◙ Religiöse Kunst - vielseitig, ästhetisch und voller Ausdrucks- und Aussagekraft

Die gemeinsame Geschichte von Religion und Kunst ist überaus alt und mindestens genauso traditionsreich. Schon seit ewigen Zeiten halten Künstler sakrale Vorstellungen in Bildern, Fresken und Plastiken fest, um sie für ihre Generation und die Nachwelt zu verewigen. Religiösen Bildern kommt ebenso wie der Religion selbst eine große Bedeutung zu. Sie sind vor allem zu finden in Kirchen, aber auch in zahlreichen öffentlichen und privaten Kunstsammlungen. Ob die Darstellung von Gottheiten, Engeln, Kreuzen, Tauben oder anderen religiösen Symbolen - religiöse Kunst ist durchaus vielseitig, ästhetisch sowie voller Ausdrucks- und Aussagekraft.

Kirchenbauten sind weitaus mehr als nur Gehäuse für den christlichen Gottesdienst. Über ihre liturgische Funktion hinaus werden sie vor allem als kunst- und kulturgeschichtliche Dokumente wahrgenommen, wobei gerade die intensive Verschränkung von Architektur, Malerei, Skulptur und Kunsthandwerk die Kirchenräume zu Gesamtkunstwerken par excellence macht. Erst recht aufgrund des zentralen Stellenwertes der sakralen Kunst in Mittelalter und früher Neuzeit bilden Kirchen also einen klassischen Gegenstandsbereich der Kunstgeschichte.

Epitaphien

Das Epitaph ging während des Spätmittelalters aus zwei unterschiedlichen Wurzeln hervor:

  • Andachtsbilder, die für Verstorbene gestiftet wurden, erhielten durch entsprechende Inschriften zunehmend den Charakter von Gedenkbildern.
  • Aufwändig gestaltete Grabplatten, vor allem in großen Kirchen, immer häufiger an Wänden und Pfeilern und getrennt von der Grabstelle.

In seiner einfachsten Form ist ein Epitaph eine mit Namen und meistens mit Lebensdaten beschriftete Tafel. Im 16. und 17. Jahrhundert führte das wachsende Repräsentationsbedürfnis des städtischen Bürgertums und des Adels zu einer schnellen Weiterentwicklung der Epitaphien. Besonders seit Einführung der Reformation kam es zu Umarbeitungen und Sekundärnutzungen von Epitaphien. Vorbarocke Epitaphe sind oft nach dem Vorbild spätmittelalterlicher Grabplatten gestaltet, mit aufwendig gearbeiteten Reliefs der Verstorbenen. Im Barock wurde das formale Muster der Grabplatte zu einer Gestaltungsmöglichkeit unter vielen, neben Altären (oft mit Retabeln), Särgen und vielen anderen. Barocke Epitaphe sind meist architektonisch aufgebaut und plastisch aus Stein, Metall oder Holz gearbeitet, in der Regel farbig gefasst und oft teilvergoldet. Ein weiterer, verbreiteter Typus sind Gedenktafeln, die Öl- bzw. Temperagemälde tragen. Sie sind meistens ganz aus Holz gefertigt, als Bildträger wird aber auch Leinwand verwendet. Die Rahmen dieser Bildtafeln sind oft architektonisch aufgebaut und mit plastischem, manchmal aus Stein, Gips oder Metallen gearbeitetem Schmuck dekoriert, zum Beispiel Engelsköpfen oder Kapitellen und Konsolen.

Epitaph des Gewerken Hans Dreyling

▼ Eines der glanzvollsten Beispiele für den Innsbrucker Kunstguss ist das Epitaph des Gewerken Hans Dreyling aus Schwaz in Tirol aus dem Jahr 1578.

Bronze, 206 x 138 cm mit Signaturinschrift: "MIER GAB ALLEXANDER COLIN DEN POSSEN HANNS CHRISTOFF LOFFLER HATT MICH GEGOSSEN 1578"

▲ Als Bekrönung des Rundbogenabschlusses steht die Sanduhr auf einem Totenkopf, seitlich begleitet von zwei großen Genien. Genien (oder lateinisch Genii) war in der römischen Religion der persönliche Schutzgeist eines Mannes und Ausdruck seiner Persönlichkeit. Im unteren Bildfeld knien Hans Dreyling und seine Familienmitglieder. Hans Dreyling stammt aus Wagrain, wohnte seit etwa 1530 in Schwaz und war als Gewerke und Schmelzmann tätig. In triumphbogenartiger Rahmung in der Mitte Darstellung der Erscheinung der 24 Ältesten vor Gottes Thron, darunter eine Inschrift in Großbuchstaben:

 

WIER DANCKEN DIR HERR ALMACHTIGER GOTT DER DV BIST VND WAREST VND / KVNFFTIG BIST DAS DV HAST ANGENOMEN DEINE GROSSE KRAFFT VND HERRSCHEST / VND DIE HEIDEN SIND ZORNIG WORDEN VND ES IST KOMEN DEIN ZORN VND DIE ZEIT DER TODTEN ZV RICHTEN VND ZVGEBEN DEN LOHN DEINEN KNECHTEN DEN / PROPHETEN VNND DEN HEILIGEN VND DIE / DEINĒ NAMEN FVRCHTEN

