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LWL Freilichtmuseum Detmold / (LWL = Landschaftsverband Westfalen-Lippe)

 

„Mit unseren volkskundlichen Sammlungen [...]

und Publikationen dokumentieren wir die ganze Vielfalt von

Kultur und Alltagsleben der Menschen in Westfalen

vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart.“

 

(Zitat aus dem Leitbild des Museums, 2008) 

Das LWL-Freilichtmuseum Detmold, bis 2006 Westfälisches Freilicht-Museum Detmold) befindet sich in der lippischen Stadt Detmold in Nordrhein-Westfalen. Träger des Museums

ist der Landschafts-Verband Westfalen-Lippe (LWL). Das 1971 eröffnete Freilicht-Museum trägt den Untertitel Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde und ist eines der bedeutendsten seiner Art in Europa und mit 90 Hektar Fläche und mehr als 100 historischen Gebäuden nach eigenen Angaben das größte Deutschlands.

Sitz der Verwaltung des Freilicht-Museums

Das Krumme Haus ist ein denkmalgeschütztes Profangebäude am Eingang des Museums. Der schmale eingeschossige Putzbau steht auf einem segmentbogigen Grundriss unter einem hohen, erneuerten Mansardwalmdach. Die Fassaden wurden letztmals im 19. Jahrhundert verändert. 2000/01 wurde die Anlage grundlegend renoviert und um den rückwärtigen Anbau erweitert.

 

Das Krumme Haus diente in den 1930er Jahren als Ausflugs- und Tanzlokal für Detmolder Bürger. Nach Einrichtung des Freilicht -Museums Detmold beherbergt es die Verwaltung dieser Institution.

Das LWL-Freilichtmuseum Detmold (bis 2006 Westfälisches Freilichtmuseum Detmold) befindet sich in der lippischen Stadt Detmold in Nordrhein-Westfalen. Träger des Museums ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Das 1971 eröffnete Freilichtmuseum trägt den Untertitel Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde und ist eines der bedeutendsten seiner Art in Europa und mit 90 Hektar Fläche und mehr als 100 historischen Gebäuden nach eigenen Angaben das größte Deutschlands. Als Besonderheit hat das Museum seit 1985 einen Schwerpunkt im Bereich der Landschaftsökologie und zeigt den Wandel der historischen Kulturlandschaft sowie alte Tierrassen und Pflanzenarten. Vor dem Verschwinden konnten damit bereits alte westfälische Haustierrassen wie die Lippegans und das Bentheimer Landschaf bewahrt werden; seit 2001 werden im Museum auch Senner Pferde gezüchtet.

 

Am 22. Juli 1960 beschloss der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Gründung eines „Westfälischen Freilichtmuseums Bäuerlicher Kulturdenkmale“ in Detmold zur Darstellung des Wandels des bäuerlichen Lebens in den Jahren 1550 bis 1800. Sechs Jahre später, im Mai 1966, begannen die Bauarbeiten, und am 7. Juli 1971 wurde das Museum eröffnet. Es umfasste damals folgende Gebäude: Osnabrücker Wiehengebirgshof (acht Gebäude, dargestellte Zeit: um 1800), Mindener Hof (sechs Gebäude, 1800), Doppelheuerhaus (1800–1830), Tecklenburger Kötterhaus (1800–1860), Münsterländer Gräftenhof (acht Gebäude, um 1800).

 

Als erste Ergänzung des Gebäudebestands wurde 1973 der „Lippische Meierhof“ mit sechs Gebäuden fertiggestellt.

  • 1974 bekam das Museum den Titel „Landesmuseum für Volkskunde“, und im Entwicklungsplan für 1975 wurde die Grenze der Darstellung des Bäuerlichen Lebens im Museum von 1550 bis 1800 auf 1550 bis 1900 geändert.
  • 1976 wurde der „Westmünsterländer Hof“ mit neun Gebäuden aus der Zeit 1790 bis 1860 fertiggestellt. Das „Paderborner Dorf“ der Zeit um 1900 wurde am 13. Juli 1981 mit zehn der geplanten siebzig Gebäude eingeweiht.
  • Zwei Jahre später wurde der Westhellweghof aus Dortmund-Brackel (1793) eingeweiht.
  • Am 12. Juni 1991 erfolgte die Ganzteiltranslozierung des Tagelöhnerhauses aus Rösebeck nach Detmold.
  • 1992 wurde der Sammlungsauftrag des Museums bis in die Gegenwart erweitert. Das „Sauerländer Dorf“ (1918–1930) wurde 1997 eingeweiht. 2007 wurde das „Haus Uhlmann“ aus Ovenhausen und 2010 das „Haus Schwenger“ aus Rheda mit dem historischen „Fotoatelier Kuper“ von 1891 aus Rietberg eröffnet.
  • 1998: Das Haupthaus des Osnabrücker Hofes wird als „Haus zum Anfassen“ hergerichtet.
  • 2001: Das „Krumme Haus“, das Verwaltungsgebäude des Freilichtmuseums, wird renoviert und durch einen Neubau erweitert.
  • 2013: Jetzt werden auch die 1960er Jahre im Freilichtmuseum präsentiert, denn seitdem ist eine Tankstelle aus Siegen-Niederschelden im „Siegerländer Weiler“ zu sehen.
  • 2019 wurde der Schultenhof renoviert und die Farbgestaltung der Innenräume den Gegebenheiten vergangener Zeiten angepasst.
  • 2021: Das „Haus Stöcker“, ursprünglich aus dem Jahr 1797 aus Burgholdinghausen (Kreis Siegen) stammend, wird im Bereich des Siegerländer Weilers wieder aufgebaut.
Mit dem Pferdewagen durch die Dörfer des LWL
Museumskutscher "Kalle" mit seinen Kaltblütern. Nach vierzig Jahren geht das Urgestein 2022 in Rente. Vor 40 Jahren begannen im Freilichtmuseum die ersten Kutschfahrten mit „Fritz“ und „Costa“ und einem umgebauten Milchwagen. Besucher lieben die Pferdekutsche – die soll auch künftig fahren.
 

Wer das große Areal nicht zu Fuß erkunden möchte, für den besteht auch die Möglichkeit die Sehenswürdigkeiten mit dem Planwagen, der von 2 westfälischen Pferden gezogen wird, zu erkunden. Im Paderborner Dorf ist der Haltepunkt für den Planwagen. Er befindet sich am Dorfteich am Brunnen. 

Das Westfälische Freilichtmuseum Detmold engagiert sich für die Erhaltung der extrem gefährdeten Senner Pferde

Das Senner Pferd gilt als eine der ältesten bekannten Pferderassen Deutschlands. Wilde Pferde im Heidegebiet der Senne wurden 1160 erstmals urkundlich erwähnt. Senner galten im Mittelalter als eine begehrte Kulturrasse. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurden arabische Vollblüter eingekreuzt, Ende des 18. Jahrhunderts englische Vollblüter und Anglo-Araber, die bis heute den Typ der Senner Rasse mitbestimmen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Tiere ganzjährig in der Wildbahn gehalten, danach verzichtete man im Winter auf die Haltung im Freien. Seit 1999 werden einige Senner Wallache und Stuten für die Beweidung von Grasflächen des Naturschutzgebiets Moosheide in der Senne genutzt. Dieses Projekt soll dem Erhalt der Landschaftsform dienen. Von den weltweit 58 Senner Pferden, der ältesten Pferderasse Deutschlands, sind zwölf in Detmold geboren worden, so der WESTFALENSPIEGEL im Juli 2021.

Kappenwindmühle

Kappenwindmühle, Tonnenheide (Rahden, Kreis Minden-Lübbecke) Mühle Schaaf/Döpke, 1789 erbaut, 1842 erneuert

Auch die Holländerwindmühle, regional auch Kappenwindmühle genannt, kann man fast komplett begehen. Sie wurde 1789 erbaut und steht hier im Zustand ca. Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Holländerwindmühle ist die modernste Entwicklung der klassischen Windmühle. Dieser Windmühlentyp verdrängte im 16. Jahrhundert vor allem in den Niederlanden und in Norddeutschland die vorher gebauten Bockwindmühlen. Während Holländerwindmühlen im Rest von Europa vorwiegend als Getreidemühlen eingesetzt wurden, dienten sie in den Niederlanden vor allem als Windpumpen zur Entwässerung der Polder. Bei ihr musste nur die Kappe mit den Flügeln in den Wind gedreht werden. Der Unterbau der Mühle konnte so in mehrere Geschosse unterteilt werden, in denen statt nur einer gleich mehrere Mahlgänge erledigt werden konnten.

Das Armenhaus aus Rinkerode (Kreis Warendorf, eröffnet 2005).

Armenhaus

Ziegelrot leuchtet dem Besucher das Fachwerk des Armenhauses entgegen. Das Armenhaus stammt aus Rinkerode und wurde um 1824/25 erbaut.

Mit dem Armenhaus aus Rinkerode wird im Freilichtmuseum das Thema „Armut“ thematisiert. Wer sich nicht mehr selbst ernähren konnte und nicht von Verwandten unterstützt wurde, galt als arm. Einige dieser Menschen konnten auf die Mildtätigkeit des wohlhabenden Landadels hoffen. Nach dem Gebot der Nächstenliebe wurden u.a. Stiftungen zur Versorgung von Armen gegründet. Auch die Errichtung von Armenhäusern zur Beherbergung bedürftiger Personen gehörte zum Zweck solcher Stiftungen. Armenhäuser waren in Westfalen bis ins 19. Jahrhundert weit verbreitet. Auch das Armenhaus im Detmolder Freilichtmuseum gehört zu diesem Bautypus. Dieses Gebäude war 1825 errichtet worden und bot Platz für vier alte Frauen. Jede arme Frau, die Aufnahme gefunden hatte, bewohnte eine eigene Kammer. Sie waren angehalten sich gegenseitig zu helfen, diese Hilfe fand in der Gebrechlichkeit der Mitbewohnerinnen ihre Grenzen. Laut Stiftungsurkunde von 1628 waren die Bewohnerinnen verpflichtet, für den Stifter und seine Familie zu beten. Diese Hintergründe werden anhand von modern gestalteten Installationen im Gebäude für die Besucher verdeutlicht. 

Im Inneren herrscht Kargheit vor. Die Einrichtung wurde entfernt, aber die einzelnen Räume erzählen in verschiedenen Installationen über das Leben ihrer Bewohnerinnen. Hier lebten nur Frauen, vier an der Zahl. Ihnen stand eine eigene kleine Kammer zu. Küche und Stube wurden gemeinsam benutzt. Die Frauen wirtschafteten aber für sich allein, jede hatte z.B. ihr eigenes Beet im Garten und kochten auch für sich. Aufnahme fanden Witwen und ledige Frauen aus Rinkerode, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr allein verdienen konnten. Der Rinkeroder Pfarrer entschied über die Aufnahme. Oftmals folgte der Mutter die Tochter ins Haus, wenn diese gestorben war. Und so setzte sich offensichtlich das Leben in Armut von der Mutter zu den Töchtern fort.

Die ehemalige Fasanerie

Ehemalige Fasanerie, erbaut um 1836 nach Plänen des Landbaumeisters Ferdinand Wilhelm Brune, später umgebaut als Stall für Senner Pferde

Die ehemalige Fasanerie im früheren fürstlichen Tiergarten ist ein „in situ“-Gebäude – es befindet sich noch am Originalbauort im heutigen Museumsgelände.

