Mühlenhof - Freilichtmuseum Münster am Aasee zu verschiedenen Jahreszeiten

(September 2024, März und Oktober 2025, Juni 2026)

Das Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster zeigt auf fünf Hektar im Stadtteil Sentrup in unmittelbarer Nähe zum Aasee, dem Allwetterzoo und dem LWL-Museum für Naturkunde bäuerliche und handwerkliche Kultur der Region aus vier Jahrhunderten. An die 30 historische Bauten wurden von ihrem ursprünglichen Ort in das Museum nach Münster in Westfalen versetzt oder dort nach alten Vorbildern rekonstruiert. Die Inneneinrichtungen mit historischem Sammlungsgut vermitteln einen Eindruck von Lebensgewohnheiten und Arbeitsweisen der Menschen, die hier einmal zu Hause waren.

 

Mit der Wiedererrichtung der Bockwindmühle des 18. Jahrhunderts aus dem Emsland, initiiert von Theo Breider, wurde das Freilichtmuseum 1961 eröffnet. Es folgten Haupt- und Nebengebäude von Bauernhöfen, eine Landschule von 1823, die ursprünglich in Lengerich stand und bis 1954 in Betrieb war, eine Bauernhofkapelle von 1840, ein Dorfladen mit Dorfkrug, der heute gastronomisch genutzt wird, ein Bienenhaus, dessen Honig im Hofladen verkauft wird, ein Weberkotten, eine Dorfschmiede, in der bis heute zwei festangestellte Schmiede arbeiten, und weitere alte Werkstätten. In regelmäßigen Veranstaltungen wird das alte Handwerk zum Leben erweckt. Die Flügel der für den Trägerverein namengebende Bockwindmühle werden an besonderen Anlässen mithilfe eines Elektromotors im Inneren zum Drehen gebracht. Es finden Lesungen in Platt- und Hochdeutsch statt. In der Landschule wird wie zu Großmutters Zeiten gelesen und geschrieben, im Winter wird hier zum Wohlbefinden der Besucher der Holzofen angefeuert. In der Adventszeit findet auf dem Gelände des Mühlenhofs ein Weihnachtsmarkt statt. Verkaufs- und Ausschankbuden sowie ein Karussell werden aufgestellt, viele Bauwerke werden beleuchtet. Zu Sankt Martin findet ebenfalls ein Markt statt, der von vielen hundert Menschen besucht wird. Der Mühlenhof wird vollständig durch Eintrittsgelder, Gastronomie und Führungen sowie Spenden finanziert, da die Stadt Münster die Zuschüsse eingestellt hat.

Prozessionshäuschen

Torhaus / Eingang

Museumsplan

 
 

Gegenüber vom Museumseingang steht am Wegesrand ein Prozessionshäuschen, das im Jahr 1794 an einem Feldweg zwischen (Münster-) Wolbeck und dem nahen Marienwallfahrtsort Telgte errichtet wurde. 1979 kam es aus dem Besitz der Familie von Ketteler-Harkotten zum Mühlenhof. Heute wird hier des münsterischen Bischofs Heinrich Tenhumberg (1915 – 1979) gedacht.

 
 
Der „Spökenkieker“ im Mühlenhof-Freilichtmuseum Münster ist eine vom Bildhauer Rudolf Breilmann geschaffene Bronzeplastik. Sie erinnert an die im Münsterland verwurzelte Sagengestalt der „Spökenkieker“ – Menschen, denen die Gabe des zweiten Gesichts nachgesagt wurde.
 
Hintergrund zur Figur:
  • Bedeutung: Der niederdeutsche Begriff bedeutet in etwa „Spuk-Gucker“ oder „Geister-Seher“. Spökenkieker galten als Personen, die oft düstere Dinge wie schwere Krankheiten, Kriege oder den Tod voraussahen.

  • Die Statue: Die Skulptur im Mühlenhof (gestiftet 1970 von der Vereinigung „Niederdeutsches Münster“) zeigt einen alten Mann im langen Mantel, zu dessen Füßen sich ein Hund und Schafe ducken.

  • Ort im Museum: Die Statue befindet sich im Rundgang des Freilichtmuseums, nahe der benachbarten Bleichhütte.

Spökenkieker ist ein niederdeutscher Ausdruck für Menschen, denen die Gabe des Zweiten Gesichts, besonders der Vorhersage von Todesfällen, zugesprochen wird. Spökenkieker sollen bevorzugt in Westfalen und Friesland zu finden sein. Der niederdeutsche Begriff Spökenkieker kann dabei in etwa mit „Spuk-Gucker“ oder „Geister-Seher“ ins Hochdeutsche übersetzt werden. Spökenkiekern wird die Fähigkeit nachgesagt, in die Zukunft blicken zu können. Typisch für die Spökenkiekerei ist die Vorhersage unheimlicher und Angst machender Dinge wie schwerer Krankheit, Tod oder Krieg.

„Kennst du die Blassen im Heideland,
mit blonden, flächsenen Haaren?
Mit Augen so klar, wie an Weihers Rand.
Die Blitze der Welle fahren?
Oh, sprich ein Gebet, inbrünstig echt,
für die Seher der Nacht, das gequälte Geschlecht.“

– Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) bezeichnet den „Seher der Nacht“ als das gequälte Geschlecht.

„Den Stock in der Hand, die Rechte zum breitkrämpigen Hut erhoben, schaut er in die Ferne, als ahne er Kommendes. `Spökenkieker´ – so nannte man die Menschen mit dem ‚zweiten Gesicht‘. Es waren vor allem Schäfer, die die so genannten ‚Vorgesichte‘ hatten und den Menschen Respekt einflößten. Was die Spökenkieker für die Zukunft erblickten, war im Allgemeinen nicht erfreulich: Sie kündigten Tod, Verderben und Kriege an. Die westfälische Literatur birgt eine Fülle von Erzählungen und Berichte über sie.“

– Walter Werland1000 Jahre Harsewinkel – Zur Heimatgeschichte der Stadt an der Ems (Münster (Westf.) 1965
 

Der Ziehbrunnen am Mühlenhaus sicherte in früheren Zeiten die Wasserversorgung. Die steinerne Brunneneinfassung kommt aus Beikelort bei Legden (Kr. Borken). Aus Sicherheitsgründen ist der vier Meter tiefe Brunnenschacht mit einem alten Mühlstein abgedeckt. In der Nähe des Brunnens steht die Holzstatue „Maria mit dem Kinde“. Sie wurde 1965 von dem Bildhauer Fritz Oeltjendiers († 1991) aus einem mehrere hundert Jahre alten Eichenbalken vom Hof Purk in Lähden (Lkr. Emsland) geschnitzt.

