Religiöse Kunst - vielseitig, ästhetisch und voller Ausdrucks- und Aussagekraft

Die gemeinsame Geschichte von Religion und Kunst ist überaus alt und mindestens genauso traditionsreich. Schon seit ewigen Zeiten halten Künstler sakrale Vorstellungen in Bildern, Fresken und Plastiken fest, um sie für ihre Generation und die Nachwelt zu verewigen. Religiösen Bildern kommt ebenso wie der Religion selbst eine große Bedeutung zu. Sie sind vor allem zu finden in Kirchen, aber auch in zahlreichen öffentlichen und privaten Kunstsammlungen. Ob die Darstellung von Gottheiten, Engeln, Kreuzen, Tauben oder anderen religiösen Symbolen - religiöse Kunst ist durchaus vielseitig, ästhetisch sowie voller Ausdrucks- und Aussagekraft.

 
 

Kirchen haben wie jedes Haus Wände, Dach, Fenster, Türen – und doch ist vieles anders und ein wenig geheimnisvoll! Jede Kirche hat ihre eigene Geschichte, ihre besonderen Kunstschätze und lädt die Besucher zu einer Entdeckungsreise ein. Wer genau hinschaut, dem erzählt sie etwas über den Glauben und das Leben der Menschen zu der Zeit, in der sie geschaffen worden ist. Sie zeigt, wie viel Mut und Kunstfertigkeit dazugehörten, um so ein beeindruckendes Bau- und Kunstwerk zu schaffen. Vor allem aber können bestimmte Gegenstände und Bilder wie Brücken sein, um den eigenen Glauben besser zu verstehen. 

Kirchenbauten sind daher weitaus mehr als nur Gehäuse für den christlichen Gottesdienst. Über ihre liturgische Funktion hinaus werden sie vor allem als kunst- und kulturgeschichtliche Dokumente wahrgenommen, wobei gerade die intensive Verschränkung von Architektur, Malerei, Skulptur und Kunsthandwerk die Kirchenräume zu Gesamtkunstwerken par excellence macht. Erst recht aufgrund des zentralen Stellenwertes der sakralen Kunst in Mittelalter und früher Neuzeit bilden Kirchen also einen klassischen Gegenstandsbereich der Kunstgeschichte.

HINWEIS:

 

Alle hier gezeigten Bilder sind Beispiele. Weitere Aufnahmen zu den Themen finden Sie in den entsprchenden Untermenüs der ◄ Kirchen.

Malerei

Im Mittelalter ist künstlerisches Schaffen nur im religiösen Kontext denkbar. Kirchen und Klöster sind die Hauptauftraggeber und nehmen Einfluss auf die Bildinhalte. Die Künstler selbst verstehen sich zumeist als ausführende Kunsthandwerker. Sie sind in Zünften organisiert und bleiben in der Regel anonym. Oft reisen sie zu verschiedenen Kunstzentren, übernehmen dort Anregungen und schaffen Gemeinschaftswerke, so dass Datierungen und Zuschreibungen schwierig sein können. Für einen mittelalterlichen Maler oder Schnitzer steht die Selbstverwirklichung oder die Schaffung eines individuellen Kunstwerks nicht im Vordergrund. Da viele Menschen nicht lesen können, übernehmen ihre Bildwerke die Aufgabe von Texten. Gleichwohl sind Grundkenntnisse der Bibel zum Verständnis der Bilder und Figuren vorauszusetzen. Die oftmals komplexe Symbolsprache umfasst Farbgebung, Darstellungsart und Einzelmotive. Sie kann in der Regel nur mit umfangreichen Kenntnissen entschlüsselt werden, was den besonderen Reiz der Bildwerke des Mittelalters ausmacht.

Weihnachtsgeschichte 

Christi Himmelfahrt

Christi Kreuzigung

Auferstehung

▲ Die Decke und ihre Bilder aus dem Jahr 1781 / Deckenmalerei in der "Johannes der Täufer"-Kirche in Ennepetal-Voerde.

Der Innenraum der Kirche wird von einer Tonnendecke aus Holz mit Gemälden von H.E. Hauck und J. Soennecken aus Dortmund überspannt. Eine Girlande aus Blättern und Blumen, vor allem Rosen, schmückt den Gewölbescheitel und teilt damit die Decke von den Eingängen her gesehen in eine rechte (südliche) und eine linke (nördliche) Seite. Drei gemalte Scheinarchitektur-Gurtbögen gliedern jede dieser beiden Seiten in vier Felder. Alle drei Gurtbögen sind mit übereinanderliegendem Blattwerk geschmückt.

 

Zu sehen sind Darstellungen von Jesu Geburt, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt (oben) und die vier Evangelisten (unten).  

Evangelist Lukas

Evangelist Markus

Evangelist Matthäus

Evangelist Johannes

Deckenmalerei in der Pankratius-Kirche in Hamburg-Neuenfelde

▲ Die enorm kurze Bauzeit der Pankratiuskirche wurde dadurch möglich, dass der Baumeister Matthias Wedel aus Stade vier Baufirmen gleichzeitig beschäftigt hatte. Er errichtete einen einfachen Saalbau aus Ziegelsteinen mit großen Fenstern, wie er damals üblich war. Nur die gewaltige Brettertonne, die unter dem steilen Ziegeldach die gesamte Breite von 14 Metern überwölbt, war eine zu der Zeit ungewöhnliche Handwerksleistung. Die Zimmermannskonstruktion erregt noch heute die Freude der Fachleute. Diese große Brettertonne  wurde 1685 von den Hamburger Malern Heinrich (auch Hinrich) Berichau (um 1660-1716) und Henrich Christopher Wördenhoff ausgemalt. Das Programm der Deckenmalerei ist noch nicht geklärt. Zu sehen ist ein Wolkenhimmel über seitlichen Balusterbrüstungen, in dem dekorativ angeordnet Engelpaare und Putten zu finden sind. Sie tragen Symbole und Inschriftbänder oder -kartuschen, die sich auf das religiöse Leben der Landgemeinden beziehen. Die Maler dürften auch ein Musterbuch aus Italien benutzt haben. Nur so erklärt sich die amüsante Beobachtung, dass in einer von Anfang an streng lutherischen Kirche das große Gemälde vom Weltgericht über dem Altar ein typisch katholisches Motiv enthält: vor dem Weltenrichter Christus, der auf dem Regenbogen thront, die Erde als Schemel seiner Füße, knien Maria und Johannes der Täufer als Fürbitter.

 

Die beiden Deckenjoche davor nehmen dieses Thema auf mit Verheißungen zu Jesu Rechten (Norden) und Drohungen zu seiner Linken (Süden). Das Zentraljoch, in dem der 1709 gestiftete Kronleuchter hängt, betont in Wort und Bild den Erntesegen in Feld und Garten, der aller wahren Gottesfurcht winkt, und nennt im Deckenscheitel – auf dem Spruchband um die mittlere von insgesamt drei Sonnen (Dreieinigkeit) – das Motto dieser Kirche: »Wie Heilig ist diese Stette, hie ist nichts anders den Gottes hauß, und hie ist die Pforte des Himmels« (1. Mose 28,17). Auch die übrigen Deckenjoche sind ganz von kleinen und großen Engel bestimmt, die sich Bibelworten widmen, rund um die Orgel allerdings dem Gotteslob durch Kirchenmusik.

▲ Das Jüngste Gericht

Die Ausmalung der Holztonnendecke und des dreiseitigen Chorgewölbes der Kirche sucht im Norden ihresgleichen. Zwischen dem Jüngsten Gericht über dem Kanzelaltar und musizierenden Engeln über der Arp-Schnitger-Orgel von 1688 schweben wohl geordnet kleine und große Engelpaare, die Bänder mit biblischen Sprüchen bzw. dazu passende Attribute tragen. Die originale Maltechnik – mit Kasein gebundene Pigmente auf einer Kreidegrundierung – reagiert auf klimatische Veränderungen sehr empfindlich. Das Bindemittel Kasein hatte sich über die Jahrhunderte abgebaut, so dass sich die Malerei vom Holzträger löste, verstärkt durch das Quell- und Schwindverhalten des Holzes. Zwei frühere, teilweise übermalende Restaurierungen durch Kirchenmaler – 1914/15 R. Ebeling, Hannover, und 1955/56 M. Gotta – sind nachgewiesen. Von den Übermalungen, die sich nach heutigem Stand der Technik ohne massive Schädigung der originalen Malerei nicht entfernen lassen, blieb vor allem der figürliche Bereich verschont.

Wandmalerei aus dem 15. Jahrhundert in der Dorfkirche in Lohmen / Mecklenburg-Vorpommern

▲ Wandmalerei aus dem 15. Jahrhundert in der Dorfkirche in Lohmen / Mecklenburg-Vorpommern
Lohmen ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Güstrow-Land mit Sitz in der nicht amtsangehörigen Stadt Güstrow verwaltet.

Wandmalerei aus dem 15. und 16. Jahrhundert in der Dorfkirche Bochum-Stiepel

▲ Wandmalerei aus dem 15. und 16. Jahrhundert in der Dorfkirche Bochum-Stiepel

Stiepel ist ein Stadtteil im Süden Bochums, der nach Südosten und Süden hin durch die Ruhr nach Witten und Hattingen begrenzt wird.

Deckenmalerei aus dem Domschatz- und Diözesanmuseum in Passau

Deckenfresko im Museum

◄ Das Domschatz- und Diözesanmuseum in Passau befindet sich am Residenzplatz im sogenannten Saalbau, der Alte Residenz und Neue Residenz verbindet. Der Zugang zum Museum erfolgt über eine vom Domstukkateur Giovanni Battista Carlone gestaltete Wendeltreppe. Gezeigt werden unter anderem liturgische Gewänder, Monstranzen, gotische Tafelbilder und weitere Kunstgegenstände von der Romanik bis zum Barock. Weiterhin wird die Geschichte des Bistums vorgestellt. Im darunterliegenden Geschoss befindet sich die fürstbischöfliche Bibliothek mit barockem Buchbestand. 

Kirchenausmalung Matthiaskirche in Budapest / Ungarn

Am 8. Juni 1867 fand in der Matthiaskirche die Krönung des ungarischen Königspaares Franz Joseph I. und Elisabeth statt. Viele Hinweise darauf gibt es bis heute in der Kirche: Die Fahnen an den Säulen, ihre Wappen auf dem Elisabeth-Fenster und natürlich das große Krönungsfresko im Oratorium des Malteserordens. Auf Geheiß des Kaisers erfolgten zwischen 1874 und 1896 umfangreiche Umbauten nach den Plänen von Frigyes Schulek. Architektonisch sollte wieder der originale gotische Zustand hergestellt werden. Die Gestaltung im Inneren erhielt ihr heutiges stark vom Jugendstil geprägtes Antlitz.

Eine durchgehende ornamentale Bemalung mit rotgoldenen Formen und Akzenten bis zum zarten Hellblau verleiht dem Inneren der gotischen Architektur eine Farbenpracht und Würde, wie sie nur selten zu finden ist.