Viele in der westfälischen Region gezüchtete Haustierformen stehen heute kurz vor dem Verschwinden: Westfälische Krüper und Totleger (Hühnerrassen), Westfälisches Schwarzkopfschaf, Rotes Höhenvieh und Weiße Edelziege können hier bewundert werden. Auch das Altdeutsche Niederungsrind sowie die Bentheimer Landschafe und Bunte Bentheimer Schweine werden gezeigt. Das Gelände hat aber noch mehr zoologische Bezüge aufzuweisen: Es war einst ein jagdlich genutzter ´Thiergarten´ der Fürsten zu Lippe, angelegt 1819 für Hirsche und Wildschweine. Teile der alten Umfassungsmauer sind noch erhalten. Auch die 1837 erbaute Fasanerie steht noch, hier wurden einst Fasane für die Jagd gezüchtet. Ab 1849 war es eine Außenstelle des Sennepferd-Gestüts Lopshorn - eine Ausstellung informiert darüber. Deswegen werden im Freilichtmuseum auch heute noch die fast ausgestorbenen Sennerpferde in einigen Exemplaren gehalten. Die Rasse wurde schon 1160 erstmals erwähnt und lebte halbwild in der nahen Sennelandschaft.

Paderborner Dorf um 1900

Die größte Baugruppe ist das Paderborner Dorf. Um das Zentrum mit der Kirche auf dem ehemaligen Wehrfriedhof und dem Dorfanger mit dem Dorfteich gruppieren sich die Höfe, Häuser und Nebengebäuden zum Teil Giebel an Giebel. Es folgt der Gartenring und anschließend die offene Landschaft mit Getreidefeldern. Das Paderborner Dorf wurde nach dem Vorbild eines Dorfes aus dem Weserraum angelegt. Zum Hof gehören ein Fachwerkspeicher von 1561 und ein Obst-Dörrofen des 19. Jahrhundert, die zugehörige Scheune stammt aus dem 17. Jahrhundert. Am Dorfrand steht die Bockwindmühle. Die Mühle hat nur einen Mahlgang und ist etwas kleiner als die Kappenwindmühle.

Das Paderborner Dorf soll einmal 70 Gebäude umfassen und die Lebenswelt eines ostwestfälischen Dorfes der Zeit um 1900 vorstellen. Derzeit gehören folgende Bauten zum Dorf: Pastorat (Kirche, Kirchhof, Pastorat um 1737 erbaut). Valepagenhof (1577 erbaut, Vierständerbau mit Stallscheune, Speicher und Garten). Dörrofen (erbaut im 19. Jh.). Leibzucht/Mietshaus (erbaut 1732). Hof Wilhelm Zedies (erbaut 1731 Bauernhof mit Haupthaus, Scheune). Brunnen (erbaut im 12. Jh.). Schmiede Pöllmann (erbaut 1777). Heiligenhäuschen (erbaut 1679). Hof Moven (erbaut 1651, Wohnstallhaus). Bauernhof mit Lohnbäckerei (Haupthaus mit Kuhstall und Lohnbäckerei). Schönhof (erbaut 1720, herrschaftlicher Wohnsitz mit Haupthaus, Schuppen und Gartenhaus). Haus Stahl (erbaut 1730, Kaufhändlerhaus). Brigittenhäuschen (erbaut 1602, kleiner Fachwerkbau). Tagelöhnerhaus Borgenteich (erbaut 1826). Bäckerei (erbaut 1622, Haupthaus mit Bäckerei und Brunnen). Bauernhof Ludovici (erbaut 1601-1614, Haupthaus mit Schweinehaus). Wohn- und Geschäftshaus Uhlmann (erbaut 1810). Handwerkerhaus Meise (erbaut 1789). Tagelöhnerhaus Peiters Haus (erbaut 1833). Handwerkerhaus Schmidt (erbaut 1450). Haus Düsterdieck (erbaut 1677). Spritzenhaus (erbaut 1839). Heiligenhäuschen (erbaut 1881). Kapelle (erbaut 1775).

Valpagen-Hof

Haupthaus Valepagenhof

Der größte Bauernhof im Paderborner Dorf ist der Valpagen-Hof. Der Valepagenhof gilt als bedeutendster Bauernhof im Delbrücker Land und ist wegen seiner reichgeschnitzten Renaissance-Fassade berühmt. Das Vierständerhaupthaus des Valepagenhofes wurde 1577 errichtet, wie die Inschrift am Deelentor besagt: 

 

"Dis Haus steit in Gots hant. Joist Valpage ist er gnant Der hats lassen bawen Und auf Got gesetz sein vertrawe
Anno Domini 1577"
 

 

Im Museum gibt es heute innen und außen den Zustand der letzten Jahrhundertwende, also der Pachthofzeit, wieder. Die Giebelfront von 1577 hat sich nahezu unverändert erhalten. Wegen der Schnitzereien im Stil der Weserrenaissance gilt die Schaufassade als einer der schönsten Bauernhofgiebel Niederdeutschlands. Die Brüstungsgefache der Giebelgeschosse sind mit Bohlen verschlossen, um zusätzlich Platz für Schnitzereien zu gewinnen. Friese von Fächerrosetten überziehen Ständer und Füllbohlen. In den verbleibenden Zwickeln befinden sich ornamentale Schnitzereien, etwa Drachen sowie die Darstellung des "Auferstehenden Christus". Eine der Brüstungstafeln durchbricht die Gleichförmigkeit der Rosetten, hier ist zu sehen, wie eine Meute Hunde hinter einem Hasen herjagt. Auch die Schwellen sind mit Fabelwesen, Ornamenten und biblischen Szenen (z. B. Hirsch am Brunnen als Symbol für die Taufe) sowie mit einem männlichen und einem weiblichen Brustbild (wohl die Bauherren) versehen. Die Buchstabenfolge darunter AISD.HB.D.B.ASG.HMS. ist noch ungedeutet. Die Torinschrift wird von zwei Wappen flankiert, die auf die adlige Herkunft der Familie Valepage (links) bzw. Varendorff hinweisen. Ein Blick auf die rechte Seitenfront des Hauses macht deutlich, dass es zweimal grundlegend umgebaut wurde: Zu Beginn des 19. Jh. wurde die hintere Hälfte der rechten Stallseite erneuert, um 1880 ist das gesamte Kammerfach und das Flett abgebrochen und durch einen zweigeschossigen Wohnteil aus dünnen Hölzern und Ziegelgefachen ersetzt worden.

 
 

Der dreischiffige Stallteil hatte ursprünglich keine trennenden Wände zwischen der Deele und den Seitenschiffen. Erst im 19 Jh. wurde das Ständerwerk der Pferdeställe auf der linken Seite verschlossen und aus dem Seitenschiff eine Mägdekammer im Erdgeschoss sowie eine Knechtekammer darüber ausgesondert. Von den Kuhställen im rechten Seitenschiff wurden am Ende der Deele nachträglich eine Milchkammer sowie ein Wohnraum abgetrennt. Durch das linke Seitenschiff reicht im Boden die Welle des Göpels auf die Deele. Eine zweigeteilte Tür führt in den zweigeschossigen Wohnteil des späten 19. Jh. Ein Querflur – Erinnerung an ein Flett – erschließt in beiden Geschossen die einzelnen Räume. Der Flur im Erdgeschoss ist mit Mettlacher Fußbodenfliesen ausgelegt, die zwischen 1880 und 1885 produziert wurden; die Wände zeigen farbige Schablonenmalereien im Stile des späten 19. Jh. Bei den drei Räumen im Erdgeschoss handelt es sich rechts um die alltägliche Stube mit einem Warsteiner Ofen, in der Mitte um die Küche mit Kochmaschine und eingemauertem Viehkessel und links um die gute Stube ("kalte Pracht") mit Möbeln des Historismus. Im Obergeschoss befinden sich eine Kinderschlafkammer, eine Räucherkammer (zugleich Vorratsraum) und die Elternschlafkammer.

Das Paderborner Dorf besteht derzeit aus 40 Gebäuden, wird aber immer wieder erweitert. Die Alltags- und Lebenswelt eines großen Dorfes kann erkundet werden. Das Dorf zeichnet sich durch die dichte Bebauung um den Kirchhof und dem Dorfteich aus. Diese Art von Dorf, die als Haufendorf bezeichnet wird, gibt es seit dem Mittelalter. Umgeben wurde es von großen Ackerfluren und einem Ring aus Garten und Obstwiesen. Die Fachwerkhäuser, aus dem das Dorf besteht, wurden oft im Stil der Weserrenaissance erbaut. Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurden meist beschnitzt, während Häuser aus dem 18. Jahrhundert eine mehrstöckige Fachwerkfassade mit Inschriften auszeichnet. Die Dächer wurden häufig mit Sollingsandsteinplatten ausgestattet. Es gibt Utluchten, also Erker, die für den Handel auf die Straße hinausgehen. Dies spiegelt die durchmischte Sozialstruktur der Bevölkerung wieder. Nur 10% waren im Haupterwerb Landwirte, denn die Landwirtschaft wurde oft nur im Nebenerwerb ausgeführt. Handwerker und Kaufleute dominierten.

Speicher Hof Wilper

Speicher. Herkunft Winkhausen (Salzkotten, Kreis Paderborn) Hof Wilper. Erbaut 1561. Die aufwändigen Renaissance-Schnitzereien am Giebel (Fächerrosetten) unterstreichen die Wertschätzung des Speichers als Lagerort für das gedroschene Brot- und Saatgetreide.

 
Paderborner Dorf, Speicher, Winkhausen (Salzkotten, Kreis Paderborn) Hof Wilper, 1561 erbaut
 

Im Paderborner Land haben sich noch einige wenige Speicher des 16. Jh. mit Rosettenschnitzereien erhalten. Am Speicher des Hofes Wilper (erbaut 1561) aber wurden ungewöhnlicherweise nicht rechteckige Brüstungsplatten, sondern der Form der Fächerrosette angepasste Platten zwischen die Ständer eingelassen. Einzigartig für den westfälischen Raum ist vor allem das kleine Gespärre der oberen Giebelvorkragung, das über die Kragschwelle vorschießt und freihängend in Kugeln endet. Wie der Fluchtspeicher des Gräftenhofes besitzt auch der Speicher Wilper eine Außentreppe in das Obergeschoss, ein Zeichen sehr alter Bautradition. Hier ist die Treppe durch ein Schleppdach vor Regen geschützt. Die Tür des Obergeschosses entstammt noch der Bauzeit. Im Innern des Bauwerks gibt es keine unterteilenden Wände, im unteren Geschoss stützt lediglich eine achteckige Mittelsäule das Gerüst. Der Speicher wurde 1973 in Salzkotten abgebaut und 1975 im LWL-Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.

Haus der Familie Uhlmann

Wohn- und Geschäftshaus (Haus Uhlmann). Herkunft Ovenhausen (Höxter, Kreis Höxter). Erbaut 1803-1805. Das Fachwerkhaus mit kleinem Laden wurde von dem jüdischen Händler Bernd Soistmann erbaut, der 1808 den Namen Steilmann annahm. Nach dem Konkurs der Familie Steilmann erwarb 1885 der Kaufmann Levy Uhlmann das Haus. Der Vater des Erbauers, Soistmann Berend, wurde 1783 erschlagen. Dieser historische Kriminalfall inspirierte die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zu ihrer bekannten Novelle "Die Judenbuche".

Haus der jüdischen Familie Uhlmann

Seit dem 12. September 2007 ist das Haus der jüdischen Familie Uhlmann aus Ovenhausen im Freilichtmuseum Detmold auch für Besucher zugänglich. 

