Sprechende Grabsteine der Weltkriege

Sieht man die Namen, das Alter, die Geburtsorte auf den Grabsteinen der Gefallenen, so können auch wenige Worte Bände sprechen. 

Ehrenmal für die Kriegstoten beider Weltkriege in Boldixum

Ein "Sprechender" Grabstein nicht im herkömmlichen Sinne aber doch der besonderen Art ist das Ehrenmal für die Kriegstoten beider Weltkriege auf dem Friedhof von St. Nicolai in Boldixum.  Deren Geschichte wird in einem Artikel von Karin Hansen beschrieben (s.u.). 

---dreieck Ehrenmal-Inschrift im älteren Teil: „Ihren im Weltkriege gefallenen Söhnen in Dankbarkeit gewidmet, die Kirchengemeinde St. Nicolai“. Links und rechts des Ehrenmals für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges (100 Namen) je vier eingelassene Tafeln mit 260 Namen der Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges. Inschrift auf den beiden seitlichen Stelen, die ursprünglich den seitlichen Abschluss des älteren Ehrenmals bildeten:  Links unter dem Friesenwappen: „In Kampf und Not für uns in den Tod".  Rechte Stele: "Ihr Opfer die Saat für künftige Tat"

Kriege haben auch die Insel Föhr betroffen

 

....Aus den beiden Weltkriegen kennen wir Werke von Schriftstellern und Künstlern, welche mit eindrucksvollen Mitteln versuchten ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Viele Menschen aber sprachen niemals darüber und schleppten diese Last ein Leben lang mit sich. Etliche Familien zerbrachen dadurch. Auf Föhr waren die Menschen in der glücklichen Lage, nur ganz wenige Male von unmittelbaren Kriegshandlungen betroffen zu werden. Im dreißigjährigen Krieg wurde Dänemark von den kaiserlichen Truppen besetzt. Auf Amrum starben viele Menschen an der von den Soldaten eingeschleppten Pest. Als man auch Föhr erobern wollte, standen viele Menschen zur Verteidigung am Ufer, die Soldaten glaubten dort wäre ein großes Heer und zogen weiter nach Sylt. Dies berichtet der damalige Pastor von St. Johannis, denn an diesem Tag war die Beerdigung seiner Schwiegermutter und niemand nahm teil. Der Vater des ersten Wyker Fleckensvorstehers, Hans Köllner war unter König Christian IV Teilnehmer an diesem Krieg. Anfang des 19ten Jahrhunderts brachten die Auseinandersetzungen Napoleons mit England und den jeweiligen Verbündeten den Seehandelsverkehr nahezu zum Erliegen. Einige Föhrer Schiffer bekamen einen Eindruck von den Blockaden. Als sie aus dem Husumer Hafen segelten, tauchte plötzlich eine Reiterschar auf, Kosaken, welche ihnen bedeuteten sie sollen zurückkommen, was die Schiffer natürlich nicht taten. Die Föhrer verarmten durch diese kriegerischen Auseinandersetzungen, es folgte die erste Auswanderungswelle. Auch die Gründung des Seebades Wyk war eine Folge dieses wirtschaftlichen Niederganges. Einige wenige Seeleute suchten durch Kaperfahrten englische Schiffe zu erbeuten. Während des dänisch/englischen Krieges gerieten viele Seeleute unter den schlimmsten Bedingungen in englische Gefangenschaft. Dem Sturz Napoleons folgte die Französische Revolution, welche Europa große Umwälzungen bescherte, davon war besonders Deutschland betroffen. 1848 kam es, ausgehend von der Kieler Universität, zu der so genannten „Schleswig Holsteinischen Erhebung“, an diesem Krieg waren auch Bewohner Föhrs beteiligt.1864 führte Österreich mit dem militärisch gut gerüsteten Deutschland Krieg gegen Dänemark. Zwangsläufig verlor Dänemark diesen Krieg, Holstein ging an Österreich und Schleswig an Deutschland, die neue Grenze war jetzt die Königsau. Bei diesem Krieg ging es vor allem um den damals wichtigen Eiderkanal, der es den Schiffen ermöglichte, gefahrlos von der Nordsee in die Ostsee zu gelangen. Der Kreuzzollinspektor, Kapitänleutnant O. C. Hammer hatte die Aufgabe, das Fahrwasser mit Tonnen und Baaken für die Schifffahrt sicher zu machen, jetzt musste er die nordfriesischen Inseln gegen den Angriff der Feinde verteidigen. Der Bericht von Joachim Hinrichsen, „Ein Föhrer blickt zurück“ gibt ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit. Die Insel wurde von steirischen Gebirgsjägern besetzt, zwei Soldaten verletzten sich bei einem Duell schwer und starben im Lazarett (heute Restaurant „Alt Wyk“). Auch blieben zwei „Besatzungskinder“ auf der Insel zurück. Nicht alle Kleinstaaten hatten sich in einem Bündnis mit Deutschland zusammen gefunden und so wurde zunächst 1866 Krieg gegen das Königreich Hannover geführt, der König floh ins Asyl nach Österreich, Deutschland legte die Hand auf den Welfenschatz und finanzierte damit 1866 den Krieg gegen den ehemaligen Verbündeten Österreich. Der deutsche Bund war nun mächtig genug um von 1870 bis 1871 Krieg gegen Frankreich zu führen, zusammen mit dem jetzt wieder Verbündeten Österreich. Nach dem Krieg wurde der Preußische König zum Deutschen Kaiser gekrönt. An allen diesen Kriegen waren auch Föhrer beteiligt, wie man auf einer Tafel in der St. Nicolai Kirche nachlesen kann. Nach dem Attentat in Sarajewo musste Deutschland mit dem verbündeten Österreich in den ersten Weltkrieg ziehen. Von 1914 bis 1918 tobte dieser Krieg, junge Föhrer zogen voller Begeisterung in den Krieg um „das Vaterland zu verteidigen“, sie glaubten nach wenigen Wochen siegreich zu sein, aber schon bald lernten sie den Schrecken des Krieges kennen, viele wurden verwundet, gerieten in Gefangenschaft, erlitten den „Heldentod“ für das Vaterland. Nach dem verlorenen Krieg begann eine große Notzeit für die Familien, mit totalem wirtschaftlichem Niedergang. Um diese Existenzunsicherheit zu beseitigen, wurden in Deutschland viele politische Parteien gegründet, welche mit Versprechungen Anhänger um sich scharten. Die erfolgreichsten waren die Nationalsozialisten, welche Arbeit und Wohlstand für alle Menschen versprachen. 1933, mit der „Machtübernahme“ durch diese Partei, sah zunächst alles sehr positiv aus, aber bald zeigte sich das wahre Gesicht.1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, auf Föhr trafen Menschen aus dem Sudetenland ein, welche für einige Zeit im Hamburger Kinderheim untergebracht wurden. Nach der Bombardierung Hamburgs kamen viele Ausgebombte nach Föhr, denen man den erlebten Schrecken ansehen konnte. Gegen Ende des Krieges wurden mehrere Fährschiffe von feindlichen Flugzeugen beschossen, dabei kamen einige Personen ums Leben, ebenso bei den auf Föhr abgeworfenen Bomben; zum Glück fielen die meisten in die Feldmark. Durch am Strand angetriebene Munition verunglückten einige Kinder. Die Insel wurde gegen eine „Invasion“ gesichert, Besucher erhielten nur ausnahmsweise Zutritt. 1945 kam der große Strom von Flüchtlingen aus dem Osten Deutschlands und musste in den Häusern untergebracht werden. Schule, Hotels und Kinderheime wurden Lazarette für verwundete Soldaten. 1945 war der Krieg endlich beendet und die Insel wurde von den Engländern besetzt. Damit war das Kriegsgeschehen für einige Föhrer noch nicht beendet, aus der Kriegsgefangenschaft kehrten viele erst nach vielen Jahren auf die Insel zurück. Die Namen der in beiden Weltkriegen Gefallenen aus der St. Nicolai Gemeinde liest man auf der Gedenkstätte am Südende des Friedhofes in Boldixum. Einige Föhrer mussten später als U.S. Staatsbürger am Vietnam Krieg teilnehmen und kamen gebrochen in ihre Familie nach Föhr zurück. Auch die heutigen Kriege bewirken auf Föhr Veränderungen und wenn Flüchtlinge aus diesen Kriegsgebieten auf der Insel Wohnung finden, sollten wir daran denken, dass vor nicht langer Zeit die Not die Heimat zu verlassen auch das Schicksal vieler Deutscher war.