Die von Fritz Oeltjendiers geschaffene Skulptur „Madonna mit Kind“ gehört seit 1965 zum Ensemble des Freilichtmuseums. Anlässlich der Domfesttage 1965 wurde sie in einer feierlichen Zeremonie durch den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Münster Dr. Beckel und den Weihbischof Tenhumberg in katholischem Ritus eingeweiht. Den Umstand, dass der Künstler selbst evangelisch war, sah man schon damals als Zeichen zur Förderung der Ökumene der beiden Konfessionen. Weihbischof Heinrich Tenhumberg wird heute noch in der Kapelle vor dem Mühlenhof gedacht.

 

Fritz Oeltjendiers war ein deutscher Bildhauer, der von 1898 bis 1991 lebte. Er wurde in Westerstede in der Region Oldenburg geboren. Oeltjendiers war stark mit seiner Heimatregion Oldenburg verbunden. Er war bekannt für die Verwendung von Holz als Hauptmaterial für seine Skulpturen. Sein bekanntestes Werk ist die 1965 geschaffene Skulptur "Madonna mit Kind", die aus einem jahrhundertealten Eichenbalken vom Hof Purk in Lähden geschnitzt wurde und heute im Mühlenhof-Freilichtmuseum in Münster zu sehen ist. Obwohl die "Madonna mit Kind" in einem katholischen Ritus eingeweiht wurde, war der Künstler selbst evangelischer Konfession. Seine Werke befinden sich vermutlich in privaten Sammlungen oder regionalen Ausstellungen in Norddeutschland.

 

Das Salve Regina (auch "Sei gegrüßt, o Königin") ist eines der bekanntesten und ältesten marianischen Gebete und gregorianischen Gesänge der katholischen Kirche. Es stammt vermutlich aus dem 11. Jahrhundert und bildet traditionell den feierlichen Abschluss des täglichen Stundengebets.

 

Das Gebäude im Hintergrnd rechts wird saniert und umgebaut. Das Richtfest unseres "Hüskens" wurde bereits gefeiert. Das Fachwerkhaus wird Übernachtungsmöglichkeit für Handwerker*innen auf der Walz dienen.

Wagenremise

Bei den Strohbündeln zwischen den Dachpfannen einer alten Scheune handelt es sich um sogenannte Strohdocken (auch Strohpoppen oder Strohschöpfen genannt). Diese traditionelle Handwerkstechnik diente vor der Erfindung von Falzziegeln und modernen Unterspannbahnen als Dichtungsmaterial für Hohlpfannendächer.

 

Funktion und Zweck von Strohdocken

  • Schutz vor Witterung: Da historische, handgefertigte Tonziegel oft uneben waren, blieben Lücken zwischen den Pfannen. Das komprimierte Stroh dichtete diese Ritzen flexibel gegen Flugschnee, Schlagregen und Wind ab.
  • Verhindern von Klappern: Die weiche Unterlage stabilisierte die Ziegel auf den Dachlatten und verhinderte, dass sie bei starkem Sturm klapperten oder sich verschoben.
  • Einfache Entwässerung: Wasser, das dennoch durch die Ziegel drang, wurde vom Stroh aufgesaugt und nach außen abgeleitet oder verdunstete durch den natürlichen Luftzug.

Aufbau und Haltbarkeit

 

Die Docken bestehen aus ca. 40 cm langen, fest abgebundenen Strohbüscheln. Dachdecker legten früher pro Ziegel eine Docke so unter die Längsfuge, dass sie den Spalt perfekt verschloss. Trotz des organischen Materials hielten solche Dächer oft 30 bis 50 Jahre regendicht, bevor das Stroh witterungsbedingt verrottete und das Dach „umgedeckt“ (neu verlegt) werden musste. Das größte Manko dieser Konstruktion war und ist jedoch die hohe Brandgefahr bei Funkenflug.

 

Heutige Bedeutung

 

Heute findet man diese Dächer fast nur noch bei alten Scheunen, Kotten oder historischen Gebäuden. Im Rahmen des Denkmalschutzes wird diese Handwerkstechnik von spezialisierten Betrieben auch heute noch detailgetreu angewendet, um den historischen Charakter der Gebäude zu bewahren. 

 
 

Timmerkammer

 
 
 
 
 
 

Schreinerei

 
 
 
 

Schumacherei

Die Ringeler Landschule von 1823 - ein Denkmal westfälischer Schul- und Bildungsgeschichte

Erbaut im Jahre 1823 steht sie jetzt mit dem alten Inventar vollständig ausgestattet und bildet einen wahren Hingucker im Museum.

 

Die Landschule stammt aus der Bauerschaft Ringel bei Lengerich (Kreis Steinfurt). Sie wurde 1823 auf dem Gelände des Hofes Oslage gebaut. Nach damaliger Meinung bot der einzige Klassenraum ausreichend Platz für etwa 130 Kinder. Der kleine Fachwerkbaum wurde bis 1954 als Unterrichtsstätte für Jungen und Mädchen der ersten bis zur achten Volksschulklasse genutzt. Für sie alle war stets nur ein einziger Lehrer angestellt. Er musste sämtliche Fächer erteilen und immer mehrere Jahrgangsstufen gleichzeitig unterrichten. Die Landschule wurde 1984 abgebaut. Der Wiederaufbau im Mühlenhof-Freilichtmuseum erfolgte in den Jahren 1985 – 1986.

Das "stille" Örtchen der Schule

Im 19. Jahrhundert befanden sich Toiletten häufig außerhalb des Wohnhauses, in kleinen separaten Häuschen. Diese waren abgelegen und ruhig, weshalb man sie scherzhaft als „stilles Örtchen“ bezeichnete. Der Ausdruck diente zudem als verhüllende Umschreibung, da man über Toilettengänge nicht offen sprach. Manche Quellen erwähnen, dass der Begriff auch auf die Tabuisierung zurückgeht: Man sollte dort möglichst keine Geräusche machen und war allein.

 
 

Der Ofen mitten im Raum sollte die ganze Schule beheizen. Um diesen zu befeuern, mussten die Kinder Holzscheite mitbringen, wenn sie nicht frieren wollten. Wo befanden sich im Winter wohl die begehrtesten Sitzplätze in der Schule? Direkt um den Ofen herum mussten die Schüler schon schwitzen, so warm wurde der Ofen. Allerdings kam hinten im Raum kaum noch etwas von der Wärme an. Besonders angenehm war es vorne am Lehrerpult.

