständige Gemeinde. Die Eingemeindung erfolgte 1914. Dorstfeld entwickelte sich entlang des Hellweges und blieb bis etwa 1840 ein kleines Dorf, dessen Hofstellen zumeist nördlich des Hellweges lagen. Dorstfeld besaß keine eigene Pfarrkirche und war zu St. Reinoldi in Dortmund eingepfarrt. Nach der Reformation kam es zu einer Spaltung der Gemeinde. Der evangelisch gewordene Teil der Gemeinde blieb bei St. Reinoldi und der größere Teil, der katholisch gebliebenen Bevölkerung orientierte sich nach Huckarde. Im Zuge der Industrialisierung kam es nach 1840 zu einer völligen wirtschaftlichen und kulturellen Umstrukturierung. Damit entwickelte sich auch ein Bedarf an Wohnraum und infrastrukturellen Verbesserungen. Den Friedhof hatte man südlich des Ortskerns angelegt. Der älteste erhaltene Grabstein auf dem Friedhof stammt aus dem Jahre 1843. Es handelt sich hierbei um eine Stele im klassizistischen Stil für Johann Dietrich Schulte-Witten. Der Friedhof an der Twerskuhle ist bedeutend für die Geschichte des Menschen. Der erhaltene Bestand auf diesem Friedhof an baulichen Anlagen, Ehrenmälern und Grabsteinen dokumentiert eindrucksvoll den Totenkult von der Mitte des 19. bis zum beginnenden 20. Jahrhunderts. Für die Erhaltung und Nutzung sprechen wissenschaftliche und künstlerische Gründe. Die wissenschaftlichen Gründe beziehen sich in erster Linie auf stadt-, kultur- und sozialgeschichtliche Zusammenhänge, die sich mit der Anlage des Friedhofs und einzelnen Grabsteinen aufzeigen lassen. Im Mittelpunkt steht dabei die dokumentarische Bedeutung, die dem Friedhof zukommt. Einzelnen Grabmälern kommt eine künstlerische Bedeutung zu. Sie sprechen das ästhetische Empfinden in besonderem Maße an und vermitteln den Eindruck, dass es sich nicht um etwas alltägliches handelt. Sie vermitteln ein gültiges Bild der Grabmalkunst von der Mitte des 19. bis zum beginnenden 20. Jahrhunderts.

Grabmal Heinrich Schulte-Witten

Auf dem Dorstfelder Friedhof ruhen in einem großzügig angelegten Grab, das sich hinter den repräsentativen Grabstellen der Fabrikbesitzer auf dem Dortmunder Ostfriedhof nicht verstecken muss, zwei Generationen Heinrich Schulte-Witten, beide, wie auf einer Tafel nicht ohne Stolz vermerkt ist, ihres Zeichens Fideikommissbesitzer.

Wer sich nun fragt, was oder wer ein Fideikommissbesitzer ist, hier folgende Kurzerklärung:

Kaum noch bekannt ist die Rechtsform der Fideikommisse, obwohl noch heute an den Oberlandesgerichten und am Bundesgerichtshof eigene Fideikommisssenate bestehen. "Ein durch Stiftungsakt geschaffenes unveräußerliches und unteilbares, einer bestimmten Erbfolge unterliegendes Vermögen, das üblicherweise auch nicht belastet werden durfte. Im Wesentlichen nach spanischem Vorbild ausgebildet, verbreitete es sich nach dem 30jährigen Krieg auch im römisch-deutschen Reich. Die Erbfolge in den üblicherweise adeligen Familienfideikommissen erfolgte meist nach den Regeln der Primogenitur, wobei häufig daran noch als zusätzliche Bedingung eine Ebenbürtigkeitsklausel für den Begünstigten geknüpft war. Der Übergang von Erstgeburtstiteln war vor allem in Preußen häufig an die Innehabung des Fideikomisses gebunden."