 

Wenn das Wort von Carl Sandburg „Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!“ eines Tages Wahrheit werden könnte, wäre es für die gesamte Menschheit ein Segen. Vielleicht aber wird das erst geschehen, wenn die Menschen sich selbst ausgelöscht haben.

 

Quelle: ÜÜB FEER, Nr. 46/2015, Karin Hansen

Kriegerdenkmalsanlage auf dem Friedhof in Nieblum

Die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs liegt genau zwischen der St. Johanniskirche und dem Pastorat. Der Obelisk mit stumpfer Spitze ist mit bunten behauenen Feldsteinen ca. 4,5 Meter hoch aufgemauert. Er steht der Anlage vor und trägt die Widmungsplatten. In die Frontseite des Obelisken sind vom Boden aus drei Steinplatten übereinander eingelassen. Die oberste – unter einem Schmuckbalken mit gebogenen Enden – trägt den Bibelspruch 11,25 aus dem Johannesevangelium: Wer an mich glaubt, der wird leben ob er gleich stürbe

Darunter ein Medaillon, das einen Soldatenkopf mit Stahlhelm im Halbrelief zeigt. Auf der mittleren Tafel steht die Widmung: Die dankbare St. Johannisgemeinde widmet diesen Ehrenfriedhof ihren in den Kriegen 1914 - 1918 und 1939 - 1945 gefallenen tapferen Söhnen. 

Da das Denkmal in den 20er-Jahren errichtet worden ist, musste diese mittlere Platte nach dem 2. Weltkrieg ausgetauscht worden sein. Die unterste Tafel zitiert unter einer Reihe aus drei Kreisen wieder einen Spruch aus dem Johannesevangelium, nämlich 15,13, darunter ein Kreuz mit je einem Kreis an den Seiten: Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

Vor dem Denkmal liegen in langen Reihen, angelehnt an Erdwälle die Namenstafeln der toten Soldaten. Außen die der Soldaten des 1. Weltkriegs. Nach dem 2. Weltkrieg kamen die zwei inneren Reihen dazu. Geordnet nach Herkunftsort werden Name, Geburtsdatum, Sterbedatum und Sterbeort genannt.

Was Sie hier erwartet (Auswahl)
September 2019
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 

wupper digitale fotografie

Alle Bilder auf diesen Seiten unterliegen dem © von Klaus-D. Wupper. Das Copyright für veröffentlichte, vom Betreiber dieses Onlineangebotes selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten.
Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Sounds oder Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Betreibers nicht gestattet.