Rausfahren, wenn andere reinkommen: Die Seenotretter
Ihre Spende hält uns auf Kurs. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist einer der modernsten Seenot-Rettungsdienste der Welt. Wir finanzieren unsere Arbeit ausschließlich durch Spenden und freiwillige Zuwendungen. Als Seenotretter sind wir auf Nord- und Ostsee bei jedem Wetter mit einer Flotte von 60 Seenotkreuzern und Rettungsbooten rund um die Uhr einsatzbereit.
■ HINWEIS: Alle Bilder dieser Seiten unterliegen urheberrechtlichem Schutz. Wer Bilder dieser Seiten nutzen möchte, wende sich bitte an den Betreiber dieses Angebotes.

LWL Freilichtmuseum Detmold

Das LWL-Freilichtmuseum Detmold (LWL = Landschaftsverband Westfalen-Lippe, bis 2006 Westfälisches Freilicht-Museum Detmold) befindet sich in der lippischen Stadt Detmold in Nordrhein-Westfalen. Träger des Museums ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Das 1971 eröffnete Freilichtmuseum trägt den Untertitel Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde und ist eines der bedeutendsten seiner Art in Europa und mit 90 Hektar Fläche und mehr als 100 historischen Gebäuden nach eigenen Angaben das größte Deutschlands.

Das Krumme Haus ist ein denkmalgeschütztes Profangebäude am Eingang des Museums. Der schmale eingeschossige Putzbau steht auf einem segmentbogigen Grundriss unter einem hohen, erneuerten Mansardwalmdach. Die Fassaden wurden letztmals im 19. Jahrhundert verändert. 2000/01 wurde die Anlage grundlegend renoviert und um den rückwärtigen Anbau erweitert. Das Krumme Haus diente in den 1930er Jahren als Ausflugs- und Tanzlokal für Detmolder Bürger. Nach Einrichtung des Freilichtmuseums Detmold beherbergt es die Verwaltung dieser Institution.

Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Lipper Landes finden sich hier in Großhöfen und Dörfern zusammengefasst originale Zeugnisse der ländlichen Alltagskultur Westfalens vom 16. Jahrhundert an bis hin zum 20. Jahrhundert. Dazu hat man nicht nur eine Vielzahl von ganz- und teiltranslozierten Gebäuden zusammengetragen, sondern dazu eine fast schier unüberschaubare Menge an Gegenständen, die das Leben dieser so vergangenen Zeit mehr als anschaulich machen.

 

Das Gelände des Freilichtmuseums ist nach den Himmelsrichtungen aufgeteilt, diese repräsentieren jeweilige ländliche Kultur in Westfalen. Wichtig ist zu wissen: Um alles wenigstens einmal gesehen zu haben, sollte man viel Zeit mitbringen.  Wer nicht laufen will oder kann, kann auch die Pferdewagen benutzen, die den Hauptrouten folgen. Die Pferde selbst sind übrigens auch ein Teil des Freilichtmuseums. Man sollte also den Umfang des Freilichtmuseums und die Anreise in seiner Zeitplanung unbedingt berücksichtigen, d.h. man sollte mindestens eine Übernachtung einplanen.

Mit dem Pferdewagen durch die Dörfer des LWL

Das Senner Pferd gilt als eine der ältesten bekannten Pferderassen Deutschlands. Wilde Pferde im Heidegebiet der Senne wurden 1160 erstmals urkundlich erwähnt. Senner galten im Mittelalter als eine begehrte Kulturrasse. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurden arabische Vollblüter eingekreuzt, Ende des 18. Jahrhunderts englische Vollblüter und Anglo-Araber, die bis heute den Typ der Senner Rasse mitbestimmen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Tiere ganzjährig in der Wildbahn gehalten, danach verzichtete man im Winter auf die Haltung im Freien. Seit 1999 werden einige Senner Wallache und Stuten für die Beweidung von Grasflächen des Naturschutzgebiets Moosheide in der Senne genutzt. Dieses Projekt soll dem Erhalt der Landschaftsform dienen.