Altargemälde in der Ev. Kirche Witten-Bommern

Bild: Adolf Gustav Döring, Berlin, (*1848 †1938)

Adolf Gustav Döring studierte an der Akademie der Künste in Berlin. Hier gehörten Carl Gustaf Hellqvist, Paul Meyerheim und Hans Meyer zu seinen Lehrern. Ab 1888 wurden seine Arbeiten auf den Großen Berliner Akademieausstellungen gezeigt. Er unternahm Reisen nach Afrika, Indien und Amerika. 1896 heiratete er Dorothea Douzette, die Tochter des Malers Louis Douzette, und verlegte den Wohnort in seine Geburtsstadt Barth. Das Paar lebte zeitweilig in der Villa Douzette. Döring verarbeitete dort die auf seinen Reisen gesammelten Motive. Beliebtes Sujet seines Schaffens war die Küstenlandschaft auf dem Darß und der Halbinsel Zingst. Mit seinem Schwiegervater arbeitete er zusammen; von dessen Gemälden schuf er Radierungen. Adolf Gustav Döring war von 1889 bis zu seinem Tod Mitglied des Vereins Berliner Künstler. In der Boddenstadt Barth wurde der Maler Gustav Adolf Döring 1938 zur letzten Ruhe gebettet – nach aufregenden Jahrzehnten als Maler.

 

Zum hier gezeigten Altarbild und seiner Entstehung werden folgende Geschichten erzählt:

„Maler Döring war ein Neffe von Frau Oberste Frielinghaus aus Witten, deren Familie das Bild auch stiftete. Sein Vater war Direktor der Kriegsakademie in Berlin, in deren Vestibül eine große breite Marmortreppe hinaufführte. Dieselbe fiel der Sohn als kleines Kind hinunter, verletzte sich das Rückgrat und blieb zeit seines Lebens behindert und musste sich auf zwei Krücken fortbewegte. Er fand seinen Beruf in der Malerei, studierte diese in allen vier Meisterklassen Tier-, Genre-, Porträt- und Landschaftsmalerei und sorgte mit einem Herren-Porträt auf der Akademie-Ausstellung 1888 für Aufsehen. Diese biblische Darstellung (für die Kirche in Witten-Bommern) freute ihn sehr, diese auszuführen. Er fuhr dafür extra zu seinem Studium an die See, ließ sich nachts und im Morgengrauen ans Meer fahren, um seine Skizzen zu machen. Hier fertigte er das Bild mit viel Liebe an……. Einen Schreckmoment gab es, als das Altargemälde aus Berlin 1893 in der Kirche eintraf. Es passte nicht in den äußeren Ausschnitt des Altaraufsatzes. Schreinermeister Küch fertigte einen dunkel gebeizten Rahmen an, in den nun das Bild genau passte.“

Epitaphien

Das Epitaph ging während des Spätmittelalters aus zwei unterschiedlichen Wurzeln hervor:

  • Andachtsbilder, die für Verstorbene gestiftet wurden, erhielten durch entsprechende Inschriften zunehmend den Charakter von Gedenkbildern.
  • Aufwändig gestaltete Grabplatten, vor allem in großen Kirchen, immer häufiger an Wänden und Pfeilern und getrennt von der Grabstelle.

In seiner einfachsten Form ist ein Epitaph eine mit Namen und meistens mit Lebensdaten beschriftete Tafel. Im 16. und 17. Jahrhundert führte das wachsende Repräsentationsbedürfnis des städtischen Bürgertums und des Adels zu einer schnellen Weiterentwicklung der Epitaphien. Besonders seit Einführung der Reformation kam es zu Umarbeitungen und Sekundärnutzungen von Epitaphien. Vorbarocke Epitaphe sind oft nach dem Vorbild spätmittelalterlicher Grabplatten gestaltet, mit aufwendig gearbeiteten Reliefs der Verstorbenen. Im Barock wurde das formale Muster der Grabplatte zu einer Gestaltungsmöglichkeit unter vielen, neben Altären (oft mit Retabeln), Särgen und vielen anderen. Barocke Epitaphe sind meist architektonisch aufgebaut und plastisch aus Stein, Metall oder Holz gearbeitet, in der Regel farbig gefasst und oft teilvergoldet. Ein weiterer, verbreiteter Typus sind Gedenktafeln, die Öl- bzw. Temperagemälde tragen. Sie sind meistens ganz aus Holz gefertigt, als Bildträger wird aber auch Leinwand verwendet. Die Rahmen dieser Bildtafeln sind oft architektonisch aufgebaut und mit plastischem, manchmal aus Stein, Gips oder Metallen gearbeitetem Schmuck dekoriert, zum Beispiel Engelsköpfen oder Kapitellen und Konsolen.

 

Epitaph des Gewerken Hans Dreyling

Eines der glanzvollsten Beispiele für den Innsbrucker Kunstguss ist das Epitaph des Gewerken Hans Dreyling aus Schwaz in Tirol aus dem Jahr 1578. "MIER GAB ALLEXANDER COLIN DEN POSSEN HANNS CHRISTOFF LOFFLER HATT MICH GEGOSSEN 1578".

 
Bronze, 206 x 138 cm mit Signaturinschrift: "MIER GAB ALLEXANDER COLIN DEN POSSEN HANNS CHRISTOFF LOFFLER HATT MICH GEGOSSEN 1578"
 

▲ Als Bekrönung des Rundbogenabschlusses steht die Sanduhr auf einem Totenkopf, seitlich begleitet von zwei großen Genien. Genien (oder lateinisch Genii) war in der römischen Religion der persönliche Schutzgeist eines Mannes und Ausdruck seiner Persönlichkeit. Im unteren Bildfeld knien Hans Dreyling und seine Familienmitglieder. Hans Dreyling stammt aus Wagrain, wohnte seit etwa 1530 in Schwaz und war als Gewerke und Schmelzmann tätig. In triumphbogenartiger Rahmung in der Mitte Darstellung der Erscheinung der 24 Ältesten vor Gottes Thron, darunter eine Inschrift in Großbuchstaben:

 

WIER DANCKEN DIR HERR ALMACHTIGER GOTT DER DV BIST VND WAREST VND / KVNFFTIG BIST DAS DV HAST ANGENOMEN DEINE GROSSE KRAFFT VND HERRSCHEST / VND DIE HEIDEN SIND ZORNIG WORDEN VND ES IST KOMEN DEIN ZORN VND DIE ZEIT DER TODTEN ZV RICHTEN VND ZVGEBEN DEN LOHN DEINEN KNECHTEN DEN / PROPHETEN VNND DEN HEILIGEN VND DIE / DEINĒ NAMEN FVRCHTEN

▲ Im durchlaufenden Sockel die knienden Familienmitglieder um das Dreylingsche Wappen gruppiert: Links Hans Dreyling mit seinem Schutzpatron Johannes dem Täufer, dahinter seine 3 Söhne und zwei Enkel. Rechts die Frauen des Hauses Dreyling mit ihren Töchtern, drei Frauen durch Wappenschild zu ihren Füßen hervorgehoben, die zwei vorderen werden von einer weiblichen Heiligen begleitet. Als unterer Abschluss von Beschlagwerk gerahmte Inschrift-Tafel:

 

ANNO DOMINI 1573 DEN 15 SEPTEMBRIS IST ALLHIE ZV SCHWATZ / IN GOTT SEELICCLICH ENTSCHLAFFEN DER EDL VND VÖST HERR HANNS / DREYLING ZV WAGRAIN DER ÖLLTER. IN SEINEM LEBEN DER F D ERZHÖRZOG / FERDINADEN ZV ÖSTERREICH GEWESTER RATH & PERG VND SCHMÖLZ / HERR IN TIROL DESSEN VND ALLE CHRISTGLAVBIGEN SEELEN DER ALLMECH / TIG GOTT GNEDIG SEIN WÖLLE DVRCH IESVM CHRISTVM VNSERN HERRĒ AMĒ

▲ In der Mitte sieht man die Darstellung der Erscheinung der 24 Ältesten vor Gottes Thron. Unmittelbaren Bezug zum Bergbau und zur Verarbeitung geben die emblemartigen Geräte und Werkzeuge über den seitlichen Rundbogennischen (Hunt, Schlägel, Eisen, Blasbalg etc.) mit den eingestellten Männern, dem Bergmann und Schmelzer. Im Mittelfeld reihen sich die 24 Ältesten aus der Apokalypse um Gottvater mit dem Lamm. 

▲ Seitlich des Rundbogens findet man zwei großen Genien. Genien (oder lateinisch Genii) waren in der römischen Religion persönliche Schutzgeister eines Mannes und Ausdruck seiner Persönlichkeit.

.......Hans Christoph Löffler ist der zweite Sohn des berühmten Gregor Löffler († 1565); er dürfte um 1530 geboren sein. Wir finden seinen Namen zum erstenmal auf einer Glocke zu Oberstdorf im Algäu  die Gregor Löffler mit seinen beiden Söhnen 1559 gegossen hatte. Noch ein Jahr darauf finden wir die Söhne Elias und Hans Christoph als Gehilfen ihres Vaters: 1560 giesst letzterer drei Glocken für die heiligen Kreuzkirche in Innsbruck, auf zweien derselben lesen wir die Inschrift: „Gregor Löffler und seine zwei Sün Helias und Hans Christoph goss mich anno 1560.“ Es ist anzunehmen, dass beide Brüder auch bedeutenden Antheil an dem letzten Werke ihres Vaters, den Figuren am herrlichen Brunnen im Garten des Belvedere zu Prag hatten. Noch im Todesjahre seines Vaters 1565 giesst derselbe im Vereine mit seinem Bruder das schöne und zierliche Grabmal desselben in der Pfarrkirche zu Hötting, dessen Entwurf vielleicht der Hand Collin ' s entstammt. Ein Jahr darauf stirbt auch seine Mutter Elisabeth, eine geborne Pranger. Die erste uns bekannte selbstständige Arbeit des Meisters ist die Glocke im Schlossthurme von Werfen bei Salzburg mit Figuren und guter Ornamentik vom Jahre 1568. Es scheint diese eine von den „etlichen“ Glocken gewesen zu sein, welche derselbe für den Erzbischof von Salzburg ausführte, wie aus einem vorhandenen leider aber undatirten Schreiben Löffler ' s zu entnehmen ist. Aus dem nächsten Zeitraum von zehn Jahren sind wir nicht in der Lage ein Werk des Meisters zu bezeichnen, eine Umschau in den Ortschaften Tyrols und Salzburgs würde aber zweifellos diese Lücke ausfüllen. Erst im Jahre 1578 notiren wir ein weiteres. aber hervorragendes Kunstwerk. Das Grabmal des Hans Dreiling von Wagrain in der Pfarrkirche zu Schwaz, das nebst der Grabschrift die Inschrift trägt:

 

„Mier gab Alexander Collin den possen - Hanns Christoph Löffler hat mich gegossen."