 

Das Fachwerkhaus bietet eine Klammer zu 200 Jahren jüdischer Geschichte in Westfalen. Das Ovenhausener Haus war von seiner Erbauung 1805 bis zur Deportation von Familie Uhlmann 1941 ununterbrochen in jüdischem Besitz. Es ist damit eines der letzten nahezu unverändert erhaltenen jüdischen Wohnhäuser in Westfalen - und das einzige, das in einem deutschen Freilichtmuseum zu sehen ist. Ein großer Tieflader brachte das Gebäude einschließlich Keller in mehreren großen Teilen von Ovenhausen nach Detmold. Heute erinnern nur noch wenige ehemalige Synagogen oder Friedhöfe an die religiöse Kultur der ländlichen Juden, während ihre Wohn- und Alltagskultur allmählich in Vergessenheit zu geraten droht. Mit dem Haus Uhlmann hat dieser ländliche Bevölkerungsteil wieder seinen Platz in der westfälischen Kultur.

Die letzten Bewohner Lene, Norbert und Tochter Ilse Uhlmann wurden 1941 in das Rigaer Ghetto deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Das Haus ist von innen hauptsächlich dem jüdischen Leben in Westfalen gewidmet. Ein Raum enthält eine kleine Klagemauer, in der man seine aufgeschriebenen Gedanken hinterlassen kann. 

In den Bürgerhäusern, überwiegend im 18. Jahrhundert erbaut, Zustand hier um 1900 spiegelt sich – wenn auch in unterschiedlichem Maße - aufstrebender Wohlstand wider, während die Taglöhner-Häuser vom Leben ihrer Bewohner an der Armutsgrenze Zeugnis ablegen.

 

Ackerbürgerhaus Düsterdieck - Kumlehn, Vierständerhaus von 1677 aus Holzminden

Ackerbürgerhaus (Haus Düsterdieck). Herkunft Holzminden (Landkreis Holzminden). Erbaut 1677. Das große Dielenhaus wurde von dem Schneider Hans Conrad Düsterdieck und seiner Frau Anna Maria, geb. Harmann, erbaut. Der Giebel ist mit langen Inschriften geschmückt, die das evangelisch-lutherische Bekenntnis der Erbauer bezeugen. Besonders charakteristisch für diese Art von Häusern ist die sehr hohe Diele, in die ein mit Heu beladener Ackerwagen einfahren konnte. Der Dachraum der Häuser übernahm die Funktion der Scheune. Neben der Diele war Platz für zwei Geschosse. Ackerbürger wurden die Bürger bezeichnet, die nicht allein von ihrem Handwerksberuf leben konnten; sie mussten sich ein zweites Standbein in der Landwirtschaft aufbauen. Noch heute findet man mitten in Holzminden, nur wenige Schritte vom zentral gelegenen Marktplatz entfernt,  typische Ackerbürgerhäuser.

 

1969 wird das Ackerbürgerhaus Düsterdieck-Kumlehn (Vierständerhaus), erbaut 1677 in der Mittleren Strasse in Holzminden, abgebaut und befindet sich seit 1987 aufgebaut im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold. 

Wier bauwen alle hier steif und feste und seind alhier nur frömde Geste und da wier solten ewig sein da bauwen wier gar wenig drein.

Wirf dein Anligen auf den Herren

der wird dich versorgen

O Gott, der du das Gras so schön in Feldern zierest,

den Vögeln wunderlich die Speise selbst zuführest,
du wirst mir, der ich bin dein Kind, so viel bescheren,

das ich nach Nothdurft mich kann kleiden und ernehren."

 

Hans Conrad Düsterdieck 1677 de 6. 8bris

Anna Maria Düsterdieck gebo. Harmanin

Hier bauw ich nur ein Nest,

im Himmel aber fest.

 
 

Ohrmuschelrankenwerke am gebauchten Füllholze, Perlstab mit Inschriftstreifen an den Schwellen. Der Krüppelwalm des Giebels ist wohl jünger; an den Torständern ionische Halbsäulen mit gedrehten, von einem Perlband umwundenen Schäften auf Konsole; über den Säulen ein flammendes Ornament; Torzwickelstreben mit Rankenwerk; die Kante des stichbogig geschlossenen Tores von einem gedrehten Riemen eingefasst; vorgesetzte Inschriftbohle mit Gesims über dem Sturze.

Die Inschriften in Antiqua lauten:

 

am Sturze:
Hans Conrad Düsterdieck de 6. 8bris
Anna Maria Düsterdieck gebo. Harmanin;

 

an der Bohle:
O Gott der du das Gras so schön in Feldern zierest.
Den Vögeln wunderlich die Speise selbst zuführest.
Du wirst mir, der ich bin dein Kind, soviel bescheren.
Das ich nach Nothdurft mich kan kleiden und ernehren;

an den Schwellen:

Wirf dein Antigen auf den Herren der wird dich versorgen, sowie
Hier bauiv ich nur ein Nest, Im Himmel aber fest.

Wier bauwen hier [alle] st[eif] und fes[te],
[Und] seind alhier nur frömde Geste,
Und da wier sollen ewig sein.
Da bauwen wier gar wenig drein.

Bürgerhäuser Schmidt (links) und Düsterdieck (rechts)

Bürgerhäuser Schmidt und Düsterdieck

Kirchhofspeicher

Der Kirchhofspeicher (erbaut 1. Hälfte 16. Jh.) aus Mellrich ist ein zweigeschossiger Ständerbau über hohem Kellergeschoss. Spätmittelalterlicher Bauweise gehören besonders die mit Lehm überzogenen Außenwände an, die nur die traufseitigen Ständer frei lassen. Unter dem Lehmüberzug verbirgt sich ein weitmaschiges Holzgerüst mit wenigen Riegeln und den Schwertungen: eine mittelalterliche Versteifungsform der Wandgerüste mit langen angeblatteten Streben. Diesen Streben und Riegeln sind wandhohe Eichenspaltstangen aufgenagelt als Träger für den Lehmüberzug. Das Dach kragt auf allen vier Seiten auf Knaggen weit vor. Es wurde Ende des 18. Jh. Opfer eines Brandes und musste gemeinsam mit dem Rückgiebel um 1790 wieder hergestellt werden. Die Rückgiebelwand wurde dabei zeitgemäß mit Fußstreben abgezimmert und mit Backsteinen ausgemauert. Auf einen Lehmüberzug hat man verzichtet. Zu dieser Zeit entstand wohl auch die Luke im Vordergiebel. Der Kirchhofspeicher wurde 1969 in Mellrich abgebaut und 1981 - 82 im LWL-Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.

Kolonialwarenladen im Paderborner Dorf / Heirat im Lauschhaus

 
Kolonialwaren Ph. Hecker (+ Außenstelle Standesamt Detmold)
 

Für Trauungen steht das Haus Zeddies (Lauschhaus) im Paderborner Dorf zur Verfügung. Der Raum kann mit maximal 35 Sitzmöglichkeiten ausgestattet werden. Für Museumsbesucher ist er während der Trauungszeremonie geschlossen. Sanitäre Anlagen sowie eine kleine Küche sind im Lauschhaus, das dem Schönhof direkt gegenüber liegt, vorhanden. 

 

Vom Stammhof der Familie Zeddies in Grohnde (das Wohnhaus des Hofes ist hier wieder aufgebaut) heiratete Johann Friedrich Wilhelm in Heyen ein. Aus der Ehe gingen ein Sohn hervor, der mit 10 Jahren an „Lungenschlag“ starb und eine Tochter, die nach Kemnade heiratete. Dies war der Zeddies, der mit den Hofbesitzern Falke, Sagebiel und anderen Heyener Bauern die Ablösung vom Frucht- und Fleischzehnten vereinbarte. Aus 2. Ehe gingen weitere Kinder, darunter der nächste Hoferbe (1844-1907) hervor. Dessen Hofnachfolger Friedrich Zeddies (1873-1947) ist vielen Heyener Bürgern noch bekannt. Er heiratete eine Tochter des Landwirts Karl Sagebiel und erbaute das große Wohnhaus, Esperder Straße 2, im Jahr 1907. Sein Sohn Friedrich heiratete 1940 Marie Henneke. Sie bauten das alte Wohnhaus um und errichteten die Einfamilienhäuser im Gartenweg 4 und 6. Friedrich Zeddies (1913-1945) wurde an der Ostfront verwundet, erreichte über verschiedene Lazarette Wildbad im Schwarzwald und verstarb dort erst 2 Monate nach Ende des Krieges an relativ leichten Kriegsverletzungen wegen mangelhafter ärztlicher Versorgung in der französisch besetzten Zone. Marie Zeddies, geb. Henneke, verw. Zeddies, heiratete 1949 Joachim Heinrichs. Sie erweiterten den Vollmeierhof durch Zupacht von 36 auf 80 ha. Sie stellten den Hof früh auf Mähdrusch, Gemüseanbau und Fleischrinderhaltung um und verpachteten 1983 an Günter Wilhelm Henneke.

Wohnhaus des Hofes Zeddies
Historischer Kolonialwarenladen im Haus Zeddies

Der „Kolonialwarenladen Ph. Hecker“, er befindet sich im Haus Zeddies ( „Lauschhaus“) mitten im Paderborner Dorf, hält unter anderem frisch gerösteten Kaffee und handgefertigte Museumsschokolade zum Mitnehmen bereit. 

Haus Schwenger: Bürgerhaus mit Manufaktur- und Kolonialwaren Carl Samson und Fotoatelier

Haus Schwenger: Manufaktur- und Kolonialwaren Carl Samson und Fotoatelier

Dem 1708 erbauten Bürgerhaus »Schwenger« wurde 2010 ein historisches Fotoatelier zur Seite gestellt, 1891 vom Fotografen Josef Kuper erbaut. Der Anbau entstammt einer Ära, in der Fotografen ihre Ateliers noch mit weitläufigen Glasflächen ausstatten mussten, um die Arbeitsräume mit den notwendigen Licht-Verhältnissen zu versorgen. Das Fotoatelier aus Rietberg ist eine Besonderheit unter den historischen Gebäuden des Freilichtmuseums. Es dokumentiert das Handwerk eines Porträtfotografen, wie es um 1900 auch in ländlich geprägten Kleinstädten Westfalens anzutreffen war. Als Anbau benötigte das Atelier also ein Vorderhaus. Als ein passendes, mit dem Original vergleichbares Gebäude wurde das 1708 erbaute Bürgermeisterhaus Schwenger aus Rheda gewählt. Durch den Betrieb des Ateliers können die Besucher die Arbeit eines Fotografen um 1900 erleben und in Kursen und Workshops aktiv den Entstehungs- und Entwicklungsprozess der analogen Fotografie nachvollziehen. 

Der historische Laden für Manufaktur- und Kolonialwaren ist eine von drei Sehenswürdigkeiten im Haus Schwenger aus dem Jahre 1708.
Detmold, Paderborner Dorf, Einrichtung des dörflichen Kaufladens Samson aus Atteln (Kreis Paderborn) im Bürgerhaus (Haus Schwengern), Rheda (Rheda-Wiedenbrück). 1708 erbaut, Hinterhaus von 1631
 
 

Bereits Anfang der 70er Jahre hat das Freilichtmuseum das 1708 erbaute Haus Schwenger aus Rheda übernommen und eingelagert und umfangreichen renoviert. Der historische Laden für Manufaktur- und Kolonialwaren Carl Samson ist eines von drei Elementen, die das Gebäudeensemble beherbergt.

Haus Schwenger

Backhaus/Lohnbäckerei von W.Borgolte aus Stahle / Hof Hilmer-Borgolte

 
Backhaus/Lohnbäckerei, Stahle (Höxter), Hof Hilmer-Borgolte
 

Der östlichste Punkt Nordrhein-Westfalens ist das zur Stadt Höxter gehörendes Dorf Stahle. Das Dorf zählt zur Ferienregion Weserbergland. Nicht in Stahle zu sehen, aber ursprünglich aus Stahle stammend und jetzt hier im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold zu bestaunen, ist eine 1808 erbaute Lohnbäckerei als staatlich konzessionierter Gemeindebackofen und ein im Jahre 1830 errichteter Kuhstall sowie ein Abort aus dem gleichen Jahr. Die beiden Letzteren gehörten einst zum Haupthaus des Hofes Hilmer-Borgolte.