 
 
 
 

Sitzen bleiben: Die Klassenstufen waren in Sitzreihen geordnet. In der ersten Reihe saßen Erstklässler. In der zweiten Reihe saßen Zweitklässler. Wiederholt ein Kind heute eine Klasse, bleibt es umgangssprachlich "sitzen". Diese Formulierung leitet sich von der alten Sitzordnung in Schulen ab.

 
 

Sütterlin ist eine historische deutsche Schreibschrift, die Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde und bis in die 1940er‑Jahre an Schulen gelehrt wurde. Sie gilt heute als typisch „altdeutsche Handschrift“, obwohl sie eigentlich eine moderne Reformschrift ihrer Zeit war.

 

Was ist Sütterlin?

  • Eine Schreibschrift, die 1911 von dem Grafiker Ludwig Sütterlin im Auftrag des preußischen Kultusministeriums entworfen wurde.
  • Sie zeichnet sich durch senkrechte, eckige Formen und gleichmäßige Strichstärken aus.
  • Sie wurde ab 1915 in Preußen eingeführt und später in vielen Teilen Deutschlands unterrichtet.

Warum wurde Sütterlin entwickelt?

  • Die ältere Kurrentschrift war sehr spitz, schräg und schwer lesbar.
  • Sütterlin sollte eine einfachere, kindgerechte Variante sein, die das Schreibenlernen erleichtert.
  • Die Schrift war bewusst klar, rhythmisch und gleichmäßig gestaltet.

Wie lange wurde sie benutzt?

  • Offiziell bis 1941, als die Nationalsozialisten die „deutsche Schrift“ zugunsten der lateinischen Schreibschrift abschafften.
  • Viele ältere Menschen schrieben aber noch Jahrzehnte weiter in Sütterlin.

Wie sah der Unterricht damals aus?

 

Die Schule bestand aus nur einem Klassenraum. Ein Lehrer unterrichtete alle Jahrgänge gleichzeitig – vom Erstklässler bis zum 14‑jährigen. Der Lehrer musste ständig zwischen den Gruppen wechseln, Aufgaben verteilen, kontrollieren und Disziplin halten. Die Kinder standen beim Antworten auf und sprachen nur, wenn sie aufgerufen wurden. Körperliche Züchtigung war erlaubt und galt als normaler Bestandteil der Erziehung. Ordnung, Fleiß und Gehorsam standen über allem. Der Unterricht begann oft sehr früh, besonders im Winter. Es gab keine festen Pausen, nur kurze Unterbrechungen.  Die Hauptfächer waren „Lesen“ (oft aus religiösen Texten), „Schreiben“ (mit Griffel auf Schiefertafeln), „Rechnen“ (Grundrechenarten), „Religion“ (Katechismus, Bibelverse, Moralunterricht). Bücher waren teuer – oft gab es nur ein einziges Exemplar, aus dem der Lehrer vorlas. Die Kinder schrieben auf Schiefertafeln, Papier war kostbar. Karten, Anschauungsmaterial oder Experimente gab es kaum. Der Lehrer war Autoritätsperson, Erzieher, Organisator und oft auch Küster. Er wohnte meist im selben Gebäude oder direkt daneben. Die Bezahlung war gering; oft erhielt er Naturalien wie Eier, Brot oder Brennholz.

 

Ausstattung der Schule: Lange Holzbänke ohne Lehnen, ein großer Ofen in der Mitte des Raumes, ein Pult für den Lehrer, wenige Fenster, oft dunkel und kalt, ein Plumpsklo draußen auf dem Hof.

 

Viele Kinder fehlten regelmäßig, da sie vorher oder nachher noch auf dem Hof oder im Haushalt arbeiten oder bei der Ernte helfen mussten. Der Schulweg war oft weit – mehrere Kilometer zu Fuß, bei jedem Wetter. Die Kleidung war einfach, im Winter oft unzureichend warm.

Der Abakus ist eines der ältesten Rechenhilfsmittel der Menschheitsgeschichte – und gleichzeitig ein erstaunlich effizientes Werkzeug, das bis heute in Teilen Asiens genutzt wird. Er ist ein mechanisches Rechenbrett mit Stäben oder Drähten, auf denen Perlen verschoben werden. Jede Spalte steht für eine Stelle (Einer, Zehner, Hunderter usw.). Durch das Verschieben der Perlen lassen sich Rechenoperationen sichtbar und fühlbar darstellen. Die frühesten Formen stammen aus Mesopotamien (ca. 2500 v. Chr.). Später entwickelten Griechen, Römer, Chinesen und Japaner eigene Varianten. Der bekannteste ist der chinesische Suanpan, gefolgt vom japanischen Soroban. Der Abakus wurde genutzt für Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division, Wurzelziehen (ja, wirklich!) Geübte Nutzer können damit schneller rechnen als viele Menschen mit einem Taschenrechner. Viele Abakus-Schüler entwickeln die Fähigkeit des „mentalen Abakus“ – sie stellen sich das Brett im Kopf vor und rechnen ohne Gerät.

Mäusepfeilerscheune

 
 
 
 
 

Backhütte

 

  • Die Backhütte stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und war ursprünglich auf dem Hof Temming in Ahaus-Ottenstein im Kreis Borken ansässig. 

  • Der Ofen besteht aus Feldbrandziegeln und Lehm, befand sich aus Brandschutzgründen abseits des Hauptgebäudes und wurde mit Reisigholz beheizt. 

  • Die Hütte wurde 1968 abgebaut und im Museum wiederaufgebaut, um die traditionelle Brotbackkultur zu erhalten.

 

 
 

Bienenhaus

  • Das Bienenhaus wurde um 1850 erbaut und stammt ursprünglich vom Hof Kottmann in Ahlen-Dolberg.

  • Nach dem Abbau im Jahr 1987 wurde es 1988/89 im Museum wiederaufgebaut.

  • Das Gebäude diente früher als Backhaus und Stall, heute informiert dort der Kreisimkerverein Münster über Bienenhaltung.

  • Im Inneren befindet sich ein Schaubienenstock, der in der warmen Jahreszeit Einblicke in ein Bienenvolk hinter Glas ermöglicht. 
 
 
 
 
 
 
 

Schmiede

Die im 18. Jahrhundert erbaute Dorfschmiede wurde von 1855 bis 1961 nacheinander von vier Generationen der Familie Bangen in Gescher (Kr. Borken) betrieben. Der Dorfschmied besorgte früher den Hufbeschlag bei Pferden. Er fertigte und reparierte  eiserne Werkzeuge,  Arbeitsgeräte, Materialien und betätigte sich darüber hinaus als Schlosser und Wagenbauer.

