Bommern - Wittens Vorort mit Herz

Wer weiß schon, dass das Schloss Steinhausen Mitte des 19. Jahrhunderts einmal dem Bürgermeister von Amsterdam gehörte? Oder dass es in Bommern einmal einen Ziegenzuchtverein gab – und 1926 sage und schreibe 22 Gaststätten? Wer mehr darüber erfahren möchte, wie die Bommeraner in der Landwirtschaft, im Bergbau, in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie einst ihr Geld verdienten, der sollte einen Blick in das neue Buch von Klaus Wiegand werfen: „Arbeitsplätze in Bommern / Bommerholz im Wandel der Zeit“.

 

Bommern ist einer der sieben Stadtteile in Witten und aufgrund des Bergbauwanderwegs Muttental ein bekanntes Ausflugsziel. In der so genannten Werdener Urbare wird im Jahr 990 ein Bodenburion aufgeführt, von dem man annimmt, dass es sich dabei um Bommern handelt. Eine abgeleitete Überlieferung des Namens findet sich bis heute in der Bezeichnung der längsten Straße Bommerns, des Bodenborns. Bommern entstand nicht aus einem Dorfkern heraus, vielmehr können heute mehrere Siedlungsschwerpunkte nachgewiesen werden, die sich über das gesamte Gebiet des heutigen Bommerns erstrecken. Aus Aufzeichnungen aus dem späten 15. Jahrhundert geht hervor, dass in Bommern zu dieser Zeit zehn große Höfe an das Stift Herdecke abgabepflichtig waren. Zu Bedeutung über die Region hinaus gelangte Bommern Mitte des 18. Jahrhunderts, als nahe dem Ruhrufer mit der Kohleförderung begonnen wurde. Das Gebiet, in dem die Kohle gefördert wurde, ist heute als so genannter Bergbauhistorischer Wanderpfad (Bergbauwanderweg Muttental) ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher aus der gesamten Region. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Bommern zunächst zum Amt Volmarstein, einem Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden. Am 1. April 1895 schied Bommern jedoch aus diesem Amt aus und bildete fortan eine selbstständige Gemeinde innerhalb des Landkreises Hagen.

1905 gab es über 3900 Bommeraner

Friedrich Oberste-Frielinghaus gehört das Schloss Steinhausen, das Bethaus, über 28 Hektar Ackerland und viel Wald. Seine Vorfahren haben sich ebenso wie die Bommeraner Familie Niederste-Frielinghaus einst an Kohlebergwerken beteiligt.

Bommern kam 1929 zu Witten. 1804 lebten etwa 348 Einwohner in Bommern, 1839 bereits 1590, 1905 dann 3922. Gründe des Bevölkerungszuwachses: ein deutlicher Anstieg der Geburten und eine hohe Zuwanderung von jungen Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung, die hier Arbeit im Bergbau fanden. Viele Kötter, Besitzer von Kleinbauernstellen, von denen die meisten bis 1900 auf den damaligen Bommerschen Zechen beschäftigt waren lebten in bommern. Mit einer Belegschaft von 600 Mann förderte 1896 die Zeche Vereinigte Bommerbänker Tiefbau 145.000 Tonnen Kohle, war damit damals der wichtigste Arbeitgeber. 1906, nach der Stilllegung der Zeche, blieb ein großer Teil der Kötter dem Bergbau treu, der sich nördlich der Ruhr ausweitete.

"Kate" oder "Kotten" war die Bezeichnung eines einzelnen einfachen Wohnhauses oder einer einzelnen Werkstatt in oder abseits der dörflichen Gemeinschaft. 

Als Kötter wurden seit dem Spätmittelalter Dorfbewohner bezeichnet, die einen kleinen Hof (Kotten) besaßen. Diese Höfe waren in der Regel am Dorfrand angesiedelt oder von alten Höfen abgeteilt. Zumeist lag am Kotten ein kleiner Garten, welcher der Nebenerwerbslandwirtschaft diente. Etwas außerhalb des Dorfes gehörten noch weitere Acker- oder Weideflächen dazu. Da der Ertrag häufig nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, waren die Kötter zusätzlich Handwerker oder verdingten sich als Tagelöhner auf Bauern- und Herrenhöfen. Ihr Besitz betrug meist nur wenige Hektar Land und etwas Vieh.