Pastorat

Paderborner Dorf, Pastorat, erbaut um 1733-1738, Zustand: um 1900
Paderborner Dorf, Pastorat, Allagen (Warstein, Kreis Soest), 1733 bis 1738 erbaut

Das Pastorat aus Allagen (Kreis Soest, eröffnet 2002). In dem katholischen Pfarrhaus erfährt man im Museum nicht nur vom individuellen Leben des Pfarrers Schafmeister, der dort um 1900 lebte, sondern man lernt auch die kirchlich-politischen Hintergründe des Kulturkampfes um 1870 kennen. Der Gründer des Clementinum, Prälat Bernhard Zimmermann, wurde 1916 als frisch geweihter Neupriester der Pfarrei Allagen als Vikar zugewiesen. Von Allagen aus gründete er 1922 das erste Klemensheim in Belecke. Sein Dienstherr in Allagen war Pfarrer Josef Schafmeister, der schon bald drei Jahrzehnte am Ort tätig war. Mit seiner Schwester Antonie bewohnte und bewirtschaftete Schafmeister von 1887 bis zu seinem Tod im Jahr 1919 das Pastorat Allagen, ein hübsches Fachwerkhaus von 1733 mit Schiefereindeckung. Das Haus wurde 1968 vor Ort abgebaut und ins Freilichtmuseum Detmold verbracht. Dort ist es seit 2002 im so sog. "Paderborner Dorf" im Zustand des frühen 20. Jahrhundert und im detailgetreuen Einrichtungsstil des Historismus der sogenannten Gründerzeit zu besichtigen. Im Dienstzimmer des Pfarrers hängt an der Wand ein Glückwunschschreiben, das Pfarrer Schafmeister zu einem Jubiläum erhielt. Dort ist als Mitunterzeichner auch Vikar Bernhard Zimmermann verewigt.

Pastorat (links), erbaut um 1733-1738, Zustand: um 1900 und Restaurant „Im Weißen Ross“

Bürgerhaus (Haus Roland)

Bürgerhaus (Haus Roland). Herkunft Obermarsberg (Marsberg, Hochsauerlandkreis). Erbaut 1698. Das stattliche Fachwerkhaus stand am Markt. Die prächtige Fassade zeigt reiches Schnitzwerk der Spätrenaissance und zwei Utluchten (Fenstererker) neben dem Dielentor.

Restaurant „Im Weißen Ross“

SOLI DEO GLORIA

WER SICH VERLEST AUF JESUM CHRIST DER MUS DEM HIMMEL WERDEN

LAHS DIER O GODT BEFOHLEN SEN DIS HAUS UND DIE SO WOHNEN DAREIN

BEHTE DASSELBEN MACH DEINEN GUNST VOR ALLER GEFAHR UND FUERSBRUNST

AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN

 

ANNO 1698, am 6. November, haben die Eheleute ANTON ROLAND und MARIA CHRISTINE PIELSTICKER
auf Gott vertraut und dieses Haus gebaut

 

 ALE DIE MICH KENNEN DEN GEBE GODT WAS SIE MIHR GÖNNEN

MISGUNST KAN NIEMANT SCHADEN  WAS GODT WILL MUS GERAHTEN

 

            

Anton ROLAND

1660 Udorf – 13.08.1725 Obermarsberg

 

Maria Christine PIELSTICKER

11.02.1670 Obermarsberg – 30.08.1735 Obermarsberg

Das am 6. November 1698 erbaute Reidemeisterhaus aus Obermarsberg wurde im Jahre 1966 für das Westfälische Freilichtmuseum Detmold abgetragen und 2003 bis 2005 als Hauptgebäude der neuen Museumsgaststätte: „lm Weißen Ross" im Paderborner Dorf wieder errichtet. Das prächtige Bauwerk mit seinem Schnitzgiebel aus der Spätrenaissance mit zwei Ausluchten und einem rückwärtigen Steinwerk diente von etwa 1848 bis 1931 als Gasthaus und ist somit als Museumsgaststätte besonders gut geeignet.

 

Die Geschichte des Hauses

lm Jahre 1698 wurde von dem reichen Obermarsberger Bürger Anton Roland und seiner Ehefrau Maria Christina, geb. Pielsticker am Marktplatz - nahe der Nikolaikapelle - der ehemaligen Stadt Obermarsberg ein Fachwerkhaus in Form eines für die damalige Zeit üblichen Dielenhauses errichtet. Das besondere dieses Hauses war, dass der Kramer und Reidemeister Anton Roland es mit zwei Ausluchten (zweigeschossige Fenstererker mit Giebeln) erbauen ließ. Nach dem Tod des Anton Roland im Jahr 1721 blieb das Gebäude lt. Erbfolge weiterhin im Besitz der Familie. Ungefähr in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelang das Haus an die Obermarsberger Familie Steinhoff. Hermann Steinhoff, Sohn des „Oekonom und früheren Bürgermeisters und Schultheiß” zu Obermarsberg, mit Ehefrau Anna Maria Helena, geb. Zieren lebte im Fachwerkgebäude bis ein Besitzerwechsel mit dem Gastwirt und Bäcker Heinrich Breker vollzogen wurde. Das Haus blieb von 1848 bis 1888 im Familienbesitz. Heinrich Breker verkaufte hier nicht nur seine Backwaren sondern richtete auch eine Gaststätte ein. Nachdem Heinrich Breker den Besitz an seinen Sohn Johann Franz nebst Gattin Gertrud, geb. Müller übereignet hatte, bauten diese die Gaststätte mit einer Bühne aus. 1879 kam es zur Zwangsversteigerung. Der Vater von Gertrud Breker, Caspar Müller, ersteigerte den lmmobilienbesitz und konnte den gänzlichen Verlust des Gasthauses und der Ländereien der Wirtsleute Breker auffangen. Die Bewirtschaftung übernahm weiterhin die Familie Breker. Nachdem Wilhelmina Breker (Tochter) die Gastwirtschaft übernommen hatte, heiratete sie den Maurer und Hüttenarbeiter Josef Kloke, genannt Pölmann(s) am 03.05.1888. Auch in der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde der Schankbetrieb aufrechterhalten. Die finanzielle Situation des Gastwirts Kloke verschlechterte sich alsbald und so stieß er das Gebäude 1919 an die Stadt Obermarsberg ab. Die Stadt war bis 1966 Eigentümer des Hauses. Die Stadt Obermarsberg plante, das Gebäude bei einem neuen Rathausbau mit zu verwenden. Diese Pläne wurden aber verworfen und man beschloss das Gebäude weiterhin als Gastwirtschaft, zur Wohnungsvermietung und zum gewerblichen Zweck zu nutzen. 1920 wurde der erste Pachtvertrag mit dem Gastwirt Heinrich Lahme abgeschlossen. 1931 mietete der Friseurmeister Heinrich Wagner das Gebäude an und betrieb dort sein Geschäft bis in die späten Kriegsjahre. 1934 beschloss der Stadtrat die Eigentumsbehaltung. Es folgten Pläne zum Umbau in eine Jugendherberge. Hierzu kam es aber nie. Stattdessen wurde es ab 1939 als Kriegsgefangenenlager genutzt. Nach dem II. Weltkrieg brachten die Besatzungsmächte kurzfristig im Haus Evakuierte und Flüchtlingsfamilien unter. Desweiteren schloss die Stadt Obermarsberg einen Vertrag mit der Firma Wilhelm Vorneweg für die Zeit von 1945 - 1965 ab. Diese nutzte das Gebäude zu ihrer Kunststoffproduktion. Nachfolger von Wilhelm Vorneweg wurde Paul Zernicke, der das Gebäude erwarb. Ab 1949 musste das Haus statisch abgestützt werden. Nach ständiger Verschlechterung des Bauzustandes favorisierte schließlich der Stadtrat Obermarsberg die Überlassung des Hauses an das Freilichtmuseum Detmold. Der Abbau erfolgte im Jahr 1966. Dort lagerte es im Bausatz bis zum Jahr 2003. Die Aufstellungsarbeiten in Detmold erfolgten von 2003 bis Ende 2005. Zu sehen und zu bestaunen ist die neue Museumsgaststätte „Im Weißen Ross“ des WFM Detmold ab 1. April 2006, dem Beginn der Museumssaison.

 

Quelle: DIEMELBOTE 1970  NACHRICHTEN FÜR MARSBERG UND UMGEBUNG / Karl Böttcher 2006, Marsberger Geschichten

Gaststätte "Im weißen Ross"

Dorfteich mit Tagelöhnerhäuschen

 
 
Tagelöhnerhäuser aus Rietberg und Rösebeck

Besonders idyllisch ist der große Dorfteich, in dem sich das am Ufer stehende aus Bad Driburg stammende  Dorfbauernhaus Ludovici spiegel, erbaut im Auftrag eines Kapitelsekretärs des Damenstifts Neuenheerse. Betrachtet man die Torhölzer, so entdeckt man 1614 als Jahreszahl neben den Namen der Bauherren.

Das Haus des Distributors Ludovici aus Neuenheerse

Aus Bad Driburg stammt das Haus Ludovici, erbaut im Auftrag eines Kapitelsekretärs des Damenstifts Neuenheerse. Das Stift wurde unter dem Namen Herisia bzw. Heerse bekannt. Stiftsdamen waren adliger Herkunft. Ihre Arbeit war das Gebet, ähnlich wie bei Orden, doch blieb das Stift Heerse stets weltlich und nannte sich freiweltlich, da es nicht dem Bischof zu eigen war, der als Landesherr bisweilen gewaltsam, doch selbst mehrmals vor Gericht vergeblich seine Hoheit über das Stift beanspruchte. Geistliche Benefiziaten und zwei Pastoren wurden allein von der Äbtissin ordiniert, sie waren mit der Liturgie der Kirche und der verschiedenen Altäre und Kapellen, zudem mit Verwaltungsaufgaben betraut. Betrachtet man die Torhölzer, so entdeckt man 1614 als Jahreszahl neben den Namen der Bauherren. 

Dorfteich, auf dem Teich schwimmen Lippegänse, im Wasser tummeln sich dicke Karpfen. Dorfbauernhaus links (Haus Ludovici), Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter), 1608 bis 1614 erbaut, 1777 umgebaut

Links vom Wohnhaus Ludovici das Schweinehaus, Herkunft Deisel (Trendelburg, Landkreis Kassel), Hof Konze. Erbaut um 1800. Schweine wurden wegen ihres Geruchs meistens in Nebengebäuden gehalten. Das Schweinehaus bot Platz für zwei bis drei Tiere (mit Nachzucht) für den Eigenbedarf der Familie. In dem vorderen Raum stand ein Kessel zum Kochen des Schweinefutters. Trchts im Bild eine Scheune aus Sande (Paderborn, Kreis Paderborn), Hof Siemensmeyer, erbaut 1821.

Paderborner Dorf, Dorfbauernhaus (Haus Ludovici), Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter), 1608 bis 1614 erbaut, 1777 umgebaut

IHS

Pax intrantibus

THEOD. LUDOVICI

AN: DO:
1614

MRIA

Salus exeuntibus

GERTRUD WESTREM
conivies (Eheleute)

 

über die ganze Breite des Hauses:

"Wenn der Herr nicht das Haus baut, arbeiten die Bauleute vergebens. Wenn der nicht die Stadt bewacht, wacht der Wächter vergebens."

Psalm 127

 

Dietrich Ludewigs, vorher Distributor, der sich lateinisch THEODORUS LUDOVICI nannte, war in Neuenheerse ansässig.