Schulte-Witten von 1907, monumentales Grabmal mit Rundplastik

Würde ich nach einem Ort gefragt, an dem sich die Subtilität des Unscheinbaren am augenfälligsten verkörpert, fiele mir als erstes der Friedhof in Dorstfeld ein. Er steckt wie ein Keil zwischen den Straßen, ein manchmal ziemlich unbequemer Keil. Parallel zur Straße verläuft neben dem Friedhof die tiefergelegte S-Bahn-Strecke, wie ein Flussbett, aus dem in periodischen Abständen die Geräusche der vorbeifahrenden Züge hochschwappen, und auf der anderen Seite fließt in wenigen hundert Metern Entfernung die Emscher in ihrem ebenfalls künstlich tiefergelegten Bett und unterquert eine wahre Wildnis von alten und neuen Tunneln und Brücken. Der Friedhof ist vielleicht keine Insel der Ruhe, der Stille, aber er ist eine Insel der Zeitlosigkeit, während die Geschwindigkeit ringsum an ihr nagt, als wäre sie die gefräßige Zeit selbst. In Nachbarschaft zu dem mit steingrauen ornamentierten Grabplatten und Stelen dicht belegten und von Grün dicht überwucherten Geviert, in dem sich das ausladende Schulte-Witten-Grab befindet, liegt der jüdische Teil des Friedhofs.

 

Der älteste Begräbnisplatz, auf dem 1822 Herz Levi bestattet wurde, ist nicht mehr zu lokalisieren. Möglicherweise liegt er unter der um 1907 erbauten Sparkasse. Ab 1861 bestand in Dorstfeld ein Friedhof an der Wittener Strasse. Er wurde nach 1933 aufgehoben, die Knochen und die 50 Grabsteine wurden auf den Friedhof an der Twerskuhle gebracht. Das Friedhofsgelände an der Twerskuhle wurde bereits ab 1843 belegt, es lag aber nicht an der heutigen Stelle, sondern eine kurze Strecke entfernt in westlicher Richtung. Die letzte Beerdigung fand im Jahre 1932 statt. Der Friedhof ist heuet als Parkanlage gestaltet. Vom jüdischen Teil sind noch die Tore mit den Pfeilern zu finden, die Tore selbst fehlen.

Jüdische Abteilung mit 39 historischen Grabsteinen

Der Friedhof - der dritte jüdische Friedhof in Dorstfeld - wurde 1851 im Nordwesten angrenzend an den heute sogenannten kommunalen "Bauernfriedhof" angelegt. In der äußersten Ecke des Friedhofs wurde ein Taharahaus errichtet, das den Dorstfelder und Huckarder Juden zur Leichenwaschung diente. Es existiert heute noch als Teil des Gebäudekomplexes "altes Armenhaus".

Dieser Friedhof hatte zwei Vorgängerfriedhöfe. Der älteste jüdische Friedhof in Dorstfeld an der Wittener Str. 18 war 1790 geschlossen worden. Menschliche Knochen, die beim Bau der Sparkasse auf diesem Gelände gefunden wurden, bettete man 1907 auf den Friedhof an der Twerskuhle um. Der auf dem Nachbargrundstück Wittener Str. 14 im Jahr 1790 eröffnete jüdische Friedhof war bereits 1851 voll belegt und geschlossen worden. 1940 legte man hier einen Luftschutzkeller an. Die dabei gefundenen menschlichen Knochen wurden ebenfalls auf dem Friedhof an der Twerskuhle beigesetzt. Ein Gedenkstein für diesen zweiten Friedhof steht heute auf dem Dortmunder Hauptfriedhof.

Die zwei steinernen Pfosten, in denen noch die Angeln stecken, die aber so verrostet sind, dass sie jegliche Hoffnung auf Torflügel aufgegeben haben, könnten selbst Stelen sein, wären sie nicht schmuck- und namenlos. Weiträumig verteilt sind hier die wenigen verbliebenen Grabsteine: die Rosenbergs, Rosenbaums und Baums, deren Namen wunderbar zu diesem kleinen, idyllischen Ort inmitten der Verkehrshektik passen. Doch die Ruhe, die Totenruhe, ist leider auch hier nicht jeder Gesinnung heilig. Der Friedhofscharakter geht allmählich in einen Parkcharakter über, ein kleines Mausoleum steht unbeachtet, wer darin war, hat seinen Namen nicht an die Mauern schreiben lassen, ein gefällter, annähernd mannshoher Baumstumpf darf vor sich hinfaulen, und zwischen den Gebüschen oder einfach direkt am Wegrand, von der Grasnarbe fast zugewachsen, hier und dort Grabsteine, oft so verwittert, dass die Schriftzüge nicht mehr erkenntlich sind, die Namen, die Sprüche, mit denen die Hinterbliebenen ihre Wünsche den Verstorbenen mit auf den Weg gaben.