▲ Im durchlaufenden Sockel die knienden Familienmitglieder um das Dreylingsche Wappen gruppiert: Links Hans Dreyling mit seinem Schutzpatron Johannes dem Täufer, dahinter seine 3 Söhne und zwei Enkel. Rechts die Frauen des Hauses Dreyling mit ihren Töchtern, drei Frauen durch Wappenschild zu ihren Füßen hervorgehoben, die zwei vorderen werden von einer weiblichen Heiligen begleitet. Als unterer Abschluss von Beschlagwerk gerahmte Inschrift-Tafel:

 

ANNO DOMINI 1573 DEN 15 SEPTEMBRIS IST ALLHIE ZV SCHWATZ / IN GOTT SEELICCLICH ENTSCHLAFFEN DER EDL VND VÖST HERR HANNS / DREYLING ZV WAGRAIN DER ÖLLTER. IN SEINEM LEBEN DER F D ERZHÖRZOG / FERDINADEN ZV ÖSTERREICH GEWESTER RATH & PERG VND SCHMÖLZ / HERR IN TIROL DESSEN VND ALLE CHRISTGLAVBIGEN SEELEN DER ALLMECH / TIG GOTT GNEDIG SEIN WÖLLE DVRCH IESVM CHRISTVM VNSERN HERRĒ AMĒ

▲ In der Mitte sieht man die Darstellung der Erscheinung der 24 Ältesten vor Gottes Thron. Unmittelbaren Bezug zum Bergbau und zur Verarbeitung geben die emblemartigen Geräte und Werkzeuge über den seitlichen Rundbogennischen (Hunt, Schlägel, Eisen, Blasbalg etc.) mit den eingestellten Männern, dem Bergmann und Schmelzer. Im Mittelfeld reihen sich die 24 Ältesten aus der Apokalypse um Gottvater mit dem Lamm. 

▲ Seitlich des Rundbogens findet man zwei großen Genien. Genien (oder lateinisch Genii) war in der römischen Religion der persönliche Schutzgeist eines Mannes und Ausdruck seiner Persönlichkeit.

Syberger Epitaph

Das "Syberger Epitaph", ursprünglich gegenüber dem Patronatssitz an der nördlichen Chorwand der Stiepeler Dorfkirche angebracht.

▲ Friderich Matthias v. Syberg verdankt man einen wesentlichen Teil der erhaltenen Innenausstattung, neben Kaminen die o.g. Deckenovale, die barocke Prachttreppe und das so genannte „Syberger Epitaph“, das allerdings 1698 in der Dorfkirche zur Machtdemonstration aufgestellt worden war und sich bis dort an der nördlichen Chorwand befand. Das fünfspeichige Syberger Rad im Zentrum wird flankiert von den Wappen der Ahnen väterlicherseits auf der linken Seite, mütterlicherseits auf der rechten, vom Betrachter aus gesehen. 

Epitaph des Ingwer Siewertsen (Jacobs) in St. Johannis, Nieblum / Föhr

▲Das Epitaph Ingwer Siewertsen (Jacobs) von 1613 wurde 1634 aus der untergegangenen Kirche von Königsbüll auf Alt-Nordstrand nach Nieblum (Friesendom) überführt.  Das Nachrufbildnis  wurde nach dem Verlust der Kirche infolge der Zweiten Manndränke 1634 nach Nieblum gebracht und ist jetzt an der Ostwand des südlichen Querschiffs zu finden. Der geschnitzte, üppig mit Doppelsäulen, Roll- und Beschlagwerk dekorierte Architekturrahmen (der Unterhang fehlt) stammt aus der Werkstatt des Heinrich Ringering in Flensburg und zeichnet sich durch die gut erhaltene ursprüngliche Farbfassung aus. 

▲ Das Hauptbild, eine gemalte Darstellung der Anbetung der Hirten mit der Stifterfamilie in vornehmen spanischen Kostümen am unteren Bildrand, wird Marten von Achten aus Garding zugeschrieben, desgleichen die kleine Verkündigung an Maria im Aufsatz.  

Verkündigung an Maria im Aufsatz

Restaurierung: Das Epitaph Jacobs stammt aus der ehemaligen Kirche von Königsbüll auf der untergegangenen Insel Strand. Nach der großen Flut von 1634 ist das Bild in die Kirche gekommen. Wahrscheinlich ist schon damals einiges verloren gegangen. Der Unterhang wurde nie gefunden. Sehr störend war eine fehlende Engelfigur. Zum Glück ist diese Figur 1935 fotografiert worden, so dass mit Zustimmung des Denkmalamtes eine Replik angefertigt werden konnte.  

 

 

 

Sakrale Gegenstände

▲ Tisch-Altar in der Christuskirche Detmold: "DER REFORMIERTEN GEMEINDE GESTIFTET VON IHRER DURCHLAUCHT PRINZESSIN PAULINE ZUR LIPPE DETMOLD ANNO DOMINI ...

▲ Ambo

Das Lesepult im Chorraum der Ev. Kirche Wetter-Wengern stammt aus dem Jahre 1688. Es wurde von Hildebrand Rebein geschaffen und zeigt reiche Schnitzereien (Weinreben, Dämonen im Sockel, flügelartige Seitenornamente). Als Buchablage dominiert den Ambo eine Pelikanfigur. Die Haltung des Tieres, das seinen Schnabel auf seine Brust legt, ist typisch für den Pelikan als Christussymbol.