 

"Pax intrantibus, salus exeuntibus" (oder variabel "Intrantibus pax, exeuntibus salus") ist ein lateinischer Satz, der übersetzt wird als "Friede denen, die eintreten, Heil denen, die gehen". Er wird oft als Inschrift an den Eingängen von Benediktinerklöstern, Schulen, Gasthäusern, an Toren und an der Eingangstür oder dem Vorraum von Privathäusern gesehen. Gelegentlich werden dem Spruch zwei weitere Wörter hinzugefügt, nämlich Benedictio habitantibus, was so viel bedeutet wie "Segen für die, die hier bleiben".

 
Paderborner Dorf, Dorfbauernhaus (Haus Ludovici), Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter), 1608 bis 1614 erbaut, 1777 umgebaut
 

Im Hintergrund mit weit geöffnetem Tor eine Scheune aus Sande (Paderborn, Kreis Paderborn), Hof Siemensmeyer. Erbaut 1821. Die kleine Scheune enthielt neben der Durchfahrtsdiele einige Ställe für Rinder und Pferde. Auf dem Dachboden wurden Getreide und Stroh oder Heu gelagert. Vorne: Haus Finkeldei-Arnecke

 

Haus Finkeldei-Arnecke mit Bäckerei

Haus Finkeldei-Arnecke
Backstube „Witte“ im Haus Finkeldei-Arnecke

Zu den stattlichen Anwesen des Dorfes gehört das Haus Finkeldei-Arnecke, an dem sich als Anbau eine Backstube befindet, in der noch heute u. a. leckeres Hefegebäck, aber auch Kekse in Traktorform und Schnecken gebacken werden. Vielleicht sollte man auch mal frisches Apfelbrot probieren, denn das backt man hier außerdem. Die genannte Backstube stammt von 1901 und besitzt einen großen Königswinter - Steinbackofen, der mit Buchenholz gefüttert wurde. Zusehen kann man dem Bäcker bei der Arbeit durch eine Glasscheibe und nicht direkt über die Schulter – das verbieten die Hygienevorschriften.

Paderborner Dorf, Handwerkerhaus, Bäckerei, Grohnde (Emmerthal, Landkreis Hameln-Pyrmont), 1622 erbaut, 1909 umgebaut

Tagelöhnerhaus

Tagelöhnerhaus, Herkunft Rösebeck (Borgentreich, Kreis Höxter). Erbaut 1826, umgebaut 1882/83. Das Haus wurde 1826 als Leibzucht (Altenteilerhaus) eines kleinen Hofes erbaut. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren 70 % der Hausbesitzer in den Dörfern des Kreises Höxter Tagelöhner.

Die Spreu vom Weizen trennen - vor über 100 Jahren eine harte Arbeit. Die Windfege hat den Vorgang vereinfacht.

Windfege, hier mit der Aufschrift J. D. Behrens, Ganderkesee. Dieses landwirtschaftliche Nutzgerät diente der Reinigung von Getreide. Zunächst werden die Gereidekörner in einen hölzernen Trichter gefüllt und über einen Luftstrom geleitet, der durch ein Windrad erzeugt wird. Dies geschieht durch den Einsatz einer Handkurbel. Aufgrund des leichteren Gewichtes der Spreu, kann diese so durch den Luftstrom aus der Maschine bzw. in dafür vorgesehene Fächer geblasen und vom übrigen Korn getrennt werden. Das Getreide verbleibt stattdessen in der Maschine und wird über Schüttelsiebe sortiert und unten wieder in  einem Sack aufgefangen.

 

Tagelöhnerhäuser aus Rietberg (Brigittenhäuschen) (Mitte) und Rösebeck (rechts)

Mitte: Mietshaus (Brigittenhäuschen). Herkunft Rietberg (Kreis Gütersloh). Erbaut 1602, umgebaut 1775. 

 

Mit der Borussifizierung der Verwaltung der ehemaligen Grafschaft Rietberg nach dem Ende des napoleonischen Königreichs Westphalen erfolgte die Katasteraufnahme des Haus-und Grundbesitzes. In einer vorläufigen Besitztitelaufnahme des Reinkingschen Familienbesitzes von 1814 wird der Hausbesitz der Reinkings erstmals exakt erfasst; es ist die Rede vom Wohnhaus Nr. 22, einer Scheune, einem kleinen Nebenhaus und einem Garten. Das Wohnhaus Nr. 22 stand mit der Frontseite zur Straße „Im Sack“. Die Nachbarparzelle war bebaut mit der Scheune, deren Tor sich zum Wohnhaus und dem kleinen Vorplatz an der Straße „Im Sack“ hin öffnete und dem sogenannten „Brigittenhäuschen“, einem Speicher errichtet 1602, das 1775 zum Wohnhaus umgebaut und als Gesinde- bzw. Heuerlingshaus benutzt wurde. Als Nebenhaus des größeren Bürgerhauses wurde es an ärmere Einwohner vermietet. Mit der vorderen, in nordwestlicher Richtung verlaufenden Traufenseite grenzte das Brigittenhäuschen an den Kirchhof der katholischen Kirche St. Johannes Baptista. Der Garten erstreckte sich von der Nordseite der Scheune am Wohnhaus entlang bis hin zum Brigittenhäuschen. Das Anwesen umfasste ungefähr 638 Quadratmeter; davon maßen das Wohnhaus 256, die Scheune 105 und das „Brigittenhäuschen“ 29 Quadratmeter. Diese Gebäudekomposition hatte bis weit in das 20. Jahrhundert Bestand, bis 1974 das Brigittenhäuschen abgebaut und in das Westfälische Freilichtmuseum Detmold verbracht und im Jahre 1986 als Teil des Paderborner Dorfes wiederaufgebaut wurde.

 

Der Name „Brigittenhäuschen“ taucht erstmalig archivalisch auf im Testament von Gabriele Reinking vom 17.2.1837.

Paderborner Dorf, Mietshaus (Brigittenhäuschen), Rietberg (Kreis Gütersloh), 1602 erbaut, 1775 umgebaut

Das Haus einer Tagelöhnerfamilie aus Rösebeck (Kreis Höxter), die auf einem Rittergut arbeitete (ganzteiltransloziert, eröffnet 1991). Es stand ursprünglich an der Hungerstraße, die ihren Namen wohl zu Recht führte, denn die Tagelöhner verdienten oft nur einen Hungerlohn. Um 1900 lebten in diesem kleinen Haus die Eltern mit fünf Kindern und die Mutter des Tagelöhners.

Tagelöhnerhaus
Mietshaus Brigittenhäuschen Tagelöhnerhaus

Das kleine Querdeelenhaus mit der alten Hausnummer 39 wurde 1826 als Nebengebäude (Altenteil) der Rösebecker Familie Peine in der sogenannten Hungerstraße erbaut. Bereits 1837 verkaufte es Joseph Peine an den Tagelöhner Johann Bettgen, der nach der Bevölkerungsstatistik von 1843 darin mit seiner Frau, drei Kindern und der Witwe Heerders mit deren Tochter lebte. Mit drei Erwachsenen und vier Kindern (später fünf) herrschten im Haus also sehr beengte Wohnverhältnisse. Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zog schließlich Bertha Koch mit ihren sieben Kindern ein. Ihr ältester Sohn Joseph wird seit 1882/83 als Besitzer geführt. Er war es auch, der im wesentlichen für den Lebensunterhalt aufkam, da der Vater die Familie verlassen hatte. Joseph Koch arbeitete im Taglohn auf dem nahegelegenen Gut Dinkelburg, wo viele Rösebecker Arbeit fanden. Nach dem Tod der Mutter und dem Auszug der anderen Geschwister blieb er mit seiner eigenen Familie, das heißt seiner Frau Maria Anna und den gemeinsamen Kindern darin wohnen. Um 1920, zu dem Zeitraum in den sich den Besucherinnen und Besucher das Haus heute im Freilichtmuseum präsentiert, lebte nur noch eine Tochter (Anna) mit ihrem unehelichen Sohn Johannes bei den Eltern. Zwei weitere Töchter sind auswärts in Stellung. Von 1929 bis in die Nachkriegszeit war das Haus ungewohnt. Später wurde es als Stall und Werkstatt genutzt, bis es 1991 durch das Freilichtmuseum Detmold übernommen wurde. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1991 kam das Haus als sogenannte »Ganzteiltranslozierung« in das Freilichtmuseum. Das Haus wurde verpackt in ein Stahlgerüst auf einem speziellen Tieflader die 70 Kilometer Landstraße von Rösebeck nach Detmold gefahren. Dieses aufwendige Verfahren bietet den Vorteil, dass die Ausfachungen des Fachwerks und mit ihnen der Wand- und Deckenputz, sowie die Anstriche darauf erhalten geblieben sind. Außerdem konnten alle drei Geschoßdecken unversehrt nach Detmold übertragen werden.

Tagelöhnerhaus aus Rösebeck, Küche mit Eisenherd

Die Geschichte des Hauses wurde anschließend von Naturwissenschaftlern, Volkskundlern und Bauforschern, Historikerinnen und Restauratorinnen untersucht. Ein Dendrochronologe bestätigte das auch inschriftlich und archivalisch ermittelte Baujahr 1826, eine Chemikerin untersuchte die Zusammensetzung der Putze und Farben, Volkskundler führten Befragungen ehemaliger Besitzer und Besucher durch, die baulichen Veränderungen wurden bis hin zur Urform von 1826 erforscht und dokumentiert. Als prägnanter Darstellungszeitraum ergab sich dadurch die Zeit um 1920. Damals bestand noch die kleine offene Kochnische am Ende des Flures, die 1924 vermauert worden war. Die Präsentation im Zustand der frühen 20er Jahre bedeutete natürlich, dass jüngere Bauphasen wie die erwähnte Vermauerung der Küche wieder rückgängig gemacht werden mussten. Um einen Einblick in die Schlafkammer zu ermöglichen, wurde die 1924 abgebrochene Trennwand zwischen Schlafkammer und Küche im Museum durch eine Plexiglasscheibe ergänzt. Die gesamte Einrichtung ist aufgrund zahlreicher Interviews mit ehemaligen Besitzern und Besuchern des Hauses aus den Sammlungsbeständen und gezielten Ankäufen des Freilichtmuseums rekonstruiert. 

 

 Quelle: "Westfalen-Blatt"

 

Bürgerhaus Stahl

Das Paderborner Dorf im Freilichtmuseum Detmold entspricht einem westfälischen Dorf um 1900 und umfasst fast 40 Fachwerkhäuser. Besonders hervorsticht das Bürgerhaus Stahl aus dem Jahr 1730 mit seinem hübsch verzierten Rokokotor. Anbau von 1748, das Dielentor mit Rokoko-Schnitzwerk entstand um 1775. Das Bürgerhaus (Haus Stahl), benannt nach seinem Besitzer, dem Weinbrennerei-Besitzer Carl Stahl aus Gütersloh.

Haus Stahl im Paderborner Dorf (erbaut 1730, Kaufhändlerhaus)
Durch das Tor gelangen die Besucher auf eine Deele, die seitlich und rückwärtig von Wohnräumen umgeben ist. Ein Durchgang von der Upkammer führt auf die Deele des zweischiffigen Anbaus aus dem Jahre 1748.

Das "Stahlsche Haus" stand einst in Gütersloh am Domhof Nr. 4, Ecke Dalkestraße. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern seiner Nachbarschaft existiert es noch heute - allerdings hier im LWL- Freilichtmuseum. Die filigran gestaltete Rokoko-Tür ist vielen Güterslohern in Erinnerung geblieben, auch wenn das Stahlsche Haus bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert abgerissen und abtransportiert wurde. Seit 1986 ist es in voller Pracht im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold zu sehen, und zwar als Schmuckstück des "Paderborner Dorfes".

