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LWL-Freilichtmuseum Hagen:
1000 Jahre Technik- und Handwerksgeschichte

Geschichte hautnah, Ort des Erlebens, Staunens und Lernens, beliebtes Ausflugsziel - es gibt viele Möglich-keiten, das Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zu beschreiben. Einmalig in seiner Art ist es auf jeden Fall.

Einzigartig in Europa: Das Museum zeigt Momente der Handwerks- und Technikgeschichte Westfalens und Lippes vom endenden 18. bis ins 20. Jahrhundert. Unverwechselbar ist das Konzept: Es ist das einzige Freilichtmuseum in Europa, das sich ausschließlich der Geschichte von Handwerk und Technik widmet.Lodernde Schmiede- Feuer, schlagende Hämmer, quietschende Treibriemen, geschäftige Betriebsamkeit: Das Freilichtmuseum ist lebendig. In zahlreichen Werkstätten sind historische Arbeits-Techniken erlebbar. Wie man Nägel oder Sensen schmiedet, Zigarren rollt, Öl presst, Löffel schnitzt oder Seile schlägt, wird im reizvollen und weitläufigen Mäckingerbachtal nicht nur erklärt, sondern in vielen Werkstätten anschaulich gezeigt. So werden unbekannte oder in Vergessenheit geratene Techniken und Arbeitsbedingungen begreifbar. Die historischen Werkstätten sind Ausgangspunkte für Fragen zur geschichtlichen Entwicklung von Handwerk und Technik, zu wirtschaftlichen, sozialen und regionalen Zusammenhängen. Welche Folgen hat der technische Wandel für unsere Gesellschaft und unsere Umwelt? Die begleitenden Dauer- und Sonderausstellungen setzen die Zeugnisse alter Technik und vergangener Lebenswelten in neue Zusammenhänge.

Lohmühle

Die Lohmühle des Freilichtmuseums stammt aus Plettenberg. Das um 1820 gebaute Haus konnte 1978 abgetragen werden. Ursprünglich war das gesamte Gebäude als Fachwerk errichtet, im Museum wurde das Untergeschoss aus Stein ausgeführt. Die über ein Wasserrad angetriebene Mühle und die Betriebseinrichtung waren nicht mehr vorhanden und mussten rekonstruiert bzw. aus anderen Gerbereien ergänzt werden. Loh- oder Rotgerber bearbeiten Häute mit Eichenrinde, einem pflanzlichen Gerbstoff. Als Lohe wird die abgeschälte Rinde bezeichnet, die in Lohmühlen gemahlen wurde. In der Lohmühle Schulte wurde gemahlen und gegerbt.

Kuhschellenschmiede

In dieser Werkstatt aus Grund im Siegerland fertigte Wilhelm Krämer Kuhschellen aus Blech, die er mit einem Messing-überzug versah. Die Herstellung von Kuhschellen im Siegerland ist eng mit der dortigen Weidewirtschatt verbunden: In den unübersichtlichen Niederwäldern der Hauberge grenzten keine Zäune die Weiden ab. Mit Schellen (Geläut) versehen, blieb die Herde besser zusammen, verirrte Tiere konnten leichter gefunden werden. Mit den Haubergen verschwanden seit den 1950er Jahren auch die dort weidenden Herden. Doch Wilhelm Krämer gab sein Handwerk nicht auf: Statt für Kühe fertigte er Schellen nun als nostalgisches Souvenir für Touristen. Das Gebäude der Kuhschellenschmiede ist eine Rekonstruktion der 1968 abgerissenen Schmiede: Ein 1868 erbautes und 1905 erweitertes Fachwerkhaus. Die Inneneinrichtung ist original. Anders als eine Glocke aus Metallguss wird eine Schelle geschmiedet und gebogen: Nach einer Schablone wird ein Stück Blech ausge-schnitten, zur Schellenform zusammengebogen und vernietet. Dann wird der "Galgen" eingesetzt, an dem später innen der Klöppel und außen die Lederriemen befestigt werden, mit denen die Schelle am hölzernen Schellenbogen hängt. Zunächst aber erhält die Schelle einen Messingüberzug. Hierzu wird sie zusammen mit Messing-stücken in einen Lehmmantel gehüllt und im Schmiedefeuer erhitzt. Dabei schmilzt das Messing und verteilt sich durch Schwenken der Lehmform aus dem Schellenkörper und "verlötet" dabei auch die Schellennähte. Abschließend wird der Klang der Schelle durch gezieltes Behämmern und Befeilen des Schellenrandes gestimmt.

Friseursalon, Stuhl- und Rahmenflechterei, Besen- und Bürstenmacherei

Im 19. Jahrhundert übernahmen verstärkt Blindenwerkstätten Arbeiten der Bürsten- und Besenmacherei sowie der Stuhl- und Rahmenflechterei. Sie entwickelten sich zu speziellen, sogenannten "Blindenhandwerken", den wenigen Bereichen, in denen blinde und sehbehinderte Menschen arbeiten konnten. Eine solche Werkstatt wurde 1999 im Westfälischen Freilichtmuseum Hagen in Kooperation mit dem Berufsbildungswerk des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und der Bundesversicherungsanstalt Münster eingerichtet. Die Einrichtung erfolgte in Zusammenarbeit der beiden genannten Kooperationspartner; sie geht nicht auf historische Vorbilder zurück. Im gleichen Haus findet man auch einen originalgetreu eingerichteten Friseursalon.