▲ Taufbecken

Auf der großen Fläche zwischen Schiff und Chorraum in der Ev. Kirche Bommern liegt ein dicker, sandfarbener Teppich. In sieben Sprachen ist in einem großen Rund der Taufspruch eingewebt. „Denn siehe, ich bin bei Euch . . .“ In die Mitte dieses Kreises wurde das neue Taufbecken gestellt. Das schwere, massive Prachtstück in der Form eines klassischen Taufsteins funkelt und glänzt, als wäre es auf purem Gold. Ist es aber nicht, sondern aus polierter Bronze, von einem armenischen Künstler geschaffen und von einem Bommeraner gespendet, der ungenannt bleiben will. 

Taufbecken Christuskirche Detmold

▲▼ Gotischer Taufstein von 1497 in der Turmkapelle, Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, meist nur kurz Johannis-Kirche genannt, in Billerbeck 

▲ In der Taufkapelle im Untergeschoss des Turmes befindet sich ein spätgotischer Taufstein von 1497, der in seiner Inschrift Johannes Schufuth, den damaligen Pfarrer der Johanniskirche als Stifter angibt. Das mit reichem bildhauerischem Schmuck ausgestattete kelchförmige Becken ist aus einem Stück Sandstein gearbeitet. In acht Reliefs an den Seitenteilen werden Bilder zum Thema Taufe, abwechselnd aus dem Alten und Neuen Testament gezeigt, beispielsweise das Quellwunder des Mose, die Taufe Jesu im Jordan und die Darstellung einer christlichen Taufe.

Typen christlicher Kunst

Figuren in der Kathedrale Notre-Dame-Immaculée, Monaco

Seit dem 3. Jahrhundert bildete das Marienbild den häufigsten Gegenstand der christlichen Kunst. Es verleiht der Marienverehrung einen bildhaften Ausdruck. Auf den Bildern und Skulpturen werden häufig Szenen aus dem Marienleben, beispielsweise der englische Gruß, aufgegriffen. Verbreitet ist seit dem 13. Jahrhundert auch die Darstellung als Schutzmantelmadonna, die den Gläubigen unter ihrem ausgebreiteten Mantel Schutz bietet. Eine besondere Darstellung, die sich gehäuft in Frankreich findet, sind die schwarzen Madonnen. Sie stammen aus der Romanik und dem Barock. Auch außerhalb der Darstellungen Marias finden sich Mariensymbole, beispielsweise der Hortus conclusus.

Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Die Skulpturen der Kreuzigungsgruppe in der Kirche Groß St. Martin

in Köln bestehen aus dem gekreuzigten Christus, seiner Mutter Maria

(hier im Bild) und dem Apostel Johannes.

Ort: Josefskirche, Witten-Annen

▲ Maria mit Kind auf  Sockel in der Josefskirche in Witten-Annen. Sie hält das Kind mit beiden Händen, die rechte Hand hält die Beine des Kindes. 

▲ Maria mit Kind am Hochgotischen Hauptportal der Westfassade des Straßburger Münster

▲ Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, meist nur kurz Johannis-Kirche genannt, in Billerbeck. Über dem Mittelgang zwischen den Bankreihen befindet sich eine gotische Doppelstrahlen-Madonna aus der Zeit um 1480. Sie ist polychrom gefasst. Auf der Vorderseite trägt Maria das Jesus-Kind, auf der Rückseite ein Bündel Trauben.

▲ Jungfrau Maria mit Christus-Statue, Kapelle St. Catherine, gotische Kathedrale Notre-Dame, 14. Jahrhundert, Straßburg

▲ Dreikönigstriptychon, um 1530, Groß St. Martin in Köln

Kreuzigung Christi

Einen weiteren breiten Raum nimmt die Kreuzigung Christi ein. Die Darstellungsformen sind auch hier vielfältig. Die bildliche Darstellung der Kreuzigung zusammen mit Maria und dem Apostel Johannes wird als Kreuzigungsgruppe bezeichnet.

Ort: Groß St. Martin, Köln
Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Kreuzigungsgruppe in der Kirche Groß St. Martin in Köln, Gesamtansicht mit Blendbogen

Auf einem neuen Betonsockel steht das 80 Zentimeter hohe prismenförmige Taufbecken aus staufischer Zeit

 

Direkt vor der Kreuzigungsgruppe steht heute ein Taufbecken aus hellem Kalkstein, das aufgrund seiner Form und Ornamentik zu den interessantesten Steinarbeiten aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gezählt wird. Der Taufstein hat eine längliche, achteckige Grundfläche. Sein Rand ist von außen mit einem Fries von acht großen Wasserrosen versehen, die sich gleichmäßig über die unterschiedlich breiten Seitenflächen verteilen und so auch über die Kanten hinweg verlaufen. An vier Ecken sitzen Löwenköpfe; aus ihren Mäulern entwickelt sich ein schmalerer Akanthusfries, der den oberen Rand des Taufbeckens bildet. Bis zur Kriegszerstörung hatte das Taufbecken einen kupfernen Deckel; die heutige moderne Bronzeabdeckung stammt von dem Bildhauer Karl Matthäus Winter aus Limburg an der Lahn, der darauf Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zu einem Bilderfries verarbeitete. Es wird vermutet, dass das Taufbecken ursprünglich aus der älteren Brigidenkirche übernommen wurde; diese erhielt 1510 ein neues Taufbecken aus Messing, und es ist wahrscheinlich, dass das ältere Stück in die Martinskirche übernommen wurde. Einige Legenden bis in das 20. Jahrhundert besagten, dass es sich ursprünglich um ein Geschenk des Papstes Leo III. gehandelt habe.