Im Paderborner Dorf ist der Haltepunkt für den Planwagen, der von den Senner Pferden gezogen wird und mit dem man zum Eingang zurückfahren kann. Er befindet sich am Dorfteich am Brunnen. Man kann natürlich auch zurücklaufen. 

Kappenwindmühle

Kappenwindmühle, Tonnenheide (Rahden, Kreis Minden-Lübbecke) Mühle Schaaf/Döpke, 1789 erbaut, 1842 erneuert

Auch die Kappenwindmühle kann man fast komplett begehen. Sie wurde 1789 erbaut und steht hier im Zustand ca. Mitte des 19. Jahrhunderts. Im oberen Stock hat man eine wunderbare Aussicht auf die sanfte Hügellandschaft drumherum, in nicht zu weiter Ferne winkt schon der Hermann mit seinem Schwert herüber.

Die Kappenwindmühle wurde auch als „Holländermühle“ bezeichnet, denn sie war vor allen Dingen in Holland weit verbreitet. Bei ihr musste nur die Kappe mit den Flügeln in den Wind gedreht werden. Der Unterbau der Mühle konnte so in mehrere Geschosse unterteilt werden, in denen statt nur einer gleich mehrere Mahlgänge erledigt werden konnten.

Armenhaus

Armenhaus

Ziegelrot leuchtet dem Besucher das Fachwerk des Armenhauses entgegen. Das Armenhaus stammt aus Rinkerode und wurde um 1824/25 erbaut. Diesen Zustand zeigt auch das Museum. Im Inneren herrscht Kargheit vor. Die Einrichtung wurde entfernt, aber die einzelnen Räume erzählen in verschiedenen Installationen über das Leben ihrer Bewohnerinnen. Hier lebten nur Frauen, vier an der Zahl. Ihnen stand eine eigene kleine Kammer zu. Küche und Stube wurden gemeinsam benutzt. Die Frauen wirtschafteten aber für sich allein, jede hatte z.B. ihr eigenes Beet im Garten und kochten auch für sich. Aufnahme fanden Witwen und ledige Frauen aus Rinkerode, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr allein verdienen konnten. Der Rinkeroder Pfarrer entschied über die Aufnahme. Oftmals folgten der Mutter die Tochter ins Haus, wenn diese gestorben war. Und so setzte sich offensichtlich das Leben in Armut von der Mutter zu den Töchtern fort.

Die ehemalige Fasanerie

Die ehemalige Fasanerie im früheren fürstlichen Tiergarten ist ein „in situ“-Gebäude – es befindet sich noch am Originalbauort im heutigen Museumsgelände.

Paderborner Dorf um 1900

Die größte Baugruppe ist das Paderborner Dorf. Um das Zentrum mit der Kirche auf dem ehemaligen Wehrfriedhof und dem Dorfanger mit dem Dorfteich gruppieren sich die Höfe, Häuser und Nebengebäuden zum Teil Giebel an Giebel. Es folgt der Gartenring und anschließend die offene Landschaft mit Getreidefeldern. Das Paderborner Dorf wurde nach dem Vorbild eines Dorfes aus dem Weserraum angelegt. Zum Hof gehören ein Fachwerkspeicher von 1561 und ein Obst-Dörrofen des 19. Jahrhundert, die zugehörige Scheune stammt aus dem 17. Jahrhundert. Am Dorfrand steht die Bockwindmühle. Die Mühle hat nur einen Mahlgang und ist etwas kleiner als die Kappenwindmühle.