Der sogenannte kommunale "Bauernfriedhof"


Mausoleum der Familie Wulf von 1912




Denkmal zur Erinnerung an ein Bergwerksunglück von 1925

Denkmal und Gräberfeld für die Opfer einer Kohlenstaubexplosion infolge vorhergegangener Explosion des Sprengstofflagers Untertage - 16.05.1925 - Zeche Dorstfeld in Dortmund - 47 Tote & 28 Verletzte

Die Zeche Dorstfeld ist nach der Ortslage benannt. Der Schürfschacht lag 500 m westlich des alten Dorfs. Zwischen 1861 und 1891 lief der Betrieb unter Ver. Dorstfeld. Eine deutliche Vergrößerung des Grubenfelds brachte die Übernahme der Zeche Ver. Carlsglück & Planetenfeld im Jahr 1889. Sie wurde in Dorstfeld 2 umbenannt. 1885 kamen erstmalig im Ruhrgebiet Radschrämmaschinen zum Einsatz, die das mühsame Setzen eines Schräms per Hand ersetzte. 1895 waren sie soweit verbessert, dass sie im Dauerbetrieb laufen konnten. 1952 erwarb die Harpener Bergbau AG die Zeche, die danach die drei Schachtanlagen noch als Einzelbetriebe weiterführte. Diese wurden 1955 zusammengefasst als sich die Kohlekrise ab 1958 schon andeutete. Bis 1959 bestand noch eine Seilbahn von Dorstfeld 5/6 nach Dorstfeld 2/3. Danach wurden die Kohlen unter Tage transportiert. Ende 1963 kam die Stilllegung, da die Zeche im Konzern die schlechtesten Zukunftsaussichten hatte. Bei Schlagwetterexplosionen starben 1855 drei und 1891 sechs Bergleute, bei einer Kohlenstaubexplosion 1905 fünf und bei weiteren Schlagwetterexplosionen 1916 und 1918 jeweils fünf und zwölf. 1925 kam es zu einem Großunglück. In der Sprengstoffkammer am Schacht 5 kam es zu einer Explosion mit 47 Toten. 1932 starben drei Bergleute beim Absturz eines Förderkorbs im Schacht 3.


Familie Rodenbrügger



Ostermann, gen. Deusemann von 1862, neugotische Fiale
Ostermann, gen. Deusemann von 1885, Pultstein mit Relief


Wüllner/Frerich von 1866, neugotische Fiale

Frerich, Fam. Carl von 1935, stilisierter Sarkophag

Köster von 1861, 5 Pultsteine mit Akanthusrelief


August Boehle 1866


Klein/Blume von 1902, zwei rustizierte Stelen


Samm/Horn von 1897, Obelisk mit 7 Pultsteinen


Familie Othmer


Kriegerdenkmal von 1934,
Kriegsgräber von 1914 bis 1918 und Gedenkstein von 1866 (Preußisch-Österreichischer Krieg)


Familie Gustav Poth


Familien Poth/Drenkmann, o.J., Obelisk, Wilhelm Poth, Otto Poth

Poth von 1898, Obelisk

Eheleute Pahlke


Friedrich Welsch, 1838 - 1912


Willy Wagner, 1897 - 1918


Familie Starke von 1915, Stele mit seitlichen Ansätzen (Jugendstil)


Schulte-Witten, Johann Dietrich von 1843, klassizistische Stele
Schulte-Witten, Johann Heinrich von 1847, klassizistische Stele

Thiemann von 1875, architektonische Stele und 5 Pultsteine

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