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Messingstampfhammer

Die Betriebseinrichtung des Messingstampfhammers stammt, wie die Anlagen der Gelbgießerei, aus Iserlohn. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Iserlohner "Bronze"- Waren weltweit gehandelt: Möbelbeschläge, deren Form nach Mode und Zeitgeschmack wechselte, Lampen und Leuchter, Weihwasserbecken und Sargzier. Noch weit nach 1950 waren viele messingverarbeitende Betriebe in der Stadt ansässig. Die Einrichtung seines Hammerwerks hatte Otto Metzler Ende der 1930er Jahre gebraucht aus zwei älteren Betrieben zusammengekauft, bis 1966 produzierte er Messingwaren auf den vier fußbetriebenen Stampfhämmern. Herrn Metzlers letztes Betriebsgebäude wurde im Zuge der Stadtsanierung Iserlohns abgetragen. Das heutige Gebäude, in dem die originalen Stampfhämmer untergebracht sind, wurde in Anlehnung an Vorbildanlagen aus Iserlohn gebaut, ebenso das Nebengebäude, in dem eine Werkstatt zur weiteren Bearbeitung der Messingwaren eingerichtet ist. Die Blechprägung mit Stampfhammer/Patrize und Amboss/Matrize bzw. im  Gesenk erfolgt in mehreren Arbeitsgängen. Damit das Messingblech beim Hämmern von tiefen und konturenreichen Formen nicht reißt, wird zunächst eine Vorform in ein Paket aus mehreren Blechen geschlagen. Dann wird in mehreren Arbeitsgängen die Anzahl der Messingbleche immer weiter reduziert und immer konturenschärfere Prägungen geschlagen. Zuletzt werden die geprägten Messingteile mit der Dekupiersäge ausgesägt und nachbehandelt, abgebeizt, poliert, bemalt oder mit einer Firnis aus Schellack überzogen.

Gelbgießerei

Ein Zentrum der Messingverarbeitung in Westfalen war bis ins 20. Jahrhundert die Region um Iserlohn mit ihren Galmei-vorkommen. Messing ist eine Legierung aus dem im Galmei enthaltenen Zink und Kupfer. Gelbguss wiederum ist eine besondere Messinglegierung, die 65-67% Kupfer und 33-35% Zink enthält. Die originale Einrichtung der Gießerei hat das Museum 1970/71 von der Iserlohner Firma Wilhelm Gotthold Kunstmann übernommen. Wie bei vielen kleinen Gießerei-besitzern waren Herrn Kunstmanns ganzes Kapital seine Werkzeuge, Formen und Modelle. Einen eigenen Fabrikbau besaß er nicht, geeignete Hallen musste er anmieten. Anders als die meisten Gießereibesitzer produzierte Herr Kunstmann weniger für das Installationsgewerbe und den Maschinenbau, seine Spezialität waren vielmehr Glocken, Büsten und Medaillen. Das Gebäude ist kleinen Gießereianlagen um 1900 nachempfunden. Die Werkstatteinrichtung hingegen ist original: In der Gießhalle wurde in einem koksbeheizten Ofen im Grafittiegel aus Kupfer und Galmei die schmelzflüssige Messinglegierung erzeugt. Das flüssige Messing wird mit einem Gießlöffel entnommen und mehr als 1000° Celsius heiß in Formkästen gegossen. In diesen Kästen war in Form- oder Ölsand die Negativform des künftigen Werkstücks heraus-modelliert. Die zum Herstellen der Gussform erforderlichen Modelle waren in einem Lagerraum neben der Gießhalle untergebracht. In einem weiteren Raum erfolgte das Entgraten ("Putzen") der Werkstücke und ihre abschließende Bearbeitung.

Kupferhammer

Heutigen Betrachtern erscheint der Kupferhammer als Idyll frühindustriellen Gewerbefleißes. Doch Mitte des 19. Jahr- hunderts war das eine leistungsstarke Fabrik- und wurde von manchen Zeitgenossen als massiver Eingriff in Landschaft und Umwelt empfunden. Hier, in den Betrieben der Frühindustrialisierung, herrschten härteste Arbeitsbedingungen. Krankenversicherung, Altersvorsorge und Arbeitsschutz waren unbekannt. Vorbild für das Gebäude war der Hammer in Osterode/Harz, die originale Inneneinrichtung hingegen wurde aus mehreren Betrieben zusammengetragen und  arrangiert. In einem Schmelzofen wurde angeliefertes Rohkupfer aufgeschmolzen und dabei gereinigt und schmiedbar "hammergar" gemacht - eine belastende Arbeit aufgrund der giftigen Kupferdämpfe. Unter den drei wasserrad-getriebenen Hämmern, dem flachköpfigen Breit; dem spitzen Tief- und dem Schlichthammer wurde das Kupfer zu Halbzeug verarbeitet. Zum Beispiel zu Blechen, Stäben und Kesseln, die zur weiteren Bearbeitung in die Schmiede gebracht wurden. Zwischen den Hammervorgängen musste das Werkstück in der Glüh-Esse wieder auf Schmiedetemperatur erhitzt werden. Die Blasebälge der Esse wurden über ein Gestänge von einem weiteren Wasserrad angetrieben.