▼ Kreuzigungsgruppe im Dom zu Güstrow

Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow

▲Der Dom zu Güstrow gehört mit zur norddeutschen Backsteingotik und hat eine reiche Ausstattung von der späten Romanik bis in die Neuzeit zu dem Schwebenden von Ernst Barlach. Der spätgotische Flügelaltar ist um 1500 in den Dom gekommen und stammt aus dem Kreis um den Hamburger Bildschnitzer Hinrik Bornemann. Der goldene Hintergrund symbolisiert das himmlische Licht, welches die Deutung gibt. Auf der goldenen Seite finden wir in der Kreuzigung die Stifter des Altars kniend dargestellt, die mecklenburgischen Herzöge Magnus I. und Balthasar. Sie sind noch einmal stehend an den Seiten zu finden. Das Kreuz teilt die Menschen; rechts von Christus gesehen sind diejenigen, die sich zu ihm bekennen, links diejenigen, die ihn herausdrängen aus der Welt. Der Betrachter steht vor der Frage, auf welcher Seite er seinen Platz hat. Rechts von Christus ist der Mitgekreuzigte, der sich sterbend noch zu Christus bekennt und die Verheißung empfängt: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." Über ihm ist ein Engel, der seine Seele in den Himmel trägt. Über dem anderen Mitgekreuzigten ist der Teufel, der seine Seele erwartet, um sie in die Hölle zu führen; er stirbt im Unfrieden. In der Umrahmung der Kreuzigung befinden sich sechs kleine Figuren, rechts, links und oben jeweils zwei. Es sind die Propheten des Alten Testaments; ihre Schriftrollen sind leer zum Zeichen dafür, dass ihre Verheißungen mit dem Kommen Christi erfüllt sind. Neben der Kreuzigung ist rechts Johannes der Täufer dargestellt, der mit dem langen Zeigefinger von sich weg auf Christus deutet. Das Lamm auf dem Buch deutet auf Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegträgt. Neben Johannes steht Cäcilie, die Schutzheilige der Musik. Auf der anderen Seite sind neben Paulus die Heiligen Katharina und Sebastian dargestellt. Die genaue Benennung ist dem Altarschema zu entnehmen. Bei den zwölf Aposteln fehlt Philippus; dafür ist Paulus dargestellt. Auf der Rückseite des Altars erinnert eine Tafel an den ersten evangelischen Gottesdienst 1568 und an eine Baumpflanzaktion, die Herzogin Elisabeth in den Heidbergen angeregt hat.

▼ Kreuzigungsgruppe Pfarrkirche St. Marien

▲ Künstlerisch interessant die Kreuzigungsgruppe aus Lärchenholz in der Marienkirche in Waren (Müritz). Sparsam bemalt. In der Apsis des Altarraumes: Der Gekreuzigte, zu seinen Füßen knieend betend Maria Magdalena mit einem Salbgefäß, links seine Mutter Maria, rechts Apostel Johannes. Der Holzbildhauer Ferdinand Demetz aus St. Ulrich im Grödnertal hat die Gruppe 1909 eigens für das Warener Gotteshaus geschaffen. 

Kreuz in der St. Franziskus-Kirche Witten
Ort: Dom, Köln
Ort: Dom, Köln

▲ Kreuzweg, 13. Station, Beweinung, Kölner Dom

Obwohl es bereits seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich war, das Leiden Christi in 14 Kreuzwegstationen zu schildern und als Andachtsbilder in den Kirchenraum zu integrieren, erhielt der Dom erst im 19. Jahrhundert einen Kreuzweg. Mit seiner Ausführung wurde der Utrechter Künstler Wilhelm Mengelberg beauftragt, der zwischen 1893 und 1898 insgesamt 13 Stationen im neugotischen Stil schuf. Die zwölf als bemalte Hochreliefs mit bekrönenden Maßwerkbaldachinen ausgeführten Stationen aus feinem Sandstein wurden in die mittelalterlichen Altarschränke der Außenwände des Langhauses eingefügt. Die 13. Station in der südlichen Turmhalle wurde in Angleichung an die 14. Station als überlebensgroße, vollplastische Figurengruppe gearbeitet. 

Ort: Dom, Köln

▲ Kreuzweg, 14. Station, Grablegung

Die 14. Station, eine überlebensgroße spätgotische Grablegungsgruppe, fand ihren Aufstellungsort im Nordturm.

Ort: Dom, Köln
Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Grablegungsgruppe in der Kirche Groß St. Martin in Köln 

Vlnr: Nikodemus, unbekannte Klagefrau, Maria aus Magdala, Maria, Johannes, Josef von Arimathäa.