Fachwerkdeele mit landwirtschaftlichem Arbeitsgerät
Haus Stahl im Paderborner Dorf

Das Paderborner Dorf besteht derzeit aus 40 Gebäuden, wird aber immer wieder erweitert. Die Alltags- und Lebenswelt eines großen Dorfes kann erkundet werden. Das Dorf zeichnet sich durch die dichte Bebauung um den Kirchhof und dem Dorfteich aus. Diese Art von Dorf, die als Haufendorf bezeichnet wird, gibt es seit dem Mittelalter. Umgeben wurde es von großen Ackerfluren und einem Ring aus Garten und Obstwiesen. Die Fachwerkhäuser, aus dem das Dorf besteht, wurden oft im Stil der Weserrenaissance erbaut. Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert wurden meist beschnitzt, während Häuser aus dem 18. Jahrhundert eine mehrstöckige Fachwerkfassade mit Inschriften auszeichnet. Die Dächer wurden häufig mit Sollingsandsteinplatten ausgestattet. Es gibt Utluchten, also Erker, die für den Handel auf die Straße hinausgehen. Dies spiegelt die durchmischte Sozialstruktur der Bevölkerung wieder. Nur 10% waren im Haupterwerb Landwirte, denn die Landwirtschaft wurde oft nur im Nebenerwerb ausgeführt. Handwerker und Kaufleute dominierten.

Paderborner Dorf, Speicher, Winkhausen (Salzkotten, Kreis Paderborn) Hof Wilper, 1561 erbaut
Haus der jüdischen Familie Uhlmann

Das Fachwerkhaus bietet eine Klammer zu 200 Jahren jüdischer Geschichte in Westfalen. Das Ovenhausener Haus war von seiner Erbauung 1805 bis zur Deportation von Familie Uhlmann 1941 ununterbrochen in jüdischem Besitz. Es ist damit eines der letzten nahezu unverändert erhaltenen jüdischen Wohnhäuser in Westfalen - und das einzige, das in einem deutschen Freilichtmuseum zu sehen ist. Ein großer Tieflader brachte das Gebäude einschließlich Keller in mehreren großen Teilen von Ovenhausen nach Detmold. Heute erinnern nur noch wenige ehemalige Synagogen oder Friedhöfe an die religiöse Kultur der ländlichen Juden, während ihre Wohn- und Alltagskultur allmählich in Vergessenheit zu geraten droht. Mit dem Haus Uhlmann hat dieser ländliche Bevölkerungsteil wieder seinen Platz in der westfälischen Kultur.

Bürgerhäuser Schmidt und Düsterdieck
Kolonialwaren Ph. Hecker (+ Außenstelle Standesamt Detmold)

Der „Kolonialwarenladen Ph. Hecker“, er befindet sich im Haus Zeddies ( „Lauschhaus“) mitten im Paderborner Dorf, hält unter anderem frisch gerösteten Kaffee und handgefertigte Museumsschokolade zum Mitnehmen bereit. Hier befindet sich auch die Außenstelle des Standesamts Detmold. Der Raum ist mit maximal 35 Sitzmöglichkeiten auszustatten. Für Museumsbesucher ist er während der Trauungszeremonie geschlossen. Sanitäre Anlagen sowie eine kleine Küche sind im Lauschhaus, das dem Schönhof direkt gegenüber liegt, vorhanden.

Detmold, Paderborner Dorf, Einrichtung des dörflichen Kaufladens Samson aus Atteln (Kreis Paderborn) im Bürgerhaus (Haus Schwengern), Rheda (Rheda-Wiedenbrück). 1708 erbaut, Hinterhaus von 1631

Einige Häuser beherbergen Geschäfte und Handwerk. Ein Kolonialwarenladen aus dem Jahr 1920, ein Fotoatelier – mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte der Fotografie – in dem man sich im Stil der Zeit fotografieren lassen kann, eine Bäckerei, eine Schmiede. Die Bäckerei ist tagsüber in Betrieb.