 

Hans Dreiling ist muthmasslich der Schwager unseres Meisters und der Gemahl seiner vierten Schwester Regina.

 

Im Jahre 1578 wird Hans Christoph von Erzherzog Karl II. nach Grätz berufen, derselbe scheint sich aber dortselbst nicht lang aufgehalten zu haben, denn die Arbeiten der nächsten Jahre deuten mehr darauf hin, dass der Meister im kaiserlichen Dienste gewesen ist. Ein Jahr darauf fällt eine grössere Arbeit, die beiden Glocken in der Dreifaltigkeitskirche in Innsbruck....

 

Quelle: (Auszug)

MITTHEILUNGEN DER K.K. CENTRAL -
COMMISSION ZUR ERFORSCHUNG UND ERHALTUNG DER KUNST - UND HISTORISCHEN DENKMALE
WIEN, 1883

Syberger Epitaph

Das "Syberger Epitaph", ursprünglich gegenüber dem Patronatssitz an der nördlichen Chorwand der Stiepeler Dorfkirche angebracht.

▲ Friderich Matthias v. Syberg verdankt man einen wesentlichen Teil der erhaltenen Innenausstattung, neben Kaminen die o.g. Deckenovale, die barocke Prachttreppe und das so genannte „Syberger Epitaph“, das allerdings 1698 in der Dorfkirche zur Machtdemonstration aufgestellt worden war und sich bis dort an der nördlichen Chorwand befand. Das fünfspeichige Syberger Rad im Zentrum wird flankiert von den Wappen der Ahnen väterlicherseits auf der linken Seite, mütterlicherseits auf der rechten, vom Betrachter aus gesehen. 

Epitaph des Ingwer Siewertsen (Jacobs) in St. Johannis, Nieblum / Föhr

▲Das Epitaph Ingwer Siewertsen (Jacobs) von 1613 wurde 1634 aus der untergegangenen Kirche von Königsbüll auf Alt-Nordstrand nach Nieblum (Friesendom) überführt.  Das Nachrufbildnis  wurde nach dem Verlust der Kirche infolge der Zweiten Manndränke 1634 nach Nieblum gebracht und ist jetzt an der Ostwand des südlichen Querschiffs zu finden. Der geschnitzte, üppig mit Doppelsäulen, Roll- und Beschlagwerk dekorierte Architekturrahmen (der Unterhang fehlt) stammt aus der Werkstatt des Heinrich Ringering in Flensburg und zeichnet sich durch die gut erhaltene ursprüngliche Farbfassung aus. 

 
 

▲ Das Hauptbild, eine gemalte Darstellung der Anbetung der Hirten mit der Stifterfamilie in vornehmen spanischen Kostümen am unteren Bildrand, wird Marten von Achten aus Garding zugeschrieben, desgleichen die kleine Verkündigung an Maria im Aufsatz.  

Verkündigung an Maria im Aufsatz
 
 

Restaurierung: Das Epitaph Jacobs stammt aus der ehemaligen Kirche von Königsbüll auf der untergegangenen Insel Strand. Nach der großen Flut von 1634 ist das Bild in die Kirche gekommen. Wahrscheinlich ist schon damals einiges verloren gegangen. Der Unterhang wurde nie gefunden. Sehr störend war eine fehlende Engelfigur. Zum Glück ist diese Figur 1935 fotografiert worden, so dass mit Zustimmung des Denkmalamtes eine Replik angefertigt werden konnte. 

Epitaph Herzog-Ulrich-Monument im Dom zu Güstrow von 1587

Herzog-Ulrich-Monument im Dom zu Güstrow: Das Ulrichmonument ist das wohl imposanteste Werk Brandins. Er hat es nach dreijähriger Arbeit 1587 abgeschlossen. Hinter Ulrich kniet seine erste Gemahlin Elisabeth von Dänemark, die 1586 starb. Das Epitaph wurde 1599 erweitert für die zweite Gemahlin Anna von Pommern. Die Arbeit ist von Brandins Schülern Midow und Berninger vollendet. Die Karyatiden - die Tragefiguren - symbolisieren die Tugenden: Weisheit (Spiegel) und Glaube (Kreuz). Die Sockel der Karyatiden sind mit sechs kostbaren Reliefs zur Geschichte Christi versehen von der Verkündigung an Maria bis hin zur Himmelfahrt. Das Material ist verschiedenfarbiger Marmor. In den Wappentafeln oben sind die Leitsprüche der drei durch Initialen angedeutet:

 

Ulrich: H G V V G = Herr Gott, verleih uns Gnade

Elisabeth: A N G W = Alles nach Gottes Willen

Anna: H G A A N = Hilf, Gott, aus aller Not.

Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow
Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow

▲ Die drei knien an ihren Betpulten, demonstrieren beides: das neue Selbstbewusstsein der Renaissance; denn schon zu Lebzeiten saßen sie ihrem eigenen Bild im Gottesdienst gegenüber. Zum anderen zeigen die Leitsprüche eine tiefe Frömmigkeit. - Das Gitter ist eine Arbeit aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, es schafft einen geschützten Raum.

Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow
 
Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow

Sakrale Gegenstände

▲ Tisch-Altar in der Christuskirche Detmold: "DER REFORMIERTEN GEMEINDE GESTIFTET VON IHRER DURCHLAUCHT PRINZESSIN PAULINE ZUR LIPPE DETMOLD ANNO DOMINI ...

Hölzernes Lesepult (Ambo) mit symbolischer Pelikanfigur, 1688 geschaffen von Hildebrand Rebein

▲ Ambo

Das Lesepult im Chorraum der Ev. Kirche Wetter-Wengern stammt aus dem Jahre 1688. Es wurde von Hildebrand Rebein geschaffen und zeigt reiche Schnitzereien (Weinreben, Dämonen im Sockel, flügelartige Seitenornamente). Als Buchablage dominiert den Ambo eine Pelikanfigur. Die Haltung des Tieres, das seinen Schnabel auf seine Brust legt, ist typisch für den Pelikan als Christussymbol.

▲ Taufbecken

Auf der großen Fläche zwischen Schiff und Chorraum in der Ev. Kirche Bommern liegt ein dicker, sandfarbener Teppich. In sieben Sprachen ist in einem großen Rund der Taufspruch eingewebt. „Denn siehe, ich bin bei Euch . . .“ In die Mitte dieses Kreises wurde das neue Taufbecken gestellt. Das schwere, massive Prachtstück in der Form eines klassischen Taufsteins funkelt und glänzt, als wäre es auf purem Gold. Ist es aber nicht, sondern aus polierter Bronze, von einem armenischen Künstler geschaffen und von einem Bommeraner gespendet, der ungenannt bleiben will. 

 
Taufbecken Christuskirche Detmold
 
 

▲▼ Gotischer Taufstein von 1497 in der Turmkapelle, Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, meist nur kurz Johannis-Kirche genannt, in Billerbeck 

▲ In der Taufkapelle im Untergeschoss des Turmes befindet sich ein spätgotischer Taufstein von 1497, der in seiner Inschrift Johannes Schufuth, den damaligen Pfarrer der Johanniskirche als Stifter angibt. Das mit reichem bildhauerischem Schmuck ausgestattete kelchförmige Becken ist aus einem Stück Sandstein gearbeitet. In acht Reliefs an den Seitenteilen werden Bilder zum Thema Taufe, abwechselnd aus dem Alten und Neuen Testament gezeigt, beispielsweise das Quellwunder des Mose, die Taufe Jesu im Jordan und die Darstellung einer christlichen Taufe.

Taufschale in Süderende, Föhr, St. Laurentii

◄ Barocke Marmortaufe in der St. Laurentii-Kirche, Süderende, Föhr

Datiert: 1752 (auf dem Knauf), Standort in der Kirche: Eingangshalle, Gesamthöhe: 155 cm, Tiefe der Kuppa: 50 cm, Durchmesser: 93 cm, Höhe Schaft: 105 cm, Material und Verarbeitung: weißer Marmor aus Livorno, Form: Kelch. Kuppa: Ein Wulst bildet den oberen Rand der Kuppa, deren gesamte Fläche mit einem aufstrebenden Blattfries-Relief dekoriert ist.

Schaft: Ein schlanker Säulenhals leitet über zum Nodus in der Form eines umgekehrten Pyramidenstumpfes. Eine Seite ist mit Akanthusranken dekoriert und trägt die Datierung und ein Monogramm. Die anderen Seiten sind schlicht. Eine kleine runde Plinthe verbindet mit den breiten Basisplatten.

Fuß: Ein mächtiger Quader bildet den Sockel. Ein kräftiger Wulst bildet den Rand. Der Blattfries der Kuppa wiederholt sich auf dem Deckel und strebt aufwärts hin zu einer Akanthusblüte, die den Griff bildet. In der Blüte sind drei Löcher, evtl. um den Deckel aufhängen zu können. Nach Aussagen des Küsters ist der Deckel noch nie abgenommen worden.

 

Stifter: ► Kapitän Jung Rörd Jung Früdden aus Klintum

Jung Rörd war für drei Jahre Commandeur eines WaIfangschiffes, danach befehligte er als Capitän zwanzig Jahre lang ein Handelsschiff. Ihm verdankt die St. Laurentii-Kirche das große Marmor-Taufbecken, das heute noch im Vorraum der Kirche steht. Es trägt die Inschrift: „R.F. 1752”. J. Rörd Früdden hat dieses Taufbecken aus Livorno mitgebracht und 1754 der Gemeinde geschenkt. lm Kirchenbuch steht dazu folgender Eintrag: „Anno 1754 ist das marmorne Taufbecken von Kapitän J. Rörd J. Früdden aus Klintum, Gott zur Ehre und der Kirche zur Zierde geschenkt worden, den 1. Juny aufgerichtet und den 3. Juny am Pfingstmontage das erste Kind darin getauft worden.” Die Initialen R.F. stehen für den holländischen Namen RIBERTUS FRERCUS, den Kapitän J. Rörd J. Früdden auf See trug. Die alte romanische Glanittaufe, die weiß angestrichen worden war, stand bis 1954 im Vorraum der Kirche.