Kupferschmiede

Kupferschmieden verarbeiteten die in den Kupferhämmern vorgefertigten Halbzeuge zu fertigen Produkten. Bevor Kunst-stoffe in viele Anwendungsfelder der Nichteisenmetalle vordrangen, bot der Kupferschmied eine breite Produktpalette an: Becken und Schalen, Töpfe und Pfannen, Kuchenformen, Wasserkessel... Manche Kupferschmiede spezialisierten sich auf Produkte für den Baubereich: Dacheindeckungen, Abdeckungen von Dachgauben, Fallrohre, Fassadenornamente, Wetter-fahnen...  Wie bei der Eisenverarbeitung boten im 19. Jahrhundert kleine Kupferschmieden ihren Besitzern die Gelegenheit zu selbstständiger Arbeit. Aber auch größeren Kupfer-Hammerwerken waren meist eigene Schmieden als weiterverarbei- tende Betriebe angegliedert. So waren die großen Betriebe in der Lage, neben Halbzeug auch Fertigprodukte anzubieten. Um diesen Betriebszusammenhang zu verdeutlichen, wurde der Schmiedebetrieb in direkter Nähe zum Kupferhammer aufgebaut und architektonisch dem Hammerwerk angepasst. Die Inneneinrichtung der Kupferschmiede stammt aus ver- schiedenen Betrieben in Westfalen. Hölzerne und eiserne Treibhämmer zur Bearbeitung von Kupferblech und Ambosse mit verschiedenen Kopfformen zählten zu den wichtigsten Arbeitsgeräten des Kupferschmiedes, hinzu kam Gerät zum Löten, Abkanten, Schneiden und Runden von Blechen.

Deutsches Schmiedemuseum

Schmiedearbeit - Feuerarbeit. Oft verklärt und zum Mythos erhoben, ist Schmieden vor allem eins: Harte und zugleich qualifizierte Arbeit. Neuen Medien und Internet zum Trotz: Schmiedeprodukte zählen bis heute zu den wichtigsten Grund-gütern der Wirtschaft. Den steigenden Anforderungen der verarbeitenden Industrie folgend sind Schmiedeprodukte heute schon lange hochpräzise High-Tech-Werkstücke. Seit 1983 zeigt das Freilichtmuseum Hagen die Sammlung des Deutschen Schmiedemuseums. Seinen Standort hat das Schmiedemuseum in einem barocken Fachwerkbau aus dem Siegerland gefunden - einer Region, in der die Eisenverarbeitung eine Jahrhunderte alte Tradition hat. Das Gebäude ist das im 18. Jahrhundert erbaute ehemalige Rathaus der Stadt Neunkirchen bei Siegen. Das Untergeschoss des Schmiedemuseums, der "Schmiedekeller“ kann für Feiern und verschiedene Veranstaltungen gemietet werden.

Drahtzieherei

Der märkische Raum war und ist das Zentrum der deutschen Drahterzeugung. Eine alte wasserkraftgetriebene Drahtrolle aus dem Altenaer Nettetal, der Begriff "Rolle" steht für das Wasserrad, wurde im Museum ab 1967 wieder aufgebaut. Diese Drahtrolle, die "Pfeffermühle", besaß im 18. Jahrhundert zwei Wasserräder, die zwei Bankzögersbänke für die Herstellung von gröberen und vier Kleinzögersbänke für die Herstellung von feinerem Mitteldraht antrieben. Die Umstellung von Zögers-bänken auf Grob- und Mittelzüge, wie sie in der jetzigen technischen Ausstattung des Gebäudes zu sehen sind, erfolgte in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ergänzt wurde die Einrichtung durch eine Glühofenkonstruktion, wie sie um 1900 in Altena üblich war. Das "Drahtwaschen", bei dem die Drahtringe blankgescheuert wurden, fand außerhalb des Gebäudes auf der Polterbank statt, die auch von einem Wasserrad angetrieben wurde. In den kleineren Drahtrollen war der Drahtzieher für den gesamten Fertigungsprozess "seines" Drahtes zuständig. Drahtherstellung war eine "Kunst"; die erzeugten Qualitäten und Quantitäten hingen eng mit der Erfahrung des Drahtziehers zusammen. Nicht theoretische Kenntnisse, sondern Erfahrungswissen, Intuition und die Fähigkeit zur Improvisation sowie körperliche Kraft zeichneten einen guten Drahtzieher aus.

Hammerwerk

Neben den typischen Haubergs- und Meliorationsgeräten wurden hier bis zur Stilllegung der Schmiede in den 1950er Jahren auch Dinge des täglichen Gebrauchs hergestellt. Der hintere Teil des Hammerwerks beherbergt die alte Schwanz-hammeranlage und den von Muskelkraft betätigten Blasebalg. Im rechten Teil wurde der ursprüngliche Schwanzhammer durch einen, vom Wasserrad über ein Vorgelege und eine Transmission betriebenen, Federhammer mit einer viel größeren Arbeitsleistung ersetzt - eine technische Innovation des 19. Jahrhunderts. Die Luft für das  Schmiedefeuer erzeugt in diesem Teil des Hammerwerks ein an die Transmission angeschlossenes Gebläse. Ebenfalls von einem Wasserrad über ein Vorgelege angetrieben wird ein Schleifstein für die abschließende Bearbeitung der geschmiedeten Werkzeuge und Geräte.