 

Dem Kreuzaltar stilistisch zugeordnet wird die so genannte Grablegungsgruppe, die neben dem toten Christus ursprünglich sieben als Dreiviertelfiguren angelegte Skulpturen umfasste; eine der Frauenfiguren ist seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen. Da die Figuren von Johannes und Maria in Ausführung und Physiognomie der der Kreuzigungsgruppe sehr ähneln, geht man von davon aus, dass sie aus der Werkstatt desselben Künstlers, eben Tilman van der Burch, stammen. Der tote Christus ist hier ebenso wie am Kreuzaltar mit anatomischen Details wie hervortretenden Adern und deutlich erkennbaren Wunden der Dornenkrone dargestellt. Er liegt mit leicht nach links geneigtem Haupt im Zentrum auf einem Leintuch, das am Fußende von Nikodemus, am Kopfende von Josef von Arimathäa gehalten wird. Maria, erkennbar an ihrem schlichten blauen Gewand, hebt den Arm des Leichnams leicht an, so dass die Kreuzigungswunde an der rechten Hand deutlich gezeigt wird. Zu ihrer Linken steht Johannes als dritte, sehr jünglingshaft gezeichnete männliche Figur des Ensembles. Während Jesus und die Figuren an Kopf- und Fußende fast lebensgroß sind, erscheinen die Büsten der Frauen und Johannes deutlich kleiner, so dass sie perspektivisch als Hintergrund wirken. Die Maria am nächsten stehende Klagefrau wird in der Literatur vereinzelt als Maria von Magdala interpretiert.

Die ursprünglich drei weiteren, von Maria aus rechts stehenden Frauenfiguren, von denen zwei erhalten sind, fallen ebenso wie die beiden Männerskulpturen an Kopf- und Fußende durch eine sehr reichhaltige und detailliert ausgeführte zeitgenössische Kleidung auf.

Wandrelief in der St. Nikolaus-Kirche in Aachen

In den Ostkirchen, besonders den orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus, haben Ikonen eine große Bedeutung. Neben Christusbildern sind Marienikonen das wohl häufigste Darstellungsmotiv. Als einer der Höhepunkte der russischen Ikonographie gilt die Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rubljow. Vergleichbar mit den Ikonen sind in der Westkirche Gnadenbilder und Andachtsbilder. Das Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren befindet sich im Hochaltar des Innsbrucker Doms. Neben den Darstellungen Christi und Mariens sind seit frühchristlicher Zeit auch Heiligenbilder nachweisbar.

Grablegung St. Franziskus-Kirche Witten
 
 
 

Christus - Schmerzensmann

Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Der Schmerzensmann in der Kirche Groß St. Martin in Köln : Die fast lebensgroße Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert stammt möglicherweise aus derselben Werkstatt wie die Kreuzigungs- und Grablegungsgruppe (oben).

Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr
Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr

Holzfigur aus dem 15. Jahrhunder. Der "Schmerzensmann" auf dem Altaruntersatz in der Kirche St. Johannis in Nieblum/Föhr.

 

▲ Christus als "Schmerzensmann"

Albrecht Dürers Schaffen bildet einen Höhepunkt der deutschen Renaissance. Seine Innovationskraft belegt auch der Karlsruher „Schmerzensmann“, dessen lebendige Gestalt und menschlicher Ausdruck von dem intensiven Naturstudium des noch jungen Künstlers zeugen. Das Werk stellt Christus mit Dornenkrone und den Leidenswerkzeugen dar. Sein Körper ist gezeichnet durch blutende Verletzungen und die Wundmale der Kreuzigung. In einer Art Grabhöhle ragt er hinter einer Steinbrüstung auf. Sein Kopf ruht schwer in der Hand des rechten Arms, den er auf das hochgezogene Knie gesetzt hat. Die Geste ist Ausdruck des Nachsinnens und Trauerns und zugleich ein Zeichen der Erschöpfung Christi, dessen fragender Blick auf uns gerichtet ist. Das Bild stellt keinen bestimmten Augenblick in der Leidensgeschichte dar, sondern verweist auf die gesamte Passion und die Auferstehung. Das Bild (Tafelmalerei) wird datiert auf die Jahre 1493 / 1494 / 1498 / 1499. Technik: Goldgrund, Tannenholz, Maße: 30 x 19 cm

 

Bereits um 1340 schuf Pietro Lorenzetti seinen „Christus als Schmerzensmann“, Tempera auf Holz, 35,3 × 26 cm: Der tote Christus erscheint als Halbfigur in einer gemalten Rahmennische – den Kopf seitwärts gesenkt, Augen und Mund leicht geöffnet, die herabhängenden Hände vor dem Leib verschränkt. Blut fließt aus den Wundmalen auf den Handrücken und zwischen den rechten Rippen.

Triumphkreuz in der Dorfkirche Wetter-Wengern

Das „wertvollste" Stück in der Kirche ist wohl das Kruzifix. Es ist vom Stil her ein deutlich romanisches Triumphkreuz, wurde aber, so wird überliefert, erst in spätgotischer Zeit (um 1486) nach einem älteren Vorbild gefertigt. Bei seiner Restaurierung in 1936/37 allerdings vermutete der Landeskonservator in Münster die Jahre um 1530 als Entstehungszeit. lm romanischen Triumphkruzifix erkennen wir Jesus nicht als den schwachen, leidenden Menschen, sondern als den mächtigen, über den Tod triumphierenden Gottessohn. Deswegen trägt er keine Dornen -, sondern eine Königskrone auf dem Haupt; er begegnet dem Tod und dem Schmerz in vollem Bewusstsein. Zudem ist ein typisches Moment die Darstellung der Kreuzigung mit vier Nägeln, an beiden Händen und Füßen. Der Schmerzensmann und leidende Gottessohn, mit übereinander geschlagenen Füßen (Dreinageltypus), ausgemergeltem Körper und leidender Miene als Motiv kam erst mit der Gotik auf. Umso seltsamer erscheint die Diskrepanz zwischen Stil und Entstehungszeit.