Schloss Steinhausen gehörte ab 1732 den Freiherrn von Elverfeldt. 1851 wurde das Adelsgut dann an den damaligen Bürgermeister von Amsterdam, Dr. den Tex, verkauft. 1893 erwarb Friedrich Wilhelm Dünkelberg die Gebäude. Der 1853 geborene Bauarbeiter und Schichtmeister wurde zum einflussreichsten Unternehmer Bommerns – bis zu seinem Tod 1933. Dünkelberg wohnte im Schloss Steinhausen, renovierte und modernisierte es und stattete es mit einer Zentralheizung aus. Mit dem Besitz des Ritterguts hatte dieser auch die stillgelegte Zeche Nachtigall übernommen. Friedrich Wilhelm Dünkelberg betrieb Ackerbau, Vieh- und Forstwirtschaft und eine Ziegelei auf der Zeche Nachtigall. Seine Steine kamen auch beim Bau des Dortmunder Hauptbahnhofs zum Einsatz. Dünkelbergs Tochter Anna heiratete den Grundbesitzer Friedrich Wilhelm Albert Oberste-Frielinghaus. Nach Dünkelbergs Tod ging sein Besitz damit an die große Bauernfamilie.

Neben Dünkelbergs Ziegelei war der Stahlhammer ein weiteres mittelgroßes Unternehmen in Bommern, das der Zeche Bommerbank vorgelagert war. Die Produktionspalette der Firma war groß: Schmiedestücke für Maschinenfabriken, Schiffs-, Berg- und Hüttenwerke, Ketten für den Eisenbahnbedarf. 1978 siedelte das Unternehmen nach Hamm um, wo es heute noch unter dem Namen „Stahlhammer Bommern“ tätig ist.

Die in einer Grünanlage in Witten-Bommern unweit der Ruhr stehende Transmission erinnert an die 1911 gegründete Firma Stahlhammer Bommern Gebr. Schneider. Sie produzierte geschmiedete Lastgehänge, Kettenhaken, Sonderschlüssel und Schiffssteven. 1978 erfolgte die Umsiedlung des Unternehmens nach Hamm, wo die Firma auch heute noch unter dem Namen „Stahlhammer Bommern“ tätig ist.

 
 

Kirchengeschichte

Eng mit der Kirche in Wengern verbunden, bekannten sich die Bommeraner Christen ab 1543 zu den Lehren Luthers. Ende des 19. Jahrhunderts kam es zwischen den Bommeranern Protestanten und der Landeskirche zu erheblichen Verstimmungen. Bommern wünschte sich eine eigene Kirche, die Bitte wurde von der Landeskirche jedoch, so wird es überliefert, „schroff“ abgelehnt, woraufhin etwa 200 Bommeraner aus der Kirche austraten. 1890 gab die Landeskirche dem Drängen der Bommeraner nach, 1892 wurde mit dem Bau einer eigenen Kirche begonnen. Auf die traditionelle Ausrichtung des Chores gen Osten wurde verzichtet, da es so möglich war, die Kirche auf einem Hügel zu errichten, weithin sichtbar. 

Alte Bommersche Flurnamen

von Andreas Heinrich Blesken

Geboren am 9. August 1874 in Ampen (heute Soest). Volksschule in Ampen, danach Rektoratsschule in Soest. 1896 Lehrerexamen in Soest. Nach dreijähriger Tätigkeit als Lehrer in Hattingen unterrichtete er ab 1899 in Bommerholz im Landkreis Hagen. Von 1930 bis 1936 Rektor der Volksschule in Vorhalle (heute Hagen-Vorhalle), anschließend bis 1936 Rektor in Hagen. Von 1938 bis 1959 lebte er in Witten-Bommern, wo er am 14. November 1959 starb.