Sensenhammer

Die Herstellung und der Vertrieb von Sensen im In- und Ausland waren wichtige Einnahmequellen im märkischen Raum, vor allem im Gebiet der Ennepe. Gerade in dieser Region siedelten sich im 17. Jahrhundert zahlreiche Sensenschmiede aus dem nahegelegenen Herzogtum Berg an, die infolge von Zunftstreitigkeiten keine Betriebe führen konnten und auswandern mussten. Vom Sensenhammer "Suberg" in Haspe, in dem noch bis in die 1960er Jahre mit Schwanzhämmern produziert wurde, konnte die Betriebseinrichtung übernommen werden. Das Gebäude wurde am Originalstandort ausgemessen und in leicht abgewandelter Form nachgebaut. Um vom Wasser als Antriebselement unabhängig zu werden, elektrifizierten die damaligen Besitzer, die Gebr. Falkenroth, 1919 den Betrieb; die Hämmer konnten nun auch über Transmission von einem Elektromotor angetrieben werden. Drei originale Schwanzhämmer dokumentieren die Herstellung in dieser für die Region typischen, mittelgroßen Betriebsanlage. Eine Vielzahl von Arbeitsgängen - je nach Sensentyp und Ausführung bis zu 32 - war nötig, um aus einem Stück Eisen eine fertige Sense zu machen.

Nagelschmiede

Gasthof zur Post

Zinkwalzwerk Hoesch

Das 1847 gebaute Zinkwalzwerk gibt eine Vorstellung davon, wie die Industrialisierung die Welt im 19. Jahrhundert ver- änderte. Der Bau von Walzwerken war eine Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Metallhalbzeug: Durch Walzen konnte in derselben Zeit weit mehr Blech hergestellt werden, als durch Aushämmern. Die Walzbarkeit von Zink wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt, doch dann setzte sich das nichtrostende Zinkblech schnell durch. In der Papier-industrie wurde Zinkblech zum Glätten von Papierbögen verwendet, Dacheindeckungen und Fassadenteile aus Zinkblech waren verbreitet, viele Haushaltswaren Wurden aus Zinkblech gefertigt. Der im Museum gezeigte Betrieb besteht aus originalen Teilen des Zinkwalzwerks Hoesch aus Schneidhausen bei Düren von 1847. Die Walzhalle selbst ist eine Rekon-struktion nach Originalplänen. Weil Blech aus reinem Zink weich ist, musste es aus einem Paket mehrerer übereinander gelegter Einzelbleche gewalzt werden. So erhielt es die nötige Stabilität. In einem kohlebeheizten Ofen wurde das in Barren angelieferte Zink geschmolzen und mit einer schweren Kelle in die Formen auf dem Gießkarussell geschöpft. Hier erstarrte es zu Gussblöcken. Die Gussblöcke wurden zunächst 200° Celsius heiß zu dünnen Platinen vorgewalzt. Diese Platinen wurden zu einem Paket übereinandergelegt und mehrmals quer zur vorhergehenden Walzrichtung auf die endgültige Blechstärke heruntergewalzt  (Kreuzwalzen). Die Arbeit der Gießer und Walzer im Zinkwalzwerk war Schwerstarbeit. In Westeuropa ist dieses Verfahren heute durch ein kontinuierliches Gieß-Walzverfahren abgelöst, durch Einsatz einer Titan-Zink-Legierung sind die Bleche auch ohne Paketwalzen stabil.

Papier- und Pappemühle Karbach

Die Papier- und Pappemühle Karbach (seit 1964 im Freilichtmuseum) ist, bis auf den Holz-Schleifer, eine detailgetreue Rekonstruktion einer Pappemühle in Karbach bei Wangen im Allgäu. Diese wurde 1595 gegründet und erst 1959 stillgelegt. Somit ist sie eine der ältesten Papiermühlen Deutschlands. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die ersten Fabriken Maschinenpapier produzierten, konnte die Karbacher Mühle noch zwei Generationen lang handgeschöpftes Papier herstellen. Neben Kanzleipapier für die Stadt Wangen stellte die Karbacher Mühle wenigstens vier Papiersorten her. Hierzu gehörten auch Pappen. Die Rohstoffkosten wurden gering gehalten, indem die Verpackungspappen überwiegend aus Altpapier hergestellt wurden. Dieser Produktionszweig sicherte bis zur Schließung der Mühle die Auftragslage. Die Karbacher Mühle  erlebte seit ihrer Gründung im Jahre 1595 eine wechselvolle Geschichte. 1873 übernahm Johann Baptist Schultheiss die Mühle von seinem Vater. Mit der Inbetriebnahme der Rundsiebmaschine  No 33. in den Jahren 1883/84, wurde die Produktion vollständig auf die Herstellung von Pappen aus Altpapier umgestellt. Bis zur Stilllegung des Betriebes war die Rundsiebmaschine No. 33 im Einsatz.