Der fest mit dem Haus verbundene Name "Stahl" geht auf seinen langjährigen Eigentümern zurück. Errichtet wurde es im Jahr 1730 vom Schnapsbrenner Peter Friedrich Hoffbaur, Ehemann von Christine Dorothea Hoffbauer geb. Pollwort, deren Tochter 1790 den Kaufmann Johann Heinrich Stahl ehelichte. Deren Sohn wiederum gründete 1837 am Domhof eine Destillerie, die der Enkel des ersten Stahl, Carl Stahl jun., schließlich zusammen mit seinem Bruder Gottfried im Jahr 1884/85 zur ersten westfälischen Cognac-Brennerei ausbaute. Die Brüder importierten Wein aus dem französischen Anbaugebiet Charente und destillierten so "echten französischen Cognac" - Made in Gütersloh. 1922 wandelte der umtriebige Geschäftsmann seine Firma in die "Carl Stahl AG Weinbrennerei und Domhofdestillerie" um, die dem Rückforth-Konzern in Stettin angegliedert wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde im Stahlschen Haus schon lange kein Schnaps mehr gebrannt, die Destillerie wurde abgerissen und das Haus 1928 an die Stadt Gütersloh verkauft. Diese richtete 1934 darin das Heimatmuseum ein. Die Preziosen der Gütersloher Lokalgeschichte wurden allerdings nur rund 22 Jahre im Stahlschen Haus aufbewahrt und gezeigt. Um 1956 beherbergte das Stahlsche Haus auch das Standesamt. Auch Ehen wurden dort geschlossen in der vormaligen Lübkerschen Wohnstube. 1967 zog das Standesamt wieder aus, danach stand das schmucke Gemäuer rund vier Jahre lang leer. 1971 rückte schließlich ein Abbruchunternehmen an, das jedoch sehr behutsam vorging. Immerhin sollte das Haus rund 30 Kilometer weiter östlich wieder aufgebaut werden. Mit den Häusern der Nachbarschaft wurde danach weniger zimperlich umgegangen. Sie wurden abgerissen. 

 

Quelle: "Neue Westfälische" 2014

Das Juwel im Paderborner Dorf

P.F.HB= Peter Friedrich Hoffbaur und C.D.PW = Christina Dorotea Pollwort

Peter Friedrich Hoffbau(e)r

Geburtsdatum: 07.01.1698

Geburtsort: Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Detmold

Tod: 15.07.1741 (43)

Christine Dorothea Hoffbau(e)r geb. Pollwort

Geburtsdatum: 1696

Geburtsort: Gütersloh
Tod: 1772 (75-76)

 
 
Haus Stahl
 
 
 
Rückseite / Anbau Haus Stahl von 1748
 
 
Relikte der "Carl Stahl AG Weinbrennerei und Domhofdestillerie"
 

Herrenhaus Schönhof

Herrenhaus (Schönhof). Herkunft Wiedenbrück (Kreis Gütersloh). Erbaut um 1720. Der Schönhof war der Wohnsitz eines höheren Beamten in der westfälischen Kleinstadt Wiedenbrück.

 

Der Schönhof, ein ravensberger Lehen und Rittergut stand einmal an der Wasserstraße im Ortsteil Wiedenbrück am Stadtrand von Wiedenbrück, gleich an der Stadtmauer und Stadtgraben. Es war ein typisches adeliges Hallenhaus. Fachwerkbau und Hallenhaus bedeuten nicht zwingend unbedingt ein Bauernhaus. Das traufenständig zur Straßenfront stehende Giebelhaus war ausgesprochen schlicht von außen gestaltet. Es stand zwar innerhalb der Stadtmauern, war ein Lehen und von der städtischen Gerichtsbarkeit ausgenommen. Diese Rechtssicherheit führte immer wieder zu Konflikten. 1711 lag der Platz schließlich wüst (brach). 1714 erfolgte die Belehnung durch den osnabrückischen Rentmeister des Amtes Reckenberg Franz Wilhelm Harsewinkel. 1718/1721 wurde das Schönhofgebäude durch Harsewinkel wieder neu errichtet, doch Harsewinkel wohnte weiter in seinem Haus an der Mönchstraße. 1774 ging durch Erbe, dieses Haus in den Besitz des Dechanten Florenz Karl Josef Harsewinkel. Dieser ließ das Gebäude umbauen und bewohnte es selbst. Er brachte im großen Saal seine seit 1759 angelegte Gemäldesammlung unter. 1794 wurde der Schönhof mit toller Deckenmalerei ausgestattet, später als der Besitzer Harsewinkel seine Gemäldesammlung verkauft hatte, wurde auch der Saal mit kunstvoller Wandmalerei ausgestattet. Die Deckenmalerei wird dem damaligen Künstlern Stratmann oder Bartscher zugeordnet, ist aber nicht genauestens belegt. Die Deckenmalerei erlitt bereits 1857 sowie auch 1917 Wasserschäden durch Löscharbeiten am Gebäude. Im Jahre 1955 bis 1957 erfolgten Sicherungsarbeiten am Gebäude, aber auch eine Instandsetzung des Saales, sowie Außeninstandsetzung. Eine Straßenverbreiterung 1973 brachte das Ende des Schönhofgebäudes hier an der Wasserstraße. Aber es wurde gerettet und 1975 in voller Pracht hier im LWL-Freilichtmuseum in Detmold wieder neu errichtet. 

Paderborner Dorf, Herrenhaus (Schönhof), Wiedenbrück (Kreis Gütersloh), um 1720 erbaut

Der ehemalige Schönhof in Wiedenbrück war ein ravensbergisches Lehen und Rittergut, obwohl er im Fürstbistum Osnabrück im Amt Reckenberg lag. Er stand zwar innerhalb der Stadtmauern, war aber ein exterritoriales Lehen und von der städtischen Gerichtsbarkeit ausgenommen. Diese Rechtssituation führte immer wieder zu Konflikten. 1711 war der Platz schließlich wüst. 1714 erfolgte die Belehnung mit Franz Wilhelm Harsewinkel, der osnabrückischer Rentmeister des Amtes Reckenberg war. 1721 wurde die Lehnbarkeit des Schönhofs aufgehoben, was aber nichts an seinem Status als freies adeliges Rittergut änderte. 1718/20 wurde das Schönhofgebäude in Wiedenbrück durch Harsewinkel neu erbaut. Dabei ging es offensichtlich darum, den Besitz mit seinen Rechten zu sichern und auch nicht, sich einen Wohnsitz zu schaffen, denn Harsewinkel blieb in seinem Stadthaus in der Mönchstraße wohnen. Auf dem Erbgang gelangte der Schönhof 1774 an den Dechanten Florenz Karl Joseph Harsewinkel. Dieser ließ das Gebäude umbauen und wohnte tatsächlich hier. Er brachte im Saal seine seit 1759 angelegte Gemäldesammlung unter. Der Raum wurde zuerst mit eine Deckenmalerei versehen und 1796 nach Verkauf der Sammlung 1795 auch mit einer Wandmalerei. Nachdem 1955–57 Sicherungsarbeiten am Gebäude, eine Instandsetzung des Saals sowie eine Außeninstandsetzung erfolgt war, wurde es 1968 für eine Straßenverbreiterung abgebaut und 1973–75 hier im LWL-Freilichtmuseum in Detmold wiedererrichtet.

Der Schönhof war am Stadtrand von Wiedenbrück gelegen, gleich hinter Mauer und Graben. Es handelt sich um ein typisches adeliges Hallenhaus, wie es für die Beamtenaristokratie in Westfalen und Niedersachsen damals weit verbreitet war. Fachwerkbau und Hallenhaus bedeuteten nicht zwingend Bauernhaus. Das traufständige Giebelhaus mit Krüppelwalmdach war ausgesprochen schlicht gestaltet. Die Eingangs- und Straßenseite wurde aber streng symmetrisch gegliedert mit einem Mittelportal. Tür und Fenster waren jedoch ursprünglich erheblich kleiner und wurden erst nach 1774 im Rahmen des Ausbaus verändert bzw. vergrößert. Die hohe Haustür und die Sprossenfenster sind also nicht ursprünglich. Das Gebäude misst gut 28 Meter auf etwas über 12 Meter und ist im Innern typisch dreigeteilt.

 

Quelle: www.deckenmalerei.eu

Seite an Seite gegenüber der Schmiede: Haus Moven 1651 und Haus Golücke 1767

Paderborner Dorf, Haus Moven (links), Dorfbauernhaus (Haus Golüke), Amelunxen (Beverungen, Kreis Höxter) Hof Golüke, 1767 erbaut (rechts)

Das 1651 erbaute Haus Moven ist ein typisches Dorfbauernhaus des Weserraumes: ein Vierständerbau mit hohen Außenwänden und einer Durchgangsdiele, die von vorn bis hinten durch das Haus verläuft. 1980 wurde das Gebäude in Bruchhausen (Kreis Höxter) abgebaut und steht seit 1986 im Museum. Gezeigt wird der Umbau von 1860, der nötig war um das Haus vor Überschwemmungen durch das Flüsschen „Nethe“ zu sichern.

Hof Bremer/Moven von 1651
Petter Moven und Catharina Trudden

Haus Golücke (benannt nach dem Bauherrn im Jahre 1767)

Unter den historischen Gebäuden finden sie auch das originale Bauernhaus der Familie Wüllner, welches um 1767 von der Familie Golücke errichtet und in Amelunxen abgebaut wurde. Im Dorfbauernhaus Golücke ist u.a. die Textilwerkstatt untergebracht. 

Haus Moven
Haus Moven
Diese schöne Vogelscheuche stand im Hausgarten Haus Moven im Freilichtmuseum Detmold.

Hier saß man gemeinsam in der Stube und spann vor sich hin, erzählte sich den Dorfklatsch und ging abends wieder nachhause. Spinnen war das tägliche Brot der Frauen vergangener Zeiten - wie auch das weben am Webstuhl.

 
 

Scheune mit Brunnenhäuschen

Alte Schmiede

Die Schmiede Pollmann aus Höxter-Godelheim

Am Ende des dreißigjährigen Krieges wurde nahe Höxter in Gondelheim an der Weser eine alte Schmiede errichtet. Sie diente der Hufbearbeitung aber auch zur Reparatur von Ackergeräten und Wagenteilen. Ebenso war sie wichtig als Messerschmiede bei Herstellung von Waffen. Gut 100 Jahre später wurde an dieser Stelle die Schmiede Pollman eingerichtet.

Die Dorfschmiede Pollmann wurde 1777 damit direkt an der Ostgrenze der Region Ostwestfalen errichtet. Sie blieb dort bis ins 20. Jahrhundert hinein im Familienbesitz bestehen, wurde 1968 ab- und 1983/84 als Beispiel einer Dorfschmiede, wie sie im Paderborner und Corveyer Land typisch war, im Freilichtmuseum Detmold 2 Jahre lang restauriert und dann wieder aufgebaut. Bei dem Abbau fand man einen Dachbalken aus 16. Jahrhundert. Zwar waren die meisten Werkzeuge nicht mehr vorhanden, doch sie konnten durch Geräte, Maschinen, Rohlinge und Fertigprodukte aus einer vergleichbaren Dorfschmiede im Altkreis Lemgo ersetzt werden. Die Schmiede Pollmann ist also betriebsbereit, und ein eigener Museumsschmied führt täglich den Besuchern dieses Handwerk praktisch vor.