 
 

Gräftenhof

 
 

Speicher

  • Dieser Kornspeicher stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert und wurde vom Hof Hintemann in Legden-Beikelort hierher verlegt.

  • Das Gebäude wurde 1966 abgebaut und 1966/67 im Museum wiederaufgebaut, wobei man die ursprüngliche Zweigeschossigkeit durch einen neuen Vorratskeller wiederherstellte.

  • Die Außenwände bestehen heute wieder aus der zeittypischen Ausfachung mit Lehmflechtwerk. .
 
 

Bäckerei

 

  • Dieses historische Backhaus aus dem Jahr 1749 stammt ursprünglich vom Hof Baumeyer-Hagedorn in Ennigerloh und wurde 1969 im Museum wiederaufgebaut.
  • Es diente einer Kötterstelle zur Vorratsbäckerei sowie dem Dörren von Obst.
  • Im Inneren befinden sich ein Backtrog und weitere Geräte; der Ofen wird heute noch für Backvorführungen genutzt

 

 

 
 
 
 
 
 

Bockwindmühle

Mit dem Wiederaufbau einer historischen Bockwindmühle aus dem Emsland wurde 1961 der Grundstein für das Mühlenhof-Freilichtmuseum gelegt. Heute laden auf dem idyllisch am Aasee gelegenen Gelände mehr als 20 weitere Originalbauten aus dem Münsterland und den Nachbarregionen zur Besichtigung ein. Originalgetreu eingerichtete Bauernhäuser gehören ebenso dazu wie alte Handwerkswerkstätten, eine einklassige Landschule aus dem 19. Jahrhundert und ein historischer Dorfladen. Das Museum vermittelt so ein anschauliches Bild davon, wie die Menschen im ländlichen Umfeld der Stadt Münster früher gelebt, gewohnt und gearbeitet haben.

Herkunft und Baujahr

  • Baujahr: Die Mühle wurde im Jahr 1748 errichtet.
  • Ursprünglicher Standort: Sie stand ursprünglich im Emsland (Niedersachsen) auf dem Hof Raming-Freesen in der Gemeinde Oberlangen bei Lathen. Dort war sie als sogenannte „Wilholter Mühle“ bekannt und bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb.
  • Historischer Bezug: Obwohl sie aus Niedersachsen stammt, hat sie einen Bezug zur Region: Das Emsland gehörte bis zum Jahr 1815 zum Bistum Münster.

Der Umzug nach Münster (1960/1961)

  • Die Rettung: Um die Mühle vor dem Verfall zu bewahren, wurde sie zu Beginn der 1960er-Jahre an ihrem alten Standort abgebaut.
  • Wiederaufbau: In den Jahren 1960 bis 1961 wurde sie als allererstes historisches Bauwerk auf das heutige Museumsgelände am Aasee umgesetzt. Dieser Wiederaufbau bildete die Geburtsstunde des Freilichtmuseums.
  • Initiator: Die gesamte Aktion und die Gründung des Museums wurden maßgeblich von Theo Breider initiiert.

Der technische Aufbau der Bockwindmühle gilt als ein Meisterwerk der vorindustriellen Holzbaukunst und Statik. Das faszinierende Grundprinzip: Nicht nur die Flügel oder das Dach drehen sich, sondern das gesamte hölzerne Mühlenhaus wird komplett in den Wind gedreht.

 

Das Tragsystem: Der „Bock“ (Untergestell)

Das namensgebende Untergestell bildet das statische Fundament und trägt das tonnenschwere Mühlenhaus.

Fundament: Vier massive, gemauerte Steinsockel am Boden fangen das Gewicht ab.

Kreuzbalken: Auf den Sockeln ruhen schwere, waagerechte Eichenbalken im Kreuzverband.

Hausbaum (Mittelpfahl): In der Mitte des Kreuzes steht ein senkrechter, extrem dicker Eichenstamm. Auf diesem einzigen, zentralen Pfahl ist das gesamte Mühlenhaus drehbar gelagert.

Streben: Schräge Holzbalken stützen den Hausbaum von den Kreuzbalken aus ab, um die enormen Hebelkräfte des Windes aufzufangen.

 

Das Mühlenhaus (Der Kasten)

Das hölzerne Gebäude ist über eine ringförmige Öffnung am Boden auf den Hausbaum aufgesetzt. Es unterteilt sich meist in zwei bis drei Etagen:  Der Stert (Steuerbalken): An der Rückseite des Hauses ragt ein langer, schwerer Holzbalken fast bis zum Boden. Mit diesem Hebel drehte der Müller das gesamte Haus per Muskelkraft oder mithilfe von Seilwinden exakt in die Windrichtung.  Die Flügel: An der Vorderseite befindet sich das Flügelkreuz. Bei historischen Mühlen wurden diese mit Segeltuch bespannt oder besaßen Holzklappen, um die Angriffsfläche für den Wind zu regulieren.

 

Das mechanische Innenleben (Getriebe & Mahlwerk)

Die Windenergie wird rein mechanisch über hölzerne Zahnräder übertragen: Flügelwelle: Die Flügel treiben eine massive, leicht schräg liegende Achse im oberen Bereich des Hauses an. Kammrad: Auf dieser Welle sitzt ein riesiges Zahnrad aus Holz mit einzeln eingesetzten Holzzähnen (Kämmen).  Bremse: Um das Kammrad liegt das „Bremsband“. Damit konnte der Müller die Mühle bei Sturm oder zum Feierabend komplett zum Stillstand bringen. Mahlgang: Das Kammrad greift in ein kleineres Zahnrad auf einer vertikalen Welle. Diese treibt den oberen Mühlenstein (den Läuferstein) an, der sich auf dem festen, unteren Stein (dem Liegerstein) dreht und das Getreide zermahlt.

 

Die Butte ist eine fassartige Umrandung. In ihr befinden sich die beiden Mühlsteine. Der untere ist fest und dreht sich nicht. Der obere dreht sich - angetrieben von der Spindel. In den Mahlsteinen waren in der Regel spiralförmige Rillen eingearbeitet, die das gemahlene Mahlgut durch die Bewegung des oberen Steins langsam in die Mehlrutsche drückten.

Die Beschaffung und der Unterhalt der Mahlsteine war ein teures und aufwendiges Unterfangen.