Papiermühle "In der Calle"

Die Papiermühle "In der Calle" stand ursprünglich in Iserlohn in der Nähe des Seilersees. Die Entstehungsgeschichte dieser Büttenpapiermühle geht auf das Jahr 1721 zurück. Sie wurde im Jahre 1817 von dem in Hagen-Delstern geborenen Friedrich Schulte (1802-1872) für 3600 Reichsthaler erworben. Er erweiterte das Mühlengebäude durch einen mehr- geschossigen Fachwerkbau. Das Untergeschoss wurde mit Bruchsteinen aufgemauert. Die Umbauarbeiten Friedrich Schultes wurden durch den Mühlenbaumeister Johann Hermann Stindt unterstützt. Das Gebäude der Papiermühle bestand bis 1962. Zur Mühle gehörte ein Wohnhaus, welches 1973 abgerissen wurde. Das gesamte Inventar des Wohnhauses und der Mühle ging verloren, 1974 wurde das Papiermühlen-gebäude im Freilichtmuseum wieder errichtet und mit einem rekonstruierten Inventar ausgestattet, das typisch für eine vorindustrielle Papiermühle ist: ein Mühlrad mit Stampfwerk, ein Papiermacher-arbeitsplatz mit Bütte und eine Papierpresse. Heute werden in der Museumspapiermühle verschiedene Büttenpapiere nach handwerklicher Tradition hergestellt. Die Nebenräume des Gebäudes werden von der Museums-pädagogik genutzt. Im Obergeschoss befindet sich die Ausstellung "Papier und Umwelt".

Druckerei Haus Vorster

Das Haus Vorster, in dem sich die Museumsdruckerei befindet, wurde 1712 im spätbarocken Fachwerkstil errichtet. Auf Grund der Auflagen der Feuerversicherung war die Fassade lange mit einem Zementputz versehen. Anfang der 1950er Jahre wurde der Putz entfernt und die repräsentative Fachwerkkonstruktion wieder freigelegt. Haus Vorster war Teil eines großen Firmenkomplexes, der Papierfabrik A. D. Julius Vorster in der Stennert bei Hagen-Eilpe. Gegründet wurde der Betrieb von den beiden Söhnen von Mathias Vorster, Dietrich und Adolf, im Jahre 1712. Die erste Papiermaschine wurde bei Vorster um 1850 aufgestellt. Vor allem in den 1920er und 1930er Jahren folgten umfangreiche Investitionen in die technische Ausstattung.

Durch Kriegseinwirkungen im Herbst 1943 war die Produktion so stark eingeschränkt, dass die Stilllegung des Betriebes beschlossen wurde. Aber schon 1946 wurde der Um- und Ausbau des Werkes begonnen. Im Jahre 1959 übernahm die Feldmühle AG das Werk in Eilpe mit seinen rund 850 Mitarbeitern, weiches dann aber 1965 stillgelegt wurde. Seit 1991 gehört die Feldmühle-Gruppe zum Konzern der Stora bzw. Stora Enso Kabel. Das Haus Vorster symbolisiert die lange Tradition der Papierherstellung in der ehemaligen Grafschaft Mark. Im Obergeschoss des Gebäudes befindet sich die Dauerausstellung  "Bütten, Siebe und Tamboure" zur Geschichte der Papierherstellung.

Dass die Bauern zusammen mit dem Vieh das Haus teilten, war bis in das späte 19. Jahrhundert üblich. Allerdings wurden Schweine und Schafe in eigenen Ställen untergebracht, während Kühe und Pferde sich den Platz im vorderen Bereich der Haupthäuser teilten. Immer wieder wird uns der Typ des niederdeutschen Hallenhauses begegnen, mit einer sog. „Diele“ als Unterbringung für die Tiere und als Arbeitsplatz und dem direkt dahinter liegenden „Flett“, dem großen Küchen- und Aufenthaltsbereich.

Tabakfabrik

Münsterländer Gräftenhof

1969/70 wurde die um 1800 erbaute Tabakfabrik aus Glandorf im nördlichen Westfalen ins Freilichtmuseum transloziert. Bei der Translozierung wird das Gebäude dokumentiert, abgebaut und anschließend möglichst originalgetreu an anderer Stelle wiederaufgebaut. Der Betrieb gehörte zum Anwesen der Familie Herbermann, die eine erstmals 1833 nachweisbare Rauchtabakfabrik betrieb. Mit Zigarren handelte die Familie nur in geringem Maß. Die Verarbeitung von Rohtabak zu Zigarren begann in Westfalen in den 1830er Jahren, zu einem Zeitpunkt, zu dem europaweit ein Siegeszug der Zigarre begann. Erforderte das im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete Pfeifenrauchen ein ganzes Arsenal von Gerätschaften und Handgriffen, so musste die Zigarre nur noch beschnitten und in den Mund gesteckt werden. Tabakgenuss war somit schneller und leichter geworden. Das Zentrum der westfälischen Tabakverarbeitung lag in den Kreisen Minden, Lübbecke und Herford. Im späten 19. Jahrhundert verlagerte sich die Herstellung dann in ländliche Gebiete Ostwestfalens, in denen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Um Zigarren in Handarbeit herzustellen, sie zu rollen, werden nur wenige Hilfsmittel benötigt: Zur Grundausstattung gehören Arbeitstisch, Rollbrett und Zigarrenblätter, seit den 1860er Jahren ergänzt durch Wickelformen und Zigarrenpresse. Die im Westfälischen Freilichtmuseum Hagenhergestellten Zigarren können im Krämerladen erworben werden.