► Das romanische Granit-Taufbecken im Johannis-Dom in Nieblum, aus einem Findling herausgearbeitet, ist das älteste Inventarstück der Kirche und wurde um 1200 gearbeitet. Er gehört kunsthistorisch zu den wichtigen Arbeiten der Romanik im norddeutschen und skandinavischen Raum. Die mächtige Kuppa, die Höhlung zur Aufnahme des Taufwassers, sitzt auf einem ovalen, geschrägten Sockelstein. Der Stein ist außen mit zwei Szenen figürlich ausgeführt: Ein Ritter greift ein Mischwesen, halb Löwe, halb Schlange an, das seinerseits einen Menschen, der sich an einem Baum festklammert, bereits zur Hälfte verschlungen hat.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Steins fallen zwei Löwen über einen Menschen her, der wiederum auf einem Ungeheuer sitzt. Gegenstand beider Darstellungen ist der Kampf des Guten und des Bösen um die Menschenseele. Der Lebensbaum und der Ritter symbolisieren die Mächte des Guten, die diesen Kampf nur mit Hilfe der Taufe auf den dreieinigen Gott zu einem siegreichen Ende bringen können. Die archaische Symbolik, verbunden mit der kunstvollen Darstellung auf knapp bemessenem Raum der Oberfläche des Taufsteins, wird einen bleibenden Eindruck nicht nur auf zeitgenössische Gottesdienstbesucher haben. Ähnliche Taufsteine wurden auch in Kirchen auf dem Festland vorgefunden. An einigen davon konnten Farbreste festgestellt werden, so dass nicht auszuschließen ist, dass auch der Nieblumer Taufstein ursprünglich bemalt gewesen ist. Ursprünglich wurden die Täuflinge unter Anrufung Gottes, Christi und des Heiligen Geistes dreimal in die in der Regel mit Bleiblech ausgekleidete Höhlung des Steins getaucht. Eine neue Kirchenordnung in Gebiet Schleswig-Holsteins änderte diese Praxis: ab dem Jahr 1542 war nur mehr ein dreimaliges Begießen des Kopfes vorgesehen, was zur Folge hatte, dass eine Taufschale in die Öffnung des Taufbeckens eingehängt wurde, die wesentlich weniger Taufwasser aufnehmen musste. Diesen Dienst versieht bis heute eine Taufschale aus dem 17. Jahrhundert, die mit Hilfe einer Haltevorrichtung in den Taufstein eingehängt wird.

Taufe in Nieblum, Föhr, St. Johannis-Kirche

◄ Ein prächtiger in Kupfer getriebener Helm der Firma Klönne in Altena bedeckt den zur Linken des Altars stehenden Taufstein in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Wetter.

▲ Der Taufstein der Dorfkirche Stiepel mit wechselvoller Geschichte steht (wieder) in der südlichen Nebenapsis und ist aus spätgotischer Zeit. Dieser massive oktogonale Steinblock, nach unten hin abgerundet und auf einem schmaleren, ebenfalls achteckigen (erneuerten) Sockel lagernd, stand bis 1698 in der Kirche und lag dann im Garten des Pfarrhauses. Er hat eine in Kupfer getriebene Abdeckung und wird von einem glänzenden Lateinischen Kreuz gekrönt. Das damals neue barocke Taufbecken aus Birnbaumholz mit farbiger Fassung, heute im Stadtarchiv-Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte, wurde von dem Bildhauer Schmidt aus Schwelm geschaffen.

Taufstein der Dorfkirche Stiepel
Das bronzene Taufbecken der Ev.-Luth. St.-Clemens Kirche im Büsum stammt aus dem 13. Jahrhundert. Angeblich wurde es vom Seeräuber Cord Widderich im 15. Jahrhundert von der Insel Pellworm geraubt.
▲ Im Innenraum befindet sich eine reichhaltige Ausstattung aus mehreren Epochen. Das bronzene Taufbecken stammt aus dem 13. Jahrhundert. Besonders morgens, wenn die Sonnenstrahlen durch die Buntglasfenster fallen, zeigt das bronzene Taufbecken seinen schönsten Anblick. Johann Adolfi Köster, genannt Neocorus, der um 1600 Pastor der Gemeinde war, berichtet in seiner Chronik des Landes Dithmarschen, es sei vom Seeräuber Cord Widderich im 15. Jahrhundert von der Insel Pellworm geraubt worden. 
Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert

▲ Taufstein in der Georgskirche in Dortmund-Aplerbeck

aus dem 12. Jahrhundert, romanisch, 1982 er­gänzt. Vom Aplerbecker Taufstein ist das eigentliche Taufbecken in Form eines Zylinders erhalten. In einer Bildge­schichte werden 5 Szenen - 3 aus dem Leben Jesu und 2 über die Reaktionen der Menschen auf das Christusgeschehen - in der Mittelzone des Steins dargestellt. Eine Säule mit attischer Basis und korinthischem Kapitell, aus der ein Le­bensbaummotiv heraustreibt, markiert den Beginn. Ein romanischer Bogen­fries schließt sie nach oben ab. Die Szenen sind in den Stein hinein­gemeißelt, sodass die Oberflächenebene erhalten bleibt; sie sind mit linearen. Mitteln gestaltet. Auf natürliche For­men kommt es nicht an, es geht um die Symbolik. Die natürlichen Proportionen sind weitgehend aufgegeben, damit die Bildaussage betont wird. Die Szenen: Weihnachtsbild, Jesu Taufe, Kreuzigungsszene, Kindermord zu Bethlehem, Anbetung der heiligen drei Könige.

Nachdem der Taufstein 1980 zurück in die Kirche kam, bekam er seinen neuen Platz im Chorraum, nicht wie ursprünglich im Turm. Zusätzlich nötig waren ein neuer Fuß aus Ruhrsandstein und eine Taufkrone in der die Taufschale ruht.

▲ Taufstein in der Johanneskirche in Ennepetal-Voerde

Auf der erhöhten Plattform, auf der sich der Choraufbau erhebt, steht links vor dem Altar der barocke Taufstein. Er hat an dieser Stelle, in einer Höhe mit dem Altar, einen besonders hervorgehobenen Platz in der Kirche.

 

Der Taufstein hat die Form eines Kelches. Aus dem quadratischen Fuß erhebt sich der achteckige Schaft, den in seiner Mitte ein ebenfalls achteckig verlaufender Halbrundstab als Knauf umgibt und aus dem sich die achtseitige Kuppa entfaltet.

 

Das 1707 geschaffene barocke Taufbecken, das mit seiner Kelchform die enge Beziehung zwischen beiden evangelischen Sakramenten, der Taufe und dem Heiligen Abendmahl, zum Ausdruck bringt, ist - nach der stark beschädigten Inschrift an seinem Fuß zu schließen - vermutlich eine Stiftung des damaligen Pächters des kirchlichen Pachtgutes "Vierorthaus".  Name und Wohnsitz der Steinmetze sind nicht überliefert.  

Den Taufstein verschließt ein achteckiger Deckel aus Messing
Johannes der Täufer - Kirche Voerde

Die kindlichen Engelköpfe, die aus den acht Seiten der Kuppa des Taufsteines hervorschauen, lassen uns an Christi Worte denken: „Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen“. Den Taufstein verschließt ein achteckiger Deckel aus Messing mit muggelig geschliffenem Rosenquarz, eine sehr schöne Gelbschmiedearbeit aus neuerer Zeit. Jedes zweite der acht dreieckigen Felder auf der Oberseite des Deckels ist mit einem Wellenornament verziert, die Wellen des Jordan symbolisierend, in dem Christus durch Johannes den Täufer, dem Namensgeber der Kirche, die Taufe empfing. Außerdem schmücken vier große Rosenquarze die Deckeloberseite. Der Deckelgriff hat die Gestalt eines Fisches mit senkrecht erhobenem Leib: Lange vor dem Kreuz war der Fisch das Glaubenssymbol der Christen.

Figuren christlicher Kunst

Figuren in der Kathedrale Notre-Dame-Immaculée, Monaco

Seit dem 3. Jahrhundert bildete das Marienbild den häufigsten Gegenstand der christlichen Kunst. Es verleiht der Marienverehrung einen bildhaften Ausdruck. Auf den Bildern und Skulpturen werden häufig Szenen aus dem Marienleben, beispielsweise der englische Gruß, aufgegriffen. Verbreitet ist seit dem 13. Jahrhundert auch die Darstellung als Schutzmantelmadonna, die den Gläubigen unter ihrem ausgebreiteten Mantel Schutz bietet. Eine besondere Darstellung, die sich gehäuft in Frankreich findet, sind die schwarzen Madonnen. Sie stammen aus der Romanik und dem Barock. Auch außerhalb der Darstellungen Marias finden sich Mariensymbole, beispielsweise der Hortus conclusus.

 
Katholische St. Liborius Kirche in Wetter-Wengern
 
Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Die Skulpturen der Kreuzigungsgruppe in der Kirche Groß St. Martin

in Köln bestehen aus dem gekreuzigten Christus, seiner Mutter Maria

(hier im Bild) und dem Apostel Johannes.

Ort: Josefskirche, Witten-Annen

▲ Maria mit Kind auf  Sockel in der Josefskirche in Witten-Annen. Sie hält das Kind mit beiden Händen, die rechte Hand hält die Beine des Kindes. 

 
 

▲ Maria mit Kind am Hochgotischen Hauptportal der Westfassade des Straßburger Münster

 
 

▲ Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, meist nur kurz Johannis-Kirche genannt, in Billerbeck. Über dem Mittelgang zwischen den Bankreihen befindet sich eine gotische Doppelstrahlen-Madonna aus der Zeit um 1480. Sie ist polychrom gefasst. Auf der Vorderseite trägt Maria das Jesus-Kind, auf der Rückseite ein Bündel Trauben.

▲ Jungfrau Maria mit Christus-Statue, Kapelle St. Catherine, gotische Kathedrale Notre-Dame, 14. Jahrhundert, Straßburg

▲ Dreikönigstriptychon, um 1530, Groß St. Martin in Köln

Kreuzigung Christi

Einen weiteren breiten Raum nimmt die Kreuzigung Christi ein. Die Darstellungsformen sind auch hier vielfältig. Die bildliche Darstellung der Kreuzigung zusammen mit Maria und dem Apostel Johannes wird als Kreuzigungsgruppe bezeichnet.

Ort: Groß St. Martin, Köln
Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Kreuzigungsgruppe in der Kirche Groß St. Martin in Köln, Gesamtansicht mit Blendbogen

Auf einem neuen Betonsockel steht das 80 Zentimeter hohe prismenförmige Taufbecken aus staufischer Zeit

 

Direkt vor der Kreuzigungsgruppe steht heute ein Taufbecken aus hellem Kalkstein, das aufgrund seiner Form und Ornamentik zu den interessantesten Steinarbeiten aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gezählt wird. Der Taufstein hat eine längliche, achteckige Grundfläche. Sein Rand ist von außen mit einem Fries von acht großen Wasserrosen versehen, die sich gleichmäßig über die unterschiedlich breiten Seitenflächen verteilen und so auch über die Kanten hinweg verlaufen. An vier Ecken sitzen Löwenköpfe; aus ihren Mäulern entwickelt sich ein schmalerer Akanthusfries, der den oberen Rand des Taufbeckens bildet. Bis zur Kriegszerstörung hatte das Taufbecken einen kupfernen Deckel; die heutige moderne Bronzeabdeckung stammt von dem Bildhauer Karl Matthäus Winter aus Limburg an der Lahn, der darauf Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zu einem Bilderfries verarbeitete. Es wird vermutet, dass das Taufbecken ursprünglich aus der älteren Brigidenkirche übernommen wurde; diese erhielt 1510 ein neues Taufbecken aus Messing, und es ist wahrscheinlich, dass das ältere Stück in die Martinskirche übernommen wurde. Einige Legenden bis in das 20. Jahrhundert besagten, dass es sich ursprünglich um ein Geschenk des Papstes Leo III. gehandelt habe.