 

Die Bremse (oder Fang genannt) befindet sich am Kammrad. Mit ihr lässt sich die Rotation der Mühlenflügel und somit der gesamte Mahlvorgang stoppen. Die Bremse besteht aus Holzteilen, die sich bei Betätigung ringartig um das Kammrad legen, es bremsen und schließlich stoppen. Ist die Bremse angezogen, wird ein Drehen der Flügel verhindert. Uber eine Konstruktion aus Seilen und Hebeln konnte der Fang auch vom Steinboden aus bedient werden.

 

An der sogenannten Flügelwelle sind die vier Flügel der Windmühle und das Kammrad befestigt. Sie gibt die Energie der sich drehenden Flügel auf das Kammrad weiter, von den aus die Übertragung an den Mahlgang oder optional auf andere Mechanismen wie die zuschaltbare Sackwinde erfolgt.

 

Beim Kammrad handelt es sich um ein großes Zahnrad, aus dem die Zähne, auch "Kämme“ genannt, herausstehen. Mit diesen Zähnen greift es in ein anderes Zahnrad - das sogenannte Spindelrad- und überträgt auf diese Weise die Energie.

In den Mahltrichter (auch Rumpf genannt) werden die ganzen Getreidekörner eingefüllt. Über ihn rutschen diese zwischen die Mahlsteine. Der Mühlenknecht konnte mithilfe des "Rüttelschuhs" zwischen Mahltrichter und Mahlsteinen den Zulauf und die Menge des Mahlgutes im Mahlgang beeinflussen. Der Rüttelschuh ist durch seine Bewegung im Übrigen auch für das sinnbildliche "Klappern“ der Mühle verantwortlich.

 

Über die Mehlrutsche gelangte das Mahlgut nach dem Mahlvorgang aus der Bütte heraus auf den Mehlboden. Hier wurde es aus den sogenannten Pfeifen in die Mehlsäcke abgefüllt oder nach Bedarf zum Sieben weitergeleitet.

 

Damit das Getreide gemahlen werden konnte, musste es zunächst mit der Sackwinde bis auf den Steinboden gehoben werden. Das ist bei dieser Mühle vom Boden aus ein Höhenunterschied von ca. 8 Metern. Die Sackwinde konnte per Zahnrad mit dem Kammrad verbunden werden. Am gegenüberliegenden Ende waren Seile gerollt und über Löcher im Boden in die unteren Stockwerke geführt. An ihnen konnten dann die Getreidesäcke festgemacht und nach oben und unten bewegt werden.

 

Die Zähne des Kammrads greifen in das Spindelrad und übertragen auf diese Weise die Drehung. Das Spindelrad wiederum ist an der Spindel befestigt, die sich dann samt dem Spindelrad dreht und somit den oberen Mahlstein bewegt.

 

 

 
 
 
 

Der hier ausgestellte alte Mühlenbock samt Hausbaum ist das 1961 translozierte Original aus der Bauerschaft Wilholt und trug die Bockwindmühle noch bis 1986, bis er aufgrund seines Alters ausgetauscht werden musste. Es ist davon auszugehen, dass der Hausbaum vor seinem Verbau im Mühlenbock bereits anders verwendet wurde. Untersuchungen ergaben, dass er mit einem stolzen Alter von über 600 Jahren deutlich älter als die Mühle selbst ist.

 
 
 
 

Rossmühle

Die Rossmühle

 

Die 1965 ab- und 1965/66 im Museum wieder aufgebaute Rossmühle gehörte zum Hof Worpenberg in der Bauerschaft Ringel bei Lengerich (Kreis Steinfurt). 1851 wurde sie direkt neben einer gleichfalls zum Hof gehörenden Turmwindmühle errichtet. In Betrieb war die kleine Mühle bis etwa 1870. Aus der Spitze des reetgedeckten Pyramidendaches ragt die vierkantige Holzachse des großen Kammrades hervor.

Das reetgedeckte Pyramidendach*) erfüllte bei diesem Mühlentyp (auch Göpelmühle genannt) einen doppelten Zweck. Es schützte das empfindliche hölzerne Mahlwerk im Inneren vor der Witterung. Weil das Zugtier jedoch außerhalb des Gebäudes im Kreis lief, musste die Antriebskraft von außen nach innen übertragen werden. Das geschah über den markanten Holzbügel (den Sterz), der von der aus dem Dach ragenden Mittelachse schräg nach unten zum Laufkreis des Tieres (Ochse, Pferd) führte.

 

Die Kombination aus der großen Turmwindmühle und der kleinen Rossmühle im Jahr 1851 war eine strategische Entscheidung des Hofes Worpenberg. Die Windmühle besaß eine weitaus höhere Mahlkapazität, war jedoch vollständig vom Wetter abhängig. Herrschte Flaute, stand der Betrieb still. Die Rossmühle diente als perfektes Back-up-System. Sie war wetterunabhängig. Kam der Wind zum Erliegen, spannte der Bauer kurzerhand Ochsen oder Pferde ein, um zumindest den Eigenbedarf des Hofes an Mehl und Schrot zu sichern oder dringende Aufträge aus der Nachbarschaft zu bearbeiten.

 

Wie funktioniert die Rossmühle?

 

Ein historischer Göpelantrieb (auch Rosswerk genannt) ist eine mechanische Vorrichtung, die die Muskelkraft von Tieren in rotierende Bewegungsenergie umwandelt. Er diente vor der Erfindung der Dampfmaschine als wichtigste Energiequelle für stationäre Maschinen auf Höfen und im Bergbau. Hier ist die genaue Funktionsweise dieser Technik im Detail aufgeschlüsselt:

 

Die Kraftquelle (Der Tierantrieb)

Als Antrieb dienten Arbeitstiere, meist Pferde, Ochsen oder Esel. Das Tier wurde vor eine lange, hölzerne oder eiserne Querstange – den sogenannten Hebelarm oder Schwengel – gespannt. Um die physikalische Hebelwirkung optimal zu nutzen, war dieser Arm mehrere Meter lang. Das Tier lief stundenlang im Kreis auf einer festgetretenen Rundbahn, der Göpelbahn.

 

Das zentrale Kammrad

Der Hebelarm war direkt mit einer vertikalen Hauptwelle in der Mitte der Göpelbahn verbunden. Drehte sich das Tier im Kreis, rotierte diese Welle. Auf ihr saß ein riesiges Zahnrad, das meist aus Holz gefertigt und mit hölzernen Zähnen versehen war – das Kammrad. Durch den großen Durchmesser des Kammrades wurde die sehr langsame Gehgeschwindigkeit des Tieres (ca. 2 bis 4 Umdrehungen pro Minute) mechanisch übersetzt.