Name braucht nicht immer Schall und Rauch zu sein, wenn es auch von Goethe behauptet wird. Jedenfalls können uns alte Flurnamen viel erzählen, und die Kenntnis über Zusammenhänge ist infolgedessen für die Geschichte eines Ortes unentbehrlich. Freilich muss man diese Namen richtig zu deuten verstehen, und da fängt es vielfach schon an zu hapern. Einmal ändert sich die Schreibweise in den alten Registern und Urkunden sehr oft, wie wir denn z. B. etwa ein halbes Dutzend verschiedener Schreibweisen des Namens Bommern haben. Zum anderen sind die ältesten Formen der alten Flurnamen natürlich plattdeutsch gehalten, und da ist denn etwa ein Katasterbeamter, der diese Sprache nicht verstand, hergenommen und hat einem plattdeutschen Namen eine hochdeutsche Form gegeben, wie er sie für richtig hielt, wenn sie auch total falsch war. Da ist z. B. in einem Orte der Soester Börde ein Flurname, der plattdeutsch „Fräonholtkamp“ hieß. Daraus hat nun der Katasterbeamte „Frauenholzkamp“ gemacht, in dem er in „Fräo“ das hochdeutsche „Frau“ erblickte. Nun heißt aber im Bördenplatt die Frau gar nicht Fräo, sondern wie hoch deutsch Frau. Die Übertragung war also nicht nur falsch, sondern sie besagte auch nichts. Hätte der Beamte das alte Bördenkataster von 1685 zu Rate gezogen, so wäre ihm der Fehler nicht unterlaufen, denn da steht „Fronenholzkamp“, d. h. Herrenholzkamp. Wir haben es also mit einem Kamp zu tun, der dem Herren gehört, dem adligen Grundbesitzer und nicht einem Bauern oder der ganzen Dorfgemeinschaft. Fron beißt „Herr“, wie wir die Form noch im Worte Fronleichnam", d. i. des Herrn Leichnam, haben. Ein anderer Fehler ist das flüchtige Lesen eines Wortes, dessen Buchstaben zudem vielleicht nicht gut mehr zu erkennen sind. So ist etwa in dem Worte Wertberg" das „r“ zu einem zweiten „t“ geworden, und der Wettberg" war da, ein Name, mit dem wir nichts anzufangen wissen. Der „Wertberg“ ist eine Anhöhe, die einem „Wert“ in der Ruhr gegenüber liegt. Ein Wert aber ist eine kleine Insel, wie wir denn dies Wort in Kaiserswerth und Nonnenwerth wiederfinden. So liegt im richtigen Namen allemal ein Sinn, während uns ein verdorbener Name nichts zu sagen bat. Wir müssen also nach Möglichkeit die Schreibweise der ältesten Urkunden und Register zu Rate ziehen und uns den Namen von Leuten sagen lassen, die das Plattdeutsch völlig beherrschen. Leiber sterben sie allmählich aus, und darum ist das Sammeln der alten Flurnamen eine dringliche Aufgabe. Und nun wollen wir an einigen Beispielen einmal sehen, was aus diesen alten Namen herauszulesen ist.

 

Berchem

Diesen Namen trägt heute die Kesslersche Wirtschaft der alten Schule gegenüber. Eine alte Überlieferung will wissen, dass hier der erste Bommersche Bergmann, der aus Böhmen hierhergekommen sei, gelebt habe. Zweifellos ist das Wort Berchem, ober richtiger Bergm, aus Bergmann entstanden. Aber schon 1486 wird im Schatzbuch der Grafschaft Mark unter den Bewohnern der „boemer burschop“, die zur Landesschatzung beizutragen hatten, ein Hartleff op den Berge genannt. Daraus kann dann später der Name Bergmann entstanden fein.