Haus Schwenger: Manufaktur- und Kolonialwaren Carl Samson und Fotoatelier

Bereits Anfang der 70er Jahre hat das Freilichtmuseum das 1708 erbaute Haus Schwenger aus Rheda übernommen und eingelagert und umfangreichen renoviert. Der historische Laden für Manufaktur- und Kolonialwaren Carl Samson ist eines von drei Elementen, die das Gebäudeensemble beherbergt. An das repräsentative Bürgerhaus, dessen Einrichtung im Neobiedermeierstil das familiäre Wohnen in der Zeit um 1890 nachempfindet, wurde ein historisches Fotoatelier aus Rietberg angebaut. Die weitläufigen Glasflächen zeugen von einer Zeit, in der die Fotografen in ihren Ateliers noch mit Tageslicht für die notwendigen Lichtverhältnisse sorgen mussten. In diesen Räumen wird das damalige Leben der Fotografen nacherlebbar.

Haus Schwenger
Paderborner Dorf, Backhaus/Lohnbäckerei, Stahle (Höxter, Kreis Höxter), Hof Hilmer-Borgholte, kurz nach 1808 erbaut

Eine 1808 erbaute Lohnbäckerei als staatlich konzessionierter Gemeindebackofen und ein 1830 erbauter ehemaliger Kuhstall und Abort, beide zum Haupthaus des Hofes Hilmer-Borgolte gehörend, wurden 1983 in Stahle abgebaut und 1986 im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut.

 

Gaststätte "Im weißen Ross"
Paderborner Dorf mit Pastorat (unten) und Restaurant „Im Weißen Ross“ (oben)
Paderborner Dorf, Pastorat, erbaut um 1733-1738, Zustand: um 1900
Paderborner Dorf, Pastorat, Allagen (Warstein, Kreis Soest), 1733 bis 1738 erbaut
Pastorat und Restaurant „Im Weißen Ross“
Valpagen-Hof, Haupthaus

Der größte Bauernhof im Paderborner Dorf ist der Valpagen-Hof. Den Eingang des Haupthauses ziert eine prächtige Schnitzerei aus dem Erbauerjahr 1577. Komplettiert wird der Valpagen-Hof durch eine Stallscheune, einen Speicher und einen Garten.

Besonders idyllisch ist der große Dorfteich, in dem sich das am Ufer stehende aus Bad Driburg stammende  Dorfbauernhaus Ludovici spiegel, erbaut im Auftrag eines Kapitelsekretärs des Damenstifts Neuenheerse. Betrachtet man die Torhölzer, so entdeckt man 1614 als Jahreszahl neben den Namen der Bauherren.

Paderborner Dorf, Dorfbauernhaus (Haus Ludovici), Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter), 1608 bis 1614 erbaut, 1777 umgebaut
Paderborner Dorf, Dorfbauernhaus (Haus Ludovici), Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter), 1608 bis 1614 erbaut, 1777 umgebaut
Paderborner Dorf, Mietshaus (Brigittenhäuschen), Rietberg (Kreis Gütersloh), 1602 erbaut, 1775 umgebaut
Haus Finkeldei-Arnecke

Zu den stattlichen Anwesen des Dorfes gehört das Haus Finkeldei-Arnecke, an dem sich als Anbau eine Backstube befindet, in der noch heute u. a. leckeres Hefegebäck, aber auch Kekse in Traktorform und Schnecken gebacken werden. Vielleicht sollte man auch mal frisches Apfelbrot probieren, denn das backt man hier außerdem. Die genannte Backstube stammt von 1901 und besitzt einen großen Königswinter - Steinbackofen, der mit Buchenholz gefüttert wurde. Zusehen kann man dem Bäcker bei der Arbeit durch eine Glasscheibe und nicht direkt über die Schulter – das verbieten die Hygienevorschriften.

Paderborner Dorf, Handwerkerhaus, Bäckerei, Grohnde (Emmerthal, Landkreis Hameln-Pyrmont), 1622 erbaut, 1909 umgebaut
Dorfteich, auf dem Teich schwimmen Lippegänse, im Wasser tummeln sich dicke Karpfen. Dorfbauernhaus links (Haus Ludovici), Neuenheerse (Bad Driburg, Kreis Höxter), 1608 bis 1614 erbaut, 1777 umgebaut
Tagelöhnerhaus
Mietshaus Brigittenhäuschen Tagelöhnerhaus
Paderborner Dorf, Bürgerhaus (Haus Stahl), Gütersloh (Kreis Gütersloh), 1730 erbaut, Anbau von 1748, das Dielentor mit Rokoko-Schnitzwerk entstand um 1775

Rokokotür am Stahlschen Haus, benannt nach seinem Besitzer, dem Weinbrennerei-Besitzer Carl Stahl, erbaut 1730 in Gütersloh, heute Teil des Paderborner Dorfs im Freilichtmuseum.