Die Pollmann-Schmiede gewinnt ihren historischen Wert nicht allein dadurch, dass sie als Werkstattgebäude mit Inventar erhalten blieb. Das ausgedehnte Museumsgelände gestattete es darüber hinaus, sie in ihrem dörflichen Umfeld zu zeigen. So wird deutlich, dass Dorfschmieden einst zentral an einer durch den Ort führenden Hauptstraße oder in deren Nähe lagen, was sie bequem erreichbar für Durchreisende werden ließ, deren Fuhrwerke hier repariert oder Pferde beschlagen wurden. Ebenfalls rekonstruiert konnte die aus Platzgründen in den meisten Museen sonst nicht zu realisierende Schmiedestätte außerhalb der eigentlichen Werkstatt, an der Fahrzeuge und Großgeräte unter freiem Himmel instandgesetzt wurden. Der typische kleine Teich neben der Schmiede, der das Wasser zum Härten der Werkstücke (oder zum Löschen) lieferte, vervollständigt das Ensemble.

 

Noch heute erfolgen in der alten Schmiede Vorführungen des alten Handwerkes und auch für die dortige Selbstversorgung werden Eisenteile geschmiedet wie z.B. Pferdehufen, Beschläge etc.

Die Funken sprühen und der Schlag des Metallhammers klingt weit über die Grenzen des Museumsgeländes: Heute ist ein Tag, an dem der Schmied des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold am historischen Amboss schwitzt. Die Luft über der Dorfstraße flirrt und die Sonne brennt vom frühen Morgen an auf das Dach der Schmiede Pollmann aus Höxter-Godelheim, einem Gebäude aus dem Jahre 1777 - selbstverständlich ohne Isolierung.

Die Einrichtung der Schmiede gleicht einem Wimmelbild und trotzdem findet der Schmied alles, was er gerade benötigt.

 
 
 
 
 
 
 

Wegekapelle

 
 
Wegekapelle, Westerwiehe (Rietberg, Kreis Gütersloh), Westersporkhof, 1697 erbaut

Wegekapelle. Herkunft Westerwiehe (Rietberg, Kreis Gütersloh) Westersporkhof. Erbaut 1697. In den katholischen Gebieten Westfalens stehen noch heute viele Bildstöcke, Heiligenfiguren und Kapellen an Straßen und Wegen. Als Ausdruck der Volksfrömmigkeit wurden sie vielfach von Bauern errichtet.

Die äußere Farbgebung des Heiligenhäuschens entspricht der ersten Bemalung. Altar und Pietá (Darstellung Marias mit dem Leichnam Christi) hingegen verblieb in der schlichten Farbfassung des 19. Jahrhunderts.

 

Bockwindmühle

Errichtet wurde die Bockwindmühle aus dem Landkreis Hildesheim im Jahre 1812. Diese Art von Windmühle war die erste Windmühle Mitteleuropas, vor 1200 gab es nur Wassermühlen. Der Name kommt daher, dass die Mühle auf einen hölzernen Unterbau gesetzt wurde, der als Bock bezeichnet wird. Dadurch konnte die Mühle mit langen Balken - „Steert“ = Schwanz genannt - gedreht werden,  sehr praktisch, da der Wind seine Richtung ändert und die Mühle so in den Wind gedreht werden konnte. Diese Konstruktionsweise hatte jedoch den Nachteil, dass die Mühle nicht so groß gebaut werden konnte. Daher wurde die Bockwindmühle später von der Kappenwindmühle abgelöst.

Bockwindmühle, Groß Lobke (Algermissen, Landkreis Hildesheim) Mühle Pape, 1812 erbaut

Bockwindmühle, Groß Lobke (Algermissen, Landkreis Hildesheim) Mühle Pape, 1812 erbaut

Bockwindmühle. Herkunft Groß Lobke (Algermissn, Landreis Hildesheim) Mühle Pape. Erbaut 1812. Bockwindmühlen sind als erste Windmühlen in Mitteleuropa seit etwa 1200 bezeugt. Bei einer Blockwindmühle ruht das gesamte Mühlengehäuse drehbar auf einem feststehendem "Bock". Mithilfe deslangen rückwärtigen Balkens ("Steert") kann die Mühle in den Wind gedreht werden.

Lippischer Meierhof

Der „Lippische Meierhof“ umfasst sechs Gebäude. Haupthaus Leese-Wittigenhöfen (Lemgo, Kreis Lippe) Hof Meier Barthold, später Führing. Erbaut 1570, erweitert 1706/07. Die frühere Grafschaft Lippe entspricht etwa dem heutigen Kreis Lippe im Osten Westfalens. Das "Meierhaus" (Haupthaus) des großen Hofes Meier Barthold wurde als niederdeutsches Hallenhaus in Zweiständerbauweise errichtet.

Lippischer Meierhof, Leese-Wittigenhöfen (Lemgo, Kreis Lippe) Hof Meier Barthold, später Führing, 1570 erbaut, 1706/07 erweitert

Zum Lippischen Meierhof gehören auch die sog. „Leibzucht“, das Altenteilerhaus, erbaut 1619, Zustand um 1800. Wer in historischen Karten stöbert, der stolpert wiederholt über diesen Begriff. Der Wortursprung kommt dabei nicht von züchtigen in der Bedeutung einer Bestrafung in Form körperlicher Gewalt. Vielmehr geht es auf das alte Wort Tucht zurück. Tucht ist der niederdeutsche Vorläufer von Zug, als Verb ziehen, und meint in diesem Fall den Bezug von Gütern. Die Leibzucht bezeichnete hier den Altenteil einer Hofstelle . Wenn die alten Herrschaften an den Jungbauern abgaben, zogen sie auf den wohlhabenden Höfen vom größeren Haupthaus in ein kleineres Nebenhaus. Vom neuen Hofherrn erhielten die alten Leute entweder festgelegte Mengen Ware, beispielsweise Fleisch, Eier oder Milch, oder auch eine Kuh, alternativ freien Zugang zum Melkstall, ein Stück Garten und andere Versorgungsgrundlagen, mit denen sie ihren „Leib“ (niederdeutsch: „Lief“) erhalten konnten. Nach dem Ableben der alten Herrschaften wurden die Wohnhäuser der Leibzucht an Heuerleute oder Tagelöhner verpachtet. Sie werden daher später als Heuerhäuser. Im Altenteilerhaus ist die Diele durchgehend (ein sog. Durchgangsdielenhaus) links und rechts sind Wohnräume für die Altbauern.

Lippischer Meierhof, Leibzucht (Altenteilerhaus), Oettern-Bremke (Detmold, Kreis Lippe) Hof Böltke, 1619 erbaut

Seine wichtigsten Gebäuden sind das Haupthaus, der Speicher am Hofteich, die Scheune und das Altenteilerhaus von 1619. Im Haupthaus fanden Wohnen, Viehhaltung und Getreidelagerung unter einem Dache - Platz. Die Feuerstelle ist offen, ohne Schornstein, daher musste der Rauch durch das gesamte Haus ziehen. Alle Gebäude des Hofes wurden dem Museum von ihren Eigentümern geschenkt.

 

Das Haupthaus des Lippischen Meierhofes, Hof Meier Barthold, stammt aus dem Jahr 1570, Zustand um 1800, auch dieses ein Hallenhaus, mit später angebauten Wohnräumen. Zum Lippischen Meierhof gehören verschiedene Nutz-und Ziergärten, mit heute wieder vertraut werdenden alten Gemüse-und Gewürzsorten. Die Gärten werden natürlich sorgfältig gepflegt. In Ergänzung zu den Nutz- und Ziergärten werden im Freilichtmuseum alte Haustierrassen, Schweine, Schafe, Ziegen, Kühe und Hühner, sowie die fast ausgestorbene Pferderasse der Senner gezüchtet. Die Hühner laufen frei, alle anderen Tiere, vor allen Dingen Schafe und Ziegen lassen sich auch mal gerne kuscheln.  Außerdem kann man ein Backhaus besichtigen, das neben dem Stall stand, damit die Tiere von der Wärme profitieren konnten, einen Speicher, eine Scheune, Grenzsteine und sogar ein Bienenhaus.

 

Lippischer Meierhof: Deele mit Stallungen im Haupthaus, erbaut 1570

Dass die Bauern zusammen mit dem Vieh das Haus teilten, war bis in das späte 19. Jahrhundert üblich. Allerdings wurden Schweine und Schafe in eigenen Ställen untergebracht, während Kühe und Pferde sich den Platz im vorderen Bereich der Haupthäuser teilten. Immer wieder wird uns der Typ des niederdeutschen Hallenhauses begegnen, mit einer sog. „Diele“ als Unterbringung für die Tiere und als Arbeitsplatz und dem direkt dahinter liegenden „Flett“, dem großen Küchen- und Aufenthaltsbereich.

Lippischer Meierhof, Haupthaus: Feuerstelle
 
 
 

Münsterländer Gräftenhof

Der Münsterländer Gräftenhof gehörte einem Großbauern. Er ist von Wassergräben (Gräften) umgeben. Der Hof besteht aus mehreren Gebäuden. Solche Art von Höfen entstanden im Mittelalter. Als Vorbild wurden sich die ländlichen Herrensitze des niederen Adels genommen. Damit demonstrierten die Großbauern die Nähe zum Adel und ihre führenden Stellung in der Gesellschaft. Dies zeigt sich auch in der Einrichtung, die sehr hochwertig war. Typisch im Münsterland sind ungestrichene Fachwerkhölzer, die dadurch silbergrau verwittert sind. Der Hof besteht aus Haupthaus, Torhaus, Holzschuppen, Speicher, Backhaus, Garten, Bleichhütte, Scheune, Schweinehaus und Schafstall.

Von Wassergräben (Gräften) umgeben, geben sie dem Hof seinen Namen.

Der Münsterländer Gräftenhof, erbaut 1787, stand ursprünglich in der Bauerschaft Alst bei Albersloh, heute ein Ortsteil von Sendenhorst im Kreis Warendorf. Das Haupthaus gehörte zum Hof Schulte Bisping in der Bauerschaft Alst, der seinerzeit über mehr als 130 ha Ackerfläche sowie über 8 Pferde, 2 Ochsen, 6 Milchkühe und 31 Rinder verfügte. Der Reichtum des Hofes zeigt sich auch in den Maßen des Gebäudes. Es ist 15 m breit und 42 m lang und damit das größte niederdeutsche Hallenhaus im Freilichtmuseum. Seit 1969 befindet sich das Gebäude im Museumseigentum und zählt seit seinem Wiederaufbau zu dessen beliebtesten, meistbesuchten Hofanlagen.

Die zwei Meter tiefen Wassergräben um das Haupthaus und um eine der beiden Scheunen des Münsterländer Gräftenhofs sind nicht nur schön, sie haben auch Eindringlinge abgehalten - und wenn das nicht half, gab es auch noch Schießscharten am Eingang.

Gräftenhof, Torhaus, Nienberge (Stadt und Kreis Münster) Gräftenhof Haus Uhlenkotten, 1767 erbaut
Gräftenhof, Torhaus, Nienberge (Stadt und Kreis Münster) Gräftenhof Haus Uhlenkotten, 1767 erbaut

Torhaus. Herkunft Nienberge (Stadt und Kreis Münster) Gräftenhof Haus Uhlenkotten. Erbaut 1767. Das Torhaus mit der vorgelagerten Brücke bildet den repräsentativen Eingang des Gräftenhofes. Er wurde 1767 vom damaligen Pächter, dem "Meyer auf Uhlenkotten" erbaut. Eigentümer des Hofes waren münsterische Bürgerfamilien. Links und rechts am Eingang Schießscharten zur Verteidigung des Hofes gegen Angreifer.

Der Münsterländer Gräftenhof zeigt den Hof eines Schulten (Großbauern) aus der Umgebung der Stadt Münster im Zustand der Zeit um 1800. Dort waren viele große Höfe von Teichen und Gräften (Wassergräben) umgeben.