Kolonialwarenladen und Fleischerei

Krämer, die Betreiber kleiner Läden insbesondere in Städten, führten ein breites Warensortiment: Haltbare Lebens- und Genussmittel, Gewürze, kleine Haushaltsartikel und die später so bezeichneten Kolonialwaren. Die Versorgung der Bevölkerung in den Städten wurde mit der fortschreitenden Industrialisierung immer wichtiger, da die Möglichkeiten der städtischen Bevölkerung, sich selbst zu versorgen immer mehr abnahmen. Das Gebäude, in dem Kolonialwarenladen und Fleischerei untergebracht sind, besteht aus Teilen eines Iserlohner Wohnhauses. Die Inneneinrichtung wurde aus mehre- ren Ladeneinrichtungen zusammengestellt. Solche Krämer- oder Kolonial-warenladen waren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kleine Ladenlokale, in denen schon aus Platzgründen wenig Gewicht auf eine besondere Warenpräsentation gelegt werden konnte. im Jahr 1913 beschrieb der Volkswirtschaftler Werner Sombart einen solchen Laden:  "Treten wir in einen solchen alten Kram, so erhalten wir denselben Eindruck, wie wir ihn heute noch an ganz weltfremden Orten erleben können, wo sich alle überhaupt zum Verkauf vorkommenden Gegenstände - als da sind Konfekt, Spirituosen, Zigarren, Rauch-, Kau-, Schnupftabak, Schiefertafeln, Papier und andere Schreibwaren, Stoffe, Nähgerätschaften, Spaten, Ketten, Sensen, Peitschen, Farben, Heringe, Sirup usw. - in der einen Gemischtwarenhandlung beieinander finden".  Kaum weniger bunt ist die heutige Angebotspalette des Kramerladens.

Sägemühle und Ölmühle

Ein kleines Mühlenensemble prägte lange Zeit den Anblick eines „Gielauer Mühle“ genannten Anwesens in Gielau im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg. Es bestand aus einer Öl- und Sägemühle sowie einer Kornmühle. Die 1380 erstmals erwähnte Anlage war seit 1876 im Besitz der Familie Dietrich, die sie als Nebenerwerb neben der Landwirtschaft betrieb. Diese Anlage lieferte das Vorbild für die im Museum errichtete kombinierte Öl- und Sägemühle.

Das Gebäude wurde mit leichten Veränderungen nachgebaut, die Inneneinrichtung konnte weitgehend übernommen oder anhand originaler Vorlagen rekonstruiert werden.

Sägemühle

In der Holzbearbeitung stellte die Sägemühle die erste Station nach dem Fällen der Bäume dar. Hier wurden die Stämme zu Brettern und Bohlen zurechtgeschnitten und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Die Bezeichnung Mühle rührt von der ursprünglichen Antriebsform, einem Wasserrad, her. Bis 1932 wurde auch die Gielauer Anlage auf diese Weise betrieben, danach wurde ein Elektromotor eingebaut. In dem Betrieb wurde mit zwei Formen der Gattersäge gearbeitet: dem Vertikal- und dem Horizontalgatter. Diese bestehen beide aus einer Vorschubmechanik, bei der der Holzstamm mit einem auf Schienen gelagerten Schlitten gegen das Sägeblatt geschoben wird. Das Sägeblatt ist in einen rahmenartigen Aufbau fest eingespannt und schneidet den Stamm in der gewünschten Dicke. Bei der Einstellung der Stärke muss auch auf den Faserverlauf im Holz geachtet werden, damit es anschließend optimal weiterzuverarbeiten ist. Bei einer Vertikalgattersäge sind mehrere Sägeblätter senkrecht gespannt, bei einem Horizontalgatter nur eines in waagerechter Richtung. Sägegatter mit vertikalen Sägeblättern gab es bereits im Mittelalter, die horizontale Variante wurde 1815 von dem Franzosen Cochot entwickelt. Ihr Vorteil liegt in einem ruhigeren laut und daher einer höheren Schnittqualität. Aus diesem Grund wurden die Horizontalgatter häufig für den Schnitt edlerer Hölzer eingesetzt. Mit dem funktionsfähigen Horizontalgatter der Gielauer Sägemühle können immer noch Holzstämme von bis zu zehn Metern Länge und einem Meter Dicke bearbeitet werden.

 

Ölmühle

Zur Herstellung von pflanzlichem Öl werden in dem wasserradgetriebenen Stampfwerk Leinsamen, Raps, Sonnenblumen- kerne oder Bucheckern zerquetscht. Der Ölmüller füllt den entstandenen Brei in grobmaschig gearbeitete Matten, die er unter dem Stampfwerk mit Hilfe von Holzkeilen zusammenpresst. Die Matten sind aus Kuhschwanzhaaren gefertigt und können sich nicht mit Öl voll saugen. Bei der ersten, "kalten" Pressung, entsteht goldgelbes Speiseöl von hoher Qualität. Der in den Matten verbleibende Ölkuchen wird zerkleinert, erhitzt, nochmals in Matten gefüllt und erneut gepresst. Der Vorgang des Warmpressens kann noch bis zu zwei weitere Male vorgenommen werden, das gewonnene Öl wird allerdings immer minderwertiger. Die zuletzt übrigen Ölkuchen wurden getrocknet als Futter für Schweine verkauft.