Haus Stahl
Paderborner Dorf, Herrenhaus (Schönhof), Wiedenbrück (Kreis Gütersloh), um 1720 erbaut
Paderborner Dorf, Dorfbauernhaus (Haus Golücke), Amelunxen (Beverungen, Kreis Höxter) Hof Golücke, 1767 erbaut

Alte Schmiede

Die Schmiede Pollmann aus Höxter-Godelheim

Der Schmied ist noch fleißig bei allen anfallenden Schmiedearbeiten im Dorf. Er erzählt, dass es heutzutage kaum noch jemand gibt, der diesen Beruf erlernen möchte. Eines Tages wird es wahrscheinlich Schmieden und Schmiede nur noch im Museum zu sehen geben.

Die Funken sprühen und der Schlag des Metallhammers klingt weit über die Grenzen des Museumsgeländes: Heute ist ein Tag, an dem der Schmied des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold am historischen Amboss schwitzt. Die Luft über der Dorfstraße flirrt und die Sonne brennt vom frühen Morgen an auf das Dach der Schmiede Pollmann aus Höxter-Godelheim, einem Gebäude aus dem Jahre 1777 - selbstverständlich ohne Isolierung.

Die Einrichtung der Schmiede gleicht einem Wimmelbild und trotzdem findet der Schmied alles, was er gerade benötigt.

Das "Stille Örtchen" am Hinterhaus

Mit einem Blick auf den idyllischen Dorfteich verabschieden wir uns vom Paderborner Dorf.

Wegekapelle, Westerwiehe (Rietberg, Kreis Gütersloh), Westersporkhof, 1697 erbaut

Die äußere Farbgebung des Heiligenhäuschens entspricht der ersten Bemalung. Altar und Pietá (Darstellung Marias mit dem Leichnam Christi) hingegen verblieb in der schlichten Farbfassung des 19. Jahrhunderts.

 

 

 

Bockwindmühle

Errichtet wurde die Bockwindmühle aus dem Landkreis Hildesheim im Jahre 1812. Diese Art von Windmühle war die erste Windmühle Mitteleuropas, vor 1200 gab es nur Wassermühlen. Der Name kommt daher, dass die Mühle auf einen hölzernen Unterbau gesetzt wurde, der als Bock bezeichnet wird. Dadurch konnte die Mühle mit langen Balken - „Steert“ = Schwanz genannt - gedreht werden,  sehr praktisch, da der Wind seine Richtung ändert und die Mühle so in den Wind gedreht werden konnte. Diese Konstruktionsweise hatte jedoch den Nachteil, dass die Mühle nicht so groß gebaut werden konnte. Daher wurde die Bockwindmühle später von der Kappenwindmühle abgelöst.

Bockwindmühle, Groß Lobke (Algermissen, Landkreis Hildesheim) Mühle Pape, 1812 erbaut
Bockwindmühle, Groß Lobke (Algermissen, Landkreis Hildesheim) Mühle Pape, 1812 erbaut
Bockwindmühle, Groß Lobke (Algermissen, Landkreis Hildesheim) Mühle Pape, 1812 erbaut
Bockwindmühle

Lippischer Meierhof

Auch der Lippische Meierhof besteht aus mehreren Gebäuden. Das Haupthaus, ebenfalls ein niederdeutsches Hallenhaus, wurde 1570 errichtet. Es wurde in der für Lippe typischen Art mit weiß gekalktem Gefache gestaltet und besaß früher ein Strohdach. Im Museum ist es jedoch mit einem Reetdach ausgestellt.