 

Das Getriebe (Die Kraftübertragung nach innen)

Die Zähne des horizontal liegenden Kammrades griffen in ein wesentlich kleineres, vertikales Zahnrad (den Drilling oder das Stockgetriebe). Durch diesen Größenunterschied fand eine starke Drehzahlübersetzung ins Schnelle statt. Aus den wenigen Runden des Pferdes wurden so viele Dutzend Umdrehungen pro Minute am Mahlwerk.

 

Der Antrieb der Arbeitsmaschine

Vom Getriebe aus führte eine rotierende Welle (häufig eine lange hölzerne oder eiserne Liegewelle) direkt in das Mühlengebäude. Dort trieb sie die eigentliche Arbeitsmaschine an. Je nach Hof und Region war das:

  • Ein Mahlgang mit Mühlsteinen zum Mahlen von Getreide.
  • Eine Dreschmaschine zur Getreideverarbeitung.
  • Eine Häckselmaschine für Tierfutter.

 

Effizienz und Grenzen

Ein Pferdegöpel leistete im Durchschnitt tatsächlich etwa 1 PS (Pferdestärke) im Dauerbetrieb, was physikalisch rund 735 Watt entspricht. Um die Tiere nicht zu überlasten, mussten sie alle zwei bis drei Stunden gewechselt werden. Zudem war die Reibung der hölzernen Zahnräder hoch, weshalb die Getriebe ständig mit Tierfetten oder Speck geschmiert werden mussten. 

*) Ziegel statt Reet: Die Sanierung 2025 erfolgte denkmalgerecht, was aber natürlich auch Aufwand bedeutet. Statt eines neuen Reetdachs, das historisch gar nicht zur ursprünglichen Bauweise der Mühle gehörte, wurde das Dach nun mit alten Tonziegeln eingedeckt, wie sie traditionell im Münsterland verwendet wurden. Damit kehrt die Rosswindmühle nicht nur zu ihrem historischen Erscheinungsbild zurück, sondern erhält auch langfristig besseren Schutz vor Witterungseinflüssen.

Zahnradkonstruktion und Bütte mit den Mahlsteinen

Die Hauptwelle: Eine mächtige, vertikal stehende Holzachse. Sie bildet das statische Zentrum. Sie ist am Boden in einem Eisenlager (dem "Pott") und knapp unter der Dachspitze in einem Halslager geführt

Das Stockgetriebe (Drilling): Die Zeichnungen zeigen hier anstelle moderner Zahnräder eine Art "Käfig" aus zwei Holzscheiben, zwischen denen runde Holzstäbe (Sprossen) stecken. In diese Sprossen griffen die Kämme des großen Rades und übersetzten die langsame Bewegung in eine schnelle Rotation für die Mühlsteine.

Das liegende Kammrad: Ein monumentales Zahnrad, das fest auf der Welle verkeilt ist. Historische Zeichnungen zeigen hier oft über 240 einzeln eingesetzte Holzzähne (Kämme) aus extrem hartem Hainbuchenholz, um den Verschleiß zu minimieren. 

Neben der Zahnradkonstruktion und der Bütte mit den Mahlsteinen sind im Inneren des Gebäudes eine Schrotmühle, ein Dreschkasten und andere Geräte für die Kornverarbeitung zu sehen.

 
 

Modell der Bockwindmühle

Landwirtschaftliche Geräte

 
 

Rundlaufgöpel der Rossmühle

 

Im 19. Jahrhundert begann in der westfälischen Landwirtschaft die Verbreitung der Göpel als Antriebskonstruktion, die für kleine Maschinen genutzt wurde. Ähnlich wie bei den Rossmühlen spannte man zum Betrieb der Göpel – je nach Bedarf – bis zu vier Pferde vor die einsteckbaren Balken und führte die Tiere im Kreis. Über Zahnräder und eine Antriebsachse wurde die Bewegungsenergie auf die verschiedenen Maschinen – wie etwa Tierfuttermühlen – übertragen. Die Göpel lösten durch ihren geräuschärmeren Betrieb und den geringeren Platzbedarf nach und nach die seit dem 17. Jahrhundert verbreiteten Rossmühlen ab.

Mühlenhaus

 
 
 
 
 

Die Viehställe waren im Hallenhaus in den Seiten der Deele untergebracht. Das Vieh lebte somit mit der Bauernfamilie und dem Gesinde als Teil der Hausgemeinschaft zusammen unter einem Dach. Diese Unterbringung wurde zwar von Zeitgenossen aus hygienischen Gründen kritisiert, ermöglichte aber die ständige Aufsicht über die Tiere, die zusätzlich Wärme spendeten. Die enge Wohngemeinschaft zwischen Mensch und Tier schlug sich in einigen Traditionen nieder: So wurde zum Beispiel neuerworbenes Vieh zur Aufnahme in die Hausgemeinschaft um das Herdfeuer geführt, und beim Tod des Bauern wurde den Tieren dessen Ableben verkündet. Über den Ställen befanden sich die halbhohen Hillen. Diese Futterböden konnten sowohl als Häcksel-, Korn- und Fruchtbühnen dienen als auch als Schlafplatz für das Gesinde oder die Kinder.

 
 
 

Zu beiden Seiten des Fletts öffneten sich die zwei Luchten, die verschiedenen Aspekten des bäuerlichen Alltags zugewiesen waren: Die Waschlucht (plattdeutsch auch Waskhook oder Waskort) wurde als „Fraulüdehook“ bezeichnet (Fraulüde = Frauleute, Frauen; Hook = Ecke, Winkel), weil sie der Arbeitsplatz der weiblichen Hausgemeinschaft war. Vergleichbar mit einer Spülküche wurden hier alle feuchten Arbeiten verrichtet. Durch eine Tür in der Wand wurde der tägliche Wasserbedarf hineingetragen, der rund 400 Liter betrug. Der größte Teil davon wurde zum Tränken des Viehs verwendet. Das Reinigen von Gerätschaften, Milcheimern, Wohn- und Wirtschaftsflächen sowie der Kammern stand nur an zweiter Stelle. Auch für das tägliche Kochen, der Zubereitung vom Tierfutter und der persönlichen Körperhygiene brauchte man natürlich Wasser. Gekocht wurde über der Herdstelle in der Mitte des Fletts. Mithilfe eines großen, an der Wand befestigten, schwenkbaren Wendearms konnten Mahlzeiten leicht in der Waschlucht in den schweren Kochtöpfen vorbereitet, über dem großen Feuer erhitzt und dann zum Esstisch transportiert werden.  