Lokomobile

Viele Betriebe erfuhren im Laufe ihrer Geschichte die ganze technische Entwicklung von der Naturkraft (Muskel, Wasser, Wind) über die Dampfkraft, den Verbrennungsmotor bis zum Elektroantrieb. Von der Dampfkraft wurde im 19. Jahrhundert immer mehr in der Industrie, im Gewerbe und in der Landwirtschaft Gebrauch gemacht. Sie diente als Kraftquelle zur Erzeugung von Elektrizität, zur Wasserversorgung, sie wurde in allen Branchen eingesetzt - vom Bergbau über die Papierherstellung bis zur Metall- und Holzverarbeitung. Lokomobilen, für die Bezeichnung als Lokomobile maßgebend ist die unlösbare Verbindung zwischen Kessel und Maschine in der Form, dass die Maschine auf dem Kessel angeordnet ist, wurden in größerem Umfang Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt. Konnten 1885 in Preußen 8990 Lokomobilen gezählt werden, so gibt die Statistik für 1904 bereits 23013 Lokomobilen an, von denen allein 6543 im Gewerbe eingesetzt wurden. Die bedeutendsten Lokomobilfabriken in Deutschland waren in dieser Zeit die Firma Wolf, Magdeburg-Buckau und die Firma Lanz, Mannheim, Von Lanz stammt die im Museum gezeigte Lokomobile des seltenen Typs ZF mit einer Leistung von 13 PS bei 10 bar Dampfdruck. Sie ist eine der letzten bei Lanz gebauten Maschinen.

Brauerei / Brennerei

Der Betrieb in der Museumsbrauerei wurde zu Beginn der Saison 2016 wieder aufgenommen. Je nach Jahreszeit und den Wünschen der Kundschaft werden verschiedene Biersorten in der Brau-Manufaktur hergestellt. Für Museumsgäste wird vor allem das „Keller-Bier“ – naturtrüb, unfiltriert gebraut. Während der Saison wird das Bier in der Braustube ausgeschenkt, dem Gasthof Post, dem Schmiedekeller und den Museumsterrassen, der Verkauf erfolgt im „Ausschank“ und im „Museums-Shop“ und über den lokalen Getränkehandel sowie Gastronomie. Das Brauerei-Gebäude wurde 1800 vom Eisenwarenfabrikanten Johann Caspar Harkort (1753-1818) auf dem Gut Harkort in Haspe erbaut und als Brennerei, Speicher, Kelterei und Brauerei genutzt. Gebraut wurde dort für die Familie, das Personal sowie auch als Deputat für Lieferanten. 1974 wurde die Brauerei Stein für Stein abgebaut und fand im Freilichtmuseum Hagen einen neuen Platz. In den 90er Jahren wurde eine moderne Brauanlage eingebaut – die seit 2016 wieder zum Einsatz kommt.

Brennerei

Durch das „Brennen“, durch Destillation wird aus gegorenen Flüssigkeiten ein alkoholreiches Getränk oder auch ein trinkbares Ge-misch von Alkohol und Wasser mit Aromastoffen. Als Grundlage für solche Branntweine wurden und werden in Westfalen vorwiegend Getreide, Kartoffeln und auch Obst genommen. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde hier vorwiegend Kornbranntwein hergestellt, noch heute wird Branntweinherstellung in Westfalen entsprechend häufig mit Kornbranntwein gleichgesetzt. Dann dominierte der Kartoffelschnaps: Mit der Ausdehnung des Kartoffelanbaus wurde die Brennerei in Westfalen willkommenes landwirtschaftliches Nebengewerbe, anfallende Rückstände konnten als wertvolles Viehfuttermittel verwendet werden. Neben Gerste und Kartoffeln wurde in Westfalen auch Obst als Ausgangsmaterial genutzt. Auch die Brennerei des Freilichtmuseums ist eine Obstbrennerei. Der Betrieb wurde völlig überarbeitet, um die Herstellung von Obstbränden unter Berücksichtigung der heute umfangreichen zolltechnischen und lebensmittelrechtlichen Vorschriften zu ermöglichen.

