Wenn die Klosterglocke läutet
Aprops Sterblichkeit: Der „Sarggang“ (auch als Sargweg oder Leichengang bezeichnet) im Kloster Lüne ist ein eindrucksvolles Beispiel für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Tradition des Memento Mori – die stete Erinnerung an die eigene Sterblichkeit.
Es handelt sich um einen schmalen Gang, der direkt von den Zellen der Nonnen (dem Dormitorium) zur Klosterkirche führt. Den Beinamen "Sarggang" erhielt dieser Gang zum einen aufgrund seiner markanten, trapezförmigen Deckenkonstruktion, die in ihrer Form an einen Sarg erinnert. Diese ungewöhnliche Zimmermannskonstruktion ist nicht nur ästhetisch markant, sondern auch ein seltenes Beispiel mittelalterlicher Holzbaukunst.
Der Name leitet sich aber zum anderen auch von der Tradition ab, dass verstorbene Nonnen auf diesem letzten Weg in die Kirche getragen wurden, um dort vor der Bestattung aufgebahrt zu werden. Für die lebenden Nonnen war der tägliche Weg durch diesen Gang eine bewusste Übung in Demut. Er sollte sie daran erinnern, dass ihr irdisches Dasein nur eine Vorbereitung auf die Ewigkeit ist. In vielen Klöstern wie Lüne wurden solche Gänge bewusst schlicht oder dunkel gehalten, um den Kontrast zwischen der vergänglichen Welt und dem „Licht“ der Kirche (Gottes Reich) zu betonen.
Besucher berichten oft von der eigentümlichen Mischung aus Enge, Ruhe und archaischer Präsenz – ein Raum, der fast körperlich spürbar macht, wie sich klösterlicher Alltag im Mittelalter anfühlte.
Im anschließenden südlichen Schlafhaus, der sog. „Uhlenflucht“, öffnen sich gleichermaßen die karg eingerichteten früh entstandenen ►Zellen wie auch diejenigen der sinnenfrohen Zeit des Barock mit reichen Wand- und Deckenbemalungen.