 
 

Die Gewinnung von Milch und die Herstellung von Milchprodukten war in Westfalen zumeist die Aufgabe von den weiblichen Hofbewohnerinnen. Um Butter „zu machen“, wurde die gemolkene Milch zunächst in eine flache Schale gegossen. Abhängig von der jeweiligen Jahreszeit dauerte es zwischen zwei und fünf Tagen, bis sich der Rahm von der Milch abgesetzt hatte und abgeschöpft werden konnte (=> Redewendung: „Den Rahm abschöpfen“). Die zurückbleibende Magermilch wurde verwendet, um Quark herzustellen oder das Vieh, insbesondere Kälber, zu füttern. Den Rahm sammelte man und bewahrte ihn kühl auf, bis die Menge zum Buttern ausreichte. Dabei wurde er öfter umgerührt. Wollte man Sauerrahmbutter machen, säuerte man ihn, indem man den Topf neben das warme Herdfeuer stellte. Anschließend wurde er in die Stoßbutterfässer gegeben. Die älteste Form eines Butterfasses ist hier links zu sehen und besteht lediglich aus dem Fass, einem Deckel, der das Herausspritzen der Milch beim Stampfen verhinderte, und dem langen Stempel. Das Stampfen der Butter war ein anstrengender Arbeitsvorgang, bei dem oft auch Kinder mithelfen mussten. Es dauerte zwischen 30 und 60 Minuten. Um die beschwerliche Arbeit etwas zu erleichtern, wurde sich auch einer großen Wippvorrichtung bedient, wie sie bei dem rechten Butterfass zu sehen ist.  

Als das Schreiben und vor allem das Lesen noch nicht so weit verbreitet war wie heute, waren Rituale und Symbole ein wichtiges Mittel, um schwierige Sachverhalte veranschaulichen zu können. Vor allem im Bereich des Rechts hatten solche Zeichen und Vorgänge die gleiche Gültigkeit wie schriftlichen Verträge. Am Beispiel des Herdfeuers lässt sich das zeigen. Dieses brannte eigentlich immer. Zu Nachtzeiten glühte es weiter, um am Morgen wieder leicht entzündet werden zu können. Nur, wenn ein Besitzerwechsel eintrat, wurde das Feuer mit Wasser gänzlich gelöscht und anschließend wieder neu entfacht. Mit dem Auslöschen des Feuers endete das alte Besitzrecht. Derjenige, der es wieder entzündete, machte seinen Anspruch geltend. Da die Feuerstelle unverrückbar und dauerhaft war, diente sie oftmals auch als Grenzpunkt. So ungewöhnlich es auch klingen mag: so manche Orts- oder sogar Territorialgrenze führte durch ein Haus. Das belegen alte Grenzprotokolle, die anlässlich von Grenzbegehungen (sogenannten Schnadgängen; Schnad = Grenze) aufgezeichnet wurden.

Die kunstvollen Metallplatten am Herdfeuer dienten zu mehr als nur der reinen Zierde. Tagsüber nahmen sie die abstrahlende Hitze des Herdfeuers auf und dienten so in der Nacht, wenn das Feuer heruntergebrannt war und nur noch glühte, als Wärmespeicher für das Haus. Häufig sind deshalb die Sitzplätze in der Nähe der Ofenplatten den wichtigsten Familienangehörigen vorbehalten gewesen.

Die wandfesten Betten (auch Durke, Butze, Beddekast, Beddewinkel, Alkoven, Wandbett, Dürk oder Durtich) waren im 16. und 17. Jahrhundert in Westfalen als Schlafstätten weit verbreitet. In ihnen schlief man in einer sitzenden Haltung, wobei das Bett, je nach Breite, häufig von mehreren Personen geteilt wurde. Gesinde und Kinder wurden über Nacht auf der Hille, einer Schlafbühne, untergebracht. Am Tag wurden die Schiebe- oder Klapptüren der Durke geschlossen und dienten als Wand der Wohnstube. Aufgrund ihrer mangelnden Hygiene, die durch schlechte Belüftung und zu seltenes Wechseln des Strohs bedingt war, wurden die Bettnischen schon seit der Zeit der Aufklärung (ab dem 18. Jahrhundert) kritisiert und für ungesund befunden. Die Abkehr von den Wandbetten fand allerdings in bäuerlichen Schichten nur langsam statt, sodass die Alkoven in manchen Regionen Westfalens noch bis in das 20. Jahrhundert weiterhin genutzt wurden.  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Webers Kotten

Aus Angelmodde ins Museum

„Webers Kotten“ ist eines von über 30 Fachwerkhäusern aus dem ganzen Münsterland, die im Freilichtmuseum Mühlenhof wieder aufgebaut wurden. Ursprünglich stand er an der Homannstraße in Angelmodde-West. Erst 1991 wurde das baufällige Gebäude dort abgerissen.

 

Der Webers Kotten im Freilichtmuseum Mühlenhof in Münster: Erst in den 1990er Jahren wurde die kleine Hofstelle an seinem ursprünglichen Standort an der Homannstraße in Angelmodde ab- und im Freilichtmuseum Mühlenhof wieder aufgebaut und restauriert.

 

Heute steht an derselben Stelle eine Wohnsiedlung, ein Investment der Apothekerkammer. Doch so mancher Annetteschüler aus den Wendejahren erinnert sich vielleicht noch an Klassenausflüge und Wandertage zur nahe gelegenen Hofstelle der Familie Theodor und Luise Brocks, den letzten Eigentümern des Fachwerkhauses. Die Hauptattraktion waren die Rentenpferde, von denen immer mal eines aus der lehmgestampfte Deele herausschaute.

 

Der „Webers Kotten“ ist ein Vierständerhaus, das um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Es war damals ein Haus der armen Leute am Stadtrand. Die kleinbäuerlichen Bewohner waren wohl zusätzlich zur Landwirtschaft auf Einkünfte aus handwerklichen Nebenerwerbstätigkeiten angewiesen. Daher auch der Name. Im Torbogen über der Tennentür ist die Jahreszahl 1753 zu finden. Am Herdfeuer die Jahreszahl 1759.

 

Alles begann im 16. Jahrhundert. Die Landbevölkerung war gewachsen, die vielen Bauernsöhne und -töchter, Knechte, Heuerlinge und Tagelöhner zogen an den Stadtrand. Ihre Kotten standen meist auf weniger fruchtbaren Böden, bei Webers Kotten war das nicht anders. Hinter ihm begann die „Sandwüste der Loddenheide“. Im 30-jährigen Krieg zogen marodierende Landsknechte über das Land: Zusammen mit anderen Bauernhöfen brannte der Angelmodder Kotten im März 1633 ab.