 

Bleiche

Dieser Name hält das Andenken wach an das früher auch in der Grafschaft Mark in hoher Blüte stehende, jetzt aber seit mehr denn 50 Jahren ausgestorbene Leinengewerbe. Es ist ein uralter, echt deutscher Beschäftigungszweig, denn schon Tacitus spricht vom Leinengewand germanischer Frauen und Kinder, und in der Stiftungsurkunde des Klosters Freckenborst vom Jahre 851 lesen wir, dass jedem Gaste zwei Leinentücher zum Gebrauch gegeben werden mussten. Vielfach wird in Sitte und Brauchtum, im Lied, Sprichwort und Volksrätsel an die Bearbeitung des Flachses und der Leinwand erinnert. Eine bis zum Rand mit Leinenballen gefüllte Truhe war der köstlichste Schatz von Braut und Hausfrau. Ein Mädchen, das nicht spinnen und weben konnte, hatte wenig Aussicht zur Heirat. „Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht“. Aber bis dass der „schneeige Lein“ in die Truhe kam, bedurfte es vieler und langer Arbeitsprozesse. Dazu gehörte auch die Bleiche, wozu unsere Ruhrwiesen den schönsten Platz gaben. Besonders wenn die Leinwand als Handelsware bestimmt war, wurde sie auf der sogenannten Lohnbleiche gebleicht, und zwar in der Zeit von der Apfelblüte bis zum September. Der Besitzer einer solchen Bleiche hielt sich oft sechs und mehr Bleichknechte, denn wenn oft Hunderte von Bleichstücken auf dem Rasen lagen, die tagsüber feucht gehalten und nachts bewacht werden mussten, so ging das über die Arbeitskraft des einzelnen weit hinaus. So hatten Tausende durch Spinnen, Weben und Bleichen auskömmlichen Verdienst. Heute, wo wir mehr denn je auf das angewiesen sind, was wir selbst erzeugen, schenkt man dem Anbau des Flachses und seiner Verarbeitung wieder erhöhte Aufmerksamkeit.

 

Bodenborn

Über die Bedeutung dieses Namens, den heute das Stück der Hauptstraße vom Bahnhof, bis zum Kriegerdenkmal führt, gehen die Meinungen weit auseinander. In den Wittener Jahrbüchern wird die Ansicht vertreten, dass der Quellenreichtum des Gemeindegebietes ihm den Namen gegeben habe. Bodenborn bedeute also nichts weiter als Quellenboden. Es wird dabei darauf hingewiesen, dass sich in bei alten Heberegistern des Klosters Werden und des Stiftes Herdecke die Formen Bodenburion, Bodonburion, Bubenbern, Budenborn, Bodenborn finden. Der westfälische Geschichtsschreiber v. Steinen (1699-1759) meint allerdings, dass alle diese Formen Wodansborn bedeuteten. Ein anderer Heimatforscher ist zwar mit der der Deutung der ersten Silbe durch Wodan einverstanden, will aber von Born und Quelle nichts wissen. Er meint vielmehr, der Name käme von Bonsbär oder Wodansbär, weil in grauer Vorzeit hier einem Oberpriester 30 Schweine und ein Bär (Eber) gehört hätten. Der Bär sei am Wodanstage dem Gotte geopfert worden. (Gerrit Haren, Geschichte der Stadt Witten"). Wer nun recht hat, ist schwer zu entscheiden, denn auch die heutige Form Bommern ist schon über 400 Jahre alt. Bei einer Eheschließung, die im Jahre 1522 zu Dortmund stattfand, tritt nämlich ein Heinrich Rese tho Bomeren" als Zeuge auf. (Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark"). Ich habe ausführlich über diese Dinge im „Heimatbuch Bommern“ geschrieben und dort auch noch auf eine dritte Deutung des Namens Bommern aufmerksam gemacht. Wer Genaueres wissen will, kann da nachlesen.

 

Bunge

Diese Ortsbezeichnung findet sich in Bommerholz, und zwar in der Nähe des Wasserturms und dem Standort der alten Windmühle, deren letzte Reste leider schon vor einer Reihe von Jahren abgebrochen sind. Das Wort stammt aus sehr alter Zeit und ist heute noch erhalten in einem Gerät, das dem Fischfange dient. In alten Zeiten aber war es eine Art Signaltrommel. Wenn bei den hier wohnenden germanischen Stämmen die wehrhaften Männer zu einer Zusammenkunft gerufen werden sollten, dann wurde die an einem hohen Pfosten frei hängende große Holztrommel mit einem dicken Klöppel angeschlagen, und der tiefe Ton hallte von der ziemlich hoch gelegenen Stelle hin durch Täler und Berge der Heimat. Jeder, der ihn hörte, wusste um seine Bedeutung. Diese Signaleinrichtung hat da gestanden, wo es heute noch „Op de Bunge“ heißt.