Lippischer Meierhof, Leese-Wittigenhöfen (Lemgo, Kreis Lippe) Hof Meier Barthold, später Führing, 1570 erbaut, 1706/07 erweitert

Zum Lippischen Meierhof gehören auch die sog. „Leibzucht“, das Altenteilerhaus, erbaut 1619, Zustand um 1800. Wer in historischen Karten stöbert, der stolpert wiederholt über diesen Begriff. Der Wortursprung kommt dabei nicht von züchtigen in der Bedeutung einer Bestrafung in Form körperlicher Gewalt. Vielmehr geht es auf das alte Wort Tucht zurück. Tucht ist der niederdeutsche Vorläufer von Zug, als Verb ziehen, und meint in diesem Fall den Bezug von Gütern. Die Leibzucht bezeichnete hier den Altenteil einer Hofstelle . Wenn die alten Herrschaften an den Jungbauern abgaben, zogen sie auf den wohlhabenden Höfen vom größeren Haupthaus in ein kleineres Nebenhaus. Vom neuen Hofherrn erhielten die alten Leute entweder festgelegte Mengen Ware, beispielsweise Fleisch, Eier oder Milch, oder auch eine Kuh, alternativ freien Zugang zum Melkstall, ein Stück Garten und andere Versorgungsgrundlagen, mit denen sie ihren „Leib“ (niederdeutsch: „Lief“) erhalten konnten. Nach dem Ableben der alten Herrschaften wurden die Wohnhäuser der Leibzucht an Heuerleute oder Tagelöhner verpachtet. Sie werden daher später als Heuerhäuser. Im Altenteilerhaus ist die Diele durchgehend (ein sog. Durchgangsdielenhaus) links und rechts sind Wohnräume für die Altbauern.

Lippischer Meierhof, Leibzucht (Altenteilerhaus), Oettern-Bremke (Detmold, Kreis Lippe) Hof Böltke, 1619 erbaut

Seine wichtigsten Gebäuden sind das Haupthaus, der Speicher am Hofteich, die Scheune und das Altenteilerhaus von 1619. Im Haupthaus fanden Wohnen, Viehhaltung und Getreidelagerung unter einem Dache - Platz. Die Feuerstelle ist offen, ohne Schornstein, daher musste der Rauch durch das gesamte Haus ziehen. Alle Gebäude des Hofes wurden dem Museum von ihren Eigentümern geschenkt.

 

Das Haupthaus des Lippischen Meierhofes, Hof Meier Barthold, stammt aus dem Jahr 1570, Zustand um 1800, auch dieses ein Hallenhaus, mit später angebauten Wohnräumen. Zum Lippischen Meierhof gehören verschiedene Nutz-und Ziergärten, mit heute wieder vertraut werdenden alten Gemüse-und Gewürzsorten. Die Gärten werden natürlich sorgfältig gepflegt. In Ergänzung zu den Nutz- und Ziergärten werden im Freilichtmuseum alte Haustierrassen, Schweine, Schafe, Ziegen, Kühe und Hühner, sowie die fast ausgestorbene Pferderasse der Senner gezüchtet. Die Hühner laufen frei, alle anderen Tiere, vor allen Dingen Schafe und Ziegen lassen sich auch mal gerne kuscheln.  Außerdem kann man ein Backhaus besichtigen, das neben dem Stall stand, damit die Tiere von der Wärme profitieren konnten, einen Speicher, eine Scheune, Grenzsteine und sogar ein Bienenhaus.

 

Lippischer Meierhof: Deele mit Stallungen im Haupthaus, erbaut 1570

Dass die Bauern zusammen mit dem Vieh das Haus teilten, war bis in das späte 19. Jahrhundert üblich. Allerdings wurden Schweine und Schafe in eigenen Ställen untergebracht, während Kühe und Pferde sich den Platz im vorderen Bereich der Haupthäuser teilten. Immer wieder wird uns der Typ des niederdeutschen Hallenhauses begegnen, mit einer sog. „Diele“ als Unterbringung für die Tiere und als Arbeitsplatz und dem direkt dahinter liegenden „Flett“, dem großen Küchen- und Aufenthaltsbereich.