▼ Kreuzigungsgruppe im Dom zu Güstrow

 
 
 
Ort: Dom zu Güstrow, Güstrow

▲Der Dom zu Güstrow gehört mit zur norddeutschen Backsteingotik und hat eine reiche Ausstattung von der späten Romanik bis in die Neuzeit zu dem Schwebenden von Ernst Barlach. Der spätgotische Flügelaltar ist um 1500 in den Dom gekommen und stammt aus dem Kreis um den Hamburger Bildschnitzer Hinrik Bornemann. Der goldene Hintergrund symbolisiert das himmlische Licht, welches die Deutung gibt. Auf der goldenen Seite finden wir in der Kreuzigung die Stifter des Altars kniend dargestellt, die mecklenburgischen Herzöge Magnus I. und Balthasar. Sie sind noch einmal stehend an den Seiten zu finden. Das Kreuz teilt die Menschen; rechts von Christus gesehen sind diejenigen, die sich zu ihm bekennen, links diejenigen, die ihn herausdrängen aus der Welt. Der Betrachter steht vor der Frage, auf welcher Seite er seinen Platz hat. Rechts von Christus ist der Mitgekreuzigte, der sich sterbend noch zu Christus bekennt und die Verheißung empfängt: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein." Über ihm ist ein Engel, der seine Seele in den Himmel trägt. Über dem anderen Mitgekreuzigten ist der Teufel, der seine Seele erwartet, um sie in die Hölle zu führen; er stirbt im Unfrieden. In der Umrahmung der Kreuzigung befinden sich sechs kleine Figuren, rechts, links und oben jeweils zwei. Es sind die Propheten des Alten Testaments; ihre Schriftrollen sind leer zum Zeichen dafür, dass ihre Verheißungen mit dem Kommen Christi erfüllt sind. Neben der Kreuzigung ist rechts Johannes der Täufer dargestellt, der mit dem langen Zeigefinger von sich weg auf Christus deutet. Das Lamm auf dem Buch deutet auf Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegträgt. Neben Johannes steht Cäcilie, die Schutzheilige der Musik. Auf der anderen Seite sind neben Paulus die Heiligen Katharina und Sebastian dargestellt. Die genaue Benennung ist dem Altarschema zu entnehmen. Bei den zwölf Aposteln fehlt Philippus; dafür ist Paulus dargestellt. Auf der Rückseite des Altars erinnert eine Tafel an den ersten evangelischen Gottesdienst 1568 und an eine Baumpflanzaktion, die Herzogin Elisabeth in den Heidbergen angeregt hat.

▼ Kreuzigungsgruppe Pfarrkirche St. Marien

 
 

▲ Künstlerisch interessant die Kreuzigungsgruppe aus Lärchenholz in der Marienkirche in Waren (Müritz). Sparsam bemalt. In der Apsis des Altarraumes: Der Gekreuzigte, zu seinen Füßen knieend betend Maria Magdalena mit einem Salbgefäß, links seine Mutter Maria, rechts Apostel Johannes. Der Holzbildhauer Ferdinand Demetz aus St. Ulrich im Grödnertal hat die Gruppe 1909 eigens für das Warener Gotteshaus geschaffen. 

 
Ort: Dom, Köln
 
Ort: Dom, Köln

▲ Kreuzweg, 13. Station, Beweinung, Kölner Dom

Obwohl es bereits seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich war, das Leiden Christi in 14 Kreuzwegstationen zu schildern und als Andachtsbilder in den Kirchenraum zu integrieren, erhielt der Dom erst im 19. Jahrhundert einen Kreuzweg. Mit seiner Ausführung wurde der Utrechter Künstler Wilhelm Mengelberg beauftragt, der zwischen 1893 und 1898 insgesamt 13 Stationen im neugotischen Stil schuf. Die zwölf als bemalte Hochreliefs mit bekrönenden Maßwerkbaldachinen ausgeführten Stationen aus feinem Sandstein wurden in die mittelalterlichen Altarschränke der Außenwände des Langhauses eingefügt. Die 13. Station in der südlichen Turmhalle wurde in Angleichung an die 14. Station als überlebensgroße, vollplastische Figurengruppe gearbeitet. 

Ort: Dom, Köln

▲ Kreuzweg, 14. Station, Grablegung

Die 14. Station, eine überlebensgroße spätgotische Grablegungsgruppe, fand ihren Aufstellungsort im Nordturm.

Ort: Dom, Köln
Ort: Groß St. Martin, Köln

▲ Grablegungsgruppe in der Kirche Groß St. Martin in Köln 

Vlnr: Nikodemus, unbekannte Klagefrau, Maria aus Magdala, Maria, Johannes, Josef von Arimathäa.

 

Dem Kreuzaltar stilistisch zugeordnet wird die so genannte Grablegungsgruppe, die neben dem toten Christus ursprünglich sieben als Dreiviertelfiguren angelegte Skulpturen umfasste; eine der Frauenfiguren ist seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen. Da die Figuren von Johannes und Maria in Ausführung und Physiognomie der der Kreuzigungsgruppe sehr ähneln, geht man von davon aus, dass sie aus der Werkstatt desselben Künstlers, eben Tilman van der Burch, stammen. Der tote Christus ist hier ebenso wie am Kreuzaltar mit anatomischen Details wie hervortretenden Adern und deutlich erkennbaren Wunden der Dornenkrone dargestellt. Er liegt mit leicht nach links geneigtem Haupt im Zentrum auf einem Leintuch, das am Fußende von Nikodemus, am Kopfende von Josef von Arimathäa gehalten wird. Maria, erkennbar an ihrem schlichten blauen Gewand, hebt den Arm des Leichnams leicht an, so dass die Kreuzigungswunde an der rechten Hand deutlich gezeigt wird. Zu ihrer Linken steht Johannes als dritte, sehr jünglingshaft gezeichnete männliche Figur des Ensembles. Während Jesus und die Figuren an Kopf- und Fußende fast lebensgroß sind, erscheinen die Büsten der Frauen und Johannes deutlich kleiner, so dass sie perspektivisch als Hintergrund wirken. Die Maria am nächsten stehende Klagefrau wird in der Literatur vereinzelt als Maria von Magdala interpretiert.

Die ursprünglich drei weiteren, von Maria aus rechts stehenden Frauenfiguren, von denen zwei erhalten sind, fallen ebenso wie die beiden Männerskulpturen an Kopf- und Fußende durch eine sehr reichhaltige und detailliert ausgeführte zeitgenössische Kleidung auf.

In den Ostkirchen, besonders den orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus, haben Ikonen eine große Bedeutung. Neben Christusbildern sind Marienikonen das wohl häufigste Darstellungsmotiv. Als einer der Höhepunkte der russischen Ikonographie gilt die Dreifaltigkeitsikone von Andrei Rubljow. Vergleichbar mit den Ikonen sind in der Westkirche Gnadenbilder und Andachtsbilder. Das Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren befindet sich im Hochaltar des Innsbrucker Doms. Neben den Darstellungen Christi und Mariens sind seit frühchristlicher Zeit auch Heiligenbilder nachweisbar.

Grablegung St. Franziskus-Kirche Witten

Passions-Krippe der St. Liboriuskirche in Wetter-Wengern

Das Heilige Abendmahl

Die Passionskrippe stellt - beginnend mit dem Palmsonntag - einige Stationen des Leidensweges Christi dar.

Erstmalig und für diese Region wohl einmalig kam sie 2013 unter der Leitung von Krippenbaumeister Hans-Jürgen Bartsch in eine Ausstellung. Der Bau der Krippe wurde möglich durch die tatkräftige Hilfe der Krippenbauer Werner Becker, Dorothee Hoppe, Wolfgang Koopmann, Pastor Wieland Schmidt. Sie zeigt die Stationen der Passion-/Osterzeit, beginnend vom Einzug in Jerusalem am Palmsonntag bis zur Auferstehung am Ostertag.

 

Weitere Bilder dieser einzigartigen Krippe finden Sie auf einer ► Sonderseite.

Christus - Schmerzensmann

 
Ort: Groß St. Martin, Köln
 

▲ Der Schmerzensmann in der Kirche Groß St. Martin in Köln : Die fast lebensgroße Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert stammt möglicherweise aus derselben Werkstatt wie die Kreuzigungs- und Grablegungsgruppe (oben).

Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr
Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr

Holzfigur aus dem 15. Jahrhunder. Der "Schmerzensmann" auf dem Altaruntersatz in der Kirche St. Johannis in Nieblum/Föhr.

 

▲ Christus als "Schmerzensmann"

Albrecht Dürers Schaffen bildet einen Höhepunkt der deutschen Renaissance. Seine Innovationskraft belegt auch der Karlsruher „Schmerzensmann“, dessen lebendige Gestalt und menschlicher Ausdruck von dem intensiven Naturstudium des noch jungen Künstlers zeugen. Das Werk stellt Christus mit Dornenkrone und den Leidenswerkzeugen dar. Sein Körper ist gezeichnet durch blutende Verletzungen und die Wundmale der Kreuzigung. In einer Art Grabhöhle ragt er hinter einer Steinbrüstung auf. Sein Kopf ruht schwer in der Hand des rechten Arms, den er auf das hochgezogene Knie gesetzt hat. Die Geste ist Ausdruck des Nachsinnens und Trauerns und zugleich ein Zeichen der Erschöpfung Christi, dessen fragender Blick auf uns gerichtet ist. Das Bild stellt keinen bestimmten Augenblick in der Leidensgeschichte dar, sondern verweist auf die gesamte Passion und die Auferstehung. Das Bild (Tafelmalerei) wird datiert auf die Jahre 1493 / 1494 / 1498 / 1499. Technik: Goldgrund, Tannenholz, Maße: 30 x 19 cm

 

Bereits um 1340 schuf Pietro Lorenzetti seinen „Christus als Schmerzensmann“, Tempera auf Holz, 35,3 × 26 cm: Der tote Christus erscheint als Halbfigur in einer gemalten Rahmennische – den Kopf seitwärts gesenkt, Augen und Mund leicht geöffnet, die herabhängenden Hände vor dem Leib verschränkt. Blut fließt aus den Wundmalen auf den Handrücken und zwischen den rechten Rippen.