 

Egge

Das ist der nach dem Tale des Muttenbachs hin abfallende Höhenrücken zwischen dem Dorfe Bommern und dem Bommerholz. Der Name Egge, den wir in unserer Heimat sehr häufig finden, u. a. auch in Witten, Durchholz und Sprockhövel, hat mit dem landwirtschaftlichen Gerät gleichen Namens nichts zu tun. Die Spitzen von kuppelförmigen Bergen, die es hier auch gar nicht gibt, heißen nach Jellinghaus niemals Egge In der mittelniederdeutschen Sprache bedeutet das Wort Egge eine Ecke oder eine Kante.

 

Eikelkamp

Das Wort ist sehr leicht zu deuten, denn die Eikel, hochdeutsch Eichel, ist die Frucht der Eiche. Es hat sich also hier wohl um einen Kamp, d. i. eine eingefriedigte Weidefläche, mit einem mächtigen Eichenbestand gehandelt, wie man sie im Münsterlande auch heute noch sehr zahlreich vorfindet.

 

Graffloh

Der erste Teil des Wortes ist mit Grab (plattdeutsch Graff), Graben, Grube, Gruft und Gräfte verwandt, die ja alle gemeinschaftliche Merkmale haben. Die Silbe „loh" bedeutet Wäldchen. Ein Stück des Grabens ist heute noch im Bommerfeld wahrzunehmen. In seiner Nähe wird also früher einmal ein kleiner Wald gestanden haben.

 

Kleff

Der Name bezeichnet einen steil ansteigenden Hügel, wie denn ein solcher auch der am Niederrhein gelegenen Stadt Cleve ihren Namen gegeben hat. Das Gut Clyff (Cliff) bei Hattingen birgt den gleichen Namen in sich. Unter den fünf Höfen, die dem Stift Herdecke schon im 13. Jahrhundert abgabepflichtig waren, befand sich auch „Cleyfmannsgut" (Kleffmanns Gut) in Bommern. (Weiteres zum Cleffmannshof s.u.)

 

Porée

Auch diese Ortsbezeichnung findet sich in Bommerholz, und zwar in der Nähe des Anwesens von Fritz Dieck. Nun darf man aber bei diesem Namen nicht an das bekannte Suppenkraut, die „Buréepipe", denken, sondern an seine hochdeutsche Form „Barriere", d. h. Schranke. Wir haben also hier an der Straße eine Stelle vor uns, wo sich früher ein Schlagbaum befand, an dem der Wegzoll von Fußgängern und Fuhrwerken erhoben wurde. Das war eine ähnliche Abgabe, wie sie in früheren Jahren das Brückengeld an der Wittener Ruhrbrücke und auch andern Flussübergängen darstellte. Eine Barrière befand sich auch am Mühlenberg am Beginn der Wetterstraße.

 

Rumenei

Der gleiche Name Rumenei oder Rumenigge findet sich auch in Soest, und hier ist es einwandfrei aus den Urkunden und Stadtrechnungen erwiesen, dass es sich um das Stadtweinhaus handelte, das zwischen dem Dom und dem Rathaus lag und heute nicht mehr vorhanden ist. In ihm wurde neben anderen Getränken auch Südwein oder Wein aus der „Romanei“, d. h. den südlichen Gebieten des alten Römerreiches, ausgeschenkt. Das ist für Soest, der bedeutenden mittelalterlichen Handels- und Hansestadt, durchaus zu verstehen. Wie kommt aber der Name Rumenei nach Bommern? Und doch finden wir hier im Heberegister des Stiftes Herdecke neben schon genannten Höfen auch „dat qut thor Rumenie". Sollten hier die Leute, wenn sie von den Verhandlungen auf dem nahegelegenen Tigge kamen (vom Tigge wird gleich noch zu reden sein) sich einen Labetrunk gegönnt haben? Kann etwa ein aus der Soester Börde zugezogener Mann, der vielleicht sogar auf diesen Hof heiratete, dem Wirts- oder Trinkhause den ihm geläufigen Namen gegeben haben? Wein aus der Romanie könnte es auch gegeben haben, wenn man bedenkt, dass manche edlen Geschlechter in der Nähe, auf den Häusern Berge, Steinhausen, Hardenstein, Crengeldanz usw. wohnten, deren Vertreter sicher eine feine Zunge hatten. Vorläufig darf in dieser Frage die Fantasie eines jeden nach freier Wahl entscheiden.