 

 

 

Ort: Josefskirche, Witten-Annen

Heilige und Namensgeber der Kirchen

Ev. Kirche in Wetter-Wengern

▲ Petrusfigur

Auf dem Dachboden des Pfarrhauses der Ev. Kirche in Wetter-Wengern wurden im Jahr 1976 zwei Figuren gefunden; eine ca. 130 cm große Petrusfigur und ein ca. 45 cm große Pantokratorfigur, die zum Glück in ihrem Wert erkannt, restauriert und somit der Kirche erhalten bleiben konnten.

Ev. Kirche in Wetter-Wengern

▲ Pantokratorfigur

Diese kleine, leider unvollständige Figur stellt mit einiger Sicherheit Gottvater als Pantokrator (griech. „Allherrscher”) dar. Die linke Hand ruht auf der Reichsapfel-Weltkugel, die rechte hielt wahrscheinlich ein Zepter, wie der kleine Holzstumpf auf dem rechten Knie vermuten lässt. Hier ist ein älterer, ehrwürdiger Mann mit Bart zu sehen, eine häufige Darstellung Gottes seit dem Barock.

Statue: Sitzender Christus um 1520 in der Kirche St. Nicolai, Boldixum/Föhr
Ort: St. Nicolai, Boldixum/Föhr

▲  Zur Ausstattung der Kirche St. Nicolai in Boldixum/Föhr gehört das um

1300 nach Chr. geschnitzte, farbige Abbild des Namensgebers, des heiligen Nicolaus, welcher sitzend auf die versammelte Gemeinde sieht. Der Namens-Patron der Kirche Nikolaus von Myra ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die im Kirchenschiff links vor dem Altar-

Ort: St. Nicolai, Boldixum/Föhr

bereich am Nordpfeiler des Chorbogens steht. Die Figur ist ein wertvolles Inventarstück der Kirche. Der Heilige ist farbig ausgeführt und als eher junger Mann mit hoheitsvoll segnender und mahnender Gebärde dargestellt. Sein Bischofsmantel ist kunstvoll gefaltet. 

Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr

▲ Der Namenspatron der Kirche St. Johannis in Nieblum ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die in der Südostecke des Chors aufgestellt ist und mit einer Größe von 2,75 Meter den Kirchenraum beeindruckend dominiert.

 

Johannes der Täufer siegt über Herodes: Aus dem 15. Jahrhundert stammt die einzigartige Darstellung des Täufers. Aus Holz geschnitzt und anschließend bemalt steht der Namenspatron der Kirche überlebensgroß am Südfenster des Chorraumes. Ungewöhnlich an der Johannesdarstellung ist die kleine Figur unter den Füßen des Täufers: Es ist König Herodes Antipas. Der Künstler des Mittelalters stellt diesen geschichtlichen Vorgang auf den Kopf und lässt Johannes überlebensgroß als Sieger erscheinen.

Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr

Die Figur steht auf einem Steinsockel und ist zurückhaltend farbig ausgeführt. Die Bemalung stammt von einer Restaurierung aus dem Jahr 1980, wobei auf vorgefundenes älteres Farbschema zurückgegriffen wurde. Johannes steht mit Bibel und Lammfigur predigend auf dem Rücken eines kleinen Manns, der als König Herodes identifiziert wurde. Johannes erhebt sich demzufolge sinnbildlich auf Grund seines Wirkens übermächtig über den Mann, der ihn nach biblischer Überlieferung hinrichten ließ. Der Eindruck einer etwas ungelenken Handhaltung rührt daher, dass an der Figur spätere Attribut-Ergänzungen vorgenommen wurden, die ursprünglich vom Künstler nicht vorgesehen waren. Bibel und Lammfigur, die für Jesus Christus steht, wurden später ergänzt; der Kreuzstab, den Johannes ursprünglich führte, fehlt. Das Werk stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Ort: St. Peter zu Syburg, Dortmund

▲ Die beiden Holzplastiken hinter dem Altar stellen (wahrscheinlich) die Apostel Petrus und Paulus dar. Sie sind um 1955 erworben worden und stammen aus Österreich. Bei der Plastik rechts vom Altar könnte es sich um eine Darstellung des Petrus handeln, bei der auf der linken Seite um eine des Paulus. Aufgrund der fehlenden Attribute und der ähnlichen Haar- und Barttracht der beiden Figuren ist bisher keine exakte Zuordnung möglich.

Ort: St. Peter zu Syburg, Dortmund

▲ In der gleichen Kirche finden wir die Bronzeplastik „Papst Petrus I. mit seiner Frau“. Sie stammt von Bernhard Kleinhans. Die Doppelskulptur stellt, so heißt es auf der dazugehörenden  Bronzeplakette, „ Papst Petrus I. mit seiner Frau“ dar. Dabei verweist der Bildhauer auf die Bibelstelle  Matth. 4,18, den Beginn der Erzählung von der Heilung der Schwiegermutter des Petrus. Die Bibelstelle gilt als Beleg dafür, dass Petrus tatsächlich verheiratet war.