 
 

▲ Triumphkreuz in der Dorfkirche Wetter-Wengern

Das „wertvollste" Stück in der Kirche ist wohl das Kruzifix. Es ist vom Stil her ein deutlich romanisches Triumphkreuz, wurde aber, so wird überliefert, erst in spätgotischer Zeit (um 1486) nach einem älteren Vorbild gefertigt. Bei seiner Restaurierung in 1936/37 allerdings vermutete der Landeskonservator in Münster die Jahre um 1530 als Entstehungszeit. lm romanischen Triumphkruzifix erkennen wir Jesus nicht als den schwachen, leidenden Menschen, sondern als den mächtigen, über den Tod triumphierenden Gottessohn. Deswegen trägt er keine Dornen -, sondern eine Königskrone auf dem Haupt; er begegnet dem Tod und dem Schmerz in vollem Bewusstsein. Zudem ist ein typisches Moment die Darstellung der Kreuzigung mit vier Nägeln, an beiden Händen und Füßen. Der Schmerzensmann und leidende Gottessohn, mit übereinander geschlagenen Füßen (Dreinageltypus), ausgemergeltem Körper und leidender Miene als Motiv kam erst mit der Gotik auf. Umso seltsamer erscheint die Diskrepanz zwischen Stil und Entstehungszeit.

 

 

 

Ort: Josefskirche, Witten-Annen

Heilige und Namensgeber der Kirchen

Ev. Kirche in Wetter-Wengern
Ev. Kirche in Wetter-Wengern

▲ Petrusfigur

Auf dem Dachboden des Pfarrhauses der Ev. Kirche in Wetter-Wengern wurden im Jahr 1976 zwei Figuren gefunden; eine ca. 130 cm große Petrusfigur und ein ca. 45 cm große Pantokratorfigur, die zum Glück in ihrem Wert erkannt, restauriert und somit der Kirche erhalten bleiben konnten.

▲ Pantokratorfigur

Diese kleine, leider unvollständige Figur stellt mit einiger Sicherheit Gottvater als Pantokrator (griech. „Allherrscher”) dar. Die linke Hand ruht auf der Reichsapfel-Weltkugel, die rechte hielt wahrscheinlich ein Zepter, wie der kleine Holzstumpf auf dem rechten Knie vermuten lässt. Hier ist ein älterer, ehrwürdiger Mann mit Bart zu sehen, eine häufige Darstellung Gottes seit dem Barock.

 
Statue: Sitzender Christus um 1520 in der Kirche St. Nicolai, Boldixum/Föhr
 
 
Ort: St. Nicolai, Boldixum/Föhr

▲  Zur Ausstattung der Kirche St. Nicolai in Boldixum/Föhr gehört das um

1300 nach Chr. geschnitzte, farbige Abbild des Namensgebers, des heiligen Nicolaus, welcher sitzend auf die versammelte Gemeinde sieht. Der Namens-Patron der Kirche Nikolaus von Myra ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die im Kirchenschiff links vor dem Altar-

Ort: St. Nicolai, Boldixum/Föhr

bereich am Nordpfeiler des Chorbogens steht. Die Figur ist ein wertvolles Inventarstück der Kirche. Der Heilige ist farbig ausgeführt und als eher junger Mann mit hoheitsvoll segnender und mahnender Gebärde dargestellt. Sein Bischofsmantel ist kunstvoll gefaltet. 

Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr

▲ Der Namenspatron der Kirche St. Johannis in Nieblum ist den Gottesdienstbesuchern in Form einer Holzplastik gegenwärtig, die in der Südostecke des Chors aufgestellt ist und mit einer Größe von 2,75 Meter den Kirchenraum beeindruckend dominiert.

 

Johannes der Täufer siegt über Herodes: Aus dem 15. Jahrhundert stammt die einzigartige Darstellung des Täufers. Aus Holz geschnitzt und anschließend bemalt steht der Namenspatron der Kirche überlebensgroß am Südfenster des Chorraumes. Ungewöhnlich an der Johannesdarstellung ist die kleine Figur unter den Füßen des Täufers: Es ist König Herodes Antipas. Der Künstler des Mittelalters stellt diesen geschichtlichen Vorgang auf den Kopf und lässt Johannes überlebensgroß als Sieger erscheinen.

Ort: St.Johanniskirche, Nieblum/Föhr

Die Figur steht auf einem Steinsockel und ist zurückhaltend farbig ausgeführt. Die Bemalung stammt von einer Restaurierung aus dem Jahr 1980, wobei auf vorgefundenes älteres Farbschema zurückgegriffen wurde. Johannes steht mit Bibel und Lammfigur predigend auf dem Rücken eines kleinen Manns, der als König Herodes identifiziert wurde. Johannes erhebt sich demzufolge sinnbildlich auf Grund seines Wirkens übermächtig über den Mann, der ihn nach biblischer Überlieferung hinrichten ließ. Der Eindruck einer etwas ungelenken Handhaltung rührt daher, dass an der Figur spätere Attribut-Ergänzungen vorgenommen wurden, die ursprünglich vom Künstler nicht vorgesehen waren. Bibel und Lammfigur, die für Jesus Christus steht, wurden später ergänzt; der Kreuzstab, den Johannes ursprünglich führte, fehlt. Das Werk stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

St. Liborius
St. Liborius

▲ Katholische St. Liborius Kirche in Wetter-Wengern

Ort: St. Peter zu Syburg, Dortmund

▲ Die beiden Holzplastiken hinter dem Altar stellen (wahrscheinlich) die Apostel Petrus und Paulus dar. Sie sind um 1955 erworben worden und stammen aus Österreich. Bei der Plastik rechts vom Altar könnte es sich um eine Darstellung des Petrus handeln, bei der auf der linken Seite um eine des Paulus. Aufgrund der fehlenden Attribute (Schlüssel, Schwert etc.) und der ähnlichen Haar- und Barttracht der beiden Figuren ist bisher keine exakte Zuordnung möglich.

Ort: St. Peter zu Syburg, Dortmund

▲ In der gleichen Kirche finden wir die Bronzeplastik „Papst Petrus I. mit seiner Frau“. Sie stammt von Bernhard Kleinhans. Die Doppelskulptur stellt, so heißt es auf der dazugehörenden  Bronzeplakette, „ Papst Petrus I. mit seiner Frau“ dar. Dabei verweist der Bildhauer auf die Bibelstelle  Matth. 4,18, den Beginn der Erzählung von der Heilung der Schwiegermutter des Petrus. Die Bibelstelle gilt als Beleg dafür, dass Petrus tatsächlich verheiratet war.

 

Der Künstler Bernhard Kleinhans  (1926 – 2004) lebte in Sendenhorst. Er  studierte in den Jahren nach dem II. Weltkrieg an der Werkkunstschule in Münster  und an der Kunstakademie in München. Nach dem Abschluss seiner Studien kehrte er ins Münsterland zurück und richtete sich in Sendenhorst eine Bronzegießerei  ein.  1956 erhielt Kleinhans den Kunstpreis „Jung-Westfalen“. Diese Auszeichnung machte Kleinhans in Westfalen und darüber hinaus bekannt. Kleinhans schuf neben zahlreichen Kleinplastiken mit religiösen Themen viele Figurenbilder mit profanem Inhalt.

 
Ort: Josefskirche, Witten-Annen
 

▲ Vollplastische Darstellung des Namensgebers der Josefskirche in Witten-Annen, des Heiligen Josef als Zimmermann auf Sockel. In der linken Hand ein Winkelmaß-Lineal. In der rechten Hand hält er eine Säge, die bis zum Boden reicht.

Ort: Nikolauskirche, Aachen

Figurengruppe in der St. Nikolaus-Kirche in Aachen

 
Ort: Nikolauskirche, Aachen
 
 
Ort: Nikolauskirche, Aachen, Detailfoto der Kanzel
Ort: Nikolauskirche, Aachen, Detailfoto der Kanzel
 
 
 
Ort: St. Michaelis, Hamburg
 

▲ lm Pfingstgottesdienst 2011 erhielt die Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg eine neue Figur des Erzengels Michael. Sie ist etwa 1,50 m groß und stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie ist sehr fein gearbeitet und gehörte bisher zum Bestand des Ernst-Barlach-Hauses. Die Reemtsma-Stiftung hat sie 2009 der Gemeinde geschenkt. Danach wurde sie in der Denkmalwerkstatt von St. Jacobi restauriert. Der ehemalige Präsident der Bürgerschaft und Chef von Studio Hamburg Martin Willich hat den größten Teil der Kosten dafür getragen.

 

 
Ort: Josefskirche, Witten-Annen, Engelsfigur kniend mit Kerze
 
 
Tilman van der Burch, Hl. Christophorus: Die aus Tuffstein gearbeitete, farbig gefaßte Figur des hl. Christophorus wurde um 1470 von Tilman van der Burch, dem im Kölner Raum führenden spätgotischen Bildhauer, geschaffen.
 
 
Ort: St. Johanniskirche, Nieblum, Apostel Petrus und Paulus
Ort: St. Johanniskirche, Nieblum

▲ Die Figuren in der Johanniskirche in Nieblum/Föhr sind in zwei Gruppen geteilt: Die Apostel Petrus und Paulus aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts sind am nördlichen Chorbogen zu finden, eine Gruppe mit drei Frauendarstellungen (die Heilige Barbara, die Heilige Maria mit Kind und die Heilige Dorothea) sind an der Westwand des südlichen Querschiffs angebracht, der Heilige Michael befindet sich nördlich am Bogen zwischen Vierung und Langhaus. Eine Heilige Katharina steht schließlich östlich am Bogen zwischen Vierung und südlichem Querschiff und stammt etwa aus dem Jahr 1520.

Ort: St. Johanniskirche, Nieblum

▲ Im Südquerarm der Kirche findet man wunderschöne spätgotische Schnitzfiguren aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts (von links: die heilige Dorothea, Maria mit dem Kind und die heilige Barbara)

 
Ort: St. Johanniskirche, Nieblum
 
 
St. Franziskus-Kirche Witten
 
St.-Clemens-Kirche in Nebel (Amrum): Gesamtansicht „Das himmlische Abendmahl“

◄ Apostelgruppe: Die St.-Clemens-Kirche in Nebel auf Amrum beherbergt eine Reihe von Kunstschätzen. Dazu gehört eine hölzerne, frühgotische Apostelgruppe "Das himmlische Abendmahl", die angeblich in einer Sturmflut auf Amrum angeschwemmt wurde und in der Südwand hängt. Die Figuren zeichnen sich durch strenge Frontalität, relativ große Köpfe und einfache Faltengebung aus. Die Gesichter spiegeln Innigkeit und tiefen Ernst wider.

 

Im frühen 14. Jahrhundert schnitzte ein bisher nicht bekannter Künstler aus Tondern Christus' Jünger. Nach einer Sturmflut 1634 sollen die Apostel aus einer in den Fluten untergehenden Kirche in das Amrumer Gotteshaus gerettet worden sein. Im Lauf der Zeit war die Farbe von den Gewändern der Figuren abgeblättert. 

Der alte Inselpastor Erich Pörksen hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Farbe aufgefrischt. Mit dem Tuschkasten seiner Kinder und nach einem Buch mit Bildern von Rembrandt malte er die Figuren an. Damit die Farbe antik wirkte, hatte er mit einem nassen Schwamm über die Tusche gewischt. Insulaner wussten/wissen sich halt zu helfen.