 

Spiek

Auch dieser Name ist leicht zu deuten. Es handelt sich da um Wassertümpel, die aus einem toten Arm der Ruhr entstanden sind. Wie uns Dr. Hosbach im „Heimatbuch Bommern" berichtet, hat der Spiek ein ihm eigentümliches Tier und Pflanzenleben.

 

Sundern

Das Wort weist in die Zeit zurück, da sich auch in unserer Heimat die langwierigen Kämpfe zwischen Franken und Sachsen abspielten. Nach der Unterwerfung des Sachsenlandes gab Karl der Große mehr oder weniger umfangreichen Güterbesitz an seine Getreuen, die ihm beigestanden hatten. Zu diesem Zwecke wurden schon frühzeitig bestimmte Gebiete abgesondert und dem Allgemeinbesitz entzogen. Diese abgesonderten Gebiete führten den Namen Sundern. Nun ist es erklärlich, weshalb der Name so häufig anzutreffen ist. Nicht allein im Gebiete der alten Zeche Bommerbank liegt ein Sundern, sondern auch auf der Wittener Ruhrseite, das aus Wittener Gemeindebesitz abgesondert und dem Oberhofbesitzer über lassen wurde. Der nahm es dann vom Frankenkönig zum Lehen. Die alten sächsischen Oberhofbesitzer wurden gern zu fränkischen Beamten gemacht. In der Nähe von Neheim-Hüsten befindet sich ein Dorf, das den Namen Sundern trägt.

 

Timen

Dieses Wort, das mit den Bezeichnungen Ti und Tigge zusammenhängt, ist sehr alt. Zahlreiche Familiennamen auch in unserer Gegend stammen von ihm ab. Schon im Schatzbuche von 1486 wird für Bommern ein „Tymann Arendes" erwähnt, dessen Hof wohl da lag, wo es heute noch Am Tiemen heißt. Was hat es nun mit dem Ti oder Tigge auf sich? Wir haben hier einen Namen, der sich im ganzen Raum der plattdeutschen Sprache bis hin nach Holland findet und die uralte Gerichtsstätte der Dorfgemeinschaft bezeichnet, wie sich das schon aus Urkunden des 12. Jahrhunderts ergibt. Alle Anklagen, Gerichtsverhandlungen, Urteile, Verkäufe, Vergebungen von Grundstücken, geschehen in öffentlicher Aussprache unter freiem Himmel auf diesen Plätzen. Es ist also der Dorfversammlungsplatz, der Bauernbrink, wo alle Angelegenheiten der dörflichen Gemeinschaft verhandelt wurden. Dass dieser Platz vorzugsweise die Gerichtsstätte war, geht aus dem alten Worte „betiggen“, hochdeutsch „bezichtigen“ hervor, das von einem Wort „zeihen“ oder „anschuldigen“ herkommt. Mit dem Ting oder Ding, der Versammlung der freien, wehrfähigen Männer hat Ti und Tigge nichts zu tun. Als die Rechtsverhältnisse schon längst andere geworden waren, blieb der etwas erhöhte Platz des Tigge noch immer die Dorfversammlungsstätte. Von andern Gegenden des Vaterlandes ist es bekannt, dass der Tigge in späteren Zeiten auch dörflichen Festlichkeiten aller Art diente, die mit Kirmes und Schützenfest nahe Beziehungen hatten.