 

Der Künstler Bernhard Kleinhans  (1926 – 2004) lebte in Sendenhorst. Er  studierte in den Jahren nach dem II. Weltkrieg an der Werkkunstschule in Münster  und an der Kunstakademie in München. Nach dem Abschluss seiner Studien kehrte er ins Münsterland zurück und richtete sich in Sendenhorst eine Bronzegießerei  ein.  1956 erhielt Kleinhans den Kunstpreis „Jung-Westfalen“. Diese Auszeichnung machte Kleinhans in Westfalen und darüber hinaus bekannt. Kleinhans schuf neben zahlreichen Kleinplastiken mit religiösen Themen viele Figurenbilder mit profanem Inhalt.

Ort: Josefskirche, Witten-Annen

▲ Vollplastische Darstellung des Namensgebers der Josefskirche in Witten-Annen, des Heiligen Josef als Zimmermann auf Sockel. In der linken Hand ein Winkelmaß-Lineal. In der rechten Hand hält er eine Säge, die bis zum Boden reicht.

Ort: Nikolauskirche, Aachen

Figurengruppe in der St. Nikolaus-Kirche in Aachen

Ort: Nikolauskirche, Aachen
Ort: Nikolauskirche, Aachen, Detailfoto der Kanzel
Ort: Nikolauskirche, Aachen, Detailfoto der Kanzel
Ort: St. Michaelis, Hamburg

▲ lm Pfingstgottesdienst 2011 erhielt die Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg eine neue Figur des Erzengels Michael. Sie ist etwa 1,50 m groß und stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie ist sehr fein gearbeitet und gehörte bisher zum Bestand des Ernst-Barlach-Hauses. Die Reemtsma-Stiftung hat sie 2009 der Gemeinde geschenkt. Danach wurde sie in der Denkmalwerkstatt von St. Jacobi restauriert. Der ehemalige Präsident der Bürgerschaft und Chef von Studio Hamburg Martin Willich hat den größten Teil der Kosten dafür getragen.

 

Ort: Josefskirche, Witten-Annen, Engelsfigur kniend mit Kerze
Tilman van der Burch, Hl. Christophorus: Die aus Tuffstein gearbeitete, farbig gefaßte Figur des hl. Christophorus wurde um 1470 von Tilman van der Burch, dem im Kölner Raum führenden spätgotischen Bildhauer, geschaffen.
Ort: St. Johanniskirche, Nieblum, Apostel Petrus und Paulus
Ort: St. Johanniskirche, Nieblum

▲ Die Figuren in der Johanniskirche in Nieblum/Föhr sind in zwei Gruppen geteilt: Die Apostel Petrus und Paulus aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts sind am nördlichen Chorbogen zu finden, eine Gruppe mit drei Frauendarstellungen (die Heilige Barbara, die Heilige Maria mit Kind und die Heilige Dorothea) sind an der Westwand des südlichen Querschiffs angebracht, der Heilige Michael befindet sich nördlich am Bogen zwischen Vierung und Langhaus. Eine Heilige Katharina steht schließlich östlich am Bogen zwischen Vierung und südlichem Querschiff und stammt etwa aus dem Jahr 1520.

Ort: St. Johanniskirche, Nieblum

▲ Im Südquerarm der Kirche findet man wunderschöne spätgotische Schnitzfiguren aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts (von links: die heilige Dorothea, Maria mit dem Kind und die heilige Barbara)

Ort: St. Johanniskirche, Nieblum
St. Franziskus-Kirche Witten

▼ Georgsaltar in der Stadtkirche Sternberg

▲ Der St. Georgsaltar aus der Zeit um 1500, ist ein geschnitztes Triptychon eines mecklenburgischen Meisters. Der Altar zeigt den Heiligen Georg, wie er den Drachen tötet, aber auch zehn weitere Heilige. So wird Georg flankiert von einer Anna selbdritt-Gruppe und einer dritten Figur (vermutlich Elisabet). Im linken Altarflügel sind Jakobus der Ältere, Ursula, eine unbekannte Figur und Paulus dargestellt. Im rechten Altarflügel sind Katharina, Mauritius, Sebastian und Nikolaus zu sehen. Die Außenseiten zeigen die Verkündigung des Herrn durch den Erzengel Gabriel.

▲ Der geschnitzte Altar in der Dorkirche zu Wetter-Wengern aus dem Jahre 1714 ist dem Stil von Ambo und Taufstein angepasst. Die Darstellung im Zentrum zeigt Christus im Kreis seiner Jünger beim letzten Abendmahl. Die Apostel scharen sich in vier Dreiergruppen an einem runden Tisch um Jesus. Er segnet das Brot, neben dem Kelch steht zudem ein Teller mit dem Opferlamm, im Zentrum des Bildes. Rechts und links vom Altar liegen alte Grabsteine, die - vermutlich stammen sie vom alten Friedhof an der Kirche - als Bodenplatten eingefügt wurden. Sie sind keine Male echter Gräber; es befinden sich also keine Gebeine mehr in der Kirche. Allerdings ist überliefert, dass im Chor der Kirche üblicherweise die Pfarrer der Gemeinde beigesetzt wurden.

▲ Heiliger Pancrace, Heiliger Nicholas und Heilige Catherine im offenen Triptychon des Straßburger Münster.

▲ Saint Matthew, Saint Maurice, umgeben von Saint Roch und Saint Nicolas, Saint Florian im offenen Altarbild.

Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow
Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow
Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow
Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow

▲ Herzog-Ulrich-Monument im Dom zu Güstrow: Das Ulrichmonument ist das wohl imposanteste Werk Brandins. Er hat es nach dreijähriger Arbeit 1587 abgeschlossen. Hinter Ulrich kniet seine erste Gemahlin Elisabeth von Dänemark, die 1586 starb. Das Epitaph wurde 1599 erweitert für die zweite Gemahlin Anna von Pommern. Die Arbeit ist von Brandins Schülern Midow und Berninger vollendet. Die Karyatiden - die Tragefiguren - symbolisieren die Tugenden: Weisheit (Spiegel) und Glaube (Kreuz). Die Sockel der Karyatiden sind mit sechs kostbaren Reliefs zur Geschichte Christi versehen von der Verkündigung an Maria bis hin zur Himmelfahrt. Das Material ist verschiedenfarbiger Marmor. In den Wappentafeln oben sind die Leitsprüche der drei durch Initialen angedeutet:

 

Ulrich: H G V V G = Herr Gott, verleih uns Gnade

Elisabeth: A N G W = Alles nach Gottes Willen

Anna: H G A A N = Hilf, Gott, aus aller Not.

 

Die drei knien an ihren Betpulten und demonstrieren beides: das neue Selbstbewusstsein der Renaissance; denn schon zu Lebzeiten saßen sie ihrem eigenen Bild im Gottesdienst gegenüber. Zum anderen zeigen die Leitsprüche eine tiefe Frömmigkeit. - Das Gitter ist eine Arbeit aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, es schafft einen geschützten Raum.

Sakrale Kunst außerhalb von Kirchen

Nicht nur in Kirchen finden sich bedeutende Zeugnisse sakraler Kunst. Auch im öffentlichen Raum hat sich der christliche Glaube an vielerlei Orten niedergeschlagen, oftmals in Form von Wegekreuzen oder skulpturalen Heiligendarstellungen. Viele der Kunstwerke verweisen neben dem übergeordneten religiösen Bezug auch auf lokale historische Besonderheiten und Traditionen. Letztere sollen in einem anderen Rahmen betrachtet werden.

 

Grabsteine, Stelen, Figuren (Menschen, Engel ..) Mausoleen (eine Mischform von Gebäude und Denkmal) und Denkmäler auf Friedhöfen fristen seltsamerweise ein Schattendasein. Aber gerade hier findet man wunderschöne, poetische Motive der Friedhofskunst. Die Fotos entstanden auf diversen Friedhöfen. Ich empfand sie immer schon als Orte der Ruhe und des Friedens, die eine beruhigende, fast schon meditative Wirkung ausüben. Grabmale sind Kunstwerke. Der Friedhof hat sich vom Asyl und Mittelpunkt des gesellschaftlichen und geschäftlichen Lebens in ein Museum gewandelt, in einen Ruhepol, einen heiligen Hain oft umtost von alltäglicher Geschäftigkeit. Dort, inmitten der Bäume und Figuren pflegt man der Muße, um von der Nähe und Vergegenständlichung des Nachdenkens über den Tod inspiriert zu werden. Insofern ist Friedhofskunst spirituelle und philosophische Ästhetik. Grabmale sind Monumente des Todes aber auch Mementos für die Lebenden.

Engel

Blumenfriedhof Bochum
Blumenfriedhof Bochum
Blumenfriedhof Bochum
Hauptfriedhof Iserlohn
Hauptfriedhof Iserlohn

Kreuze

Ev. Kirche Wetter-Wengern

▲ lm romanischen Triumphkruzifix erkennen wir Jesus nicht als den schwachen, leidenden Menschen, sondern als den mächtigen, über den Tod triumphierenden Gottessohn. Deswegen trägt er keine Dornen-, sondern eine Königskrone auf dem Haupt; er begegnet dem Tod und dem Schmerz in vollem Bewusstsein. Zudem ist ein typisches Moment die Darstellung der Kreuzigung mit vier Nägeln, an beiden Händen und Füßen. Der Schmerzensmann und leidende Gottessohn, mit übereinander geschlagenen Füßen (Dreinageltypus), ausgemergeltem Körper und leidender Miene als Motiv kam erst mit der Gotik auf. Umso seltsamer erscheint die Diskrepanz zwischen Stil und Entstehungszeit.

Ev. Kirche Bommern
Hauptfriedhof Iserlohn, Friedhofskapelle

Monumente

Hauptfriedhof Iserlohn
Blumenfriedhof Bochum
Hauptfriedhof Iserlohn
▲ Charon
Die Gestalt des Fährmanns besaß in vielen Kulturen eine mythologische Bedeutung und wurde oft mit dem Übergang vom Leben in den Tod assoziiert. Schon im altbabylonischen Gilgamesch-Epos taucht ein namentlich nicht bekannter Fährmann auf, der den Helden über das Meer des Todes zu einer Insel übersetzt, auf der sein Urahn Utnapischtim lebt. Auch in der griechischen Mythologie spielt der Fährmann Charon eine Rolle, der die Verstorbenen über den Totenstrom Acheron in die Unterwelt (den Hades) bringt. Als Bezahlung für die Überfahrt wurde den Toten in Griechenland eine Münze unter die Zunge gelegt. Eins der größten und schönsten Grabdenkmale mit Charon-Motiv findet man auf dem Iserlohner Hauptfriedhof.
Der trauernde Hirte wacht über die Toten. Waldfriedhof Dortmund-Großholthausen
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Hauptfriedhof Iserlohn

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