Mit der Kraft der Sonne den Alltag bunt gestalten:
Die Kunst des Solarfärbens im Mühlenhof Münster

Was hier auf den ersten Blick wie Gläser mit eingeweckten Gartenfrüchten aussieht, ist in Wahrheit eine besonders umweltschonende und langsame Methode, um Textilien aus Naturfasern (wie Wolle, Seide, Leinen oder Baumwolle) mithilfe von Pflanzen und der reinen Wärme des Sonnenlichts einzufärben.

Genannt wird dieses Verfahren „Solarfärben“. Gezeigt wird es hier im Garten des Webers Kotten im Mühlenhof in Münster.
(Hintergrund zum Motiv: In Webers Kotten, einem Vierständerbau von 1753, lebte und wirtschaftete früher eine kleinbäuerliche Familie. Sie war zusätzlich zur Landwirtschaft auf Einkünfte aus handwerklichen Nebenerwerbstätigkeiten angewiesen. Im Erdgeschoss des Hauses ist heute die Dauerausstellung „Weibliche Handarbeiten 1850-1930“ zu sehen.)
 
Wie funktioniert das Solarfärben?
Im Gegensatz zum klassischen Färben auf dem Herd wird hier kein Strom oder Gas benötigt. Das Prinzip ist einfach:
  • Die Zutaten: Ein großes Einmachglas, ungefärbte Wolle oder helle Naturstoffe, Färbepflanzen (wie Rote Bete für Rot/Rosa, Zwiebelschalen für Gelb/Orange, Kamille oder Tagetes, Goldlack oder Eibe) und ein Esslöffel Alaunsalz als Beizmittel, damit die Farbe dauerhaft haftet.

  • Die Schichtung: Die feuchte Wolle und das Färbematerial werden abwechselnd locker in das Glas geschichtet. Je dichter sie beieinanderliegen, desto intensivere, fleckigere Muster entstehen.

  • Das Ansetzen: Das Glas wird randvoll mit Wasser aufgefüllt, damit keine Luft bleibt (Schutz vor Schimmel), und fest verschlossen.

  • Die Geduld: Das Glas wandert für 3 bis 6 Wochen an einen sonnigen Platz im Garten oder auf die Fensterbank. Durch regelmäßiges Wenden verteilen sich die Pigmente.
Am Ende wird die Wolle nur noch klar ausgespült und im Schatten getrocknet – ein Schuss Essig im letzten Spülwasser fixiert die Farben dauerhaft.