Lippischer Meierhof, Haupthaus: Feuerstelle

Münsterländer Gräftenhof

Der Münsterländer Gräftenhof gehörte einem Großbauern. Er ist von Wassergräben (Gräften) umgeben. Der Hof besteht aus mehreren Gebäuden. Solche Art von Höfen entstanden im Mittelalter. Als Vorbild wurden sich die ländlichen Herrensitze des niederen Adels genommen. Damit demonstrierten die Großbauern die Nähe zum Adel und ihre führenden Stellung in der Gesellschaft. Dies zeigt sich auch in der Einrichtung, die sehr hochwertig war. Typisch im Münsterland sind ungestrichene Fachwerkhölzer, die dadurch silbergrau verwittert sind. Der Hof besteht aus Haupthaus, Torhaus, Holzschuppen, Speicher, Backhaus, Garten, Bleichhütte, Scheune, Schweinehaus und Schafstall.

Von Wassergräben (Gräften) umgeben, geben sie dem Hof seinen Namen.
Gräftenhof, Torhaus, Nienberge (Stadt und Kreis Münster) Gräftenhof Haus Uhlenkotten, 1767 erbaut
Gräftenhof, Torhaus, Nienberge (Stadt und Kreis Münster) Gräftenhof Haus Uhlenkotten, 1767 erbaut

Der Münsterländer Gräftenhof zeigt den Hof eines Schulten (Großbauern) aus der Umgebung der Stadt Münster im Zustand der Zeit um 1800. Dort waren viele große Höfe von Teichen und Gräften (Wassergräben) umgeben.

Der Gräftenhof hat seinen Namen von den Wassergräben = Gräften und Teichen, die die Höfe aus der Umgebung der Stadt Münster umgaben. Das Haupthaus gehört zum Hof Schulte Bisping. Die Schulzen waren Großbauern. Als Besitzer des größten Hofes einer Siedlung standen sie in der bäuerlichen Hierarchie ganz oben. Das hier gezeigte Haus wurde um 1787 erbaut, der Zustand ist um 1800 und ist das größte Hallenhaus im Museum (42 m lang und 15 m breit). Die Diele ist sogar mit Wagen befahrbar. In ihr wurde auch Getreide gedroschen, Hochzeiten gefeiert und Beerdigung abhalten. Im Winter standen rechts und links Pferde und Rinder. Über dem Vieh waren Lagerplätze für Einstreu und die Knechtekammer. 

Flett mit Kamin

Hinter der Diele ist der Wohnteil des Hauses. Ein offenes Herdfeuer war das zentrale Element der Küche, um das sich alles scharte. Außerdem gab es Schlafräume für die Familie und eine Stube, in der sich aber nur im Winter aufgehalten wurde.

Flett mit Kamin: Das Flett und damit auch die dahinter liegenden Wohnräume sind zudem durch eine Windfangtür von der Diele abtrennbar. Die Herdstelle des Flett ist als Kamin mit einem Rauchfang und angeschlossenem Schornstein gestaltet. So konnte der Rauch abziehen, ohne die Bewohner dieses Hauses weiter zu belästigen. Links im Flett steht ein prächtiger langer Esstisch, mit schönem Essgeschirr im ebenso prächtigen Geschirrschrank, rechts im Flett ein großer Bereich, dem sog. Waschort mit Spülstein und allen möglichen Reinigungs-Utensilien.

Links im Flett steht ein prächtiger langer Esstisch, mit schönem Essgeschirr im ebenso prächtigen Geschirrschrank, rechts im Flett ein großer Bereich, dem sog. Waschort mit Spülstein und allen möglichen Utensilien, die man zum Reinigen braucht.