Huf- und Wagenschmiede, Stellmacherei

Von einem guten Hufschmied wurde nicht nur erwartet, dass er die Eisen aufschlug, sondern auch auf die Besonderheiten des zu beschlagenden Tiers einging, die verschiedenen Verhältnisse von Bodenbeschaffenheit und Witterung bei der Auswahl der Eisen berücksichtige und die Hufeisen ebenso wie die Nägel selbst herstellte. Fabrikhufeisen, die nur noch angepasst werden mussten, gab es erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Hufschmiede des Freilichtmuseums stammt aus dem Ort Zurstraße bei Hagen: 1793 gründete der Schmied Hakenberg hier eine Schmiede - ein verkehrsgünstiger Standort direkt an der alten Handelsstraße zur Hansestadt Breckerfeld. Über Generationen hinweg wurden in dieser Schmiede neben dem Hufbeschlag auch alle eisernen Teile für Karren, Schlitten und Wagen hergestellt. 1970 wurde die Hufschmiede in abgewandelter Form ins Freilichtmuseum umgesetzt. Die erhaltenen Anschreibebücher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzeichnen neben dem Hufbeschlag auch Arbeiten wie Pflugschare schleifen, Küchengeschirr löten, Schürhaken schmieden usw. Das Beschlagen eines Pferdes mit neuen Hufeisen kostete nach diesen Unterlagen 1876 4,40 Mark, für das Umlegen vier alter Eisen verlangte Hakenberg 1,20 Mark. Im selben Jahr verdiente ein qualifizierter Fabrikarbeiter 5 bis 6 Mark täglich.

Sattlerei

Das Gebäude, in dem sich die Sattlerei befindet ist ein freier Entwurf unter Verwendung des Giebels des "Krasshauses", eines ehemaligen Reidemeisterhauses aus Hagen-Haspe. Die Reidemeister waren Händler, die vom An- und Verkauf, hauptsächlich von Eisenwaren lebten. Die Einrichtung der Sattlerei wurde mit Hilfe des Sattler- und Raumausstatter-handwerks Westfalen-Lippe aus den Beständen verschiedener Werkstätten zusammengetragen. Es sind alle Werkzeuge und Geräte vorhanden, die der Sattler zur Ausübung seines Handwerks - der Herstellung von Geschirr und Reitsätteln - braucht. Das wichtigste Hilfsmittel ist das "Nähross", auf dem der Sattler rittlings sitzt, vor sich das Werkstück in einer hölzernen Klemme eingespannt, um es von Hand zusammenzunähen. Für kleinere Handnäharbeiten gibt es den "Nähkloben" der bei der Arbeit zwischen die Beine geklemmt wird. Sattlerhandwerk ist überwiegend Handarbeit. Die um 1900 eingeführte Sattler-Nähmaschine wurde selten benutzt. Außerdem finden sich in der Einrichtung viele kleinere Handwerkzeuge wie Ahlen, Nadeln und das typische Halbmondmesser zum Zuschneiden des Leders.

Portefeuille - Werkstatt

Die Einrichtung dieser Portefeuille-Werkstatt stammt aus der bis 1973 betriebenen "Werkstatt für feine Lederwaren" von Friederich Hess in Burscheid. Hess gründete sein Geschäft 1925 in Solingen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb zerstört und nach dem Krieg in Burscheid neu gegründet. Die Werkstatteinrichtung besteht aus einem Zuschneidetisch, einer Schärfmaschine zum Ausdünnen der Lederkanten, einer Portefeuille-Nähmaschine (Linksarmmaschine) und einem weiteren Arbeitstisch. Außerdem finden sich mehrere Nähkloben für Handnäharbeiten sowie zahlreiche kleine Handwerkzeuge wie Hämmer, Zangen und Ahlen. Die Hauptarbeit der Portefeuillerie war die Montage, daneben führte man auch Reparaturen aus, Neben Leder verarbeitete der Portefeuillier z.B. auch Metall, Textilien und Perlen. Die vielseitige Produktpalette reicht von Necessaires über Brieftaschen und Handtaschen bis zu Koffern. Portefeuilleriewaren sind modeabhängig, schon im 19. Jahrhundert wurden die wechselnden Kollektionen fabrikmäßig hergestellt Friedrich Hess hatte sich auf die Zulieferung bestimmter Artikel für eine Fabrik spezialisiert, deren Massenfertigung sich wegen der geringen Stückzahl nicht lohnte.

Dampfmühle

Lange Jahre tat sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Dienste, die Dampfmahlmühle auf Gut Reichsmark bei Hohensyburg. Dann wurde die Inneneinrichtung durch das Westfälische Freilichtmuseum übernommen. Das Museums-gebäude, in dem sie sich nun befindet, ist eine Rekonstruktion. Aus Gründen der besseren Anschaulichkeit wurde die Dampfmaschine als Antriebsmaschine im Mühlengebäude aufgestellt. Üblicherweise waren Kraftmaschinen und Mahlwerke aus sicherheitstechnischen und hygienischen Gründen räumlich voneinander getrennt. Die auf dem Dampfkessel stehende Dampfmaschine wurde von der Firma Dürholz in Remscheid übernommen, die andere Dampfmaschine von Gut Reichsmark. Die von der Maschine erzeugte Kraft wird über eine Transmission auf die beiden Mahlwerke übertragen, die Getreidekörner werden zwischen zwei Mahlsteinen zerrieben. In der Mahltechnik entspricht die Dampfmahlmühle des Museums so noch der traditionellen Herstellungsweise, die auch in Wasser- und Windmühlen üblich war. Der Einsatz von Dampfmaschinen bedeutete in Deutschland seit den 1820er Jahren einen gewaltigen technologischen Entwicklungsschub. Mühlen waren nicht länger von den Naturkräften Wind und Wasser abhängig und daher nicht mehr standortgebunden. So verdrängten Dampfmahlmühlen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich die Wind- und Wassermühlen, die sich nur vereinzelt bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts behaupten konnten.

Seilerei

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