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Friedhöfe - Kirchhöfe

Alte Grabsteine: Was vom Leben übrig bleibt

 

Leider, zum Teil aber auch aus Platz- oder hygienischen Gründen, sind heute bei den meisten alten Kirchen die umgebenden Friedhöfe verschwunden.  Anders sieht das noch aus bei den Föhrer Inselkirchen, aber auch hier in näherem Umkreis wie in Bochum-Stiepel, in Hattingen und bei der Kirche St. Peter zu Syburg aus. Hier finden sich innerhalb der Kirchhofmauern noch alte Grabsteine. Teilweise ist es auch umgekehrt, wie z.B. auf dem alten Ümminger Friedhof in Bochum. Neben zahlreichen alten Grabsteinen ist hier das alte Kirchlein verschwunden, wegen Baufälligkeit abgerissen.

 

Während in Ümmingen und Stiepel noch jeweils rund 70-75 alte Grabsteine und –platten zu bewundern sind, kann man in Syburg rund 180 erhaltene Steine finden. Zwar werden die ältesten Steine des Syburger Friedhofes aus der Zeit ab dem 9. Jahrhundert inzwischen im Kirchenraum verwahrt, die Mehrzahl der Steine aus der nachreformatorischen Zeit steht aber noch auf dem Kirchhof. Hier wird anschaulich, wie die Friedhöfe bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts in unseren Breiten aussahen.

 

Wandel in Form, Schrift und Schmuck

 

Weil seit Beginn des 19. Jahrhunderts Bestattungen mehr und mehr zu Angelegenheiten der politischen Gemeinden wurden und man sie aus hygienischen Gründen in die unbewohnten Außenbezirke verlagerte, finden sich auf den drei erhaltenen Kirchhöfen vor allem Grabsteine aus dem 16. – 18. Jahrhundert. Besonders der Syburger Friedhof zeigt, wie sich die Gestaltung der Steine im Laufe der Zeit verändert hat. Im 16. Jahrhundert erinnern hauptsächlich steinerne Kreuze an die Verstorbenen. Lange Zeit ist die eingeritzte Hausmarke der Familie der einzige ornamentale Schmuck. Ab dem 17. Jahrhundert finden sich dann oben abgerundete Steine, die im Laufe des Barocks immer detail- und schmuckreicher gestaltet werden. So wird der Rundbogen oft mit Muschelreliefs gefüllt, Blütenblätter, stilisierte Lilien oder runde, schneckenförmige Ornamente dienen ebenfalls dem Schmuck. Auch die Schrift ändert sich: Während sie im 16. Jahrhundert häufig noch unregelmäßig ist, wird sie im 17. und 18. Jahrhundert genauer und gleichförmiger, bevor sie sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts schwungvoll wandelt, zur sogenannten englischen Schreibschrift. Zu dieser Zeit lösen tempelartige "Dreiecksgiebel" oder flache Leisten den Rundbogen als oberen Abschluss ab. 

Gedenken in Wort und Symbolik

 

Der Schriftinhalt entwickelt sich ebenfalls weiter und wird im Laufe der Zeit ausführlicher. Auf dem Friedhof des Dorfes Süderende, im Westen der Insel Föhr, neben dem Backsteinturm der Pfarrkirche „Sankt Laurentii“, sprechen die Steine. Zum Beispiel über Früd Faltings, „geboren am 23. Dezember 1783, der 1811 Ingke Olufs zur Frau nahm, die ihm drei Kinder gebahr. 23 Jahre lang führte er ein Schiff aus Kopenhagen und brachte seine Familie zu Wohlstand“. So steht es in schwarzen Buchstaben auf weißem Grund, und wer wissen möchte, warum Föhr die Insel der Kapitäne ist, sollte verweilen und weiterlesen.

 

Ab dem 17. Jahrhundert erzählen die Steine auch hier im Ruhrgebiet manchmal etwas von einer tragischen Todesursache „auf der Rour verdronken“ oder von einem besonders erfolgreichen Leben „Kramer, Burger zu Westhofen, welcher sein Gewerbe in Engeland, Seeland und dergleichen Länder gehabt“. Häufig finden sich jetzt auch Verse aus der Bibel, entweder unter den Daten der Verstorbenen oder auf der Rückseite des Steins.

Ebenso zeigen die erhaltenen Grabsteine, wie sich die Einstellung zum Tod ändert. Im 16. Jahrhundert genügte noch die Form des Grabmals als Kreuz, um an einen verstorbenen Christen zu erinnern. Der Barock, der in all seinem Prunk auch immer den Tod mitdachte, schmückte die Grabmäler dann mit einer Fülle von Symbolen. Besonders Engel in allen möglichen Formen stehen für die Aufnahme der Seelen in den Himmel. Da sie so oft vorkommen, kann man an ihnen gut unterschiedliche Ansichten und Handfertigkeiten studieren: Mal sind sie eher stilisiert und haben einfache Gewänder, mal scheinen sie individuelle Gesichtszüge zu haben und ihre Kleider liegen in üppigen Falten. Daneben gibt es häufig Herzen als Symbol der Liebe. Knochen, Totenschädel und Sanduhren weisen auf die Vergänglichkeit allen Lebens hin. Wenn dann das Zeitalter der Empfindsamkeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts anbricht, findet sich nicht nur die bereits erwähnte englische Schreibschrift, auch die Symbolik wird weniger drastisch. Nach unten gekehrte Fackeln, Schmetterlinge und Vögel erinnern nun an das Verlöschen und Verfliegen des Lebens. Efeu als immergrüne Pflanze oder das in ein Dreieck eingefügte Auge versinnbildlichen das Weiterleben nach dem Tod und die göttliche Fügung.

 

Als "Hobby-Historiker" habe ich mir zum Ziel gesetzt, vor allem alte Grabsteine aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert zu fotografieren und deren Beschriftung zu dokumentieren, um diese geschichtsträchtigen Quellen für die Nachwelt zu erhalten. Sie erzählen zum Teil persönliche Tragödien, haben einen empfundenen Denkmalwert, werden aber leider nach mehreren Generationen entsorgt, wenn sich niemand mehr um die Gräber kümmert. 

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