Apostelfiguren – Petrus mit Schlüssel
Apostelfiguren – Paulus mit Schwert
Christus der Weltenherrscher und Weltenrichter

Johanneskirche in Ennepetal-Voerde: An jeder Seite des Kanzelportals, außen neben den Säulen, steht die Figur eines Apostels: Petrus im goldgesäumten blauen Mantel links, in seiner Rechten den Schlüssel des Himmels haltend, Paulus im goldgesäumten roten Mantel rechts, in seiner Rechten die Heilige Schrift und in der Linken das Schwert, Attribut seines Martyriums, aber auch Symbol der Schärfe des erkennenden Geistes. Im Giebel des Choraufbaues und Schalldeckel der Kanzel: Über dem Schnittpunkt dreier stilisierter Regenbogen, dem Zeichen des Alten Bundes zwischen Gott und seinem auserwählten Volke, thront Christus der Weltenherrscher und Weltenrichter, in der linken Hand die mit dem Kreuz gekrönte Weltkugel haltend und die Rechte zum Segensgestus erhoben.

▲ Apostel Petrus und Paulus in der St. Pankratiuskirche in Hamburg-Neuenfelde

Die beiden Apostelfürsten werden häufig miteinander dargestellt, man kann sie aber leicht unterscheiden: Petrus ist der Mann mit den Schlüsseln. Grundlage für dieses Erkennungszeichen, das Petrus in der Hand hält, ist die Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 16, Vers 19. Christus sagt zu Petrus: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ In der Gegenreformation gewinnt das Motiv zur Verteidigung des Papsttums an Bedeutung, die Schlüssel wurden – gekreuzt – bis heute zum festen Bestandteil jedes päpstlichen Wappens. 

Der heilige Paulus wird oft mit dem Schwert dargestellt - einerseits wegen seines Martyriums - mit dem Schwert enthauptet, anderseits wegen des Zitats aus dem Hebräerbrief: "Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens." (Hebr. 4,12)

 
▲ Katholische St. Liborius Kirche in Wetter-Wengern
 
 
 

Heiliger Johannes von Nepomuk

 

▲ Wer mit dem Schiff von Passau in Richtung Linz fährt, der muss vor Engelhardtszell durch die Schleuse Jochenstein. Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich verläuft hier in der Flussmitte. Wenn man die Schleuse talwärts verlässt, dann sieht man an Steuerbord einen Felsen in der Donau, den Jochenstein. Auf diesem Felsen inmitten in der Donau sehen wir eine kleine Marienkapelle mit einer Heiligenfigur daneben. Sie stellt den „Heiligen Johannes von Nepomuk“ dar, den Schutzheiligen der Schiffer gegen Wassergefahren.

 

Schon 1370 war Johannes Kanoniker an St. Ägidius in Prag, 1389 wurde er Generalvikar des Erzbischofs von Prag. 1390 wechselte er in die Pfarrei Saaz / Žatek und ins Kanonikat an Vyšehrad in Prag. Sein energisches Auftreten für die Rechte der Kirche gegenüber dem König und seine Predigten machten ihn beim Volk berühmt und dem König lästig, die Auseinandersetzungen mit Wenzel IV., dem König von Böhmen und Deutschland, nahmen zu.

Die Überlieferung berichtet, dass die Königin Johannes zu ihrem Beichtvater wählte. Wenzel wollte nun Johannes zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen, aber der weigerte sich, wurde deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen. Durch ein Wunder wurde der Tote geborgen: nach der einen Version trocknete die Moldau aus, so dass man seine Leiche fand. Nach einer anderen Version hatte die Königin eine Erscheinung von fünf Sternen - sie stehen für die fünf Buchstaben von "tacui", "ich habe geschwiegen" - die den Fundort offenbarten. So konnte Johannes beigesetzt werden. Eine Marmorplatte an der Karlsbrücke in Prag zeigt heute den angeblichen Fundort.

Historisch richtiger ist, dass Johannes in den Auseinandersetzungen zwischen König Wenzel und dem Prager Erzbischof Jenzenstein sein Schicksal erlitt. Der Erzbischof widerstand dem Plan des Königs, ein westböhmisches Bistum zu gründen und dafür das Vermögen des Klosters Kladrau / Kladruby zu verwenden, indem er einen neuen Abt für das Kloster ernannte, was Johannes als Generalvikar bestätigte. Darauf wurden der Erzbischof, Johannes und zwei weitere Beamte verhaftet. Der Erzbischof konnte fliehen, Johannes wurde gefoltert, vom König selbst mit Pechfackeln gebrannt, durch die Straßen geschleift und dann in der Moldau ertränkt.

Altäre

Je nach Tradition und deren Weiterentwicklung variieren Altäre in Form, Größe, Material und Funktion. Ihre Ausgestaltung reicht von schlicht bis prunkvoll. Oftmals stehen sie erhöht und an einem besonderen Platz bzw. in einem speziell dafür vorgesehenen Raum.

Die ältesten Altäre des Abendlandes waren auf dem Boden liegende oder eingelassene Platten aus Stein, sogenannte Plattenaltäre. Später entwickelten sich Bank-, Wand- und Tischaltäre sowie Altäre in Kastenform, anschließend kamen die Flügelaltäre der Gotik und die Sarkophagaltäre der Renaissance und des Barock hinzu.

 

Das nächste Bild zeigt einen noch relativ schlichten Altar, ein geschnitztes Triptychon, den Georgsaltar in der Stadtkirche Sternberg.

 
▲ Georgsaltar in der Stadtkirche Sternberg
 

▲ Der St. Georgsaltar in der Stadtkirche Sternberg (Mecklenburg-Vorpommern) aus der Zeit um 1500, ist ein geschnitztes Triptychon eines Meisters aus Mecklenburg. Der Altar zeigt den Heiligen Georg, wie er den Drachen tötet, aber auch zehn weitere Heilige. So wird Georg flankiert von einer Anna selbdritt-Gruppe und einer dritten Figur (vermutlich Elisabet). Im linken Altarflügel sind Jakobus der Ältere, Ursula, eine unbekannte Figur und Paulus dargestellt. Im rechten Altarflügel sind Katharina, Mauritius, Sebastian und Nikolaus zu sehen. Die Außenseiten zeigen die Verkündigung des Herrn durch den Erzengel Gabriel.

▲ Der geschnitzte Altar in der Dorkirche zu Wetter-Wengern aus dem Jahre 1714 ist dem Stil von Ambo und Taufstein angepasst. Die Darstellung im Zentrum zeigt Christus im Kreis seiner Jünger beim letzten Abendmahl. Die Apostel scharen sich in vier Dreiergruppen an einem runden Tisch um Jesus. Er segnet das Brot, neben dem Kelch steht zudem ein Teller mit dem Opferlamm, im Zentrum des Bildes. Rechts und links vom Altar liegen alte Grabsteine, die - vermutlich stammen sie vom alten Friedhof an der Kirche - als Bodenplatten eingefügt wurden. Sie sind keine Male echter Gräber; es befinden sich also keine Gebeine mehr in der Kirche. Allerdings ist überliefert, dass im Chor der Kirche üblicherweise die Pfarrer der Gemeinde beigesetzt wurden.

▲ Heiliger Pancrace, Heiliger Nicholas und Heilige Catherine im offenen Triptychon des Straßburger Münster.

▲ Saint Matthew, Saint Maurice, umgeben von Saint Roch und Saint Nicolas, Saint Florian im offenen Altarbild.

Kanzel-Altarwand in der Pankratius-Kirche in Hamburg-Neuenfelde

▲ Wer heute durch den Turm die Kirche betritt, ahnt durch die 1971 errichtete Trennwand aus Holz und Danziger Altglas die farbige Fülle der Kirche. Beim Eintritt in den Kirchenraum geht der Blick zu der großen, die ganze Ostwand einnehmenden Kanzel-Altarwand. Sie ist ein Werk des Hamburger Schnitzers Christian Precht (1635 - 1694/95). Der Neuenfelder Kanzelaltar entstand 1688. Das ist ungewöhnlich früh für den südlichen Unterelbebereich, wo Kanzelaltäre erst ab ca. 1730 üblich werden.

▲ Eine breite Altarwand, sowohl in der Horizontalen wie in der Vertikalen leicht vorgewölbt, am vorspringenden Mittelpunkt der Kanzelkorb. Umgeben von Christus mit der Weltkugel und den vier Evangelisten mit ihren Symbolen, steht dieser Ort der Predigt deutlich in der Mitte. Die alte Sanduhr auf der Kanzelbrüstung (in Richtung des Kirchenvorsteherstuhles) erinnert daran, dass die Predigt nicht zu kurz (eine Stunde war Satz für die Predigt) sein durfte. Die beiden schwungvollen Engel links und rechts mit Hammer und Glocke lassen ahnen, dass Christian Precht vorher im Schiffsbau auch Gallionsfiguren geschnitzt hatte. Zwei Engelskaryatiden tragen den schweren Schalldeckel, dessen Rand gesäumt wird von Putten mit den Marterwerkzeugen. Links und rechts des Kanzelkorbes hängen die Wappen des Grafen Otto Wilhelm von Königsmarck und seiner Gemahlin, der Prinzessin Charlotte de la Gardie. Die Wappen sind der Dank für beträchtliche Hilfen beim Bau, zu denen sich Otto Wilhelm als Besitzer eines Königshofes am Ort verpflichtet wusste, obwohl er persönlich nie Neuenfelde gesehen hat.

◄ Cathédrale Saint-Aubain, Namur, Belgien

Grablege des Bischof Joseph Deshesselle von Meister Charles Fraikin aus dem Jahr 1880

Charles Auguste Fraikin (* 14. Juni 1817 in Herentals; † 22. November 1893 in Schaerbeek) war ein belgischer, neoklassischer Bildhauer. Im Alter von zwölf Jahren nahm Fraikin Zeichenunterricht in der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen. Als er dreizehn war, starb sein Vater und er wählte deshalb eine praktische Ausbildung, indem er Apotheker wurde. Fraikin arbeitete in der Apotheke des Schwagers von François-Joseph Navez, der Maler und Direktor der Brüsseler Akademie war. Dieser entdeckte sein Talent und bestärkte ihn, sich wiederholt der Kunst zu widmen und seine Kenntnisse zu vertiefen. Bereits bei seiner ersten Ausstellung, gewann Fraikin 1839 eine goldene Medaille für sein Bildnis L’amour captif. Marmorkopien dieses Werkes wurden später im Königlichen Museum der Schönen Künste und in der Hermitage ausgestellt. Anlässlich einer nationalen Ausstellung, die 1845 in Brüssel stattfand, wurde Fraikin vom belgischen Königshaus gefördert, was ihm neue Aufträge brachte. Beispielsweise schuf er ein Bildnis König Leopolds. Neben seiner Tätigkeit als Bildhauer war er auch Konservator der Abteilung Skulpturen im Königlichen Museum der Schönen Künste und empfing mehrere Auszeichnungen, so wurde er u. a. Ritter der Ehrenlegion. Fraikin schuf viele klassizistische, später auch romantische Werke. Sein bekanntestes ist der Brunnen der Grafen von Egmont und von Horne in Brüssel.