 

Die Geschichte des späteren Neubaus aus dem 18. Jahrhundert zeigt, dass es damals mit der Bauernbefreiung mitunter nicht weit her war. Eigentlich sollte das napoleonische Dekret von 1808 alle Bauern und Kötter zu freien Bürgern machen. In der Realität musste der Weberkötter einen Vertrag unterschreiben, der seine Kinder dazu verpflichtete, auf dem Gutshof des Pächters zu arbeiten. Ein Vertrag, der wohl nicht ganz rechtens war. Oder zu gut deutsch: Der Weberkötter wurde über den Tisch gezogen.

 
 

Beim Wiederaufbau in den Jahren 1992 bis 1994 wurde der Kotten gewissermaßen mit einem zweiten Fachwerkhaus vermählt. Der Zustand der alten Gewerke machte es nötig, Teile des Angelmodder Gebäudes mit den Hölzern eines Heuerlingshauses aus Borghorst zu ergänzen. Heute dient das Gebäude im Mühlenhof als Textilmuseum. Der Garten an Webers Kotten ist als Lehrgarten angelegt. Überwiegend wachsen dort Pflanzen und Sträucher, die für die Veredelung und Pflege von Textilien genutzt werden.

Bedeutung der Balken-Inschrift
  • Der Hofname (Genanntname): Die Formulierung „Wilhelmus Bunng genannt Webers Kötter“ zeigt das klassische westfälisch-lippische Anerbenrecht. Der tatsächliche Familienname war Bunng, aber durch die Heirat oder den Erwerb einer bestimmten Hofstelle (einer Kote/Kotte) übernahm die Familie im Alltag den Hofnamen „Weber“ oder „Webers Kötter“.
  • Der Status (Kötter): Das Wort „Kötter“ (oder Kater/Kottenbesitzer) verrät den sozialen Status der Bauherren. Kötter besaßen meist ein kleineres Haus mit etwas Land und betrieben oft nebenbei ein Handwerk – passend zum Namen „Weber“.
  • Schutz und Segen: Das Christusmonogramm IHS (oft gedeutet als Iesus Hominum Salvator – Jesus, der Retter der Menschen) diente als Haussegen, um das Gebäude und seine Bewohner vor Unheil, Feuer und Geistlichen Gefahren zu schützen.
  • Das Baudatum: Die Datierung auf den 24. April 1779 (Frühjahr) war die typische Zeit für das Aufrichten eines Fachwerkhauses, da das Holz über den Winter geschlagen und im Frühling gezimmert wurde.
 
 
 

Historische Herdanlage in Webers Kotten

 

Webers Kotten ist ein sogenannter Vierständerbau, der ursprünglich im Jahr 1753 in Münster-Angelmodde errichtet wurde. Zwischen 1992 und 1994 wurde das historische Fachwerkhaus abgebaut und auf das Museumsgelände am Aasee umgesetzt. Es zeigt exemplarisch, wie eine kleinbäuerliche Familie lebte, die neben der Landwirtschaft auf handwerklichen Nebenerwerb (wie das Weben) angewiesen war.

Die Herdanlage im Detail

  • Gusseiserne Elemente: Im Gegensatz zu den ganz offenen, bodengleichen Flettküchen größerer Höfe besitzt dieser Bereich eine gemauerte Herdwand mit verzierten, gusseisernen Ofentüren und Backfächern.
  • Kesselhaken (Kesselreep / Kesselrute): Zentral im Bild hängt der verstellbare, gezahnte Eisenhaken, an dem der Kochkessel direkt über der Hitzequelle in der Höhe reguliert werden konnte.
    Kesselräh / Räh: Die hölzerne Stange, die quer über der Feuerstelle verläuft (oben im Bild zu sehen) und das Gewicht trägt.
  • Vielseitige Nutzung: Solche kombinierten Ofenanlagen dienten im Kotten gleichzeitig zum Kochen, Backen, Heizen der angrenzenden Stube sowie zum Räuchern von Fleischwaren im darüberliegenden Rauchfang.

Sprichwort: Einen Zahn oder Zacken zulegen:

  • Der „Zahn“: Wollte man, dass das Essen schneller kocht oder das Wasser schneller heiß wird, hängte man den Topf einen Zahn oder Zcken tiefer – also näher an die Glut. Man gab dem Topf buchstäblich „einen Zahn zu“, um die Kochgeschwindigkeit zu erhöhen. Daraus entwickelte sich unser heutiges Sprichwort für „sich beeilen“.

Im Erdgeschoss des Hauses ist auf der früheren Deele und in der Upkamer die Dauerausstellung „Weibliche Handarbeiten 1850 - 1930" zu sehen. Ausgewählte Beispiele aus der umfangreichen Spezialsammlung des Museums vermitteln hier vielfältige Einblicke in die Handarbeitskultur und damit zugleich den Frauenalltag vergangener Zeiten. Thematische Schwerpunkte sind der Handarbeitsunterricht, die Wäscheaussteuer der Braut und die Bedeutung, die „nützliche" und „feine" Nadelarbeiten im Leben der Hausfrauen einst hatten. Eine weitere Abteilung geht auf die Verdrängung der Handarbeit durch Industrieerzeugnisse sowie den Handel mit Textilien und Handarbeitsbedarf ein.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tiere und Gärten

 
 
 
 
 
 

Feuerwehr

 
 

Dorfkrug

Kapelle und Glockenturm

 
 

Der 1965 errichtete Glockenturm ist mit einer Bronzeglocke aus dem 18. Jahr-hundert ausgestattet, eine Stiftung der früheren Glockengießerei Monasterium aus Münster. In schwach besiedelten Gegenden wurden solche einfachen Glockenstühle aufgestellt, um bei Not und Gefahr Hilfe rufen oder warnen zu können. Auch Hochzeiten und Todesfälle gaben Anlass zu einem Geläut. In katholischen Gegenden ertönte die Glocke morgens, mittags und abends zum Angelusgebet.

 

  • Funktion: Diese zeltartige Hütte diente als Nachtlager für eine Wache, die Leinenwäsche auf der Rasenbleiche vor Diebstahl schützte.

  • Historischer Kontext: Die Hütte ist eine Rekonstruktion von 1965, basierend auf Vorbildern aus dem Hümmling im Emsland.

  • Bleichverfahren: Vor chemischen Bleichmitteln wurde Wäsche auf Wiesen ausgebreitet, tagsüber mit Wasser besprengt und nachts durch Taufeuchtigkeit gebleicht

 

 

 
 
 
 

HIGHLIGHTS 2025/2026