Sonderausstellung im LWL-Museum Henrichshütte
Das Museum der ehemaligen Henrichshütte in Hattingen nutzt solche Objekte in seinen Sonder- und Dauerausstellungen (wie in der Gebläsehalle oder im Keller), um die Lebenswelt der Hüttenleute darzustellen. Oft finden sich diese Flaschen in Vitrinen, die den Inhalt von Brotdosen oder Spinden der Arbeiter zeigen.
Die Spur führt direkt nach Steinhagen in Westfalen. Hersteller von „Gar Nichts“, die C.W. Tasche AG, war eine der bedeutenden Brennereien in Steinhagen, dem Geburtsort des weltbekannten Wacholderschnapses (Steinhäger).
Die Firma Steinhägerbrennerei C.W. Tasche AG war in Steinhagen ansässig und betrieb dort eine eigene Kornbrennerei. Pläne der Brennereianlage aus den 1930er Jahren sind heute noch in Archiven (wie dem Landesarchiv NRW) dokumentiert. Während Steinhagen vor allem für Wacholderschnaps in der typischen braunen Tonkrug-Flasche (Kruke) bekannt ist, produzierte Tasche eben auch den Weizentrunk „Gar Nichts“ mit 32Vol%. Steinhagen war einst das Zentrum der deutschen Wacholderbrennerei mit bis zu 20 verschiedenen Betrieben. C.W. Tasche war Teil dieser industriellen Blütezeit. Dass die Flasche im Museum Henrichshütte ausgestellt ist, liegt an der engen Verbindung zwischen der westfälischen Schwerindustrie und den regionalen Spirituosenherstellern – der „Kurze“ gehörte für viele Arbeiter zum Alltag.
Carl Wilhelm Tasche, der jüngste Sohn des aus Sonneborn in Lippe stammenden Tiermediziners Conrad Clemens Tasche gründete 1880 die Steinhäger-Brennerei C.W. Tasche. Er verstarb jedoch bereits 1891 unverheiratet mit 31 Jahren. Aus Mangel an einem Nachfolger übernahm sein älterer Bruder, der 1844 geborene Heinrich Wilhelm Tasche die Brennerei und dieser übergab sie 1894 an seinen Sohn Otto Tasche. 1922 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, ging jedoch wegen der Inflation kurz danach in die Liquidation* und Tasche verlor dadurch die Brennerei. Übernommen wurde die Firma 1925 von Karl-Niederstadt-Tasche und firmierte fortan unter dem Namen C.W. Tasche AG. Auf dem Weg bis zu ihrer Aufgabe und Abriss im Jahr 1985 arbeitete die Firma ab 1969 mit der Hamburger Coop zusammen, 1977 kaufte die Erftstädter May-Werke die Tasche-Brennerei, bevor 1985 die Brennerei erneut zurück in Steinhagener Besitz der ein Jahr zuvor fusionierten Brennereien König und Schlichte fiel. Nach dem Abriss der Gebäude entstand auf dem Gelände an der Bahnhofstraße ein modernes Geschäftszentrum. Als Besonderheit am Rande sei erwähnt, dass C.W. Tasche neben seiner Brennerei in Steinhagen um 1900 eine lithografische Druckerei betrieb, in der Briefbögen, Ansichtskarten und Landkarten gedruckt wurden.
*Nach der Liquidation der C.W. Tasche AG mit Sitz an der Bahnhofstraße im Ortskern gründete Otto Tasche zusammen mit dem Aachener Matthieu Crumbach eine neue Firma mit dem Namen Otto Tasche Steinhagen, die Steinhäger mit der Marke Familie Tasche herstellen wollte, in einem Haus ebenfalls an der Bahnhofstraße in der Nähe des Bahnhofs, welches von Crumbach erworben wurde. Die eigentliche Brennerei war in dem Anbau hinter dem Wohnhaus untergebracht und weiterhin nach dem Verkauf des Hauses 1929 an Tasche vermietet. Erst 1939 war das Ende dieser kleinen Hausbrennerei gekommen, in der von 1923 bis 1939 Steinhäger gebrannt wurde, als der Mietvertrag von dem neuen Besitzer Fritz Jückemöller gekündigt wurde.