Kanzeln

▲ Cathédrale Saint-Aubain, Namur, Belgien. Die hohe Kanzel auf der rechten Seite des Hauptschiffes wird von einem riesigen Schalldeckel überragt und zeigt filigrane Verzierungen.

Sakrale Kunst außerhalb von Kirchen

Sakrale Kunst im öffentlichen Raum

Salvator Apotheke auf der Panská Straße 35 in Bratislava mit seiner berühmten steinernen Statue „Christus der Erlöser“ von Alojz Riegele


Das Gebäude der ehemaligen Pharmacy Salvator steht am westlichen Rand der Altstadt von Bratislava. Das Haus wurde im Jahre 1904 im Baustil der Neorenaissance für den Apotheker Rudolf Adler erbaut. Die Apotheke selbst wurde im 17. Jahrhundert von Erzbischof Georg Lippay gegründet und wechselte mehrmals die Besitzer und Standorte, bevor sie 1996 geschlossen wurde. Leider gehört das Gebäude zu denen in der Altstadt, die noch nicht saniert wurden. Es hat schon deutlich bessere Tage gesehen (Stand 2019). Auffällig sind vor allem der dreieckige Erker, der sich über mehrere Etagen zieht und die Steinstatue des Erlösers Christi von dem Bildhauers Alojz Riegele (Bratislava 1879-1940), welche sich in der Fassade befindet. Alojz Rigele war ein slowakischer Bildhauer und Maler, der den größten Teil seines Lebens im heutigen Bratislava verbrachte, wo zahlreiche seiner Statuen bis heute erhalten sind. Rigele galt als einer der führenden Bildhauer der Slowakei vor dem Ersten Weltkrieg. Sein Spezialgebiet war die Bildhauerei, insbesondere das Porträt. Alojz Rigele wurde 1879 in Pressburg (heute Bratislava) geboren. Seine frühe Ausbildung erhielt er in der Modellierwerkstatt des Pressburger Dekorationsbildhauers Adolf Messmer. Seit 1899 stellte er seine Werke auf Ausstellungen in Bratislava aus. Von 1901 bis 1908 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Professor Jan Bitterlich und Professor Edmund von Hellmer. Als Gewinner des Epitaphs von Péter Pázmány im Jahr 1907 erhielt Rigele eine zweijährige Studienmöglichkeit in Rom, wo er von 1908 bis 1910 lebte. Im Jahr 1911 ließ sich Rigele in Bratislava nieder. Zahlreiche Statuen stehen im öffentlichen Raum, vor allem in Bratislava, aber auch in über 50 Dörfern und Städten in der Slowakei, Österreich und Ungarn. Viele von Rigeles Statuen und Gemälden werden in der Städtischen Galerie Bratislava, der Slowakischen Nationalgalerie und dem Stadtmuseum Bratislava aufbewahrt. Obwohl ihm Professuren an den Universitäten in Budapest und Prag angeboten wurden, blieb Alois Rigele bis zum Tod seiner Heimatstadt treu. Er starb im Jahr 1940 im Alter von 61 Jahren und ist auf dem Andreas-Friedhof (Ondrejský cintorín) begraben.

Dreifaltigkeitssäule (Morový stĺp) in Bratislava

Die barocke Pestsäule steht im südlichen Teil der Altstadt zwischen der Neuen Brücke und dem alten Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters auf dem Fischplatz am Rande des Hviezdoslavovo Namestie in unmittelbarer Nähe zu dem Denkmal für Hans Christian Andersen. Das aufwändige Werk wurde im Jahre 1713 von dem Bildhauer Jozef Sartory aus Stein gestaltet. Erinnert wird an das Ende der Pest, die Bratislava in den Jahren zuvor heimsuchte und die Stadt entvölkerte. Es zeigt die Heilige Dreifaltigkeit - Gott der Vater und Jesus, unter den goldenen Strahlen des Heiligen Geistes in Form einer Taube. Auf dem Sockel stehen die Figuren der Heiligen Andrew, Roch und Charles Borromeo sowie Saint Rosalia, der Schutzpatronin der Kranken. Auf beiden Seiten der Säule befinden sich die Figuren der Muttergottes und des ersten ungarischen Königs, des heiligen Stephanus, der ihr die ungarische Krone anbietet.

Sakrale Kunst auf Friedhöfen

Nicht nur in Kirchen finden sich bedeutende Zeugnisse sakraler Kunst. Auch im öffentlichen Raum hat sich der christliche Glaube an vielerlei Orten niedergeschlagen, oftmals in Form von Wegekreuzen oder skulpturalen Heiligendarstellungen. Viele der Kunstwerke verweisen neben dem übergeordneten religiösen Bezug auch auf lokale historische Besonderheiten und Traditionen. Letztere sollen in einem anderen Rahmen betrachtet werden.

 

Grabsteine, Stelen, Figuren (Menschen, Engel) Mausoleen (eine Mischform von Gebäude und Denkmal) und Denkmäler auf Friedhöfen fristen seltsamerweise ein Schattendasein. Aber gerade hier findet man wunderschöne, poetische Motive der Friedhofskunst. Die Fotos entstanden auf diversen Friedhöfen. Ich empfand sie immer schon als Orte der Ruhe und des Friedens, die eine beruhigende, fast schon meditative Wirkung ausüben. Grabmale sind Kunstwerke. Der Friedhof hat sich vom Asyl und Mittelpunkt des gesellschaftlichen und geschäftlichen Lebens in ein Museum gewandelt, in einen Ruhepol, einen heiligen Hain oft umtost von alltäglicher Geschäftigkeit. Dort, inmitten der Bäume und Figuren pflegt man der Muße, um von der Nähe und Vergegenständlichung des Nachdenkens über den Tod inspiriert zu werden. Insofern ist Friedhofskunst spirituelle und philosophische Ästhetik. Grabmale sind Monumente des Todes aber auch Mementos für die Lebenden (s. Untermenüs ► Friedhöfe).

Engel - Mittler zwischen Himmel und Erde

Zu erkennen sind Engel vor allem an dem Flügelpaar, das sie auf dem Rücken tragen. Früher war eher der Heiligenschein das ausschlaggebende Merkmal. Engel, bekannt aus der Bibel, denkt man beispielsweise an die Engel in der Weihnachtsgeschichte, die Maria ihre Schwangerschaft und der Welt Jesu Geburt verkünden. "Fürchtet Euch nicht" - Mit dieser Botschaft kündigen die Engel die Geburt Christi in unserer Welt an. Aber auch andere Religionen kennen engelähnliche Wesen. Während sich viele Theologen meist eher mit den vier biblischen Erzengeln Michael, Gabriel, Raphael und Uriel auseinandergesetzt haben, gehört das Vertrauen in den persönlichen Schutzengel eher zur Volkstümlichkeit und zum Alltag der Gläubigen. Manchmal findet sich auch die Vorstellung, dass geliebte Menschen nach ihrem Tod zu Engeln werden und über uns wachen. Das erinnert an die häufig in naturnahen Religionen zu findende Vorstellung, dass unsere Vorfahren nach ihrem Tod zu Kräften werden, die uns im Leben leiten und behüten.

 
 
Blumenfriedhof Bochum
Blumenfriedhof Bochum
Blumenfriedhof Bochum
Hauptfriedhof Iserlohn
Hauptfriedhof Iserlohn

Kreuze

Kreuzigungsgruppe auf hohem Sockel: Christus und die beiden Schacher.

▲ St. Johannes der Täufer oder kurz Johanniskirche (Billerbeck)

 

 
Kreuz in der St. Franziskus-Kirche Witten
Katholische St. Liborius Kirche in Wetter-Wengern
 
 
Ev. Kirche Wetter-Wengern
 

▲ lm romanischen Triumphkruzifix erkennen wir Jesus nicht als den schwachen, leidenden Menschen, sondern als den mächtigen, über den Tod triumphierenden Gottessohn. Deswegen trägt er keine Dornen-, sondern eine Königskrone auf dem Haupt; er begegnet dem Tod und dem Schmerz in vollem Bewusstsein. Zudem ist ein typisches Moment die Darstellung der Kreuzigung mit vier Nägeln, an beiden Händen und Füßen. Der Schmerzensmann und leidende Gottessohn, mit übereinander geschlagenen Füßen (Dreinageltypus), ausgemergeltem Körper und leidender Miene als Motiv kam erst mit der Gotik auf. Umso seltsamer erscheint die Diskrepanz zwischen Stil und Entstehungszeit.

 
Ev. Kirche Bommern
 
Hauptfriedhof Iserlohn, Friedhofskapelle
 
 

St. Michaelis in Hamburg: Gekrönt wird die bildliche Darstellung von einer symbolischen der Heiligen Dreieinigkeit: Gott Vater im Bild des Wolkenkranzes, der an die Wolken- und Feuersäule auf der Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnert; Gott Sohn als Strahlenkranz der Sonne der Gerechtigkeit (Maleachi 3, 20); Gott Heiliger Geist im Bild der Taube. Die Engel, die das Symbol der Dreieinigkeit rahmen, drücken in ihrer Haltung die Trauer des Himmels aus angesichts des Todes Jesu. Kein Zorn Gottes, sondern Trauer über das grausame Ende des eigenen Sohnes und Trauer über die verlorene Menschheit deuten uns die Engel an. Dem gekreuzigten Christus auf dem Altar sind zwei plastisch ausgearbeitete Putten zugeordnet, von denen die linke eine Krone und die rechte Putte einen Palmzweig hält. 

 

 

Monumente

 
Hauptfriedhof Iserlohn
Blumenfriedhof Bochum
Hauptfriedhof Iserlohn
 
▲ Charon
Die Gestalt des Fährmanns besaß in vielen Kulturen eine mythologische Bedeutung und wurde oft mit dem Übergang vom Leben in den Tod assoziiert. Schon im altbabylonischen Gilgamesch-Epos taucht ein namentlich nicht bekannter Fährmann auf, der den Helden über das Meer des Todes zu einer Insel übersetzt, auf der sein Urahn Utnapischtim lebt. Auch in der griechischen Mythologie spielt der Fährmann Charon eine Rolle, der die Verstorbenen über den Totenstrom Acheron in die Unterwelt (den Hades) bringt. Als Bezahlung für die Überfahrt wurde den Toten in Griechenland eine Münze unter die Zunge gelegt. Eins der größten und schönsten Grabdenkmale mit Charon-Motiv findet man auf dem Iserlohner Hauptfriedhof.
 
 
 
Der trauernde Hirte wacht über die Toten. Waldfriedhof Dortmund-Großholthausen
 
 
 
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
Friedhof Wiemelhausen, Bochum
 
Hauptfriedhof Iserlohn
 
 

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