Wohnbereich (mit Wiege): Es fällt auf, dass dieses Flett im Gegensatz zu den anderen sehr dunklen Räumen in den bisher gesehenen Bauernhäusern geradezu lichtdurchflutet ist. Große Fenster sind verantwortlich dafür. Die auf halber Höhe hinter dem Flett liegenden Wohnräume sind ebenfalls viel großzügiger gestaltet und aufwendiger möbliert. Alles in allem sieht man in diesem Haus überall, welchen sozialen und finanziellen Stand der Besitzer hatte.

Schlafzimmer im Gräftenhof
Gräftenhof, Neuer Speicher, Beller (Harsewinkel, Kreis Gütersloh) Hof Meier Osthof, 1711 erbaut

Der Gräftenhof mit seinen 10 Einzelgebäuden ist der größte Hof des Freilichtmuseums. Das Haupthaus wurde 1787 erbaut und ist ein Vierständerbau. Das Dach ist nicht mit Stroh, sondern mit Ziegeln gedeckt, da der Rauch über einen Schornstein abgezogen wurde.

Gräftenhof, Backhaus, Beller (Harsewinkel, Kreis Gütersloh) Hof Meier Osthof, 1695 erbaut
Backhaus von 1695
Gräftenhof, Brunnen mit Holzschuppen
Gräftenhof, Alter Speicher, Wienigen (Everswinkel, Kreis Warendorf) Hof Schulte Brüning, 1561 erbaut
Das Aborthäuschen am Münsterländer Gräftenhof

Wassermühle

Bereits seit dem Mittelalter gibt es Wind- und Wassermühlen. Der Müller bekam die Mühle immer nur befristet gegen eine Pachtgebühr, da die Mühle in der Regel einem Grundherren gehörte.  Die Wassermühle des Freilichtmuseums wurde 1841 erbaut. Das Mühlrad wird durch von oben herabfließendes Wasser betrieben. Damit man sich dies angucken kann, wird die Mühle dauerhaft betrieben. In der Mühle ist ein Mahlgang für Getreide für Getreide, ein Bokewerk mit hölzernen Stampfern für Flachs und einen Häkselschneider, der im Obergeschoss steht. Zudem kann man einen Lanz-Dieselmotor entdecken, der seit 1925 als Alternative zur Wasserkraft eingesetzt wurde.

Wassermühle des Hofs Heller

Etwas abseits vom Haupteingang des Freilichtmuseums steht die in Fachwerk errichtete und mit Knüppelwalmdach versehene Wassermühle des Hofs Heller. Es handelt sich dabei um eine Mahl- und Bokemühle, die mit einem Gang betrieben wurde. Neben dem Mahlen von Korn wurde in der Mühle mittels Bokewerk auch Flachs gebrochen. Letzteres war Akkordarbeit. Flachsbündel wurde unter die Stampfer des Bokewerks geschoben, sodass die Holzbestandteile der Flachsstängel gebrochen werden konnten. Der im unteren Mühlraum befindliche Lanz-Diesel-Motor diente als Antriebs-Alternative, um stets, auch bei niedrigem Wasserstand, die Mühle in Betrieb zu halten. Die Mühle wird oberschlächtig angetrieben, das heißt das Gewicht des von oben auf das Mühlrad fließende Wasser treibt das Mühlrad an. Die Anlage stammt aus dem Landkreis Osnabrück, wurde erbaut 1841, der gezeigte Zustand ist um 1925. 

 

Da die Mühle außerhalb des Dorfes lag und der Müller zwar nicht in ihr, aber neben ihr und damit auch außerhalb wohnte, galt die Müllerei als sozial unkontrollierbar. Der Müller wurde oft verdächtigt, durch Abklopfen der Mehlsäcke zusätzlich für sich Mehl „abzustauben“. Erst als im 19. Jahrhundert das alte Mühlenrecht fiel und der Beruf des Müllers ganz neu geregelt wurde, stieg auch der Müller im sozialen Ansehen.

November 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Was Sie hier erwartet (Auswahl)