KAMINzeit statt Bildschirmzeit: Logge dich aus und wärme dich auf

Der Fokuswechsel
Tausche das kalte, blaue Licht deines Smartphones gegen das warme, lebendige Knistern echter Holzscheite. Während Displays unsere Aufmerksamkeit permanent fordern und fragmentieren, beruhigt das gleichmäßige Flackern der Flammen das Nervensystem und fördert die Ausschüttung von Entspannungshormonen.

Kamin aus dem Haus des Hofrates Zurmühlen in der Königstraße 60 in Münster

 

Allegorische Darstellungen der vier Erdteile – Europa, Asien, Afrika, Amerika – waren seit der Frühen Neuzeit als Bauplastik weit verbreitet. Dabei zeigen sie kein neutrales Bild der Welt, sondern spiegeln eine Sichtweise, die Unterschiede ordnet und bewertet.

 

Während Europa und Asien als bekleidete, „zivilisierte“ Hochkulturen inszeniert sind, wurden Afrika und Amerika vom Bildhauer Wilhelm Heinrich Kocks bewusst spärlich bekleidet oder nackt dargestellt. Diese Nacktheit sollte die fernen Kontinente in den Augen der damaligen Zeitgenossen als „naturverbunden“, „wild“ oder „roh“ kennzeichnen und mit stereotypen Attributen (wie indigenem Federschmuck oder Jagdwaffen) versehen. Der Kaminbesitzer zeigte mit diesem Motiv also nicht nur seinen Reichtum, sondern demonstrierte symbolisch, dass ihm gedanklich „die ganze Welt“ zu Füßen lag.

 

Das Rundbild: Das dunkle, kreisrunde Relief im oberen Aufsatz zeigt die biblische Szene des Sündenfalls von Adam und Eva am Baum der Erkenntnis.

Ofenplatte mit Wappen des Ferdinand von Fürstenberg

(1626–1683), Fürstbischof von Münster und Paderborn, 1683

 

Die Platte stammt von einem sehr großen Kastenofen, wie er zur Beheizung eines größeren Saales verwendet wurde. Die Initialen nennen den Auftraggeber F(erdinandus) E(piscopus et) P(rinceps) M(onasteriensis et) P(aderbornensis) = Ferdinand, Bischof und Fürst zu Münster und Paderborn, unten die Jahreszahl 1683 – am 26. Juni 1683 ist der Bischof in Schloss Neuhaus bei Paderborn verstorben. Sein von zwei Löwen gehaltenes neunfeldiges Wappen zeigt in der Mitte als Herzschild das Familienwappen (zwei rote Balken in goldenem Feld), darüber den Balkenschild des Bistums Münster - damit wird deutlich, dass es das Wappen Ferdinands als Fürstbischof von Münster ist und aus einem der fürstbischöflichen Schlösser oder aus einer der Amtsburgen des Münsterlandes stammt; oben links das rote Kreuz auf weißem Grund des Fürstbistums Paderborn, oben rechts das Wappen der Burggrafschaft Stromberg, links des Herzschildes das Wappen der Grafschaft Pyrmont, rechts die drei Kugeln der Herrschaft Borculo, während in der unteren Reihe die Wappenbilder der oberen Reihe in gegenseitiger Reihung wiederholt sind. Die Provenienz ist nicht gesichert; sehr wahrscheinlich erworben vor 1898 durch den Altertumsverein oder den Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst.

Bei den dargestellte Figuren im Vordergrund handelt es sich wahrscheinlich um Judith und David:
    • rechts: Die linke Skulptur zeigt die biblische Heldin Judith mit dem abgetrennten Haupt des Holofernes. Sie ist als stolze Frau in einem zeitgenössischen, reich drapierten Kleid dargestellt. In ihrer linken Hand hält sie den Haarschopf des feindlichen Feldherrn Holofernes, dessen lebloser Kopf nach unten hängt. Rechts daneben steht eine männliche Figur in dynamisch bewegter Kleidung und Pose, die den Blick vom grausamen Geschehen abwendet. 
      Die Handlung der Geschichte
      Als die Einwohner von Betulia kurz davor standen, wegen des extremen Wassermangels aufzugeben, schritt Judith ein. Sie legte ihre Trauerkleidung ab, machte sich schön und ging zusammen mit ihrer Magd direkt in das feindliche Lager der Assyrer. Dort gab sie vor, die Seiten wechseln zu wollen.Holofernes war von ihrer Schönheit fasziniert und lud sie zu einem großen Gelage in sein Zelt ein. Er trank dabei so viel Wein, dass er schließlich völlig betrunken auf sein Bett sank und einschlief. Judith nutzte die Gelegenheit: Sie zog sein eigenes Schwert und schlug ihm mit zwei Hieben den Kopf ab. Ihre Magd steckte das Haupt in einen Sack, und beide Frauen kehrten unbemerkt nach Betulia zurück. Als die Assyrer am nächsten Morgen den kopflosen Körper ihres Feldherrn entdeckten, verfielen sie in Panik und flohen. Die Israeliten waren gerettet.
    • links: Hier ist der jugendliche David mit dem Haupt des Riesen Goliath dargestellt. Im Gegensatz zur eher nachdenklichen oder wegschauenden Haltung der Figuren auf der linken Kaminseite blickt der biblische Held David hier aufrecht und entschlossen nach vorn. In seiner linken Hand hält er das mächtige, bärtige Haupt des bezwungenen Riesen Goliath. Hintergrund (Links): Direkt dahinter steht eine weibliche Allegorie oder biblische Figur in klassisch fließendem Gewand, die das Gegenstück zu der Männerfigur der anderen Kaminseite bildet.
      Die Handlung der Geschichte
      Die Philister und die Israeliten standen sich im Krieg gegenüber. Jeden Tag trat Goliath vor und forderte die Israeliten zu einem Zweikampf heraus: Der Ausgang des Duells sollte den ganzen Krieg entscheiden. Niemand traute sich vor – bis der junge David das Lager besuchte, um seinen Brüdern Essen zu bringen. Empört darüber, dass Goliath das Heer Gottes verspottete, meldete sich David freiwillig für den Kampf. Er lehnte die schwere Rüstung von König Saul ab. Stattdessen trat er Goliath nur mit einer einfachen Steinschleuder und fünf glatten Steinen aus einem Bachlauf gegenüber. Als Goliath den unbewaffneten Jungen sah, lachte er ihn aus. David jedoch schleuderte einen Stein ab. Dieser traf Goliath so präzise und hart an der Stirn, dass der Riese bewusstlos zu Boden stürzte. David lief vor, zog Goliaths eigenes Riesenschwert aus der Scheide und schlug ihm den Kopf ab. Die Philister flohen daraufhin in Panik.
 
 

Weitere Detailaufnahmen zum Kamin unter "LWL-Museum" ► hier auf der Webseite.