 

Der Hof Cleffmann zu Bommern

 

Bauerschaft Bommern - Hof Cleffmann. Der Name Kleve = Kleff kann sowohl auf die Lage des Hofes auf einem vorspringenden Bergrücken als auch auf Klee Klever, also Weideland, hinweisen. Im 13. Jahrhundert besitzt das Stift Herdecke in Bommern vier sogenannte Erben, das abgabepflichtige Höfe, zu denen auch „Cleyfmannsgut“ gehört. Im Lagerbuch dieses Stiftes heißt es: „Item tho Bodenborne eyn ander Gut, geheyten Cleyfmannsgut, dat gift VII Schepel Roggen, VII Schepel Gerstens, IX Schilling tho Ko gelde, eyn Vastavendes Hoyn und eyn Swyn.“ Im Schatzbuch der Grafschaft Mark wird der Bauer Lambert op der Kleve zur Abgabe eines Guldens aufgeführt. Im Steuerstreit im Amte Wetter 1642 – 1645 heißt es über diesen Hof:

 

  1. Henrich Kleffman hat einen Kotten unter, so dreyherigh. Gebe 4 Mlr. Hartes Korns zur Pfacht, Hauß und Gebeu noch in zimblichem esse. Habe 3 Malder­scheide Landts, ahn Weischen 1 ½ Schepelse, ein Schweinsrecht in die Marck, Hof und Garten, aber der Hof zaunloß.
  2. Er und sein Frau sein abgelebte alte Leuthe. Haben 4 Kinder, zum Zappen zu Zeiten wol ein Maß Biers.
  3. Hab ein Pferdt, so wol 16 Rt. Gelten konne, welches zum Ackerbau gebrauche.
  4. Habe 3 Khue und deßen Tochter, so ahn Hasenkamp verheyratet, 2; item 3 Rinder, 2 junge Kälber, acht Schaaf, so den Kindern zustendig, eine Sau mit 5 Fercken und 3 Schweinigen. Hat sein Vieh angeschlagen ad – 34 Rt. Angeschlagen.
  5. Rog­gen 3 Schep.
  6. Gersten 6 V.
  7. Habern 5 Schep.

Caetera cessant. Nur daß der Wittiben Berenbrocks verlohrner Schuldt außstehen habe – 100 lauffende Thaler, darab gar nichts genieße.

 

Dreiherrig bedeutet, das der Cleffmannsche Hof drei Herren gehörte.

Im Kataster über die kontribuablen Güter aus dem Jahre 1705 steht geschrieben:

 

Kleffman. 4 M. 3 Sch. Gibt Pfacht ins Stift Herdecke 10 Rtl. 3 st. 9 d. Gibt ste­hende Rente – Rtl. 48 st. 3 d. Rendiret………16 Rtl.

 

Das Cleffmannsgut gab aber auch Gewinngeld nach Haus Berge ab, darüber wurde im Jahre 1692 ein Gewinnbrief über 42 Rtl. von der Rentei Witten ausgestellt. Daraus lassen sich aber schon zwei der drei Herren entnehmen, ein­mal das Stift Herdecke, das eine jährliche Pacht bekam, und andererseits das Haus Berge, an das Gewinngeld abgeführt wurde.

In den Belegen zum Hypothekenbuch des Gerichts Volmarstein findet sich eine Eintragung vom Dezember 1721, laut der Johannes Ibing Cleffman zu Bommern dem Johan Peters zu Albringhausen Geld geliehen hatte.

 

Die Vermutung liegt nahe, daß der Vater von Johannes Ibing Cleffmann, Anthony, auf dem Cleffmannschen Hof einheiratete und ursprünglich Ibing hieß. In diesem Fall würde sich eine weitere Trauung zuordnen lassen, und zwar aus dem Schwelmer Kirchenbuch. Dort ehelichte am 8. Juni 1688 Johan Rollinghoff, Sohn des verstorbenen Johan Rollinghoffs, die Anna Catharina Ibing, Tochter des Ton­nis Ibing aus Bommern. Also werden wohl Johannes Ibing Cleffmann und Anna Catharina Ibing verheiratete Rollinghoff Geschwister gewesen sein.

 

Anthony/Tonnis Ibing, später genannt Cleffman, wird wohl mit einer Tochter aus der Ehe von Hendrich Cleffmans Tochter mit Hasenkamp verehelicht gewesen sein.