 
Grundriss des Haupthauses des Münsterländer Gräftenhofes
 


- Herkunft: Hof Schulte Bisping aus der Bauerschaft Alst bei Albersloh (Gemeinde Sendenhorst, Kreis Warendorf)
- erbaut 1787 (nach Brand des Vorgängerbaus)
- im Museum seit 1969
- dargestellter Zustand: um 1800
- Bautyp: niederdeutsches Hallenhaus
- 42 Meter lang, 15 Meter breit; das größte niederdeutsche Hallenhaus im LWL-Freilichtmuseum Detmold und eines der stattlichsten Beispiele dieser Bauart
- Hofgröße um 1800: 532 Morgen (133 Hektar)
- Viehbestand 1754: 8 Pferde, 2 Ochsen, 6 Milchkühe, 31 Rinder
- für die Zeit moderne Trennung des Stallteils vom Wohnteil des Hauses durch eine große Windfangtür
- große Fenster mit kostspieliger Bleiverglasung deuten auf den Reichtum und Repräsentationswillen der Schultenfamilie hin

Der Gräftenhof hat seinen Namen von den Wassergräben = Gräften und Teichen, die die Höfe aus der Umgebung der Stadt Münster umgaben. Das Haupthaus gehört zum Hof Schulte Bisping. Die Schulzen waren Großbauern. Als Besitzer des größten Hofes einer Siedlung standen sie in der bäuerlichen Hierarchie ganz oben. Das hier gezeigte Haus wurde um 1787 erbaut, der Zustand ist um 1800 und ist das größte Hallenhaus im Museum (42 m lang und 15 m breit). Die Diele ist sogar mit Wagen befahrbar. In ihr wurde auch Getreide gedroschen, Hochzeiten gefeiert und Beerdigung abhalten. Im Winter standen rechts und links Pferde und Rinder. Über dem Vieh waren Lagerplätze für Einstreu und die Knechtekammer. 

Flett mit Kamin

Im Oktober 2019 wurde die Neukonzeption des Gräftenhofes vorgestellt, bei der das Haupthaus Schulte Bisping an Wänden, Holzeinbauten und teilweise den Möbeln eine ganz neue Farbfassung erhalten hatte. Die Wände und das sichtbare Fachwerk erstrahlen jetzt in einem leicht gebrochenen Weiß, die Holzeinbauten dunkelrot. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass die Farbigkeit in den Schultenhöfen im Münsterland um 1800 deutlich anders war als bisher angenommen. Dabei stellte sich weiterhin heraus, dass das Fachwerk der Wohnräume eben nicht im Naturbraun des Holzes und dem Weiß der Putzfelder zu sehen war, sondern die Innenwände einheitlich in einem gebrochenen Weiß gestrichen waren. Eine aus heutiger Sicht schon fast moderne Methode, um das Fachwerk optisch zurücktreten zu lassen.

Für dieses Ergebnis war richtige Detektivarbeit nötig, denn insbesondere die Farbuntersuchungen an den Möbeln erwiesen sich als schwierig, da diese häufig abgebeizt und neu gestrichen wurden. So auch die Standuhr (rechts im Bild), die im Hof der Familie Schulte Bisping gestanden hatte und nun an ihren alten Orginalplatz zurückgekehrt ist. Sie war ursprünglich einmal Rot gestrichen, wie Farbproben und Vergleichsobjekte belegen. Die hier gezeigte Bilder zeigen noch den den alten Zustand und die Farbgestaltung von 2015.

Hinter der Diele ist der Wohnteil des Hauses. Ein offenes Herdfeuer war das zentrale Element der Küche, um das sich alles scharte. Außerdem gab es Schlafräume für die Familie und eine Stube, in der sich aber nur im Winter aufgehalten wurde.

Flett mit Kamin: Das Flett und damit auch die dahinter liegenden Wohnräume sind zudem durch eine Windfangtür von der Diele abtrennbar. Die Herdstelle des Flett ist als Kamin mit einem Rauchfang und angeschlossenem Schornstein gestaltet. So konnte der Rauch abziehen, ohne die Bewohner dieses Hauses weiter zu belästigen. Links im Flett steht ein prächtiger langer Esstisch, mit schönem Essgeschirr im ebenso prächtigen Geschirrschrank, rechts im Flett ein großer Bereich, dem sog. Waschort mit Spülstein und allen möglichen Reinigungs-Utensilien.

 
 

Bis zu 15 Leute lebten auf einem Bauernhof wie diesem. Die Besitzer, der Schulte und seine Frau, gehörten zur Oberschicht oder zum niedrigen Adel. Weil man aber keine Nachbarn hatte, die man hätte beeindrucken können, ist das Haus außen eher schlicht, innen aber um so reicher. So steht in der großen Küche neben der offenen Feuerstelle unter dem Kamin ein Prahlhans – ein Schrank mit Glasscheiben, in den man die Teller aufrecht stellte, um zu zeigen, dass man sie sich leisten kann. Der Münsterländer Gräftenhof ist ungefähr von 1796.

Links im Flett steht ein prächtiger langer Esstisch, mit schönem Essgeschirr im ebenso prächtigen Geschirrschrank, rechts im Flett ein großer Bereich, dem sog. Waschort mit Spülstein und allen möglichen Utensilien, die man zum Reinigen braucht.

Auch der Saal ist durch kleine Veränderungen 2019 etwas wohnlicher geworden.

Wohnbereich (mit Wiege): Es fällt auf, dass dieses Flett im Gegensatz zu den anderen sehr dunklen Räumen in den bisher gesehenen Bauernhäusern geradezu lichtdurchflutet ist. Große Fenster sind verantwortlich dafür. Die auf halber Höhe hinter dem Flett liegenden Wohnräume sind ebenfalls viel großzügiger gestaltet und aufwendiger möbliert. Alles in allem sieht man in diesem Haus überall, welchen sozialen und finanziellen Stand der Besitzer hatte.

Schlafzimmer im Gräftenhof

Neuer Speicher. Herkunft Beller (Harsewinkel, Kreis Gütersloh) Hof Meier Osthoff. Erbaut 1711. Der hohe Speicher enthält zwei Lagergeschosse mit Aufzugsluken zur Lagerung des gedroschenen Brot- und Saatkorns als wertvollstem Produkt des Hofes. Die Eingangstür hat eine barocke Portalsbekrönung mit der Datierung "ANNO 1711", der Giebel ist zweifach auf profilierten Kragen vorgekragt.

 
 
 
Gräftenhof, Neuer Speicher, Beller (Harsewinkel, Kreis Gütersloh) Hof Meier Osthof, 1711 erbaut
 

Der Gräftenhof mit seinen 10 Einzelgebäuden ist der größte Hof des Freilichtmuseums. Das Haupthaus wurde 1787 erbaut und ist ein Vierständerbau. Das Dach ist nicht mit Stroh, sondern mit Ziegeln gedeckt, da der Rauch über einen Schornstein abgezogen wurde.

Backhaus

 
Backhaus
 
Backhaus von 1695

Wegen der großen Brandgefahr wurden Bauern seit dem 17. Jahrhundert dazu angehalten, ihre Backöfen nach draußen abseits der Hofgebäude zu platzieren. Im 18. Jahrhundert wurde die Errichtung von separaten Backhäusern gesetzlich vorgegeben. Ein Backhaus bestand in der Regel aus einem

  • Vorraum zur Vorbereitung des zu backenden Brotes wie auch für Backgerätschaften
  • Backofengewölbe im hinteren (äußeren) Bereich, aus Ziegelsteinen gemauert und mit einer dicken Lehmschicht ummantelt
  • Schornstein zur Rauchableitung

Das Backhaus hier: ursprünglicher Standort Harsewinkel, Bauerschaft Beller, erbaut 1695, dargestellter Zustand um 1800.
Pumpernickel, 15 bis 20 Pfund schwer, kamen dort für gut 20 Stunden in den Ofen.

Holzschuppen. Herkunft Beller (Harsewinkel, Kreis Gütersloh) Hof Meier Osthoff. Erbaut um 1860. Holzschuppen, Speicher und Backhaus bilden eine Gruppe von Nebengebäuden, die vom Hof Meier Osthoff in Harsewinkel übernommen wurden. Der Holzschuppen diente zur Lagerung von Brennholz, das hier gespalten und auf einem Sägebock gesägt wurde. Auch Gartengeräte wurden hier untergebracht.

Gräftenspeicher / Speichergräfte

Gräftenhof, Alter Speicher, Wienigen (Everswinkel, Kreis Warendorf) Hof Schulte Brüning, 1561 erbaut

 

Durchforstet man die Urhandrisse der preußischen Urkatasteraufnahme der 1820er-Jahre, so stellt man schnell fest, dass es eine ganze Reihe von kleinen Bauernhöfen mit Gräfte gibt. Ihre unscheinbaren Reste liegen in einigen Fällen auch heute noch offen. Ein 5m bis 8m breiter Wassergraben umgibt eine Insel, auf der Speichergebäude gestanden haben. Auch im LWL-Freilichtmuseum Detmold wurde eine Speichergräfte wieder aufgebaut. Es ist ein Fachwerkbau von 1565 mit Feldsteinfundament vom Hof Schulze Brüning in Everswinkel im Kreis Warendorf, abgebaut 1968, hier wieder aufgebaut 1969.

 
Außentoilette Hof Meier Osthoff, Harsewinkel.
 
 
 

Wassermühle

Bereits seit dem Mittelalter gibt es Wind- und Wassermühlen. Der Müller bekam die Mühle immer nur befristet gegen eine Pachtgebühr, da die Mühle in der Regel einem Grundherren gehörte.  Die Wassermühle des Freilichtmuseums wurde 1841 erbaut. Das Mühlrad wird durch von oben herabfließendes Wasser betrieben. Damit man sich dies angucken kann, wird die Mühle dauerhaft betrieben. In der Mühle ist ein Mahlgang für Getreide für Getreide, ein Bokewerk mit hölzernen Stampfern für Flachs und einen Häkselschneider, der im Obergeschoss steht. Zudem kann man einen Lanz-Dieselmotor entdecken, der seit 1925 als Alternative zur Wasserkraft eingesetzt wurde.

Wassermühle des Hofs Heller

Etwas abseits vom Haupteingang des Freilichtmuseums steht die in Fachwerk errichtete und mit Knüppelwalmdach versehene Wassermühle des Hofs Heller. Es handelt sich dabei um eine Mahl- und Bokemühle, die mit einem Gang betrieben wurde. Neben dem Mahlen von Korn wurde in der Mühle mittels Bokewerk auch Flachs gebrochen. Letzteres war Akkordarbeit. Flachsbündel wurde unter die Stampfer des Bokewerks geschoben, sodass die Holzbestandteile der Flachsstängel gebrochen werden konnten. Der im unteren Mühlraum befindliche Lanz-Diesel-Motor diente als Antriebs-Alternative, um stets, auch bei niedrigem Wasserstand, die Mühle in Betrieb zu halten. Die Mühle wird oberschlächtig angetrieben, das heißt das Gewicht des von oben auf das Mühlrad fließende Wasser treibt das Mühlrad an. Die Anlage stammt aus dem Landkreis Osnabrück, wurde erbaut 1841, der gezeigte Zustand ist um 1925. 

 

Da die Mühle außerhalb des Dorfes lag und der Müller zwar nicht in ihr, aber neben ihr und damit auch außerhalb wohnte, galt die Müllerei als sozial unkontrollierbar. Der Müller wurde oft verdächtigt, durch Abklopfen der Mehlsäcke zusätzlich für sich Mehl „abzustauben“. Erst als im 19. Jahrhundert das alte Mühlenrecht fiel und der Beruf des Müllers ganz neu geregelt wurde, stieg auch der Müller im sozialen Ansehen.

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